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Raffelet Neueste Nachrichten

Freitag, l.Mai 1931

VliS'' ^İr. D-ckung du stehst.ja gam frei, im das^« d7dur^ liegt' d'as ganze Eelände dann Snaft ftslh in wahnsmniger fast unter Kreuzfeuer die Pappeln müßte man ab-

-ilngst. Ich spreize die Hande, um nach vorn hinter | hauen, damit sie der feindlichen Artillerie das Ziel

übrig, in denen Milliarden von Malariamücken aus- krvchen.

Noch vor wenigen Jahren lag in der ganzen Mae- carese nur ein einziges, von der Malaria verseuchtes Dorf, mit wenigen Häusern, g. Giorgio. Heute über­blickt man von der Höhe eine große Anzahl (es find nach dem Plan beinahe vierzig) der Anlage nach sich schematisch wiederholender Gebäudegruppen, alle ganz neu, mit roten Dächern. Es sind nach dem ita­lienischen Ausdruck,stabilimentt" für Milchwirtschaft, in denen etwa 2000 Milchkühe stehen, teils Frieslän­der Schlag, teils Alpenvieh, die einen schwarz weiß die anderen silbrig oder braun-grau. Der größte Teil des Bodens, der durch die Entsumpfung der Macca- rese gewonnen wurde, bient der Futtergewin- nu n g für das Milchvieh. 800 Hektar sind in Wein- Pflanzungen verwandelt. An Futterpflanzen wird teils Hafer angebaut, teils eine Kleeart, beides als Grünfutter. Ein Teil des geschnittenen Futters Wird in moderne Silos eingelagert, die bekannten runden Zementtürme, und wird darin durch Gärung und nachfolgender Austrocknung konserviert. Ein Gang durch die Ställe zeigt Viehbestände von hervor­ragender Qualität. Die Milchproduktion steht auf Höhe moderner züchterischer Leistung. Dem entspre­chen die Anlagen zur Filtration und zur Kühlung der Milch und zum Transport nach Rom.

Ein neuer Untersuchungsausschuß

Die ,Dera>irtschaftung öffentlicher Gelder im Wohnungsbau" soll geprüft werde« Der Landtag beendet die Debatte über den Forstetat

Millionen-Vrozeß um Gefrierfleisch

Oie an der Gefrierfleischeinfuhr interessierten Verbände verklagen das Reich auf Schadenersatz

Sachsen gegen die Reichsbahn

Leipzig, 1. Mai.

In der Klagefache des Landes Sachsen gegen die Deutsche Reichsbahngesellschaft um die Abgrenzung

reits bekannten Fragen die WeltarbeitSlosig. leit einen Hauptgegenstand der Beratungen bilden werde. Der Jahresbericht des Direktors Albert Tho­mas, der in nächster Zeit erscheinen dürfte, wird sich gleichfalls sehr ausführlich mit dieser Frage be­schäftigen.

Neuwahlen in Rumänien

Bukarest, L Mai. 1

In der Kammer verlas Ministerpräsident I o r g a die Regierungserklärung, in der es zum Schluß heißt, daß die Regierung eine Zusammenarbeit mit dem gegenwärtigen Parlament angesichts ihres Pro­grammes als unmöglich betrachte. Im Anschluß hieran verlas Jorga ein Dekret, wonach das Parla­ment aufgelöst und der Termin der Neuwahlen für die Kammer auf den 1. Juni und für den Senat auf den 4. Juni festgesetzt wird.

Oer Weg zurück"

Remarques Nachkrtegsroman.

