Mittwoch, I. April RSt
Oer gefährliche Augenblick
Bei Junker und Dünnhaupt, Berlin-Steglitz, er- ichicn soeben ein Buch „Ter gefährliche Augenblick", Pas seiner ortginelle» Idee wegen besondere Se» achiung verdient.
Es Wird Wohl kaum einen Menschen geben, auf den die Gefahr mcyt eine eigemumliaje Auziehuugslraft ausüor. Gewiß wiro man sich nicht ohne Anlaß in ge- sayruche Situationen vegeoen. Wenn man aoer oe- üenkt, wie beliebt die tzttme sind, in denen wagemutige Aoenieuer gezeigt werden, mit weicher Lelden- schajt die »riminalromane und die Zeitungsberichte liver Unglüc-Ssatte und Verbrechen geie,en werden, wie schneu sich ein Volkshaufen bildet, wenn auf der I»raße em .-zusarnmenftotz sich ereignet oder ein Haus brennt, wie sehr die toll,le Kühnheit auf der Sport- bahn bewundert wird, wie schließlich trotz aller Be- denlen das Leben immer wieder sirr den politischen Kampf oder tm Kriege eingesetzt wird, so wird man jagen, daß der Mensch sich nicht nur bemüht, die Gefahr zu besiegen, sondern daß er zugleich eine Neigung yat, sie geradezu zu suchen und herauszufordern. Mit dem Wo« S'Nsaitousluft ist diese Neigung nicht abgetan. Sie ist tres tm menschlichen Wesen verwurzelt, wie Ernst Jünger in seiner kurzen, aber gedau- tenreichen Einleitung nachweist.
Das Buch ertthält eine Reche von Tatsachenberichte» uns eine Sammlung wohl der spannendsten Äugenoliclsaufnahmen, die während gefährlicher Er- eigiiiffe in tuen Teilen der Welt anfgefangen worden sind. Alle Gesichter, die die Gefahr annimmt, werden nacheinander gezeigt. Am vernichtendsten find wohl die großen Ka.ajtrophen der Rarur, die Ausbruche der Sultane, die Erdbeben, die Seestürme, über die wir ganz starke Eindrürke ans dem Buch gewinnen. Er- fchütternv find die Bilder von dem Erdbeben von S. Francisco, die Berichte über den Ausbruch des Mont Prise und den Untergang der Titanic. Auch Sport und Technik haben schon viele Opfer gefordert Die Auswahl bringt einige lehrreiche und seltene Photo- aus diesem Gebiet. Wie man durch die äußerste Le- bensgesahr hindurch doch glücklich zum Ziele'gelangen kann, erzählen Major Segrave. der einen Äuwwelt- rekord aufstellte, und Hünefeld, der Ozeanflieger. Mut und Geschicklichkeit müssen sich besonders im Kampf mit der Tierwelt bewähren; Löwen; Stiere. Riesen- fische werden uns tu Bildern und Worten gezeigt. Zum Schluß gelangt der Stampf des Menschen mit dem Menschen zur Darstellung. Sriegsszenen. Attentate. Stratzenunruhen, Dinge, die wir alle erlebt hoben, die uns alle angehen, hier in vorzüglicher Auswahl geboten: Krawalle in Berlin, eine Flucht aus dem roten Odessa, die Ermordung des Ministers Plehwe, das Attenlat von Sarajewo. Es ist unmöglich, hier den ganzen Inhalt des äußerst spannenden Buches zu erzählen. Es wirkt wie die Gefahr selbst, es hält uns tnwiderstehltch in seinem Bann.
rra,,elec vUv. te viad>rtcnen
Kinderiragö-ie im Gchneesiurm
Oer Chauffeur opfert sich für seine kleinen Passagiere
B. Network, 1. April.
Auch die Vereinigten Staaten find in der letzten Zeit., von einem Kälteeinbruch heimgesucht worden, der in den Rocky Mountain- zu schweren Schnee ftürmen führte. Dabei hat sich, wie schon kurz ge- meldei, ein furchtbares Unglück ereignet: Kinder, Sie suh in einem Schul Omnibus befanden, blieben im Schnee stecken und befanden sich 36 Stunden lang in furchtbarer Lage. Fünf von ihnen stnd e»- frore» und die andern, die gerettet wurden, besinnen sich in zum Teil sehr bedenklichem Zustand im Krankenhaus.
