Kummer 155*
Montag, 6. Juli 1931
21. Jahrgang
Hessische Abendzeitung
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Kasseler Abendzeitung
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Kasseler Neueste Mchrichten
Washington macht Bilanz
ist
ten Dr. Luther übermittelt worden und hat in der Sitzung des Eeneralrates der Reichsbank vorgelegen. Diese politische Entspannung, die dadurch zunächst yi verzeichnen war (die Meldungen über neue Schwierigkeiten in Paris datieren erst von heute früh), ist sicherlich auf den Eeneralrat der Reichsbank nicht ohne Einfluß geblieben. Die bisher von der Reichsbank angewendeten Mittel (Diskonterhöhung und Kreditrestriktion) werden zwar im Augenblick noch nicht wieder rückgängig gemacht werden können, aber es ist schon ein sehr wichtiges Moment, daß die Reichsbank auf die vorsorglich in Aussicht genommenen weiteren Maßnahmen verzichten kann und daß sie ihren Status schon jetzt als erleichtert ansieht. Bei weiterer Beruhigung wird auch eine baldige Lockerung der bisherigen Maßnahmen in Aussicht gestellt werden können.
Paris, 6. Juli.
Erst in den frühen Morgenstunden des Montags ging in Paris aus Washington die Nachricht ein, daß Hoover die französischen Vorschläge hinsichtlich der Sachlieferungen rundweg abgelehnt habe. Schatzsekre- rar Mello» habe noch am Sonntag nachmittag eine telephonische Unterredung mit Hoover gehabt und sich die größte Mühe gegeben, den Präsidenten davon zu überzeugen, daß der französische Standpunkt annehmbar sei. Nichtsdestoweniger ist man aber in Washington anscheinend der Ueberzeugung, daß die französische Haltung in der Frage der Sachtieferungen nicht im Einklana mit dem Hooverplan zu bringen ist.
Die amerikanisch-französische Einigung über den Hooverplan, die in der amerikanischen Note festgestellt wird, wird nach Auffassung Berliner politischer Kreise dadurch charakterisiert, daß den Franzosen eine Reihe formal-technischer Zugeständnisse gemacht wird, die aber die volle finanzielle Entlastung Deutschlands für ein Jahr erhalten. Bemerkenswert ist, daß auch bei den nach offen gebliebenen Fragen, an denen die Amerikaner nicht beteiligt und Deutschland wenig interessiert ist.
amerikanischen Regierung über die Anwendung der Kredite gegeben hat und die in der hiesigen Presse mit ganz besonderer Genugtuung ausgenommen worden ist. Der Kanzler hatte darin erklärt, daß die gestundeten Beträge nicht für Rüstungszweck« verwendet werden sollen. Jetzt seien, so schreibt man, die Befürchtungen ausgeschaltet, die man mit Recht von französischer Seite geltend gemacht habe. Jetzt könne die französische Regierung ohne Hintergedanken und ohne Beunruhigung dem Hooverplan zustimmen. Dieser Auffassung, der der „Petit Parisien" Ausdruck gibt, fchließt sich das .Journal" an und fugt hinzu, daß die Frage des Anschlusses noch Gegenstand be- sonderer deutsch-französischer Besprechungen sein werde(l). Der Panzerkreuzerbau sei jedoch noch viel heikler, da England hieran fast uninteressiert sei.
Di« englischen Absichten gingen vielmehr dahin. Frankreich in seinen Rüstungen aufzuhalten. Dies sei jsdoch ganz unmöglich, solang« nicht positive Siche- rungsbcdingungen vorlägen. In diesen Sicherungs- bevingungen, die von Deutschland gegeben sein müßten, gebe es noch viel wichtiger« Dinge als dar Panzerkreuzer. Es seien insbesondere die geheimen Rüstungen, (?!) die im heutigen Reichsbaushalt eine« derartigen Umfang angenommen hätten, daß jetzt schon Kredit« für 24 000 Maschinengewehren (!) eröffnet worden seien, obwohl Deutschland nach dem Versailler Vertrag nur Anrecht auf 2000 habe.