Remarque beginnt seinen Nachkriegsroman da, wo »Im Westen nichts Neues" endete: im Schützengra­ben. Aber es ist Waffenstillstand. Die Welt ist lautlos geworden und magisch verwandelt, als die Soldaten heimkehren und sich in der behaglichen Sicherheit der Daheimgebliebenen fremd fühlen und ausgestoßen. Einige aus der kleinen Gruppe, deren Schicksal Re­marque verfolgt, verließen die Schulbank des Lehrer­seminars, als sie in den Krieg zogen. Jetzt sollen sie wieder Knaben sein, kleinlicher Ordnung sich fü­gen, ihre Bücher da weiter lesen, wo sie sie verlaffen haben. Sie finden nickt zurück in das zivile Leben, bas von gut angezogenen, laut und wichtig sich ge­bärdenden Menschen beherrscht wird. In dem verfüh­rerischen Wirrwarr dieser ersten Nachkriegsmonate bricht sogar das zusammen, was ihnen unzerstörbar schien: die Kameradschaft. Der zivile Anzug deckt die sozialen Unterschiede auf. Man ist nicht mehr Karl und Willy, man ist Sohn des Amtsgerichtsvaters und Artist. Die Kluft ist unüberbrückbar. Das kalte »Sie" ersetzt das zutrauliche .Du". Und zu allen äußer­lichen Hemmungen treten die Inneren: Man ist un- 'auglich für dies Leben geworden, in dem es ihnen nur um das bißchen Essen, um kleinen beruflichen Ehrgeiz, zweideutigen Genuß zu gehen scheint. Auf

Die belgische Kammer gegen Kürzung der Abge» orbnetenbiäten. Die belgische Kammer hat den An­trag auf Kürzung der Abgeordnetendiäten um 10 Prozent mit 92 gegen 75 Stimmen bei vier Enthob» tungen abgelehnt.

Erich Maria Remarque:

Land der Erinnerung

der Eisenbahndirektionsbezirke verkündete der Vor­sitzende des Reichsbahngerichtes, Senatspräsident Kätluhn, geftetn folgende Entscheidung:

Die Reichsbahngesellschaft ist nicht berechtigt, eine wesentliche Aenderung des jetzi­gen Gebietes der Reichsbahndirektion Dresden, wie sie die Zuweisung von bisher dieser Direktion unter­stellten Leipziger Bahnhöfen mit anschließenden Li­nien darstellen würde, ohne Zustimmung der sächsi­schen Regierung vorzunehmen. Der Gegenantrag der D. R. G. wird abgewiesen.

5950929 Eintragungen

Berlin, 1. Mai.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, haben von den 26368215 Stimmberechtigten in Preu­ßen nach den vorläufigen und unverbindlichen Mittei­lungen der Behörden sich 5 950 929 Stimmberechtigte in die Listen zum VolksbegehrenLandtagsauflösung" eingetragen. Das endgültige und amtliche Ergebnis kann erst kestgestellt werden, wenn die Eintragungs­listen, die sich jetzt noch in den Händen des Trägers des Volksbegehrens, des Stahlhelms befinden, dem Landeswahlleiter zugeleitet und nachgeprüst werden.

einen Baum zu stürzen, ich zittere und keuche, dann atme ich auf, vorbei und sehe mich scheu um nie­mand hat mich gesehen. Es dauert eine Weile bis ich mich beruhige. Dann bücke ich mich nach dem Glas, das mir aus der Hand gefallen ist. Das Wasser ist verschüttet, doch die Fische zappeln noch darin. Ich beuge mich zum Graben hinunter und laue frisches Wasser hineinlaufen.

Langsam gehe ich weiter und hänge meinen Ge­danken nach. Der Wald kommt näher. Eine Katze strolcht über den Weg. Der Bahndamm schneidet durch die Felder bis zum Gehölz. Da könnte man Unter­stünde bauen, denke ich, ordentlich tief und mit Beton­decken dann die Grabenlinie links entlangziehen mit Sappen und Horchposten und drüben ein paar Maschinengewehre nein, zwei nur, die andern an

Noch schlimmer als in England!

Englisches Urteil über die deutsche Wirtschaftslage.

London, 1 Mai.

Professor H. Jones, der Leiter der national« okonomftchen Abteilung der Universität Leeds, der vor kurzem eine Studienreise nach den deutschen Jn- dustrtebeztrken unternommen hat, erklärte in einer Ansprache vor den Mitgliedern des Soroptimist Club eines der größten Frauenklubs Londons, daß die in­dustrielle Depression in Deutschland noch schlimmer sei als in England. Wir reden davon, so sagte Prof. voneS, daß der englische Geschäftsmann trübe in die Zukunft blicke, aber er ist noch der reine Optimist ver­glichen mit den deutschen Geschäftsleuten, denen ich begegnet bin.

