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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kummer 78* Donnerstag. 2. April 1931 21 Jahrgang

Kommunistische Agitation in der Reichswehr

Sieben Neichswehrsoldaten in Fürstenwalde verhaftet / Konflikt bei -en Aat:onü1soz!a1isten / Dor neuen Schritten Vriants?

Amid nm den Eiffelturm

Von unserem Pariser Korrespondenten.

Paris, 2. April.

Das innerpolitische Ereignis der Woche mutet fast wie ein Aprilscherz an: Eduard Herr io t hat seine Entlassung als Bürgermeister der guten Stadt Lyon eingereicht! Eigentlich paß­ten die beiden ja nie so recht zusammen: der joviale Mann mit der Pfeife", der sich gern als Kind des Volkes bezeichnet und tatsächlich aus den beschei­densten Verhältnissen aufgestiegen ist, der sentimen­tale Dichter und lyrische Politiker, und die aristokra­tische, verschlossene, auf ihren Reichtum und ihre Vergangenheit so stolze Stadt aber das Leben, auch das öffentliche, ist ja biAt von Widersprüchen! Anlaß zu diesem folgenschweren Schritt des radika­len Führers gab das alte Zerwürfnis mit den Sozialisten, die seit e'wa zehn Jahren in der Seidenstadt von Sieg zu Sieg eilen, und seit den letzten Wahlen im Stadtrat eine so'che S ellung einnehmen, daß der Bürgermeister auf die Unter­stützung des kleinen konservativen Flügels angewie­sen war.

Es ist die gleiche Entwicklung, die wir in fast sämtlichen französischen Provmzstädien beobachten können: Vor dreißig Jahren noch radikale Boll­werke, glitten sie unaufhaltsam dem Sozialismus zu, der sich heute überall stark genug fühlt, die Ver­waltung selber in die Hand zu nehmen und auf die kompromittierende Hilfe der verachtetenBourgeois" zu verzichten. Es ist das untrügliche Zeichen eüt-r tiefen Umwälzung, die sich im französi­schen Volksleben vollzogen hat. Der alte Radikalismus,das Rückgrat der Republik", der Inbegriff des siegreichen Kleinbürgertums, geht mit Riesenschritten seiner Auflösung ent­gegen.

, Die innerpolitische Lage ist um so bedenklicher, als die Zeit herannaht, wo sämtliche Parteien auf die Wahltaktik bedacht sein müssen. Keine politische Gruppe, die Anspruch auf irgendwelche Gel ung er­hebt, kann für sich allein in die Wahlschlacht ziehen. Tas gegenwärtige Krcissystem mit der alles beherr­schenden Stichwahl macht es jeder Partei zur gebie­terischen Pflicht, sich für diese letzte Entscheidung nach Bundesgenossen umzusehen. Immer deutlicher schließen sich zum Beispiel alle Parteien der Rechten zu einem gewaltigen Block zusam men; die ausgezeichnete Organisation des ehemali­gen Kampffliegers de Kertllis wirft ihre Netze immer weiter aus und arbeitet zielbewußt an einer Einheitsfront, die von den Rechtsradikalen Marin scher Richtung bis tief in die schwankenden Reihen der Mitte reicht. Der von den Radikalen lange ge­pflegteKonzentrationsgedanke" ist tot: dte schöne Operation, die darin bestand, der parla­mentarischen Ente die beiden Flügel zur Rechten und zur Linken abzuschneiden, ist mißlungen. Allein können dte Radikalen ebensowenig wie eine andere Partei das Glück wagen. Sie müssen Stellung neh­men, nach rechts oder nach links. Ihr Sehnen und Trachten ist auch heute noch, genau wie 1924, zur sozialistischen Seite hin gerichtet. Nur liegt dazwi­schen das völlige Versagen des Kartells in der Fi­nanzfrage, die Bundesgenossenschaft Herriot-Poin- car« und die verunglückten Kabinettsbildungen Ehautemps' und Clementels. Zudrm sind die So­zialisten gegenüber 1924 unleugbar sehr erstarkt und wollen von irgendwelcher Unterstützung nichts mehr wissen.Alles oder nichts!", heißt es heute .bei Blum, Faure und Zyromski. In einem neuen Kar­tell wären sie die Führer, nicht die Radikalen. Den Radikalen sitzt buchstäblich das Messer an der Kehle >zwei Zentimeter vom Herzen", wie Herriot sagt.