Wieder Geschrei nach Sicherheit!
Paris, 6. Juki.
Ein besonderes Ereignis in den Verhandlungen die Erklärung, die der Reichskanzler der
Die Denkschrift, die Staatssekretär Mellon Sonntag in Paris überreicht hat, und die vom Washingtoner Staatsdepartement veröffentlicht worden ist, gab einleitend der Freude Ausdruck, daß die französische Regierung jetzt in allen prinzipiellen Fragen mit ihr übereinftimme.
Die Regierung der Bereinigten Staaten nehme zur Kenntnis: Frankreich verzichte für ein Jahr auf Zahlungen von Deutschland, das Prinzip der Kontinuität der ungeschützten Zahlungen werde anerkannt. während Deutschland gleichzeitig entlastet werde. Nach dem Vorschlag der französischen Regierung sollen die Aoungzahlungen der Deutschen Reichsbahngesellschaft an die BJZ„ wie bisher, geleistet werden. Derjenige Teil der Zahlungen, der zur Verteilung an die verschiedenen daran beteiligten Regierungen bestimmt ist, werde der Deutschen Reichsbahngesellschaft als Anleihe wiedergegeben und ihr für jede Verwendung, auch zu Anleihen an die dwttsche Regierung, verfügbar sein. Die Zahlung der deutschen Reichsbahngesellschaft nach dem Doung- plan schließe aber nicht den Zinsendienst für die deutsche äußere Dawesanleihe von 1924 ein, der von Deutschland geleistet werden müsse.
Nach weiteren Einzelbestimmungen über Zinsendienst besagt die amerikanische Denkschrift, die Regierung der Vereinigten Staaten nehme Kenntnis, daß 25 Millionen Dollar von der ungeschützten Annuität, die an die BIZ. eingezahlt worden seien, für Anleihezwecke an die mitteleuropäischen Staaten zur Verfügung gestellt werden sollen. Tie amerikanische Regierung halte eine Annahme dieses Vorschlages durch die Vereinigten Staaten nicht für gerechtfertigt, nehme aber zur Kenntnis, daß die französische Regierung einen Kredit seitens der Zentralbanken als angemessenen Ersatz für die ursprüngliche französische Anregung angebe. Die amerikanische Regierung weise jedoch darauf hin, daß ein Schritt der Zentralbanken nicht zum Gegenstand einer Vereinbarung zwischen den Regierungen gemacht werden könne.
Was die Tilgung der ausgesetzten Zahlungen anbelangt, so nehme die amerikanische Regierung zur Kenntnis, daß die französische Regierung
schüttern werde. Die Reichsbank brauche einen Kredit von einer Höhe, der sie wirklich unangreifbar mache. Die psychologische Rückwirkung eines solchen Kredits würde es unnötig machen, die neuen Kredit« wirklich zu gebrauchen und würde den Vereinigten Staaten die Möglichkeit geben, die Verhandlungen fortzusetzen, ohne daß sie dauernd von der drohenden Lage in Deutschland beeinflußt würden. „Daily Telegraph" meint,
Snowden werd« anf seinem Anteil an dem Garantiefonds bestehen.
England bringe schon genügend Opfer. Es .könne nicht wegen finanzieller Pedanterie noch mehr Opfer bringen. England habe volle Freiheit, die Politik einzuschlagen, die von Vernunft und Anstand dirigiert werde.
Reichsbahn. Dies ist der einzige Punkt, über den gegenwärtig zwischen den beiden Regierungen Meinungsverschiedenheiten bestehen. Aber es ist ein fE 61 heikler Pu nkt, und wir können gegenwärtig selbst um der bestehenden Verträge willen nicht nachgeben, weil dann die Gefahr bestünde, daß der durch die Sachverständigen auszuarbeitende Plan ^.Echland nicht die vorgeschlagene Hilfe geben würde. In dieser Hinsicht hat daher die französische Regierung den Hoover, plan nicht angenommen. Wir hoffen jedoch, daß dies in den nächsten zwei oder drei Tagen geschehen wird.
