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Kasseler Sport-Zeitung

Kasseler Neue ft e Nachrichten / Freitag, den 29. Mai 1931

'XX:

ie soll die Bezirksliga spielen?

Vorschlag des Fußball-Sachbearbeiters für die Gruppeneinteilung.

Wie bereits bekannt, soll Lie B e z i r k s l i g a in Heffen- Hannover auf 20 Vereine erhöht werben. Dadurch entliehen weitere Härten und die rechtzeitige Durchführung der Spiele wird noch schwieriger wie im vorigen Jahre. Um diese Nachteile überbrücken zu können, habe ich mir reif­lich überlegt, ob es nicht möglich ist, diese 20 Vereine in drei Gruppen spielen zu lassen. Ich bin zu dem Er­gebnis gekommen, daß ein Drei-Gruvven-Snstem aus tech­nischen Gründen nicht möglich ist und weil der 21 b ft i c a im kommenden Jahre entsprechend der Spielstarke nicht ein­wandfrei durchgesührt werden kann.

Es muh deshalb im Bezirk Hessen-Hannover in zwei Gruppen gespielt werden. Unter Berücksichtigung, dah voraussichtlich TuraKasfel, Germania Marburg und H o r a s aufsteigen, mache ich folgenden Vorschlag:

Gruppe Süd:

SC 03 Kassel Surdesseu Kassel Helle« Lalle!

Borullla Fttlda Germania Fulda SC. Haras VfB. Giebcu Kurhelle« Marburg Germania Marburg FC Ockershause»

Gruppe Nord:

Tpiclvcreiu Sallel Sport Kallel Hcrmauuia Lalle! Tura Kalle! SC 05 Göttingen SV Göttiugeu FC Grotzalmerod« Hellen Hersfeld FC Einbeck 05 FC Grone

Bei der Einteilung habe ich mich von dem Gesichtspunkt leiten lassen, dah die Vereine aus Kassel der Südgruvvc in diesem Jahre, in der Nordgruvpe und umgekehrt von der Nord- in der Südgruppe spielen.

Um die Anzahl der Kaffeler Vereine auf die beiden Gruppen möglichst g l e i ch m ä h i g verteilen zu können, war es erforderlich, einen Verein aus dem Fuldaer- oder Lahn-Gau mit in die Gruppe N o r d zu nehmen. Am gün­stigsten zur Nordgruvpe liegt Hessen Hersseld. Ich habe deshalb Hersfeld für die Nordgruvpe vorgesehen und glaube kaum, dah sich ein anderer Ausweg finden wird.

Der Bezirksmeister muh nach Möglichkeit im H i n - und Rückspiel zwischen den beiden Gruvvensiegern ermittelt werden. Um diese Möglichkeit nicht von vornherein auszu­schalten. ist ein früherer Anfang der Bezirkssviele er­forderlich. Im weiteren müllen alle Vereine auf die sonst üblichen freien Sonntage verzichten. Es dürfte übrigens m. E. den Vereinen genügen 18 Verbandsspiele aus­zutragen und nicht noch das Bedürfnis für weitere Pri - v a t f v i e I e bestehen.

Für den Abstieg in 1932 kommen die fünf letzten Vereine jeder Gruppe in Frage. Bei Punktgleichheit mühten Ausscheidungsspiele ausgetragen werden.

Hugo Uhl, Kallel, Mönchcbergstrahe 18.

* * *

Amtliche Nachrichten

Kaffeler Rasensportverband. / Neue Termine um die Stadtmeistcrschaft.

MU Rücksicht auf bett leichtathletischen Matttt- schaftskampf am kommenden Sonntag zwischen den Ver­einen Hellen-Preuhe», C. T. und Kurhelle» fällt das für de» 31. Mai vorgesehe»e Spiel Svortclub 03Hes­se« 00 aus.

Reue Termiue der rückständigen Spiele:

Donnerstaa, de« 4. Juni: Kurhellen Svielverei« (Platz Hasenbriicke)

Montag, den 8. Juni: Svielverei« Hermaaaia lPlatz HafenbrLckei

Rlltwoch. de« 10. Juni: BC. Sport Kurhellen (Platz Heflenkampfbahuj

M««ta«, de» 15. Juni: CSC. 03 Hellen 09 (Platz Hasenbrücke)

Die vorgesehene Sitzung der Bereinsvertreter findet am Donnerstag, den 4. Juni, im Restaurant zur Hasenbrücke statt. Lohrey.

