Mittwoch, 22. April 193t
Äeffeter Neueste TkacknLke«
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Das Jahr zu 13 Monaten
Sine aktuelle Frage: Kalenderreform
Es scheint, daß man nunmehr ernstlich daran denkt, die Kalenderreform, die schon seit mehreren Jahren in vielen Ländern immer wieder von Neuem erörtert wird, durchznführen. In mehreren europäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten von Amerika haben sich Studienausschüsse gebildet und sogar der VöÜcrbund hat es nicht ablehnen können, sich mit der Frage zu befassen. Daß der gegenwärtige fiaüenber — mit Ungleichheiten der Monatslänge von 28, 30 und 31 Tagen — besonders in den Kreisen der Wirtschaft nicht als ideal empfunden wird, wird immer wieder als Hauptargument angeführt. Ebenso wird die Verschiebung des Oster- termins — zwischen dem 22. März und 25. April — vom Verkehrs- und Hotelgewerbe, von der Textilindustrie, vom Textilhandel, der Konfektion usw. als sehr, störend empfunden, während andererseits von den Kirchen gefühlsmäßige Momente und traditions- mäßige Bindungen als Gegengründe angeführt werden. Welcher Ausfassung man sich auch anschließen mag, auf jeden Fall ist es nicht ohne Interesse, die Vorschläge zu hören, weil ja nur so die Möglichkeit eines Kompromisses gegeben ist.
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Der radikalste Vorschlag geht dahin, das Jahr In dreizehn Monate zu je 28 Tagen einzuteilen, also ein Gemeinjahr mit 364 Tagen zu schaffen und zwischen Juni und Ju3i einen Dag ohne Wochentagsnamen als .Mittjahrstag" einzuschieben, während in den Schaltjahren der Schalttag (ebenfalls ohne Wochentagsname) an das Ende des Jahres gestellt wird.' Ostern soll stets auf den 99. Tag des Jahres (also aus Sonntag, den 8. 9lpril) und Pfingsten alljährlich auf den 26. Mai fallen. Andere Vorschläge halten an der Eintefsung des Jahres in zwölf Monate fest, wünschen aber, daß jeder erste Monat des Quar-
taN 31 Tage, die beiden anderen Monate je 30 Tage erhalten sollen.
Das deutsche Studienkomitee für die Kalender- reform hat sich vor einiger Zeit durch eine Rundfrage an die verschiedensten Kresse der Bevölkerung gewandt, an die führenden Verbände des Handels und der Industrie, an Verkehrsorganisationen, an Beamtenbünde, sowie an die Organisationen der Angestellten und an die Gewerkschaften, um auf diese Weise die Stimmung für oder gegen eine Kalenderreform festzustellen. Wie kürzlich der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Studienkomitees, Direktor Dr. H. Platzer, mitgeteili hat, haben sich etwa neun Zehntel aller Stimmen für eine Kalenderreform ausgesprochen und zwar die Meisten (Zweidrittell) für das Jahr zu zwölf Monaten und etwa ein Drittel für das Jahr zu dreinzehn Monaten. Mitbestimmend für diese Einstellung zur Kalenderreform war die Ueberlegung, daß di« ungleichmMge Länge der Monate bei der Aufstellung von Statistiken und für die monatliche Berechnug von Löhnen, Versicherungsbeträgen, Pensionen, Renten, Mieten Nsw. zu Unge- nauigkeiteu führt. Man ist sich natürlich Darüber klar, daß eine Einteilung des Jahres in 13 Monate eine vollkommene Umstellung bedeutet. Man wird zwar dreizehnmal Gehallt empfangen, aber auch dreizehnmal SJltete zahlen müssen. Man wird anders disponieren, aber mit Monaten von bestimmter Länge rechnen.
Die Argumente der Kirchen wird man allerdings nicht übersehen dürfen. Es handelt sich dabei um Fragen, die auch das Gefühs berühren. Auf jeden Fall wird es notwendig sein, alle inbetracht kornmen- den Kreise zu hören, bevor man die Kalenderreform in Angriff nimmt. H. W.
