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Kasseler Neueste Nachrichten
21. Jahrgang
Gonnabend/Sonrrtag, 11.12. April 1931
Nummer 84*
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Häuslicher Zwist im Verkehrsministerium
Gegensätze zwischen Minister und Staatssekretär / Beschwerde gegen das Derkot der Stahlhelm-Zeitung / „Gras Zeppelin" aus der Fahri nach Palästina
Bonifica Integrale
Von $>r, Paul Rohrbach.
U»f« autzeuvolUlfcher Mitarbeiter Dr. Paul Rohr- dach befindet sich zur Zeit auf einer Studienreise 6 u r 4 Italien. In einigen Sanderartikelu für die 3t. 3t.' wird er über seine Eindrücke berichte«.
Palermo, Anfang April.
Was ist die Bonifica Integrale? Ein kolossales Unternehmen, Italien, das heute 42 Millionen Einwohner hat, fähig zu machen, daß es auf seinem eigenen Boden 50 Millio- M e it, und vielleicht noch mehr, ernähren dann. Das ist die nüchterne Ausdrucksweise des deutschen Besuchers. Der Italiener drückt sich anders aus. Er sagt — mit der von Mussolini gebrauchten Formel — es gelte dem Befehl zu gehorchen, den der italienische Boden dem italienischen VoWe zurust: Gib mir die Veredelung, die ich verdiene!
Sizilien ist noch am wenigsten von der Bonifica erfaßt. Gestern, am Ostersonntag, war ich auf dem Monte Pellegrino, dem „schönsten Vorgebirge der Welt". Es ist keine italienische Ueber- heblichkeir bei dem Wort, denn man kann sich nichts Großartigeres, Edleres denken, als die Linie dieses Berges, der die Bucht von Palermo im Westen schließt. Ich stiea auf dem alten Pilgerweg in die Höhe, der zu denk Heiligtum der Santa Rosalia, der Schutzpatronin von Palermo, in vielen Windungen HDtaufftrhrt. Ein Stück bevor man zur heiligen Rosalie kommt, trifft man aus ein Gebäude mit der Inschrift: „Servizio N Forestale": Nationaler Forstdien st. Hier steht ein Wäldchen, für italienische und vollends für sizilianische Verhältnisse schon ein stattlicher Wald: man wandert im Schatten dunkler Nadelbäume. Sie sind vor zwanzig Jahren gepflanzt und das war gewissermaßen ein Anfang mit der Bonifica Integrale schon vor Mussolinis Zeit. Die Mederbewaldung der kahlen Gebirge Italiens gehört auch zu seinem Programm. In. den Abruzzen südöstlich von Rom, hat man im größten Stil damit begonnen. Im Altertum trug der Appenin dichte Wälder. Seine Wiederaufforstung soll ein halbes Jahrhundert dauern, und wenn sie durchgeführt ist, soll sie das Klima Italiens insofern verändern, als die Walddecke mehr Regen herbeizieht und den Flüssen, die jetzt nur nach Regengüssen und im Frühjahr Wasser führen, das gan^ Jahr hindurch Quellzuflutz liefert.
Man kann dem Gedanken die Großartigkeit nicht äbsprechen. Auf Jahrzehnte hinaus ist der Finanzplan, jedes Jahr so und soviel Mittel für die Aufforstung in dem und dem Bezirk, tm voraus durch Gesetz festgelegt. Der Wald ist aber nur ein Teil der Bonifica Integrale, und zwar derjenige, für den mit dem längsten Zeitraum gerechnet wird. Viel rascher und energischer'soll es mit der Melioration und mit der Neugewinnung von Ackerboden vorangeheu. Zwei Gebiete zeigen heute schon, wie groß die Erfolge sein können, nicht nur in agrarischer, sondern auch in sanitärer Hinsicht: die Sumpflandschaften im Mündunggebiet des Po und der »Agio Romano", die weitere Umgebung von Rom, die durch Jahrhunderte kaum kultivierbar da lag und wegen ihrer Fieber verrufen war.
