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Mittwoch, 1. Juli 1931

Kasseler Neueste Nachrichten

Seite 3

E. v. Ungerh-Sternberg:

chen, die dicke, selbstgewickelte Zigarre im Mund«, vor ihnen lagern Berge von Blumen und Früchtem im Schatten der Paraisobäume aber wartet verstoh­len das Abenteuer . . .

3m Lande der Orangen, Falter und Schlangen

Vom Deutschtum in Paraguay

der Sehnsucht und für

Oer Prinz von Wales tanzt

wir Orangen-,

Die heutige Nunimr umfaßt 12 Seiten

Lutz Weltmann.

die herrliche Natrir, die Fruchtbarkeit und Fülle ent­schädigen für alle Uebel. und man fühlt sich bald

er sich weit ab Symphonie von

manche das Land der älteste deutsche Kolonie eine Stunde Bahnfahrt einer herrlichen Lagune

genbäumen und Palmen Guitarren und irgendein Ufer des breiten Stroms Land, aber es ist so still,

zuschlafen scheint. Am Marktvlatz träumen, nur in ihre Bettlaken gehüllt, schwarzäugige Jndianermäd-

klingt das Klimpern sehnsüchtiges Singen, plätschern die Wellen daß auch das Wasser

der Hölle an. Sandflöhe, die eingraben, die und schließlich Qual die den

wie in einem Dempel Gottes, den vom Trubel der Welt aus einer Farven geschaffen hat.

Ueberall in Paraguah finden

Kunst und Wissenschaft

Kommende Uraufführungen.

von Am ans ein-

Neben den Giftschlangen werden die sich unter der Haut der Fußnägel Zecken, die sich ins Fleisch einsauaen. die Myriaden von Mvsquitos zur Menschen blutgierig überfallen, aber

Dies waren an jenem Mend die letzten Worte, die ich vernahm. Ich weiß nicht, ob Hildebrand über ihnen einschlief oder ich. Ani andern Tag, auf einer Erkundung, ist er dann also gefallen, und es bleibt schon eigentümlich, daß er genau diesen letzten Abend wühlte, um so viel über sich selbst zu erzählen. Gerade das tat er sonst niemals.

Und doch wollte ich eigentlich, ich hätte mehr der­gleichen von ihm gehört. Er war ja gewiß kein so­lider Mensch, dieser Hildebrand, er war sogar ein ganz lebensuntüchtiger Mensch, so viel ist klar, er war niemand, den man sich als Beispiel nehmen könnte. Aber trotzdem...

Treiben einer werdenden Kolonie auf. man sieht keine abenteuernden Gestalten, die im fernen Süd­amerika ein neues El-Dorado zu entdecken hofften, die, von ^ndia-nergeschichten berauscht, sich wundern, dass die Guarani-Peone nicht "»fir mit Giftpfeilen hantieren und * ine Bemalung tragen, sondern, daß sie vielmehr sich ganz gut in Lohnfragen ausk-nnen, sich wie die einaewanderten Europäer benehmen und sich der Sitten ihrer Urvorfahren nur erinnern, wenn sie etwas zu viel vom selbstgebrannten .Zuckerrohr­schnaps aenoffen haben. Auch die wilden Tiere des Urwaldes, die übrigens in Paramigy recht rar sind, schleichen kaum um diese gesitteten, wohlhabenden Kolonien herum, in denen alles wichtig ist, was im Schatten des Kirchturms geschieht und in denen das Außergewöhnliche, genau wie in einer deutschen Kleinstadt, Verdacht und Mißtrauen erregt. Dafür ist man aber um so besser über das Leben und Trei­ben der lieben Mitkolonisten unterrichtet. Wohl gibt es in der Lagune einige Fakares, amerikanische Kro­kodile, die das Baden verleiden, in den Bächen mö­gen Zitteraale aus dem Grunde lauern und Pferde oder Menschen durch ihre elektrische Entladung be­täuben; vielleicht verirrt sich auch eine Wildkatze oder gar ein Puma aus die hohen Lapachobäume, er ist aber den Menschen nicht gefährlich und reißt im schlimmsten Falle ein verirrtes Rind. Aber das Paraguay der undurchdringlichen Urwälder, in denen die Indianer noch ihre Pfeil« vergiften, in die es keine Wege gibt, liegt fast nebenan. Der Chaco am rechten Ufer des Paraguaysttomes ist kaum erforscht, und der Einwanderer, der sich in die Wildnis wagt, um zu roden und um zu kämp­fen, steht weit hinter den Kulissen der Zivilisation und kann noch manches Lederstrumpf-Abenteuer er­leben.