„Das Loch in -er Lust"
Ein beispielloser wissenschaftlicher Bluff
Von Walter Finkler.
Ein Vorfall, der beispiellos in der Geschichte der Wissenschaft dasteht, hat soeben seinen Abschluß gefunden. Es ist. zwar schon öfter vorgekommen, daß im Laufe eines Gelehrtenstreites die Grenzen bet Sachlichkeit überschritten wurden. In bet Hitze des geistigen Gefechtes ging bereits manchem bas Temperament butch und bte Auseinandersetzung über ein hochwissenschaftliches, vielleicht ganz ausgefallenes Thema artete in persönliche Angriffe des Gegners aus. Der berühmte und berüchtigte trockene Ton wissenschaftlicher Abhandlungen, in denen selbst das Wörtchen „Ich" verpönt ist, mit seinen stilistischen Verrenkungen, seinen grammatikalischen Umständlichkeiten, seinen ermüdenden Randbemerkungen, Klammern und Fußnoten wird zuweilen belebt von sarkastischem Spott über den Gegner. Äuri und gut — ober nicht gut — Polemik ist nichts "Neues iij der Wissenschaft; sie gehört dazu, schärft die Kritik, wirkt bereinigend, ist der Zug des Fortschrittes neben dem Druck bet positiven Arbeit. These und Antithese, Spruch und Widerspruch, Wortgefechte mit ihrem Für und Wider, mit Repliken und Dupliken,. bleiben unvermeidlich im (Betriebe der Wissenschaft.
Doch eine ganz neue Form der wissenschaftlichen Polemik einzuführen, blieb tem Jahre 1931 vorbehalten. Da erschien vor wenigen Wochen in einem der angesehensten, als durchaus verläßlich und sachlich bekannten, deutschen Fachblatt eine kurze Abhandlung „Bemerkungen zur Quantentheorie der Nullpunkts- temneratur“. Gezeichnet von drei englischen Physikern, G. Beck, H. Betye, W Riezler, Cambridge. Gewohnter Gelehrtenstil, mit einer Fülle von Fachausbrücken und Formeln, trocken, sachlich und ernst anmutenb. Es hanbelt sich da um den Einfluß der Weltraumkälte des absoluten Nullpunktes der Temperatur, —273 Grab auf den Zustand der Atome in einem Kristall. Die moderne Lehre vom Aufbau der Atome, dem Atomkern (Proton), mit den darumkreisender. Elektronen wird auf den Kristall in Weltraumkälte angeroenbet, und Berechnungen beweisen, baß auch hier bie Quantentheorie zutrifft. Eine Bestätigung also der vom deutschen Physiker Plank aufgestellten Quanten»
tbeorie, die ja die Grundlage der neuen theoretischen Physik bildet und bie Erfassung her bis dahin geheimnisvollen Vorgänge im Inneren des Atomes erst ermöglichte.
Dies ist der Eindruck den die Abhandlung auf den arglosen Leser macht. Allerdings fallen da manche eigenartige Wendungen auf. Man wirb etwas stutzig wenn man darin liest, daß die Freiheitsgrade des Atoms einfrieren (!), was unwiderstehlich an die eingefrorenen Trompetentöne Münchhausens erinnert. Man wird mißtrauisch, wenn man da liest, daß der Atomkern gerade so viele Freiheitsgrade hat, rote die Elektronen, da (!) nach Dirac ein Proton als Loch im Elektronengas angesehen werden kann. Wie „ein Loch in der Luft" wäre demnach der Atomkern ein Loch im Gas der Elektronen . . .!
