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Seite I !. Beilage

Kasseler Neueste Nachrichten

-hmiag, 4. Mai 1931

Oer Mittelstand muß erhalten bleiben

Kundgebung -es Landesverbandes des Kolonialwaren- und Keinkosteinzelhandels

Man maq darüber streiten, ob es angebracht ist, des 10jährigen Bestehens einer Organisation beson­ders zu gedenken. Wenn jedoch em Verband wie der obige, diese Gelegenheit ergreift, um mit einer Kundgebung für Erhaltung des Mittelstandes an di Oesfentlichkeit zu treten, so ist das zu begrüßen, zumal für den Mittelstand Gefahr besteht, in dem heutigen Wirtschaftskampf zerrieben zu werden.

So hatte sich am Sonntag der Landesverband im Stadtpark versammelt um Rückschau zu halten über den tollen Wirbel Mischen den Jahren der Infla­tion und der Deflation und im Vertrauen auf die geschlossene Macht seiner Organisation voller Hoff­nung in die nächste Zukunft zu schauen, auch wenn sie dunkel vor uns liegt.

Der Vorsitzende B ö t t g e r begrüßte die zahl­reichen Gäste und schilderte Entstehung und Entwick­lung des Verbandes.

Dann ergriff Direktor Thommsen, Berkin. das Wort und ftihrte aus, daß der Einzelhandel heute mehr und mehr um seine Eristenz ringe, weil Steu­ern und Abgaben überlastet und von Warenhäusern und Konsumvereinen bedroht sei. Man habe auf die Wahlen des 14. September Hoffnungen gesetzt, doch es wurde schlimmer statt besser. Unzählige Ge­schäfte sind zum Erliegen gekommen, denn die Steuerschraube werde immer mehr angezogen. Re­gierung und Parlament hätten ihre Zusagen nicht gehalten. Dem aKufmann bleibe an barer Münze nichts mehr übrig, er würde, bald zum Proletarier. Auf die Frage des Preisabbaues eingehend, betonte er daß es recht einseitige Maßnahmen gewesen seien

seilens der Regierung, die zu keinem Eriolge füh­ren konnten. Man könne nicht Gehälter und Löhne herabsetzen und auf der anderen Seite die Erzeu­gerpreise auf der alten Höhe halten.

Der kaufmännische und gewerbliche Mittelstand habe genügend Opfer gebracht

und unser wirklicher Erfolg sei ohne diktawrische Maßnahmen nicht herbeizuführen.

Eine große Gefahr bilden nach seiner Meinung die Einheitspreisgeschäfte, Konsumvereine und Be­amtenwirtschaftsvereine. Besonders die letzteren Be­triebe seien Experimente, die nid# helfen könnten. Der Einzelhandel wende sich auch gegen die ver­schleierten Preise, wie das z. B. schon bei Tabak und Zigaretten in Erscheinung trete und fordere Gewichtswahrheiten.

Es sei auch in der Organisation noch Vieles re- formbedürfttg. Um eine Besserung herbeizuführen, seien Opfer notwendig. In Bezug auf die Organi­sation stehen andere Länder, sogar Amerika, noch weit hinter uns zurück.

Es sei zu fordern, daß

'der Mittelstand steuerlich geschont und erhalten bleibe.

Starkes Verttauen zur Führerschaft und Entschlos­senheit werden jedem die Kraft geben, sich vor dem Untergang zu retten. Der Redner ermahnte, ttotz aller Nöte und Bedrängnis den Mut nicht sinken zu lassen und sand mit seinen Ausführungen reichen Beifall.

Vor Kasseler Gerichten

Film der Unfälle

Das Rad ist hin. Am Sonntag kam es an der Ecke Frankfurter StraßeWitichstraße zwischen einem Lastauw und einem Motorradfahrer aus Wernswig zu einem Zusammenstoß. Der Motorradfahrer und die auf dem Soziussitz sitzende Ehesrau des Motor­radfahrers kamen zu Fall. Die Ehefrau brach den Unterschenkel. Sie wurde nach Anlegung eines Not- Verbandes durch die Arbeiter-Samariter in das Eli- sabethkrankenhaus gebracht. Das Motorrad ist voll­ständig demoliert. Das Lastauto, dessen Bremsen nicht funktionierten, hat die Polizei sichergestellt.

