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I I H> Sonntag, den 1-4. Juni 1931

Pioniertaten deutscher Frauen

ist

Frl. Dr. Lotte Möller

Frau

Dr. jur. Edith Klausner

Die Mutter spielt Klavier.

Das Wasser Plätschert und sammelt sich vor der Tür, vor dem Zimmer, aus dem Chopin ertönt und aus dem Beethoven ertönt und alles Hänschen-klein

der Welt. Es rieselt langsam, langsam bis zu den Füßen der Mutter und meldet gehorsamst, daß uns

sehr tiebs. . .

Baby findet ein Ei. Baby verwendet es ange­messen.

Die Mutter spielt Klavier. ,

Baby gießt die Bouillon in die Brotbüchse. Die, Mutter spielt Klavier.

Baby findet, daß das Wässerchen gar nicht auf­hört. Baby geht an Mutters nommode, nimmt neue schöne Lumpele daraus, macht wrsch-wisch. Biela Wassa ist das ja! Baby gibt es aus. Geht und r,e- qelt mühselig die Tür zu, daß es nicht herauslau,en kann. Wendet sich zum Küchenschrank, macht ihn auf. Schüsseln sind dadrin, Teller viela, viela! Baby holt sie heraus, eins nach dem andern. O wie sind sie schwer . . .! Baby keucht, stellt sie alle auf den Fußböden, der Schrank ist leer, ist ein kleines Haus geworden, wundaba; Baby geht hinein, machtsitz^ rieht die Türen zu, steigt wieder aus, findet noch viela mehr Wasser auf dem Fußboden. Alle Dinge fangen an ßim-tzim zu machen, badi-badi, Baby wirft noch einiges dazu. Mitt zum Beispiel.

Die Mutter spielt Klavier.

Jrauen und Bücher

Vergleiche in Aphorismen.

Frauen und Bücher, Bücher und Frauen gleichen einander gar sehr.

Meist ist wohl herrlich ihr Aeußres zu schauen, doch reizt mich ihr Inhalt viel mehr.

Oft versucht man mit äußerem Pomp über einen faden Inhalt hinwegzutäuschen.

*

Eine kleine Sehnsucht braucht jeder zum Glück­lichsein . . . Für den einen ist diese Sehnsucht ein Buch für den andern eine Frau.

Ein gutes Buch und eine schöne Frau sind schnell vergriffen.

Bücher halten ewige Freundschaft, Frauen da­gegen . . .?

Sage mir, was du liestund ich sage dir, wer du bist.

Verborgt keine Bücher Frauen verborgt man auch nicht I Beide nehmen Schaden I

Wie oft hat ein Mann zu einer Frau gesagt:Du bist mir ein Buch mit sieben Siegeln." Er hat die Frau ebensowenig verstanden, wie er Bücher verste­hen wird.

IDorgenofsite in der IDOde-A^ndemie

Don ßermann ßinden

Baby findet etwas. Es findet den Kohk-neimer. Schöne, blanke, schwarze Kohle, wie Aeugche«. Nimmt ein Händchen voll heraus, trägt es ms Wohnzimmer, setzt es auf den ersten Stuhl, auf den hellen Bezug, holt ein neues kleinkletnes Händchen voll, setzt ein zweites Häufchen aus den zweiten Stuhl. . geht viele Mate hin und her, setzt aitf------ ... -------- ------------

jeden Platz ein Häufchen. Das sieht hübsch aus, so wie Baby sich em bißchen selber beschäftigt hat.

Sie besaß schon vor dem Kriege eins der größten Baubüros von Berlin und wurde als erste Archi­tektin in Preußen zugelassen. Sie hat eine große Anzahl hervorragender Bauten ausgeführt und be­kam 1914 auf der Weltausstellung in Leipzig für dasHaus der Frau" die goldene Medaille.

ich als wäre man im Märchen, auf ,edem Sofa, auf jedem Stuhl ein Kohlehäufchen, ein kleines, und sie unterhalten sich miteinander, sind tote Leute, legen

Baby hat die Tür zugeriegelt; Baby sitzt im Kü­chenschrank, in der Arche Noah, bohrt den Honig aus dem Glas.