Das Mißverständnis...
Grenzzwifchenfall auf dem Rhein
Straßburg, 6. Juli.
Von einem Grenzzwischenfall auf dem Rhein geben das Journal d'Msae et de Lorraine" und die „Neue Zeitung" folgende Darstellung: „Am Sonnabend nachmittag gerieten Mei Fifcher aus dem elsässischen Dorf Wanzen au auf dem Rhein in die Strömung und wurden bis mtf etwa 40 Dieter gegen das hÄüsche Ufer abgetrieben, in die deutschen Gewässer hinein. Ein deutscher Zollbeamter rief die Fischer an und forderte sie zum Landen auf, um ihre Ausweispapiere zu prüfen, nachdem er die beiden trotz ihres Leugnens als Elfäffer erkannt hatte. Als das Boot weiter stromabwärts fuhr, habe -der Zollbeamte drei Schüsse aus einem Dienstrevolver abgegeben, und den einen Fischer schwer verletzt. EMa 500 Meter weiter stromabwärts 'habe dann das Fischerboot das elsässische Ufer wieder erreichen können, lieber den Zwischenfall, von dem in der französischen Darstellung selbst zugegeben wird, daß er sich im deutschen Hoheitsgebiet abgespielt hat, haben die französische Gendarmerie und die Grenzpolizei eine Untersuchung eröffnet. Eine amtliche deutsche Meldung über den Vorfall steht noch aus.
Oer strittige Punkt: (Nachlieferungen _ Eigener Drahtbericht
jcfct bereit sei, sämtliche Rückzahlungen von dem Ende des Moratoriums an gerechnet auf zwei Jahre guszusetzen. Sie sollen nach dieser Frist, so heißt es in der Denkschrift, in einer Zeit von zehn Jahren in gleichen jährlichen oder halbjährlichen Beträgen erfolgen. Die amerikanische Regierung sei mit dieser Tilgungsfrist einverstanden unter der Voraussetzung, daß gewisse andere Fragen in befriedigender Weise erledigt würden.
Was den Garantiefonds anbetreffe, deute die französische Regierung jetzt an, daß sie diese Frage aus der Debatte lassen könne, soweit die amerikanische Regierung in Betracht komme.
Der Schluß der Denffchrift besagt, aus dem allen gehe hervor, daß anscheinend in der Hauptfrage die beiden Regierung im wesentlichen übereinstimmen, nämlich: Dem Prinzip der Kontinuität der ungeschützten Zahlungen; der Art auf die man Deutschland vollkommene Entlastung durch die Rückgabe als Anleihen der bei der BIZ. eingezahlten Summe gewähre: dem Prinzip der gänzlichen Einstellung aller Zahlungen für die Dauer eines Jahres und der Zeitspanne für die Tilgung der eingestellten Zahlung Die anderen Fragen schienen nicht derart schwerwiegenden Charatters, daß sie einen Grund für die weitere Verschiebung einer endgültigen Vereinbarung zwischen den beiden Regierungen dartzellen. Die amerikanische Regierung meine, daß man diese Fragen ruhig einem Sachverständigenkomitee der Finanzministerien der hauptsächlichen beteiligten Mächte überlassen könne, daß sie aber im Geiste des Hoover Vorschlages erledigt werden müßten.
th. Berlin, 6. Juli.
I Der gestrige Sonntag hat sowohl in politischer wie I in wirtschaftlicher Hinsicht eine wesentliche Erleichte- I rung gebracht, und War einesteils durch den Be- I schlug des Eeneralrates der Reichsbank, auf eine Sen- I kung der Deckungsgrenze für die Reichsbanknoten zu verzichten, und andererseits durch die amerikanische Rote, in der die grundsätzliche Einigung der amerikanischen und der französischen Regierung über den Hooverplan festgestellt wird. (Ueber die neuen Schwierigkeiten, die in Paris aufgetaucht sind, berichten wir an anderer Stelle. D. Red.) Selbstverständlich stehen diese beiden Dinge in engem Zusammenhang miteinander.
