Linkere Heimat
Warum?
Untersagung des Bootsverkehrs über die Fulda bei Speele.
Durch ein vor kurzem ergangenes Verbot der Was- sevbamvevwaltun-g ist den Bewohnern und den Be- suchern des Fubdatales die Möglichkeit genommen worden, bei Speele von einem Ufer der Fulda auf das «mdere zu gelangen. Diese Möglichkeit bestand seit Jahrzehnten dadurch, daß bei dem Fehlen einer öffentlichen Führe mehrere Bootsbesitzer das Ueber- setzen bewerksteWgten. Durch das Verbot der Was- serbaubehörde ist nunmehr für Speele die neue Fuldatalstraße gänzlich bedeutungslos geworden zumal durch das Fühlen einer für den öffent- lichen Verkehr bestimmten Brücke auf dem langen Fuldaabschnitt zwischen Kassel und Hann.-Münüen dies« neue Straße schon seit ihrem Bestehen für die Ortschaften auf dem rechten Fuldaufer so gut wie keine Bedeutung hatte. Besonders fühlbar wirkt sich das Verbot für die Gemeinde K n i ck y a - gen und das Gut Eichenberg aus, deren Bewohner bisher den nahegelegenen Bahnhof Speele benutzten. Sie sind jetzt auf den Bahnhof Wilhelms- Hausen angewiesen, während für ihre gesamten Güterangelegenheilen erst der Bahnhof Hann.-Münden zuständig ist. Diese unhaltbaren Anstände sind auf die Dauer von den in Mitleidenschaft gezogenen Gemeinden nicht tragbar, so daß von den zuständigen Behörden mit aller Entschiedenheit die Errichtung einer öffentlichen Fähre sowohl für den Personen-, als auch für den Fuhrwerksverkehr bei Speele gefordert wird.
Sn der Totenkopfkurve schwer verunglückt
Sei Dicke, Ar. Warburg.
Di« bei der Ortschaft Bicke gelegene sogenannte Totenkopfturve hat wieder ein schweres Verkehrsunglück herbeigeführt. Ein Motorradfahrer mit Beiwagen Passierte m schnellem Tempo diese Stelle,
ohne weder auf den dort angebrachten beleuchteten Totenkopf, noch auf den in unmittelbarer Rahe desselben aufgestellten Verkehrsposten zu achten. Die Folg« war, daß die kurz hinter den Signalen einsetzende knappe Kurve nicht mehr genommen werden konnte. Das Motorrad ftog mit einer solchen Wucht »egen ein Brückengeländer, daß der Führer in weitem Bogen in den Wald geschleudert wurde. Er wurde so erheblich verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Die im Beiwagen sitzende Frau des Verunglückten erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. Diese Straßenkurve ist eine der gefährlichsten in ga"- Westfalen und hat im vergangenen Jahre zu 15 schweren Verkehrsunfällen geführt.
Schauriger Fund ,
Ein Vermißter als Skelett wiedergefunden.
Im Gutswald« von Falkenberg bei Somberg fanden zwei Schüler einen Menschenschädel. Der Oberlandjäger aus Hebel suchte die Fundstelle ab und entdeckte unter einem Baum die weiteren Knochenteile und Bekleidungsstücke, die zu der Leiche gehörten. Es konnte festgestellt werden, daß es sich bei dem Toten um den Maurerlehrling Heinrich Dippel aus Unshausen handelte, der seit September 1929 vermißt wurde. Der Befund ließ darauf schließen, daß der junge Mann sich erhängt hatte.
Bebra. Die Kapelle der freiwilligen Feuerwehr veranstaltete am Sonntag mittag ihr erstes Konzert auf dem Wilhelmsplatz. Die Darbietungen bewiesen, daß die Kapelle auf der Höhe ist.