, In Paraguay hat Dr, Förster,. der Schwager Nietzsches, im Jahre 1886, in einem Gebiet, das an Ausdehnung einem deutschen Fürstentum gleich­kommt, die Kolonie Neu-Germanien gegründet. Dort hat die Schwester des deutschen Philosophen durch einige Jahr« einen liebenswürdigen Hof gehalten. Ihr kleines, wenn auch mit Maisstroh gedecktes Häuschen am Eingänge in die Kolonie war das ein­zige steinerne Gehäude und konnte mit seiner euro­päischen Einrichtung einem Palazzo verglichen wer­den. Dort auf der Veranda, umgeben von hohen Bananenstauden und Ananasboeten, versammelten sich häufig die Familie des Baron von Malzahn, der in der Nähe aus seiner Estancia ein fteines Pa­radies geschaffen hatte, und einige bevorzugte Kolo­nisten und Gäste, um sich von der freundlichen Frau Elisabeth bewirten zu lasten und um von der Welt zu reden, die durch Tausende von Meilen getrennt in der Heimat zurückgeblieben war, und die doch so tief im Herzen aller wurzelte. Wenn man aus der Hauptstadt Asuncion die Fahrt nach Neu-Germa- nien antritt, so wird man nach einer Nachtfahrt auf dem Stromdampfer nach der brasilianischen Provinz Malta Grosso im Morgengrauen mitten im Zauber­garten des tropischen Südamerika in Barancarlta, am Ausfluß des Ijeghui, gelandet. Die Sonne hebt

Wie aus dem

Nein, Kurt gefällt mir nicht, der ist ja zu nicht- fähig!"

Und Richard?"

Ja, weißt du, der ist wieder zu allem fähig!"

(Goblin")

Korpulenz im Sommer

ist besonders lästig. Bei übermäßiger Körperfülle oder Dera», lagung hierzu nehmen Sie morgens, mittags und abends 2 bis 3 To luba-Kerne, di» Sie in Apotheken erhallen.

wird die Erfahrung machen, daß, wenn er in der Heimat dieselbe Energie und Enchehrungsfreudig- keit wie in Südamerika bewiesen hätte, sein Leben sich leichter und erfolgreicher als in der Fremde ge­staltet hätte. Paraguay schlummert noch ein wenig den Dornröschenschlaf, das Lebenstempo ist lang­sam, die Arbeit wird schlecht bezahlt und der Kre­ole und Indianer begnügen sich mit dem, was ihnen di« Natur in Fülle und Fruchtbarkeit bietet. Trotz­dem Paraguay an Ausdehnuua großer als das deutsche Reich ist, hat es kaum eine Million Ein­wohner. Asuncion entwickelt sich nur langsam zur Großstadt. Wenn die Dunkelheit hereinbricht hört der Verkehr auf, nur aus den Gärten, unter Oran-

Berantwortltch für den politischen Teil: Dr. Walter Pehnt: für Öa8 Feuilleton: I. V. Dr. Walter Pebnt: tur lokalen und Heimatteil: Dr. Hans Joachim ® la 6 er; für öanöel: Dr. Hans Langenberg: für Sportteil: Herbert Svetch; Photo-Redakteur: Eduard Schul,. Keffel; für ben Anzeigenteil: Konrad Wachsmann. 77 Berliner -Schriftleitung- Dr. Walter Thum, 8er.

