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5tr. 55 / Gnondzvanzigster Zahrgaas

Kasseler Neueste Nachrichten

Montag, 13. April 1931 /1. Beilage

Neues aus Kassel

Kassel, 13. April.

Wochenend-Nachklang

Das war ein Sonntag, sonnig und schön, wie wir ihn eigentlich von diesem Frühling, der so un- Ncher und scheu in das Land gekommen ist, noch nicht erwartet harten. Unsere Nasen und Rücken sind wirklich einmal warm geworden und so mancher Kasselaner, der gestern ausgeflogen war, und hin­auf zur Wilhelmshöhe .tippelte", hat tatsächlich sei­nen Wintermantel auf den Arm nehmen müssen, wenn er mit allen .trockenen Fäden" wieder nach Hause kommen wollte.

Tas goldene Sonnenlicht hat uns endlich einmal seine Strahlen bündelweise in die Arme geworfen und darüber herrschte bei Unzähligen eine großar­tige Stimmung. Das war ein Plaudern und Lachen zwischen den Gruppen, die sich hinauf zum .großen Christoph" bewerten. Die Gesichter glänzten wie Goldwasser und die Beine, ja die Beine, die waren bei den Wien viel flinker und tragfähiger und das Schreiten der Jungen, das war schon mehr wie Tanzschritte, das war ein wunderbares Hüpfen. Ich versiehe da unter den Jungen nicht etwa die Kon­firn,anden, nein, alle Menschen unter Fünfzig. Ja­wohl, unter Fünfzig! Unter Umständen auch noch ei'.<e Kleinigkeit darüber hinaus, soweit diese Kasse- laner innerlich jung geblieben sind und sich eine frohe Seele behalten haben. Das fällt vielleicht heute sehr vielen Menschen auch in Kassel sehr schwer, ich weiß . . . aber mit einem großen Glau­ben und einem starken Willen lassen sich diese Schwierigkeiten wegräumen. Diese Schwierigkeiten liegen doch vielfach in uns selbst, in unserer Seele.

Ast es denn nicht so, daß viele Menschen ihren Glauben und Willen in fr' baden überwuchern las­sen von einem häßlichen Pessimismus!« Aber ich bitte diese Menschen, endlich aufwärts zu schauen! Cs ist Frühling draußen und wenn der Lenz unsere schöne Hessenheimat in seine Arme nimmt, darf es keine Pessimisten mehr geben. .Pessimist", so sagte gestern ein echter Kasselaner, .das wäre der schlech­teste Mist für Gottes Erdboden. Tas sollte wohl ein Witz sein, aber es liegt tatsächlich ein Körnchen Wahrheit in diesen Worten.

Aber ich habe gestern Menschen gesehen, die als Pessimisten verschrien waren. Die kannte man nicht wieder, so haben sie .gestrahlt". Sie pendelten ge­mütlich die Allee hinauf. Mantel auf dem Arm. Hut im Nacken. Kops hoch und den Blick auswärts gerichtet in die Sonne.

Und die Straßenbahn schnurrte vorbei. Ach habe ihr Geräusch nicht -vernommen. Sie schien wie an Leitungsdrähten hängend, pampelnd, dahin zu gleiten. Vielleicht war der wunderbare Frühliugs- sonntag mit seinem Singen und Klingen die Ursache, daß ich das Knarren ihrer Räder nicht vernahm und da ich leicht von mir auf Andere schließe, so glaube ich, daß die meisten Kasselaner auch nichts von ihr vernommen haben.

Und im Parke schlugen die Finken und Drosseln so wunderbar und die Amseln lockten sich zur Lie­besfeier. Es schien, als ob der Rasen unter dem Pinsel eines großen, unsichtbaren Malers stündlich grüner geworden wäre und die Gänseblumen und Veilchen reckten ihre Köpfchen neugierig daraus her­vor, wie Kinder, die aus der Wolle fried)en.

Tie alten Eichen aber standen um diesen Gras­teppich herum wie Gneise, die Sonnenbäder nehmen. Ähre knorrigen Aeste reckten sie wie in Sehnsucht hinauf in das Licht.

Mitten aus dieser Frühlingsfeier reckte sich das alte Schloß in die blaue Luft und mit seinen vielen Fenstern, in denen sich die Sonnenstrahlen wieder­spiegelten, stand es da wie eine behäbige Wirtin, die freudig blinzelnd dem Tanze zuschaut. Und es ist ein Tanz in triefen Tagen um das alte Schloß Wil-

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Ferd. Kttnge-Aordstaöt

phot.: E. Oemler, Kassel-B.

gewann gestern den Wanderpreis der Kasseler Neuesten Nachrichten beim Eröffnungsfahren

des Gaues Kassel (8. D. R.)

