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Hessische Abendzeitung

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Rümmer 50*

Dienstag 7. April 1931

21. Jahrgang

pariser Aufregung über Henderson

»Oie deutsche Brutalität Hat gesiegt" / Zn der Innenpolitik »Nichts Neues" / Portugal hat seinen Ausstand

Das politische Osterereignis

Englands Einladung an Brüning und EurtiuS / Frankreich ist verschnupft

Krankreich und der englische Regulator

Don Staatssekretär z. O. Freiherr von Nheinbaben

Berlin, 7. April.

Das politische Ereignis der Feiertage ist die Nach richt von einem Besuche des deutschen Reichskanzlers und des Außenministers in England. Wie bereits feststeht, werden Reichskanzler Dr. Brüning und Außenminister Dr. Curtius am 29. April nach Eng­land reisen und nm 1. Mai Gäste des englischen Premierministers Macdonald sein. Während des kurzen, nur auf einen Tag berechneten Aufenthaltes sollen in Anwesenheit dös englischen Außenministers Henderson die aktuellen politischen Probleme der Vorbereitung der Abrüstungskonferenz und der deutsch-österreichischen Zollunion erörtert werden.

Wie bekannt wird, ist diese Einladung bereits vor mehreren Wochen mündlich durch den englischen Bot­schafter in Berlin übermittelt worden, noch ehe der Abschluß des Vorvertrages über die deutsch-öster­reichische Zollunion überhaupt zur Kenntnis der Westmächte gebracht wurde. Die Einladung an Deutschland wurde damit motiviert, daß der englische Außenminister die deutsche Regierung eingehend über die Vereinbarungen unterrichten wollte, die zwischen England, Frankreich und Italien über die Abrüstung zur See getroffen wurden. Alan war bekanntlich in Berlin darüber verstinimt, daß über diese Abmachun­gen, die uns doch so nahe angehen, die deutsch« Re­gierung nur sehr unverbindlich und inoffiziell unter­richtet worden war. Der englische Außenminister wollte nun dieses Deutschland verstimmende Verhal­ten dädürch wieder gut machen, daß er den Kanzler «nd den Außenminister zu einer Aussprache über das Abrüstungsproblem nach England einlud. Dr. Brü­ning und Dr. Curtius haben diese Einladung bereits dantals angenommen, ohne daß ein endgültiger Ter­min festgelegt worden wäre. Kurz vor Ostern kam der englische Außenminister in einem Gespräch mit dent deutschen Botschafter in London erneut auf die­sen Besuch zu sprechen und bat um Mitteilung, wann Dr. Brüning und Dr. Curtius nach England kom­men wollten. Am Gründonnerstag wurde nunmehr nach London telegraphisch mitgeteilt, daß der Kanzler und der Außenminister am 1. Mai in Chequers, dem Landsitze Macdonalds, eintrefsen wollen. Auf diesen Tag einigte man sich auch. Wie verlautet, werden Dr. Brüning und Dr. Curtius ohne größere Begleitung nach England reisen.

Der 1. Mai ist als Termin deswegen gewählt wor­den, weil dann noch Zeit bleibt zur weiteren diplo­matischen Vorbereitung der Genfer Tagung der Pan- europa-Studienkommission, die am 15. Mai, und des Völkerbundsrates, die am IS. Mat beginnen soll.

Zn London erwartet man, daß an dieser Zusam­menkunft auch der französische Außenminister Briand teilnehmen wird. Die bisher vorliegenden Pariser Stimmen sprechen freilich dagegen. So läßt sich z. V. Echo de Paris" aus, daß die englische Regierung einigermaßen unklug, gegenüber Briand gehandelt habe, als sie ihn einlud, an der Besprechung mit den deutschen Ministern teilzunehmen. Man kann sich vor­stellen, daß,der Chef des Quai d'Orsay nicht freudigen Herzens sich zu einer derartigen Reise bereitfinden würde. Sein Besuch in London drohe, in demütigen­der Weise den Mißerfolg seiner Politik zu bestätigen. Aber Henderson träume offenbar davon, $u vermit­teln, um seine eigene Wahl für den Präsidentenposten der allgemeinen Abrüstungskonferenz vorzubereiten.

