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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 105*

Mittwoch, 6 Mai 1931

21. Jahrgang

Briands Lockmittel: Vorzugszölle und Kredite

Benefchs Anteil an den Gegenvorschlägen / Zn Berlin und Wien werden die Vorbereitungen zur Zollunion fortgesetzt / Freiwilliger Arbeitsdienst?

Kleine Entente enttäuscht Benefch

Eigene» Drahtbertchk.

Der englische Sonntag

Von unserem Londoner Q. ?.-Korrespondenten.

Sonbon, 6. Mai.

Der Pariser Berichterstatter desDaily Telegraph" meldet, daß der Gegenvorschlag Briands ge­gen das österreichisch-deutsche Abkommen allmählich eine sestere Gestalt annchme. Der Plan enthalte vier Hauptpunkte:

1. Borzugszölle für die landwirtschaftliche Ausfuhr Ungarns, Rumäniens, Serbiens usw.

2. Vorzugszölle für die Ausfuhr von Zndustrie- erzeugniffen aus Oesterreich und vielleicht auch der Tschechoslowakei.

3. Internationale Kredite für die landwirt­schaftlichen Länder und möglicherweise auch für die Industrie Oesterreichs.

4. Eine Entschädigung für Deutschland, wenn es seine Sonderpläne für die wirtschaftliche Vereinigung mit Oesterreich, einschließlich der darin enthaltenen politischen Tendenzen aufgegeben habe.

Es sei fan Augenblick noch schwierig, sich über die Rückwirkungen klar zu werden, die der Briandsche Plan auf den Handel in Mittel- und Osteuropa ha­ben werde. Die Ausfuhr seiner Jndustrieerzeugnifse könne möglicherweise Schaden erleiden. An der Aus­arbeitung des Planes habe Beneschmindestens johjel Anteil wie Briand selbst.

Aus Bukarest wird gemeldet: Ueber die Ergeb­nisse der Konferenz der Kleinen Entente verlautet hier aus unterrichteter Quelle, daß in der Frage der deutsch-österreichischen Zollunion doch noch ein Kompromiß bezw. eine Milderung der tschechoslowakischen Vorschläge habe er­zielt werden können.

Minister Dr. Benesch hätte aus der Angelegenheit eine Prinzipienfrage gemocht, dahingehend, daß eine gemeinsame Erklärung der Staaten der Kleinen Entente gegen die deutsch-österreichische Zollunion auf jeden Fall in Gens hätte erfolgen sollen. Nun sei aber beschloffen worden, die Erklärung nur in dem Fall abzugeben, wenn der Völkerbundsrat in dem Zollangleichungsplan auch politische Tenden­zen feststelle. Dr. Benesch hätte schließlich diese Formel in der Ueberzcugung angenommen, datz diese Feststellung des Völkerbundsrates garnicht zu ver­meiden sei.

In der Besprechung des Briandsche» Planes sei hervorgehoben worden, datz Deutschland und Oester­reich als selbständige Staaten in gleicher Weise wie alte anderen Staaten einbezogen werden sollen.

Berlin und Wien bleiben fest

th. Berlin, 6. Mai.

Die Vorarbeiten zur Durchführung der Zollunion zwischen Deutschland und Oester­reich werden in Wien wie in Berlin seit mehreren Wochen derart intensiv gefördert, daß man beiderseits die Hoffnung hat, unmittelbar nach den Genfer Verhandlungen des Europaausschuffes und des Völkerbundrates diese Beratungen aufnehmen zu könne». Eine enge Fühlungnahme hat zwischen Wien und Berlin durch Sachbearbeiter in der Zwischenzeit stattgefunden und hat völliges Einverneh­men über das Arbeitsprogramm ergeben.