6A - Druck und Verlag: Kasseler Neueste Nachrichten G. m. 6 H.. Kassel. Kölnische Stratze 10.

. . mit tief blauem Master.

Wohlhabende Asuncioner haben dort ihre Sommer­villen, aber San-Bernardino weist nicht mehr das

Seit 50 Jahren ist Paraguay für viele deutsche Auswanderer das Land

Berlin, im Juni 1931.

In Paraguay, im deutschesten der südamerckani- schen Staaten, wurde in diesen Wochen der Palast derBanco Germanica de la America del Sur" er­öffnet. Zur Einweihungsfeier der Deutschen Bank waren neben anderen Güsten der Präsident der Re- bublit, Dr. Guggiari, der Finanzmimster Dr. Riart und der Erzbischof von Paraguay erschienen. Die Vertreter der Regierung betonten in warmen Wor­ten die Bedeutung des Deutschtums für die Entwick­lung und den Werdegang des Landes und hießen joden Deutschen, der sich in Paraguah durch Arbeit und Können eine neue Heimat schaffen wolle, herz­lich willkommen. Die sonst so ruhige Hauptstadt Asuncion erlebte anläßlich der Einweihungsfeier einen deutschen Festtag.

ben das Schauspiel eines jungen österreichischen Schauspielers Franz DattnerIm Zeichen des Mars" zur Uraufführung für die nächste Saison erworben.

Eine neue Johann-Strautz Operette. In der nächsten Spielzeit wird auch die Neubearbeitung der bereits in Vergestenheit geratenen OperetteIn­digo" von Johann Strauß vorliogen. Die musika­lische Bearbeitung stammt von Dr. Felix Günther, der Text von Hagen.

Die Ueberbleibsel aus der Glaspalast-Katastrophe werden ausgestellt. Im Bayerischen Kunstgewerbe­verein werden gegenwärtig die Trümmer au§ der Kunstgewerbeausstellung des abgebrannten Glas- Palastes in München ausgestellt. Man sieht Gold­schmiedearbeiten. deren ehemalige Form nicht mehr zu erkennen ist. So zeigt sich das berühmte Wetz­larer Iilberbcsteck der -stabt München in schwarzen »Quarzstücken mit Edelmetall verschmolzen. Aucy ein dreibändiges Werk der Bremer Presse ist in schicht­weise gelegte Papierasche noch zu sehen.

Auch die Tonfilm-Schriftsteller organisieren sich. Die Tonfilm-Schriftsteller haben sich zu einem Ver­band zusammengeschlosien. um in Gemeinschaft mit den Organisationen der Urheber und Verleger die Einführung einer Tonfilm-Theatertantieme zu er­reichen. Vorsitzende sind Dr. Alfred Schirokauer und Ernst Neubach. Stellvertreter Adolf Lantz und Heinz Goldberg. Schriftführer Margarete Maris Langen und Beisitzer Dr. Johannes Brandt, Hans Bren- ncrt, Walter Reisch. Franz Schultz Außerdem haben sich angeschlossen: Alcrander Alexander. Richard Arvay, Jaques Bachrach, Paul Frank, Mar Jungk, Hany Kahn, B. E. Lüthge. Earl Maver, Earl Rott, Friedrich Raff. Franz Rauch, Hans I. Rehsifch, Julius Ukgiß und Hans Zerlett.

sich Plötzlich am östlichen Himmel empor und taucht alles in Gold und Purpur. Kolibris schwirren um blühende Büsche, Scharen von Papageien, Loros und Arrbas flattern um die Palmen, Völker von Schmetterlingen und Insekten suchen die Blumen, und die Luft ist erfüllt von tausend Düften! Peone, harfuß mit angeschnallten Sporen, den Poncho über die Schulter geworfen und den Hut tief ins Gesicht gedrückt, entzünden am Ufer ein Feuer, lassen in einem Kessel das Wasser sieden und gießen es über den Paraguay-Tee in der Bombilla, ohne den kein Südamerikaner auszukommen vermag. Die Mate schmeckt bitter, aber gewürzia und erfrischend, dazu wird ein süßlich schwerer Tabak geraucht, den man von einer gepreßten Rolle abschabt und in Mais­blätter wickelt, etwas übel riechendes, in Streifen geschnittenes, in der Sonn« gedörrtes Fleisch wird genossen, und nun kann an den Aufbruch gedacht werden.