Süddeutsche Gäste am Sonnabend in Kaffel.

Wie bereits berichtet, habe» di« Rotheoditmolder kür Sonnabend, de« 30. Mai, abends 6,30 Uhr, Union Niederrad verpflichtet. Die Frankfurter, die in der süddeutschenRunde der Zweiten" spielte«, erzielte« im April folgende Ergebnille: gegen BfL. Neu-JIe«bnrg 4:0, gegen BfL. Mannheim-Neckarau 2:2, gegen Rat-Weih Frankfurt 3:3, «ege« Fuhballsvortverei» Fsm. 2:3. Der «türm und auch die Läuferreihe von Niederrad arbeite« lehr vroduküv, was Svielverei« auch int vorigen Jahre in Aanksurt erfahren mnhte, da das Spiel 4:2 verloren ging. Die Kaffeler haben bereits gegen Neckarau, Ne«-Jse«b»rg und Rot-Werh Frankfurt in Kaffel mit gutea Leistungen ansgewartct »ad sviele» am Sonaabcad mit: Fer»- s ch i l d; Klaas, B e v e r W.: Pahl I, Henckerot h, »euer E.: Jaeo b, H e ! a , e n r ö t h e r. Merten, drossel, Gatbosf. Das «viel ftndet in Rothen­ditmold ans dem SvortvlatzHinter de« 3 Brücken" statt. .hl.

Kasseler Schach

Turnier des Arbeiter-Schachklubs.

5...^^«?"^undenturnter der Abt. Zentrum brachte in »er 13. Runde rum interessante Kümpfe. Eine Ueberraschung gab^es in dem Treffen zwischen Schöne und Brachmann. «chonc,,der bisher mit Lohrev die Spitze der Tabelle hielt, !Mte leine 2. Niederlage hinnehmen. Für eine weitere Ueberraichung sorgte Nagel, der gegen Bredow remis spie­len konnte. Mell gewann seine Partie gegen Preffer »nd Vogel gnunte Vauvcl den Punkt überlallen. Einen hart­näckigen Kampf lieferten sich Schrage und Baumann, der m ipater Abenditunde als Hangepartie abgebrochen wurde. Das Turnier, das am 10. Juni sein Ende erreicht, wird in den letzten zwei Runden noch interessante Kämpfe brsrigen.

Handball ID SB.)

3» einem Rückspiel treffen sich die 1. Handballmann­schaften von Helfen 09 Tura am Sonnabend, den 30 5. abends um 7 Uhr, aus dem Hessen-Platz am Hochzeltsweg. Im Vorspiel, das vor einiger Zeit auf dem Turavlatz stattgefunden hat, konnten die Wehlheider, die sich wieder in guter Form befinden, glatt mit 6:3 ge­winnen. Auch dieses Treffen dürfte wieder allgemeinem Jnteresie begegnen.

Die Veranstaltungen des Sonntags, Leichtathletik-Klub- kamvf mid Bezirkstag, beeinflussen das Svielvrogramm weientlich. Aus diesem Grunde findet am 31. 5. auch auf handballsportlichem Gebiet nur eine fällige Rückspielver- pflichtung zwischen Tura Turn- und Svortver- « 1 « W11helinshöbe ihre Erledigung. Die beiden Mannichaften treffen sich mittags um 2 Uhr aus dem Turavlatz vor Park Schönfeld vor dem Meisterschafts- sviel Tura Horas. Wg.

Turnhallenweihe in Hohenkirchen

Was es heitzt, aus kleinsten Beträgen ein Heim zu bauen, kann nur derienige beurteilen, der schon einmal selbst sich daran oeri. cht hat. Dah Ausdauer zum Sieg führt, zeigt lich bei der am «onntag den 31. Mai in Hohenkirchen einzuwechenden Turnhalle. Schlicht, einfach und doch wuchtig, so steht dieser Bau auf dem Schützenvlab. Mit 220 Quadratmeter Turnfläche, Bühne, Emvvre sowie Umkleide- räumcn versehen, genügt er allen Ansvrüchen. Gauvertreter B e ck e,r - «immershausen wird die Weihe vornehmen und die diele Handlung umrahmenden Veranstaltungen werden (ich dieiem Tag würdig anschliehen. z.