, Die Mutter spielt Klavier.

Das Wasser läuft langsam und geduldig über die Schwelle in das Zimmer nebenan, es bildet eine kleine Lache, es bildet eine große Lache. Es bildet einen kleinen Fluß . . . Es komm: an die Treppe, es plätschert die Treppe herab: es bildet einen klei­nen Wasserfall; es läuft in die untere Etage, bildet Flecken auf der Decke, Kümmernis beim Wirt . . .

sich viela-vtela. .. ..

Baby kraxelt, die Treppe, hinauf, geht mit Kohle- die weiße Küche, macht desi Nobel mal- mal, schwarze lustige Gesichter, viele, kleine schwarze Babhhäiidegesichter, klettert auf den Hocker an der Wasserleitung, dreht sie auf .mit großer, großer Muh, ist ein sauberes Kind und macht sich wischi-waschi putz-putz. Das Wasser läuft. Baby steigt ab. Das nasse Wasser läuft piischpatsch, so ein vergnügtes Ge­plätscher. Baby besteigt einen anderen flocker findet etwas auf dem Küchentisch.Pinati Tosstti findet es, klopft fein dickes Bauch, sagt:wundaba", wird ein bißchen grün davon, Miti auch.

Die Mutter, ganz weit dahinten und da unten ir­gendwo, spielt so hübsch. Klavier.

Baby denkt güt Wohlgefallen an sie. Hat sie sehr,

tätig; sie ist Privatdozentin an der Berliner Uni­versität und Assistentin am Institut für Meeres­forschung. Draußen am Sakrower See liegt die hydrobiologische Station, in der sie die Wasserbewe­gung, Wassertemperatur, den Salzgehalt usw. unter­sucht. Als Aerztin Hal sich Frau

Dr. Hermine Heusler Edenhuizen

einen weitreichenden Ruf erworben. Sie war im Jahre 1903 die erste Frau, die in Deutschland eine ärztliche Assistentenstelle erhielt. Zum Professor an der Universität Berlin hat es Frau Dr. Charlotte Leubuscher gebracht; sie hat einen Lehrauftrag für ausländische Sozialpolitik und lieft auch über Fi- nanzwiffenschaft. Ihr Hauptarbeitsgebiet sind soziale und wirtschaftliche Fragen, und besonders hat sie diese Probleme innerhalb des britischen Weltreiches studiert. Eine große organisatorische Begabung hat

Papier, so konnte man die verschiedenartigsten Dinge sehen, Köpfe und Figuren, Aktlinien und Kleiderstucke vom Aermel bis zum fertig entworfenen Kleid von einem zarten Dessousentwurf bis zur.großen Abend- tobe Hier bei den Zeichnerinnen erklärte Frau Pro­fessor Klimt eines der wesentlichsten Prinzipien ihrer Schule. Nach den Zeichnungen, die hier gemacht wer­den sollen keine Kleider geschneidert werden, hier soll die Schülerin nur zeichnen lernen und auf inekm zeichnerischen Weg ihre eigenen Ideen und Komposi­tionen entwickeln, den menschlichen Körper am leben­digen Akt kennen lernen und den Stossgeheim- nissen zunächst auf dem Papier und in der Theorie nahe kommen. Die Theorie ,st aber keine besonders geachtete Göttin in dieser Schule, wo alles unmittel­bar praktisch ist. Die Schülerinnen, die täglich, acht Stunden arbeiten müssen, werden nach einem festge­setzten Stundenplan beschäftigt. Der

folgt z. B. sofort die Zuschneidestunde die Nahstunde, das Bügeln, das Anpassen. Kern Kleid, kern Wäsche­stück kein Mantel wird nach Zeichnungen oder unter Benutzung toter Büsten hergestellt. Alles wird direkt am lebendigen Körper produziert Um ihn wird das Tuch gelegt, mit Kreide abgezeichnet, unter subtilster Beachtung aller individueller körperlicher Nuancen. Dabei hat die Schülerin vollkommene Freiheit tn Kom- vositionsschau. Das ist der einzig^ Weg, eine große