Bebra. Der Tender in der Drehscheibe. Auf dem Bahichof stürzte der Tender einer Lokomotive in den Unterbau einer Drehscheibe, da dieselbe noch nicht in Gleisrichtung eingestellt war, als die Maschine sie befahren wollte. — Ein blinder Passagier, der eine billige Pfingstfährt machen wollte, wurde auf dem Bahnhof entdeckt und festgenommen. — Die Kanali- sationsarbeiten im Bilder sind nunmehr durchgeführt worden wobei auch Erwerbslose beschäftigt werden konnten. — Der Kindergarten ist wieder geöffnet.
Lin Zweiwochenprozeß
Kreditbetruasprozeß Ritz in Fulda.
Am Donnerstag vormittag begann vor dem Amtsgericht in Fulda unter Vorsitz des Amlsgerichtsrates Bellenberg der sogenannte Ritz-Prozeß ohne jegliche Sensationen.
Der Vorsitzende teilte zunächst mit, daß das Gericht mit einer Iltägigen Dauer des Prozesses rechnet, obwohl von morgens bis nachmittags mit geringen Pausen verhandelt werden soll. Im Verlaufe des Prozesses sollen 26 Zeugen vernommen werden. Die Angeklagten stnd bis auf einen unvorbestrast. Trotz der geradezu glänzenden Mlenkenntnis des Vorsitzenden zeigt sich bei der Verhandlung der einzelnen geschäftlichen Transaktionen der Angeklagten eine erhebliche Verworrenheit. Von der man noch nicht feststellen kann, ob sie von dem Leugnen der Angeklagten oder von der damaligen leichtfertigen Geschäftsführung herrührt. Die strafbaren Handlungen spielen in den Jahren 1928—1930 und haben ihren Grund in Wechsel- und Grundschuldgeschäften im großen Umfange, die infolge der kaufmännisch nicht korrekten Behandlung schließlich zu großen Geld- Verlusten für die Dgrlehnkaffe Neuhof führten, sodaß eine recht schwierige Abwicklung dieser Geschäfte notwendig wurde.
Infolge dieser unübersichtlichen Sachlage war die Vernehmung der Angeklagten sehr schwierlg, die sich teilweise gegenseitig belasteten. Etwas Belebung der sonst monotonen Verhandlung brachte die Besprechung der Geschäftsführung des Angeklagten Ritz, der die Auffassung vertrat daß er nicht verpflichtet war, über seine umfangreichen Abwicklungsgeschäfte in Neuhof Bücher zu führen.
Nach stündiger Mittagspause wurde in der Vernehmung des Hauptangeklagten Ritz sortgefahren, wobei die einzelnen Abrechnungsposten beanstandet wurden. Hierbei gab es einen Zusammenstoß zwischen dem Verteidiger des Ritz und dem des Vorsitzenden, weil der Verteidiger glaubte, daß die Einstellung des Sachverständigen zivil-prvzeßliche Mo- mente in seine Frage» bringe. Ter geschickten Leitung des Vorsitzenden gelang es jedoch, die Verhandlung friedlich weiterzusühren.
Am Schluß des ersten Verhandlungstages beantragte der Verteidiger des Ritz, den Haftbefehl für diesen Angeklagten aufzuheben. Das Gericht beschloß entsprechend.
Freitag, 29. Mai 1931
«effeler Neueste Nachrichten
Lbersuht Brandschaden. In der Nacht vom Dienstag aus Mittwock brach in der Scheune des Fabrikmeisters Soidenzahl in Dippach Feuer aus. Trotz des kxckdigen Eingreifens der Feuerwehr wurden Scheune und Stallungen ein Raub der Flammen. Die Entstehungsursache ist noch nicht geklärt. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein.