^mmer wieder die Affäre um die Affäre Dreyfus"! Die vielen, die da mein­ten, Frankreich habe die Sache längst vergessen, mögen angesichts der Ereignisse jedenfalls ihren Irrtum erkennen. Es genügt auch nicht, wenn man sagt, es handle sich lediglich um ein paar unreife Burschen von derAction Francaise", denen jede Gelegenheit zu Radau willkommen sei. Bei den nächtlichen Schlachten, deren Schauplatz der ganze Boulevard zwischen dem Tor St. Denis bis zum Platz der Republik war, wirkten Hunderte von Rechtsrepubli'anern mit. bi-? nickt mit ..Camelots du roi" verwechselt werden dürfen. DieCroix de feu" marschierten aus, in der Hauptsache Reserveoffiziere, die ihr Militärkreu; an der Front erhalten haoen, ferner die Organisationen Taittingers und de Kerillis. Unleugbar war der v o l i t i s ck e Charakter all dieser Demonstrationen: In die Rufe Nieder mit den Verrätern!" mischten sich immer häufiger dte andern:N'eder mit den Boches!" Es hat also dem Ueberfttzer Jacques Richepin nicht das Mindeste genützt, daß er das Werk in skanda­löser Weise »erbalharn^e unb, Deu^cklanb alle Schuld in die Schuhe schob; die französischen Ratio­nalisten sind eben so ungeheuer empsiudlich, daß sie

Oer wie Reiier"

Eigener Drahtberichl.

Berlin. 2. April.

Einer Meldung verBosstschen Zeitung" aus Fürstenwalde zufolge sind dort sieben Ange­hörige des Reiterregiments 9 und eine Anzahl Arbeiter festgenommen worden, die sämtlich der Kommunistischen Partei angehören und mit den Reichswehrangehörigen seit einiger Zeit in Bezie­hungen gestanden haben.

Die Festgenommenen stehe» schon seit einiger Zeit in dem dringende» Verbuch, eine Zellen­bildung in der Reicksswehr zu betreiben. So ist vor allem mit einer kommuniMä)en Zei schriftDer rote Reiter", die aber erst in der zweiten Aus­gabe erschiene» ist, umfangreiche Propaganda unter den Soldaten getrieben worden. Zu den verhafte­ten Reichswehrangehörigen gehören neben Mann­schaften auch Unteroffiziere. Gegen säm.ichr Be-

teillgten wird vom Oberreichsanwalt ein Ver­fahren eingeleuet.

Brian- will sich einscha'ien

London, 2. April.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" schreckt, «nan erwar.e, daß Brians wäh­rend der nächsten Tagung des Vöckerbnndsrates diesem, sowie Dau schland und Oes erreich Gegen­vorschläge für einen größeren wirtschaftlichen Ver­band unterbreiten werde, dem diese beiden Länder ebenso wie andere Länder einschließlch Frankreich bcitreten könnten. Briand und der Quai d'Orsay fingen an, die rechtlichen Schwierigkeiten zu erken nen, die einem tatsächlichen Veto gegen die deutsch österreichische Vereinbarung im Wege ständen, und | es werde bereits zugegeben, daß eine Zollunion den Buchstaben der Verträge von Versailles und Saint Germain nicht verletze. _ . __ ___

Dom Eise befreit?

Bon unserer Berliner Schriftleitung.