Der fremde Besucher kann sich am leichtesten mit den Arbeiten bei Rom vertrant machen, die einiger maßen an das Wort des Wien Fritz nach der Entsumpfung des Overbruchs erinnern: Hier habe ich im Frieden eine Provinz gewonnen! Noch viel eindrucksvoller sind aber die Arbeiten südlich der Po- mündung, mit dem Zentrum Ferrara. Man kann sie nur vergleichen mit der Trockenlegung des Zui- dersee durch die Holländer. Große Teile des Haffs von Comachio werden nacheinander durch Dämme abgeteilt und durch kolossale Pumpanlag in leer gepumpt. Dann bleiben sie einige Jahre vom Salz- waffer befreit liegen, und man läßt Hte Bod msalze durch den Regen herausspülen. Alles Re.zcnwasser wird durch ein System von Gräben -u einen Hauptkanal gesammelt und an die Pumpmaschinen herangeführt, die es sechs Meter hoch «n einem zum Meere führenden Kanal heben. Der ganze neue Kulturboden liegt mehrere Meter tiefer, als der Meeresspiegel. Man sieht, wie die Bonifica sorrschrcitet: was vor sieben oder acht Jahren aus einem Salzsumpf und brackigen Haff zu Kulturland wurde, trägt schon Bauernhäuser und Baumvslanzungcu; was erst wenige Jahre zurückgewonncn ist, tränt unabsehbare Weizenfelder, aber bisher Wed:r Baum noch Strauch.
Ich habe ein dickes Druckheft vor mir, das die sämtlichen Gesetze und Verordnungen über die Bonifica Integrale, einschließlich der Finanzierung enthält. Sieben Seiten davon sind zesnsst mit deut Verzeichnis der einzelnen großen und kleinen Bo denstücke durch ganz Italien, von Piemont uns Ve- nezien bis herunter hierher nach Sizilien, die der Bonifica, d. h. der Entsumpfung. Sanierung, künu- sichen Bewässerung (falls es Trcckengebiete sind) und allgemeinen Bodenmeliorierung unterliegen sollen Es mutet merkwürdig an, wenn man dazu den Fi-
Nachspiel zum Schenkervertrag
Von unserer Berliner Schriftleitung.
th. Berlin, 11. April.
Im Reichsverkehrsmini st erium sind anscheinend zwischen dem Reichsverkehrsminister von Guörard und dem Staatssekretär Dr. Gutbrod wegen des Schenker-Vertrages Meinungsverschiedenheiten entstanden. Bekanntlich halte der Minister im Reichstage mitgeteilt, daß er durch den Abschluß dieses Vertrages seitens der Reichsbahnge- sellschaft überrascht worden sei, weil der Staatssekretär sich offenbar in der Hauptsache für die Korrektheit des Vorgehens der Reichsbahn eingesetzt hatte. Daß der Minister von dem Vertragsabschluß nicht rechtzeitig unterrichtet wurde, dürfte überhaupt keinem Zweifel unterliegen.
Der Staatssekretär hat nun den immerhin ungewöhnlichen SchrUt unternommen, unter Umgehung seines vorgesetzten Ministers, den Kanzler um eine direkte Unterredung in dieser Angelegenheit zu ersuchen. Diese Unterredung ist ihm aber bisher nicht gewährt worden. Man nimmt an, daß die unerfreulichen Erörterungen noch zu einem Nachspiel führen werden.
Was den Schenker-Vertrag selbst angeht, so dürste nach Wiederaufnahme der politischen Arbeiten eine Aenderung in dcsn Sinne vorgenommen. werden, daß entsprechend den Wünschen des Reichstags diejenigen Bestimmungen gemildert oder beseitigt
werden, die dem Vertrag einen Monopolcharakter verleihen.
„Gras Zeppcttn" aus der palästinasahrt
London, 11. April.
Wie aus Kairo gemeldet wird, ist das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Sonnabend um 7 Uhr 15 zur Palästina-Fahrt aufgestiegen.
Ueber Kairo war das Luftschiff gestern bereits 13 Stunden vor oer programmä- ßigen Zeit eingetrosten. Die Ltrftschifsührung fragte durch Funstpruch an, ob das Luftschiff landen könne. Es mußte jedoch geantwortet werden, daß die Vorbereitungen Mr Landung noch nicht zu Ende seien. Der „Graf Zeppelin" kehrte erst heute früh nach Kairo zurück, wo vann die Landung erfolgte.