Die große Weltkrankheit

Genf, L Mai.

Das Internationale Arbeitsamt teilt mit, daß auf der diesjährigen Internationalen Ar­beitskonferenz. die am 28. Mai beginnt, außer den be-

ben Trümmern der Jugend baut sich kein Leben, das für sie Sinn hat. Der eine findet seine Ehe zerstört, der andere hat den Tod im Blut, den Irrsinn im Hirrn. haltlos schlägt sich der zu den Schiebern, jener zur Armee zurück, wo er Hali zu finden glaubt. Selbstmord ist des einen Ende, Dumpfheit des anderen.

So scheint Remarques »Weg zurück" eine allzu per­sönlich gefärbte, pessimistische Chronik zu fein, Auf­zeichnung eines Nervenmeiischen, der jede Regung, jede Stimmung skizziert, schlicht, in der Sprache Mer, in der Erlebnisart von Millionen, die sich hier per­sönlich wiederfinden. neu entdecken bis in die Ueder- deutlichkeit des Soldatenjargons hinein. Indessen beutet Remarque schon in dem Weg des Stärksten der Zurückgekehrten an, wie in dem sckeinbaren Chaos ein neuer Lebensgrund zu finden sei. Willys Be­kenntnis ist auch für die anderen zukunftsweisend: Ick muß wieder als Schulmeister aufs Dorf. Ich will meinen Jungens da beibringen, was wirklich ihr Vaterland ist. Ihre Heimat nämlich, und nicht eine politische Partei. Ihre Heimat aber sind Bäume, Aecker, Erde und keine großmäuligen Schlagworte." So werden die Heimkehrer aus dem gleichen Boden neue Wachstumsfäfte holen, auf dem'sie vier Jahre lang lagen, auf Tod und Leben verbunden mit der Erde, die bas Blut von Millionen trank und bock wieder grün wurde in jedem Früblinq. So läßt auch Remarque dem Geschleckt des Kr eaes in -feinen stärk­sten Eremplare» Keime einer positiven Zukunft sprießen v.

und der Reichsregierung die Verdienste des Bürger­meisters Scholz und widmete ihm herzliche Ab- schiedsworte.

Dann nahm der Reichsrat Kenntnis von bei Herabsetzung des Branntweinausfuhrpreises auf 28 Mark für 100 Liter Weingeist. Angenommen würbe bei Stimmenthaltung Bayerns und Babens ein Ver­trag mit bei Tschechoslowakei über Grenzänderungen.

Zustimmung fanden ferner Verordnungen über die Befreiung von der Verpflichtung zur Reu­eichung von Milchflaschen unb über den Fachaus­schuß für Woll-, Wirk- unb Phantasiewaren in Frankfurt a. M. unb eine Durchführungsverordtnn-a zu den Aufwertungsschlußgesetzen.

Kleine Sorgen ...

Der Ausschmückungsausschutz pes Reichstages berät

Berlin, 1 Mat

Der Ausschmückungsausschuß des Reichstages lehnte den Erwerb eines BUdes des vor einiger Zeit verstorbenen Reichstagsvizepräsidenten Dr. Dove ab, weil bi« Anschaffung von Bildern auch der Vizeprä- ' stbenten zu weit führen würde. Auch Vie Erwerbung einer Büste bes Schöpfers der Weimarer Verfassung, Hugo Preuß, war früher schon abgelehnt worden. Da aber jetzt die Staatspartei die Büste stiftet, so er­klärte sich der Ausschuß mit ihrer Aufstellung im Reichstag einverstanden. Nach einer Mitteilung des Präsidenten Lobe ist das von dem Abgeordneten Hemeler in der vorigen Sitzung mit Rücksicht auf das 60jährige Bestehen des Reichstages zum Erwerb vorgeschlagene GemäldeBismarck verläßt den Reichstag" inzwischen in Privathand Übergegangen, so daß ein Ankauf durch bett Reichstag nicht mehr in Frage kommt

Der Schausenstersturm in der Leipziger Straße. Nach monatelangen Ermittlungen ist es, dm Blät­tern zufolge, jetzt endlich gelungen, den Organisator und Führer des Sehaufenstersturmes in bei Leipziger Straße am 13. Oktober 1930 zu ermitteln und fetal»* nehmen. Es ist der 36jährige Kaufmann Georg Kietzewski aus bei Glsditschstraße 41, ein Parteifünk- tionär der NSDAP. Kietzewfli leugnet freilich seine Beteiligung an den Schaufensterstürmen.

