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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 110* OienS^aa, 12. Mai 1931 21. Lahrgang

Wird Briand Präsident von Frankreich?

Auch Doumer bleibt Kandidat / Alarmnachrichten aus Spanien / Gemeinsame Marschroute in Berlin und Wien

Genf / Houng-Plan / Defizit

(Von unserer Berliner Schriftleitung.)

Derprince of Gales"

(Von unserem Londoner Korrespondenten).

Berlin, 12. Mai.

Stc Beratungen des Reichskabinetts für die be­vorstehende Genfer Tagung des Völkerbundsrates wer­den heute vormittag zu Ende geführt werden. Gestern mittag mutzten diese Besprechungen unterbrochen wer­den, weil Außenminister Dr. Curtius sich zum Vortrag zum Reichspräsidenten von Hindenburg begab. In seinen Darlegungen im Reichskabinett konnte der Autzenminister vor allem darauf Hinweisen, daß nicht nur in Berlin, sondern auch in Wien der feste Wille besteht, die Schwierigkeiten, die der Zollunion entge­genstehen, unbedingt zu überwinden. Auch die Christ­lich-Sozialen, mit dem früheren Bundeskanzler Dr. Seipel an der Spitze, stehen jetzt auf dem Boden des Vertragsabschlusses, und lediglich ein kleiner Teil der österreichischen Industrie befürchtet gewiffe Nachteile, während man im übrigen

in ganz Deutsch-Oesterreich einmütig der Meinung ist, daß der Abschluß der Zollunion unter allen

Umständen erreicht werden mutz.

Aus der Debatte, die sich gestern im Reichskabinett nach dem Vortrag des Außenministers entspann, ergab sich, daß auch in Berlin der gleiche Standpunkt geteilt "ürd und dntz auch die deutsche Reichsregierung mit allen Mitteln danach streben wird, die Schwierigkeiten zu überwinden, die der Zollunion noch entgegenstehen. Die Tatsache, daß aus England neuerdings Anregun­gen gekommen.sind, daß die Nachprüfung der Zoll­unionfrage einer wirtschaftlichen Kommission anstatt einer" Jüristenkommisston übertragen werden möge, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die maßgeben­den englischen Juristen sich bereits davon überzeugt haben, daß gegen die Zollunion nichts einzuwenden ist, so daß ein juristisches EiKachten sich wahrscheinlich im Sinne einer positiven Bestätigung des Zollunions­gedankens auswirken würde. Das möchte man jedoch in England aus gewissen politischen Erwägungen heraus gern vermeiden und deshalb ist in hezug auf die Juristen jetzt die Kompetenzfrage aufgeworfen worden und im übrigen hat man den Gedanken einer wirtschaftlichen Nachprüfung in den Vordergrund ge­schoben.

Unter den Fragen, die im Rahmen der Außen­politik neben der Zollunion am meisten interessieren, steht selbstverständlich

die Revision des Youngplanes

an erster Stelle. DieDeutsche Allgemeine Zeitung- Hat in diesem Zusammenhänge gestern wieder einmal an einen Plan erinnert, der schon vor einiger Zeit einmal auftauchte und der dahin geht, die deutsche Re­gierung möge nicht etwa nur ein Moratorium verlan­gen, sondern sie möge für einen Zeitraum von etwa fünf Jahren ihre Zahlungen vollständig einstellen. Die Aeutzerungen derD. A. Z." könnten den Ein­druck erwecken, als ob damit gewiffe Pläne der Reichsregierung vorsichtig angedeutet werden sollten, aber es kann demgegenüber festgestellt werden, daß beim Kanzler und Kabinett noch keine festen Pläne über die Art und Weise der Reparationsfrage in An­griff genommen sind. Vielmehr werden verschiedene Möglichkeiten erwogen, die aber erst durch die Ver­handlungen in Genf und die Besprechung in Chequers geklärt werden müffen. Gegenüber dem in derD. Ä. 3 erwähnten Plan einer mehrjährigen Zahlungs­einstellung, würden z. B. die Bedenken sprechen, daß die europäischen Empfänger unserer Reparationszah­lungen, vor allem also Frankreich, England und Ita­lien, die deutschen Leistungen regelmäßig in den Haushaltsplan eingesetzt haben, so daß sie jetzt in Budgetschwierigkeiten geraten würden, wenn diese Zahlungen plötzlich aufhörten. Sie müßten selbst in der Lage sein, ihre eigenen Zahlungen an Amerika ebenfalls einzustellen, wenn sie die Schwierigkeiten überwinden wollten,

