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5tr 84 / Eknundzwanzigster Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

Soanabend/Sonniag, 44^42. April 4984 z 2. Beilage

Oie Zuckertüte

Von C. Liese.

Fritz, Hannes, der Wilhelm, die Lisbeth und die Katherin, sie sollten Ostern zur Schule kommen. Schon manchmal hatten sie zu Hause den Schulranzen ihrer Geschwister auf dem Rücken ausprobiert und in Ge­danken jeden Tag waren sie im Anmarsch zur Schule. Es war merkwürdig, daß sie sich so freuten, trotzdem

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ihnen Vater und Mutter bei dem kleinsten Vergehen mit demSchulmester" wie mit einem Henkersknechte gedroht hatten.Warte nur, wenn du zur Schule kommst, dann soll dir schon der Schulmester mit dem dicksten Knüppel, den er hat, schon den Rücken dreschen!" das war ihr Wort gewesen.

Und nun kam der Tag des Gerichts so nahe, daß nur noch eine Nacht dazwischen lag und die Kinder nur wenig Schlaf sanden. O, der Weg zur Schule! Wenn er doch erst vorüber wäre! Die Mütter, welche die Kinder zur Schule führten, suchten den Kindern Mut einzuflößen und malten ihnen allerlei Bilder vor, wie schön es in der Schule sei und sagten auch, daß sie von dem Schulmester etwas Schönes bekom­men würden und wenn^er sie frage, sollten sie nicht

mit dem Kopfe nicken, sondern immer schön ant­worten.

Die Mütter aber waren am Tage zuvor in der Stadt gewesen und hatten den Kindern bunte Tüten mit allerlei schönen Sachen gekauft, je nachdem ihr Geldbeutel es vertrug, und dann waren sie am Abend zur Schule geschlichen und hatten die Sachen dem Lehrer ausgehändigt, der sich aus jede Tüte den Na­men des Beschenkten fein säuberlich ausgeschrieben. So betraten sie nun den Schulsaal, diese Neulinge. Wie junge Tiere, die in einen fremden Stall kommen, so schauten sie sich nach jeder Ecke um. Vor allem wollten sie gern den dicken Knüppel entdecken, den sie gar nicht finden konnten. Und dann der Schulmester! Welche Enttäuschung! Das war doch nicht der Kin­derschinder, wie ihn die Eltern immer hingestellt hatten! Der war ja so liebevoll, wie kein anderer sremder Mensch! Der unterhält sich so schön mit ihnen und fragt nach ihren Kühen, nach ihrem Griffelkasten, nach ihrer Lieblingsspeise und was noch sonst! Die Eltern schienen es doch mit der Wahrheit nicht so fein zu nehmen und hatten die Kinder immer er­mahnt, ja stets die Wahrheit zu sagen.

Und als der Lehrer die Kinder entließ, da'schenkte er noch obendrein jedem eine wunderbare Tüte, welche die Kinder schnell vor der Schule öffneten, um ihren Inhalt zu erforschen. Da hatte der Hannes, dessen Vater der reichste Bauer int Torfe war, mitten in derselben neben anderen Sachen einen dicken Gummi- ball, wie ihn der Wilhelm sich schon sein Lebtag im­mer gewünscht hatte, wenn er einen solchen bei seinen Spielkameraden gesehen hatte. Und nun war er wie­der enttäuscht. Sein Vater war arbeitslos, und die Mutter hatte die Groschen zusammen gesucht, um auch ihm eine Tüte mit Zuckersteinen und einer billigen Schokolade zu kaufen. Er sollte doch auch eine Freude haben. Aber dieser Lehrer war doch ein ungerechter Mensch in den Augen dieses kleinen Schulrekruten. Warum mutzte der reiche Hannes, der immer auf sei­nes Vaters Pferde reiten konnte und der so viel Scho­kolade von feiner Mutter bekam, auch wieder den schönen Ball bekommen!

