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Hessische Abendzeitung

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Kummer 83*

Freitag, 10. April 1931

21. Jahrgang

Kommumsten-Derhaftungen in Berlin

Nachspiel zu -en Sprengstoffunden / Oer britische Botschafter konferiert mit Brianb / Korea von einem schweren Unwetter heimgesucht

Umfangreiche Polizeiaktion

Eigener Drahtbertchk. .

Berlin, 10. April.

Im Zusammenhang mit den kommunistischen Spreugftoffunden, die in de,, letzten Woche» in ver­schiedenen Teilen des Reiches gemacht wurden, fan­den, derDeutschen Allgemeinen Zeitung« zufolge, auf Veranlassung des Oberreichsanwalts wieder Haussuchungen bei Berliner kommunistischen Funktionären und in mehreren Privatquartieren kommunistischer Vertrauensleute statt. Im Verlaufe der Polizeiaktion, die fast den ganzen Tag an­dauerte, wurden mehrere von der OBerreichsanwalt- schaft schon seit längerer Zeit gesuchte Personen ver­haftet und der Abteilung IA des Polizeipräsidiums zugesührt. Die festgenommenen Personen, gegen die ein Verfahren wegen Hochverrats eingeleitet worden ist, werden in de» nächsten Tagen nach Leip­zig gebracht »oerden.

Unter den Verhafteten befindet sich auch ein rus­sischer Staatsangehöriger, der mit mehre­ren Mitgliedern der sowjetrussischen Handelsdelegation in einer Pension am Kursürstendamm wohnte.

Oie wichtigste Voraussetzung

Die Christliche« Gewerkschaften zur Wirtschafts- und SoziÄpolitik.

Essen, 10. April.

Der Ausschuß des Gesamtverbandes der Christ­lichen Gewerkschaften trat hier am 8. und 9. April zu einer Tagung zusammen, der am Mitt­woch auch Rcichsarbeitsminister Dr. Stegerwald beiwohnte.

Zur Eindämmung der Krise des deutschen Wirt-

Paris, 10. April.

Die gestrige Unterredung, die der englische Bot­schafter Lord Thrcll mit dem französischen Außenminister halte, hat sich, wie man hier er­klärt, auf die in Aussicht genommene Begegnung von Chequers bezogen. Der englische Botschaf­ter habe, so heißt es, den französischen Außenminister über die ve.schiodenen Gründe der ursprünglichen Initiative Hendersons unterrichtet.

Exzelsior" meint, daß aller Wahrscheinlichkeit nach die englische Regierung Wert darauf lege, jedes Miß­verständnis über den Charakter und die Bedeutung der Einladung von Reichskanzler Dr. Brüning und Minister Curtius zu beseitigen. Uebrigens habe das Mißverständnis weniger zlvischen Paris und London, als zwischen London und Berlin bestanden, wo man sich einige Illusionen ü b e r d i e w i r k - liche Bedeutung der Höflichkeitsgeste gemacht habe.

.Journal" zieht aus.bei Regelung der Chequers- Affäre die Folgerung, daß die französisch-eng­lische Entente, die noch immer die beste Garan­tie für den europäischen Frieden (?) fei, nicht zum Vorteil Berlins zertrümmert worden fei.

Französischer Patriotismus

Eine Rede Doumergues.

Paris, 10. April.

Der Präsident der Republik hielt in Nizza bet einem Empfang, der anläßlich seines Be­suches von den Behörden veranstaltet wurde, eine Rede, in deren Verlauf er auch auf politische Fragen einging.