Dr. Th. Niemand wird bezweifeln, daß der Win­ter, der mit dem bevorstehenden Osterfest sein ersehntes Ende findet, politisch und wirtschaftlich zu den schwierigsten Epochen der Nachkriegs- z e i t gezählt werden muß. Zwar ist in dieser Zeit kaum ein Jahr vergangen, in welchem nicht jeder Win­ter Kämpfe und.Sorgen die Fülle gebracht hätte. Aber noch nie hatten wir fünf Millionen Arbeitslose, noch nie war die Leidenschaft des politischen Partei­kampfes so hitzig aufgepeitscht, noch nie haben wir eine Dauersezession von mehr als einem Viertel aller Reichstagsabgeordneten erlebt, und kaum >emals war die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Finanzen in allen ihren Zweigen so zum Zerspringen angespannt wie diesmal. So ist auch das Hoffnungsglück mehr als bescheiden, das zu diesem Osterfeste irgendwo im Tale grünen möchte. Deshalb ist die Frage allzu berechtigt, ob wir vom Eise dieses schwe­ren Winters nun wirklich befreit sind, denn allzu viele und allzu gefährliche Probleme nehmen wir noch ungelöst mit in den Sommer hinein.

Berliner GA-Führer gegen Hiller

Von unserer Berliner Schriftleitung.

th. Berlin, 2. April.

Während es in Weimar zum Rücktritt der beiden nationalsozialistischen Minister Dr. Frick und Marsch- ler kam, ist in Berlin ei» schwerer Streit zwischen der Parteileitung und der Berliner Gauleitung der S.A. ausgebrochen. Bereits seit längerer Zeit bestanden Differenzen zwischen Adolf Hitler und dem Berliner S. A.-Führer, Hauptmann Stennes. Zwischen beiden Instanzen hat es schon zu frühere» Zei-punk­ten Schwierigkeiten gegeben. Jetzt aber ist Hitler kurzer Hand zur Absetzung des Hauptmanns Stennes von seinem Posten geschritten. Daraufhin hat Hauptmann Stennes eine Erklärung gegen Hitler und seinen Stabschef Hauptm. a. D. Böhm, veröffent­licht, während der andere Berliner Ortsgruppenführer Dr. Göbbels sich hinter Hitler gestellt fSiehe auch Seite 2!) hat. Alle die Differenzen werden wahr­scheinlich im Laufe des heutigen Tages bei der n a - tionalsozialiftischenFührertagung aus- getragen werden, die in Weimar stattsindet.

Für den Hergang dieser Dinge sino einige Erklä­rungen außerordentlich charakteristisch, die im Laufe des gestrigen Tages bzw. Abends aus den gegensätz­lichen Lagern veröffentlicht wurden. Die Absetzung des Hauptmanns Stennes wurde in einer Erklä­rung des Stabschefs Röhm ausgesprochen, worin betont wurde, Stennes habe zu wiederholten Malen eine Einstellung bekundet, die geeignet sei, die Bewegung zu gefährden. Mit der kommissarischen Lei­tung der Gruppe Ost wird an Stelle des Hauptmanns Stennes Oberleutnant Schulz beauftragt.

Gegenüber dieser Erklärung hatte Stennes zunächst eine Mitteilung veröffentlicht, daß ihm amtlich über­haupt noch nichts darüber mitgeteilt sei, und daß eine solche Enthebung einen Wortbruch Adolf Hitlers be­deuten würde.

Inzwischen hat die Redaktion des Goebbels-Organs Der Angriff" der T. U. eine

Erklärung von Hauptmann Stennes übermittelt, die gleichzeitig von folgenden Oberführern der S.A. unterzeichnet ist: Für den Gausturm Berlin gez Wetzel, für den Gau- sturm Brandenburg Ostmark gez. Veltjens, für Meck­

