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Seite 4 1. Beilage

Kasseler Neueste Nachrichten

Sonnavend/Sonniag, 23./24. Mai 1931

Vom Zug überfahren

Tödlicher Unfall in Hesstfch-Lichtenau.

Am Freitag abend, kurz nach 10 Uhr, ereignete sich auf dem Güterbahnhof in Hesstfch-Lichtenau ein schwerer Unfall, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel. Der im 38. Lebensjahre stehende Weichensteller Karl Nolde geriet unter die Räder des Personenzuges. Dem Bedauernswerten wurden beide Beine abgefahren. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe und un­mündige Kinder.

Eschwege. Vermißt wird der Gärtnerlehrling Kurt Eifler, der, wie verlautet, von seinem Lehr- herrn entlasten wurde, weil er sich zum Gärtnerbe­ruf nicht eignete. Die Angehörigen befürchten, daß der junge Mann stch aus Gram darüber ein Leid zufügen könnte.

Oie Marburger Festspiele

.. . beginnen am 10. Juni.

Der Beginn der Marburger Festspiele, die wieder ein hervorragendes Programm bieten, ist nunmehr endgültig auf den 10. Juni festgesetzt worden. Von Mittwoch, den 10. Juni an wird zunächst derPrinz von Homburg" gespielt, Freitag, den 19. Ium ist die Erstaufführung desSommernachtstraums" und am Sonntag, den 28. Juni, kommt als drittes StückDer zerbrochene Krug" hinzu.

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Marburg. Der Fremdenverkehr gesunken. In­folge der schweren Wirtschaftsdepression ist der Frem­denverkehr gegen das Jahr 1929 erheblich zurückge­blieben. Die Stadt Marburg wurde nach Feststellun- gen des Städtetages im Sommerhalbjahr 1930 von 24 827 Fremden ausgesucht. Auf 1000 Einwohner kommen somit 990,7 Fremde, wodurch Marburg unter den 43 berichtenden Städten seiner Größenklasse an 11. Stelle rückt.

Vollmarshausen. Bezirksübung der Arbeitersama­riter. Der 2. Bezirk im 14. Kreis des Arbeitersama­riterbundes hielt eine Uebung ab. Vor der Uebung fand noch eine Kolonnentechnikersitzung statt, während des die acht Ortsgruppen mit über 80 Samariter und Samariterinnen anrückten. Um 9,15 Uhr kam der erste Alarm: In der Ziegelei war die über dem Ringofen befindliche Decke eingestürzt und angeblich 18 Personen verunglückt. Kurz darauf der zweite Alarm: Zusammenstoß zweier Personenwagen aus der Brücke von Vollmarshausen mit 10 Verletzten, dann Feuerarlarm. Darauf folgte durch Dr. Biskamp- Wattenbach die Kritik, die durchweg gut ausfiel. Auch der Bezirksleiter, wie der Kreistechniker statteten den Beteiligten ihren Dank ab.

Treffurt. Als neues Magistratsmitglied rückte der Stadtverordnete Jakob Böhm für den ausgeschie­denen Ratmann Grimm ein.

Treffurt. Aus dem Jahre 1620. Eine Einwohne­rin fand in ihrem Keller mehrere Stücke Silbcrgeld in der Größe unseres Fünfmarkstücks aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Wahrscheinlich versteckte sich ein Vorfahr in den Kriegswirrcn das Geld und konnte es nicht wieder an sich nehmen.

Rittmannshausen. Der Fuchs als Hühnerdieb. Einem Landwirt wurden für zirka 200 Mark Hühner gestohlen. Vergebens suchte man wochenlang nachdem Dieb, bis der Geschädigte auf den Gedanken kam, eine Falle zu stellen. Der Hühnerdieb, ein Fuchs, fing sich in dieser und wurde unschädlich gemacht.

Heringen. Liederabend. Gelegentlich einer Sän- gerfahrt ins Werratal veranstaltete der Aeltere Ge­sangverein Oberzwehren gemeinsam mit dem Heringer MännergesangvereinFrohsinn" einen wohlgelungenen Liederabend. Besonders die Volks­lieder fanden Beifall. Als Solist gastierte Herr Dietrich Spies- Oberzwehren, der mit seinen Flötensolis den Dank der Anwesenden erntete. Anderen Tages besichtigten die Sänger die Anlagen der Kaligewerkschaft Wintershall. Am Nachmittag sand ein Waldfest statt.

