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Hessische Abendzeitung

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Kasseler Neueste Mchrichten

Nummer 101«

^reiiag, 1. Mai 1931

21. Jahrgang

Die agrarpolitischen Beschlüsse des Kabinetts

(Ffa amtliches Kommunique / Keine Erhöhung der Butterzölle / Schweres Explosionsunglüü in einem brasilianischen Marinelaboratorium

Die Stabilisierung des Brotpreises

Einführung eines Kontingents von Weizen zu verbilligten Zöllen

tli. Berlin, 1. Mai.

Die Schwierigkeiten, die vorgestern derBe- schluhfassung über die Veränderung einiger Ägrarrölle noch int Wege standen, find bereits im Saufe des gestrigen Tages bereinigt worden, und infolgedessen war es schon gestern abend möglich, eine aüetliche Mitteilung über das Ergebnis der Kabinettsberatungen zn veröffentlichen.

Dieses amtliche Kommunique ist insofern bemer­kenswert, als es die Interessen der Land­wirtschaft bzw. des Ernährungsministers Schiele stark in den Vordergrund rückt und infolge« dessen die lebhaft umstrittenen Punkte, die in den Be­sprechungen des Kanzlers mit den Sozialdemokraten im Vordergründe standen, nämlich die Senkung der Weizenzölle und die Stabilisierung des Brot Preises, nur ganz zum Schluß und nur in sehr umschriebener Form erwähnt. Ueber diese Hauptpunkte der bisher geführten Verhandlungen und Kabinettsberatungen heißt es im Kommunique,

es werde alles gHchehen, um eine ungerechtfertigte Heraufsetzung des Brotpreises zu verhindern oder rückgängig zu machen; es sei eine Reihe von Maß­nahmen ei teilet, es ermöglichen würden, auf den Mehlpreis so einzuwirken, daß er eine sichere Grundlage für die entsprechende Berechnung des Brotpreises bieten würde. Auch sei vorgesehen, die Bestimmungen des Brotgesetzes aufzuhchen, durch welche die Bewegungsfreiheit des Müller- und Bäckereigewerbes zum Nachteil der Vrotpreisbil- dung eingeengt werde. Die Lage des Eetreide- markts gebe nunmehr die Möglichkeit hierzu.

Bei den Maßnahmen zur Stabilisierung des Brot- Preises ist zunächst an die Einführung eines Kontingents von Weizen zu verbilligten Zöllen und zwar zu einem Zoll von 16 statt 24 Mark gedacht. Dieser verbilligte Weizen soll den Müllern zugeführt werden, mit denen darüber verhandelt wird, daß sie dann das Weizenmehl billig an die Bak­ker abgeben. Für die Bäcker sollen alle bisher bei dem Brotgesetz einschränkenden Bestimmungen, mit Aus­nahme der Festsetzung des Brotgewichtes, in Fort­fall kommen, sodaß das Brot in freier Konkur­renz hergestellt werden kann. Man erwartet davon, chaß die Qualität nicht verschlechtert und der Preis nicht erhöht wird. Das Nachtbackverbot bleibt be­stehen, ebenso die innunasmätzigen Bindungen.

Die Frage der Stabilisierung des Brotes betrachtet man in der Regierung trotz der Fassung des Kommu- niquees, die zu anderen Deutungen Anlaß geben könnte, mit großem Ernst, da man sich vollkommen darüber klar ist, daß hier das Hauptgewicht der augen­blicklichen Aktion liegt, weil sonst große parlamenta­rische Schwierigkeiten entstehen könnten.

Die Zollerhöhrrngen

Bei den Zollerhöhungen, die das Kabinett fetzt beschlossen hat, handelt es sich im wesentlichen um folgende Zölle: Der Schweinezoll ist von 27 auf 60 M.

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erhöht worden, Hafer von 12 aus 16, Gerste von 15 auf 20, Bohnen von 4 auf 8, Linsen von 4 auf 6 bzw. 8, Futterbohnen, Lupinen von 2,50 auf 5 Mark, die Fleischzollerhöhung beläuft sich auf durchschnittlich 50 bis 60 Prozent.