Reichsindexziffer für Lebenshaltungskosten im April rüdgängig. Die Reichsinderziffer für die Le. benshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung. Beleuchtung, Befleidung undsonstiger Bedarf") bei läuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats April auf 137,2 gegenüber 137,7 im Vormonat; der Rück­gang beträgt somit 0,4 vom Hundert

Kein 1. Mai-Feiertag mehr in Braunschweig. I» der Sitzung des braunschweigischen Landtages wurde der Gesetzentwurf über Aufhebung des L Mai al- gesetzlicher Feiertag mit 20 gegen 18 Stimmen ange­nommen.

einer modernden Wurzel her blicken mich die erstaun­ten Augen eines unbeweglichen Teichfrosches an. Ich sehe alles, und es ist mehr darin, als man sehen kann; es ist noch Erinnerung, Sehnsucht unb das Gluck der Bergangenheit darin.

Vorsichtig fasse ich mein Glas und gehe weiter, suchend, hoffend. Der Wind weht, und blau liegen die Berge am Horizont.

Aber plötzlich durchfährt mich ein rasender Schreck

Berlin, 1. Mat

. Vor der 36. Zivilkammer, der SPeztalkammer für Angelegenheiten des öffentlichen Rechts, wurde gestern der Prozeß verhandelt, den der Reichsverband sur deutsche Gefrierfleischeinfuhr, der Verband deut­scher Kühlhäuser und der Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften gegen das Reich, vertreten durch den Reichsminister für Ernährung und Land­wirtschaft, wegen der Einstellung der Gefrierfleisch- 'einfuhr angestrengt hat Die Schadenersatz­klage verlangt vom Reich die vorläufige Zahlung bon 10 000 Mark an jeden der Kläger einschl. der Zinsen. Die wirkliche Schabensersatzforderung, die -Nur wegen der Kosten nicht gleich im vollen Betrag emgeflagt wird, gehtaberindieMillionen.

Als Vertreter der klagenden Verbände führte Rechtsanwalt Dr. Alsberg ans, es handele sich bei -dieser Klage insofern um ein Unikum, als die Ver­ordnung vom 3. November 1923 die Zeitdauer ihrer -Geltung selbst bis zum Jahre 1933 geregelt habe. Den Verbänden sei also eine Schutzfrist von zehn Jahren zugebilligt worden, und im Vertrauen darauf hätten sie große Kapitalien investiert, .Kühlschiffe gebaut, Kühlhäuser errichtet, Läden auf- gebaut und Reklame gemacht. Die Interessenten hät- ten garnicht auf den Gedanken kommen können, daß die Verordnung schon nach zwei Jahren durch Herab­setzung des Kontingents durchlöchert, nach weiteren Jahren abermals eingeschränkt und schließlich im siebenten Jahr völlig beseitigt würde. Des weiteren machte er darauf aufmerksam, daß die Aufhebung der .Gefrierfleischeinfuhr im Sinne der Reichsver- .fassung einer Enteignung gleichkäme. Der damalige -Retchsernahrungsminister habe sich einer Verletzung feiner Amtspflichten schuldig gemacht insofern, als £_r die Interessenten nicht auf die Möglichkeit einer Durchbrechung der zehnjährigen Geltungsdauer der Verordnung von 1923 aufmerksam gemacht habe.