' Nur zu oft macht sich die Plage Südamerikas, die Brut der Giftschlangen, bemerkbar. Ein unheim­liches Klappern tönt aus dem nahen Guayavenge- büsch. Eine Klapperschlange ist in ihrer Ruhe ge­stört worden und hält sich für ben Angriff bereit. Wer eine Giftschlange sieht, braucht sie nicht zu fürch­ten, man kann ihr gefahrlos durch einen Schlag mit einem Stecken das Rückgrat brechen, aber es gehört ein sehr scharfes Auge dazu, um das Reptil auf dem Boden zu bemerken, es paßt sich in seiner Färbung so der Umgebung an. baß man es nicht von den Blättern, ben Gräsern und Acsten unterscheiden kann. Die Lanzenfthlangen machen sich durch einen eklen schwachen Moschusduft bemerkbar. Wer nie diesen Geruch eingeatmet und nicht die toddrohende, boshafte Pupille der Schlange auf sich gerichtet ge­sehen hat, der begreift nicht das lähmende Entsetzen, das auch den Tapfersten erschauern läßt. Man fin­det kaum den Mut. sich gegen den Stich zu wehren oder zu flüchten. Die Zunge der Lanzenschlanye zuckt im pfeilförmigen Kopf, und unter der grau­blauen Regenbogenhaut starrt das Opfer die Tücke

Zitronen- und Pommeranzenhaine, überladen mit den herrlichsten Früchten. Sie.sind zum Teil her­renlos und gleichen nicht den gepflegten Pflanzun­gen in Italien ober Spanien, sie ähneln eher mitt­leren Eichenwäldchen. Niemand hindert die Rudel von Affen daran, wenn sie die Laune dazu treibt, mit den Früchten Ball zu spielen. Paraguay expor- tiert Schiffsladungen von Orangen nach Buenos- Aires, aber im Lande selbst haben si« kaum einen Geldwert, r-:mmt man sich nicht dis Mühe, eine? Frucht zu schälen, sondern preßt sich, wenn man Durst hat, den Saft in den Mund. Am ofbenb, wenn die Sonne, «bensoschnell wie si« emporgetaucht ist, wieder hinter dem Horizont verschwindet, wenn der Ochsenfrosch fein plumpes Brüllen ertönen läßt, der Eisenbahnkäser Pfeift und die Feuersliegen wie kleine elektrisch« Blitze durch die schwüle Luft fliegen, bann sammeln "ch in ben Orangenhainen färben» piächtia« Falter, die jeden Sammler entzücken und die teilweise nur in Paraguay vorkommen.

Von Barabcavita nach dem Provinzstädtchen San-Pedro fährt, wenn der Fluß genügend Wasser führt, ein kleiner Dampfer, Er bleibt aber manch­mal auf Untiefen stecken und muß bann von ben Passagieren gestoßen werden. Doch solche kleine Abenteuer erhöhen den Reiz einer Fahrt int tropi­schen Süd-Amerika Von San-Pedro kann die Ko­lonie Neu-Germanien in wenigen Stunden zu Pferde ober per Ochsenkarren erreicht werden.

Di« Nachkriegswirren- unb bas Nachkriegselend haben einen neuen Strom von beutschen Auswanbe- rern nach Paraguay verschlagen. Es wird aerobet, gepflanzt und gebaut, aber es fällt bitter schwer, sich eine Eristenz zu gründen, wenn nicht besondere Glücksumstände helfen, und mancher Auswanderer

Aus unterer Antenne

Städtehörbild: Trier.