Die neuen Zölle aus Bohnen, Linsen und Fleisch werden in acht Tagen in Kraft treten, die übrigen Zollerhöhungen treten unverzüglich bei der Verkün­dung ein.

Besonders wichtig ist, daß die Erhöhung der BUt­ter zölle diesmal vermieden werden konnte, und man glaubt in Regierungskreisen, daß man viel­leicht auch später um die Butterzollerhöhung voll­ständig herumkommen wird.

Zweifel bei der SPD.

Berlin, 1. Mai.

Der Vorstand der Reichstagsfraktion der SPD. nahm gestern den Bericht über die Unter­redung der Fraktionsvertreter mit dem Reichskanz­ler entgegen. Im Vorstand wurden starke Zwei­fel geäußert, ob die von der Regierung geplanten Maßnahmen zur Senkung der Brotpreise sich als wirksam erweisen würden. Gemäß der Ver­pflichtung aus dem Zollermächtigungsgesetz vom 28. März müßte verlangt werden, daß nicht nur weitere Brotpreissteigerungen verhindert, sondern auch die in den lebten Wochen eingetretenen Erhöhungen der Brotpreise rückgängig gemacht werden. Werde nicht in kurzer Frist eine solche Auswirkung der Regie- rungsmatznahmen auf den Brotpreis erzielt, fo werde die fozialdemokratifche Fraktion weitere Schritte unternehmen, um die Regierung zur Ausführung der gesetzlichen Verpflichtungen zu veranlassen. Der Vor­stand äußerte ferner starke Bedenken gegen einen Versuch, durch eine einseitige Finanzpolitik notwen­dige soziale Einrichtungen und Leistungen einzu­schränken. Eine endgültige Stellung zu dem Pro­gramm der Regierung könne erst erfolgen, wenn die Maßnahmen des Kabinetts deutlicher erkennbar seien. Dann erst könne man auch über die Notwendig­keit einer etwaigen Einberufung des Reichs­tages entscheiden.

Zwischentagung oder nicht?

Aeltestenrat. des Reichstages eiuberusen.

Berlin, 1. Mai.

Der Aeltestenrat des Reichstages ist, wie das Nach­richtenbüro des BDZ. erfährt, zum Mittwoch, den 6. Mai, eiuberusen worden, um zu der Frage einer Zwi- schentagung des Reichstages Stellung zu nehmen. Die Sitzung wird diesmal Vizepräsident von Kardors lei­ten, da sich Reichstagspräsident Loebe wegen feines Gallenleidens einer Kur unterziehen mutz.

Explosion im Marinelaboratorium

Das Laboratorium von Nittheroy (Brasilien) zerstört / 200 Opfer?

Neuyork, 1. Mai.

Wie Associated Preß aus Rio de Janeiro meldet, find bei einer Explosion im Marinelabora­torium von Nictheroy 200 Angestellte getütet oder verletzt worden. Tas Laboratorium sowie ein benachbartes Gebäude sind gänzlich zer­stört. Die Explosion fand vermutlich im Torpedo­laderaum statt. Von den 400Angestellten dürfte etwa die Hälfte der Katastrophe zum Opfer gefallen sein. Die Rettungsarbeiten sind im Gange.

Nicthcroy liegt an der Rio-Bay, direkt gegenüber von Rio Stadt. Das Hospital war schnell überfüllt, so daß eine große Anzahl von Verletzten in Barkassen nach Rio-Stadt gebracht werden mußten.

Schwerer Llnfall beim physil-tlnterricht

Artern (Kreis Sangershausen). 1. Mai.

Beim chemischen Unterricht in der hiesigen Volks­schule ereignete sich am Donnerstag vormittag ein folgenschwerer Unfall. Währeno eines Experiments erfolgte eine Explosion, bei der die Lehrerin und vier Schülerinnen verletzt wurden.