bewiesen. Sie begründete im Jahre 1904 zu einer Zeit, da der Arbeitsnachweis noch als ein Anhäng­sel der Armenverwaltung galt, den Berliner Ar­beitsnachweis für Frauen und gestaltete ihn aus. Wahrend des Krieges richtete sie Werkstätten ein, in denen Arbeiterinnen ausgebildet und der Industrie zugeführt wurden. Die Nachkriegszeit stellte ihr neue große Aufgaben, aber seit 1920 studierte ste Bolks- wirlschaft und Rechtswissenschaft und entfaltet fetzt am Arbeitsgericht eine segensreiche Tätigkeit. Astro­nomin ist

Frau Dr. Margarete Güssow,

die als wissenschaftliche Assistentin an der Stern­warte Neubabelsberg wirkt. Schon während des Studiums zog es sie zu der Sternkunde hin, und nachdem sie mit einer hervorragenden Arbeit über die Cephei-Sterne ihren Doktor erworben hatte, wurde sie zunächst Volontärin an der Babelsberger Sternwarte und erhielt dann nach einer entbeh­rungsreichen Zeit die ersehnte Assistentenstelle. Eine der wenigen beruflich tätigen Diplom-Jngenieurin- nen ist Erna Osanna. Sie hat Bedeutendes auf dem Gebiet der Hochspannungstechnik vollbracht. Die be­kannteste deutsche Architektin ist

Emilie Winkelmann,

die erste Frau, die ausnahmsweise zum Besuch der technischen Hochschule Hannover zugelassen wurde.

boten werden.

(^rfegsfront der (freuen

Elisabeth »o« «ntteM: Jutta Coruill. Aus tat etm»W des Wefteus. 884 S. drosch. 4., Gzlbd. 6. Mark. Phönix- Verlag Carl Siwinna, Berlin SW. 11.

Den Namen der Verfasserin wird man sich merken müs­sen. Mit großer Lebendigkeit, Wahrheitsliebe und einer suggestiven Wärme der Menschen- und . Noiurschilderung versteht sie Leben und Leistungen derer, die zwischen Front und Heimatland, nur wenige Kilometn entfernt von dem riesenhaften Ringen, dem Qnfern und Vergehen, ausbarren muhten, zu schildern. Es ist der Roman einer deutsch^ Frau, Jutta Cornill, die während des Krieges auf Befehl des Kriegsamts ins Etappengebiet des Weitens geht, nm den Frauen-Hilfsdienst zu organisieren, einer Frau pröble- matischen Charakters, deren Wundern und .staunen, sin­nen und Grübeln sich formt zu sichtbarer Tat. Mit nncr- fchövflicher Kraft führen sie und ihre Helferinnen einen er­bitterten Kampf um ihres Vaterlandes Ehre. Sie bewahrt sich ihr stolzes Selbst und den Glauben an Deutschlands sein« Zukunft trotz aller Feindschaft und Enttäuschungen, trotz des Verlustes der Freunde, die der Krieg fordert, lin­des hereinbrcchenden Untergangs.

Doch cs muh auch in dieser Umgebung Stunden der Ent­spannung geben. Musikabend« sind es, zu denen sich Jutta Cornills Freunde in ihrem blauen Salon in Laville ver­einen. Die Stunden der Weihe und Erhebung verwandeln sich jedoch in solch« der Liebe und Eifersucht, da gleichzeitig zioei Männer um Herz und Besitz Jutta Cornills iverbcn. Sie erhört den Mann der Tat, den Kämpfer aus dem Schützengraben. Der andere, d«r Dichter und Künstler, der auf die leidenschaftlich und mit glühender Eifersucht gesiebt« Frau verzichten mutz, wächst an diesem Verzicht zum Helden und Mann. Erkennend, dah es Zeiten gibt, wo nur die primitive Tat di« Aufgabe des Mannes ist, meldet er sich hinaus an die Front, aus diese Weis« der geliebten Frau seinen Wert beweisend. «nke.