(Siehe am» be« Bericht i» der heutig«, Svort-Zeitmia.s

Don Berliner Taschendieben ausgeraubt

fct Um den Kaufpreis

Der Chefarzt des .Jloten Kreuzes" in Kassel, Proff. Dr. Bertelsmann, hat in Berlin, wo er sich zur Teilnahme am deutschen Chirurgen-Kongreß auif- hielt, einen recht empfindlichen Verlust erlitten. Er wurde im Birchow-Langendeck-Krwnkenhcms, wo der Aerzie-Kongreß abgehalten wird, von Taschendieben bestohlen. Als nach der Sonnabend-Dortrags-Sitzung Prof. Dr. Bertelsmann in der Wandelhalle einen ^>m- biß einnahm, erhielt er von hinten einen leichten Stoß. Zuerst achtete der Kasseler Arzt nicht darauf, plötzlich wurde er jedoch bedenklich. Aber es war schon zu spät: aus seiner rückwärtigen Tasche hatten ihm Diebe geschickt die Brieftasche entwendet, in der sich neben zahlreichen Ausweispapieren 4000 Mark befan­den, die Prof. Dr. Bertelsmann für einen Kauf eines Autos verwenden wollte. Die Diebe hatten das Haus verlassen. Bei der großen Zahl von Kongreßtellne^ mein hatte natürlich niemand besonderes Augenmerk auf die ein- und ausgehenden Personen gelegt.

Die Kriminalpolizei nimmt den ganzen Umständen nach an, daß es sich um eine Bande internationaler und berüchtigter Taschendiebe handelt, die sich ausge­rechnet den Aerzte-Kongreß als .Tätigkeitsfeld" aus- erfehen hatten.

*

Der Schaukästen Knacker. Ein 18 Jahre alter arbeitsloser Bursche aus der Ziegelstratze konnte fest-

etnes Autos bestohlen.

genommen werden, der tn der borangegangenen Nacht in der Wilhelrnshöher Allee drei Schaukästen erbrochen und daraus Weckeruhren. Geflügelscheeren, und Ther­mosflaschen entwendet hatte. Obwohl der Täter schon einige Stunden nach der Tat ermittelt werden konnte, leugnete er zunächst hartnäckig, bis er schließlich ange­sichts des bei der Durchsuchung vorgefundenen Diebes­gutes, das er im Keller unter den Kartoffeln versteckt hatte, die Einbrüche eingestand. Auf seinen Antrag wurde er dem Schnellrichter zugeführt.

Wem gehören die Sachen? Am Donnerstag wurde in der Aue ein Bündel mit Frauenwäschestücken ge­funden. Es handelt sich um alte, gebrauchte Sachen im Werte von etwa 5. RM. In einem Beinkleid ist das Zeichen E. Jüngling rot eingenäht. Die Sachen sind auf Zimmer 71 der Kriminalpolizei sichergestellt und können in der Zeit von 820 Uhr besichtigt werden.

Geflügelliebhaber. Aus einem Hühnerstall auf dem Grundstück Königinhotstratze 80 wurden in der.Nacht zum 12. fünf Hühner und aus einem Taubencschlag 67 Brieftauben entwendet. Ter Täter, der nicht be­kannt ist, batte sich durch einjfenftei gewaltsam Ein-

I gang verschafft. D

Beinahe wie in Chicago...

Maskierte Bank-Räuber in Kassel

Revolver versagten, sie mußten ohne Beute flüchten

Heute vormittag kurz vor 9 Uhr, als sich der Him­mel etwas verfinstert hatte, fuhr vor der Deutschen Bank, Filiale Wilhelmshöhe, ein dunkelroter Opel­wagen mit grauem Verdeck, aus Richtung Wilhelms­höhe kommend, vor. Zwei dem Wagen entsteigende männliche Personen, die kaum bemerkt wurden, be­gaben sich in die Bank, wo sie

mit schwarze» Masken vor dem Gesicht und mit geladenem Revolver

in jeder Hand die überraschten Angestellten aufsor- derten, das Geld herauszugebe» und die Hände hoch­zunehmen.

Der Kassierer, als er die Situation überschaute, sprang sofort von seinem Platze hoch, ergriff seinen Stuhl und schlug damit auf einen der Räuber ein, wo­durch dieser zunächst nicht zum Schießen kam. Der andere Bandit, als er sah, daß Widerstand geleistet wurde, floh sofort in das Freie. Der andere Ein­brecher wurde, als er ebenfalls die Flucht ergriff, von dem Kassierer »erfolgt, welcher ihn auch vor dem Hause am Rockzipfel fassen konnte. Run entspann sich zwischen den beide« ein hartes Ringen, wobei sie auf das vor dem Hause befindliche Rasenbeet fielen und der Räuber unterlegen schien.