Die Tatsache, daß der Eeneralrat der Reichsbank in seiner am Sonntag abend abgehaltenen Sitzung, deren Einberufung bereits eine gewisse Beunruhigung heroorgerusen hatte, von dem Berichte des Reichs- bankpräfidenten Dr. Luther Kenntnis nahm, ohne den Antrag auf Herabsetzung der Deckungsgrenze der Reichsbanknoten zu stellen, wird in maßgebenden politischen Kreise« mit Recht als ein sehr wesentliches Zeichen der Entspannung der Lage angesehen.
Eine vorübergehende Herabsetzung dieser Deckungsgrenze, die in Deutschland ohnehin verhältnismäßig liegt, würde nach dem § l,9 des ReichsbankgesetzStz oyn« weiteres zulässig sein und würde an sich keine irgendwie bedenkliche Maßnahme bedeuten. Immerhin hätte ein solcher Schritt in der gegenwärtigen nervösen Eesamtstimmung wahrscheinlich neue Beunruhigung in der Oeffentlichkeit. hervorgerufen. Es.ist daher sehr zu begrüßen, daß die Reichsbank sich ohne dieses Mittel in der Lage sieht, die Schwierigkeiten in der jetzigen Situation zu bewältigen. Diese Stellungnahme des Eeneralrates der Reichsbank ist offensichtlich stark von der gestern abend eingetrofsenen Rote der amerikanischen Regierung beeinflußt worden, die Staatssekretär Mellon gestern in Paris überreicht hat. In dieser Note wird die grundsätzliche Einigung zwischen Washington und Paris über den Hooverplan festgestellt. Diese Note ist gestern abend selbstverständlich sofort dem Reichsbankpräsiden-
London, 6, IM.
_ Zu den Schwierigkeiten, die sich aus der Frage der Sachlieferungen ergeben, erfährt der Washingtoner Mitarbeiter der „Times" aus bestunterrichteter Quelle, daß die Franzosen entweder in dem Tert der französischen AnMort öder in den Unterhandlungen mit Mellon der amerikanischen Regierung von ihrer Auffassung Kenntnis gegeben hätten, wonach es unwahrscheinlich sei, daß eine für Frankreich zufriedenstellende Losung innerhalb dessen gefunden würde, was die Amerikaner als den Geist des Hoover-Planes bezeichneten. Anscheinend hätten die Franzosen auf Onni, eures Mißv« r stä ndn i s se s im früheren Stadium der Verhandlungen den Eindruck er» batten, daß die Amerikaner zu.den Zugeständnissen bereit gewesen leien, wonach die Sachlieferungen, für die bereits Verträge laufen, von dem Inkrafttreten des Hoover-Planes nicht berührt werden. Auch sei die Haltung Amerikas doch nicht so einfach gewesen, denn wenn die Sachlieferungen und Zahlungen nicht nur an Frankreich, sondern auch an England und Italien fortgesetzt würden, so bedeute das offensichtlich eine merkliche Abweichung vom Hoover-Vorschlag, daß angeblich die Gläubigermachte keine Zahlungen von Deutschland erhalten. Es handele sich für Amerika darum, in dieser Frage zu einer neuen Losung zu kommen.
Im Folgenden geben wir die gestern veröffentlichte amerikanische Note wieder, aus der di« Hoffnung abgeleitet werden konnte, daß noch im Laufe des heutigen Tages alle noch ausstehenden Fragen in Paris erledigt werden würden, da aus ihr die oben geschilderten Meinungsverschiedenheiten in der Sach- i lieferungsfrage noch nicht mit voller Deutlichkeit erkenntlich waren:
Washington, 6. Juli.
Son hoher amtlicher Stelle wurde dem Vertreter des 3MB. folgende Erklärung über de« gegenwür- tigen Stand der französisch-amerikanischen Verhandlungen ^geben: Wir sind eben im Begriff, das srackzo,ische Memorandum über die Reparationen m freundschaftlichem Geiste zu studieren und neue Weisungen zu geben, von denen wir hoffen daß sie von der französischen Regierung angenommen wer- den.