Der französische Patriotismus, so führte Dourner- gue aus, sei nicht aggressiv. Er strebe nicht da­nach, den anderen Ländern die Hegemonie Frank­reichs aufzuzwingen. Er wolle Frankreich nur den Platz sichern, auf den es ein Anrecht habe. Ein dauer­hafter Frieden fei aber nur möglich, wenn die Sicher­heit der Grenzen völlig gewährleistet sei. Frankreich habe also das Recht, anzunehmen, daß, solange der Völkerbund keine ausreichende militärische Macht zu )nner Verfügung habe, um für die Durchführung sei- Mr Entscheidungen zu sorgen, es selbst wachen, Ich t g e b e n und sich nur auf s i ch selb st ver­fassen müsse. In dieser Annahme werde Frank- Mi > noch bestärkt, weil es sich plötzlich einem u n - ^orhergesehenen Ereignis gegenüber sehe, dessen Bedeutung in der Gegenwart und dessen Fol­gen für die Zukunft nicht verkannt werden dürften.

schaftslebens und der daraus entspringenden Ge­fahren forderte der Ausschuß, daß in erster Linie die katastrophale Arbeitslosigkeit beseitigt wird. Die Wie­derbelebung der .Wirtschaft setzt, so erklärte, der Aus­schuß u. a. weiter, eine entschiedene und rasche Sen­kung der Preise voraus. Sotveit diese von einer Verminderung der Gestehungskosten abhängt, müssen Unternehmerverbände und Gewerkschaften gemein­schaftlich nach wirklich aussichtsreichen Wegen suchen. Das einseitige Vorgehen im Sinne eines Lohnab­baues erschließt keine solchen Wege. Wir fordern da­her mit größter Entschiedenheit: Schluß mit dem Abbau der Löhne. Ebenso entschieden wenden wir Uns gegen eine Verschlechterung des deutschen Knappschaftsgedankens und Sozialgesetzgebung sowie gegen jede Störung der tarifvertraglichen Entwick­lung.

Eine endgültige Bereinigung der fast unlöslich scheinenden Verwicklungen und ein fruchtbarer Aus bau der Weltwirtschaft ist undenkbar ohne eine G e - staltung des Reparationsproblems, die das deutsche Volk bei Ausbietung seiner besten Kraft kulturwürdig leben läßt.

Schweres Llrrwetter über Korea

125 Todesopfer.

Tokio, 10. April.

Ein schweres Unwetter hat in bet Nacht die Sud­westküste von Korea heimersucht. Mehr als 100 Fischer­boote sind dem Sturm znm Opfer gefallen. Die Zahl der dabei ertrunkenen Fischer wird auf mindestens 125 geschätzt.

weil die Geschichte des Landes, in dem dieses Ereig­nis eingetreten sei, einen Präzedenzfall aufweise, der lehrreich sei und den zu vergessen gefährlich wäre.

Frankreich brauche nur sich vom gesunden Men­schenverstand leiten zu lassen, und dieser gesunde Menschenverstand rate ihm zweierlei an: 1. Heber den guten Zustand der Finanzen zu wachen, 2. sich von den Gedanken leiten zu lassen, daß ein Land, solange es keine starke internationale Streitmacht gebe, nicht zulassen dürfe, daß man feine eigene mate­rielle Streitkraft unter das Niveau herab setze, das die Sicherheit und Unantastbar­keit des Landes erheische. Die jetzt lebenden Gene­rationen trügen vor den künftigen Generationen die Verantwortung hierfür.

Beifall der pariser presse

Paris, 10. April.

Die Rede des Präsidenten der Republik in Nizza wird von den meisten Blättern groß aufgemacht und von ihnen, soweit sie Stellung nehmen, vollauf gebilligt.

5 o u r n e e Industrielle" schreibt, die sehr deutliche Anspielung des Präsidenten der Republik auf die auswärtige Lage, nämlich das deutsch- österreichische Abkommen, verdiene beson­dere Erwähnung. Das Blatt verweist auf den Ge­gensatz zwischen der Aeußerung des Präsidenten und der Stellungnahme gewisser Kreise, die, wie es miß­billigend bemerkt, der Meinung sind, daß ein der­artiger Zwischenfall bedeutungslos fei und daß man sich sogar dazu beglückwünschen könnte.

Avenir" erklärt: Man müsse stark bleiben, da einerseits der Völkerbund sich nur an den guten Wil­len seiner Mitglieder wenden könne und andererseits man

einige Mitglieder völlig den Bölkerbundsgeist ver­nachlässigen

sehe, um, wenn es ihnen gutdünke, zur individuali­stischen Formel zurückzukehren, ohne sich zu scheuen, das europäische Einvernehmen zu stören. Die letzte Geste des Landes Oesterreich beweise, daß nicht alle Welt offenes Spiel spiele.