Es kommt noch verblüffender. Bekanntlich ist es noch nicht gelungen^ auf Erben die letzte Grenze der Kälte, minus 273 Grad, herzustellen, man kam in den Kältelaboratorien dem absoluten Nullpunkt zwar schon recht nahe, aber völlig erreicht hat man ihn nie und wird ihn voraussichtlich nie erreichen können. Die drei englischen Physiker aber geben bereits das Rezept bekannt, nach welchem die Weltraumkälte in einem Kristall erzeugt werden kann. Um zum absoluten Nullpunkt zu gelangen, müßte man einfach dem Atom einige Freiheitsgrade entziehen. Probatum est, zumal dies nichts anderes bedeutet, als sagte man: einen Körper kühlt man dadurch ab, indem man ihm Wärme entzieht. Den Schluß bet Mitteilung endlich bildet der Hinweis, daß bei der Berechnung der Nullpunkttemperatur nach der Quantentheorie Zahlen heraus» kommen, bte mit dem auf einem gänzlich unabhängigen Wege gewonnenen Werte innerhalb der Fehlergrenze völlig übereinstimmen.
Begreiflich, baß diese in einer führenden wissenschaftlichen Zeitschrift erschienene Mitteilung in Fachkreisen größtes Aufsehen erregte. Was soll Das sein? fragten sich die Wissenschaftler. Eine kühne Hypothese, eine neue Theorie^ die Andeutung umwälzender Experimente? Nein, sie mußten es bald erkennen: das Ganze war ein Scherz. Ein Witz freilich, der in der
Krisenzeiten für das den tscheBnch Aus dem Geschäftsbericht des Börsenblattes für den deutschen Buchhandel.
. Die Zahl bet Neuauflagen und Neuerscheinungen ,m Berichtsiahr 1930 betragt 26 961. Sie weist im Vergleich zum Jahre 1929 mit 27 002 Einheiten lediglich einen Rückgang um 41 auf. Anders sieht das Bild aus bet einem Vergleich mit dem Spitzenjahr der Nachkrtegszeit 1925, in welchem 31595 Einheiten ge- 3“$“ oder gar mit dem letzten Ftiedensjahr mit 35 078 Neuauflagen und Neuerscheinungen. Dabei, tst zu berücksichtigen, daß in Friebenszeiten nach anderen Grundsätzen gezählt wurde. Bringt man betbe Methoden auf einen Nenner, so weist 1913 eine ■Otffet von mindestens 40 000 auf. Daraus ergibt sich ahne weiteres, in wie starkem Maße die Produktion zurückgegangen ist.
, Tatsächlich ist aber der Rückgang noch weit großer als diese Zahlen erkennen lassen; denn auf allen Ver- lagggebieten — abgesehen von den Ercßauflagen einiget Volksausgaben der letzten Jahre — ist, bedingt durch die schlechte wirtschaftliche Lage uno den dadurch verursachten Absatzrückgang eine wesentliche Auf» lagenschtumpfung eingetreten. Für manche Verlags- Zweige kommen dazu noch besondere Ursachen, so für den wissenschaftlichen Verlag die Kürzung der Kul- turetats, für den Schulbuch- und Jugendschriftenverlag der Geburtenrückgang, für den Musikalienverlag die Wandlung in der Musikausübung durch die modernen technischen Erfindungen. Wenn trotz dieser Auflagen- vetkleinerung der Verlag über Liegenbleiben und dadurch verursachte Entwertung erheblicher Bestände klagt, so beweist das nur, wie schwierig die Aufgabe des Verlags ist, die Auflagenhöhe dem tatsächlichen Bedürfnis anzupassen. Daß eine Auflage in der vorgesehenen Zeit restlos abgesetzt wird, Dürfte zu den Ausnahmen gehören. Das gilt vor allen Dingen für das Gebiet der Belletristik.