Diese heute von derGermania" mitgeteilte Tat­sache ist gleichzeitig ein Beweis dafür, daß trotz des von der Entente in Wien ausgeübten Druckes, die Verhandlungen über die Zollunion nicht zum Still­stand gekommen sind. Man hat jetzt beiderseits Ministerialausschüsse gebildet, die vermut­lich alsbald in gemeinsame Verhandlungen eintreten können, sodaß wahrscheinlich bis zum Herbst den beiderseitigen Parlamenten ein fertiges Ver­tragswerk vorgelegt werden kann.

Inzwischen hat man noch mit der Gegen- aktion der Franzosen zu rechnen, da der französische Außenminister Briand bekanntlich in Genf mit einem zollpolitischen Gegenprogramm herauskommen will, durch das er über die deutsch­österreichische Zollunion hinweg aus eine europäische Basis gelangen möchte. Es steht jedoch zweifelsfrei fest, datz sowohl die deutsche wie die österreichische Delegation in Genf sich auf efnc derartige Diskussion nicht einlassen werden, falls man dabei die Zurückstellung des deutsch-österreichi­schen Uniongedankrns etwa zur Voraussetzung machen sollte.

Der letzte Versuch

Zur Einigung in der Flottenfrage.

Paris, 6. Mai.

Im Zusammenhänge mit der A b r e i s e d e s französischen Flottensachverständigen Massigli nach London, glaubt der außenpolitische

Berichterstatter desEcho de Paris" zu wissen, daß sich die englische Regierung in letzter Minute bereit erklärt habe, weitgehende Zugeständnisse zu machen. Er befürchtet aber, daß diese Zugeständ­nisse auf anderen Gebieten von Frankreich sehr teuer bezahlt werden müßten.

DerPetit Parisien" betont, datz die Rückkehr Mafsiglis mit dem Wunsche der drei interessierten Mächte zusammenhänge, noch einmal einen letzten Versuch zu einer Einigung zu machen. Außerdem sei es bei derartigen wichtigen Verhandlungen not­wendig, daß zwischen den drei Ländern ein dauern­der Kontakt ausrecht erhalten bleib«'

politische Zusammenstöße in Duisburg

Duisburg-Hamborn, 6. Mai.

Zwischen einem Trupp Nationalsozialisten und einem Trupp Kommunisten kam es gestern abend in der Goebenstratze in Hamborn zu schweren politischen Auseinandersetzungen. Die Kommunisten griffen die in der Minderzahl befindlichen Nationalsozialisten an. Beim Eintreffen der Schnellihilfe hatten sich die An­greifer zum großen Teil zurückgezogen. Aber eine Stunde später kam es zu neuen Zusammenstößen, wo­bei auch mehrere Schüsse sieten. Ein Nationalso­zialist wurde durch einen Veckenschutz lebensge­fährlichverletzt. Leichter verletzt wurden sieben Nationalsozialisten und drei Kommunisten. Acht der Verletzten fanden Ausnahme tm Krankenhaus. Von welcher Seite die Schüsse abgegeben wurden, konnte noch nicht festgestellt werden.

Berlin, 6. Mai.

Zu der angekündigten Aussprache über die Fragen des freiwillige» Arbeitsdienstes hatten sich, den Blättern zufolge, gestern neben einer Reihe von Einzelpersönlichkeiten und Behörden folgende Verbände eingefunden: Kyffhäuserbund, Reichsbanner, Stahlhelm, Jugendkraft, Eichenkreuz, Reichsausschutz deutscher Jugendverbände, Hilfsgemeinschaft deutscher Kriegsteilnehmer, Freischar, Reichslandbund, Kura­torium für Arbeitsdienst und Volksbund für Arbeits­dienst.

Reichsminister Treviranus eröffnete die Ver­handlungen mit längeren Ausführungen darüber, wie sich aufgrund vorbereitender Besprechungen zwischen den Reichsrefforts und innerhalb der Brauns-Kom­mission nach feiner Ansicht ein freiwilliger Arbeits­dienst mit Unterstützung des Reiches entwickeln ließe. Es bestehe die Hoffnung, von der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung einen Kopfbeitrag von etwa 2 RM für eine bestimmte Frist (ca. 20 Wochen) zu erhalten.