Auch der Lederball hat Gefahren. In R alben stürzte beim Handballspiel ein Eisendreher und brach das Schlüsselbein. Arbeitersamariler sorgten sür ärzt­liche Hilfe. Die Sanitätshauptwache beförderte einen Arbeiter aus Grifte, dem beim Fußballspies in Röh­renfurth durch einen unglücklichen Tritt das Schien­bein zersplittert wurde, in das Rote Kreuz-Kranken­haus. Ein Kaufmann aus Ihringshausen, der beim Fußballspiel durch einen Trit gegen den Leib schwere innere Verletzungen erlitt, wurde durch die Sanitäts­wache Nebelthaustraße in das Marienkrankenhaus überführt.

.^Gestern noch auf stolzen Rossen .. ." Der Führer eines Personenkraftwagens wurde aus der Wolshager Straße kommend am Holländischen Platz von der Straßenbahn ersaßt und gegen einen Leitungsmast geschleudert. Zum Glück befand sich nur der mit einigen Fleischwunden davongekommene Wagenfüh­rer im Wagen, doch mußte die Feuerwache Mauer­straße den letzteren, der nur noch als Verkehrshin­dernis gelten konnte, abschleppen.

Die Spazierfahrt. In der Söhre stürzte ein 13- sähriger Schüler auf der abschüssigen Straße mit dem Rad und verrentte sich das Knie sehr böse. Trotz der schweren Verletzung schleppte er sich noch bis auf die Unfallwache Holzmarkt, die ihn schleunigst zum Arzt brachte.

Kinder auf der Straße. Im Mtienpark wurde ein 7jähriger Junge, der im Eifer des Spieles das Na­ben eines Lieferautos nicht wahrgenommen hatte, zur Seite geschleudert. Man schaffte den Kleinen, der sehr erheblich am Knie- und Fußgelenk verletzt wurde, in das Krankenhaus.

Was -er Schupo notiert

Die Diebeszunft regt sich! Im Laufe des Sonn­abends tourt»en der Kriminalpolizei nicht weniger als drei Einbruchsdiebstähle gemeldet, die sämtlich am hellichten Tage begangen worden sind. In der Wohnung eines Webers in der Holländischen Straße verschaffte sich ein Einbrecher dadurch Eingang, daß er das an der Küchentür befindliche Vorhängeschloß säuberlich abschraubte. Die Beute war geringfügig, denn der Eindringling hielt nur Mei Tafeln Scho­kolade und 65 eingelegte Eier des Mitnehmens für wert. Besser kam schon ein anderer Wohnungs- einbrecher zum Ziel, der mit einem Nachschlüssel in die Wohnung eines Straßenbahnfchaffners in der Bunsenstratze eingedrungen war. Ein Geldbetrag von 25 Reichsmark und fünf Fahrscheinhefte zu je 2 Reichsmark fielen dem Einbrecher in die Hände. Das an der Lindenbergstraße belegene Garten­grundstück einer Familie ist anscheinend von einer ganzen Diebesbande heimgesucht worden. Denn als Sonnabend morgen die Frau das Grundstück be­trat, mußte sie die Feststellung machen, daß die Düren und Fenster des massiven Gartenhauses aus­gehängt und im Hause selbst alle Behältnisse erbro­chen und durchwühlt worden waren. Die Einbrecher hatten es nur auf Lebensmittel abgesehen, die sie denn auch in größerer Menge weggeschafft haben. Bor der Feststellung des Diebstahls erlebte die Frau noch einen großen Schrecken, denn als sie den Gar­ten betreten hatte, sprang hinter einem Busch ein jüngerer Mann und flüchtete spornstteichs aus dem Garten. Der Unbekannte war mit einem Anzug und einem dunklen Mantel bekleidet und trug eine Brille Wahrscheinlich handelt es sich um einen der Ein­brecher: vermutlich hat er auf die Rückkehr der an­deren Täter gewartet, die inzwischen die gestohlenen Lebensmittel weggeschafft haben werden.

