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Ar 77 / Einundzwanzigfier Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 1. April 1931 / 2. Beilage

Jubiläen am 1. April

Kennen Eie das schöne Kassel?

Ein paar jung# Kasselanerinnen waschen am Ufer

KLEIDER

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Links:

.. auf dem Hauptplah Kassels steht das einzige Auto, das hier beheimatet ist.

Oben:

. hinter seiner Herde schrei« tend, naht der Schweinehirt.

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die wir hier antreffen, sind durchweg freundlich und fleben uns bereitwilliflst über dies oder jenes Aus« kunft. Eine angenehme Enttäuschung, da die Un­freundlichkeit der Kasseler bei uns fast sprichwörtlich geworden war.

Auf unferm Streifzufl durch die engen Seiten­straßen mit ihren malerischen Fachwerkhäusern fan­den wir manchen bei uns langst nicht mehr bekann­ten Handwerker beruf eine kleine Schmiede, eine Stellmacherei an andern Häusern hingen die Federbetten der ganzen Familie aus sämtlichen Fenstern hinaus ein Bild, das der Romantik nicht entbehrte.

Vor dem Standesamt Kassel trafen wir ein Paar, das gewillt war, den entscheidenden Schritt staatlich fixieren zu lassen. Nette junge Leute waren es, die zukunftsfroh die Stufen des Rathauses empor­kletterten.

Den Abend verbrachten wir in einer der zahl­reichen Gastwirtschaften: der Wirt bediente selbst, er war von echtem Schrot und Korn. Wir fragten ihn, was denn eigentlich aus der Straßenbahn geworden fei. die der Ort doch früher unseres Wissens besessen

aus bräunlichen und blaue# Cheviots mit kleinen mo­dernen Mustern, auf K*se*de gearbeitet .

ist eine Sonderleistung der Weiss-Kleider-Werkstätten. Mit der guten wkw-Verarbei-

»t die bequeme Form ttir-die Straße und den Sport. Eine Spitzenleistung der Preis- Würdigkeit . . .. .

Phot. Eberth'

18 ^"hren kam der Metzgermeister Hermann

Schulze nach Kassel und fand Arbeit bei Fritz Schaub usW Am 1 April 1891 übernahm er sein heutiges Geschäft in der Frankfurter Straße 14 und führte es auf seine heutige Höhe. Mit immer fröh- ^er Laune stets freundlich und gefällig zu seiner Kundschaft hat es Hermann Schulze verstanden, sich so sehr populär in Kassel zu machen. Als Fachmann lehr ae,chatzt, half er einstmals die'Genossenschaft für Haute- und Fettverwertung gründen, gehörte auch » 2.e 3 eit dem Vorstand der Fleischerinnung an. Roch heute steht der 65jährige von morgens bis abends in seinem Geschäft, immer tätig. Und trotz­dem findet er Seit, bei seinen Freunden und Be­kannten rechte Geselligkeit zu pflegen, die allcrwärts sein gutes Herz erkennen läßt.

Das altbekannte Zigarrenspezialgeschäst in der Entengasse 8, I. Rüppel, begeht heute sein 25jähri- ges Jubiläum. Wie in früheren Zeiten, so genießt auch heute noch das Geschäft den besten Ruf und wird seinem Grundsatz, gute und preiswerte Ware zu führen, treu bleiben.

ständige V der Qualitäten gleichzeitiger gung der Preise

der Aufgabenkreis der Handwerkskammer vielgestaltig und umfangreich geworden und damit ist auch das Ar­beitsgebiet des Jubilars Nüßlein gewachsen, der das gesamte Rechnungswesen der Kammer leitet und da­neben auch vom Gericht als Revisor und Sachverstän­diger in allen Fragen der Handwerkergenossenschaften anerkannt ist. Dem liebenswürdigen und stets hilfs­bereiten Jubilar, der in allem Kreisen des kurhessisch- waldeckischen Handwerks bekannt und beliebt ist, wird es cm seinem heutigen Jubiläumstage an Aufmerk­samkeiten nicht fehlen.