Am 1. Juli 1930 würbe Trier frei! Der Runbiunk ae» baHte dieses Ereignisses durch ein Stäbte-Hörbilb. Wir hören noch einmal die große Befreiungsfeier, lauschen den Worten, die wenige Monate später der Reichspräsident in Trier gesprochen hat. Daß aber das Ende der Besatzung die Sorgen nicht bannte, erfahren wir durch die ernsten Worte deö Oberbürgermeisters norm Stadtrat. Nun fol­gen wir einer ausgedehnten Wanderung, die Dr. Paul La­ven durch Trier unternimmt. Aus beichreibenden Worten ersteht das Bild des Doms, der Karserthermen, des Amphi­theaters, der Porta nigra. Jngendlieder schallen ins Mi­krofon zum Preise der Heimat. Schließlich kehren wir mit fröhlichen Zechern in einer der vielen alten Weinstuben ein. Aber auch anderes Schaffen bleibt uns nicht verschlossen: Moderne Arbeitsmethoden zeigt man uns in einer Zigaret­tenfabrik, wo Carmen luftig singt. Trier liegt an der Mosel: auf fonnenüberfluteten Wogen jagen die Boote, um die Regattasiege zu erringen. Hoher Feiertag! Trier hat das einzige Avostelgrab nördlich der Alpen. Die Matthias-Pro­zession ist ein Höhepunkt im festlichen Leben bei Stadt. Feierliche Gesänge des Chores, ein weihevolles Tedeum und mächtiges Glockenläuten beenden unseren Hörgang durch das roiebetgeroonnene Trier.

Dr. Wilhelm Schüller, ber Direktor bes Südwestfnnks, schickte der Sendung einige Worte über Art unb Zweck vor­an. Wir wollen mit ihm wünschen, daß derartige Städte- Hörbilder dies war der erste und zugleich erfolgreiche Versuch Ohr unb Sinn der Hörerschaft für Größe und Schönheit der Heimat erschließen. Alle roiebergegeBenen Szenen würben unter Ernst Beckers Leitung während des I abgelansenen Jahres vom 1. Juli 1930 bis zum 30. Juni 1931auf Schallvlatten ausgenommen: die Reportaaelei- tung besorgte Dr. Paul Laven. ekb

auf einmal ganz andere Wesen geworden: sie ge­hörten auch mit bazu und kamen sich nicht mehr ausgeswßen vor, sie waren auch wirklich hübscher ge­worden in ber halben Stunde, hatten hellere Augen unb bewegten sich freier unb lachten besser, mit einer schöneren Stimme, und oft sah ich sie nachher von einem Arm in den anderen gehen, und wenn sie an mir vorüberkamen, so taten sie gar nicht mehr, als seien sie mit mir bekannt. Und bann war ick natür­lich besonders zufrieden, denn das ist bas beste Zei­chen.

Mer allerdings waren auch solche darunter, aus denen keine Freundlichkeit, keine Huldigung etwas Hübsches machen konnte, und denen cs auch nachher noch ebenso an Beacktung fehlte. Aber die konnten doch wenigstens eine Weile davon zehren, daß sie an jenem Nachmittag jemand, wenn es auch nur Einer gewesen war, so angenehm gefunden hatte. Unb du kannst dir denken, daß sie in chrem Herzen dem Einen recht gaben gegen alle übrigen, daß sie alle übrigen für blind hielten. Denn so ist ja das menschliche Herz eingerichtet, Gott sei Dank!