Als typisch für die Wertung durch die nationali­stische Presse kann der Kommentar desEcho de Paris" gelten. Das Blatt erklärt, die Worte Doumergues hätten keinen Sinn oder sie stellten eine Verurteilung des Völkerbundes und eine scharfe Kri­tik der Abrüstungsbemühungen dar. Wenn der Prä­sident zu verstehen gebe, daß er in dem Wirtschafts­

anschluß nicht einen vereinzelten Akt erblicke, sondern vielmehr den

Beginn einer Reihe von Ueberraschungen, so stelle er damit indirekt fest, daß die politische An­schauung, auf der sich die Politik von Lo­carno auf gebaut habe, verfehlt gewesen sei. Allem Anschein nach glaube der Mann, der so deut­liche Worte brauche, nicht, daß Deutschland sich den bestehenden Verträgen anpassen werde. Das Blatt erblickt in der Rede des Präsidenten eine Verur­teilung der Briandschen Politik.

Ein weißer Robe

DerPopnlaire" gegen die französische Preffehetzc.

Paris, 10. April.

Während Äie ganze französische Presse sich im stillen darüber freut, daß die Unterredung von Ehegners

.loict Ponten, der bekannte rheinische Dilbter, Bat vor kurzem einen RomanWolga, Wolga" veröffent­licht, heilen Handlung sich zu einem Teil unter den k-' ''fchen Wolgabauern abfpielt. folgenden schil­dere er die öiudrücke. die er bei einer Reife durch diese ftilUn Dörfer Bart am Rande der Kirgifeustevpe gewann:

Da wohnen diese Deutschen in den stillen, stillen Dörfern, auf dem hohen Bcrgufer diesseits; auf dem flachen Wiesenufer jenseits der Wolga, und hier bis in die Kirgisensteppe hinein.

Niemals sah ich so stille Dörfer.

Aus der weiten russischen Ebene strömt Stille in sie ein, und sic selbst antworten mit Stille. Da gibt es keine Wälder, aus denen Axtschlag tönt, nur einiges Buschwerk ziemlich entlegen von den Behausun­gen; kein Berg ist da, von dem der sympathische Lärm es,nes Dorfes wiederhallt; in den Dorfstratzen kommt Ein Echo auf von Fuhrwerk oder Viehgebrüll, denn die Häuser sind niedrig und die Straßen sehr breit, russisch breit, das weite Land erlaubt es, und die Feuersgefahr macht es für die holzerbauten Häuser ratsam; die Straßen sind nicht befestigt, nicht ge­pflastert oder makadamisiert, die Wagen fahren still in der staubigen mulmigen Erde; in den breiten Straßen liegen die weiträumigen Gehöfte, an Raum ist ja kein Mangel, es wohnen weit weniger Men­schen auf der Siedlungsflächc als auf der gleich gro­ßen Fläche eines unserer Dörfer; nicht alle Dörfer be­sitzen eine Kirche, so daß Geläut der Glocken fehlt, und haben sie eine Kirche, so haben sie keinen Pfarrer, der Pfarrer kommt von Zeit zu Zeit ans dem Rachbar­dorf was man so in RußlandRachbar*dorf nennt; und sie haben keine Schenke, aus der Sonn­tags Singen und Gegröhle tönt, keine Wein, keine Mex-, keine Branntwein,'chenke, nicht einmal eine Teestube «auch kein Wirtshaus, in dem man unter kommen könnte,, und keine Schützenwiese, von woher es Sonntags so lustig knallt; und hätten sie Teestube, Branntweinschcnle und Schützenwiese obgleich diese Deutschen zum größten Teil von geräuschvollen Rheinländern und deutschen Westländi - scheu abstammen, mir scheint, sie sind ziemlich phleg­matisch geworden, vielleicht hat der Charakter des ebenen Landes mit feiner Schwermut und Melancho­lie doch den Charakter dieser deutschen Menschen be­einflußt und ein wenig gewandelt.