Das dicke Ende blieb nicht aus! Sonnabend abend holte ein Landjäger mit Unterstützung einer Sckmpostreife aus einer Wirtschaft in der Müller- gasse einen jüngeren Metzgergesellen heraus, der sich mehr als gut dem kühlen Trünke ergeben hatte. Und zwar mit dem Gelde seines Meisters; denn er hatte ihn bereits Freitag zum Einkasfieren von Rechnun­gen nach Kassel geschickt. Der Geselle kam aber nicht zurück, sondern andere Ortseinwohner meldeten dem Meister, daß sich sein Bote in Kassel weidlich gütlich tue, und Mar mit dem einkassierten Gelde. So kam der Landjäger dazu, den jungen Metzgergesellen aus der Wirtschaft herauszuholen und ihn ins Polizei­präsidium zu bringen. Von einem ein®af fiert en Be­trag von über 100 Reichsmark hatte der Leichtsinnige bereits mehr als die Hälfte ausgegSben.

Waffendiebstähle im Polizeipräsidium

Mit schier unglaublicher Frechheit hat der zwan­zigjährige Angeklagte zweimal im Polizeipräsidium aus dem Zimmer von Kriminalbeamten je eine Schußwaffe entwendet, um sie für geringes Geld an den Mann zu bringen.

Als er eines Tages vernommen werden sollte, mußte er einige Augenblicke allein im Zimmer blei­ben, denn der vernehmende Beamte war an den Fernsprecher gerufen worden. Flugs revidierte er die unverschlossene Schublade des Schreibtisches und nahm die dort liegende Pistole mit zwei Patronen­rahmen an sich. Der Diebstahl wurde erst später be­merkt, sodaß keinerlei Verdacht auf den jungen Men­schen fiel. Es nahm auch kein Mensch Anstoß daran, daß er sich einige Tage später noch einmal im Poli­zeipräsidium einfand und dort längere Zeit auf dem Korridor herumlungerte. Und als wieder ein Kri­minalbeamter sein Zimmer verließ, betrat der Ange­klagte es und entwendete nochmals aus der unver­schlossenen Schreibtischschublade einen Revolver Beide Waffen will er in der Rathausschänke an Na­tionalsozialisten verkauft haben; er konnte zwar die Käufer nicht näher beschreiben, er wußte nur noch, daß sie Hakenkreuz gettagen haben. Als Kaufpreis hatte er 4 und 6 Reichsmark bekommen. Das Ge­richt erkannte gegen ihn auf neun Monate Gefäng­nis. Das .Geschäft" ist also schlecht gewesen!

Landstraßenunglück am Silvesterabend

Am Silvesterabend ereignete sich aus der Frankfurter­stratze kurz vor Kirchbauna ein folgenschweres Unglück: drei Einwohner von Kirmoauna wurden von binten von einem Personenauto angefahren und mehr oder weniger erheblich verletzt. Dieser Unfall sand nun seine Klärung Lurch eine BerhanLlung vor dem Schöffengericht.

Der Angeklagte, der Kaufmann B. aus Schlierbach, gab an. datz er sich gegen 7% Uhr auf der Rückfahrt von Kassel befand. Es war regnerisch und stockdunkel: außerdem hatte er Beschwerden mit seinem Wagen, so daß ein üoermätzig schnelles Fahren sich schon aus verschiedenen Gründen ver­boten hätte. Kurz vor Kirchbauna sei ihm ein Motorrad­fahrer entgegengekommen, der keinerlei Anstalten gemacht habe, seinen Hellen Scheinwerfer abzublenden. Durch diese Rücksichtslosigkeit des Motorradfahrers will der Angeklagte die unbedingte Herrschaft über seinen Wagen verloren haben: in 6em Bestreben, dem Motorrad auszuweichen, fei er nach rechts gefahren, dabei sei der Wagen ins Schleudern gekommen, und ehe er bremsen konnte, war das Unglück bereits geschehen.