Diesen Ausführungen gegenüber vertrat der An­walt des Reiches, Rechtsanwalt Dr. H e i n i tz, den Standpunkt, daß die angebliche Schädigung der In­teressenten in Wirklichkeit gar kein Schade sei, da es sich lediglich um eine Beschneidung der enor­men Gewinne handele, die die Gefrierfleisch­importeure bisher hätten machen können. Der zu­ständige Reichsminister könne niemals für gesetzliche Maßnahmen haftbar gemacht werden. Auch die Be­hauptung greife nicht durch, daß es sich um die ent- fchädigungspflichtige Enteignung handele. Das Ge­richt wird seine Entscheidung in einem besonderen Termin verkünden.

nicht markieren und hinten am Hügel eine Anzahl Minenwerfer bann laß sie nur kommen.

Ein Zug pfeift. Ich blicke auf. Was mache ich da nur? Ich bin hierhergegangen, um die Landschaft meiner Jugend wieberzuftnoen und jetzt ziehe ich Schützengräben hindurch. Es ist die Gewohnheit, denke ich, wir können keine Landschaft mehr sehen, nur Gelände Gelände zum Angreifen unb Verteidigen die alte Mühle auf der Hohe ist keine Mühle sie ist ein Stützpunkt her Wald ist fein Wald et ist Artilleriedeckung immer spukt das wieder hinein.

Ich schüttele es ab und versuche, an früher zu den­ken. Doch es gelingt mir nicht recht. Ich bin auch nicht mehr so froh wie vorhin und habe keine Lust, weiterzugehem Ich kehre um.

Von weitem sehe ich eine einsame Gestalt. Sie kommt mir entgegen. Es ist Georg Rahe.

Was machst du denn hier?" fragt et verwundert, Und du?"

Nichts," sagte er.

,Zch auch nichts," antworte ich.

Und das Einmacheglas da?" fragt er und ficht mich ein wenig spöttisch an. Ich werbe rot.

Brauchst dich nicht zu schämen," sagte er,wolltest wohl mal wieder Fische fangen, was?"

Ich nicke.Und?" fragt er.

^ch schüttele den Kopf.

3a, so was geht eben nicht mit einet Uniform,* sagt er nachdenklich.

Wir setzen uns auf einen Stapel Holz und rauchen. Rahe nimmt seine Mütze ab.Weißt du noch, wie wir hier Briefmarken getauscht habend

3a, ich weiß es noch. Die Holzplätze rochen in der Sonne stark nach Harz und Teer, die Pappeln flimmerten, und kühl tarn der Wind vorn Wasser her ich weiß alles noch wie wir Laubfrösche suchten, wie wir Bücher lasen, wie wir von der Zukunft spra­chen und vom Leben, das hinter dem blauen Horizont wartete, lockend wie eine gedämpfte Musik."

Es ist dann etwas anders geworden, Ernst, was?" sagt Rahe und lächelt, dieses Lächeln, das wir alle haben, etwas bitter und etwas müde.Im Felde fingen wir die Fische dann auch anders. Eine Hand­granate ins Master, und schon schwammen sie mit ge­platzten Schwimmblasen und weißen Bäuchen an der Oberfläche. Das war praktischer."

Wie mag das nur kommen, Georg," sage ich,daß man hier so herumsitzt und eigentlich nicht recht weiß, was man anfangen soll?"

Es fehlt was, Ernst, nicht?"

Ich nicke. Er tippt mir auf die Brust. ,Jch will es dir mal sagen, ich habe auch schon darüber nach»

Aus dem neuen Buche Rema rauesDer Weg zurück". (Propyläen-Verlag, Berlin.)

Die Wiesen sind naß, und von den Wegen rinnt glucksend das Wasser. Ich trage ein kleines Einmache- glas in der Manteltasche und gehe den Pappelgraben entlang. Hier habe ich als Junge Fische und Schmet­terlinge gefangen und unter den Bäumen gelegen unb geträumt.

Im Frühjahr hing der Graben voll Froschlaich unb Algen. Helle, grüne Stauben von Wasserpest schwankten in den kleinen, klaren Wellen, langbeinige Schlittschuhläufer zickzackten zwischen den Stengeln der Schilfrohre, und Schwärme von Stichlingen warfen in ber Sonne ihre eiligen, schmalen Schatten aus ben goldgefleckten Sand.