In der Debatte pflichteten alle beteiligten Organisa­tionen mit gewissen Abweichungen in Einzelfragen dem Grundgedanken des freiwilligen Arbeitsdienstes zu. Die von dem Minister aufgeworfene Frage, ob eine ausreichende Zahl von Freiwilligen sich unter den in Aussicht genommenen Bedingungen melden würde, wurde allerseits bejaht. Auch die weitere Frage, ob ausreichende Arbeiten vorhanden feien, wurde weit­gehend bejaht.

Die Befprechungen über die Verwirklichung des freiwilligen Arbeitsdienstes fallen nach diefer vor­bereitenden Ausfprache inderallernächstenZeit fortgefetzt werden. Die nächste Sitzung wird un­ter dem Vorsitz des Reichsarbeitsminifters Dr. S le­ger wa Id stattfinden, sobald die Braunskommisfion ihr Gutaw^-n über den freiwilligen Arbeitsdienst er­stattet hat.

Oer Kampf um die Broipreise

Ermäßigung des Weizenzolles auf 20 Mark.

th. Berlin, 6. Mai.

Im Reichsernährungsministerium find gestern neue Verhandlungen über die Stabi­lisierung bzw. Senkung des Brotpreises geführt worden. Es hat sich gestern sowohl um die Frage der Roggenversorgung wie der Weizenzoll­senkung gehandelt. I» bezug auf die

Roggenbelieferung

hat man mit den Berliner Mühlen eingehende Bera­tungen geführt, die aber lediglich ergeben haben, daß

London, Anfang Mai.

Niemand darf am heiligen Sabbat reifen oder eine Last tragen, bei einer Strafe von 10 Schil­ling für jeden Reisenden und von 5 Schilling für jede Last; Eltern, deren Kinder am Sabbat im Haufe fpielen, tnüffen 12 Pence Strafe zahlen oder im Un- vermögenssalle in de» Stock gesperrt werden; nie­mand darf am Sabbat irgend einen Handel treiben, in einem fchmucken Gewände einhergehen, einen ge­steiften Spitzenkragen tragen oder sich die Haare locken lasten; vor allem aber darf niemand am heili­gen Sabbat Theater fpielen, fingen, musizieren oder derartige Vorstellungen besuchen; wer es dennoch tut, begeht eine Sünde und hat dafür bis zu 200 Pfund Strafe zu zahlen oder im Unvermögensfalle in den Kerker geworfen zu werden ..."

So oder ähnlich lauten die verschiedenen Gesetze, die die Puritaner in ihrer Ueberverehrung des Alten Testaments Mitte des 17. Jahrhunderts zur Heiligung des biblischenSabbats" (wohlgemerkt nicht desSonntags") erlassen hatten, die auch von späteren englischen Regierungen, anno 1677 und 1781, wiederholt wurden, von denen manche noch bis auf den heutigen Tag nicht offiziell aufgehoben sind und die in ihrer Gesamtheit als der Ursprung des englischen Sonntags, mit feiner äußerlichen Kirchlichkeit und feiner grenzenlosen Langenweile, be­trachtet werden können.

*

Das Merkwürdige ist nun, daß diese Frage, die Heiligung des Sabbats" gerade zur Zeit wieder die gesamte öffentliche Meinung Englands aufs heftigste

die Mühlen grundsätzlich bereit sind, den Bäckern bil­ligeres Roggenmehl zu liefern, wenn das Reich aus den Beständen der Deutschen Eetreidehandelsgesell- schaft Roggen zur Verfügung stellt. Die Verhandlun­gen darüber sind noch nicht abgeschloffen, sondern sollen heute unter Hinzuziehung der Berliner Bäcker zu Ende geführt werden. Wichtiger noch als die Roggenver­sorgung ist die Frage der