In einzelnen deutlichen Zügen sind sie unleugbar Russen geworden.

Ihre Häuser sind russische, ihr Grundriß, ihre Archi­tektur, ihr Schnitzwerk an Fenstern, Giebeln und Hoftoren, alles ist so wie in den russischen Dörfern. Tas kommt wohl daher, daß den Einwanderern in den sechziger Zähren des achtzehnten Jahrhunderts von der russischen Regierung und durch russische Be­amte Häuser erstellt wurden, die Regierungsvorsorge wird den Stil bestimmt haben.

Richt einmal Kaufläden habe ich in den Dörfern, in denen ich war, gesehen, die Wirtschaft jedes einzelnen scheint sich selbst zu genügen, auch Hufschmiede, Stellmackerei und Wagnerei, die in keinem deutschen Dors in Deutschland fehlen, erinnere ich mich nicht gesehen zu haben. Die Hausfrau berei­tet mit ihren Töchtern im Sommer die Vorräte für den Winter vor, auf den Dächern werden im langen heißen Steppsommer Äpfelschnitzel und alte Kern­früchte getrocknet, Tabakblätter hangen in Girlanden, die Albusen (die Wassermelonen) werden zu Hause für den Brotaufstrich eingekocht, und in jeder Fami­lie scheint von den Frauen das Brot selbst gebacken zu werden. Im achtzehnten Jahrhundert wird es in Deutschland kaum anders geroefen sein, mir scheint,

diese Deutschen dort draußen sind in ihrer Abge­schiedenheit von der Welt auf der Wirtschafts- ftufe des achtzehnten Jahrhundert flehengeblieben.

Die Dörfer heißen meist nach den Führern der Auswanderertrupps. Es gibt also sonderbar annnt- tenbe Dorfnamen. Ich war in den Dörfern MüIler undStefan*.

Tie Männer arbeiten auf den Feldern. Sie säen, sie mähen, sie ernten und dreschen Dreschtennen und Scheune- fah ich keine, dieFrucht* wird drau-

doch noch bis nach der Genfer Tagung verschoben worden ist, bezeichnet der sozialistischePopulai- r e* sie Angriffe Oer französischen Ra­tionalisten als grotesk und lächerlich. Auf dein Arbeitsprogramm der kommenden Genfer Ta­gung ständen so schwerwiegende Fragen, daß man es hätte begrüben müssen, wenn Oie maßgebenden Staatsmänner durch persönliche Fühlung oic S ch we- r e dieser Fragen abzuschwächen versuchten. Henderson, den die Verschlechterung »er deutsch-fran­zösischen Beziehungen beunruhigt habe, habe sich nicht damit zufrieden geben wollen, den französischen Außenminister allein zu sprechen, sondern habe auch die andere Seite anhören wollen. Wenn Sie franzö­sischen Rationalisten sich hiergegen anflehnten, so ge­schehe es nur, um zu verhindern, eine Lösung der po­litischen Fragen zu finden, sowie jede Vorbereitung der kommenden Abrüstungskonferenz zu boykottieren.

ßen vor dem Dorfe in hohen Mieten aufgestapelt und verarbeitet.

Rur die Kirchen in den Dörfern sind fremd­ländische G e b i t h e: In einem russischen Kirch­dorf ist die Kirche ein byzantinisch-ruspfcher Bau. blockig, mit Kuppeln besetzt, die meist grün und bis­weilen goldfarben sind, und die Kreuze daraus sind mit Ketten als Windstützen gehalten; nebenan steht der Glocken tut in oder der (offene) Glockenstuhl. Zwar auch im deutschen Dorfe schwingen die Glocken neben­an in kunstvoll und statisch abgestützteft offenen Stüh­len, mag fein, daß die auch aus Hol; erbauten Türme der Kirchen nicht stark genug für Gewicht und die Schwingttngsmechanik der Glocken sind. Aber der Turm selbst ist ein regelrechter Turm tue st l (indi­scher Formung, blockig in sich verjüngenden Stockwerken errichtet, die mit einer kleinen grünen Kuppel oder Zwiebelhaube schließen, und das Ganze endet in einem freistehenden vergoldeten nackten gro­ßen protestantischen Kreuze (ich war nur in protestan­tischen Dörfern).