, Waldeckcr Gauturnfcst in Bad Wilbnnge». Die turne- rilche Hauptveranstaltnug des Turngaues Waldeck der D. T. geht am 4. und 5. Juli in Bad Wildungen vom Sta- vel. In allen Turnvereinen des Gaues wird eifrigst für diese auhergewöhnliche turnerische Veranstaltung gearbeitet, zumal das Turnfest von einem Publikum aus aller Welt beiucht werden dürfte. Ter Gauturnausschuß tritt am

Sonntag, den 31. Mai im D. T.-Lokal Schulze in Corbach nochmals zusammen, upl die letzten technischen Vorkehrun­gen zu treffen.

Fanftball int Tnrngan Waldeck (D. T.): Am 31. Mai beginnt der zweite Turnbezirk des Turngaues Waldeck die Sonrmerspielreihe im Faust- und Schlagball in Corbach. Auf dem Haucrturnvlatz stehen sich die Mannschaften der Turnvereine Corbach 1850, Tv. Höringhausen, Tv. Goddels­heim, Tv. Berndorf und Gvmn.-Tv. Corbach im Fauftball gegenüber, während sich die Mannschaften des Tv. Höring­hausen Tv. Corbach 1850 Jugend ein Freundschastssviel im Schlagball liefern.

Fuhballvorrnnde für das Lreisturu- und Sportfest des Kreises Warburg. Die Vorrunde im Fußball für das Kreis- turn- und Sportfest findet am Sonntag in Warburg, Bo- nenburg, Borgentreich und Peckelsheim statt. ES treten 28 Mannschaften auf 4 Sportplätzen in die Vorrunde. In W a r ü u rg : Borgentreich, Scherfede, Rimbeck, Warburger Sportfreunde 08 Res., D. I. K. Warburg, Germete, Ollen­dorf, Welda, Eißen. In Bonenburg: Norde, Willebaö- effen, Neuenheerse, Driegenberg, Bonenburg, Menne. Wor­meln. In Borgentreich: Röiebeck. Lutveneder. Kör- bccke, Daseburg, Hohenwepel II., Natingen, Borgholz. In Beckelsheim: Fölsen, Helmern, Löwen, Hohenwepel, rohencder. Th.

Fulda-Eder Gau.

Bereinswettkamps in Böddiger. Zum 2. Mal treffen sich am Sonntag die Vereine Eintracht Felsberg, TV. Deute und FB. Böddiger im Wettkampf an den Ge­räten. Der Ausgang des intereffanten Treffens sollte zwi­schen Deute und Felsberg liegen.

Handball: In Beiseförth tragen 2 Auswahlmannschaften des 3. Bezirks ein Werbesviel aus. Gleichzeitig sollen die Bezirksbesten für die Bezirksmannschaft ermittelt werden.

Fahnenweihe in Großenritte.

Der 1. Bezirk des Gaues Nordbeffen (DT.) hält anläß­lich der Fahnenweihe der Turn-Gemeinde Großenritte sein Proberennen zum diesjährigen G a u t u r n f e st ab. Gauvertreter Becker-Simmershausen wird die Weihe der Fahne vornehmen und hat dabei Gelegenheit, sich vom Stand der Vorarbeiten zu überzeugen.

Gegelflug

Jungfliegertreffen auf der Wafferkuppe.

Das diesjährige Pfingstfest sah die jüngsten. dM deutschen Jungslieger auf der Wasser kuppe. der histo­rischen Segelslugstärte her Rhön, wo ein Wettbewerb tut Segelslugmodelle vomDeutschen Lufttahrt-Verband ver­anstaltet wurde. Die von fast 500 jugendlichen Lusttah- rern besuchte Veranstaltung leitete ein Fackelzug zum Fliegerdei-kmal ein, wo der Vorsitzende des Ver- banbes, Staatsminister a. D. D o m i n i e u s, der gefalle­nen Flieger gedachte. Am Sonntag ging dann der Wett­bewerb vonstatten, an dem sich 227 Segelflugmodelle betei­ligten. Hierbei wurden ganz hervorragende Flugleistungen erreicht, die zeigten, daß unsere Jugend schon tief in das Wefen des Fluges eirkgedrungeu ist. Der Montag brachte für alle Anwesenden eine feftr lehrreiche Vorführung, die von herRhön-Rofsitten-Gefellfchatt" ausgeführt wurde. ® r o e n 6 o f f und Riedel zeigten zunächst «chlevvsegel- flüge und sväter startete der erstere mit dem neuen schwanz­losen Motorflugzeug derR. R. G.", das er wieder meister­haft flog. Bei dem fchönen Wetter waren die Pfingsttage ein voller Erfolg für denD. L. V.", zu dellen Gelingen dieR. R. G." kräfttgst beigetragen bat.