Karlshafen. Hier Trockenheit, dort Regen. Seit Dienstag abend ist die Diemel gestiegen und führt lehmgelbes Wasser. Wie man hört, sind im Quellge- biet gewaltige Gewitter zur Entladung gekommen, die ziemlichen Schaden an Feldern und Gärte» an- gerichlet haben. In Karlshafen wirkt sich die langanhaltende Trockenheit in Gärten und an dem Frucht- behang der Obstbäume allmählich unangenehm aus. Ein Gutes hat die Hitze allerdings auch: Die Flußbäder sind besucht tote sonst nur im Juli. Im ganzen Wesertal hat die Heuernte bereits ihren Anfang genommen. , _ ,
Schweinsberg. Weihe des Sportplatzes. Unter großer Beteiligung von auswärtigen Vereinen fand die Weihe des Turn- und Sportplatzes statt. Nach den -Spielen trat die Gemütlichkeit in ihre Rechte.
Seite 3 —* 1 Beilage
Marburg. Ein Auto verbrannt. In der Deutsch-- Hausstraße geriet am Donnerstag gegen 12 Uhr infolge Vergaserbrandes ein Auto in Flammen, was größeres Unheil gehabt hätte, wenn nicht der ?>uhrer die Geistesgegenwart gehabt hätte, den Benzmtanr abzustellen. ‘ Es brannte so der Motor aus und der Führersitz wurde ein Raub der Flammen.
Cölbe. Messerstecherei. Mittwoch früh flertetee zwei junge Leute in Streit, in dessen Verlauf bet eine seinem Gegner einen Messerstich beibrachte. Di« Verletzungen des jungen Mannes waren so schwer, daß er nach Marburg überführt werden mutzte.
Aas Aaldeck
Corbach. Eröffnung der Städtischen Badeanstalt. Mittwoch wurde die Städtische Schwimm- und Badeanstalt z"r ««nutzuna freigegeben.
Corbach. Nahrrad-Dtebstahl. In der Prof.-Mer- strafte wurde am Dienstag einem stellungslosen Handlungsgehilfen ein Fahorad aestMem Es haw doli sich um ein gut erhaltenes Opelrad mit gelber Lackierung.
Oberkaufunger Voranschlag angenommen
38000 Mark Fehlbetrag.
Die Rückvergütung aus der Einkommensteuer ermäßigte sich von 20 000 Mark auf 16400 Mark. Der Antrag auf Beseitigung der Sier ft euer wurde abgelehnt mit der Begründung, daß dies aus Grund der Notverordnungen nicht zulässig ist und die Aussichtsbehörde diese Steuer dann zwangsweise wieder einsetzen würde. — Für die Bürger st euer lagen zwei Anträge vor. Der erste Antrag auf gänzliche Beseitigung dieser Steuer wurde abgelehnt, dagegen Wurde der zweite Antrag
nur den Vorjahrssatz einzusetzen und die 100 Prozent Zuschlag zu streichen, angenommen. — Die Grund st euern für den unbebauten Grundbesitz wurden von 400 auf 350 Prozent ermäßigt. Für bebaute Grundstücke wird wieder der Vorjahrssatz von 350 Prozent erhoben. — Der Titel Allgemeine Verwaltung. sieht für die Gehälter eine Ermäßigung von 37 716 Mark auf 25938 Mark vor. Der Gemeinderat glaubt noch gefunden zu haben, daß einige Beamte aus Grund der Preußischen Besoldungsordnung von 1827 zu hoch eingesetzt wurden. Der Gemeinderat will nun mit allen Mitteln versuchen,
die Samten in ihre frühere Stufe einzugruppieren,
was eine Ersparnis von 5508 Mark ausmachen würde. Die Ersparnis von 11808 Mark an Gehälter ergibt jedoch ein vollkommen falsches Bild. Es wurden zwei Gemeindeangestellte gekündigt und dieser Betrag aus dem Etat herausgenommen. Rach Ansicht aller Fraktionen ist jedoch höchstens eine Kraft entbehrlich, so daß in kurzer Zeit für diesen Posten eine Nachbewilligung erfolgen muß. Auf Grund dieser sehr fraglichen Einsparungen wurde ein Antrag angenommen,
die Gewerbesteuer vo» 600 auf 400 Prozent zu ermäßigen.