Oder manchmal ging ich auch einfach in den Straßen spazieren, ohne Ziel und allein und redete nur so ein bißchen vor mich hin. Das heißt, ich fing an zu reden, wenn gerade Frauen und Mädchen vorüberkamen, die weder sehr hübsch noch schr ele­gant waren, die unbeachtet, verlassen, vergessen aus­sahen, und die vor Unlust und Mißmut schon gar nicht mehr die Füßchen heben mochten. Dann blickte ich auf und lächelte, aber ganz schüchtern, nicht etwa keck, und drückte mich zur Seite und schaute mich halb um und murmelte etwas. Es war ziemlich immer das Gleiche, was ich sagte, wenn auch in verschiedenen Sprachen. Oh, sagte ich leise, tote heb, wie entzückend! ober: Hoto awsullh nice! ober: Queis jolis yeux! ober: Como bonita, como bonita! Das trieb ich manchmal ganze Tage lang, denn Zeit war ja meistens vorhanden.

Wie sonderbar mir das nun alles oorkommt, lächerlich eigentlich. Ms ob so etwas eine Recht­fertigung fein könnt«! Wenn ich daran denke, tote stolz mich noch vor ein paar Monaten da drüben in unserem Varietö ein gewisser Ausspruch machen konnte. Es toar da eine kleine Sängerin, eine Fran­zösin, aus ClermonttFerrand glaube ich. Sie hatte gar kein Talent und war mager und spitznäsig, nur di« Augen waren schr schön, aber das konnte nicht genügen. Nun, die suchte ich auf meine Weise ein bißchen froh zu machen. Und eines Abends nach der Porstelluna, wie wir vor einem CafL im Freien beieinander sitzen. legt sie mit einem Mal ihr Eis- lofselchen hin und sicht mich mit ihren großen Au-

Spielplanentwurf für die kommend« Saison des Braunschweiger Landestheaters hervorWht, sind Äs Uraufführungen dieses Thewers ein neues Schau­spiel von Konrad WesteDie groß«.Pause" unb ein Lustspiel von Rudolf RuckDer Kirchentau" vorgesehen. Tie Berliner Reinhardt-Bühnen Ha­

ff. Nur noch unter Fehling konnte man Heinrich G e- orge seine Gaben so herrlich entfalten sehen. Sein Pedro Crespo eine Prachtleistung! Leibelt als Don Lope ist eine angemessene Besetzung. Minetti als König ist mehr: eine persönliche Charakterstudie.

Den toten Walter Harlan wollte man im swat- lichen Schauspielhaus mit einer Aufführung seines SchauspielsTas nürndergisch Ei" ehren, das in fröhlicher Holzschnittmanier das Schicksal des Er­finders ber Taschenuhr behandelt. Die Hauptrolle gibt Theodor Loose, humorvoll und frisch unb sehr deutsch. Auch Hildegard Büren und Ludwig Donath passen in ben Stil des Stückes, das von Jeßner recht lieblos inszeniert wurde. ~

Ersüllung geworden. Die San-Bernardino liegt nur von Asuncion entfernt an

erbe. Prinz George sieht man in London fast täglich und überall. Kürzlich schlendert« er Fleet Street, Londons berühmte Zeitungsstraße, entlang und keh»te, nach einer Erfrischung verlangend, in einer gewöhn­lichenPub" ein. Sofort erkannten ihn die dort zechenden Zeitungsverkäufer, Chauffeure, Schuh­putzer und sonstigen braven Arbeitsleute. Einer von ihnen, ein forscher Cockney, trat gar auf ben Königs­sohn zu, legte ihm bie schwielenreiche, rußschwarze Hanb auf bie Schulter unb sagte:Dars ich einen Drink spendieren, Prinze Georg«-- Der Prinz

wußte natürlich sofort, was sich in solch einer Situa­tion für einen demokratischen englischen Prinzen ziemt.Nein danke," entgegnete er wohlgelaunt,aber Sie, old chap, und all Ihre Freund« dazu, müssen einen Drink von mir annehmen--" Und er be­

stellte eineRunde" für alle in der Bar anwesenden Zeitungsverkäufer, Chauffeure, Schuhputzer unb sonstigen braven Arbeitsleute. Diese leerten sämtlich ihre Gläser auf bes Prinzen Wohl unb gaben ihm barauf,- unter vielen, lautenCheeries", ihr Ehren­geleite . . .