Die Mutter spielt Klavier.

Auf dem Korridor ist es kühl. Aber interessant ist es da. Baby wendet sich der Befenecke zu. Da sind alle Putz-Putz bereinigt, machen Galgal, ruhen sich aus. Baby nimmt Besen und Müllschippe, Baoy beschäftigt sich mal selbst, macht Putz-Putz. Wenn es etwas mit dem Besen gefangen hat, wandert es zum Klosett, schüttet es sachkundig hinein, steigt unter Lebensgefahr auf den Sitz, machtziep". Das Wäs­ser rauscht. . . schönes, neues Wasser kommt ap. Baby holt ein Glas, schöpft sich schönes, neues Was­ser damit . . . Baby schmeißt es hin. Baby wan­dert weiter, singt mit, höhöhö, findet feine Miti, feine liebe Bärenmiti, spricht freundlich mit ihr, nimmt sie mit; findet einen Sack mit Wäscheklammern, ver-, teilt sie sorgfältig, wie der Osterhase, überall, Über­all, wohin es reichen kann. - ,

Die Mutter spielt Klavierhöhö-" spielt sie.

Baby findet eine Schuhbürste. Baby findet dte Wichse. Baby wichst dem Kruzifix im Korridor die Füße. Bedauert es sehr.Opapa Fußischen weh miede." Spuckt auf die Wichse. Kommt kleiner Hund durch die offene Tür. Baby läßt die Schuhwichse, faßt sein Entzücken in ein einziges Wort zusammen, schreit:Adasießawawu!" Hat ihn liebs. Sicher Wawu leckt es ab, Baby findet es nicht erfreulich, angelutscht zu werden, kommandiert:Maß Donner- Wette . ..! Eingeschüchtert geht sietzer Wawu wei­ter .. .

Die Mutter spielt Klavier.

Vor 1925 gab es an keiner deutschen Universität einen weiblichen beamteten Professor, seitdem aber haben eine Anzahl von Frauen in der Wissenschaft so bahnbrechende Erfolge errungen, daß man ihnen diese akademische Würde nicht vorenthalten konnte. Unterredungen mit einigen dieser geistigen Pioniere der deutschen Frauenwelt veröffentlicht E. Kißling- Valentin inScherls Magazin". Wohl die bedeu­tendste Naturforscherin in der deutschen Gelehrten­welt ist

Professor Rhoda Erdmann,

die seit 1930 die Abteilung für experimentelle Zell­forschung an dem Berliner Institut- für Krebsfor­schung leitet. Sie machte zuerst ihr Lehrerin-Examen und interessierte sich schon während des Studiums besonders für die Naturwissenschaften, doch schienen damals die Schwierigkeiten für eine rein wissenschast- liche Laufbahn unüberwindlich. Erst 1908 konnte ste unter Geheimrat von Hertwig ihren Doktor machen und erhielt einen Arbeitsplatz in dem Robert-Koch- Jnstitut für Infektionskrankheiten, an dem sie fünf Jahre- als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter tätig war. 1913 mit einem Stipendium nach Amerika gesandt, erregte sie dort Aussehen durch ihre Arbeiten über krankhafte Vorgänge in der Zelle, aber bet der pott- tifchen Zufpitzung der Lage während des Krieges wurde auch ste in Haft genommen und durfte erst im Februar 1919 Amerika verlassen. Sie hat es dann bis zum beamteten Professor an der Univer­sität Berlin und zu einer ersten Autorität auf dem Gebiet der Zellforschung gebracht Eine andere Bahnbrecherin in einem Spezialfach der Naturwissen­schaften ist

Fürstin Marie Andronikoto-Wrangell.