Am 25. März war-n es 25 Jahre, daß der Lager­arbeiter Karl H e i n z e r im Eisenbahn-Konsum tätig ist. Ihm wurde vom Personal eine goldene Taschenuhr überreicht.

Anmerkung der Redaktion: Hier schließt der Artikel aus demCourante Dagblatt". Auf der gleichen Seite befindet sich eine Anzeige der Stadt Kassel, die unter dem MottoAb nach Kassel" für die Schönheiten unserer Stadt wirbt.

Ed. Schulz=KeffeL

hätte. Die Antwort, die er in unverfälschtem Hetmat- dialekt gab, war schwer zu verstehen- nur die Ein­heimischen lachten dazu. Es muß also nichts Schmei­chelhaftes gewesen sein. Mit dem letzten Zug, es war gegen neun Uhr. abends, verließen wir Kassel wie­der. Wenn es auch nicht den Erwartungen, eine auf­blühende deutsche Großstadt zu sein, entsprochen hatte, so waren wir doch vollauf befriedigt: hatte uns der Besuch doch gezeigt, daß alte deutsche Sit­ten noch hochgchalten werden und sich im rasenden Tempo der Gegenwart ein Ort wenigstens in alter Ruhe und Gemütlichkeit erhalten hat. Und dazu muß man dem schönen Kassel gratulieren..."

In einer großen ausländischen Zeitung fin­den sich der nachstehend übersetzt wiedergegebene Artikel und die ebenfalls reproduzierten Photos über einen Besuch in Kassel. Wenn zwischen den Zeilen auch manche berechtigte Kritik zu lesen ist, scheint es uns, als müsse hier doch reichliche Unkenntnis der Kasseler Verhältnisse Vorgelegen baden. Immerhin dürfte der Artikel den in Frage kommenden amtlichen Stellen zu denken geben und vielleicht eine stärkere Verkehrspro­paganda im Gefolge haben.

Ucberfeäung aus demCourante Dagblatt" v. 29. 2.

Morgen kommen wir nach Kassel. Wir haben schon soviel von diesem Ort gehört, daß unsere Er­wartungen hochgespannt sind.

Der erste Eindruck enttäuscht. Wenn man auch weiß, daß Kassel abseits der großen Strecke liegt, so hätten wir doch mehr erwartet. Eine große, aber menschenleere Fläche empfängt uns. Drei Straßen führen von hier zu den Häusern. Merkwürdig aus- geftorben alles keine Straßenbahn kreuzt unfern Weg. Endlich, der erste Laut in der Stille des Mor- gens: ein merkwürdig langgezogener Ton hallt aus einer Seitenstraße--Haustüren öffnen sich

grunzend pnd quiekend eilen von allen Seiten rosige Schweine heran. Der Hornklang kommt näher: ge­mächlich hinter feiner Herde schreitend naht der Schweinehirt, von seinem treuen Hund spielend um­bellt. Ein echt deutsches Bild, das uns schnell mit der Enttäuschung aussöhnt und uns den ganzen Ort mit anderen Augen sehen läßt.

Ein Flußlaus schneidet unfern Weg. Fulda, beißt das Bächlein nach der Karte: ein paar junge Kasselerinnen stehen an ihrem Ufer und wafchen die Wäsche; sie fchlagen sie auf den harten Steinen weich

Parkplatz steht ein Auto. Es ist das einzige, das in schlechten Zeiten noch nicht das härteste Los gezogen

Kassel beheimatet ist, versichert uns voller Stolz ein hat: der Zustand der Straßen ist gut, sogar sehr gut,

eingeborener Junge, der von da an unfern Führer und auch die Arbeitslosigkeit bewegt sich in trag»

spielt. Der Bach, den ich fchon erwähnte, teilt Kassel baren Grenzen. Blitzblank sind die Häuser, die

m zwei Ortsteile. Sechs Brücken führen von einem meistens in kleinen Gärten stehen; die Einwohner,

zum andern Ufer einst waren sie wohl für den ..... - -

Verkehr dringend notwendig, heute werden sie kaum noch von Fußgängern benutzt. Denn auch die Kasse­ler Industrie, die sich hauptfächlich mit der Fabrika­tion von Holz- und Befenwaren befaßte, ist unter­dessen ein Opfer der Großfabriken geworden. Trotz-

-dem scheinen sich die Kasseler recht gut zu stehen, da sie die Landwirtschast ausgiebig betreiben.

