Ceti« 1 t Beklag«
Kasseler Neueste Nachnchira
Donnerstag, 7. Mai 1931
SlWoff-Wustne und Weltwirtschaft
Ein Vortrag im Hessischen Bezirksverein des Vereins Deutscher Ingenieure
Anläßlich eines Vortragsabends im Hessischen Be- lirksverein des Vereins Dänischer Ingenieure hielt am Dienstag im fileinen Stadtparksaal Pros. Dr. Großmann von der Technische« Hochschule Char- lottenbnr« eine« sehr ivteressasten Vortrag «her das Thema: „Stickst»ff-J«d«8rie «ad Weltmirtschast", dem mir folgendes entnehme«:
Die Bedeutung einer sachgemäß durchgeführten Stick st offdüngung unter gleichzeitiger Berwen- dung von Kali, Phosphorsäure und Kalk ist in den Kreisen der Landwirtschaft heute voll und ganz erkannt worden. Bereits vor dem Kriege wurden Chilesalpeter und schwefelsaures Ammoniak zur Düngung verwandt^ wobei der Nachteil einzig in den schwankenden Preisen zu suchen war. Mehr als 50 Prozent des Bedarfs an chemisch gebundenem Stickstoff wurde damals durch den Chilesalpeter gedeckt. Aber bereits vor dem Weltkriege war dem Zusammenarbeiten von Ingenieuren und Elektrotechnikern die Begründung der sogenannten Luftstickstoffindustrie zu verdanken, die versuchte, den Stickstoff der Atmosphäre durch chemische Bindung in nutzbare Verbindungen Lberzuführen. Bedeutende deutsche Chemiker haben sich bei der Lösung dieser Frage unschätzbare Verdienste erworben. Der Begründer der deutschen Kaliindustrie^ Dr. Adolf Frank, ist durch seine Versuche zur Bindung des Luftstickstoffs an Carbide auch der Begründer der Weltindustrie des Kalkstickstofss geworden. Dem Sohne Franks, dem Chemiker Dr. ing. Albert Frank, der heute noch an führender Stelle innerhalb der deutschen Kalkstickstoff-Jndustrie tätig ist, verdanken wir die Anregung, den Kalkstickstoff unmittelbar als Dünger zu verwenden.
Gemessen an dem Umfang der Produktion (berechnet auf Reinstickstoff) ist allerdings in den letzten Jahren die Kalkstickstoff-Jndustrie von der Industrie des synthetischen Ammoniaks überholt worden. Der jetzige Leiter des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für physikalische und Elektro-Chemie in Berlin-Dahlem, Prof. Haber, verdient hier in erster Linie erwähnt zu werden. Seine Arbeiten führten ja bekanntlich zu der Synthese des Ammoniaks aus den Elementen S t i ck ft o f f und Wasserstoff. Auch hier hat die Zusammenarbeit von Chemikern und Ingenieuren zur Schaffung einer Großindustrie geführt.
Auf die näheren technischen Einzelheiten einzugehen, dürfte hier wohl zu weit führen; interessant ist aber die Stellung, die der Stickstoff in der Weltwirtschaft einnimmt. Bereits vor zwei Jahren wurde — um eine Preisschleuderei zu verhüten — ein Stickstoffpakt geschlossen, dem im vorigen Jahre die internationale Stickstoff - Konvention folgte. Mit Ausnahme von Japan und den Vereinigten Staaten ftnd in dieser Konvention alle wichtigen Produktions-Länder Europas, sowie Chile, zusammengeschlossen. Allerdings dürfen zur Zeit die Kapazitäten in fast allen Werken nicht voll ausgenutzt werden. Das deutsche Stickstoff-Syndikat in Deutschland regelt die Preise, was für den Landwirt im Vergleich zu früheren Jahren doch ein wesentlicher Vorteil ist.
20 verschiedene Stickstoff-Verbindungen sind heute zu verzeichnen und für die künftige Gestaltung der Weltstickstoff-Jndustrie wird das Sortenproblem eine besondere Rolle spielen. Die deutsche Industrie' hat schon vor Jahren das Hauptgewicht auf die Herstellung salpeterhaltiger Stickstoff- Verbindungen gelegt und heute auch den Voll- und
Mischdüngern ihre Aufmerksamkeit zuaewandt. In Zukunft wird noch mehr als bisher die Zusammenarbeit von Ingenieuren, Chemikern, Landwirten und Biologen nötig sein, um unsere Stellung in der Weltwirtschaft auf diesem Gebiet zu behaupten.
Am Schluß des sehr beifällig aufgenommenen Vortrags lief dann noch ein Film, der die Herstellung des Kalkstickftoffs in den bayerischen Stickstoffwerren zeigte. H. Sp.