Es ist falt unb feucht. In langer Reihe stehen bie Pappeln neben bem Graben. Jhke Aestt stnb kahl, aber ein leichter, blauer Hauch hängt in ihnen. Eines Ta­ges werden sie wieder grünen unb rauschen, unb bie Sonne wirb roiebtr warm unb selig über biesem Stück Erbe liegen, bas so viele Erinnerungen meinet In­gens umfaßt.

Ich stampfe auf bie Uferböschung. Ein paar Fische huschen barunter hervor. Da kann ich mich nicht mehr bezähmen. Dort, wo bet Graben schmäler wirb, so baß ich mit gespreizten Beinen barüber stehen kann, lauere ich, bis ich mit ber hohlen Hand zwei Stichlinge er­wische. Ich schöpfe sie in mein Glas unb betrachte sie.

Sie schießen hin unb her, zierlich unb vollkommen, mit ihren brei Stacheln auf bem Rücken, bem schlan­ken, braunen Körper unb ben schwirrenben Brust- __floffen. Das Wasser ist klar wie Kristall Die Re- _ fiere des Glases spiegeln sich barin. Unb auf einmal setzt mit ber Atem aus, so stark empfinde ich, wie schön " das ist, bieses Wasser im Glase mit ben Lichtern und Reflexen.

Behutsam nehme ich es in bie Hand unb wandere weiter, ich halte es vorsichtig und sehe manchmal hinein, klopfenden Herzens, als hätte ich meine Ju­gend darin gefangen und trüge sie nun mit mit nach Hause. Ich hocke mich an ben Rand der Tümpel, auf denen bitte Schichten Wasserlinsen schwimmen, unb sehe bie blaumarmorierten Molche wie kleine Flatter­minen hochpendeln, um Luft zu holen. Köcherfliegen­larven kriechen langsam durch ben Schlamm, ein Gelb- ranbläfer rudert träge über ben Gtunb, unb unter

Beilin, 1. Mai.

Der Preußische Landtag hatte am Donners­tag gemäß Artikel 25 der preußischen Verfassung auf gemeinsames Verlangen ber Deutschnationalen u. ber Leurschen Votlspartei, bie über mehr als ein Fünftel der Abgeordneten berfügen, einen neuen Unter­suchungsausschuß einzufetzen. Dieser Ausschuß soll dieVerwiitschaftung öffentlicher Gelder im Woh­nungsbau" und die Beziehungen,bie zwischen amt­lichen bezw. halbamtlichen unb privaten Unternehmun­gen bestanden haben oder noch bestehen" prüfen. In der Begründung sprechen die Antragsteller von einer Korruption, die sich bei ber Vergebung der Hauszins- fteuermittel zum Nachteil des privaten-Baugewerbes gezeigt habe. Der Ausschuß wird sich aus 21 Abge­ordneten zusammensetzen.

Weiter nahm das Haus einen Antrag des Verkehrs­ausschusses an, mit allen Mitteln auf die Reichsregie­rung einzuwirken, daß die Arbeiten am Mittel­landkanal nicht verzögert werden.

Angenommene Anträge des Handelsausschusses verlangen Bekämpfung der Rauchschäden besonders in den Industriegebieten unb solche des Rechtsausschusses eine Beschleunigung und Vereinfachung des Prozeß­verfahrens nach der Zivilprozeßordnung.

Das Haus beendete dann die Debatte zur zweiten Lesung des Forstetats; abge­stimmt wird am 5. Mai. Von der Aussprache ist noch erwähnenswert der Vorschlag des Abgeordne­ten Schmelzer (Z.), ein aus Abgeordneten und Vertretern des Reicks-Forstwirtickaftsrats sowie des Landwirtschaftsministeriums bestehendes Gremium zu bilden für die Beratung von Maßnahmen zur He­bung der Forstwirtschaft.

Der Gesetzentwurf auf Herabsetzung ber Diäten ber La u.b tagsabgeordneten wurde in zweiter Lesung angenommen, nachdem Abg. Seine!: (SPD.) erklärt hatte, daß die Diätenkürzung bereits seit dem 1. November 1930 freiwillig durchgeführt fei. In 2. und 3. Lesung wurde das Diätenkürzungsgesetz für den Staatsrat angenommen.