Oeuvre" erklärt, Briand halte diese Begegnung einige Tage vor den besonders wichtigen Verhand­lungen über den österreichisch-deutschen Zollverein in der Studienkommission und im Völkerbundsrat wirk­lich nicht für opportun. Ohne Deutschland und Oester­reich als Beklagte hinstellen zu wollen, erwarte man doch von diesen Verhandlungen juristische und poli­tische Vereinbarungen, die ziemlich peinlich werden könnten. Sei es pasiend, so sagt das Blatt, an die Führer eines Kabinetts, bei dem man wiederholt diplomatische Vorstellungen habe erheben muffen, an die Minister einer Regierung, deren Politik eine wirk­liche Krise in Europa hervorgerufen habe, eine so herzliche Einladung ergehen zu lassen? Das Blatt ver­neint diese Frage und fährt fort, es sei zu befürchten, daß Dr. Brüning und Dr. Curtius aus ihrem Lon­doner Besuch den Eindruck gewinnen könnten, als ob sie für das Programm der deutschen Forderungen kei­nen starten englischen Widerstand zu erwarten hätten und sich deshalb im Völkerbundsrat intransigenter zeigen könnten.

Pertinar meldet demDaily Telegraph" aus Paris, daß Briand bereits mit Bedauern abgelehnt habe, da er nicht imstande sei, kur; vor der Wahl des neuen Präsidenten der Republik nach London zu gehen.

Echo de Paris" findet die Initiative Hendersons zunjo bedauerlicher, als sie bestätige, daß die deutsche

Brutalität es wieder einmal erreicht habe, die Sozialisten in der Downing Street einzuschüchtern. Kaum neun Monate nachher Rheinlandräumung sei Europa bereits wieder dabei, sich gegen Frankreich und seine Freunde zu organisieren.

London wirbt

um die Abrüstungskonferenz

London, 7. April.

Der diplomatische Korrespondent des Daily He- rald schreibt: Aus dem Kontinent gewinne die An­sicht immer mehr Boden, daß London der geeignetste Platz für den Zusammentritt der allgemeinen Ab­rüstungskonferenz im nächsten Jähre sein werde. Niemand glaubt recht daran, daß Genf imstande sei, 34000 Köpfe unterzuhringen. Auch gegen Barce­lona und die übrigen Städte, die sich angeboten ha­ben, bestehen offenbar Bedeichen. Man ist der Mei­nung, daß nur eine große Stadt die Konferenz be­herbergen kann und von allen großen-Städten dürfte London am besten geeignet sein. Die Ange­legenheit werde im nächsten Monat erörtert werden, wo die Staatsmänner der großen europäischen Mächte hier zu einer unformeüen Besprechung über die Vo^b reimngen zusammenkommen werken. Es fei ziemlich sicher, daß der deutsche Reichskanzler und der Reichsaichenminister, der französische Außen­minister und der italienische Außenminister in der ersten Wochen des Mai in London sein werden. Es sei sogar nicht ganz ausgeschlossen, daß Muffolini ebenfalls kommt.

Der Verlauf der letzten internationalen Ausein­andersetzung, die sich an die Bekanntgabe des deutsch­österreichischen Abkommens anschlotz, war eigentlich so, wie er bei jedem vorstellbaren selbständigen Akte deutscher Außenpolitik zu erwarten war. Zehn Tage dauerte der Pressesturm, dann legte er sich und machte einer sachlicheren und ruhigeren Betrachtungsweise Platz. So wenig erfreulich wiederum einmal der Strom von Druckerschwärze war, der sich in bewußter oder gedankenloser Verkennung deutscher Verhältnisse über die Weltpresse ergoß, so notwendig ist nun für den bevorstehenden zweiten Abschnitt der Aktion eine Art Bilanz darüber, wie die Kräfte beschaffen sind, die uns gegenüberstehen und welches die Haupt­motive ihres Handelns sind.