Etwa 100 Meter weiter brachte der Angeklagte seinen Wagen zum Stehen und im Licht eines inzwischen an der

llufallstelle eingetroffenen Omnibusses der Reichsvost ging das Bergungswerk vor ssch. Zwei Verletzte waren bewußt­los und lagen mitten auf der Straße, sie kamen svater ins Krankenhaus. Der btttte Verunglückte war durch die Wucht des Anpralls über die Straße hinweg in den Straßengraben gefchleudert worden, wo er von den Hilfeleistenden gariiichl bemerkt worden war. Er kam später von selbst zu sich und konnte sich selbst in Sicherheit bringen.

Während die Anklage der Meinung war. Laß der Ange- Hggte durch zu schnelles und unvorsichtiges Fahren den Un­fall berbeigeführt habe, verteidigte sich der Kaufmann damit, datz die Verunglückten wahrscheinlich nicht vorschriftsmäßig auf der rechten Straßenseite gegangen seien: hätten sse das getan, dann wären sie wahrscheinlich niemals vor Las Auto gekommen. Die als Zeugen vernommenen Verletzten be­kundeten indes, datz sse vorschriftsmäßig die rechte Straßen­seite eingehakten hätten. Das herannahende Auto hätten sie wohl gehört, da sie aber ordnungsmäßig rechts gegangen seien, habe für sse keine Veranlassung Vorgelege«, sich noch­mals umzusehen.

Gas Gericht gelangte zu der Auffassung, daß zwar eine ganze Reihe unglücklicher Umstände bei diesem bedauerlichen und folgemchweren Unfall mitgewirkt hätten, Latz aber dem Angeklagten als Schuld zuzumessen fei, daß er nicht lang­samer unL vorsschtiger gefahren fei. Entgegen dem auf drei Monate Gefängnis lautenden Antrag des Staatsanwalts erkannte das Gericht jedoch nur auf eine Geldstrafe von 100 RM, wobei es wohl berücksichtigt haben mag, datz der schwe­bende Zivilvrozetz Leu Angeklagten noch genügend Geld kosten wird.

*

Auto gestohlen

Ein WeWnachtsvergnügen besonderer Att leisteten ssch drei junge Burschen, die jetzt vor dem Strafrichter standen. Der Kraftwagenfübrer R. brachte seine beiden Freunde I. und M. auf den Gedanken, die Weihnachtstage in Berlin zu verleben und für die Reise kurzerhand ein Auto von der Straße weg zu ftchlen. Manprüfte" verschiedene Ge­legenheiten, bis ichlietzlich ein vor dem Herkulesrestaurant in Ler Hohenzollernstratze stehender Mercedes-Bem den Burschen geeignet erschien. Sie versorgten sich mit Brenn- stosi und gondelten los.

In Berlin mußte I. abgesetzt werden, weil er Las Auto­fahren nicht vertragen konnte. Auch M verließ den Wagen und telegraphierte an seine Mutter um Geld. Die Moneten gingen aber in Berlin flöten und z n F u ß machten ssch I. und M. auf den Weg nach Kassel. Unterwegs trafen sse ein Auto an, dessen Führer sie bis nach Kassel mitnahm, fo daß die Spritztour für sie bald ein Ende hatte. Inzwischen hatte R. in Berlin anderen Anschluß gefunden. Da er sich mit dem Gedanken trug, den gestohlenen Wagen zu ver­kaufen, unternahm er noch eine Fahrt nach Hamburg. Dort wurde er aber von der Polizei erwacht und samt dem Wa­gen nach Kassel zurücktransportiert.