Dr. Eckener nimmt, wie verlautet, an der Palästinafahrt des „Graf Zeppelin" nicht teil, sondern wird bis zur Rückkunft des Luftschiffes in Kairo verbleiben. Nach der Rücklehr des „Graf Zeppelin" wird der Verkehrsminister zu Ehren Dr. Eckeners und der Besatzung ein Essen geben, an dem Premierminister S i d k y Pa s ch a sowie sämtliche Mitglieder des Kabinetts und des Diplomatischen Korps tvilnchmen werden.
Der Stahlhelm protestiert
gegen das Verbot seiner BundeSzeitschrift
Berlin, 11. April.
Der Berliner Polizeipräsident hat die Bundeszeitung des Stahllzelms auf die Dauer von drei Monaten verboten. Das Verbot stützt sich aus 8 5 Ziffer 1 und 13 des Gesetzes zum Schutze der Republik und 8 1 Zister 2 und 12 der Verordnung des Reichspräfiden en zur Bekämpfung der politischen Ausschreitungen. In dem Artikel des Bundeskanzlers Wagner in der Nr. 13 der Stahlhelm Zeitung vom 5. April werden gröbliche Verstöße gegen diese gesetzlichem Bestimmungen gesehen.
Von zuständiger Stell« wird zu dem Verbot mitgeteilt, der beschimpfende Inhalt des Artikels wurde u. a. darin erblickt, daß der preußischen Regierung besonders schimpfliche Handlungen vorgeworfen werden. Es wird behauptet, daß die preußische Regierung ungeeignet zur Abwehr der polnischen Gefahr sei und in dieser Hinsicht sich als Verbündeter Frankreichs und damit Polens betätigt habe, daß sie geeignet sei, das deutsche Dclk zu entmachten und die Reichsregierung nicht zu stützen, sondern zu bremsen, daß sie dem Reiche in den Rücken falle. Es ist weiter die Rede von dem Hatz der preußischen Regierung gegen das Preußentum: Das Bestreben der preußischen Regierung laufe daraus hinaus, dem Willen des Auslands, sich in deutsche und österreichische Angelegenheiten einzumischen, eher Vorschub zu leisten als ihm sich zu widersetzen. Für die Tauer des Verbots sei maßgebend gewesen, daß der Artikel nicht eine einzelne beschimpfende Aeußerung enthält, die als einmalige gelegentlich Entgleisung oufgesaßt werden könnte, sondern eine Kette planmäßiger und gehässiger schwerer Vorwürfe gegen die Regierung eines deutschen Freistaates.
Das vom Polizeipräsidenten ausgesprochene Verbot gilt, für das ganze deutsche Reich. Ein Verbot, das von einer Polizeibehörde ausgesprochen ist, fyat zugleich Geltung für das ganze Reichsgebiet.
Das Verbot der Stahlhelmzeitung auf drei Mo- nate durch den Berliner Polizenprästdenten hat, wie zu erwarten war, in den Kreisen der für die Zulassung des Volksbegehrens eintretenden Parteien
nanzplan liest, in dem die jährlichen Summen für jedes Objekt bis 1950 und darüber hinaus angegeben sind! 75 Prozent der Mittel zahlen der Staat und die Kommunen, 25 Prozent muß der Landeigentümer hergeben. Ob er es kann oder nicht, ist ganz gleich. Kann er es nicht, so mutz er sein Land an einen anderen verkaufen, der Geld genug hat, oder er mutz scviel abverkaufen, datz der Beitrag für die Bonifica gezahlt werden kann. Der Apparat arbeitet unerbittlich; es gilt, das Land, nicht den Einzelnen, der heute zufällig daraus sitzt
Um wieviel gewaltsamer, stoßkräftiger, zukunsts- gläubiger ist doch dies neue Italien gegenüber dem früheren geworden, das sich hier mit den Wäldchen auf dem Monte Pellegrino und den Eukalrptus streifen längs den sizilianischen Eisenbahnen be-
einen Sturm bet Entrüstung Hervorgernfen. Noch gestern hat der erste Bundesführer des Stahlhelms bei dem Berliner Polizeipräsidenten gegen das Verbot Beschwerde eingelegt, die damit begründet wird, daß eine Beschimpfnng der Staatsform in keiner Weise erkenntlich und auch nicht beabsichtigt sei, ebensowenig eine Beschimpfung der Reichs- oder einer Landesregierung oder eines einzelnen Mitglieds derselben. Sollte der Beschwerde nicht abgeholfen werden, so wird gebeten, sie sofort im Instanzenwege weiter zu leiten, damit int Hinblick auf das z. Zt. laufende Volksbegehren die Aushebung des Verbotes durch eine der höheren Behörden, evtl, dnrch das Reichsgericht, so schnell als möglich und wahrscheinlich noch vor Ablauf der Ein- tragungssrist ausgesprochen werden könne.