So dachten auch die anderen Kinder, welche Han­nes ob des schönen Balles schwer beneideten. Und s» zog Wilhelm ganz betrübt nach Hause, seiner Mutter dort das geschehene Unrecht klagend. Aber die Mutter tröstete ibn und erzählte ihm, daß sie nicht mehr Geld gehabt hätte, um auch ihm einen schönen Ball zu kau­fen, denn der Lehrer habe ja gar nicht die Sachen gekauft, noch geschenkt. Und Hannes war an dem Tage recht unartig zu Hause. Der dicke Knüppel war ja gar nicht vorhanden, und er hatte sogar von dem Schulmester einen Ball bekommen. Und da tollte er in der Stube umher und ratsch! da mg v« elektrische Birne der Stubenlampe in Stücken aus der Erde.Du Galgenstrick", schrie die Muller,hätte ich dir doch nur nicht den schönen Ball gelaust, den dir der Lebrer heute hat geben müssen!"--Aha. dachte

Hannes, lauter Lügner! Die' Mutter und der Lehrer auch! Und wenn beide von Lüge und Wahrheit spä­ter redeten, dachte Hannes an seine Schultüte.

Unfere&eimat

Oie Gemeindevorsteher tagen

Von allen meldepflichtigen Viehseuchen war Hessen- Nassau am 31. Nlärz vollkommen frei. (Nachdr. verb.)

daß er eine schwere Gehirnerschütterung davontrug Der Beifahrer rettete sich durch Abspringen.

Neustadl Brand. In dem Anwesen des Karl Drescher in der Brunnenstraße brach Feuer aus, wo- bei die Strohvorräte in Stall und Keller verntchlet wurden. Die Feuerwehr verhütete weiteren Schaden.

Slrebeudors. Lehrers Abschied. Rach lljähriger Tätigkeit au der Volksschule ist Lehrer Blcscr na» Saasen versetzt tooroen. Die Schulkinder überreich ten dem Lehrer einen Sessel und die erwachsene fu­gend brachte ihm ein Ständchen.

Marburg. Straßensperrung. Tw ^andsiraße Mornshausen a. S.Gladenbach wird wegen,Walz­arbeiten von Kilometer 9,7 + 50 114 + 13 für die Zeit vom 13. April bis einschließlich 3. Mai gespet . Die Umleitung erfolgt über den Landweg Mornshau­sen a. S.Ruchenbach und die Landstraße Gladen­bachMarburg. __ , ,t.

Frankenberg. F. Landgcsell "h Fabrtkdtrektor und Betriebsinspektor der ehemals Thonetschen Faoruen und Werke F. Landgesell starb im Alter von ftebztg

Siitoa. Tod eines Ordensmamtes. Hier verstarb gestern Pazisikus Wehner, der als Dompredtger von Fulda bekannt wurde. Wehner hat sich in den Jahren nach dem Kriege als Führer un dritten Orden sehr verdient gemacht. Geboren 1872 in Schöneberg (Bez. Kassel! trat er 1890 in den Fran- ziskanerovden ein und setzte nach Abschluß des Ro- vizats seine Studien in Fulda fort. Auch auf dem Gebiete der Vvlksmission hat sich der Verstorbene große Verdienste erworben.

Aus Efckwege und Umgebung

Eschwege. Freche Diebe. In den letzten vierzehn Tagen wurden in Eschwege vier Fahrräder gestohlen "ins davon gehörte dem Oberlandjäger Fiensel aus Oberdünzebach.

Niedcrhone. Ernennung. Oberlandjäger Krug in Niederhone ist zum Landjägermeister ernannt wenden.

Reichensachsen. Die Gemeindevertretung lohnte eine Verlängerung ves Pachtvertrages mit dem Kreise über die Kreisjung Viehweide ab, da die Wiesenflächen wieder denn Kleinbesitz nutzbar ge­macht werden sollen. Bis zur Feststellung des neuen Etats sollen die Re a l sie u c rz u s chl ä g e in »er für das vorige Rechnungsjahr sestgesetzten Hohe weiter erhoben werden.

Bad Sooden Allendorf. Der Kurbetrieb wird am 15. April eröffnet.

Stadt Ziegenhain. Hier wurden ne bon 6c fer, der die Nacht in feiner Wohnung verbrächte, wie­der cingefaugeu und zurückgcbracht Tne Besitzer der wildernden Hunde konnten bis letzt nicht ermittelt

werden.

3m Feuer erprobt

Kreisfeuerwehrtag iir Sarnau.

