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r Bette i 2. Beilage

ftaffefer Neueste MchdMen

Japan grüßt -en Frühling

Jede Baumblüte hat ihr besonderes Fest

Wenn eines Tages die japanische Sonne die braunen Knospen an Kirsch- und Pflaumenbäumen gesprengt hat, wie sie es, arg verspätet, jetzt eben bei uns tut, und die weißen und rosaroten zarten Blütchen sich schüchtern hervorwagen, dann geschieht rm Land der ausgehenden Sonne etwas Seltsames. Lange genug fauchte der Wind um die spärlich er­wärmten Holzhäuser und blies monatelang den kal­ten Winter durch die Ritzen und dünnen Pergament- senster. Nun auf einmal soll Dieses alles anders werden. Die schwarzen Lackaugen leuchten in einer großen Erwartung, das gelbblasie Gesicht rötet sich ein wenig und das japanische Herz schlägt höher, wenn die Stare zu zwitschern und die Wildenten im dürren Schills der Meeresuser zu glucken ansan­gen. Niemand außer dem Japaner weiß es, was sür ihn der Frühling bedeutet, wie er seelisch eins wird mit der Schönheit der Natur, wenn sie ihr ge­heimnisvolles Lächeln über die Landschaft auszu­breiten beginnt.

Wer dieses japanische Frühlingsblühen nicht sah, der macht sich keine Vorstellung von der Fülle und Ueppigkeit an Blüten, mit denen sich die Bäume in diesem glücklichen Land schon im Mürz und April bedecken. Um diese Zeit ist es, als ob sich Wolken von Dust in einem flaumigen Weitz aus die ver­schiedenen Parks und Lllleen der Städte niederge­lassen hätten. Unter diesen Blütenwolken wandert und trippelt das bunte Japanervölkchen, es umkreist die allergrauen Steinlaternen, klettert an den höl­zernen Stufen der Tempel empor, trinkt grünen Tee aus winzigen Tätzchen im Freien und spricht über nichts anderes als Wer die zartrosa oder wei­

ßen Blüten, die an den Bäumen hangen oder die sie rn den Händen tragen. Es ist ein kindliches Freuen an Festen, zu welchem die Natur ihre Lichter auf­gesteckt hat. Der Japaner versteht dieses Freuen noch in einer Natürlichkeit und Naivität, die uns Menschen des hastenden Zeitalters längst abhanden gekommen sind.

Me Feste in Japan stehen mit Blumen in Ver­bindung. Das Mühen eines jeden Baumes wird mit einer besonderen Festlichkeit begangen. Die viel­fach am 15. Februar schon einsetzende Plaumen- blüte ist der Anlaß zu Feiern im Freien, und da die Blüte erst bei Eintritt der Dunkelheit ihren Duft verbreitet, ist dieses für dem Japaner eine noch reizvollere Gelegenheit, während der Abendstunden unter den ersten blühenden Pflaumettbäumen zu lust­wandeln. Im März beginnen die Pfirsiche ihre Blüten zu entfalten. Beim Ansetzen der Frucht wird diese mit einem Papiertütchen umgaben, wodurch die reife Frucht später eine schöne glatte und uWe- schädigte Oberfläche erhält. Auch der Birnbaum, der Änfang April blüht, hat sein besonderes Fest und der 18. März ist der buddhistische Paradies­feiertag.

Nichts kfl jedoch z« vergleichen mit den rauschen­den Kirchblütenfesten. Die wilde Kirsche, die in Japan besonders üppig gedeiht und blüht, war einst das Symbol des japanischen Kriegers. Der Höhe- punkt der offiziellen Geselligkeit ist das kaiserliche Kirschblütenfest, das im Hama-Mikhu Palast in Tsakiji gefeiert wird und zu dem jedes Jahr 800 befrackte Herren und hellgekleidete Damen aus den

hohen in- und ausländischen Gesellschaftsschichten er­scheinen.