TrotzVölkerbund" undneuer Zeit" sind es auch heute noch die Großmächte, deren Einfluß die Welt- Politik bestimmt. Deutlich sehen wir von Deutschland aus drei Gruppen unter ihnen: In allen Lebens­fragen deutscher Zukunft, d. h. in Durchführung, Aus­legung und Revision des Friedensdiktates haben vir es zunächst mit Frankreich und England zu tun, und unter den beiden ist es Frankreich, das sich der Rück­kehr zur Vernunft und einem wirklichen Frieden am heftigsten eutgcgenstemmt. Die zweite Gruppe besteht aus Italien, Amerika und Japan. Das letztere hält sich so gut wie völlig aus allen europäischen D-i-ren heraus. Italien bleibt getreu seiner Tradi-wn zu­nächst in derHinterhand" und Amerika .prüft m ferner Ruhe, ob das amerikanische Interesse beein­trächtigt wird." In der dritten Gruppe befindet üch einsam, aber als ungeheuerer, ungewisser Druck das weite Reich der Machthaber von Moskau. Trotz

Lim -Le Einberufung -es Reichstages

Von unserer Berliner Schriftleitung.

th. Berlin, 7. April.

Innenpolitisch firoo die Feiertage vollkommen still verlaufen und auchvie ersten Tage nach Ostern werden noch keine größeren politischen Handlungen bringen, da ja nur ein kleiner Teil der Reichsminister zur Zeit überhaupt in Berlin anwesend ist. Die einzige politi­sche Handlung wird die morgige Sitzung des Aelte- stenrates bilden, der bekanntlich über die von oen Kommunisten, Deutschnationalen und Nationalsozia­listen geforderte Einberufung des Reichstages ent­scheiden soll. Nach der Stimmung der Mehrheit der Parteien kann man erwarten, daß dieses Verlangen abgelehnt wird, obwohl die Deuffchnationalen gewisse Hoffnungen auf ein Umschwenken des Landvolkes und der Wirffchaftspartei haben

Oer Fall Stennes

München, 7. April.

Ueber die Vorgeschichte der Vorgänge in Berlin erklärt der Stabschef der S. A., Röhm, imVölkischen Beobachter": In Verbindung mit Stellen, di« zu nen­nen im Augenblick noch verfrüht wäre, hat Polizei- hauptmann a. D. Stennes sich offen gegen Hitler ge­wandt. Die Vorbereitungen hierzu liegen lange zu­rück. Ich habe zweimal in Berlin versucht, den ehe­maligen Kameraden von der verhängnisvollen Bahn, aus die « sich begab, aoznziehen. Dies hinderte ihn nicht, in Führerbesprechungen gegen Hitler und gegen mich heftige Vorwürfe zu erheben. Ich bat meinen Führer Aoolf Hitler, mir nunmehr Freiheit des Han­delns zu geben, di" ich auch erhielt.. Unmittelbar nach Hitlers Abfahrt. nach Weimar erhielt ich die letzte Meldung, daß Stennes in einer Führerversammlung in Berlin erklärt hatte, Befehle von München nicht mehr anzunehmen uns jetzt Zoszuschlagen". Ich griff nunmehr sofort durch. Stennes wurde mit allen Un­terführern, die er sich besonders verpflichtet hatte, ab­gesetzt uns aus der Partei ausgeschlossen. Das Los- schlazen sollte der Auftakt zur Zerschlagung und zum Verbot oer NSDAP, und zur rücksichtslosen Nieder- knüppelung der nationalen Bewegung sein, wozu die Notverordnung die Handhabe bot. Tie Folge der Episode Stennes wird nicht eine Schwächung, sondern eine erhebliche Stärkung der Nationalsozialisten sein". Gleichartig erläßt Adolf Hiller einen Ausruf an die Parteigenossen und an die S. A.-Leutc, in dem die Vorwürfe, Dr. Göbbels habe gemeinsame Sache mit

den Verschwörern gemacht, scharf zurückgewiesen werden.

Aufstand auf Madeira

Portugal entsendet Kriegsschiffe und Truppen.