Vorgestern wurde in Sarnau der Kreisfcuerwchr- tag der Feuerwehren des Stadt- und Landkreises M a r b u r g abgeyalten. Vorher sand eine gemein­same Hebung der Feuerwehren von Sarnau, Wetter Stcrzhausen, Caldern, Nicderwctter und Unterrosphe statt bei der auch die Motorspritzen von Sarnau und Wetter tu Tätigkeit gesetzt wurden Aus dem Jah­resbericht fei erwähnt, daß im >cahre 19o0 tm Kreis ein Tuyend Brände durch das erfolgreiche Eingrei­fen der Wehren am ihren Herd beschrankt werden konnten. Kreisbrandmeister Eckhardt aus Marburg forderte zu zahlreicher Beteiligung an der dtesfahrt- fitn Tagung des Kurhessischen Feuerwehrverbaudcs in Hersfeld aus. Der nächstjährige Krelsseuerwehrtag soll in Betziesdorf stattfinden.

Schreckliches Ende einer Radfahri

Bei Vacha.

Der Arbeiter Johannes Laun aus Dönges machte eine Radfahrt nach Tiefenort. Seinen lOjährigcn Sohn hatte er vor sich auf die Lenkstange gesetzt. Unterwegs brach die. Lenkstange ab. Laun und fein Sohn stürzten. Laun selbst schlug mit dem Kopf auf das Straßenpflaster auf. Die Pfeife, die er im Munde hatte, war ihm bei dem Sturz durch den Gaumen gedrungen und kam am Auge wieder heraus. Auw der Sohn hatte schwere Verletzungen erlitten.

B jtraffer Linksfahrer

Aus dem Marburger Gerichtssaal.

Ein Krastfahrzeugbesitzer, der nicht die rich­tige Straßenseite eingehalten hatte und dabei einen Motorradfahrer angefahren hatte, wurde zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt Außerdem hat der Angeklagte dem Geschädigten 250 Mark zu bezahlen.

Der gleichen Straftat wurde ein Kraftwagenbesitzer aus Raüschenberg beschuldigt, der auf der Straße Marburg-Cölbe einen Radfahrer angefahren hatte. Das Urteil lautete auf 20 Mark Geldstrafe.

Feuer in der Giedlunq

Von Waltersbrück (ÄreiS Fritzlar).

Am Freitag morgen, den 10. April, wurde Wal- tcrsbrück durch Feueralarm in Aufregung gebracht. In einem der neuen Häuser der Siedlung Walters- btück war Feuer ausgcbrochen, das schnell um sich griff. Durch Luftschächte wurde die ganze Wohnung verräuchert. Dem tatkräftigen Eingreifen der Ein­wohner ist es zu verdanken, daß das Feuer noch er­stickt werden konnte. Landwirt Treidert, 4 Qberlcmd- jäger und ein Oberschornsteinfegernteister waren nach einer Stunde an der Brandstelle. Die Entstehungs- utsache ist noch ungeklärt.

Wildernde Lunde im Schaspferch

6 Schafe zerrissen.

i JU Die Schafherde, welche in den Wiesen des Schwalmgrunde bei Ascherode nachts in den Pferch getrieben war, drangen Hunde ein und zerrissen ein Schaf und verletzten 5 weitere Schafe schwer, sodaß diese abgeschlachtet werden mußten. Die scheu gewor­denen Schafe rissen aus dem Pferch aus u. liefen in die

Wieder drei Opfer des Motorrades

Bei Rinteln.

Der etwa 25jährige Landwirt Walter Edler aus Exten verunglückte auf einer Motorradfahrt, die er mit seinem Onkel, dem Landwirt Reinecke aus Krankenhagen, unternahm, dadurch tödlich, daß ein Mann kurz vor dem Motorrad die Straße zu über­queren versuchte. Reinecke erlitt einen schweren Schä­delbruch und st a r b auf dem Transport zum Kran­kenhaus. Der von ihm angesahreue Passant trug einen Schädel- und eineu Beinbruch davon, auch er erlag am folgenden Tage bett Verletzungen. Ter Soziusfahrer Reinecke wurde ein ganzes Stück mit­geschleift, tarn aber mit leichteren Verletzungen davon. Auf der Straße LangenholzhausenRinteln wurde der 63jährige Ziegler 'Heinrich ll rn b a ch aus Möllen­beck, der auf feinem Fahrrad nach Hause fuhr, von einem Motorradfahrer von hinten angesahren. Er wurde' mit schweren Verletzungen in das Rintelner Landkrankenhaus gebracht,, wo er bald darauf starb. Er soll nach dem Bericht von Augenzeugen den Un­fall dadurch veranlaßt haben, daß er auf das Hupen des Motorrades noch schnell auf die linke Straßen­seite fahren wollte.