— Die ^^"lbeiträge ermäßigten sich von 27000 Mk. auf 25 030 Mk. — Für Unterhaltung der Straßen usw. wurden 1900 Mark eingesetzt. — Das Schmerzenskind ist das Wok-lfabrtskonto. Der hierfür eingesetzte Betrag von 90 000 Mart wird bei weitem nicht ausreichen. Allein bei diesem Titel V* nt einem Fehlbetrag von mindestens 50 003 Mark zu rechnen. — Die Einsetzung des Betrages-- von 1500 Mark s-"- die Instandsetzung des Sportplatzes wurde mit 8:8 Stimmen, mit der Stimme des Bürgermeisters abgelehnc allerdfaag unter der Voraussetzung, daß dieses Projekt nicht fallen gelassen, sondern schon in der nächsten Sitzung verhandelt wird.
— D-er Betrag für die Unterhaltung der Gemeindehäuser ist von 300 auf 1100 Mark erhöht worden. — Für die Erneuerung der alten »l scrlcitung ist für dieses Jahr ein Betrag von 1M3 Mark zurückgestellt worden. - . Die AMmrmung Über den gesamten Etat, der b°l em°r Einnahme von 383 000 Mark und einer Ausgabe von 421OW Mark einen Fehlbetrag von 38 000 Mark vor- sieht, ergab die Zustimmung der Vertreter nut lo.4 Stimmen.
Rundfunk
Wir höre« am Souuabeub, bett 30. Mal:
Frankfurt-Kassel:
7.80: Von »ab Münster a. St.: Frühkonzert des Kurorche-
11.00: Aus bem Kaisersaal des Römers aus Zranksurt/M^.: Festakt der Goethe-Gesellschaft - ..Goethes Kindheit , Vortrag von Professor Friedrich Gundolf, Heidelberg
12.10: Schallplattenkonzert .
15.20: Stunde der Jugend — Ausführende: Elsa Pfeiffer und Karl Köftlin , , „
16.80: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters
18.00: Aus der St. Peterskirche: Frankfurter Motette — Werke für Orgel und gern. Chor von I. S. „Bach: u. a.: Choralmotette: ,Hesu meine Freude" Mr 5- stimm, gem. Chor — Aussübrende: Helmuth Walcha (Orgelt, Frankfurter Motettenchor iLeitung: Pros. Fritz Gambket
18.40: „Der Staat und die Evangelische Kirche", Vortrag von Präsident Bähr, Kassel ,r
19.10: Eine Viertelstunde Deutsch« Reichsvost: „Das Reise» im Postkrastwagen". Vortrag von Postinsvektor - Bender _ „
19.25: Svanischer Sprachunterricht, erteilt von Dr. H. Pe- trieoni
19.45: „Berliner Theaterwinter". Eine Rückschau von Will» Haas
20.15: Im weißen Rößl. Singspiel in drei Akten nach dem Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg von Hans Müller. Musik von Ralph Benatzky
22.15: Bon Brüssel: Groß-Boxkampf: Eurovameifter Pierre Charles, Belgien, gegen Hans Schönrath, Deutschland — Sprecher: Dr. Paul Laven
22.45: Zeitangabe, Wetterbericht, Tagesnachrichten, Sportbericht
23—24.00: Bo» Berlin: Tanzmusik der Kapelle Marek Weber
Königswusterhausen: 19.30: Aus Leipzig: Heiteres Konzert. <$> Königsberg-Heilsberg: 20.00: Aus Köln: Lustiger Abend. - 22.30—0.30: Aus Berlin: Tanzmusik. <$> Langenberg: 20.00: Heiterer Abend. <K Wien: 19.25: Finale im Florett- und Einzelfechten für Damen und Herren. — 20.00: Aus München: Heiterer Abend. — 22.35: A>uS München: Der kleine Funkiazz spielt zum Tanz. <K> London-Reg.: 21.00: Kammermusik. <§> R o m: 20.40: „Mefistoseles", Oper in einem Borsviel, 8 Akten und einem Epilog von A. Boito.
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