Plötzlich schreit eine dazugetretene maskierte Dame mit Nackenlocken:Schieß doch, schieß doch!'', worauf der andere Bandit einen Schuß auf den Kassierer ab­gab, der die Hose desselben streifte. Ein zufällig die Straße passierender Schupobeamter in Zivil will zu Hilfe eilen, muß jedoch, da er ohne Waffe ist und zwei Revolverläufe auf sich gerichtet sieht, still bleiben.

Als einem der Räuber auch noch die Maske vom Gesicht fällt, springen sie in das Auto und fahren durch die Bremelbachstraße zur Stadt hin.

Der Tankwart der nahegelegenen Tankstelle, der mit einer Axt zur Hilfe eilen wollte, zog es schließlich »or, das Ueberfallkommando anzurufen, welches kurz

vor 10 Uhr zur Stelle wer und sofort die Verfolgung aufnahm.

Interessant ist, daß die Nummer des Autos von einem Zuschauer festgestellt werden konnte, und zwar handelt es sich um die Nummer 1 T 23 471. Eben­falls verlor ein Räuber bei dem Ringen mit dem Kassierer seinen rotbraune« Filzh«t, welcher de« Na­me« einer Kasseler Firma trägt, so daß angenommen werden kau«, daß einer der Banditen in letzter Zeit sich hier oder in dir Nähe Kassels aufgehalten hat.

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Der Polizeibericht meldet «och:

Zwei junge Burschen, die schwarze Masken vor dem Gesicht trugen, traten in den Vorraum der Bank und hielten dem Beamten sofort eine Pistole vor mit dem Rufe:Hände hoch!" Der Beamte sprang gei­stesgegenwärtig auf, ergriff einen Stuhl und schlug damit dem die Pistole haltenden Räuber auf den Kopf . . . wobei dessen Hut herunter fiel. Dann sprang der Beamte über den Schalter hinweg aus die Räuber zu. Einer der Burschen feuerte sofort auf den Beamten, ohne chn aber zu treffen.

Die Kugel drang dem Beamten in der Höhe der Hüfte durch Rock und Hose. Als der Räuber weiter schießen wollte, batte er eine Ladehemmung und bpide Burschen flohen darauf auf die Straße. Hier bestiegen sie einen roten Opelwagen und fuhren in rasendem Tempo davon. Der am Bahnhof Wilhelms­höhe postierte Schutzpolizeibeamte hatte den Schuß gehört und war sofort zur Bank geeilt. Er konnte je­doch die Flucht der beiden Täter nicht mehr verhin­dern, da sie bei feiner Ankunft bereits davongesahren waren. Der Beamte konnte nur noch die Nummer des Wagens IT 23 471 feststellen, die auch von dem Bankbeamten bereits erkannt worden war. Das so­fort alarmierte Ueberfallkommando konnte den Wa­gen nicht mehr einholen, da er in der Langenstraße verfchwand. Der am Tatort zurückgebliebene Hut des einen Verbrechers ist ein graubrauner Pelourhut, der in Kassel gekauft war.

Mit blauem Auge davougekommeu

Ein aufregender Vorfall ereignete sich gestern auf der Grauen Katze. Dort kippte durch die schon so oft gerügte Unsitte des Schaukelns ein mit fünf jungen Leuten besetztes Ruderboot um. Ein junger Mann fuhr von der Anlagestelle sofort an die Unglücksstätte, kippte aber, da sich die fünf Verunglückten sofort alle an die eine Seite bängten, ebenfalls um. Zu Aller Glück eilten andere Boote hinzu und retteten sämtliche zum Teil des Schwimmens unkundige Personen. Tie Kleidung war natürlich verdorben.

Glück im Unglück hatte am Graben ein kleiner Junge, der einem Motorradfahrer in die Maschine lief. Er kam mit Fleifchwunden am linken Arm, die aber den Transport zum Arzt durch die Sanitätswache Fuldabrücke bedingten, davon.

Der tägliche Stratzenunfall. Am Sonnabend abend befuhr ein Lehrling mit feinem Fahrrad die Hohenzol- lernstraße. Beim Einbiegen in die Rebelthaustratze wurde er von einem Auto angefahren, sodaß er zu Fall kam und Verletzungen am rechten Knie und im Gesicht davontrug. Er wurde nach der Hauptfeuerwache und von da nach dem Landkrankenhaus gebracht.