Jom Steife Hanu.-Münden.

Losholzprotest in Frankenau

In einer Versammlung der Kreisabteilung Mün­den des Gemcindevorsteherverbandcs berichtete der Vorsitzende, Gemeindevorsteher Schütze-Spiekershau­fen, über die trostlose Wirtschaftslage und forderte von der Regierung, daß die Wohlfahrtslasten den Gemeinden zum größten Teile abgenommen werden tnüssen. Darauf sprach Geschäftsführer Dr. Käthe r- Hannover über die Aufstellung der Gemeindehaus­haltspläne, über die untragbaren Wohlfahrtslasten und warnte die Gemeinden, in dieser Hinsicht Kre­dite aufzunehmen. da eine Verschuldung der Gemein­den die Gemeindefinanzen noch weiter verschlechtern würde. Kreisausschuß-Oberinspektor Sanne sprach über die Revision der Getneindckassen. Einstimmig forderte die Versammlung, daß diese Revisionen von Beamten des Kreisausschusses vorgenommen werden sollten. Bei der Wahl des Gesamtvorstandes wurden gewählt als erster Vorsitzender Gemeindevorsteher Schütze-Spiekershausen, als 2. Vorsitzender Ge­meindevorsteher Fette- Wiershausen und als Schriftführer Gemeindevorsteher S ch ü f f l e r-Land- wchrhagen.

. H. St. Der Biehseuchenstand in Hessen-Rossau. Während die Maul- und Klauenseuche im Oberlahn­kreis fast erloschen ist, ist sie jetzt in der Stadt Wies­baden ausgebrochen. In der Provinz waren am 31 März 18 verseuchte Gehöfte vorhanden, darunter 14 neubefallene, gegenüber 13 bzw. 11 am 15. März. Sie lagen in den Kreisen (eingeklammert die neubefalle­nen Gehörte): Grafschaft Schaumburg 2 (1). Hanau 2 (2), Hofgeismar 1. Dillkreis 1 (1), Frankfurt/Main Stadt i (i), Main-Taunuskreis 1 (1), Oberlahnkreis 2, Wiesbaden Stadt 8 18). Schweinepest herrschte nur in drei Gehöften der Provinz, darunter ein neubesal- lenes, und Zwar in folgenden Kreisen: Ederkreis 1, Frankfurt/Main Stadt 1 (1), Oberiaunuskreis 1.

Speele. Ehrenvolle Auszeichnung. Der 1. Vor­sitzende des Kriegervercins, Kaufmann Franz B i e- g e r, hat für seine int Weltkriege in den Jahren 19141916 au der Sudostfront im Verbände deut­scher und uttgarischer Divisionen geleisteten Dienste vom ungarischen Reichsverweser Horthy die unga­rische Kriegserinnerungsmedaille mit Schwertern und Helm verliehen erhalten.

Ehringshausen. Zur letzten Ruhe. Unter großer Anteilnahme wurde der verstorbene Bürgermeister Schäfer zur letzten Ruhe gebracht. 40 Jahre hatte er die Geschicke der Gemeinde geleitet mit Treue und Gewissenhaftigkeit. Ehrende Nachrufe und Kranz­niederlegungen zeugten von Hochachtung und Wert­schätzung.

Naumburg. 90 Jahre. Polizeiwachtmeister a. D. Herchenroder feierte feinen 90. Geburtstag.

Rockensüß. Der Kraftpostwagen stürzt um. Als der Postkraftwagen auf der Landstraße einem Radler ausbieaen wollte, stürzte er um. Die Mitfahrer ka­men mit dem Schrecken davon.

Lüdersdorf bei Bebra. Erloschene Schweinepest. Die in einem Lüdersdorfer Schweinebestand ausge­tretene Schweinepest ist wieder erloschen.

Treysa. Unfall im Steinbruch. In die Kranken­anstalt Hcphata wurde der Arbeiter Becker aus Ober- grenzebäch eingeliefcrt, dem loslösende Steine im Steinbruch einen Armbruch und schwere Kopfver­letzungen zugefügl hatten.