Radsport

Radwandervorschläge des B. D. R.

Sonntag, den 31. Mai: Dritte Gauwanderfahrt Laffel Hofgeismar Beberbeck. Abfahrt 7 Uhr Frie- drichsvlatz. Wertung: Kassel Beberbeck. Gäste willkommen.

Gleichzeitig wird an die Dienstag-Abendfahr» t e « erinnert. Abfahrt jeden Dienstag abend 7,30 Uhr am Gerichtsgebäude. Koch.

Der Stadtverbanb für Leibesübungen teilt mit: Die PrüfungSabnabme für das Rettungsschwim­men findet am Sonntag, den 31. Mai vormittags 9 Uhr int Kaffeler Schwimmverein statt. Die Teilneh­mer werden gebeten, pünktlich zn erscheinen.

Hochbetrieb auf allen Gebieten

Oer Sport des Sonntags

Das Sportprogramm des Sonntags zeichnet sich nicht nur durch die Fülle der Ereignisse, sondern auch durch deren Bedeutung aus. Immer noch beherrschtKönig Fuß­ball" mit großen S-vielen die Lage: daneben treten die Handballspiele in entscheidende Stadien und aus dem übri­gen Programm ist das starke Anwachsen der leichtathlett- schen, rad- und motorsportlichen und auch der Tennisveran- staltungen hervorzuheben. Im

Fußball

mutz man die Vorschlußrunde um die deutsche Mei- sterichaft an erster Stelle nennen. Holstein Kiel und Mün- chen 1860 werden sich im Duisburger Stadion aegenüber- stehen. Die Norddeutschen dürften gegen die abgekämpfte Mannichatt aus dem Süden sicher gewinnen. Das zweite «viel in Leipzig steht Hertha/BSC. Berlin und den Ham­burger «B. als Gegner. Es ist also möglich, daß es ein rettt norddeutsches Finale gibt. Ostholland Westdeutsch­land lautet eine interessante Paarung in Arnheim. Im Rahmen der Rheinstaffel findet im Düllelhorier Stadion ein Futzballkampf zwilchen einer Düsseldorfer Stadtvertre­tung und einer süddeutfchen Auswahlmannschaft statt.

Handball.

In Magdeburg kommen die Meisterschasts- Endspiele dec D. S. B. der Männer und Frauen zum Austrag. Bei den Männern stehen sich der deutsche Meister Polizei Berlin und der süddeutsche Meister SV. 1898 D arm stadt gegenüber und bei den Frauen bestreiten die vonahrigen Finalisten, der deutsche Meister Viktoria Hamburg und der Altmeister SC. Charlotten- b u r g wiederum das Endspiel. Die Vorschlußrunde de r D. T. kommt an vier Orten zum Austrag. Männer: Oggersheim Kreseld/Ovvum in Mannheim, T. i. B. Berlin TB. Fürth 1860 in Berlin: Frauen: Stadtsportv. Frankfurt Hamburger Turnerbund in Frankfurt, Jahn Aue Vorwärts Breslau in Aue. Westdeutschland mel­det als Ereignis in der

Leichtathletik

die R 8 e i n st a s s e l, die zum 10. Male ausgetragen wird und in diesem Jahre von Neun zum Düsseldorfer Rheiu- ftadion führt. Das Meldeergebnis ist trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage recht gut. Das internationale Sport­fest in München steht den finnischen Weltmeister Paovo Nurmi am Start. Die internationalen Frauen-Wettkämpse in Florenz sehen auch eine deutsche Mannschaft am Start. Im

Tennis

werden in Berlin die deutschen Junioren-MeisterschasteN ausgetragen, die für die Zukunftsaussichten des deutschen Tennissvortes von Bedeutung sind. Allgemeine Turniere gibt es in Ulm und Kassel und in Paris werden die internationalen französtschen Meisterschaften beendet.