Der belletristische Verlag klagt übet das Versagen des Sortiments beim Vertrieb alteret Literatur. Der Romanvettrieb sei zu einem Modegeschäft geworden, bei welchem immer nur bas Neueste gehe. Der Verlag werbe infolgedessen immer mehr Dazu gedrängt, seine Neuigkeiten in der Art reiner Markenartikel mit Entfaltung erheblicher und natürlich Unkosten verursachender Reklame anzubieten, nicht Absetzbares aber, um es vor völliger Entwertung zu bewahren, «ens zu verbilligten Preisen auf dazu geeignete abzustotzen. Das Sortiment wendet ein, es fei auf dem Gebiet der Romanliteratur Der Fülle des ihm namentlich auf das Weihnachtsgeschäft Gebotenen einfach nicht gewachsen; das Angebot überschreite seine Aufnahmefähigkeit und dazu komme häufig die Besorgnis, schon nach kurzer Zeit teuer eingetaufte Werke nicht loswerden zu können, weil sie inzwischen allenthalben oder in manchen bevorzugt belieferten Verkaufsstellen billiger zu haben seien.
Aus Zeitschriften
„Der Tanz" (Verla« A. Devrieut). Im Avrilheft schreibt Valeska Gert AufsKluhreiches über ihre Sünje. Margarete Wallmann untreifet die Tanz-Situation in Amerika, wo der deutsche Tan, augenblicklich positivste Anregung gibt. Sri6 Böhme schreibt über die deutschen Bolkstanzbestrebungen. Artikel über Gesellschaftstanz, Tanzbriese aus aller Welt, Turnierberjchte u. a. beschlieben das Heft, das H. MannS Gedächtnisrede auf Anna Pawlowa einleitet.
„Die Stimmbildung", die Zeitschrift des bekannten Wiener Stimmforlchers und Pädagogen Otto ssro, bringt in Heft 5/6 eine hochinteressante Diagnose Michele Fletas, der sich als Falsetttsr.Wettrubm ersang. Ein weiterer Beitrag untersucht die Beziehungen zwischen Körpergröße und Sttnrnroeranlagungt-' Pädagogische-- und Literaturberichte-, ferner ein Essay über neue akustische ttehrbehelse beschließen das Doovelheft.
. „Sport im Bild" lBerlag A. Scherl). In Heft 8 unternimmt Dinah Nelken den ebenso amüsanten wie lehrreichen Versuch, in Wort und Bild zu zeigen, wie zu jedem Kleid ein bestimmter Top von Krau vaht. Dorothea Hoser- Dernburg zeichnet moderne Dirigentenporträts, der Bildnismaler Schenker beginnt eine Serie von Damenporträts der «rotzen Gesellschaft. Erlesene Literatur und reizvolle Zeichnungen füllen das reiche Heft.
, „Die Form" widmet ihr Avril-Heft einem der brennendsten Probleme der Gegenwart: der „Lüftung" unserer Städte d. h. der Durchsetzung ihrer kompakten Steinkörver mit Freiflächen und Grünanlagen. Die Lebensbedingungen des modernen Menschen bringen es mit sich, daß diese Frage längst den Charakter des rein Dekorativen verloren bat. Beide Standpunkte, von denen aus das Problem beute aufzurollen ist, nämlich der des Garten-Architekten und der des Kommunal-Politikers und Soziologen, werden ausführlich abgehandelt. Den ersten vertritt der Garten-Architekt Alexander Böcking. den zweiten der Bolkswirt- fchaftler Dr. Alexander Schwab. Es folgen Erörterungen dabingehürender Einzelfragen, wie die Umänderung des Reichskanzlervlatzes in Berlin, die Anlage von Werk- und Anzuchtgärten der öffentlichen Parks, die Bepflanzung einer Autostraße. In der Abteilung „Unter der Luve" wird von der Monza-Ausstellung und der Ausstellung deutscher Holzwerkstätten gesprochen und das Thema „Reichsadler" zur Diskussion gestellt. Das Heft bringt ein überaus reiches Bllder-Material. lDas letzte Thema wurde von den Kasseler Gartenarchitekten Becker und Schimmelpfennig,. die in der „Form" ihre Pläne fkizzierrn. auch in den K. 91. N. be. handelt).