Einern baltischen Geschlecht entstammend, war sie 1905 in Tübingen die erste weibliche Studentin, be­schäftigte sich mit Radio-Chemie und übernahm 1912 die Versuchsstation des estländischen landwirtschaft­lichen Vereins, wo sie sich mit der Wirkung der in Estland vorkommenden Phosphate auf die Pflanzen beschäftigte. Nach der Revolution, während deren sie als Geisel ins Gefängnis gesetzt wurde, kam sie nach Deutschland und arbeitete an dem Pflanzen- Ernährmigsinstitut Hohenheim bei Stuttgart, dessen Leiterin sie jetzt ist; sie wurde auch ordentlicher Pro­fessor und erreichte als erste Frau in Deutschland diese Würde. Sie hat sich hauptsächlich mit der Be­deutung der Düngemittel für den'Boden beschäftigt und darauf hingewtesen, daß die deutschen Böden lange nicht so vhosphorsäurebedürfttg sind, wie man früher angenommen hatte. Auch zahlreiche andere Probleme, die für die Landwirtschaft von hoher Be­deutung sind, wurden von ihr bearbeitet. Als Ver­erbungsforscherin hat sich

Dr. Agnes Bluhm

ausgezeichnet. Sie ließ sich schon 1890 als Aerztin in Berlin nieder, widmete sich aber seit 1905 infolge eines Ohrenleidens ganz der wissenschaftlichen Ar­beit und beschäftigt sich feit 1919 als Mitarbeiterin des Kaifer-Wilhelm-Jnstiiuts für Biologie in erster Linie mit Vererbungsfragen. Als Tieffeeforscherin

positionsschau. Das ist der einzige Schneiderin zu werden. Nicht alle Schülerinnen dien Schneiderinnen zu werden, manche bleibt auch beim Zeichnen, Modezeichnerinnen werden auch ge­braucht. Aber jede Schneiderin muß zeichnen können, und jede Zeichnerin muß schneidern können. Das ist das einzige Gesetz der Frau Professor. Und drei bis sechs Jahre müssen ste lernen, ehe das Zeugnis ausge- qeben wird, mit dem die Schülerinnen dann spater in gutbezahlte Stellungen hineingleiten. Nun kamen auch einige Damen in fertigen Kleidern herein, um sie vor­zuführen. Sie gingen nicht rote Mgnnequms, kokett tänzelnd und puppenhaft, sie gingen ganz natürlich vorbei als gehörten die Kleider ihnen und sie wur­den einen Augenblick im Vorübergehen verweilen. Dann griff die Frau Professor fortwährend tn einen Schrank und zeigte fertige Sachen, Schöpfungen klei­ner Mädchen, die schon genau wußten, rote die große Dame von Welt sich anzuziehen hat - nein, die es nicht nur wußten; die sogar mit Phantasie und Ver­stand für sie dachten. Es war etn eigenartiges, idyl­lisches flaue, in dem wir da waren. Ueberall faßen die Mädchen in ihren weißen Kitteln und ihre jungen flände waren immerzu beschäftigt. Alle sprachen einigermaßen wenigstens mindestens drei Spra­chen; Sprachenkenntnisse find tn dieser Kulturbranche unerläßlich. Als wir wieder herunterkamen, sahen wir noch etwas sehr Interessantes. Die ßettertn zeigte uns Zeichnungen der Schülerinnen, von jeder die erste und die letzte. Da gab es amüsante Ueberraschungen. Wir sahen Zeichnungen von Mädchen, die in die Schule gekommen waren ohne das mindeste zeichnerische Talent plump und kindisch ungeschickt standen b«4 Striche auf dem Papier, auf der letzten Zeichnung aber, nach etwa 1)4 Jahren gemacht, sah man eine re» produktionsfähige Figur, unter der Anleitung der Stau Professor waren verborgene Talente an die verflache gekommen. In einiger Zeit wird die Schule zum ersten Male ihre Produktion, die sich sehen lassen kann öffentlich ausstellen. Und in nicht allzu ferner Zeit wird die Schule ein Verkaufsatelier aufmachen, die Schülerinnen werden zu Meisterinnen geworden sein und der jetzt noch unwissenden Frauenwelt wird eine weitere Quelle zur Erhöhung ihrer Schönheit ge»

Also Baby, das geht so nicht weiter komme ja zu gar nichts mehr. . .! Du bist nun schon so groß, schau, du kannst doch nicht ewig an meinen Rockschössen hängen über fünf Viertel­jahre. Was glaubst du eigentlich?. Mutter wxttauch mal für sich was tun. Spiel allein ein biftrhen, ständen in beschäftige dich. Tanz mal hübfch. Mutter wird dir was Vorspielen, horch . . .!"