Radsport. '

Die Berliner Olumvia-Bahn bringt Steherrennen mit 14 Dauerfahrern, die einen spannenden Verlauf verspre­chen. Erich Möller startet auf seiner Heimatbahn in Han­nover und wird sich den Sieg hier bestimmt nicht nehmen lassen. Bochum, Münster und Halle veranstalten ebenfalls Steherrennen. Auch auf der Straße ist wieder allerhand los. Ein Ereignis ist die französische Fernfahrt Bordeaux Paris. Weiter sind zu nennen Gr. Brennabor-Preis Rund um Frankfurt". Italien-Rundfahrt, Rund durchs Müusterland (BDR.), Gr. Stratzenpreis der Westmark (B. D. 9t.), Gr. Stratzenpreis von Braunschweig lBDRB.). Der

Motorsport

bringt zahlreiche Veranstaltungen. Der zweite Lauf der Eurova-Bergmeisterschast, das Königsal-Jilowischt-Rennen, weist eine glänzende Besetzung auf. Die Europameister Hans v. «tuet und Caraeeiola sind am Start. Auf dem Nürburgring findet der erste Lauf der deutschen Mo­torrodmeisterschaft für Maschinen aller Klassen für Lizenz- sahrer statt. Die 10 000 kn:-Fahrt des AvD., der Grotze Preis von Indianapolis, VI. Königspreis von Rom ver­vollständigen das Programm.

Der heimliche Kampf

Roman von Michael Corvin

Copyright by Meyer und Jessen»Vertrieb, München

Das Erpreßboot der Luftpost rr denen Mittag In Berlin eingetrn?:en, und kaum eine Stunde spä­ter hielt Dr. Mersheim die Londoner Briese in Händen. Er verteilte das Material an die ver­schiedenen Bearbeiter und öffnete zuletzt den Um« s<hlaa. in dem Esther Raleigh die Photographien der Patterson-Ieffers geschickt hatte. Sein Befrem­den beim ersten Anblick der Bilder wich einer star­ken Spannung, als er das Begleitschreiben "-lesen hatte; er rief sofort in Burgs Zimmer an und bat ihn, zu ihm zu kommen.

Burg trat etwas eilig und mißgestimmt ein. Es war kurze Zeit bis zum Umbruch der Miitagsaus- aabe, den er persönlich zu Überwacken liebte, obwohl der alte erfahrene Metteur und ein halbes Dutzend junger Redakteure dafür zur Verfügung standen. Was konnte Mersheim schon wieder von ihm wol­len?

Der Chefredakteur reichte ihm, ohne ein Wort zu sprechen, die Bilder und den Brief Esthers. Burg sah erst flüchtig hinein, starrte dann Mersheim kurz an, ging zu dem Besuchersessel und las unter Stirn- runzeln das Schreiben. Als er aufsah, stand Mersheim mit triumphierendem Gestchtsausdruck vor ihm. Was er nun sage? Wer habe mit dieser Mis­sion recht gehabt? Selbst wenn Fräulein Raleigh nichts anderes erreichen sollte diese Bilder, er nahm sie Burg aus der Hand und der Brief seien ein befriedigendes Ergebnis der Londoner Reise. Er wolle sofort ins Auswärtige Amt, die Nachricht sei unbezahlbar. Industriespionage, darauf tnüffe man jetzt besonders scharf achten!

Also sagen Sie offen, Burg, wäre es nicht schade darum, ein solches Talent*

.Es ist schade jammerschade."

Burg erhob sich mit einem schweren Stöhnen.

.Ich hätte nicht daran gedacht, daß sie so schnelle Fortschritte machen würde. Ick glaube, Dr. Mersheim, es war ganz gut, daß ick Ihr Wort ab­lehnte, wissen Sie? Es dürfte jetzt zu spät sein, sie hier gut und richtig zu beschäftigen"

Der Alte lachte trocken, mit einem traurigen Ge­sicht.

.Man wird im Amt diese Kraft zu schätzen wis­sen. Sie haben wieder einen gewaltigen Stein im Brett gewonnen na, lassen Sie sich bitte nicht auf­halten. Dr. Mersheim, ich muß zum Umbruch. Ihr Artikel steht ja wohl schon fertig?"

Mersheim bejahte, und machte sich, innerlich über Burgs Formlosigkeit wütend, fertig. Siegfried Burg

tappte hinaus und brüllte eine Minute später in der Setzerei, man könne sich auf keinen Menschen verlassen, es fei eine Schweinerei, wenn man jun­gen Kerlen alles überlasse und schließlich müsse doch immer er selbst die Geschichte wieder in Ordnung bringen.