lenburg gez. Rüstrow, für Pommern gez. Lustig, für Schlesien gez. Kremer. In der Erklärung heißt es u. a.:Durch Verfügung des Stabschefs der S. 91.. Hauptmann a. D. Röhm, bin ich meiner Dienstleistung als Gruppenführer Ost enthoben worden. Damit ist der Treubruch Hitlers, den ich noch gestern für un­möglich hielt, Tatsache geworden. Getragen von dem Vertrauen der mir unterstellten S. A.-Verbände habe ich die Uebernahme der Führung der Bewegung in den Provinzen Mecklenburg, Brandenburg, Pommern, Schlesien und der Reichshauptstadt durch die H. A. an­geregt. Die revolutionäre Schwungkraft der S.A ist durch die politische Leitung derR. S. D. A. P. mitbürgerlich-liberali- stische» Tendenzen durchsetzt worden. Da­mit ist der Lebensnerv einer Bewegung getroffen worden, von der erwartet werden konnte, daß sie das soziale Elend des deutschen Volkes beheben würde. Die Verwässerung und Verweichlichung der Partei und die Abwanderung der aktivistischen Kämpfer ins Lager der Kommunisten urob Strasserleuie (Fall Scheringer und Kassel) sind die Folgen einer solchen unverständ­lichen Haltung." Die Erklärung schließt mit den Worten:Jetzt sind wir auf der Hut und ziehen die Konsequenzen. Der Gruppenführer Oft. (gez.): Sten­nes."

Ole gesamte E>. A hinter Hitler"

Eine Erklärung desVölkischen Beobachters".

München, 2. April.

Unter der UeberschriftDie gesamte S. A. hinter Adolf Hitler" veröfsenticht derVölkische Beobach­ter" Kundgebungen der Gruppenführer Ron» und SRite, sowie ein Treugelöbnis des Gruppenführers Oesterreich. In dem Gruppenbefehl Nord heißt es, daß nur die geschloffene Einheitsfront der S. A. den Dienst verbürge. In dem Gruppenbefehl Mitte wird unter anderem gesagt, es sei ein Ding der Un- möglickkeit, daß auch nur der leiseste Zweifel in irgend einer Form an dem Instrument der Partei aufkommen dürfe.

Gewiß kann man auch beim diesjährigen Osterfeste manche Erleichterungen und Entspan­nungen feststellen. Es wäre unbankbar, zu ver­kenne», daß eine Gefahrenzone hinter uns liegt, von der man im Herbst vielfach noch weit Schlimmeres befürchtete, als sie dann schließlich gebracht hat. Von den Gewalttätigkeiten größeren Stils und von den revolutionären Zuckungen, mit denen auch ruhige und besonnene Politiker für den Monat Februar gerech­net haben, sind wir verschont geblieben. Kälte und Hunger sind nicht zum unheilvollen Ursprung schwerer staatlicher Zerrüttung geworden, obwohl die Depres­sion des gesamten Wirtschaftslebens und die Hoch­spannung der politischen Gegensätze sehr leicht zu einem solchen Unglück hätte führen können. Statt dessen herrscht jetzt die lleberzeugung vor, daß der Tiefpunkt des wirtschaftlichen Rückganges und der Erwerbslo­sigkeit erreicht ist, und die langfristige Vertagung des Reichstages hat bis auf weiteres das Eefahrenmo- ment parlamentarischer Konflikte ausgeschaltet, so daß nach den Verwicklungen der letzten Monate, die im­merhin schon ein kleiner Ritt über den Bodensee ge­wesen sind, ein gewisses Gefühl der Erleichterungschon seine innere Berechtigung hat. Die ordnungsgemäße Verabschiedung des Reichshaushaltes spielt in dieser Hinsicht als stärkender moralischer Faktor nach innen und außen eine gewichtige Rolle.

Insoweit kann man also wohl auch in diesem Jahre von einem bescheidenen Frühlingsahnen in der deut­schen Politik sprechen, aber die Last der noch un­gelösten Aufgaben, die wir mit in den Som­mer hineinnehmen, ist doch außerordentlich s ch w e r. Es sind nicht nurohnmächtige Schauer körnigen Eises", die der fliehende Winter uns nach­träglich sendet, sondern er hat einen drückenden be­engenden Panzer, eine wahre Eletscherlast aus uns liegen lassen, unter der das politische und das wirt­schaftliche Leben sich kaum recht zu regen vermag. Ne­ben allen zahlreichen Einzelproblemen, die bei der Fortführung der inneren Sanierungsarbeit noch zu bewältigen find, neben der Reform der Arbeitslosen- sürsorge, neben der Sicherung der öffentlichen Finan­zen der Arbeitsbeschaffung und des inneren Lastenaus­gleichs ist es vor allem die Iributfrage, die sich jetzt wieder stärker in den Vordergrund schiebt, und unter deren fürchterlichem Druck kaum eine aussichtsreiche Möglichkeit besteht, die deutsche Wirt­schaft aus ihrer winterlichen Erstarrung zu befreien. Gewiß bestanden auch hier manche Hoffnungen, daß mit dem Frühjahr eine Erleichterung und eine Belebung eintreten würde, aber leider scheint es, als ob diese Hoffnungen in vielen Stücke» zu Enttäuschungen werde» sollten.