Die Mutter spielt Klavier. Baby tanzt mal hübsch; Baby, das Einkind, das Alleinkind!

Hebt sein eines dickes Bein, so hoch das Gleich­gewicht es zulätzt, setzt es sittsam wieder nieder, hebt das andere und sagt: . . - haps , dreht sich sorgfältig um und beginnt von vorn. Eine Wette ist es nett. Die Mutter spielt Klavier.Hoho-ho. Hänschen klein", spielt sie.

Baby macht haps und wieder haps, dann wen­det es sich zur Tür. Die Tür ist zu. Baby muß einen Stuhl holen; das ist schwer. Baby tragt und schiebt den dicken Stuhl zur Tür, macht ste auf, steigt ab, wandert hinaus . . .

Wir stiegen eine Dame und zwei Herren eine gewundene Treppe hinauf und hatten in diesen weni­gen Sekunden genug Gelegenheit, festzustellen, daß wir uns zwar in einem engen und alten, aber vornehmen Hause befanden, in einem Frankfurter Patrizierbau. Es war also wieder einmal wie immer; zwei Zahre existierte diese Schule bereits, zwei Jahre wurde hier bereits zähe und still gearbeitet und nur bie intim Interessierten wußten etwas von diesem hübschen, rei­zenden Institut, in dem sich jetzt schon viele junge Künstlerinnen befinden, die in gar nicht langer Zeit viel von sich reden machen werden. Frau Professor oder Professorin? führte uns selbst. Es sind etwa 50 Schülerinnen da, die aus deutschen und österreichi­schen Städten kamen. Wer die Leiterin einmal nur einige Minuten betrachtet und ihr zugehört hat, weiß, daß von diesem klugen, feinen, zielbewußten Gesicht etn Einfluß ausgeht, der ein vorschriftenreiches Schul- ? system in dieser Schule überflüssig macht. Es machte 1 übethaupt den Eindruck, als befände man sich nicht in einer Lehranstalt, wo mit Strenge gearbeitet werden muß sondern als befände man sich in einer großen^ . freundlichen Familie^ wo man immer mit Vergnügen bei der Sache ist. So muß es sein. Für die große Zahl der Schülerinnen und die Mannigfaltigkeit ihrer Tätigkeiten sind zu wenig Zimmer vorhanden. So

Dorothea flofer-Dernburg:

IDutter spielt Klavier

gen haben. Man le« sie nach flüchtigem Einblick für und dessen ganze Liebe den Büchern gehört, nur ich tmmerbeifeife. wird verstehen, was ein Buch, besonders tm Lebe»

* einer Frau, beveuten kann.

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Jedoch gibt es auch Bücher und Frauen von q$anlafie bcS Schriftstellers ist die beste SDte

i^iienbaft ber «iZin für kranke Seelen und wird ihnen eines Tages jein müssen und jederzeit einem iwmerzyasi ver («fnnfwn mieheraeben fcen die raube Wirklichkeit krampften Herzen Trost zu spenden wissen, aber auch ben Glauben wies ergeben, oen me raum ^uunyieu ebenso gern Stunden der Freude mit einem teilen. geraum har. *

* ... drum sei auch nie betrübt, Wenn dein Schatz

Aber wohl nur ein Mensch, dem die Welt mit dich nicht mehr liebt, ein Buch, ein Mies Buch, das ihren tristen Bildern in der Seele tief verhaßt ist ist ver beste Schatz, den's gibt! Hedr Ranke.