Als gegen 3 Uhr in der Redaktion Stille nach dem Sturm eingetreten war, kam Mersheim zurück und setzte sich ein seltener Vorgang an den Schreibtisch, um einen Brief an Fräulein Raleigh zu schreiben.

Zur gleichen Zeit hockte Burg in seinem Sessel und diktierte seiner Sekretärin ein Schreiben an Esther. Er ahnte, welche Elogen man ihr vom Auswärtigen Amt durch Mersheim machen würde, ahnte, wie man sie weiter und immer weiter auf diesem Wege treiben würde, den kaum einer lebend und niemand unversehrt verlassen hatte, und wollte wenigstens warnen und raten, soweit es ging.

Er wußte, daß er sich auf Fräulein Cohn unbe­dingt verlassen konnte und nahm kein Blatt vor den Mund. Es war an der Zeit, die Dinge offen beim Namen zu nennen, und Burg tat es. Er schrieb ihr, daß die Gefahr nicht beim Vorgehen am größ­ten sei, sondern daß der Rückzug die Aufgabe bilde, an der die meisten Leute scheiterten. Er erwähnte den Namen Selsride nicht, es. war fraglich, ob er ihn überhaupt kannte; aber alles, was er über die Art von United Service sagte, paßte auf Selsride. Er warnte Esther vor der Annahme zu vieler In­formationen, sie könne nicht beurteilen, ob die Leute, die Selsride durch sie denunziere, nicht anständige Menschen seien obwohl er das im Falle Patterson nicht glaube.

Burg diktierte sich in einen Eifer hinein, der von wirklicher Zuneigung für Esther sprach. Fräulein Cohn saß ganz klein und zusammengeduckt da und stenographierte den Ausbruch, schrieb die Warnun­gen, bei denen ihr Herz für Esther bebte und zit­terte. Als Burg fertig war und sie aufblickte, sah er, daß ihre Augen voller Tränen standen, die sie nicht verbergen konnte. Er zog sein Taschentuch, schnaubte laut und heftig, strich der kleinen buckligen Sekretärin über den Kopf und sah wortlos im den grauen Hof, der von der ewigen Rauchfahne über­weht wurde. Die Sekretärin stand auf, um das Diktat auf die Maschine zu übertragen, er sagte über seine Schulter hinweg:

.Schreiben Sie ihr nachher Grüße 'ran; was Sie

wollen. Man muß von einem, der auf solche Rei­sen geht, Abschied nehmen!"

Die Abteilung N des Auswärtigen Amtes stellte trotz ihrer Wichtigkeit nur eiaen sehr kleinen Teil des umfangreichen Apparates ckar. Die Stellung Deutschland nach dem Kriege war derart, daß man mehr Spionageabwehr, sogenannte Konterspionage, treiben mußte, als selbst Agenten zur Erforschung wichtiger Geheimnisse im Auslande zu unterhalten. Da das militärisch- Moment, nicht nur in der offi­ziellen, fondern auch in der tatsächlichen Politik er­heblich gegen das wirtschaftliche zurückgetreten war, lag den Leitern der deutschen Politik vor allem dar­an, wirtschaftliche und technische Besonderheiten, die man vor anderen Staaten voraus hatte, als Druck­mittel zu bewahren und nicht gefährden zu lassen.

Man sah ob mit Recht oder nicht, war gleich­gültig Deutschland als eine der Vorbereitungs- basen an und richtete sich danach. Die deutsche In­dustrie, in Europa neben England am höchsten ent­wickelt, in vielem Britannien überlegen, wurde von allen Seiten beschnüffelt. Deutschland wehrte sich, was keiner der Konkurrenten übelnahm, wenn auch dabei ihre Leute erledigt wurden. Die Fäden die­ser Gegenwehr aber liefen im Referat N zusammen, und ein einfacher Ministerialrat, Dr. Dvngen, hielt sie in der Hand.

Dr. Mersheim kannte Dongen feit seiner Studen­tenzeit. Sie hörten damals zusammen ein Kolleg über angewandte Psychologie . Dongen studierte Iura und wollte die Richterlaufbahn einschlagen, während Mersheim von einer philosophischen Pro­fessur träumte. Beider Ziele hatten sich dann ver­ändert; aber eine unklare Zuneigung zueinander und das Gefühl, sich gegenseitig unterstützen zu kön­nen, hatte ihre Bekanntschaft vor der Auflösung be­wahrt.