aber in Amerika ist mit der Bereitwilligkeit zu einem Zahlungsnachlaß der europäischen Schulden nicht zu rechnen.

Die europäischen Reparationsempfänger haben nun zwar auch die Möglichkeit, ihrerseits ein Moratorium gegenüber Amerika geltend zu machen, aber ob dies für eine so weitgehende Zahlungseinstellung Deutsch­lands, wie sie in derD. A. Z." empfohlen war, aus­reichen würde, ist doch recht fraglich. Es scheint, daß diese Gerüchte nicht aus Regierungskreisen stammen, vielmehr auf gewiffe Wirtschaftskreise zurückzuführen find, wo man eine derart weitgehende Aenderung un­seres Zahlungssystems nicht nur für wünschenswert, sondern auch für möglich erachtet.

9?-*^ d- in R-d- in

bürg angekündigt hatte, daß er sein Sparprogramm in einigen Wochen der Oeffentlichkeit mitteilen werde, ist es nicht verwunderlich, daß nunmehr mancherlei Ver­mutungen angestellt werden, wie dieses Spar- und Finanz-rogramm ausseheu wird. Die Gegner der

Regierung benutzen diese Gelegenheit selbstverständ­lich zu Ankündigungen, die tendenziöse Uebertreibun- gen enthalten. So hat die kommunistischeWelt am Abend" gestern behauptet, das Defizit des Reichs be­trage jetzt 2 Milliarden und der Ausgleich solle durch eine innerdeutsche Zwangsanleihe gesucht werden. Ab­gesehen davon, daß dieses Defizit falsch angegeben ist, muß festgestellt werden, daß an einen derartigen Zwangsanleiheplan im Kabinett nicht gedacht wird. Der innerdeutsche Geldmarkt würde zur Zeit auch recht ungeeignet sein, um das Eeldbedürfnis der Re­gierung zu befriedigen. lieber die Pläne, die das Ka­binett in dieser Hinsicht prüft, kann im Augenblick schon deshalb noch nichts mitgeteilt werden, weil noch keine Beschlüffe gefaßt sind, wohl aber hat man den Eindruck, daß sich diese Pläne nicht in der Richtung einer Zwangsanleihe, sondern aus dem Gebiete weit­gehender Sparmaßnahmen bei Verwaltung und Re­formen bewegen werden.

Der letzte Kassenfehlbetrag ist von der Reichs­finanzverwaltung für Ende März mit 1250 Millionen ausgewiesen worden und diese Zahl wird ungefähr auch dem Fehlbetrag entsprechen, mit dem das vorige Etatsjahr abschlietzt. Der Ultimobedarf, den die Reichskasse Ende jeden Monats hat, beläuft sich auf ungefähr 450 Millionen. Es scheint, Latz es dem Finanzminister gelungen ist, die für Ultimo Mai zu erwartenden Kaffenschwierigkeiten schon im voraus zu beseitigen. Das ist offenbar mit Hilfe von Bankkre­diten gelungen und zum Teil auch dadurch, daß das Reich einen Teil der Gelder vorübergehend bean­sprucht, die die Michspost aus ihren neuen Schatzan­weisungen bekommt. Man nimmt an, daß im Juni ebenfalls Ueberbriickungskredite der Banken zur Ver­fügung stehen werden, wenn es nicht bis dahin gelun­gen ist, einen größeren Absatz an Schatzanweisungen zu erzielen.

~ London, den 9. Mai.