Quer über den Wochenmarkt
Und so spargelt man sich fröhlich immer weiter in den Mai hinein. Jeder neue Tag vergrößert die Zufuhr dieses köstlichen Gemüses, streicht einen. Groschen nach dem anderen von seinem Preis ab. Der heutige Markt brachte bereits eine beachtliche Auswahl leckerer weißer Spargelstangen von 90 Pfg. bis zu 1,20 Mark. Als weitere „Frühlings-Neuheit" gab es dicke Bündel erster junger Möhren, eigentlich Möhrelein- chen, zum Preis von 1,20 Mark. Und damit hat das Attentat auf die Wirtschaftskaffe zugunsten frühlings- genüßlicher Magenfreuden noch nicht sein Ende erreicht. Die zu den Möhren gehörigen jungen Kohlräbchen erfordern nochmals einen Obolus von 50 oder 75 Pfg. für ein Viererbündel. Dafür war Win- terfpinat in enormen Mengen zu 15 Pfg., zwei Pfund zu 25 Pfg., junger Spinat zu 25 Pfg. das Pfund zu haben, Sprossenkohl zu 15—25 Pfg., herrliche Rhabarberpakete zu 20 und 25 Pfg. Billig füttert man seine Küchlein mit Blumenkohl zu 20—50 Pfg., noch immer prachtvolle Wintermöhren zu 15 Pfg., Unter« kohlraben zu 12 Pfg., Schwarzwurzeln zu 30—40 Pfg., einem Lauchgemüse zu 20 Pfg. das Pfund. Saucengrün ist mit 20—25 Pfg. das Viertel ebenfalls eine erschwingliche Angelegenheit. Salate hatten mit 20—25 Pfg. für Kopfsalat, 15—20 Pfg. für ein Vier-
Die int Verlauf der Vorträge bereits angeschnittenen Wünsche und Beschwerden des Gastgewerbes hatten sich auf dem Nastättener Verbandstag in einer Reihe von Anträgen besonders des Kaffeler Gastwirtevereins verdichtet, die einmütige Annahme fanden, so ein Antrag auf schärfste Prüfung der Bedürfnisfrage bei Neukonzessionen unter Schaffung einer höheren Instanz, wobei Verbandsvorsitzender D ö h n e darauf hinwies, daß die Kasseler Regierung eine Alkoholkonzefston auf Sportplätzen nicht gut heiße. Oberregierungsrat Jakobs bemängelte, daß die Ablehnung nicht immer genügend begründet werde. Der Gastwirteverein Frankfurt forderte nicht nm ein Anhörungs-, sondern Mitbestimmungs- r e ch t der Gastwirteorganisationen bei der Erteilung von Neukonzessionen. Hingewiesen wurde auch auf die Konkurrenz durch die Konzesstonierung der Warenhauserfrischungsräume, die vom Innenministerium gedeckt wird.
Herr Grenzebach wandte sich gegen die Benachteiligung Heffen-Naffaus in der Frage der Polizeistunde, durch die nachweislich der Fremdenverkehr
tel Nüßchen, 50—70 Pfg. für Gurken und 55—65 Pfg. für Tomaten ihren alten Preis beibehalten.
Eine Riesenauswabl gab es in dem Petri-Segen am Fischbrunnen. Fischfreunden konnte das Herz im Leibe lachen angesichts der sich munter schlängelnden dicken Aalrücken zu 1,60 Mark, philosophisch schauender Hechte zu 1,10—1,20 Mark, umfänglicher Schup- Perte zu 70 Pfg., Brassen zu 60—70 Pfg., Barschen und Barben zu 80 Pfg. und Fuldafische zu 50—60 Pfg. Verlockend war auch der Anblick eines stattlichen Heilbutt zu 1,20 Mark und Zander zu 1 Mark neben Rotzungen zu 60—65 Pfg., Schollen zu 45—60 Pfg., Schellfisch zu 40—45 Pfg. Goldbarsch zu 40 Pfg., Seelachs und Kabeljau zu 30—45 Pfg. und diversen Filets von 45—65 Pfg.
Bei den Geflügelhändlern wölbt sich ein Taubenbäuchlein neben dem anderen, zu 70 Pfg. bis 1 Mk., je nach Umfang des Corpus. Die kräftigsten Suppenhühner hielt man zu 90 Pfg. bis 1 Mk. das Pfund seil. Auch ein halbes Dutzend Ziegenlämmer zu 50 bis 55 Pfg. das Pfund zeigten ihre noch immer beachtliche Anwartschaft auf die sonntägliche Bratpfanne.
