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Sonnabend Sonntag, 23 /24. Mai 1931

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Das gegenwärtige Jahr hat es sich anscheinend vorgenommen, in jeder Beziehung ungewöhnlich zu fein. Noch vor wenigen Tagen verzeichneten wir in manchen Gegenden hochsommerliche Hitze. Die hat jetzt, kurz vor Pfingsten, ins Gegenteil umgeschlagen. Aus verschiedenen mittelenglischen Orten wird be­richtet, ibafj dort das Thermometer bis auf 1 Grad über dem Gefrierpunkt ftsl. Also beinahe Frost und das wenige Tage vor Pfingsten!

Die empörten Bewohner >des Dorfes Marrow in der englischen Grafschaft Surrcy wollen wegen ruhe­störenden Lärms gegen die Nachtigallen Vorgehen, ine in Marrow besonders eifrig find. Die armen Leute können keine Nacht schlafen, denn das Konzert dauert von 10 Uhr abends bis in den Morgen. Alte Schuhe haben als Wurfgeschosse versagt, und nun will man dieNachtigallenpest" auf die Weise beseitigen, daß man aus die sonst so beliebten Sänger mit Geweh­ren Jagd macht.

In Schachendorf wurde ein Mjähriger Bauer von einem wütenden Stier angegriffen und ausgespießt. Der alte Mann war sofort tot. Ein ganz ähnlicher Unfall ereignete sich ebenfalls in Oberösterreich, und zwar in St. Martin. Dort wurde eine Magd von einem Stier mit den Hörnern ersaßt und hoch in die Lust geschleudert. Sie erlitt lebensgefährliche Ver­letzungen.

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Verurteilung einer Straßen-Räuberband-

Köln, 23. Mai.

Nach mehr als viereinhalbstündiger Beratung er­kannte das Große Schöffengericht gegen die Straßen­räuber Jnveen, Deblon, Waldi, Kurz und Steinbre­cher, die den Raubüberfall auf eine Bantfiliale in Köln-Lindenthal verübt haben, weswegen sie sich in einem besonderen Schwurgerichtsverfahren am 30. Mai zu verantworten haben werden, sowie vier weitere Angeklagte wegen Straßenraubes, Einbruchs, Auto- und anderer Diebstähle und gefährlicher Kör­perverletzung auf solgeude Strafen: für Kurz und Waldi je sechs Jahre Zuchthaus, zchn Jähre Aber­kennung der bürgerlichen Ehrenrechte, gegen Deblon fünf Jahre Gefängnis, Jnveen vier Jahre Gefäng­nis und Steinbrecher sechs Monate Gefängnis bei Anrechnung der Untersuchungshaft, die übrigen An­geklagten erhielten Gefängnisstrafen von zwei Mona­ten bis zu einem Jahr neun Monaten bei teilweiser Anrechnung der Untersuchungshaft, Bewährung von Strafaussetzung und in einem Falle Aushebung des Haftbesehles.

Das allen Heidewanderern bekannte Gasthaus Niedersachsen" in Holm-Seppensen ist ein Raub der Flammen geworden. Da den Wehren nur 250 Me­ter Schlauchleitungen zur Verfügung standen, das Wasser aber aus einem weit entfernten Teich ge­pumpt werden mußte, entftand eine Verzögerung in den Lösdmrbeiten, und das Bauwerk, ein Wahr­zeichen der Lüneburger Heide, wurde bis aus die Grundmauern zerstört.

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Ein schweres Bootsunglück ereignete sich am Donnerstag aus der Mosel in der Nähe der Dul- layerbrücke. Als ein beladener Sandkahn, aus dem sich drei Personen ein Pater mit seinen beiden Söhnen befanden, einem entgegenkommenden Mo­seldampfer ausweichen wollte, faßte der Kahn Wasser und sank. Die drei Personen sprangen ins Wasser und versuchten, schwimmend das Ufer zu erreichen, wobei der Vater feinem elfjährigen Sohn, der nicht schwimmen konnte, behilflich war. Während der ältere Sohu mit Mühe und Not das Ufer erreichte, ver­ließen dem Vater plötzlich die Kräfte, so daß er mit seinem Sohn in den Fluten versank.

Der bekannte amerikanische Rekordflieger Hawk, der erft kürzlich einen Schnelligkeitsrekord zwischen London und Berlin aufstellte, hat wieder eine Glanz­leistung vollbracht. Hawk hatte am Donnerstag um 13 Uhr Malmö verlassen und traf ans dem Pariser Flugplatz Le Bourget um 16.15 Uhr ein. Die Ge­samtstrecke, die über Hamburg führte, beträgt 1150 Kilometer, so daß der Flieger eine Stundengeschwin­digkeit von über 353 Kilometer erreichte.

den Kops auseinander, scheußlich, wie von innen her­aus. Eis aus dem Hirn, Eis in der Kehle. 10 500 Meter. Schöne Zahl... aber warum höre ich denn den Ausnahmeapparat nicht mehr?