Ziegenhain. Vom Kriegerverein. Der Betrieb auf dem Schießstand wurde wieder eröffnet. Infolge mehrfacher Unstimmigkeiten innerhalb des Vorstan­des hatten dessen sämtliche Mitglieder, mit Aus­nahme des ersten Vorsitzenden, ihre Aemter mit der Erklärung zur Verfügung gestellt, eine etwaige Wie­derwahl unter keinen Umständen anzunehmen. Ge­wählt wurden zum 1. Vorsitzenden Landwirtschasts- rat List, 2. Vorsitzenden Zollsekretär Flinner, Kreis- ausschußsekrelär a. D. Heise 1., Finanzamtsangestell­ter Groß 2. Schriftführer, Kreissparkassendirektor Stuhlmann 1., Lederhändler Spieß 2. Kassensührer, Gastwirt Niemeyer, Katasterinspektor Schütte und Steuerassistent Weimar zu Beisitzern.

Frankenberg. Raisfeisen-llnterverbandstagung. Es gehören dem Unterverband 21 Vereine mit 2400 Mit­gliedern an. Die Vereine hatten im verfloßenen Jahre 900 000 Mark Spargelder. Verborgt wurden 464 291 Mark, an Waren gemeinschaftlich für 361949 Mark

Staatliches Theater.

rastfeiertag wird das Büh«e«weth

icharö Wagner mit Laurenz Hofer ...___

ihrt. Ter zweite Festtag sieht die Operette Emmerich Kalman

Platz- ««d Promenadenkonzert. Ein Großlautsprecher- automobil, das die Siemens u. Halske A. G., Berlin, aus eine Werbcsabrt schickt, wird in Kassel ein Platz- und Pro- mcnadenkonzert ncranktalten. Diese Wagen enthalten alles, was zur lautstarken Wiedergabe von Schallplattenmusik und Stundiunküarbietungen ooer auch der vor einem Mikrophon gehaltenen Reden erforderlich ist.

Verband LJR. 88. Der Tag der Landwehr 83 findet wegen der Argonnenfahrt des Verbandes lvom 26. bis 31. Mai) erst im August in Kassel statt.

Der Kasseler Schubertbnnd unternahm gemeinsam mit dem Aelteren Männergesangvercin Heiligenrode eine Her- renpartle nach Oberkausungen, Heilstätte, Auerhahnshütte. Wickenrode, Selig. Der Chor brachte an der Lungenheil­stätte unter Leitung seines Dirigenten, Musiklebrer Wilke, einige biuhlingslieder stimmungsvoll zum Vortrag und wurde durch den dankbaren Reitall der Kranken belobni Nach gemeinsamem Frühstück tn der Nähe der Heilstätte ging die Wanderung durch den herrlichen Kaufunger Wald über Auerhahnshütte nach Wickenrode, wo bei Sangesbruöer Link der Karree eingenommen wurde. Nach kurzem Aufenthalt wurde der Weg nach Helsa angetreten, wo der Chor zusam­men mit dem Ouartettn-rejn Helsa einige Stund-n echter und rechter Sängerfröblichkeit verlebte und manchem fuhr das Zügle viel zu früh.

D. H. B., In der Fachgruppe Banken im Deutschnatio- nalen Handlungsgehiltenverbanü fand ein Vortrag von Landesbankreserent Dr. Antoni. Kastel, überGrotzbank- bilanzen und Großbankvolitlk" statt. Die Umsätze sämtlicher Großbanken gingen 1930 mehr oder weniger stark zurück. Nur die Dresdner Bank konnte eine kleine Umsavsteigerung erzielen. Trotz erheblicher Verluste und trotz des Rück­ganges der Liaulditat seien die Großbanken doch noch stär­keren Anstürmen gegenüber gewappnet. Wenn es den Ban- ken gelingt, weiter die Unkosten zu senken und die Kavital- ehlle-tungen zu vermeiden, werden sich die Bilanzzahlen für 1931 wieder bester».