Am Martinsplatz baumeln herrliche Zungen zu 1,40 Mark, Kalbshaxen zu 80 Pfg., Schweinelummer zu 1,30 Mark und Rindslummer zu 1,40 Mark am Haken, wölben sich Kalbsbug und Keule zu 90 Pfg., Schweinekoteletten zu 1 Mark bis 1,10 Mark (mit dem seligmachenden Lummerstück daran), Hammel- bäuche und -keulen zu 90 Pfg. bis 1,10 Mark und Ochsenfleisch je nach Nam' und Art von 90 Pfg. bis 1,30 Mark.
Die Butter aufs Brot kostet 1,40 Mark (Landbutter) und 1,50 Mark (Süßrahm), das dicke Hühnerei 7^—8 Pfg.
Film der Anfälle
Armer Kleiner. In Heiligen rode wurde gestern ein fünfjähriger Sohn des Weißbinders Karl Rothe beim Spielen auf der Straße von einer fahrenden Motorbandsäge überfahren und erlitt außer einem komplizierten Aberarmbruch eine Schlagader- Verletzung, die seine sofortige Ueberführung in das- Elisabethkrankenhaus durch die Arbeitersamaritevko- lonne erforderlich machten.
Den Finger verloren. In einem FabrÄbetrieb der SandersHLuserstraße ließ beim Transport einer schwe-
schwer beeinträchtigt werde. Besonders nach Tagungen könnten deren Teilnehmer bei mitternächtlichem Versammlungsschluß kein Lokal mehr zu gemütlichem Beisammensein aufsuchen. Kassel fordert daher für Kassel und Wiesbaden die 2 Uhr-Polizeistunde. Ebenso stellte Kassel den Antrag auf eine einheitliche Regelung der Heilighaltung der Karwoche, während Frankfurt einen energischen Vorstoß zur Senkung der Bierpreise verlangt, den man im Zeichen des Preisabbaues dringend erwarten müsse.
St. Goarshausen beantragt, dafür Sorge zu tragen, daß die Bier- und Getränkesteuer wieder verschwindet und Wiesbaden wandte sich gegen die Sonderbestimmungen der Hauszinssteuer, die dem Gastwirt schrankenlosen Mieffteigerungen ausliefere. Mit Recht wies dann ein Antrag von St. Gonarshausen darauf hin, daß die Regierung endlich ihre Zusage, eines stärkeren Gewerbesteuerabbaues einzulösen habe.
Nach Wiederwahl des Vorstandes wurde Göttin- gen als nächster Tagungsort bestimmt.
Die Gafiwirtetagung
Wichtige Anträge angenommen.
rett Ersenschiene der eine der beiden Arbeiter die Schiene fallen.- Dadurch stürzte der andere zu Boden und die Schiene schlug ihm den Mittelfinger glatt ab. Ein Mitglied der Freiwilligen SanitätÄolonne brachte ihn sofort in das Elisabethkrankenhaus.
Vom Auto geschleift. Gestern kam es an der Ecke Obere Königftraße — Opernstraße zwischen einem Auto und einer Radfahrerin zu einem Zusammenstoß, wobei die Radfahrerin zu Boden stürzte und noch 6 Meter mitgeschleift wurde. Da sie bewußtlos war, wurde sie von den Arbeitersamaritern in das Elisa- betihkrankenhaus gebracht, wo die Aerzte eine leichte Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen am Kopfe feststellten. Das Fahrrad wurde durch den Zusammenstoß vollständig demoliert.
Das war zuviri! In der oberen Fuldagasse drohte ein 16jähriger Bursche, wie der Arzt annimmt, infolge unmäßigen Zigarettenrauchens (!!!) zu ersticken. Dem Arzt gelang es, den Nikotinvergifteten ins Leben M rückzurufen.
Wolfsanger. Ein Zusammenstoß ereignete sich zwischen einem, mit großer Geschwindigkeit heran- sausenden Motorradfahrer u. einer aus einer Seitenstraße herauskommenden Straßenbahn. Der Fahrer schlug mit dem Kopfe gegen die Bahn. Er erlitt erhebliche Beschädigungen an Armen und Beinen. Auch das Motorrad wurde sehr beschädigt. Der Beifahrer kam mit dem Schrecken davon.
Sammlung für die Notleidenden
Die vom Landrat des Landkreises' Kassel aufgerufene Sammlung zugunsten der Notleidenden hat ein befriedigendes Ergebnis gebracht. Insbesondere find Kartoffeln, Brot, Hülsenfrüchte, aber auch Wurst, Speck und Gier, sowie Bargeld und Bekleidungsstücke selbst von ärmeren Kreisen aufgebracht worden, so daß die Sammlung zur Linderung der besonders großen Not dieses Frühjahrs erheblich beiträgt.