Aber wa8 ist dieses steife offizielle kaiserliche Kirschblütenfest gegen die BMenseste, die sich das Volk selbst bereitet und die tote ein Rausch sinnloser Freude im Frühling landauf, landab das Volk er­fassen! Wer jemals vor den riesenhaften Daibutsus, den japanischen Buddhas, die auf ihren Fundamen­ten gleich bartlosen Propheten aus dem alten Bunde wie im Halbschlase träumen, Zeuge war, wie das von Sake (Reisschnaps) betrunkene Volk sich schie­bend, tanzend, lachend, im Kreise sich bewegend, auf- und abhüpsend nach dem Rhythmus schriller Musik und monotoner Paukenschläge sich vergnügte, oder wer die Possenreißer, Tänzer, die geschäftigen weiß­gekleideten Priester, die in den Tempeln opfern, in den Tagen des Kirschblütenfestes sah, der erlebte die verzückte tief und aufgerWrte Seele eines Volkes. In den berühmten großen Parkanlagen von Tokio, dem Ueno- und Shibapark, wandeln dann viele Tau- fcnbe von Menschen in dichten langen Prozessionen unter den weißen Blütenwolken der Kirsehbäume und können nicht genug das Weiße Frühlingswun­der erleben.

Aber auch das bedeutet noch nicht alles vom ja­panischen Kirschvlütensest. Die berühmten Kirsch- blütetttänze in Kioto, der reizenden Göiterstadt, sind der sormvollendetste Gruß Japans an den Frühling. Was hier geschieht, ist alles reinste Zeremonie und ein Stück des etikettenhaften alten Japans. Wenn der Gast das Haus betritt, in dem die Tänze statt- sinden, kommen trippelnde Kinder, die bunt wie Blumensträuße smd, zu ihm und Werreichen auf kleinen Tellerchen allerlei Kuchen und buntes Zucker­werk. Die Tellerchen sind eigens für diesen Zweck angefertigt und man darf sie mitnehmen.

Nichts ist bei dieser Feier aber mehr Zeremonie und Grazie, als wenn eine Geisha eintritt, schön und fremd tote eine prächtige Orchidee, schillernd

____________ Donnerstag, 7. Mai IM in Lack, Seide und PWer, um die berühmte Tee» zeremonie vorzunehmen. Wie roh und barbarisch wirkt dagegen ein europäisches Kaffeehaus,' wo der Tee oder' Kaffee mit nüchterner Geste dem Gaste hin- geschoben wird. Was tut dieses japanische Mädchen um das Nationalgetränk dem Gast darzWieten? Wer glaubt, es sei eine Zeremonie von einigen Minuten, der wird auf eine sehr harte Probe gestellt. Wenn bei diesem Vorgang jede Bewegung genau vorge­schrieben ist, wenn die zarte Hand der Geisha alles mit Bedacht anordnet, wenn sich in dieser Teezeremo­nie die ausdrucksvollste Etikette des ganzen Chinas bei einer Tasse Tee offenbart, bann kann man nicht erwartest, daß sich dieses alles in einigen Minuten abspielt, dazu gehört fast eine halbe Stunde und das alles, um ein winziges Schälchen Tee auf Holzkoh- lenseuerchen zu kochen, den Absud zu guirlen und ihn dann mit einer unnachahmlichen Grazie dem Gaste darzubieten.

Darauf folgt als Höhepunkt der Tanz der Getshas An den Längsseiten des Saales sitzen die Musikan- tiitnen, alle in Rot. Die Tänzerinnen treten auf einer schmalen länglichen Bühne auf. Sie sind wie Feldblumensträuße so bunt. In ihren Händen hal­ten sie Kirschblüten und auch int pechschwarzen hoch­ausgetürmten Haar tragen sie Blüten. Fröhlich und lächelnd treten sie in einer langen Kette über die schmale Bühne, schreiten mehr einen Reigen als sie tanzen, zeigen mehr ein feierliches Dahin schreiten als eine Auflösung im Rhythmus der Musik. Far­bige Hintergründe wechseln ost, manchmal kommt ans der Versenkuna eine kleine Brücke, Wer welche die bunte Mädchenschar schreitet. Dabei glucksen die Musikantinnen seltsame Laute, die wie i, ö und u klingen. Alles ist eine feinsinnige Hymne an den Blütenfrühling, die dahinschwebt wie der Frühlings­wind selbst, uitib bie wir nüchternen abendländischen Menschen ebenso wenig verstehen können wie die andere Tradition, Feierlichkeit und Kultur des Lar»-, des im fernen Osten. Anton LWke, j

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