Weizenzollsenkung, wo man bekanntlich ursprünglich auf eine Senkung von 25 auf 1517 Mark hinzielte, und wo man ein Kontingent von einer halben bis einer ganzen Mil­lion Tonnen dafür in Aussicht genommen hatte. Statt desten ist gestern lediglich eine Senkung des Weizen- zolles von 25 auf 20 Mark beschlossen worden und zwar nur für ein Quantum von 20 Prozent desjeni­gen ausländischen Weizens, der von den Berliner Mühlen von April bis Juni v. I. nachweislich aus dem Auslande eingeführt worden ist. Mit der jetzt in Aussicht genommenen Maßnahme wird eine nen­nenswerte Entlastung des Eetreidemarktes wohl kaum zu erreichen sei», und infolgedesten ist es auch noch recht zweifelhaft, ob unter diesen Umständen die Müh­len in der Lage find, den Bäckern verbilligtes Weizen­mehl zu liefern. Die ganze Regelung gilt auch nur bis 15. Juni und soll bann wieder neu überprüft wer­den. Die Vermahlungsquote von 50 Prozent für Jn- landsweizen bleibt übrigens auch durch diese neue Maßnahme unberührt.

Der Reichskanzler hat gestern in die Verhandlun­gen noch nicht persönlich eingegriffen, sondern diese Maßnahmen find unter der Führung des Reichser­nährungsministers Schiele vereinbart und be- schlosten worden. Die Sozialdemokraten er­kennen zwar an, daß die ersten konkreten Maßnahmen der Regierung wenigstens überhaupt in die Wege ge­leitet worden find, aber derVorwärts" erklärt dazu, es werde immer eine bedauerliche Belastung der Re­gierung bleiben, daß diesen Maßnahmen eine so schwere Beunruhigung der Oeffentlichkeit vorausgehen mußte. Die ganze Angelegenheit hat inzwischen auch auf den Preußischen Landtag übergegriffen, wo die Sozialdemokraten einen Antrag eingebracht haben, daß die preußische Regierung auf die Reichs­regierung einwirken möchte, damit die letzte Brot- preiserhöhung rückgängig gemacht würde. Ebenso wird gewünscht, baß die Beschlüsse der Berliner Bäcker- innung, soweit sie sich auf Brotpreiserhöhung be­ziehen, rückgängig gemacht werhen sollen und zwar unter Berufung auf die Kartellgesetzgebung. Die Verhandlungen werden heute mit den Mühlen und den Bäckern weiter geführt werden

befdjäftigt. Anlaß hierzu gab, wie schon kurz berichte^ wurde, die Parlamentsbebatte über bie Bill, welche bie Kinovorstellungen am Sonntag offi­ziell legalisieren soll. Nicht, baß bie Kinos bisher am Sonntag geschloffen gewesen wären. Im Gegenteil, seit über 30 Jahren, seit der Ersinbung bes Kine- matographen haben auch in England bie Kinos, von niemandem behindert, am Sonnjag ruhig und fried­lich ihre Filme gezeigt. Bis jedoch vor etwa Jahres­frist irgend ein Jemand plötzlich entdeckt hat, daß laut den Gesetzen aus den Jahren 1645, 1677 und 1781! das Veranstalten von irgendwelchen Vor­stellungen am heiligen Sabbateigentlich" verboten sei, und darüber nun ein entsetzliches Zxter und Mordio, eine Reihe von Gerichtsverhandlungen, das Einbringen neuer Gesetzesvorlagen, endlose Parla­mentsdebatten und was nicht noch alles anhub, ganz als ob die Leute zur Zeit keine anderen Sorgen hätten.

Aber das ist eben England! Und wie tief der alte Geist des Puritanismus immer noch im Britentum sitzt, bewies die Tatsache, daß bei der kürzlichen Ab­stimmung im Parlament über diese Angelegenheit von etwa 500 anwesenden Abgeordneten immerhin mehr als 200 Mann sich gegen Kinovorstellungen am Sonntag aussprachen und hiermit nur deshalb nicht durchdrungen, weil sie zufällig von einer kleinen Mehrheit niedergestimmt wurden. ......