Nach Erledigung einiger Anträge auf Strafverfol­gung kommunistischer und nationalsozialistischer Abge­ordneter, bte gleichfalls am 5. Mai zur Abstimmung kommen, vertagte sich das Haus auf Montag, 4. Mai, wo die 2, Beratung des Haushalts des Staatsmini- stertums beginnen soll.

Der Reichsrat tagt

Bürgermeister Scholz verabschiedet sich.

Berlin, L Mai.

DerReichsrat hielt am Donnerstag eine Voll­sitzung ab, an der der Berliner Bürgermeister Dr. Scholz zum letztenmal teilnahm, da der Magistrat am Mittwoch den neuen Oberbürgermeister Dr. Sahm zum Vertreter der Stadt Berlin gewählt hat. Der Vorsitzende, Staatssekretär Dr. Zweigert, wür­digte aus diesem Anlaß namens des Reichsrats

polnische Justiz

Rybnik, 1. Mai.

Vor der hiesigen Strafkammer fand die Verhand­lung gegen acht Aufständische statt, die der Miß­handlung des deutschen Stadtverordnetenmitgliedes von Schrau, des Redakteurs und Druckereibesitzers Hu- nold beschuldigt wurden. Hunold war am 29. Oktober 1930 zur Zeit des Wahlkampfes beim Verlassen einer Stadtverordnetensitzung von 15 Aufständischen Über­fällen und auf das schwerste mißhandelt wor­den. Infolge der erlittenen Verletzungen war er län­gere Zeit an das Krankenbett gefesselt und ist auch heute noch nicht voll arbeitsfähig. Rach fünfstündiger Verhandlung verurteilte das Gericht einen der Ange­klagten zu drei Monaten Gefängnis und zur Zahlung von 1000 Zloty Entschädigung an den Mißhandelten, bie Übrigen Angeklagten wurden mangels ausreichen­den Beweismateriats freigejprochen. Der Verteidiger des Verurteilten hat gegen das Urteil Berufung ein-

Der Text des Konkordats liegt, wie Kirchenrat Elsenberg am Donnerstag ht einer Pressebe- spiechung ausführte, schon den Kasseler Kirchenbehör- ben war. Er wird in dem Augenblick veröffentlicht wo er dem Staatsrat zugegangen ist. Der Staatsrat :st zum 10. Mai einberufen. Man wird also zu dresem Datum mit der Bekanntgabe zu rechnen haben.

®ef!e 2

schenarmuk der Campagna, bis unmittelbar vor die Tore der Hauptstadt, auf ben Besucher machte. Die .Campagna ist ein merkwürdiges GebUde. Manche Strecken in ihr sind versumpft; andere liegen höher unb sind mit einer fest zusammengebackenen, für den Regen nicht durchlässigen Bodenschicht bedeckt, dem Capilaecio, auf dem nur mageres, von der Sonne schnell verbranntes Weidegras wächst Mit starken Motorpflügen, sogenannten Untergrundpackern, kann er zertrümmert werden, und bann verwandelt er sich durch die Verwitterung in fruchtbare -Erde.. In der Maccarese aber liegt Sumpf. Wer von Rom komm:, gelangt, vielleicht noch 10 Kilometer von der heutigem Uferlinie des Tyrrhenischen Meeres entfernt, an ein alte§, erhöhtes Gestade, an dessen Fuß sich eine wette grüne Fläche, vollkommen eben, bis zum Meere ans breitet. Das ist die Maccarese. Man steht auf den ersten Blick, daß sie durch die Anschwemmungen der von dex Höhe herabkommenden Gewässer, meist bloßer Frühjahrs- und Herbst-Torrenten, entstanden ist. Dicht am Meere zieht sich eine Dünenkette hin, die nur an zwei Stellen durch kleine Flußmündungen unter­brochen ist und schönen Pinienwald trägt. Der Bo­den bis zu den Dünen ist so gut wie ohne Gefälle. Durch den Rückstau ber Gewässer wurde er zur Hoch .Wasserzeit regelmäßig überschwemmt. Gegen den . Sommer hin blieben Moräste und große Tümpel