Vor Gericht wollten ssch die Angeklagten damit herans- reöen, daß es sich nur um einen unüberlegten Streich ge­bandelt habe, keineswegs hätten sse den Wagen verkaufen wollen. Immerhin blieb das Gericht der Meinung, daß hier ein dreister Diebstahl vorlag und erkannte gegen I. und M. als die Verführten auf je drei Monate Gefängnis: R der als der Verführer angesehen wurde, erhielt 9 Mo­nate Gefangms.

klingendem Spiel, wobei an den sagen- und epheuum- toobenen Burgen und Schlössern des mittleren Rhein­tals, das zwischen Koblenz und Rüdesheim eines der herrlichsten, wenn nicht das herrlichste deutsche Land- fchaftsbild zeigt. Während im Herbst die grüne« Rebenhänge dem Rheintal seinen besonderen Reih geben, sind es im Frühling, der dort schon bedeutend weiter fortgeschritten ist als in dem kalten Kassel, die blühenden Obstbäume, die sich stellenweise in wahren Wäldern die Berge hinaufziehen. Zwei fleißige Ka­pellen und der süffige Rheinwein sorgen dafür, daß an Bodr bald die ausgelassenste Stimmung herrscht. Ganz toll wird es erst als die beiden Kapellen auch noch zum Tanz ausspielen. Hei, wie da das Tanzbein geschwun­gen wird, nach de Klängen der schönen Rheinlieder. Ehe man es sich versieht, ist Rüdesheim erreicht und stromabwärts geht es im schneller Fahrt vorbei an Bingen, Aßmannshausen, Caub mit der Pfalz, St Goar und St. Goarshausen mit der Loreley, Boppard und wie die Weinorte alle heißen. Allzuschnell ist man wieder in Koblenz. Die Kaffelaner haben dem Rhein­land einmal den praktischen Beweis geliefert, daß auch sie ordenllich in Stimmung und aufgedreht fein können.

Bis zur Abfahrt des Zuges bleiben noch zwei Stunden, die jeder nach eigenem Misben verbringt, und voll von den Ereignissen des Tages (bitte nicht wörtlich zu nehmen) fährt die lustige Schar der Hei-- mat wieder zu, wo der Zug kurz nach Mitternacht wieder eintrifft. Dieser am Rhein verlebte herrliche grühlingssonntag wird den Teilnehmern lange in rinncrung bleiben, und so werden durch ihn begei­sterte Erzählungen von der schönen und vorbildlich organisierten Wochenendfahrt zum Rhein gewiß viele ihrer Freunde und Bekannten bewgen, ans der näch­sten Sonderfahrt, die voraussichtlich am Himmel­fahrt Stage steigen wird, die Schönheiten des R^uns mit eigenen Äugen kennen zu lernen.

Falschmünzer

und zweifelhafte Kavaliere

Ein Taschendiebstahl brachte es an den Tag. TI

Durch ein nahezu groteskes Zwischenspiel ist es der Polizei gelungen, eine Fabrik für falsche Funf- marfftüde auszuheben und die Falschmünzer hinter Schloß und Riegel zu bringen. Es handelt sich um einen 21jährigen Kaufmann aus Wickenrode und war einen gleichaltrigen Kupferschmied aus Helsa. Die beiden Burschen unternahmen am Freitag eine Ver­gnügungsfahrt mit einem Auto, zu der sie sich auch Damenbegleitung einluden. Man beschloß, der Mar-, feier in Sandershausen einen Besuch ab zustatten, Unterwegs machten sich die beiden zweifelhaften Ka­valiere für ihre Dienste jedoch selbst bezahlt, indem einer von ihnen einem der mitfahreNden jungen Mädchen drei Zehnmarkscheine aus der Handtasche entwendete. Mit diesem gestohlenen Gelde spielten sie bann in Sandershausen die gütigen Spender. Ein Zehnmarkschein war schon den Weg allen Geldes gegangen, da versuchte der Kaufmann ein falsches Mirfmarkstück an der Theke in Zahlung zu geben. Das Falsifikat wurde jedoch erkannt und der Wirt rief den Landjäger herbei, der sich die beiden Kava­liere vorknöpfte. Inzwischen hatte auch das bestoh­lene Mädchen den Verlust des Geldes bemerkt und Alarm geschlagen. Zwei Zehnmarkscheine konnten der Bestohlenen zurückgegeben werden Wichtiger war aber die Geschichte mit dem falschen Geldstück. Bevor der Landjäger an Ort und tSelle war, hatte der Ertappte eine Gelegenheit gefunden, daß Falsch- stück durch das offene Fenster auf den Hof zu Wer­sen. Man suchte aber sofort und sand es auch wie­der. Nach einem kurzen Verhör wurden dis beiden Burschen dem Polizeipräsidium zugeführt.