Art der Aufmachung und dem Ort der Publikation, gelinde gesagt, unangebracht schien. Wieder Bedenken: welchen Zweck sollte der Ulk haben, sollte der „Grubenhund" feinen feierlichen Einzug in die Fachpresse gehalten haben, wollten bie englischen Physiker bi« deutschen Kollegen zum besten haben, ihnen, rund herausgesagt, einen Bären aufgebunden haben? Sowas konnte man denn doch nicht glauben.
Nun geben die Verfasser der ominösen Mitteilung die Erklärung ab: Ja, es war ein Ulk, Die Zuschrift war nicht ernst gemeint. Es war eine Persiflage, die eine gewisse Klasse von theoretisch-physikalischen Arbeiten der letzten Zeit treffen sollte. Arbeiten, die lediglich spekulativen Eharatter und nur zufällige Zahlenübereinstimmungen zur Grundlage haben. Die Verfasser bedauerten schließlich, daß bte Formulierung, die sie diesem Gedanken gegeben haben, geeignet war, Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Punktum, Streusand.
Formell ist bie Sache damit wohl erledigt. Nun, solche Uebereinftimmung der auf verschiedenen Wegen gefundenen Zahlenwerte bildet nicht nur eine Stütze Der Quantentheorie, sondern liegt einer Reihe durchaus anerkannter physikalischer Lehren zugrunde. Diese wissenschaftliche Methode, durch die Persiflage ab absurdum zu führen, hieße die ganze moderne Physik Umwerfen. Dann würde das wissenschaftliche Weltbild wirklich zum bewitzelten Loch im Elektronengas..,,,
Anekdoten von berühmten Aerzten
T h i e r s ch.
Zu dem berühmten Chirurgen Professor Thiersch in Leipzig kommt ein Patient: „Mein Hausarzt hat bestimmt, daß ich mich einer Operation unterziehe. Da das Geld bei mir in diesem Falle keine Rolle spielt, möchte ich mich in Paris operieren lassen. Wollen Sie mir gefälligst sagen, welchen Chirurgen Sfe dort für den tüchtigsten halten?"
„Das dürfte Professor Doyen sein."
„Ist eine besondere Empfehlung nötig, um bei di« fer Berühmtheit sofort anzukommen?"
„Die brauchen Sie nicht. Sie gehen einfach zu ihm und sagen daß Six sich von ihm operieren lassen möchten. Darauf wird Doyen fragen: Wo sind Sie zu Hause? Sie antworten: in Leipzig. Daraus wird Doyen sagen: Sie Mordsrindvieh, warum haben Sie sich denn nicht bet Thiersch operieren lassen?"
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Chirurgenrache. 1
Eines Tages ließ der berühmte, sehr sarkastische Maler Whistler den nicht weniger bekannten Arzt Mackenzie dringend zu sich rufen. ,
Mackenzie beeilte sich, dem Wunsche nachzukommen. Er fand Whistler aber ohne Anzeichen eines Unwohlseins emsig malend in seinem Atelier und fragte erstaunt, was ihm denn fehle.
Ruhig antwortete der Maler: „Mir nichts, aber meine Bulldogge Lobby ist nicht gesund, die sollen Sie untersuchen."
Mackenzie war wütend, sagte aber nichts, sonder» nahm die Untersuchung vor.
Ein paar Tage später schickte er Whistler eine Einladung, da er einen lohnenden Auftrag für ihn habe. Als Whistler erschien, ging er mit ihm in den Garten und wies auf seinen Zaun mit den Worten: .Dey muß frisch gestrichen werden."
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Ein wahres Geschichtche«.
Der Wiener Dermatologe Professor Reumann war wegen seiner Aussprüche berühmt. Einmal kam zu ihm eine bildhübsche junge Frau, die auf dem Bem einen Abzeß hatte. Er ergriff ein Messer und erklärte, schneiden zu müssen.
„Um Gotteswillen", rief die Schöne aus, „wird man das sehen?"
„Das wird ganz von Ihnen abhängen", war die prompte Antwort. t m
(W. Hchn ht 6er Berlnwr Morgerwosi.)