Die gesammelten Varbeträge werden vom Kreise hauptsächlich im Interesse der Gesundheit der Kinder des Landkreises verwendet werden, und zwar als Kurkosten für bedürftige Kinder, die in dem kreiseigenen Kindersolbad Carlshafen an der Weser untergebracht werden.
Der amtliche Taschenfahrplan der Reichsbahw- direktiou Kassel für den Sommerfahrpsan 1931 erscheint einige Tage vor Fahrplanbeginn (15. Mai) unb ist bei den Fahrkartenausgaben und im Bahnhofsbuchhandel zu haben. Vielfachen Wünschen der Reisenden und Ausflügler entsprechend find die wichtigsten Tarifbestimmungen über den Personen-, Gepäck- und Expreßgutverkehr sowie das Verzeichnis der Sonntagsrückfahrkarten in einem Merkheft zusammengestellt worden das mit dem Taschenfahrplan und auf Wunsch kostenlos abgegeben wird.
Dreibeinig wiedergefunden. In der Regentenstraße wurde ein Auto, das vor einer Gastwirtschaft in der WilhelmShöher Allee von unbekannten Tätern gestohlen wanden war, aufgefunden. Da das rechte Hinterrad des Wagens fehlte, mußte er abgeschleppt werden.
Verlängerte Schonzeit. Im RegierungAbezirk Kassel ist die Schonzeit für Rehböcke bis zum 29. Mai einschließlich verlängert worden.
RadwaudervorschlSge im B. D. R. / Radsabrer-Touren- cl«b Kassel 1895 e. B. Sonntag, den 10. Mai: AbsaÄt FriedrichKplatz 7 Uhr. Richtung Kassel — Grossalmerode —, Witzenhausen (2. Gauwanderfahrt). Gäste willkommen.
Wettervoraussage bis Freitag abend;
Bei auffrischenden, nach Westen drehenden Winden zunächst kühl und wechselnd bewölkt, später etwas schauerneigung.
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Sckbbat-Äusgang 8,44 Uhr. An Wochentagen (nur Sv- nvgoge Rosenstr.) morgens 6,30 Uhr, abends 7,30 und 8.44 Uhr.
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täglich 10-12 «. 3—8 Ahr
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KiliMt Slf. 1Z911.
Für die uns bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen so za^l* reich erwiesene Teilnahme, für die vielen Kranzspenden, sowie Herrn Pfarrer Junghans für seine trostreichen Worte sprechen wir hiermit unsem innigsten Dank aus.
Chr. Schönewolf nebst Angehörigen.
Kassel (Ob. Gasse t7\ den 7.Mai 1931.
70 S.
FmiUemAwki rnm mnmr
Todesfälle.
Heri«««: Georg ch ^vaugeuberg, 57 Ö.
Herluge«: Albert Ko-rpieu.
ätrcMetat: Fritz WÄtz, 87 Jahre.
MarburgL.: Frieda Strauss, geb. Sichterrfteru, 67 Jahre.
Rödreusurib: Martha Elisabeth Aschenbreumer, geb. Döring, 83 Jahre.
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In der Nacht zum Mittwoch erlöste Gott meinen geliebten Mann, den liebevollen Vater meiner Kinder, den
Lokomotivführer
Gustav Höhmann
im After von 44 Jahren, von seinem schweren Läden»
In tiefem Weht
Martha Höhmann, geb. Hardege
Adelheid, Gertrud und Hanna
Heinr. Höhmann u. Frau, ak Eitern
Kassel, Gausstrafie J8, den Z. Mai 1931.
Die Beerdigung findet Sonnabend, den 9. Mai, mittags 1 Uhr, von der Friedhofskapelle Kirchditmold aas statt
Danksagung.
Fßr die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgänge unseres lieben Entschlafenen sagen wir hiermit unsem herzlichsten Dank. Besonders danken wir Herrn Geheimen Kon- sistorialrat Dr. Trepte für die trostreichen Worte, sowie dem Krieger verein und dem Männergesangverein Wehlheiden für die zahlreiche Beteiligung und den schönen Blumenschmuck.
Im Namen aller trauernden Hinterbliebenent
Metrie Röfiner.
Emm 1, den 6. Mai 1931.
Kassel, den 7. Mai 1931.
Friedrichsplatz 15
Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Heimgang meiner lieben Gattin, sowie für die tröst» reichen Worte des Herrn Pfarrer Otto sagen wir aufrichtigen Dank.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen $
Franz Dolinskt