Ueber das Explosionsunglück in der Volksschule jn Artern wird von zuständiger Stelle folgende Mit­

teilung ausgegeben: Es wurde vor den Kindern Vor­trag über die Ausbreitung von Gasen gehalten, wo­bei der Spiritusapparat explodierte Zwei Kinder er­litten leichtere, zwei andere schwere Verletzungen. Es bandelte sich bei den Kindern um 13jährige Mädchen Eines der Mädchen wurde so schwer verletzt, baß es in die Klintk nach Halle überführt werden mußte, weil man befürchtete, daß es das Augenlicht verlieren würde. Ueber die Ursache der Explosion kann noch nichts gesagt werden.

Oie Bedingungen der Sowjets

für Zulassung ausländischer Handelsfirmen.

Moskau, 1. Mai.

Der Rat der Kommissare nahm eine Verfügung an, die die Zulassung ausländischer F i r - tnen für Handelsoperationen in der Sowjetunion betrifft. Danach werden ausländische Handels-, In­dustrie- und sonstige wirtschaftliche Organisationen sowie Einzelpersonen, denen im Auslande dergleichen Unternehmungen unterstehen, zur Eröffnung einer Vertretung im Gebiete der Sowjetunion nur auf Grund einer besonderen Entscheidung des Volkskommissariats für den Außenhandel zugelas- sen. Gestattet ohne Erteilung einer Genehmigung des Volkskommissariates sind die Führung von Ver­handlungen und Abschlüssen mit autonomen Organi­sationen des Sowjetstaates. Zur Ausführung von

Handelstätigkeit zugelassene ausländische Firmen und Privatpersonen unterliegen den Ge­setzen des Sowjetstaates und hasten für ihre Tätigkeit mit ihrem gesamten Vermögen,wo immer es sich befinde". Personen, die in staatlichn Unter» ttehmungen der Sowjetunion beschäftigt sind, dürfen nicht Vertretungen ausländischer Firmen Übernehmen. Privatpersonen dürfen Handelsoperationen mit aus­ländischen Firmen nur mit besonderer Genehmigung des Außenhandelskommissariats vornehmen.

Mehr Geld, weniger Fabriken!

Schwierigkeiten heim russischen Fünf-Jahres-Plan.

Moskau, 1. Mai.

Zweifellos hat der F ü n f j a h r e s p l a n der Sowjets große Erfolge gehabt; trotzdem werden aber die großen Schwierigkeiten, die feiner Durchführung entgcgenstehen, nicht übersehen werden dürfen.

Der G e l du m l a u f der Sowjetunion ist in dem einen Jahre 1930 von 2860,® Millionen Rubel auf 4355,2 Millionen Rubel jeweils am 1. Januar gestie­gen. Das bedeutet eine Zunahme um 1194,3 Millio­nen Rubel, oder mit anderen Worten: die in Ruß­land umlaufende Geldmenge ist im Verlauf eines einzigen Jahres um 45 Prozent gewachsen. Damit aber war das Anschwellen der Zahlungsmittel noch keineswegs beendet. Am 1. März belief sich der ge­samte Gelduntlanf bereits auf 4415,9 Millionen Ru­bel, d"s heißt, es war in zwei Monaten eine wei­tete Vermehrung um 60,7 Millionen Rubel eingetre­ten. Und am 1. April hatte sich die Geldmenge noch­mals um 86,1 Millionen Rubel gesteigert, so daß der gesamte Umlauf im ersten Vierteljahr des Jahres

1931 bereits wieder um 147 Millionen Rubel ge­wachsen ist.