Das englische Wortfale" bedeutet so viel, wie »Verkauf, Umsatz, Geschäftsabschluß", eine durchaus kaufmännische Angelegenheit also. Mithin würde 6er RufnamePrince of Sales" (mit dem manche humorvolle Engländer, sich einen leicht ausdrängen- den Wortgleichklang zu Nutze machend, ihren Thron­folger, den Pring von Wales, benennen) in klassi­sches und höfliches Deutsch übersetzt, etwader könig­liche Kaufmann" cderPrinz Handelsreisender" zu heißen haben. Doch muß gleich gesagt werden, daß dieser Spitzname von den Engländern keineswegs respektlos oder irgendwie verächtlich gemeint ist. Ganz im Gegenteil! Die Engländer rechnen ihrem Prinzen seine aufopfernden Bemühungen um die Hebung des britischen Handels sehr hoch an. Und, wenn sie ihn denPrinzen des Handelsgeschäfts" oder Ähnlich nennen, so ist das von ihrer Seite nur als Leb, als Kompliment gemeint und mit den an­deren ehrenden Rufnamen des Prinzen, wieThe Prince of Youth",The Prince of Progreß" oder Prince Charming", in jeder Weise gleichzustellen.

Die Engländer knüpfen an die Person des Prin­zen von Wales schon seit seiner Geburt mancherlei, zum Teil recht romantische Gedanken. Allein die verschiedenen Legenden, die um seinen Namen ge­woben werden, sind sprechend und mitteilenswert. Edward ist bekanntlich nur einer der vielen Vor­namen des Prinzen. Seine vier übrigen Namen sind diejenigen der Heiligen der vier britischen Kronländer England, Schottland, Irland und Wa­les und lauten: George, Andreas, Patrick und Da­vid. Der letzte soll der bemerkenswerteste sein. Im Familienkreise wird der Prinz nie anders als Da­vid genannt. Die Geschichte aber, die mit diesem Namen des Prinzen von Wales verknüpst ist, läßt

Klostersturm in Spanien

Madrid gleicht einem Heerlager / Massenverhaftungen von Kommunisten

Madrid, 12. Mai.

Das spanische Innenministerium teilt mit, daß im Verlaufe der Ausschreitungen der letzten Tage zehn Klöster in Madrid in Brand gesteckt wurden. Das Madrider Beispiel hat auch in der Provinz Nach­ahmung gefunden: In Alicante wurden vier Klöster in Brand gesteckt, dabei kam es zu Schießereien mit der Polizei, in deren Verlaus ein Arbeiter verwundet wurde. Auch in Malaga ist ein Kloster eingeäschert worden; außerdem wurde das alte Bischofspalais angezündet, das ebenfalls ein Opfer der Flammen geworden ist. In beiden Orten wurden auch die Ge­bäude der Rechtszeitnngen medergebrannt. In Cor­doba griff die Bevölkerung das Bischofspalais an und beschädigte es mit Steinwürfen. Die Polizei kmnte die Brandlegung noch im letzten Augenblicke verhindern.

Der neue Minister erklärte heute morgen der Presse, daß 80 Kommunisten verhaftet worden seien. Die Gouverneure sämtlicher Provinzen seien ange­wiesen, jeden Versuch der Ordnungsstörung mit aller Energie zu unterdrücken. Die Ruhe im Lande sei voll­kommen. Lediglich in Sevilla hätten sich Zeichen der Erregung bemerkbar gemacht, die aber nicht zu Be­sorgnissen Anlaß geben. Ferner wird bekannt, daß die Regierung gegen sämtliche Minister der Diktatur Primo de Riveras Haftbefehl erlassen habe.

Streik in Madrid

" Madrid. 12. Mai.

Der Ausstand der Bauarbeiter und der Arbeiter in den Fabriken und mechanischen Werkstätten ist fast allgemein. Die Gewerkschaften fordern ihre Mitglie­der auf, weiter zu arbeiten und erklären, daß die­jenigen, die feierten, die Republik verrieten. Im Gegensatz zu ihnen rufen Syndikalisten und Kommu­nisten zum Streik auf.