Am ersten Pfinastfeiertag wird das Bühnenwethfestsviel ^Parstfal von Richard Wagner mit Laurenz Hofer in der Titelvartie amgeführt. Der zweite Festtag steht die Operette Das Veilchen vom Montmartre" von Emmerich Kalman ooi. Am Mittwoch, den 27. Mai geht die komische Over Der Barbier von Sevilla" in Szene. Anschließend an die Oper TanzruitcDer Fächer". Eine Wiederholung des mit großem Beifall aufgenommenenHauptmann von Köpenick" von Zuckmayer findet am Freitag, den 29. Mai statt. In der Over wirdJenufa" von Janaeek vorbereitet. Die Erstausführung ist für Sonntag, den 31. Mai auf den Dauerkartenbuchstaben D 35 lnicht C 35) vorgesehen. Am Montag, den 1. Juni bringt das Staatstheater ein Ensem- von Ernst Deutsch und Carola Doelle inTeu- felsschuler" von Shaw.

aen. Der Gesamtumsatz betrug 3 924 049 Mark, andsamvalt Schmidt aus Kassel berichtete über den Stand der Eesamtorganisation, Direktor Weith über den Stand der Kurhessischen Zentralgenossen- schaftsbank und Direktor Hennings über die Waren­anstalt Hesienland. Am Schluß hielt Dr. Eötze-Kassel einen Vortrag über die Viehverwertung.

Bürgerbe,irksverei« Kastel-Weblheideu W. Beckmann, 1. Vorsitzender.

Mißwirtschaft -er öffentlichen Hand

Etwa 25 rheinische und westfälische Stabtgemeinden oder deren lnduitriellen Werke haben vor einigen Jahren eine Vertriebsgeiellichast für Gas- und Wasserwirtschaft m. b. H. abgekürzt Gasuwa ins Leben gerufen. Die Hauvt- tatigkett der Gasuwa besteht in der Weitergabe von Auf- tragen Rohren- und Armatnrenbestellungen usw. und batte bis in das vergangene Jahr hinein einen Unkosten- umiatz von oO 000 RM im Monat. Man braucht sich daher Vr-nnnum1?»nLcIn.1x1 c»,n die Gasuwa beute nachweislich trachtet schulden hat und nach einer Sanierung .®« ein Konkurs die Wirtschaft der öffentlichen Hand in Mißkredit bringen würde und außerdem den Drahtziehern dieier G. m. b. H. einige gut bezahlte Pöstchen verlieren wurden, veriucht die Gasuwa einen Gewaltsvergleich, und zwar^a u f Kosten ihrer eigenen Abnehmer, da die Lchulden durch wesentlich höhere Preise beim Einkauf von Bedarfsartikeln abgedeckt werden sollen. Bei den Ver- gleichsverhanülunaen sollen die Vertreter der Mitglieös- werke auch einen Druck durch die Erklärung ausgeübt haben, oaßman weitere Aufträge ihrer kommunalen Werke davon aboangig machen wolle, daß die Lieferanten die Gasuwa in icder Weise unterstützten. Der Vertreter eines namhaften kommunalen Werkes soll beionders hervorgehoben haben, daß es bei den beteiligten Mitglicüswcrken den denkbar ungünitigsten Eindruck machen würde, wenn die Haupt­gläubiger die Galuwa im Stich lieben. Auch die übrigen Seuttchen Gas- u. Wasterwerke letwa auch Kastel?) wurden nicht das geringste Verständnis dafür aufbringen, wenn die Gasuwa durch ihre Gläubiger zum Konkurs getrieben wurde. Daraus würden sie auch bestimmte Folgerungen den Lieferanten gegenüber ziehen, die den Konkurs nicht verhindert hatten.

. Man scheut sich demnach an die Stadtverorbnetenver- iaminlungen der einzelnen L-tädte heranzugeben und sich die Mittel sirr eine Sanierung der Gasuwa bewilligen zu las­sen, sondern rortt unter der Hand stillschweigend für Liefe­rungen höhere Preiie zahlen, nur um ein vollkommen über­flüssiges Zwischenglied des Handels kommunaler Natur Steuerzahler derjenigen Städte künstlich

aufrechtzuerhalten. die sich an die,er Gründung beteiligt haben. Es wäre sehr interessant zu erfahren, ob auch unsere Kasteler gewerblichen Werke irgend welche geschäftlichen Bindungen mit dieser überflüssigen Gründung 6er öffen" lichen Hand eingegangen sind, oder bestimmten Lieferanten gegenüber Folgerungen im Sinne des Vertreters eines namhaiten kommunalen Mitgliedswerkes zu ziehen gewillt

Wir geben Auskunft

Briefkasten der K. 7l. 71.

Hch. G. Sie müsten sich an das Polizeipräsidium in Kastel wenden.