Doppelsinnig.
„Ihr Gatte scheint ein Mann von seltenen Gaben zu fein." „Das ist er wahrhaftig. Mir hat er noch nichts gegeben, feit wir verheiratet sind."
Die Heutige Mniiner umfaBt 12 Seiten
Verantwortlich >2r Dee politischen Teil: Dr. Walte» Pe b nt: für das Feuilleton: German M. Son o u; für lokalen und Heimatteil: Dr. Han» Joachim G l a tz e t: für Sandel: Dr. Hans Langenberg: für Sportteil: Herbert Sveich: Pboto-Redakteur: Eduard Schulz» K e f f e I: für den Anzeigenteil: Konrad WachSmann. — Berliner Schriftleitung: Dr. Walter Tbum. Berlin SW. 68. — Druck und BeAaa: Kasieler Neueste Nachrichten ®. m. 6. H„ Kassel. Kölnische Strebe 10.
Ls riecht nach Veilchen...
Von
Hans Bethge
Milde Sonne des Frühjahrs erwärmt die Lust, Knospen keimen an allen Zweigen-, Die Atmosphäre ist silberig, zart, voll von Verheißung, die Erde ist wie entfesselt, man fühlt sich verwandt mit der entfesselten Erde!
Man wandert an Gärten entlang, die gelbgrünen Ruten der Weidenbäume, in Denen der Saft voll Ungebulb Drängt, schwingen sich sehnsüchtig über die Geländer, man blickt träumerisch in das quellende Strauchwerk und die Noch verödeten Beete der Gärten, auf einmal bleibt man stehen, die Augen suchen am Boden Hinterm Zaun, eine Welle von Dust weht uns entgegen, ein schnelles Gefühl seliger Ahnung übertomjut uns: es riecht nach Veilchen!
Das ist der wahre Beginn des Frühlings! Da stehen sie, unscheinoar, von reinstem Violett, geduckt in das.bescheidene.Grün ihrer einfachen Blätter, und Duften, duften. Duften, — es scheint, daß es ihr Bemühen ist. ihre ganze Seele verschwenderisch und triumphierend in Den beginnenden Frühling hlnaus- züduften.
Sie gehören zu den rührendsten Blüten. Sie kommen zu Den Menschen als erster, himmlischer Trost nach Den düsteren Monaten des Winters, sie Icmmen als beglückende Verheißung, sie sind ein Versprechen, das sicher gehalten wird; das Versprechen heißt Frühling. Sei getrost, Duften sie uns ju. das schlimmste ist vorbei, jetzt kommt Die Zett der Sonne, des Glücks, der jubelnden Vögel, der langen Tage — und vielleicht auch der Liebe.
Man windet sie zu kleinen Sträußen. Ein duftender Veilchenstrauß auf dem Schreibtisch gibt den Gedanken Flug, er beschwingt das Herz, und keine Liebesbriefe gelingen besser als jene, die vor einem Duftenden Veilchenstrauß geschrieben sind.
Am schönsten sind sie auf der Brust junger Mädchen. Schmückt euch mit Veilchensträußchen, ihr Blonden und Braunen, ihr ‘Jiebäugigen und Elfenbein- wangigen. ihr Unruhigen, Verwunderten, vom Frühling lieblich Berauschten, kein Schmuck paßt besser zu euch, hier ist das Sinnbild eures Erwachens, Die Blume eurer Sehnsucht, euer reizendstes Wappen- l^Wer Phantasie hat, erkennt ein Gesicht in der kleinen violetten Blüte, ein etwas erstauntes Gesicht mit hpchgebaulem Kopsschutz, voll Laune und Schelmerei. Wer leine Phantasie hat, steht nur das klare,
satte Violett der Blüte, die auf einer Halskrause rni- niaturhaster grüner Blättchen sitzt In das Innere des Vtölett hat die Natur einen komplementären Tupfen mit hohem Geschmack hineingezaubert: den unendlich zarten, orangefarbenen Blütenstaub.