Der Ministerrat hat in derselben Sitzung, in her er die erneute Verhaftung General Berenguers ver­fügte, die Auflösung des obersten MUitärgerichtshofes 2 sch'-ss-n, »>«> 9. Mai das erste Ersuchen des Ge­

neralstaatsan waltes der 31«tollt um <T "" Strafverfolgung gegen Berenguer abgelehnt hatte.

Obwohl eine offizielle spanische Erklärung die Vor­gänge in Madrio als möglichst harmws hinzustellen sucht und Lie Haltung der Bevölkerung lediglich als

Protest gegen eine Provokation der Monarchisten be­zeichnet, lauten einige über Paris aus Madrid ein­treffende Nachrichten außerordentlich ernst. Die Wut der Bevölkerung namentlich gegen den Besitz der Or- ldensgesellschasten hat dahin geführt, daß auch das Karmeliterkloster und die Jesuiten-Universität für Schöne Künste in Brand gesteckt worden sind. Zwi­schen der Menge und der Polizei kam es aus diesem Anlaß zu einem heftigen Zusammenstoß, bei dem aus beiden Seiten geschossen wurde. Die Z-chl der Ver­letzten steht noch nicht sest. Die Regierung hat nicht nur über Madrid den Kriegszustand verhängt, son­der auch die Verhaftung sämtlicher Monarchisten, die für die genannten Vorfälle verantwortlich gemacht werden, ungeordnet. Sämtliche Börsengeschäfte in c-anz Spanien sind auf Anweisung der Regierung eingestellt worden. Madrid gleicht einem Heereslager. Ueberall patrouilliert Polizei und Militär zu Fuß und zu Pserde.

Irlands präsidentschastskandidatm

Paris, 12. Mai.

Wie 'Havas mitteilt, hat Außenminister Briand dem Drängen seiner politischen Freunde nachgegeben und sich bereit erklärt, für die Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Der Schritt bei Senatsprästdent Doumer, von feiner Kandidatur gegen diejenige Briands abzusehen, ist erfolglos gewesen. Doumer hat cs abgelehnt, auf feine Kandidatur zu verzichten.

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In parlamentarischen Kreisen rechnet man heute allgemein mit der Wahl Briands und wirft deshalb schon jetzt die Frage auf, wer den Außenminister aus der kommenden Ratstagung vertreten wird. Es schei­ne festzustehen, daß Briand nach seiner Wahl wenig­stens vorübergehend nach Gens reifen wird, um Ab­schied von seinen Mitarbeitern int Europaausschuß zu nehmen. Die umtuchen Vertreter Frankreichs auf der RatstaannqwAn M'NiQ^pränÜent Laval und der Wirtschaftsminister sein. tonflilL TTrr de keinesfalls fein Amt als Außenminister vor der Prästdentschaftswahl meLeilegeu.

au Phantastik und Romantik nichts zu wünschen übrig. Sie lautet folgendermaßen: Lady Water­ford, eine intime Freundin der Königin Maiy, drang, als der Prinz geboren wurde, in die Königin ihrem ersten Sohn den Namen David zu geben, weil _ sie fest daran glaube, daß der Prinz dazu aus­erkoren sei. später jenerFürst David" zu werden, von dem der Prophet Hesekiel schreibt und dem er die Herrschaft über das Gelobte Land voraussagt; viele Anzeichen sprechen dafür; auch hatte die Lady ausgerechneft daß am 30. Geburtstag des Prinzen (im Fahre 1924) genau 3000 Jahre seit der Geburt König Davids (im Jahre 1076 vor Ehr. Geb.) ver­gangen sein würden; dieses aber bekräftigte sie noch mehr in ihrem Glauben an die besondere Mission des Prinzen; und die Prophezeiungen, die sie ihm stekbend auf den Lebensweg mit gab, war die, daß das gelobte Land unter der Herrschaft des gegen­wärtigen Prinzen von Wales zur britischen Ko­lonie werden würde!