Ein aufstrebender Vorort

OLerzwehren, Kassels südlichster Vorort an der Main-Weser-Bahn, hat im letzten Jahrzehnt einen nie geahnten Aufschwung genommen. So hat sich die Vevölkerunaszahl um rund 600700 er­höht. Diese gewaltige Vermehrung hat die Gemeinde schon bald nach dem Kriege gezwungen, das Schul­gebäude in der Schulstraße um vier Schulsäle zu er­weitern und schon heute stehen wir vor der Notwendigkeit der Schaffung weiteren C ch u l r a u m e s, da die heutige Schule bereits zu Beginn des nächsten Schuljahres die Schülerzahl nicht mehr zu fassen vermag. Weiter wurde bei der Tren­nung von Kirchen- und Schulvermögen das B ü r - germeisteramt geschaffen, das neben einem ge­räumigen Sitzungssaal die Geschäftsräume der Ge­meindeverwaltung und eine Dienstwohnung enthält. Auch auf dem Gebiete des Straßenwesens wur­den bedeutende Verbesserungen geschaffen. Mehrere Straßen wurden ausgebaut, andere gepflastert, wieder andere mit einer Teerschicht und weitere mit Bürger­steigen versehen. In diesem Sommer sollen die Bahn­hofstraße und die Corbacher Straße kanalisiert werden so daß dann der gesamte Ort an den Kanal angeschlossen sein wird.

Im Süden der Gemeinde, zwischen der Rengers- häuier und der Frankfurter Straße ist die Re­publik-Siedlung erstanden, in der bereits heute über ein Viertelhundert Häuser errichtet sind. Eine weitere Siedlung ist im Westen der Ge­meinde (im Bergwiesen-Viertel) aus der Erde ge­wachsen. Auch in der älteren Gartenstadt, in der Rengershäuser-, Westend-, Garten-, Meysebug- und Kleipfadftraße, wurde eine große Anzahl Wohnge­bäude im Villenstil mit Vorgärten errichtet. Da auch in diesem Jahre wieder etwa zehn Wohngebäude er­stellt werden, so dürften in nicht sehr ferner Zeit diese einzelnen Siedlungen zu einem gemeinsamen Ganzen verwachsen sein.

An der Kirche, die vor einigen Jahren ihren 100. Geburtstag feiern konnte, erstand das evange­lische Gemeindehaus, das in der Hauptsache aus freiwilligen Spenden der Eemeindebürger zu­stande kam. Ebenso wurde der Bahnhof umgebaut und bedeutend erweitert. Auch für die Jugendpflege hat die Gemeinde durch die Errichtung eines allen Ansprüchen der heutigen Zeit entsprechenden Sport­platzes in den Wiesen unterhalb der landwirtschaft­lichen Frauenschule Sorge getragen Auch in der nächtlichen Beleuchtung wurden durch bedeutende Vermehrung der Straßenlampen Verbesserungen ge­schaffen. Desgleichen wurde durch den Ankauf von mehreren Quellen und Zuleitung in den Hochbehälter Vorsorge vor einer Wassernot getroffen. Da in un­serem Orte keine Industrie vorhanden ist und dieser- halb auch keine großen Schlote qualmen können, bil- det der Ort in gesundheitlicher Beziehung ge­radezu ein Eldorado für Rentner und in Pension Le­bende. Der Vorzug in dieser Beziehung macht sich auch in letzter Zeit durch den Zuzug und die An­siedlung von Pensionären geltend. Hinzu kommt, daß die Eemeindefinanzen trotz der Rot der Zeit in Ord­nung sind und Ooerzwehren zu den Gemeinden im Landkreise zählt, die die niedrigsten Realsteuern auf­zuweisen haben. Die postalischen und ganz besonders die Verkehrsverhältnisse sind (Eisenbahn Ober­zwehren liegt an zwei Hauptverhindungen und Kog) äußerst günstige. Wer heute zur Zeit der Obst­baumblüte unteren Ort durchwandert, wird an der Schönheit desselben seine Freude haben. Eine Anzahl Gaststätten, die jedem Anspruch ihrer Gäste Rechnung tragen, trägt nicht unwesentlich zu dem immer stärker werdenden Fremdenverkehr bei. Im Juli findet in unserem Ort das Eauturnseft des Gaues Nordhessen DT. und im August das B e - zirksfängerfest des DAS. statt, die einen ge­waltigen Fremdenstrom nach Oberzwehren bringen werden. «ni»