Die Hauptschwierigkeit besteht darin, daß wir in Vorschlag brachten, die verschiedenen Fragen müß- einem Ausschuß »w Sachverständigen ber verschiedenen Schatzämter übergeben werden mit der festen Anweisung, daß die einzelnen Fragen im Geiste des Vorschlages des Präsiden- tEn geregelt werde« müßten. Das ist nun der Punkt, dem die Franzosen nicht zustimmen wollen. Sie wünschen, daß den Sachverständigen vollkommene Freiheit in der Entscheidung dieser Angele genheiten gegeben werde, während wir erklären, daß diese keine befriedigende Lösung ergeben könne.
Wir wollen die bestehenden Verträge über die Reparationen keineswegs zerstören, aber es darf während des vorgeschlagenen Feierjahres das Budget keines Landes belastet werden. Wenn die französische Regierung z. B., nachdem sie durch die französischen Käufer der deutschen Sachlieferungen bezahlt worden ist, zustimmen würde, daß dieses Geld Deutschland wieder geliehen würde, dann läge dies im Sinne des Vorschlages des Präsidenten, ebenso wie die Zurverfügungstellung des Geldes für die
Michsbank zuversichtlich!
(Von unserer Berliner Schriftleitung.)
Neue Schwierigkeiten in Paris
Hoover lehui die französischen Vorschläge zur Sachlieferungsfrage ab / Auch heute kein Abschluß der Verhandlungen? / England mahnt zur Eile
überall betont wird, daß auch diese Fragen im Sinne I des Hooverplanes geregelt werden müssen, d. h. daß I auch daraus für Deutschland keine neue Belastung I entstehen wird.
Als wesentliches Moment dieser Not« 'sind an I Zugeständnissen für Frankreich hervorzuheben, daß das Prinzip der Kontinuität der Zahlung der ungeschützten Annuitäten bestätigt wird und daß ein Kredit an die kleinen europäischen Reparationsempfänger in Aussicht genommen ist. Dieser Kredit soll aber nicht aus der deutschen Zahlung, sondern aus Mitteln der BIZ. genommen werden. Demgegenüber ist im Sinne der deutschen Forderungen feftzustellen, daß für ein voll es Jahr eine re st lose finanzielle Entlastung emtritt, daß die ungeschützten Annuitäten lediglich buchungsmäßig überwiesen, aber sofort in voller Höhe im Kreditwege uns wieder zugänglich gemacht werden. Daß dies nicht für die Reichsregierung, sondern für die Reichsbahn geschieht, ist daraus zu erklären, daß die Reichsbahn der Garant des ungeschützten Teiles der Annuitäten ist. Die Rückzahlung des erwähnten ! Kredites soll nicht in 5 Jahren, wie die Franzosen es wollten, sondern in 12 Jahren geschehen, von denen die ersten beiden Jahre rückzahlungsfrei bleiben. Auch hier haben also di« Amerikaner sich zu Zugeständnissen bereit gefunden.
Englische Warnungsrufe
London, 6. Juli.
Zu den Verhandlungen ht Paris schreibt der diplomatische Mitarbeiter des „D a i l y M a i I“, es werd« wohl schon zu spät sein, wenn alle Fragen unter Dach und Fach gebracht wären. Der Kernpunkt des Hoovervorschlags, so heißt es in dem Leitartikel dieses Blattes, sei die schnelle Hilfe für Deutschland gewesen. Der Plan hätte schon längst in Kraft sein sollen. Während das wirtschaftliche Rom brenne, hielten die politischen Neros die Leier. Die Lage sei vielleicht noch ernster als iss dem Augenblicke, in dem Hindenburg sein Telegramm nach Washington gesandt habe.
Die Politiker sollten jetzt nicht über künftige Dinge sprechen, sondern sich nur an die harten Tatsachen halten,
denn wenn sich die Dinge so weiter entwickelten, werde es bald keine Reparationen und keinen Poungplan, sondern nur noch ein gigantisches Unglück geben, das bi« ganze Welt in ihren Grundmauern er-