Es wäre nun verfehlt, diesen gesamten Zuwachs an Zahlungsmitteln als Inflation zu bezeichnen. Denn da mit dem Fottschreiten des 5-Jahres-Planes zweifellos der Wirtschaftskörper der Sowjetunion wächst, muß auch die Gelddecke mitwachsen, und es ist folglich kein Wunder, daß die stürmische Erweiterung der Industrie im Jahre 1930 auch ein erhebliches Tempo in der Geldvermehrung gezeitigt hat. Indes­sen scheint es doch, daß ein Teil der Geldvermehrung mit richtigem Kassenschwierigkeiten des Apparates zu- sammenhängt. Diese Schwierigkeiten haben es auch, worauf bisher außerhalb Rußlands wenig geachtet wurde, bewirkt, daß die Investitionstätig­keit im ersten Vierteljahr 1931 verlangsamt worden ist. Offiziell wird nämlich bekanntgegeben, daß in diesem Zeitabschnitt nur 89 neue Betriebe mit einer Investition von 322 Millionen Rubel eröffnet worden sind, während nach dem Plan 1931'neue Be­triebe eröffnet und 547 Millionen Rubel neu inve­stiert werden sollten.

Der 5-Johres-Plan ist also in diesem ersten Vier­teljahr ein gut Stück gebremst worden. Selbstver­ständlich wird man versuchen, das Verlorene nachzu­holen. und erklärt demgemäß, der nicht erfüllte Rest des vorgeschriebenen Vierteljahresabschnittes fei auf die nächsten Quartale verschoben worden. Es scheint, daß manche der neuen Betriebe in der Freude übet den technischen Ausbau angefangen haben, scklecht zu wirtschaften und daß man jetzt versucht, mit den Mit­teln der kauftnännischen Kontrolle und des Akkord­lohns eine strengere Wirtschaftsdisziplin durchzufüh­ren, bevor man wieder daran geht, zahlenmäßig biene dende Aufbauerfolge herzustellen.

Das Laub wächst ins Meer hinaus

Berichte über eine italienische Reise II. / Bon Or. Paul Rohrbach

Unser autzenvolitifcher Mitarbeiter Dr. Pank Rohr­bach setzt im folgende« den Bericht über feine ita­lienisch« .Reise, bei der er vor alle« 6ie grobe« Me- Iioratio«sarbeite«, dieBo«isica Integrale", besich­tigte. fort. In einem SÄlutzartikel, den mit Montag veröffentlichen, wird er dann die technische Durch­führung der Arbeite« schildern.

Rom, Ende April.

Jn dem Heft, das die schon erwähnte Gesetzsamm­lung über dieBonifica" enthält, sind die Aus­gaben erster Kategorie durch ganz Italien hindurch, einschließlich der Inseln, bis ins Einzelne aufgezählt. Am ausgedehntesten sind sie in den Nie­derungsgebieten am Unterlauf des Po, der Etsch und der übrigen Alpenflüsse in Venetien und der Lom­bardei; ferner in den Maremmen und anderen Sumpfgebieten von Toskana, in der römischen Cam­pagna, in den Pontiuischen Sümpfen, in den Niede­rungen am unteren Notturno und Siris tn Campa- nien, in der Kalabrischen Küstenregion und an dem teilweis versumpften östlichen Gestade von Sizilien. Don Catania nach Syrakus durchschneidet die Bahn ausgedehnte Sumpfstrecken. Die rasch aufeinander­folgenden Durchlässe im Bahndamm zeigen, daß die Geiväffer ein Gefälle nach dem Meere zu haben, aber ein so geringes, daß der Mfluß ntdrt genügt. Die­selbe Bildung wiederholt sich an vielen Stellen der italienischen Küste, und sie hängt unmittelbar zusam­men mit der Waldlosigkeit der Gebirge. Bei den Regengüssen im Frühjahr und Herbst stürzt alles Wasser über die kahlem Flanken der Berge zu Tal, reißt dabei ungeheure Massen von Gesteinsschutt mit sich, lagert sie im oberen Teil der Täler als weiße Geröllwüsten ab und führt den feineren Grus und Schlamm bis ins Mündungsgebiet hinunter, wo die Stromgeschwmdigkeit aufhört.