Mit großen schwarzen, in die Achsel gleich einem Knüppel Holz geklemmten Gesangsbüchern, auf welche einfache große Kreuze in Gold ausgedruckt sind, pil­gern die Gläubigen zum Gottesdienst während des stürmischen Geläutes, das die Dorfbuben auf dem offenen Stuhl mit Kraft und luftiger Hingebung ver­anstalten. Die Weiber betreten die Kirche sofort, von den Männern aber nur die alten, die jüngeren treten draußen auf der Treppe zusammen zu einem sonn­täglichen Gemeindcpalaver. Sie sind mit altertüm­lichen schwarzen Kleidern angetan und tragen große runde tvpischc altmodische Bauermsilze, die wir fast nur noch von alten Bildern her kennen, oder Kappen mit Schirm; es sol­len alte hessische Typen sein, eine Kappensabrik soll sich gleich nach der Einwanderung in einer benachbar­ten Stadt zur Herstellung dieser

hessisch-deutschen Kopfbedeckung

aufgetan haben. Ganz selten trägt ein Bauer im lan­gen Rock einmal russische Filzstiefel, die meisten aber echte schwarze hohe gewichste Schaftstiefel. Die an den Männern vorbeischreitenden Frauen und Mäd­chen sind mit weiten, steifen Röcken und mit Kopf­tüchern bekleidet, die Frauen in Dunkel oder Schwarz und nur die Mädchen in bunten grellen Farben, auf welche russische Sitte mag eingewirkt haben. Aber da kommt der Pfarrer aus dem Pfarrhause hergeschrit­ten im schwarzen Kittel mit Befschen, oder er kommt auch angefahren aus dem Sprengeidorf, oder cs f (breitet auch nur der Schulmeister ans dem Zchnl- hause her, der an Stelle des Pfarrers den Gottes­dienst heute besorgt auch die Männer treten auf knarrenden Stiefeln über die knarrenden Holztreppen und die Dielen des Vorplatzes in die Kirche, die Türen schließen sich hinter dem Schulmeister, das Ge­läute verstummt, und von drinnen tönt der schrille Gesang des weiblichen Teils der das Eingangslied singenden Gemeinde und die laute Stimme des beten­den oder das Evangelium und eine Erbauungspredtgt aus einem Buche voi lebenden Schulmeisters.

Seid ihr ans Deutschland, wirklich und wahrhaf­tig aus Deutschland, Tu kommst ganz richtig aus Deutschland?* fragen einen in fast biblisch einfacher Rede die Männer, wenn sie abends vom Felde ber- eintamen und auf den Bänken vor ihren Höfen litten und ihre Pfeifen schmauchen. Es sind Männer wie alten Bauernkalendern entstiegen, mit großen glän­zenden Knöpfen auf ben Röcken und mit alten wun­derlichen Filzhüten ober Tellermützen auf den Köpfen.

Wie ist es denn in Teutschlaitd? Run ja, die Deutschen, die find tüchtig!

Ihr habt ettch ja rasch wieder enrborgearbeitet, wir hier sind noch Nicht so weit.Sie sprechen in ziemlich r,e i n e m Deutsch, der Tonfall und die dialektische Färbung sind ganz unverfälscht, man kann beute noch die Nachkommen von den Mo­selanern, von Hessen, von Pfälzern, von Schwa­ben unterscheiden.Kommst du (trauliches Tu!> ans Berlins Tu kommst nicht aus Berlin? Ans München? Wo ist das, München? Auch in Deutschland? Uns vorn Rhein bist du, sagst bu* Gevatter, der Mann aus Deutschland sagt, wir stammen auch vom Rhein.

Paris tröstet sich!

Oer englische Botschafter bei Brian- /Chequers, nur eine Höslichkeitsgeste"

In deutschen Dörfern an der Wolga

Don Josef Ponten