Vom Hund gebissen. Vor der Schlagd wurde ein älterer Kiesschiffer von demselben Hund, der, wie wir seinerzeit berichteten, einen jungen Mann beim Vieh- füttern durch Bisse schwer verletzte, angefallen und mußte durch die Sanitätswache Fuldabrücke in die so­fortige Serumbehandlung eines Arztes gebracht werden.

Beimwilden" Fußballspiel hatte ein 12jähriger Schüler aus dem Kapellenweg das Unglück hinzustür- zen und sich einen Beckenbruch zuzuziehen, sodaß er durch die Sanitätshauptwache in das Rote Kreuz- Krankenhaus transportiert werden mußte.

Abänderung des Mieterschutzes bei Neubauten. Vom Stadt. Presseamt wird mitgeteilt: Auf Grund der Verordnung des Preußischen Volkswohlfahrts- minffters vom 27. Februar 1931 besteht für Neu­bauwohnungen, für die Zuschüsse darunter sind auch Hauszinssteuerhypotheken zu verstehen aus öffentlichen Mitteln gegeben und wieder zurück­gezahlt worden sind, [eit dein 1. d. M. kein Mie­te r j ch u tz mehr.

Kleines Theater.

Da Sie lebte« Ausführungen von ShawsDer Arzt an» Scheideweg" vor ousverkaufiem Hause stattsanden, sind, bei gewöhnlichen Preisen, für Dienstag, den 14. und Mittwoch, den 15. zwei weitere Aufführungen angefebt. Zn Vorbe­reitung befindet sich das beste deutsche Lustspiel dieser Spiel­zeitMarguerit durch Drei" von Fritz Schwiefert. Insze­nierung: Dr. von Wild.

Schulpersonalnachrichten. <Aus dem Schulblatt.) Er, nannt: -um Rektor: Lehrer Pape in Hanau: zum Rektor in Marburg a. d. Lahn: Rektor Franke aus BiSmark, KreiS Stendal; zu Konrektoren: die Lehrer: Krüger in Kassel und Beith in Schmalkalden: zur Konrektorin: Mittelschullehrerin Jfenthal in Kass«; zum Hauptlehrer in Schweinsbcrg, Kreis Kirchhain: Lehrer Herrmann aus Sterzhausen. Endgül­tig angestellt: di« Lehrer: Kehl in Viesebeck, Kreis Wolfhagon, Brandenburg in Rockensütz, KreiS Rotenburg; die Lehrerin: Mollcnhauer in Wolssauger. Einstweilig a n g e st e l l t : die Schulamtsbewerbei: Heukeroth in Spiel­berg, Kreis Gelnhausen, Gerlach in Tdcobaldsbof, «reis Gersfeld, Äesielschläger in Amöneburg, Boll in Friedrichs­dorf. Kreis Hofgeismar, Wittik in Mittelslille, KreiS Herr­schaft Schmalkalden, Requardt in Waltringbauscn, KreiS Graftschaft Schaumburg. Versetzt: die Lehrer: Thieme von Mellnau, Landkreis Marburg, nach Apelern, Kreis Graf­schaft Schaumburg, Hartmann von Niederurff, Kreis Fritzlar, nach Kaffel, Siebert von Bergshausen. Landkreis Kassel, nach DenS. Kreis Rotenburg, Lückert von Halsdorf, KreiS Kircü- hain, nach Bad Sooden-Allendorf, Walther von Metze, KreiS Fritzlar, nach Kassel, Reul von Hohenzell, Kreis Schlüchtern, nach Oberdorfelden, Landkreis Hanau, Walther von Wolfer­born. KreiS Gelnhausen, nach Tann, Kreis Hersscld. Haas von Holzbauten, Kreis Homberg, nach Homberg, Koch von Dilscbbausen, Landkreis Marburg, nach Lendorf, Kreis Hom­berg, Wagner von Gelnhausen nach Münchbausen, Landkreis Marburg, Fenner von Mengsberg, Kreis Ziegenhain, nach Rollshausen, Landkreis Marburg, Witzlcben von Oberorke nach jdinblotheim. Kreis Frankenberg, Geitz von Mellnau nach Wenkbach, Landkreis Marburg, Habermann von Mar­joß, Kreis Schlüchtern, nach Neuenhatzlau, Kreis Gelnbausen, Eberhard von Michelbach. Landkreis Marburg nach Rehren A. R., Kreis Graftichast Schaumburg; die Lehrerinnen: gcftl mann voll Oebisfelde, Kreis Gardelegen, nach Schmalkalden, Scholl von Norden, Regierungsbezirk Aurich, nach Schmal, kalven.