Tagung des deutschen Handwerks-Institutes

Das Deutsche Handwerksinstitut, fei« Kuratorium und feine Bczirksstellcn sowie 6er Gewerbeförderungsöicnst des österreichische« Bundesministeriums für Handel und Ver­kehr und die Gewerbeförderungsinstitute der österreichischen Kammern für Handel, Gewerbe und Industrie traten in Hannover vom 11. bis 13. Mai zu einer gemeinsamen Tagung zusammen. Zu dieser Kundgebung war neben den Bezirksstellen des Deutschen Hanüwerksinstituts eine statt­liche Reihe der österreichische« Gewerbeförderungsinstitute erschienen. ,

Die Versammlung vom 11. Mai eröffnete der Borübende des Deutschen Handwerksinstituts und der Präsident der Handwerkskammer Köln, Welter. Er hieß vor allem die Herren aus Oesterreich herzlich willkommen. Mini­sterialrat Dr. Hoppe dankte namens der Reichsregierung für die Einladung und überbrachte deren Grüße. Mini­sterialrat Psersmann - Wien übermittelte die Gruße des österreichischen Bundesministeriums. I« seiner herz­lichen Ansprache unterstrich er die Bedeutung der Mlthilte des Deutschen Handwerksinstituts für das ölterrelchliche Handwerk.

Sodann sprach Reichsminrster a. D. von Ra u m e r- Berlin über das ThemaW i r t s ch a f t und Weltan­schauung". In feinen Ausführungen ging er davon aus, daß noch niemals ein solch gewaltiges Ringen zwilchen die­sen beiden Faktoren stqttgeiunden habe wie in der Gegen­wart. In der gesamten Weliwirtschast seien 20 Millionen Arbeitslose vorhanden und die Lage der Landwirt,chaft sei ernstlich bedroht, lieber das Wirtschaftssystem, das an die Stelle des herrschenden Systems zu setzen tei.herrichte all­gemeine Ratlosigkeit. Die Politik habe die Weltwirtschaft zerschlagen. Auch der Genesungsprozeß werde durch poli­tische Eingriffe dauernd gebindert. Der Weltkrieg und die Umstellung nach dem Weltkrieg hätten eine außerordentlich starke Nachfrage nach allen Gütern gezeitigt. Der Welt­krieg sei bei großem technischen Fortlchriti als der grüßte Komument zu bezeichnen. Durch den technilchen Fortschritt sei aber ein großer Teil der Arbeit durch Maschinen über­nommen worden Im Anschluß an diese Ausführungen gab Minifterialrat P f e r s m a n n-Wien einen eingehenden Bericht überDie Gewerbeförderung in Oesterreich .

Univerfitätsvrofeffor Dr. v. B e ck e r a t H-Bonn sprach überDie Wirtschaftspolitik im Sandwerk und in der Jn- duftrie".Der Vortragende stellte die ipirtichaftspolttuchen Pro­

bleme von Handwerk und Industrie in den Rahmen Set allgemeinen deutschen Wirtschaftspolitik. Deutfchland und Deutschlands bisheriges Wirtschaftssystem steht im wirt­schaftlichen und sozialen Existenzkampf und zwar auf ver­schieden und zum Teil entgegengerichteten äußeren und in­neren Fronten. In seinem Ringen um die Erhaltung fei­nes Anteils am Weltmarkt kämpft es neben den übrigen europäischen Nationen, da es stch hier in der Tat zum guten Teil um die Frage der europäischen wirtschaftlichen Weltgeltung handelt, die gemeinfam verteidigt werden sollte.

Am Nachmittag sprach als erster Ministerialdirektor Schindle r-Berlin vom Preußischen Handelsministerium überDie Gewerbeförderung in Preußen". Er führte aus, daß besonders in Zeiten wirttchastlicher Krise die handwerkerliche Gewerbesörderung im wesent­lichen als eine Bilüungsaufgabe betrachtet werden muffe. Er fchilderte den organisatorischen Ausbau der in Preuße» bestehenden GewerbesöröerungseinrichtuNgen. Im Gegen­satz zu Oesterreich seien ne dezentralistert und überwiegend auf dem Gedanken der Zusammenarbeit zwischen berussstän» bischer und kommunaler Selbstverwaltung aufgebaut. Auf dicfe Weise könne den regionalen Verschiedenheiten des gro­ßen preußischen Staatsgebietes und den dadurch bedingte« strukturellen Unterschieden der einzelnen Wirtschaftsgebiete nm besten Rechnung getragen werden. Unter den verschie­denen handwerklichen Bildungseinrichfunaen hob der Vor­tragende neben der grundlegenden Stellung der Beruss- unö Fachschulen insbesondere die Bedeutung der provin- ziellet^großen Metsterkurse hervor.