nicht einmal die Möglichkeit eines unfreiwillige» Irrtums ihrer militärischen Führer zulassen wollen. Herr Richepin trägt sich nun mit oer Absicht, das Stück in einem Saale des Arbeiterviertels Belle- ville, dem von einer Rede Millerands her berühm­ten TheaterBa-Ta-Clan", aufzuführen: cs bleibt abzuwanen, ob er hier damit mehr Glück habe» wird.

*

Im Versailler Schloß rüstet man zu den Präsioentenwahlen. Der linke Flügel ist seit ei» paar Tagen geschlossen, damit der recht unbe­queme Saal zur Aufnahme von nahezu 1000 Wählern hergerichtet werbe. Unterdessen fliegen dieTips" nur so über die Boulevards. Der lächelnbe Dou- m e r g u e hat bei mehrere» Gelegenheiten gezeigt, wie groß die tatsächliche Macht des ungekrönten Kö­nigs von Frankreich fein kann. Umso schärfer tobt der Kampf um den Nachfolger eines Mannes, der das Rad der französischen Politik mehr als einmal ent»

scheidend gedreht hat. Er selber weigert sich mit al­ler Entschiedenheit, seinen Mietvertrag im Elysee auf weitere sieben Jahre zu erneuern; das alte Familien- tzaus in Aigues-Morles steht bereit, den Müven auf­zunehmen. Poincare, auf den Aller Blicke sich richteten, scheidet wegen seiner Krankheit endgültig aus. Briand scheint fest entschlossen zu fein, am Quai d'Orsay zu bleiben, insofern die politische Ent­wicklung der nächsten Wochen keine Ueberraschungen auch in dieser Hinsicht bringt. Ein Mann der Lin­ken, Painleve oder gar der Kammerpräsioent Bouis- son, kommt von vornherein nicht in Frage. Bleibt der Präsident des Senats Doumer als aus­sichtsreichster Bewerber, und der ehemalige Botschafter in Bern Henneffsy alsOutsider". Der Kampf ums Elysee befindet sich augenblicklich im Stadium der ebenso kostspieligen wie intimen Diners, und es ist in den Wawbelaängen der Kammer wie des Senats eine beliebte Scherzfrage: Was für köst­liche Sachen der Herr Kollege gestern abend gegessen habe. .. Dr. Pz.

Es war eine der grundlegende» Erkenntnisse, auf die der Reichskanzler seine Sanierungs- und Befrei- ungspolitik aufgebaut hatte, daß mir zu einer Neube­lebung der Wirtschaft in dem für die Erfüllung der Tributverpslichtungen erforderlichen Maße nur mit Hilfe ausländischer Kredite gelangen könnten. Diese Auffassung hat sich in den verschiedenen Entwicklungs­stadien der Politik Brünings immer wieder ganz deut­lich als eine der obersten Leitlinien erwiesen. Schon beim Antritt seines Amtes gab der Kanzler die Pa­role aus, durch innere Sanierung die Basis für d i e Revision der äußeren Lasten zu schaffen. Die Hemmungen, die sich der endgültigen Bereinigung aller inneren Schwierigkeiten entgegen­stellten, brachte» bann eine taktische Wendung mit sich, bei der vor die eigentliche Revision des Poung- planes ein Zwischenstadium der Kreditpolitik eingeschaltet wurde. Damit ergab stch zugleich die Not­wendigkeit, um dieser zunächst unentbehrlichen Kredite willen den Revisionsgedanken auf einige Zeit zu ver­tagen. Es fcheintaber, als ob wir bei die-