Dort erklärte der Kaufmann, nachdem er deq Diebstahl der drei Zehnmarkscheine zugeben hatte, daß er das falsche Fünsmarkstück auf der Straße ge­funden und sich nichts dabei gedacht habe, das Geld­stück in Zahlung zu geben. Dis Polizei hatte gegen» über diesen Angaben doch ein berechtigtes Miß­trauen und entsandte mehrere Beamte nach Wicken­rode, die in der Wohnung des Kaufmanns eine Haussuchung Vornahmen Dabei wurden nicht nur weitere falsche Fünfmarkstücke, sondern auch die Vorrichtungen zur Herstellung der Falschstücke vorge­funden Unter dem Druck dieses Ueberführimgs- materials gäben die Festgenommenen dann zu, daß sie sich bereits seit einiger Zeit mit der Herstellung von Falschgeld beschäftigen und auch schon eine Reihe von Falschstücke in den Verkehr gebracht ha­ben. Nach Abschluß der polizeilichen Vernehmung wurden Beide dem Gerichtsgefängnis zugeführt, wo sie sich nun schwer ärgern werden, daß sie es nicht bei dem Falschgeld gewenden ließen, sondern auch Sehnsucht nach Papiergeld gehabt haben. Daß die Burschen übrigens nicht ungefährlich sind, beweist der Umstand, daß einer von ihnen bei feiner Fest­nahme einen gelaßenen eRvolver in der Tasche hatte

Gerhard Ueselers

Glück im Ltnglück

Kaflel hatte am Sonnabend für wenige Stunden eine Senfatton: abend nach 6 Uhr hieß es plötzlich, der deutsche Kunstflugmeister Gerhardt Fieseler, der seit einigen Tagen aus dem Waldauer Flugplatz seine braveTigerschwalbe" für die kommenden Lufttur­niere cinfhegt und seine Freunde durch neue Flug­figuren überrascht, sei abgestürzt und verletzt worden. Zum Glück war es nicht so schlimm. Fieseler hatte sich beim Rückflug zum Flugplatz unterwegs zu einer Notlandung entschließen müssen, weil der Motor in­folge ausbleibenden Brennstoffzufuhr versagte und weil die Maschine nicht mehr hoch genug war, um noch den Waldauer Platz erreichen zu können. Un­weit der Eisenbahnbrücke mußte Fieseler seine Ma­schine aus die Wiesen am Waldauer Fuldaufer auf­setzen. Die zahlreichen Wassergraben, die das Ge­lände durchziehen, schreckten den Meister der Lust nicht, denn er hat an seiner Maschine jetzt eine neue technisch Errungenschaft: eine Bremsvorrichtung, die ihm ein Blockieren der Räder und somit einen ver­kürzten Auslauf bei der Landung gestattet. Die Grä­ben bildeten auch kein Hindernis, aber eine manns­hohe Böschung, die Fieseler nicht gesehen hatte, wur­de zum Verhänignis. Die Maschine stürzte den Hang hinab und stellte sich ziemlich heftig auf die Nase.

Krachend ging der Propeller zu Bruch, auch das Fehrgestell und einige andere Teile der Maschine mußten daran glauben. Fieseler selbst aber blieb völ­lig unverletzt. Er kletterte aus seinem Sitz heraus und hielt dem Ansturm der Neugierigen, die aus allen Richtungen gelaufen Hamen, geduldig stand. Als sein technisches Personal eingetroffen war, leitete er selbst die Abmontierung und den Abtransport seiner sieggewohnten Maschine, die nun auch einmal vor den Mucken des Motors kapitulieren mußte. Nichts­destoweniger will Fieseler dieTigerschwalbe" bereits Mittwoch wieder flugfertig haben, J>enn Sonntag steigt schon das erste Lufturnier!