G. P. London, int Juni.

Etwa um Mitternacht entsteht im Grosvenor Hotel, wo gerabe toieber einer ber vielen Bälle ber Season ftattfinbet, unter ben Anwesenben eine ge­wisse (aber burchaus feine allzu große) Aufregung. Der Prinz von Wales ist erschienen", bemerken einige Leute im gleichen englisch ruhigen Tonfall, als ob sie vorn Wetter ober von etwas ähnlich Alltäg­lichem reden. Ich halte im Tanzen inne, sehe mich um, erspähe den Prinzen aber nicht gleich: es sind so viele befrackte Herren da, mit unb ohne Orbeus- bänber, mit unb ohne blonde Augenwimpern---

Doch dann pralle ich plötzlich unversehens mit ihm zusammen: nur zwei Schritt von mir steht er da, der Erbe des englischen Thrones, ber populärste Mann ber Welt, bas beliebteste Objekt sämtlicher Presse­photographen biefer Erde, er selbst, Prinz Charming steht in tabellofem Frack, mit bunkelblauem Orbens- banbe unb rötlich blonbem Haar vor mir unb lächelt

Es ist bas erste Mal, baß ich mit bem Prinzen von Wales auf einer Gesellschaft zusammen bin unb es fällt mir sofort auf, baß er so ganz anders aus­sieht, als auf all den Millionen Photos unb Abbil- bungen, bie von ihm existieren: unvergleichlich klei­ner vom Wuchs ein zierliches, fragiles, fast winziges Männchen; auch wesentlich älter, als auf ben Silbern, er hat ein von unzähligen kleinen Fältchen schon recht stark zerfurchtes Gesicht mit etwas müden, abgespann­ten Zügen; im ganzen Wesen etwas anfallend Scheues, Nervöses, ja Aengsttiches; unb kaum, daß eine der anwesenden Damen sich bem Prinzen nähert unb ihren Hofknix vollführt, so macht der Aermste ganz ein Gesicht, wie ein von einem beutegierigen Habicht 'Verfslgtes'Hühnchcn, schaut sich i ilfesuchend nach allen Seiten um, wird puterrot unb rettet sich schließlich aus ber peinlichen Situation einfach da- burch, baß er bie Knixende um bie Taille faßt unb mit ihr lostanzt--

Nun läßt bas Publikum (bas in Englanb be­kanntlich bie persönliche Freiheit bes Einzelnen, ber Royalties" inbegriffen, unter allen Umständen re­spektiert) den Prinzen tanzen. Dazu ist er ja hier. Er tanzt ausgezeichnet. Mit sicherem Griff hält er seine Dame umfangen unb laviert sie geschickt durchs wim­melnde Ballgebränge. Später sieht man ihn mutter­seelenallein in einer Ecke stehen und rauchen. Nie­mand kümmert sich um ihn. Ein auf einer thronarti­gen Erhöhung eigens für ihn bereit gestellter Arm­fessel wirb währenb bes ganzen Abends nie von ihm eingenommen. Er, ber Prinz ber Demokratie, amü­siert sich auch obne Thronsessel unb Beweihräucherung königlich. Nirgenbs bilbet sich um ihn, wie um andere königliche Hoheiten in anderen Ländern, ein Vacuum, entstanden durch sich in respektvoller Distanz haltende gehorsame Untertanen"--

Unzertrennlich vom Prinzen von Wales ist sein jüngster Bruder, Prinz George. Dieser ist viel­leicht noch um eine Nüance simpler, als ber von offi­ziellen Rücksichten immerhin recht behinberte Thron-

Oie letzten Premieren

Aus dem Berliner Theaterleben.