Das Scho der Rechtspresse
th. Berlin, 11 April
Während die Hugenbergblätter sich darauf beschränken, das Verbot der Stahlhelm-Zeitung ohne jeden Kommentar in großer Aufmachung ihren Lesern zur Kenntnis zu bringen, betonen die nationalsozialistischen Blätter, daß die Notverordnung es verbiete, näher auf diese Maßnahme einzugehen. Das Blatt spricht lediglich die Drohung aus, daß die Nationalsozialisten, wenn sie die Macht erlangt hätten, den Spieß umdrehen würden.
Eine besonders scharfe Tonart schlägt dagegen die „Deutsche Tageszeitung" an, die unumwunden erklärt, daß dieses Verbot die Leidenschaften nur noch mehr aufpeitschen werde. Die Notverordnung des Reichspräsidenten sei nicht dazu erlassen worden, um die oppositionelle Presse mundtot zu machen. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" protestiert aufs schärfste gegen die zeitliche Ausdehnung des Verbotes und erklärt, wenn die Entgleisungen auch noch so peinlich seien, so rechtfertigten sie dennoch nicht ein Verbot für ein volles Vierteljahr. Das müsse dem Verdachte Vorschub leisten, daß hier ein willkommener Anlaß benutzt werde, um dem Volksbegehren Abbruch zu tun.
gnügte! Es weht ein scharfer Wiird durch das moderne Italien — wenn auch bis Sizilien eben erst seine Ausläufer gekommen sind. Die Mafia, heißt es, sei ausgerottet, aber in und um Palermo ist noch heute so ziemlich jedes Kind aus der Straße ein Bettelkind, wie schon vor Zeiten. In Venedig sagte ich zu solch einem kleinem Bettler: Wie kannst du betteln, Mussolini hat es verboten! Blitzschnell war das kleine Geschöpf verschwunden. In Monreale, hier bei Palermo, wiederholte ich das Experiment vor einer ganzen Bande, die sich zu einem richtigen Bettelüberfall zusammengetan hatte, und der Erfolg war — vergnügtes Grienen urfe eine Attacke mit verdoppelter Kraft und Mannschaft. Auch mit dieser Bonifica wird man in Sizilien noch viel zu tun finden.
Gespräche im Juni
W. P. Prognose für die diplomatischeSom- mersaison: Stark bewegt! Am 5 Juni werden nun, so die Götter im politischen Himmel wollen, in jenem Landhause zu Chequers, das englisches Mäzenatentum der Politik zur Verfügung gestellt hat, der deutsche Kanzler und der Reichsaußenminister mit ihren Kollegen aus der Downingstreet Zusammentreffen. Anfang Juni und nicht in den ersten Tagen des Wonnemonats, nach der Genfer Ratstagung und nicht vor dem großen Gericht über die deutschen und österreichischen „Sünder", das die Franzosen als approbierte Hüter der Weltmoral und des Weltfriedens abhalten wollen — mit diesem Ergebnis endete also die Tragikomödie der Irrungen und Mißverständnisse, die von der kleinen, in der Osternum- mer der „Times" veröffentlichten Meldung über eine bevorstehende Reise deutscher Staatsmänner nach London — wem zur Freude, wem zu Leide? — in Gang gesetzt wurde. Ein im Grunde recht überflü s.ges Vorspiel ist beendet, die Hauptkämpfe, die dieser Sommer um Abrüstung, Zollunion und Reparationen bringen wird, künden sich an. . .