Die Tragödie ereignete sich wenige Kilometer vcm Mount Pleasant in der Nahe der kleinen Stadt Towner an der Grenze zwischen Eolorado und Kansar. Die Kinder, alle von 8 bis 13 Jahren. besuchten die Schule von Pleasant Hill und wurden im Schul-Omnibus täglich nach Hause befördert. Auch an dem fraglichen Tage kam ver Chauffeur Miller mit feinem Omnibus, um die Kinder nach Haufe zu bringen. Da aber von den Rockte- sich berei s die Anzeichen eines heranbrau- fenSen Schneesturmz bemerkbar machten, so hatte er Besenekn, ob er die Fahrt wagen sollte. Nachdem er die Dache mit der Lehrerin, Fräulein Moser, besprochen hatte, entschloß er sich doch zu der Fahrt, Wahrend die Lehrerin die Schule zu Fuß verließ und dann später in einem Bauernhaus Zuflucht sand. Miller fuhr mit den 23 Kindern ab, aber nach einigen Kilometern steckte der Omnibus so tief in dem treibenden Schnee, daß er nich. mehr vorwärts noch rückwärts kam. Miller versuchte alles, um die Maschine in Gang zu bringen, aber vergeblich. Er begab sich darauf zu den Kindern in dem Omnibus und setzte ihnen, während der Schnee den Wagen mit einem dichten Vorhang umhüllte, die gefährliche Lage auseinander, in der sie sich befanden. Auf feine Veranlassung zerrissen sie alle ihre Schulbücher und Schreibhefte, machten Feuer in einer Petro- leumfanne und drängten sich rund um das Feuer zusammen. Als alles Material der Schultaschen verbrannt war, wurde das Feuer mit den hölzernen Sitzen und anderen Ausstat ungsgegenständen des Omnibus gespeist. Als aber auch dieser Vorrat er- schöpft war und die Flammen immer kleiner wurden, schließlich verschwanden, da veranstaltete Miller mit der Jugend allerlei Dox- und Ringkämpse, ließ sie singen und tanzen und tat alles, um die Kleinen vom Einschlafen abzuhalten. Obwohl et von seiner Arbeit an der Maschine, die er immer wieder instand zu setzen suchte, durchnäßt und halb erfroren war, hüllte er die Kinder abwechselnd in seinen dicken Mantel aus Schaffell, und hielt sie so eine Zeilang in dem Pelz warm.
Unterdessen stürmte der Schnee immer noch um den Omnibus, und die Fenster waren vollständig verklebt. Miller und die Kinder taten in diesem unheimlichen Kerker alles, um sich den Nachmittag, den Abend und die Nacht über wach zu erhalten. Am Morgen fand der Kutscher, daß ein Mädchen in der Nacht gestorben war. Nun entschloß er sich zu einem Verzweislungsschrit. Er überließ die Sorge Ar die Kinder dem Weitesten, einem dreizehnsährt gen Jungen und schärfte ihm ein. daraus zu achten,
daß niemand einfchliefe. Er selbst ging in die schneedurchstürmte EiseSkälie hinaus, um Hilfe zu suchen. Man fand ihn später tot auf, nachdem er vergebens versucht hatte, gegen den Tchneesttinn anzukämpfen. Er war 5 Kilometer weit gewandert, bevor er erschöpft zusammenbrach, aber in der falschen Richtung, in der es keine Ansiedlung gab.
Unterdessen hatte man im Omnibus eine neue To e entdeckt. Es war die kleine Tochter Mtllers selbst. die Kinder gerieten nun in große Aufregung. Eins von ihnen zerbrach ein Fenster, und so waten
»DaS 8rhtew*htifteri*m hat beldOoffee. Hk IM Milli«»«- Mark neue Silber«»«,e» als SÜasmark- ftucke prägen ,u lasset,."
Berlin, Ende März..
Dem bescheidenen roten Backsteinbau in der Unter» Wasserstraße in Berlin sieht man feine Bestimmung nicht an. Nur wenige ahnen, daß hier der Silbergeldstrom zu fließen beginnt, der aus dem Wege über die Reichsbank, über die Kassenschalter der Banken in die Geld'aschen wandert, bis er trübe und abgegriffen wieder zur »Quelle zurückfließt.
Es gibt in Deutfchland fechs Staatliche Münz- Prägeanstalten: in Berlin, Hamburg, Muldener Hütte in Sachsen, München, Stuttgart und Karlsruhe. In diesen werden die Fünfmärkstücke in einem zusammenhängenden ArbettSgang hergestellt, während für die kleineren Münzen die fertigen Münzplättchen von einigen Privatbetrieben hergestellt Wersen, fodaß sie in der Staatlichen Münze nur noch geprägt zu werden brauchen.
Um welche Mengen es sich dabei handelt, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel. Ein Fünfmarkstück wiegt genau 25 Gramm, 20 Millionen Fünfmarkstücke haben daher das runde Gewicht von einer Million Pfund Da ein normaler Güterwagen bet Reichsbahn 15 Tonnen zu je 1000 Kilogramm Tragkraft hat, so wären zur Beförderung von 100 Millionen in Form von Fünfmarkstücken 33 Güterwagen erforderlich. Die Versendung eines Schecks in gleichet Höhe ist entschieden „leichter".