Funchal, 7. April.

In Madeira ist es am Sonnabend zu einer militäri­schen Kundgebung gekommen. Der Sonderdelegierte der Regierung, der Zwilgouoerneur uns der Militär- gotkverneur sind festgenommen worden. Die Militär- und Zwilgowalt ist dem General Souza Dias als dienstältestem Offizier übertragen worden. Der portu­giesische Ministerrat hat beschlossen, ein Truppenkontin­gent nach Maseira zu entsenden, um die Aufstands- bcwegung in Funchal zu unterdrücken. Eine offizielle Auslassung über di« Lage auf der Insel fehlt noch, doch vermutet man, daß die Regierungsgebäu>de in der Gewalt der Aufständischen sind, die von einem ge­wissen Leutnant Camoens befehligt werden.

*

Paris, 7. April. Das portugiesische Kriegsschtff Pedro Gomez" ist gestern nach Madeira ausgelau­fen, um die dortigen Regierungstruppen durch ein Bataillon Jäger und eine Maschinengewehrabtetlung zu unterstützen. An Bord befinden sich insgeamt 870 Mann. Sollten die Unruhen nicht aufhören, so wird die Regierung einen zweiten Kreuzer und einen Tor­pedobootszerstörer entsenden. Ein Flugzeuggeschwa­der ist ebenfalls transportbereit. Die portugiesische Regierung hat dem Oberbefehlshaber der Truppen auf Madeira Befehl gegeben, Pundscha zu bombar­dieren, falls die Aufständischen sich nicht ergeben wollten. In der Portugiesischen Presse werden Mel­dungen über die Aufstandsbewegung nicht verbreitet, da strenge Preffezensur besteht. Der Besuch des spa­nischen Königs in Lissabon ist auf den 12. Mai ver­schoben worden.

Schwere Automobil-Explosion

Stuttgart, 7. April. Sieben Feuerwehrleute wur­den am Ostermontag, beim Versuch, ein brennendes Automobil zu löschen, durch Explosion des Benzin­tanks schwer verletzt. Sie mußten sämtlich ins Kran­kenhaus überführt werden. Der Wagen war plötzlich auf offener Straße m Brand geraten.

allem, was über außenpolitische Orientierauaen und Orientierungsmöglichkeiten heutzutage mit parteipoli­tischer Färbuitg oder sonstwie in Deutschland geredet und geschrieben wird und trotz der offensichtlichen Tatsache, daß di« Gesamtlageritng der Weltpolttik freute gewiß eine andere als 1919 ist, bleibt es sonttt in der vordersten deutschen außenpolitischen Front bei der Gruppierung, die wir so gut aus dem ersten Nachkriegsjahrzehnt her kennen.

Betrachten wir also wiederum und ganz sicher­lich nicht jtint letzten Mal! das Problem Deutsch»- land-Frankreich. Auch denjenigen, der sich bei der augenblicklichen Machtverteilung aller realpolitischeu Schwierigkeiten darin wohl bewußt ist, der aber trotz aller Enttäuschungen die bittere Notwendigkeit er­kennt, den schwierigen Versuch zu Verständigung und Ausgleich fortzusetzen, konnte das Gefühl der Hoff- nnngsloflgkeit fast übermannen, wenn er die Reden der französischen Politiker und di« Artikel der fran­zösischen Journalisten in den beiden Wochen vor Ostern las.Vom hochmütigen Phrasengeklüngel ohne jeden konkreten Inhalt bis zur offenen Kriegs­drohung fehlte so gut wie keine Nüance. Men ge­meinsam war die Wut darüber, daß Deutschland es gewagt hatte, der europäischen Wirtschaftsentwicklung selbständigen Antrieb zu geben, nachdem der Briand- sche Versuch cin-t paneuropäischen politischen Orga- ntfation unter den Auspizien der französischen Hege­monie schon im allerersten Stadium gescheitert war.