Es gibt Fabriken — am berühmtesten sind heute die von Coly und Houbigant im südlichen Frankreich —, in Denen Millionen von Veilchen zusammengeschüttet, kunstvoll zerpreßt und zerrieben werden, und das Resultat dieser Bemühung sind ein Paar destillierte Tropfen sinnlos starken Dustes, die man Dann wieder in Alkohol verdünnt und die eins der
frischesten und begehrtesten Parfüms ergeben. Frauen tun ein wenig davon in ihr Haar ober an ihre Schläfen oder auf bie Seide an ihrer Schulter, auch atmen ihre Briese zuweilen einen halbversteckten Dust davon, — aber dieser köstliche, durch viele geheimnisvolle und in langer Mühe erprobte Mittel erschaffene Duft kann doch das zauberhafte Aroma der frischen Blüten nicht ersetzen, die uns die klügste und natürlichste Duft-Erzeugerin, nämlich die quellende Kraft des beginnenden Frühlings schenkt.
Ein Gruß der Liebe euch kleinen, zärtlichen Blüten mit dem Dufte der Sehnsucht!
Berliner Leffing-Abende
In Berlin batten zwei Lessing-Nnk^niernngen einen geradezu sensationellen Erfolg. In Evgängung unseres Berichts über Die „Minna von ® am beim". Aufführung mit Käthe Dorsch schreibt unser Berliner Thaatermitarbeiter:
Es trübt die Freude an dieser beglückenden Minna von Barnhelm-Aufführung nur wenig, daß sie ganz gewiß nicht aus Liebe zur Sache, sondern aus reiner Konjunkturerkenntnis stattgesunden hat. Dennoch ist sie unterschiedlich gegen die meisten Aufführungen nicht nur dieser Spielzeit, sondern auch der letzten Jahre: durch den reinen Klang, der vom Dichter herruhrte, der von den Darstellern kam und der sich in der begeisterten Aufnahme eines Publikums kundgab, das dem Theater mit Recht lange ferngeblieben war weil es, was es Dort sonst zu sehen gab, nicht reizvoll fand. Der große Lessing rettet wieder einmal das Theater.
Stand die Wiedererweckung der Minna von Barnhelm", die keinem Einsichtigen zweifelhaft war, im Zeichen der guten Darsteller, so die schon eher zu Zweifeln berechtigende Der
„Emilia Ealotti" im Schillertheater im Zeichen der Regie. Liner redlichen Regiearbeit Leopold Jeßners, die nach manchem Versager denen, die sich früher für diesen Mann eingesetzt hatten, Das Recht bestätigte, warum sie es getan. „Emilia Ealotti" läßt sich heute schwer vom Stofflichen her packen, schon gar nicht Durch ein revolutionäres Unterstreichen Des Schlusses. In Lessings Dämpfung, die das Temperament verhält, ist Anklage genug; auch nicht von der Psychologie her: daß Emina fürchtet, von ihren Sinnen eher als von der Gewalt verführt zu werden, war für das achtzehnte Jahrhundert eine weit vorauseilende, eines
Stendhal würdige Motivierung. Wir Heutigen find darüber hinaus, womit wir uns aber ja nichts über das achtzehnte Jahrhundert einbilden sollen.
Was an dem Stücke haltbar geblieben ist, und das ist bei dem abgeschwächten Interesse dem Stoff gegenüber umso bewundernswerter, ist die artistische Leistung, der Dramenbau. Hierfür sowohl wie für Lessings männlichen Ton war Jeßner der rechte Mann. Jeßner arbeitete die musikalische Figur, Den mathematischen „goldenen Schnitt" heraus, worunter man sich weder etwas opernhaftes, noch etwas kubistisches vorstellen darf. Was zwischen den Sätzen schwingt, gibt die Unterlage für die Schauspielkunst. An der Spitze Maria Koppenhofer, die als Orsina Lessings Sprache am besten heutigem Gehör annäherte, etn voll durchgeführter Frauencharakter und eine Figur des achtzehnten Jahrhunderts war. Die Emilia der Hildegard Büren ist durch einen einfachen, echten, menschlichen Ton ausgezeichnet, der Prinz von Hans Otto, der Appiani von Hans Rehmann durch Takt und Noblesse.