*

Selbst der friedliche und harmloseiypical Vic- torian Sunday" (der in England immer noch vor­herrscht) ist nämlich manchen Briten noch immer viel zu lärmend, viel zu weltlich und schlimmstes Wort von allen viel zukontinental"! Jedenfalls ist Mr. H. H. Martin, Vorsitzender derGesellschaft für Heilighaltung des britischen Sabbats" dieser An­sicht. Mr. Martin hat in den letzten Wochen eine Reihe von Londoner Vororten besucht, um festzustel­len, welche den Sabbat brav befolgen und welche dieses nicht tun. Und das Ergebnis seiner Nach­forschungen war folgendes:Die den Sabbat am bravsten achtende Gemeinde London," berichtet Mr. Martin feierlich,ist ohne Zweifel diejenige von Ealing. Richmond dagegen ist der schlimmste Aus­satz auf Londons beklagenswertem Körper. Jeden Sonntag kann man dort auf den Straßen hunderte von Händlern und Krämern aller Art sehen, die Kinos sind sämtlich sperrangelweit offen, überall wird Fußball und Criket gespielt, Boxkämpfe finden statt, ein Singen und Größten an allen Ecken, ein Babel, ein Pandemonium ohne Gleichen! Es ist eine wahre Schmach und nur ein Wort, nur ein einziges ist für Richmond am Platze: dort blüht das Herz zieht sich mir im Leibe zusammen, doch ich muß es aus­sprechen dort blüht der gemeinste, notorischste, kontinentale Sonntag!"

Zur Freude von Mr. Martin und seiner Gesin- nungsgenoffen gibt es jedoch in England einen Ort, der noch ganz im Geiste Oliver Cromwells lebt. Dieser Ort ist das hart am Meeresufer gelegene Torf Thorpeneß in Suffolk. Das ganze Dorf gehört einem reichen Landedelmann, Mr. Stuart Ogilvie. Dieser ist ein gar gesinnungsstrenger, frommer Herr und hat das ganze Dorf, von oben bis unten, auf seine eigene Art altmodisch hergerich­tet und hierdurch eine der merkwürdigsten Sehens­würdigkeiten Englands geschaffen.

Mr. Ogilvie haßt nämlich nicht nur denkonti­nentalen" Sonntag. Er haßt die neue, mo­derne Zeit überhaupt, in Bausch und Bogen. Er haßt Kinos, Automobile, Radioapparate, Waren­häuser, moderne Architektur, amerikanische Touristen, und überhaupt alles, wasdiese ekelhafte neue Zeit" hervorgebracht hat und was es imguten, allen Tudor-England" nie und nimmer gegeben hat.

Infolgedessen sind in Thorpeneß alle Häuser, ohne Ausnahme, im Tudor-Stile gebaut; im ganzen Ort gibt es weder ein Theater, noch ein Kino; keine Straßengaukler sind gestattet; kein Auto darf durch die Dorsstraßen fahren; kein Benzintank ist weit und breit zu sehen; außer dem einen Dorsladen für alles, gibt es in ganz Thorpeneß überhaupt kein anderes Geschäft; und vollends am Sonntag ist hier alles so still und te^r, daß man sich förmlich in eine ver­wunschene Märchenwelt versetzt zu fein glaubt...

Mr. Ogilvie ist ein alter, a 1a Walter Scott ge­kleideter, feiner Herr. Seine Hausbedienten gehen sämtlich in der malerischen Tracht der Tudor-^oche

Heute Artikelserie:

Abenteuer unsererZelt

Der freiwillige Arbeitsdienst

Oie gestern begonnenen Besprechungen werben demnächst unter Stegerwalds Leitung fortgesetzt