Von den Heiden letzten Staatslbeater-Premieren ist bte im Schillertheater die belangvollere: Calberons Richte« von Zalamea". Die Inszenierung betreute Intendant Legal, ber bei Klassiker-Auf­führungen (auch feinGötz" bewies bas) die heute selten gewordene Fähigkeit besitzt, dem Dichter zu geben, was des Dichters ist unb auf äußerliche Be­arbeitermätzchen zu verzichten. Außerdem versteht er das Handwerk ber schauspielerischen Arbeit aus dem

gen an und sagt:Wie zart Sie zu mir sind, Herr | Hildebrand, zu mir unb zu ber kleinen Ellen Blaker, an ber auch nichts bran ist, gerade tote an mir. Eigentlich, Herr Hildebranb, sollten Sie so heißen, wie unser ganzes Etablissement heißt: La Buena Sombra!

Was meinst bu nur, tote froh ich damals würbe von bem kleinen Wort. Ms sei ich nun ein ganz großartiger Mann, an bem niemand etwas aussetzen dürfe. Unb dabei war doch in diesem Fall meine Methode sogar fehlgeschlagen unb wurde durchschaut. Was man sich einbilden kann, nicht wahr. Zu son­derbar. La Buena Sombra...!"

Wiedereinführung derKleinen Bachfeste". Die durch die wirtschafttichon Schwierigkeiten ber Nachkriegs- icchre in Fortfall gekommenenKleinen Bachfeste", die früher zwischen ben Großen Deutschen Bachfesten in Eisenach ftattfanben, sollen jetzt wieder erstehen. Einen Beschluß der Neuen Bach-Gesellschaft zufolge, soll in diesem Herbst bas Sänfte Kleine Bachfest in Eisenach veranstaltet werben.

Die Entwicklung des Deutschen Sanger-Mu­seums. Das Deutsch« Sänger-Museum in Nürnberg, das sich allmählich zu einem wertvollen 'Quellen­archiv für Studierende ausbaut, hat in den beiden letzten Jahren eine Bereicherung um 3000 neue Einzelstücke erfahren. In ber Reihe der alten unb neuen Liedersammlungen ist ihm jetzt ein von Hoff-- mann von Fallersleben herausgeaebenes deutsches Volksgesangbuch, das Lobeda-Singebuch des Bun­des ber Männerchöre und Schubert- unb Silcher- sammlungcn zugegangen. Wichtige Neuzugänge hat das Museum auch an Handschriften und Musik- manuskripten erhalten, so Briefe unb Partituren von A. Bruckner, Johann und Ed. Strauß u. a. Reu hinzugekommen ist ferner auch reiches Material aus dem Vereins- und Bändewesen des deutschen Männergesangs. Eine besondere Abteilung des Mu­seums ist ben Sammlungen getoibntet, die sich mit der Pflege des deutschen Liedes im Auslände be­schäftigen. und bie dadurch eine lebendige Verbin­dung mit den Sängerbünden des Auslandes bar« stellt.

Schaffung eines Droste-Museums. Die Droste-Ge- sellschast plant bie Errichtung eines Droste-Museums bas Handschriften unb Werke ber Dichterin, ihre Stein- unb Pflanzuitgeilsammlungen, ihre Spinett und anher« Erinnerungsstücke enthalten soll, und bem man auch bie Dreste-Sammlung des Landrats Kraß anglicbern will. Die Stabt Münster hat für diesen Zweck die bisher von ber Künstlerschaft zu Aus- stellkingszwecken benutzten Räume ber Droste-Gesell­schaft zur Verfügung gestellt.

Lustspiele bevorzugt. Bei einer Umfrage, die die Direktion ber Wiener Komobie beim Publikum über die Auswahl der Stücke und der darstellerischen Kräfte veranstaltet hat, ergab die bisherige Abstim­mung, daß 40 Prozent ber Besucher für das Lust­spiel, 24 Prozent für bie Komödie, 14 Prozent für das Schauspiel, 12 Prozent für das Singspiel unb 10 Prozent für literarische Stücke sind. Am besten gt fielen dem PublikumMeine Schwester und ich" v7n Rnlph Benatzky. .Grctb Hotel" von Paul Frank und »Die Flac" von Hans Müller.