Dem Gedenken einer deutschen Krau

Gedächtnisfeier für die letzte deutsche Kaiserin

belmsböhe und im Wald uni» draußen auf weiter Mur im Hessenland. Der Frühling ,'pielt zu einem wunderbaren Reigen auf und Wind und Wolken, Sonne und Vögel, führen diesen Tanz auf um Baum und Busch. Es wird schöner in Kas­sel i Also hohe Zeit, daß wir Optimisten werden.

Scho.

Noch einmal ReichsbahischlSchterei. Die Hand­werkskammer Kassel schreibt uns: ,Zn Ihrer Zeitung vom Freitag, 10. d. M., veröffentlichen Sie die Ant­wort des preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe, die er auf ein Schreiben des Landtagsabge­ordneten Kniest gegeben hat. Diese Jßergffent» lichung erweckt den Anschein, als seien die in dem Antwortschreiben behaupteten Feststellungen über Preisunterschiede vom Minister gemacht worden. Diese Auffassung der Hauptverwaltung der Reichsbahn ist aber falsch, wie in den bisherigen Verhandlungen und besonders wie vvm Statistischen Amt festgestellt ist. Es kann nur angenommen werden, daß diese Angaben auf falschen Informationen der Reichsbahnverwal­tung beruhen. Im übrigen bemerken wir noch, daß diese Antwort des Ministers schon vor längerer Zeit eingegangen und schon durch entsprechendes Mate­rial widerlegt worden fft

Pcrsonalveriin de rangen in der Justizverwaltung. Er­nannt: Justizwachtmeister Diebener in Rauschenberg zum Juftizoberwachtmeister. Versetzt: Justizsekretür Diercke von dem Amtsgericht in Hanau an die Amrsanwalt- stbaft daselbst. In den Ruhestand versetzt: Stras- anstaltsoberwachtmcistcr Wiese in Ziegenhain, Justizober. Wachtmeister Wittenberg in Hofgeismar.

Zu einer schlichten Gedächtnisfeier für Kaiserin Auguste Viktoria hatte der deutschnationale Kreis­verein geladen. Es waren so viele Gäste erschienen, daß die großen Säle des ^Nordischen Hof" bei weitem nicht ausreichten ein schöner Beweis für die Hes­sentreue ! Auf einem weiß verhangenen Tisch zwi­schen Grün und Blumen das Bild der Kaiserin da­vor die vielen, die die Tote gekannt, oft gesehen, ge­liebt und verehrt habe«!

Mit dem Largo vo« Händel leitete Frau Man­gelsdorf die Feier ein, Frau Israel lang er­greifend die Litanei von Schubert und ein Gebet von Hiller und bann hielt Pfr. Zeidler die Festrede.

.Deutschland, Deutschland, nicht verzage«

Deutschland wird nicht untergehen

Deutschland, Deutschland, «ächt verzage«, Neues Glück wird auferstehe«!"

Diese Worte von Fr. Lienhart bringen keinen Miß­klang in die Feier am Gedenktag für eine liebe Tote, beim ihr Leben hieß .Deutschland!" Wir wandern zu einer Mutter, wie sie selten auf Fürftenthronen ge­sessen hat. So ganz sthlicht! Die Tochter eines ent­

thronten Fürste« zu fein, bedeutet kein Glück den Vater, trauernd, daß er seinem Volk nicht mehr die­nen konnte, nun nut still der Familie lebend vor Augen, an ihm reifte sie heran zur Herrscherin, die aber zugleich Mutter war! Große Menschen sind still, so ist auch sie stets eine stille Frau geblieben, sowohl in Pracht und Größe, als nachher im tiefsten Leid.

3« den Jahren, in denen ihr Volk wuchs, ist sie mit­gewachsen, und als Rot und Weh über ihr Volk kam, da brach sie nicht zusammen sie hat mit ihren Hän­den. die an Krankenbetten so lind sein konnten, mit beiden Händen zugepackl und die Dornenkrone fest auf ihr Haupt gedrückt. Sie nalym das Schwerste auf sich, was es gibt, sie ging auch aus der Heimat, um treu zu sein bis zum Tod! Als dann die heimkehrende tote Kaiserin in den antiken Tempel in Potsdam ge­leitet wurde, da trauerten wohl alle Menschen.

Die Trauergemeinde sangJesu geh voran" und hörte den Lieblingspsalm der Kaiserin .Der Herr ist mein Hirte". Dann klang die erhebende Feier aus in dem Liedheiliges Leid", vertont von der Kasseler Komponistin Luise Greger, die dieses Lied und andere mm am Todestag der Kaiserin in Doorn oortrug.

M.M.