Wenn es einen Trost für dieses deutsche Gefühl geben kann, dann liegt es meiner Meinung nach in allererster Linie in der Geschichte. Tas alles ist ja wirklich nicht neu. Wir brauchen nur den Blick rück­wärts in die Jahrhunderte zu lenken, dann bleiben wir uns dieses tausendjährigen .Kampfes um den Rhein", d. h. des ewigen Ringens zwischen Frank­reich und Deutschland bewußt. Neu hingegen ist die Tatsache, daß es nicht mehr wie in früheren Jahr­hunderten die Möglichckkeit anderer Gruppenbildun­gen und Bündnisse gibt, die das europäische Bild pcriodenhaft verändern und daß .er Krieg für alle Zeitengeächtet" worden ist. Oesterreich-Ungarn und Rußland sind außerdem als europäische Machtfakto­ren im alten Sinne dahin gesunken und für Deutsch­land liegt die unendlich schwere Aufgabe darin, sich gegenüber einem Frankreich, das nun einmal so ist, wie es ist, ohne wesentliche Unterstützung anderer Faktoren in Europa oder der Welt wieder in die Höhe arbeiten zu müssen.

Tröstend und einhüllend hat man seit Locarno für den deutschen ebenso wie für den europäischen Sprach­gebrauch die Formel derSolidarität" erfunfcet. Man weift auf das reiche Amerika jenseits des Ozeans hin und vergißt auch nicht, warnend auf die Be­drohung der europäischen Zivilisation durch den B o l - schewismus von den weiten Ebenen Asiens her hinzuweisen. In der Tat: So schwer die Wunden sind, die der Weltkrieg Europa im ganzen geschlagen hat, so verhältnismäßig einfach wäre es auch heute noch, feine geschichtliche Mission in neuer Blüte wieder her­zustellen. Einen einige Voraussetzung braucht man dafür: Rückkehr von Vernunft und Ge­rechtigkeit. Aber leider hat auch heute noch das Wort des schwedischen Kanzlers Geltung das auf die Tatsache hinweist, mitwie wenig Weisheit die Welt regiert wirb. Richt nur von den Pyramiden blick­ten einstJahrhunderte" auf Napoleons Truppen herab, auch vom europäischen Olymp herunter lastet die ganze Schwere der jahrhundertelangen Zerrissen­heit auf den Völkern, die sich nicht von den Gefühlen gleicher Achtung für andere leiten lassen, sondern wie es heute in erster Linie Frankreich tut in kurz­sichtigem Prestige und engherziger, ja brutaler Aus­nutzung der mit fremder Hilfe errungenen Sieger­diktat« ihre Stellung von 1919 zu erhalten streben.

Erinnern wir uns: Was war der Kernpunkt von Briands Rede im Senat und welches ist das über­wiegende Argument in der französischen Stellungnahme gegen Deutschland und Oesterreich gewesen?Deutsch­land und Oesterreich laben feierliche Verträge verletzt. Oesterreich ist ins Schlepptau von Deutschland genom­men und dieses plant einen großen politischen Block in Mitteleuropa, der Frankreichs Vorherrschaft ge­fährdet und mit der Zeit beseitigen muß." Die Art. wie sich führende Politiker und in erster Linie Briand selbst unter Drohungen darauf sestlcate, das deutsch- österreichische Abkommen nicht in Kraft treten zu lassen, war und ist trotz augenscheinlichen Abblasens des Pressesturmes nicht leicht zu nehmen. Ich bin zu­lässig in den entscheidenden Tagen selbst in Paris ge­wesen und habe mich davon überteueren können, daß ohne die sofortige und rechtzeitige Einschaltung des englischen Regulators" in das von Frankreich ver­wirrte Uhrwerk der europäischen Politik die Gefahr noch weitergehender Unvorsichtigkeiten recht groß war. E-gentümlich für einen Deutschen, mitanzuhören wie angesehene französische Politiker eben noch begeisterte Reden über die Notwendigkeit der Verständigung mit Deutschland hielten und dann von einem Tage auf den anderen die schlimmsten Drohungen gegen Deutsch­land aussprachen. Von mancher Seite w rd sogar das WortÄrieg mit einer Leichtigkeit und Selbstoer-