Das Gerede von dem geringen Interesse des Publikums an Klassiker-Aufftihrungen ist mit diesen beiden Abenden Lügen gestraft.
Lutz Weltmann.
Alfred Abel im Klemen Theaier
„Hut ab vor Onkel Eddie!"
Der Reiz dieses Gastspiels lag im Menschlichen: Alfred Abel, alternder Schauspieler, spielt den alternden Dichter, der ein spätes, flüchtiges Liebeserlebnis hat.
Abel, sympathische Mischung aus Bonvivant und Charakterdarsteller, ist zunächst die leibhaftige Resignation, garniert mit ländlicher Jdyllik. Auch Die Klagen seines Neffen — Abel ist der Onkel Eddie des Lustspieltitels — über das komplizierte und unsenti
mentale Wesen seiner Braut bringen den Dichter nicht aus seiner Ruhe. Erst Dolly selbst, bislang unbeschriebenes Blatt, Sportsgirl, durch Leni Spanholz zuweilen bestechend auf Elisabeth Bergner hinausgespielt, entflammt in Onkel Eddie Kräfte, die den Schauspieler Abel sichtbar verwandeln und auch seiner Partnerin bezwingend aparten Reiz entlocken, der bisher hinter fast dilettantischer Unsicherheit verborgen lag.
Diese Szenen, in denen ein reifer Mann aus einem spröden Backfisch eine Frau macht, wird man um ihrer menschlichen Ueberzeugungskraft, um ihrer von keiner Bühnenroutine geminderten Unmittelbarkeit, noch im Gedächtnis behalten, nachdem man alles übrige von diesem leicht, aber nicht anspruchslos gefertigten Lustspiel von Rudolf Kurtz längst vergessen hat; alles, selbst die sympathische Zungenfertigkeit Maria Karstens ober das infam-lustige Grinsen Des sonst ein wenig blassen Bogislaw v. Smelding, oder den verkorksten Schluß, der durch den zu früh fallenden Vorhang um seinen wehmütigen Happy-end-Charakter kam. G. M. V. ,
Schallplatte«
Homoeord Neuerscheinungen. Zwei bemerkenswert« Orchesterplatten: Eine Suite über russische Volkslieder von H. Eisler, instrumentiert im Dreigroschenopernstil Weills, ungewöhnlich schön und ausdrucksvoll die solistische Verwendung der Bläser, sozusagen das künstlerisch veredelte Potpourri. Die andere Platte: Ponchiellis berühmter Tanz der Stunden aus „3a Gioeonda", veichbewegtes Ballettstück mit furiosem Finale, eine neue Standardaufnahme des Mailänder Sinfonie-Orchesters, das unter Gino Neris Stab ein wahres Fest klassischer Melodik feiert. Michail Gitowsky, Der auch in Kassel bekannte Bassi" überrascht mit zwei russischen Liedern, Die für Chor und Solostimme arrangiert sind, der schwermütigen Ballade von den 12 Räubern und Dem prachtvollen Trinklied Der schwarzen Husaren; Wirkung des Don-Kosaken-Chors wird dadurch noch üb;rfteigert„ daß die Solopartie ein echt männlicher, ausdrucksvoll-gewaltiger Baß singt. Weitere beachtliche Homocord-Neuerscheinmtaen: Das Doppelguarbett des Berliner Lehrergesangvereins mit Liedern von Bruckner und Opladen; Luigi Ber- nauer mit neuen Schlagern von Stolz. Madv Christians. Die wir kürzlich in Benatzkys „Cocktail" auf Der Bühne sahen, mit Dem Cocktail-Lied und dem Song „Also das ist Die Liebe".