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Prinz David hat also, wenn er mal König wird, für England eineMission" zu erfüllen, denn Mandalsgevtet ist noch nicht Kolonie. Nur ist der Prinz selbst wesentlich bescheidener, als seine diver­sen Paten und begnügt sich zunächst mit der weit praktischeren Aufgabe, den Absatz britischer Waren in Südamerika zu propagandieron. Prinz David von Wales will durchaus kein Krieger und Eroberer fein. Doch in ihm lediglich ein willenloses Werk­zeug der Staatsräson zu sehen, eine geistlose Puppe, die automatisch alles tut, was ihr befohlen wird, wäre gleichfalls falsch. Der Prinz ist, durchaus eine eigenwillige Persönlichkeit. Seine Kunst im Um­gang mit Menschen ist außergewöhnlich. Das Charak­teristische an ihm aber ist ohne jeden Zweifel jene gewisse ritterliche Bravour und galante Uuerschrok- kenheit in allen Lebenslagen, die ihm den berechtig­ten Ruf einesgood fport" und die Sympathien so vieler, sonst so verschieden gesinnter Länder und Völker eingebracht haben.

Bei Treibjagden und Rennen hat er sich nicht einmal fast das Genick gerochen. Sitzt er am Steuer seines Wagens, so ist ihm kein Tempo zu schnell und zu wild. Für den Flugsport hat er eine geradezu unbezähmbare Leidenschaft. Die meisten seiner Reisen legt er im Flugzeug zurück. (Bei den vielen Unalücksfällen im englischen Flugwesen eine mehr als gewagte Sitte!) Im Vielreisen Hai er seinen Großvater, König Eduard VII., (von dem einst gesagt wurde, daß er seit Kaiser Hadrian der meiftgereifte Monarch der Weltgeschichte gewesen wäre) schon jetzt weit übertroffen. Bei allem, was er tut und unternimmt, zeigt er eine kaum tot zu krie­gende Energie und Vitalität. Und selbst wenn er nach des.Tages Last und Mühen zu nächtlicher Weile das Tanzbein schwingt, so ist er auch hierin uner­müdlich und ost kaum zum Schlafengehen zu be­wegen...

Doch, trotz Sport Tanz und Vergnügungen, ver­gißt der Prinz eben nie den schönen Wahlfprucki seines Wappens, der bekanntlich lautet:Ich dien!" Seine mannigfachen Reisen durch aller Herren Län­der sind sehr ost nichts als schwere Arbeit. Tenn die Zeit, da Prinzenreisen lediglich aus bunten Guirlauden Fahnen und untertänigen Tankes- adressen bestanden, sind heute, im Zeitalter der De­mokratie und des Geschäfts, auch im Britischen Rei­che eutgültig vorüber. Besonders im gegenwärtigen Augenblick der Weltwirsschaftskrise ist die Lage auch in diesem Lande viel zu ernst, um es dem Thron­folger zu gestatten, sich nur reinen Repräsentations­pflichten zu widmen.

Daher kam denn auch der kürzlichen Südamerika- Reise des Prinzen von Anfang an eine höchst prak­tische und geschäftliche Bedeutung bei. Englands südamerikanischer Handel sieht sich, durch die nord- amerikanischen und zum Teil auch deussche Konkur­renz, mit jedem Jahre immer ernstlicher bedroht. Und als es vor etwa Jahresfrist dem Prinzen nahe­gelegt wurde, daß sein persönliches Eingreifen evtl, den Dingen wieder eine günstigere Wendung geben könnte, da ließ er sich dieses nicht zweimal sagen und trat sofort die lange, über drei Monate währende Tour an, die mit ihren ununterbrochenen Reisen zu Wasser, Land und Luft an den endlosen politi­schen, geschäftlichen und gesellschaftlichen Verpflich- innpen, eine körperliche und geistige Anstrengung ganz großer Art gewesen ist, die der Prinz aber

Heute Artikelserie: Abenteuer unsererZei!