Mühselig wendet sich Falco um. Der Apparat steht, das Filmband ist abgelaufen. Run ist alles vollendet. Nun kann man wieder hinunter. Ja, man kamt, man könnte, wer wird aber die Kraft geben, um das Steuer zu bewegen? Aus dem Mund fließt langsam ein Blutstrom über die Lippen. Diesem ro­ten Streifen folgt der Instinkt, greift, tastet so lange, bis er den Hebel zum 'Abstieg findet. Ein Sprung, eine Wendung, dann beginnt der Romeo leicht wie ein herrlicher Vogel den Gleitslug nach unten. Das Hirn Falcos macht ihn nicht mehr mit Er tut alles ganz automatisch. Die Lippen sind von Blut ver­klebt. Der Apparat fällt fast von allein, als ob er menschliches Wissen bekommen hätte, es ist kein bloßes Flugzeug mehr, das einen Sterbenden trägt. Seine Kraft und Intelligenz, ein mechanischer Ken­taur. In weiten Spiralen geht es abwärts, mit ge­regelter Geschwindigkeit, leise und vorsichtig trägt der Apparat den Helden aus der Zone des Schwei­gens nach unten, trägt ihn zu seinem Hans zurück, zu einem letzten Gruß der Heimat ein großes italienisches Herz, das ein wenig noch schlägt, ganz wenig, nur soviel, um den krampfigen Fingern die Kraft für kaum noch bewußte, in dunkler Erinnerung versenkte Handgriffe zu geben.

Als der Apparat wie von himmlischen Händen gelenkt auf dem Tevoliere aufsetzt, nicht weit von der Stelle am Candelaro, wo die Wellen beinahe ein blühendes, junges Geschöpf sortgestrichen hätten, rollt er noch ein Stück über das Feld, rennt dann gegen eine Eiche, ohne sie umzubrechen. Sofort setzt auch der Motor aus. Von der Erde aus hatten die Aguilonia den Flug verfolgt, bis der Apparat ihren Augen entschwunden war. Dann fuhren sie in zwei AutoS in die Eompagna hinaus, um den kühnen Helden bei der Ankunft zu bewillkommnen. Auch der kleine Dardo, den man nicht allein lassen mochte, war dabei, an der Brust der Mutter geborgen.

Zehn Minuteü lang stand der Romeo allein aus dem Feld. Dann kam als erster ein Junge gelaufen. Er sah den starren Menschen im Rumpf und lief fchreiend davon. Im selben Augenblick langten im ersten Wagen Ricciardo und Dionysia an. Sie be­griffen sofort, daß nun das Ende gekommen sei. Sie hoben den Sterbenden heraus und betteten sein

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Falco hat nur einen heißen Gedanken: Noch höher damit endlich die Strahlen die Tiefe ent« fiteiern, in der der wunderbare Stoff liegt, dessen Dasein er ahnt, mehr als ahnt, daß er spürt mit Ner­ven, die feinfühliger sind als feine kunstvolle Appa­ratur. Jetzt gilt es, den Sieg zu erfechten. Er denkt an seinen Sohn. Die Uhr zeigt jetzt 8200 Meter. Da schaltet er den Film ein. Er überwacht feinen Ab­lauf. Jeden Augenbick kehrt er sich zu dem Apparat um. Weiter, weiter, der Duce wartet. Rom ist da unten, das geliebte Vaterland, das große, das herr­liche Land Italien. Mussolini ist da unten. Viel­leicht sieht er jetzt gerade herauf und denkt an ihn.

Höher, höher! 9000 Meter. Steigen ist ja jetzt nur noch ein Kinderspiel. Die Hand liegt leicht auf dem Hebel, kaum bedarf es mehr der Führung, es geht alles wie von selbst. Der Apparat ist jetzt wie ein Pegasus, der genau weiß, wen er in sich trägt. Falco denkt an Mussolini, an den Menschen von morgen, an seinen Sohn, der unbeschwert, ein Kind feilte» faschistischen Geistes, aufwachsen und keilhaben wird an der gelobten Zukunft. Seine Gedanken pendeln stündig zwischen Rom und Aprieena. Hier sieht er das majestätische Gesicht des Duce, dort er­blickt er die blauen Augen seines Sohnes, über ihnen das süße, gute Gesicht seiner Frau. Der Hö­henmesser rückt, mit dem Zeiger auf 9500. Der Atem wird schwer, macht nichs! Die Hand am Hebel fängt an, etwas zu zitern. Jetzt könnte man die Sauer­stoffleitung öffnen. Falco rückt am Hebel, vergeblich! Schadet auch nichts, bann muß es eben so gehen. Hinter ihm knattert weiter das radiologische Gerät, unbeirrbar, schicksalhaft.