Die Prägung eines FünsmarkstückeS ist ein umständlicher und schwieriger Prozeß. Er beginnt mit dem Schmelzen einer Silberlegierung, deren Zusammensetzung geheim ist, die aber zu 50 Prozent aus Silber besteht. DaS aus dem Schmelzofen kommende „Hain" — so nennt bet Fachmann die Münzmetall, Legierung — wird in Stangenform gegossen, vierzig Zentimeter lanae, 4,5 Zentimeter breite Streifen. Durch mächtige Walzmaschinen werden biefe S angen zu langen Streifen von genau bestimmter Breite und Dicke ausgedehnt. Diese Me'allstreifen werden durch S'anzmaschinen geführt, die Plättchen von der Größe eines Fünfmarkstückes herausstanzen. Die Münzplätt-
fie nun völlig derKälte ausgesetzt. Der Aelieste suchte die andern durch Boxen und Amgen In Bewegung zu erhalten, aber sie waren schon zu erschöpft. Dein deiner Bruder wurde bewußtlos. Ter Knabe zog sich seine Sachen bis aus die Unterkleider aus und hüllte den Bruder hinein, aber ohne ihn re ten zu können. Schließlich lagen sie alle bewußtlos auf dem Boden.
So entdeckte am Nachmittag des folgenden Tage» ein Sandmann auf der Suche nach feinem Viel, das sich in dem Sturm beritt hatte, den völlig verschneiten Omnibus. Er eilte nach seinem 1/ Kilometer entfernten Haus, um Hilfskräfte für die Rettung der Kinder zu gewinnen. Da man sich zu dem Wagen am besten durch die Lust Zugang »erschaffen konnte, wurden die Klicker im Flugzeug nach dem nächsten Krankenhaus gebracht. Sie sind fast alle an Lungenentzündung erlramft und haben schwere Frostschäden erlitten, sodaß viele von ifrncu, auch wenn sie am Selben bleiben, jedenfalls Arme und Sein« verlieren werden.
chen werden dann abermals durch eine Walze geführt, wodurch der Rand aufgebogen wird und mit einem fchwet nachzuahmenden Muster versetzen wird.
Dann werden die ungeprägten Plättchen durch abermaliges Glühen gehärtet und durch Abkochen in chemischen Lösungen gereinigt, wodurch sie ihre schmutzig-graue Färbung verlieren und den blitzenden Merallglanz erhalten.
Die so verbreiteten Mnnzplättchen werden in die „Präge* geleitet, eine Maschine, die mit Hilfe von Prägestempeln unter starkem Druck dem Münzmetall erst Geldwert gibt. Automatisch werden die geprägten Münzen gezählt, daß man sie nicht etwa in die eigene Tasche springen lassen kann. In der Berliner Münz« stnd gleichzeitig 30 Prägemaschinen für 5 Markstücke im Betrieb. Täglich müssen zweimal die Prägestempel aus bestem Stahl erneuert werden, weil sie durch den gewaltigen Druck beim Prägen schnell unbrauchbar werden.
Die Männer, die in dieser Geldfabrik arbeiten, sind w sachlich am Werk, als wenn sie Blechmarken druckten. obwohl jeder von ihnen täglich viel« tausend Mark im wahrsten Sinne des Wortes fabriziert. Aber diese Methode der Geldherstellung, die sich nur wenia von den Methoden des Mittelalters unterscheidet, gilt noch immer als die beste und sicherste. Der beste Beweis Ist die Tatsache, daß nur äußerst selten Fälschungen so gut gelingen, daß sie nicht sofort als folche kenntlich sind. Und vor allen Dingen hat die Staatliche Münze für technische Neuerungen kein — Geld.
Cornelius Schmidt.
Zn der kleinen polnischen Stadt Belchatow bet Petrikau wurde ein Eymnasialprosessor, der als Verfasser verschiedener pädagogischer Werke bekannt ist, am Tage der Verteilung der Osterzensuren von einigen seiner Schuler, die sich benachteiligt fühlten überfallen und erschlagen. Die Tater hatten sich mos» I fielt, sind aber doch erkannt und verhaftet worden. >
Ein Güierzug voll fünfmärkstücke
Besuch in der Silbergeld-Fabrik des deutschen Reiches
Sie heutige Nummer umsatzt 18 Seite«
Beramworilich ,ür Sen politischen Teil: Tt. Sollet Pehnl: für br) Feuilleton: German M P o n a n: für lokale» und Heimatteil: Dr. Ha. 3 Joachim Glatzen für Handel: Dr. Hans Langenderg: für Tooriieil: Herbe« Sv «ich: Photo-Redakteur: Eduard Schult« lief fei: für den Anzeigenteil: Konrad WachSmanu. — Berliner ®<6riftteimrj: Dr. Walter Z b u m . Berlin LW. 68. — Druck und Verlag: Saffeler Neuem Nachrichten ®. m. 6. Saffet'. Kölnische Strafet 11
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