Es folgte noch ein Vortrag von UniverüfStsvroseffor Dr. R ö ß l e-Bonn überDie bochschulniätzige Pflege der Handwerkswirtschaft". Prof. Rößle machte bestimmte Vor­schläge für die wissenschaftliche Pflege des Handwerks an den Hochschulen.

Die Vorträge des zweiten Tages befaßten sich mtt 8ta» gen aus dem Gebiete der Bauwirtschaft. Es sprachen Prof. W i ck o v - Hannover überDie Baubetriebslehre an der Technischen Hochschule", Oberstudiendirektor P r e n ß e-Ber» lin überDie Baubetriebslehre an den höheren technische« Staatslehranstalten für Hoch- und Tiefbau" und Dr. Jng. Hotz- Hannover überDie Ergebniste betriebswirtschatt- licher Untersuchungen auf dem Gebiete der Bauwirtschaft".

Bundestag des Kurh.-wald. Handwerkerbundes

am 30. und 31. Mai in Homberg

Der diesjährige 11. Bundestag des Kurhessisch- waldeckschen Handwerkerbundes findet am 30. und 31. Mai in Homberg statt. Er hat neben der Erledigung der lausenden Geschäfte vor allem den Zweck, in aller Oessentlichkeit erneut die Not des Harchwerks darzutun und das Recht des Handwerks zum Leben zu betonen. Er soll vor allem auch in einer öffentlichen Versammlung Gelegenheit zu einet Aussprache zu der kommenden Steuer- und Sozial­politik geben. Dafür sind in den Referenten gute Sachkenner aus der Organisation des Handwerks gewonnen worden.

Die Veranstaltungen

des Bundes und des Jnnungsausschuffes:

Sonnabend, den 30. Mai, 16 Uhr: Vertreterver­sammlung des Kurh.-wald. Handwerkerbundes (ge­schloffene Versammlung) in HotelHessischer Hos", Bahnhofstraße. Tagesordnung: 1. Eröffnung der Tagung durch den Vorsitzenden, Schneiderobermeister C. L. Müller. 2. Bericht über die Arbeit des Bun­des in 1930, erstattet von der Geschäftsstelle. 3. Kas­senangelegenheiten; a) Kaffenbericht, b) Bericht der Rechnungsprüfer, c) Haushaltsplan. 4. Satzungs­

änderungen. 5. Wahlen. 6. Bestimmung des nächst­jährigen Bundestages. 7. Verschiedenes. 20 Uhr: Begrüßungsabend int HotelDeutscher Kaiser" Kaffe- lerstraße, veranstaltet, vom Jnnungsausschuß Hom­berg.

Sonntag, den 31. Mai: 9 Uhr: Oeffentliche Hand­werkerversammlung int HotelDeutscher Kaiser", Kasselerstraße. Tagesordnung: 1. Das Handwerk zur kommenden Sozial- und Steuerpolitik: Die Syndici Dr. Dethloff und Siedbürger vom ReichsverbaNd des deutschen Handwerks. 2. Beratung eingegangener Anträge. 3. Verschiedenes. 13,30 Uhr: Kundgebung auf dem Marktplatz. Thema:Das Handwerk will und muß leben". Referenten: Schneiderobermeister C. L. Müller und Syndikus Dr. Hartmann.

Das Programm des Bundestages ist von ernster Sorge um das Handwerk diktiert. Voraussetzung dafür, daß die mit dem Bundestag gestellten Aus- floiben richtig, d. h. zum Segen des Handwerks, ge­löst werden, daß der Bundestag des Kurh.-wald. Handwerkerbundes Beachtung findet, ist aber eine zahlreiche Beteiligung des Handwerks. Dazu lädt der Kurhesstsch-Waldecksche Handwerkerbund und der Jnnungsausschuß Homberg um des Handwerks willen ein. Deshalb: Auf nach Homberg am 30. und 31. Mai.

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