Noch immer steigt der Apparat. Er scheint so lauge steigen zu wollen, bis er die Sonne erreicht hat. Gott, was für eine Kälte auf einmal. Alles ist wie Eis, und doch brennt darüber in grellstem Schein die Sonne. Aber das muß ja eine wahre Eissonne fein. Ihre Strahlen sind wie Speerfpitzen, die einem das Gesicht zerschneiden. Warum zittern meine Hände? Höher, höher, ohne Verzug. 10000 zeigt der Höhenmesser. Jetzt mutz alles gut gehen. Wenn nur diese häßliche Kälte nicht wäre. Meine Nase ist wahrscheinlich bereits erfroren. Ganz rot wird mir

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vor den Augen. Immer mehr rot. Jetzt drückt etwas leise. Ricciardo machte Belebungsversuche.

der Kurgarten bengalisch beleuchtet und ein Festkon­zert durch die Kurmusik geboten.

Am 2. Pfingsttage werden die Walder der näheren und weiteren Umgebung Wildungens durch einen mo­dernen Fuchs, der sich eines Kraftwagens bedient, un­sicher gemacht werden. Reinecke Fuchs wird tn aller Herrgottsfrühe das gastliche Bad verlassen und auf den verschwiegensten Pfaden über eine Lange von io Kilometern seinem Bau in der Nähe der' Edersperre zustreben. Um den vielen Jägern den wetten Weg besser zu zeigen, streut der Fuchs auf seiner richtigen Fährte weiße Schnitzel. Stößt ein Jäger auf r o t e Schnitzel, bann hat er sich geirrt und mutz zur nächsten Wegekreuzung zurück, um dort eine andere Spur aufzunehmen. Während der Suche der Jager nach dem Fuchs, hat dieser seinen Bau schon bezogen und sich auf den Empfang der Schützen eingerichtet. Die müden und abgehetzten Jäger finden reichlich Er­frischung vor und können sich nach der Hatz in Ruhe angesichts des Edersees über die vielen Schliche der Strecke unterhalten. , . .

Ein gemeinsames Schüssel treiben und ein Spaziergang zum Schloß Friedrichsstein be­schließt den Psingstnachmittag. Am Abend findet dann im fürstlichen Badehotel während eines Festballes die Preisverteilung für sämtliche Wettbewerbe statt.

Nach den kühlen Tagen hoffen wir auf ein wirklich sonniges Pfingstwetter, um auch nach außen dem 8. Bad Wildunger Automobil-Wettbe­werb den würdigen Rahmen zu geben. Nennun­gen werden noch angenommen.

Der vom Bergisch-Sauerländischen Automobil-Club Bobclub Sauerland) e. V. (A. v. D.) Wuppertal- ! Sannen für die Pfingsttage in Bad Wildun - gen vorgesehene Automobil - Wettbewerb wird für das sonst so ruhige Weltbad reiche Ab­wechselung und Leben bringen. Zahlreich sind die Meldungen für die am Sonntag im Kurgarten tattfinbenbe Eeschicklichkeitsprüsung. Während die ausgezeichnete Kurkapelle die Zuschauer durch flotte Musik unterhalten wird, müssen die Teilnehmer an der Geschicklichkeitsprüfung durch wendiges und ruhiges Fahren beweisen, daß sie ihren Wagen zu meistern wissen. Die gestellten Aufgaden werden erst am Start bekannt, wir können aber schon heute verraten, daß es sich um aus der Praxis genommene Fälle handeln wird, die jeder gute Fahrer glatt lösen iänn, wenn er die Ruhe und Umsicht beweist, die einen Kraftwagenführer im praktischen Leben immer auszeichnen soll. Die Hindernisse bei der E e - chicklichkeitsprüfung werden der Größe der Fahrzeuge entsprechend aufgebaut. Die Abnahme der Wagen für die Eeschicklichkeitsprüsung ist Pfingst- ionntag um 10 Uhr, die Prüfung selber beginnt um 4 Uhr im Kurgarten.

Pfingstsonntag vormittags wird von 10 Uhr ab auf den Schießständen gleichzeitig ein Preisschießen der Teilnehmer am Automobil-Wettbewerb aus Schei­ben und Tontauben stattfinden. Auch für diese Kon­kurrenz locken schöne Ehrenpreise, für die teilnehmen­den Damen sind Sonderpreise ausgesetzt. Abends wird

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