Treysa. Bestandene Kapilänprüsung. Schisssofsizier Hermann Kempf, ein Sohn unferer Stadt, bestand in Hamburg die Prüfung zum Kapitän auf großer Fahrt mit Auszeichnung und der Prämie des Deut­schen Reiches für befondere Leistungen.

Stölziugen. Motorradunglück. Der Zimmermeister Gunkel ans Schemmern verunglückte mit feinem Mo­torrad in der Nähe der Oberförsterei so unglücklich,

Fast 10 Prozent der Bewohner Frankenaus

Das Städtchen Frankenau hat das Mißgeschick, von seinen 1100 Einwohnern 100 arbeitslos zu sehen, abgesehen von 4 Personen, die Krisenunterstützung beziehen. Die Stillegungen in der westfälischen In­dustrie, wo diese Leute ihr Brot sanden, haben sich also bis hierher verhängnisvoll ausgewirkt. Tie Stadt suchte der Arbeitslosigkeit nach Kräften zu be­gegnen, indem sie 600 Meter neue Wasserleitung legen ließ (was nicht ohne Erhöhung des Waffergeldes ge­schehen konnte), indem sie den Obdachlosenraum und die Wilhelmstratze instandsctzen ließ und ausgesteuerte Erwerbslose beim Bau des Weges TainrodeLöhl­bach und im Steinbruch beschäftigte. Demnächst wird die Ausbesserung der Straße FrankenauFrebers­hausen in Angriff genommen. Man tut also was man kann. Das vergangene Jahr brachte übrigens noch 6 Wohnungsneubauten, 5 Wohnungsumbauten und 7 landwirtschaftliche Bauten.

Die Zusammenlegung ist soweit gediehen, daß die Planausweisung am 1. Oktoher erfolgen kann.

Die Schulden, die hauptsächlich durch den Straßen­bau verursacht wurden, sind im Jahre 1930 von 10 620 Rm. auf 9417 Rm gesunken. Ihnen steht ein Vermögen von 2900 Rm. gegenüber. Leider ist der Holzerlös um fast ein Drittel auf 4768 Rm. zuriickge- gangen, und auch der Obsterlös ist nicht der Rede wert. Die Wohlsahrtslasten sind dagegen gestiegen, so­daß ein Fehlbetrag von 11 716 Rm. im Etat verbleibt, der durch Zuschläge von je 250 Prozent zur Gewerbe­ertrags-, Gewerbekapital- und Grundvermögenssteuer

arbeitslos. Die diesjährigen Steuersätze.

gedeckt werden soll, ferner durch einen Grundsteuer­zugang aus der Auflösung des Gutsbezirks Fran­kenau. Bei Beurteilung der Lage ist zu berücksichtigen, daß der Reichscinkommensteuer- und llmsatzsteueran- teil zusammen nur mit 6000 Rm. eingesetzt werden konnten, und obwohl dieser Betrag nur zwei Drittel des vorjährigen ausmacht, ist noch fraglich, ob er ein« kommt. Daß in einem Städtchen wie yranfenau eine Erhöhung der Biersteuer nichts erbringen kann, hat zum Verzicht aus diese Steuerguelle veranlaßt. Eben­so wird es dankbar begrüßt worden fein, daß die Bürgersteuer noch nicht eingeführt wurde.

Die Losholzfrage hat diesmal Anlaß zu heftigen Auseinandersetzungen gegeben. Die Stadtverwaltung hat der Obersorsterci Ältenlcstlicim die Abnahme deS Losholzes verweigert und Beschwerde eingereicht, weil die Cualität des Holzes reichlich zu wünschen übrig ließ. Das Quantum der geringeren Holzsorten hat zugenommen, während an wertvollem Holz der Stadt eine geringere Zahl von Metern überlassen werden sollte als in den vorhergehenden Jahren. Andere Gemeinden erhielten ein erträgliches Angebot, nur Frankenau fühlt sich benachteiligt, weil man ihm die unverkäuflichen Reste zuschieben Wil/. Wenn außer­dem im öffentlichen Verkauf die Tannen billiger zu haben sind als sie in der Losholzberechmmg einge­setzt sind, so wird die Vergünstigung der Losholz­gewährung in das Gegenteil verkehrt, und man kann das Verlangen der Stadt nach einer normalen Los­holzzuweisung nur als berechtigt anerkennen.

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