Für Irrtümer und Mißverständnisse war in dieser Woche wahrhaftig" eine gute Konjunktur. Als nach Deutschland die erste Kunde von den Plänen Hendersons gelangte, lag über der Vorgeschichte dieser Einladung noch völliges Dunkel. Man wußte nicht, daß die ersten diplomatischen Sondierungen schon zu einer Zeit erfolgt waren, in der das Geheimnis der deutsch- österreichischen Zollverhandlungen noch nicht gelüftet war, und man glaubte demzufolge, daß Hendersons Wunsch, Brüning und Eurtius als Gäste in England begrüßen zu können, neuesten Datums fei. Das war der erste Irr!um, und da man in Deutschland — wie auch anderswo — immer gern das, was im Vordergrund der eigenen Interessen steht, für das alle Welt und zwar alle Welt im gleichen Maße wie uns fesselnde Problem hält, so mußte dieser erste Irrtum die nicht minder falsche Vorstellung Hervorrufen, daß der englische Vorschlag mit der aktuellsten Frage unserer Politik, der Zollunion, in Zusammenhang stehe. Ueberflüssig zu sagen, daß die wenigen unentwegten Optimisten — sie sollen immer noch nicht völlig ausgestorben sein — unter uns sogleich das Rößlein „Phantasie" tummelten und ihre Hoffnungen aus eine Neuorientierung der englischen Politik aus eine Loslösung aus den ftanzösischen Fesseln und auf eine Wendung zu Deutschland setzten. Heute haben auch sie ihren Traum zu Ende geträumt, und wenn diese Woche etwas Gutes gebracht hat, dann war das die Unterstreichung der Erunderkenntms, an der, wie festzustellen ist, die deutsche öffentliche Meinung ge- wiüiat durch die Erfahrungen von zwölf Nachkriegs- jahren zum größten Teil trotz mancher Fehlurteile tm S&TwU» 6«l: D-- *
daß gerade die englische Polttik ro" altruistischen Regungen frei ^.Kastanwn für andere aus dem Feuer zu holen, wtrd weder em konservatives noch ein arbeiterparteiliches Kabinett mH I-d,-, W«
«n di- WB« StaMsmdnm.
leicht zu beantworten: schwieriger ist es schon, wenn man das Positive seines Vorgehens festlegen will. Immerhin gibt die eifrige Tätigkeit die der englische Außenminister während der letzten Monate auf Gebiete der Abrüstung entfaltete, uns auch
Hinsicht einige Aufklärung. Dieses engltzche ^teresse an der Abrüstung, oder richtiger gesagt an der tflot tenabrüstung und noch genauer formuliert an bei See» rüstungsbeschränkung entspringt natürlich zum « ften aus einer Vorliebe für irgendwelche pazifistischen Theorien, sondern es wird in erster Linie durch Erwägungen bestimmt, die die Praxis diktiert. Englands wirtschafUiche und finanzielle Lage einerseits«ve- bietet es dem Jnselreich, sich in bas kostspielige Ab - teuer eines Wettrüstens zur See emzulassen, und die politische Lage innerhalb des Imperiums “™,eier' ieits ist so gespannt, daß die Europapolitik des Foreign Office nur ein Ziel kennt: Ausschaltung aller europäischen Konflikte und Erhaltung dreier Ruhe auf dem Festland um jeden Preis Darum die schweigende Billigung der französischen Hegemonie auf dem Kontinent, darum auch Hendersons und Craiaies eifrige, in ihrem Enderfolg auch heute noch nitch^gesichertes Bemühungen um die Versöhnung der aufeinander eifersüchtigen lateintzchen Schwestern Ee. wiß Frankreichs neue Obstruktion gegen die Flotten- abm'achungen wird in London als Vertragsbruch, seine in Schimpfereien ausartende Kritik an der Einladung, die Henderson nach der Wilhelmstratze schickte, als Unanständigkeit empfunden. Aber man weiß dort auch, daß man die verwöhnte Marianne heute nicht mehr durch eine — zweifellos verdiente — Züchtigung, sondern nur durch neue Zugeständnisse zur Folgsamkeit bringen kann, wenn man die Ruhe und den sogenannten Frieden nicht stören will. Woher aber diese Liebesgaben, mit denen ihr störrischer Sinn umgestimmt werden soll, nehmen? England selbst wird, getuu