Dr. Mersheim war es gewohnt, Dongen Einzel­heiten aus den Berichten seiner Korrespondenten mit­zuteilen, wenn er glaubte, daß er dem Freunde in dessen Ressort damit dienen könne. Dongen wieder­um gab dem Chefredakteur oftmals Winke, über Vorgänge Erkundigungen einziehen zu lassen, die man am unverdächtigsten auf dem Wege über die offiziellen Pressevertreter bekam.

Die Politik im Amt selbst war in der letzten Zeit etwas zwiespältig geworden. Der englische Einfluß feit 1923 unverändert stark, traf in einigen Punk­ten auf hartnäckigen Widerstand. Man war nicht mehr fo geneigt wie in den ersten Nachkriegsjahren, sich England ganz zu verschreiben. Die Amerckaner hatten geschickte Verträge mit der Industrie in Deutschland gemacht; geheimnisvolle Transaktionen und Ueberschreibungen erfolgten, um viele deutsche

Anlagen jedem Zugriff zu entziehen und sie geivis- fermaßen zu neutralisieren. Eine Zeitlang hat man mit Moskau geliebäugelt, später biederte man sich mit Frankreich an die Taktik war unsicher und wechselnd unter jeder der zahlreichen Regierungen.

Dongen gehörte zu der letzten erstarkten Gruppe im Auswärtigen Amt, die auf dem Boden einer Taktik des Gegeneinanderausspielens, die Souver­änität und Handlungsfreiheit Deutschlands erhalten und vergrößern wollte. Er war es, der Mersheims Vorschlag, einen Sonderberichterstalter nach London zu senden, um die Konspirationen der chemischen Industrie mit dem englischen Bergbau zu entschleiern, unterstützt hatte. Als ihm sein Freund nun den Be­richt Fräulein Raleighs und die Bilder brachte, glaubte er Mersheim zu seiner Redakteurin beglück­wünschen zu können. Er selbst hatte im Archiv eine schlechte Aufnahme der jüngeren Patterson..

Da Esther Raleigh über die Herkunft der Motos nichts geschrieben hatte, hielt er es für überflüssig, in Mersheims Gegenwart Vermutungen darüber zu äußern. Es war Dongen klar, daß sie mit Leuten in Verbindung gekommen sein mußte, die nicht un­erfahren in der Beobachtung waren, er rechnete dar­auf, in den fpäieren Berichten, die Mersheim ihm zeiaen würde, Anhaltspunkte dafür finden, um welche Kreife es sich handelte.

Auf seine Frage, ob die Dame sich wohl entschlie­ßen würde, direkt in den Dienst der Abteilung N zu treten, hielt Mersheim sich für verpflichtet, in Esthers Namen abzulehnen. Jedenfalls fei es ganz ausge­schlossen, daß etwa durch ihn eine Zusammenkunft oder dergleichen verabredet werden könnte. Dongen lächelte den aufgeregten Freund an und verfprach, alle ihm richtig erscheinenden Schritte selbst und ohne Hilfe vorzunehmen.

Er hate, nach Mersheims Fortgehen, ziemlich be­kümmert die Liste seiner Leute in England gemu- stert; er konnte nicht wagen, jemand auf Esthers Spur zu setzen, um ihren Umgang zu ermitteln. Ter Verdacht, den er hatte und der in einer ganz be- ffintmten Richtung ging, sollte ihm da dienen, nötigenfalls auf Fräulein Raleigh nach ihrer Rück­kehr einen Druck auszuüben. Er wußte, daß Mers­heim, seichst wenn er ihm feine Vermutung hätte be­stätigen können, dazu schwerlich bereit gewesen wäre; er kannte die oft merkwürdige Empfindlichkeit feines Freundes, fobald es sich um Informationen han­delte, die nach dessen Meinung persönliche Ange­legenheiten waren. So blieb nichts übrig, als wei­tere Berichte abzuwarten und Schlüsse zu ziehen.

Dongen ließ die Bilder sofort photographieren,, um sie an die Grenzkontrollen und eine Reihe ande-1 ter Agenten im Inland verteilen zu lassen.

(Fortsetzung folgt.)

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