Frühling am Mein

Kassclaner wecckcndeln zum Rhein

Wird das Wetter am Sonntag schön bleiben? Diese bange Frage bewegte etwa 450 Bewohner der Fulda­metropole und der umliegenden Dörfer, die die chnen gebotene billige Gelegenheit benutzen wollten, den Sonntagsausflug einmal nicht zur Grauen Katze oder nach Wilhelmshöhe, sondern zu dem augenblicklich in schönster Blütenpracht prangenden Rhein zu unterneh­men. Die Zeitungen hatten zwar Neigung zu Regen- sällen angekündigt, aber diesmal hatten sie wirklich unrecht. Ein herrlicher sonniger Frühlingsmorgen be­grüßte die erwartungsvoll gegen 5 Uhr morgens auf

dem Hauptbahnhof eintreffenden Rheinfahrer, und das schöne Wetter begleitete sie auf der ganzen Fahrt, von einigen winzigen Regentropfen abgesehen. Froh­gelaunt bestieg alles mit Kind und Kegel die modernen und sauberen durchgehenden 3.-Klasse-Wagen, und mit D-Zuggeschwindigkeit ging es durch die hessischen Lande ohne Aufenthalt bis Gießen und nach kurzem Aufenthalt durch das malerische Lahntal der rheini­schen Provinzhauptstadt zu. Ein Gang durch den Zug zeigt, daß alles bereits in guter Stimmung ist. Na, das kann ja heiter werden! Zu nachtschlafender Zeit gegen % 10 Uhr ist der Zug bereits in Koblenz. Nach einer kurzen und herzlichen Begrüßung durch einen Vertreter der Stadtverwaltung marschiert die ganze Korona unter Vonantritt der Koblenzer Stadtkapelle durch die Straßen von Koblenz zum Rhein, wo der mit wehenden Fahnen geschmückte Salondampfer der Köln-Düsseldorfer. Rhein-Dampffchiffahrtsgesellschaft Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein" unter Damps liegt. Ei, das war doch ein anderer Kasten als unsere Nußschälchen auf der Fulda! Schnell hat man sich erst einmal orientiert und dabei festge­stellt, daß man sich auf einem schwimmenden Restau­rant befindet, das allen Ansprüchen gewachsen ist. Die Fahrt geht zunächst zum Deutschen Eck an der Dtosel- mündung in dessen Nähe bei der Befreiungsseier im vergangenen Jahr des schreckliche Brückeneinsturz er­folgte, der der Rheinlandfahrt des Reichspräsidenten ein so vorzeitiges Ende bereitete. Dann wird gedreht, und rheinauswärts geht es mit wehreden Fahnen und

Wir gratulieren

40 Jahre bei der Post. Am 1. Mai konnte Ober- Postschaffner Kircher (Bahnpostamt 26) auf eine 40jäh- rtge Dienstzeit zurückblicken. Aus allen Kreisen wur­den ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. Von seinem Amtsvorsteher wurde ihm ein Handschreiben des Reichspräsidenten überreicht.

Goldene Hochzeit feiert am 7. Mai Eduard Engelbrecht, Gärtnereibesitzer, Franzgraben,mit feiner Gattin. Beide sind im ganzen Weserviertel als Oma und Opa" bekannt.

Wettervoraussage bis Dienstag abend:

Vorwiegend bewölkt und noch Neigung zu sihou-i erartigen Niederschlägen, kühl, westliche Winde.

Wohin gehen wir am Dienstag?

Staatsweater: ..Die Walküre": 19 Uhr.

Kleines Tbeater: Geschlossen.

Eavitol-Lichtipirle:Wenn die Soldaten".

bhassalla-Lichtipiele:Der Tanz gehr weiter*.

Univerfnm-Lichtfvicle:Försserchriftl".

Ufa-Tbeater:Alraune".

Mettovol-Theater:König EomSov".Rausch".

Heffenland-Perle: Kabarett / Tanz, 16 und 20 Uhr.

Heute, Montag:

Saal der Jugend" (Wolfsfchlucht 13): Oeffentlicher Vor- wagDer Weg zum Eigenheim" (Bausparkasse Ge» «flmchatt &er Freunde Wüstenrot), 20 Uhr.

Pädagogische Akademie: Oeffentllch« Vorlesungen.

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