SdufP wird zitiert

Auf diese Weife wachsen flache Landstrecken, in denen kaum noch ein Gefälle spürbar ist, weit ins Meer hinaus. Do war z. B. Ravenna am Adria­tischen Meer im Altertum eine römische Flotten­station; heute liegt es Mei Stunden von der See entfernt. Auf der anderen Seite der Halbinsel, am Tyrrhenischen Meer, waren das berühmte Kap der Circe und andere Vorgebirge ursprünglich Inseln. Sie sind durch Anscftwemungen landfest geworden, aber dasLand", das Mi um sie breitet, ist Sumpf. Auch die berüchtigten Pontiuischen Sümpfe, durch die das Ciree-Kaplandsestt geworden ist, sind auf diese Weise entstanden. Der Boden ist hier im Frühjahr überall voll Wasser, durchsetzt vo» Tüm­peln manchmal bilden sich auch große, durch Dünen­züge vom Meer getrennte Lagunen. Wirtschaftlich sind die Sümpfe fast wertlos. Der Italiener hat trotzdem versucht, schon feit Jahrhunderten, ihnen ein Ertrag abzugewinnen, und sie sind alle von Kanälen durch­zogen, die aber in ihrer bisherigen Form wenig

nützen. Die wirtschaftlichen Erträgnisse sind gering, und die Malaria, die hier ihre Brutstätte hat, ver­seucht ganze Propinzen.

Gleich die erste praktische Anschauung von der Bo- nisica gewann ich in den sogenannten Valli di C o m a ch i o, einem großen Salzwasser-Hass südlich von der Pomündung, zwischen Ferrara und Ravenna. Seine Nutzung beschränkte sich bis vor kurzem auf den 1 Fang der berühmten Aale, die so zahlreich sind, daß eine ganze Fischerbevölkerung davon lebt Jetzt ge­schieht hier ein Riesenwerk der Bonifica; doch davon später.

Mit dem langjährigen Leiter der Bonitierung tot Gebiet von Ferrara, Dr. Fano sprach ich zunächst von der Entwässerung in dem 50 000 Hektar großen älteren Kulturgebiet, das ihm untersteht: über die Aufhöhung der Flußbetten durch die starke Sediment­führung der Gewässer der Po fließt höher als die Umgegend, so daß Deiche ihn beiderseits begleiten müssen und danach über die Arbeiten der Bonifica in dem jetzt in Angriff genommenen Terrain, dem Hass von Comachio. Mitten im Gespräch griff Dr. Fano nach einer kleinen Schrift über die Bonifica, die er selbst versaßt hatte, schlug sie auf und wies mit dem Finger auf eine Reihe italienischer Verse. Als ich sie anfing zu lesen, erkannte ich die Worte aus dem Schluß des 2. Teiles von Goethes Faust:Ein Sumpf zieht am Gebirge hin, verpestet alles schon Errungene; den faulen Pfuhl auch abzuziehen, das letzte wär das höchst Errungene. Eröffn' ich Räume vielen Millionen, nicht sicher zwar, doch tätig-frei zu wohnen. Grün das.Gefilde, fruchtbar; Mensch und Herde sogleich behaglich auf der neusten Erde, gleich angesiedelt an des Hügels Kraft, den aufgewälzt kühn-emsige Völkerschaft. Im Innern hier ein para­diesisch Land, da rase draußen Flut bis auf zum Rand!"

Jn der römischen Campagna

Mit einem kundigen Führer, Ingenieur Luigi Gastinelli, fuhr ich irn Automobil vorbei an den alten Leoninischen Mauern von Rom, einem Anschauungs­unterricht über die Bonifica Integrale zu, wie er in­teressanter nicht gedacht werden kann. Tie Macca- refe ist ein versumpftes Stück des9tgro Romano", der römischen Campagna, etwa 4000 Hektar, 40 atm., groß. Von den 23000 qhn. Dumpflanv, die es in Italien gibt, ist es freilich nur ein kleines, aber ein typisches Stück.

Seit 150 Jahren, feit Goethe nach Italien fuhr, wiederholt sich in den Schilderungen der Reifenden der merkwürdige Eindruck, den die Oede und Men-

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