Wir suchen das Oberhaupt der Stadt. Am Fen­ster seines schmucken Hauses treffen wir den Herrn Bürgermeister, der sich interessiert über allgemein- politische Fragen mit uns unterhält. Es ist sein be­sonderer Stolz, daß die Gemeinde Kassel trotz der

Links:

Ein Bach, den sechs Brücken überschreiten, scheidet Kassel in zwei Ortsteile

25 Jahre int Kirchen­dienst.

Der Küster der Karlskirche, Herr I. Carl, begeht am 1. April sein 25iähriges Kirchendienstjubiläuin. Allen Gliedern dieser Kirchengemeinde ist Herr Carl als ein ge­treuer ehrlicher selbst­loser und immer hilfsbereiter Diener der Kirche bekannt. Es hat in diesen 25 Jahren nur sehr we­nige Gottesdienste oder kirchliche Hand-

lur.flea gegeben, bei denen dieser ruhige, freundliche und getreue Mann nicht seine Dienste gewissenhaft erfüllt hat. Auch die Kirche wird es an Anerkennung für folche Treue nicht fehlen lassen. Herr Carl ge­nießt auch fönst die Verehrung und Liebe feiner Mit­bürger. Der Verein ehemaliger 83er und der Män- nergefangberein .Singkränzchen" zählen ihn zu ihren verehrte «und beliebten Mitgliedern.

40 Jahre im Eifen-^ bahudienst.

Am 1. April b. J.H begeht der erste Büro- Beamte des Reichs- bahu-Mafchineuamts p

Kassel, Herr Reichs­bahn - Oberinfpektor Louis Beau fein 40- iähriges Dienstjubi­läum. Herr Beau ist zwar nicht in Kassel geboren, er hält sich feit feiner frühesten Jugend mit einigen Unterbrechungen, die ihn in feiner Stel­lung nach außerhalb >

führten, hier auf. Er liebt Geselligkeit und Froh« lichkeit und ist auch außerhalb der Eisenbcchnbeam- tenschaft allgemein bekannt. Er hat nur ein Miß­geschickerlebt, er kann nämlich seinen Geburtstag nur alle vier Jahre feiern, da er am 29. Februar ge­boren ist. _

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Geschäfts- und Berufsjubiläen

Am heutigen Tage feiert die Firma Neumarkt- Drogerie, Inhaber Gustav K o p p l o w, Hohen- zollernstraße 130, ihr 25jähriges Gefchäfts- j u b i l ü u m. Das Geschäft, welches am 1. April 1906 von Herrn D. Nassem gegründet und 15 Jahre geführt wurde, wurde im April 1921 von Herrn Kopplow käuf­lich übernommen, dem es gelang, das schon guten Ruf genießende Geschäft noch weiter auszubauen und zu vergrößern. Die Firma feiert auch gleichzeitig ihr Löjähriges Mieterjubiläum.

Das Lebensmittel- und Feinkostge- schäft Richard Andreas, Orleansstratze 20, kann

heute auf ein 30jährigesBe stehen zurückblicken. Am 1. April 1901 ist das Geschäft ins Leben gerufen worden.

Die bekannte Firma Modesalon Korn, In­haberin Frau Adelgunde Korn, kann heute auf ein 25'jähriges Mieterjubiläum in ihrem Eeschäftslokal, Obere Karlstraße 8. I zurückblicken.

Bürodirektor Anton Nüßlein ist am 1. April 30 Jahre im Dienste der Handwerkskammer für Kurhessen und Waldeck. Als er vor 30 Jahren von der Kasseler Ortskrankenkasse in die Dienste der Hand- werkskamiüer übertrat, hatte die Handwerkskammer gerade angefangen, als amtliche Derufsvertretung für das Handwerk tätig zu fein. In der Zwischenzeit ist

47 Jahre im Postdienst.

Wegen Erreichung der Altersgrenze tritt der Oberpchtschasfner Fritz Wollweber am I.April in den Ruhestand. Er trat am 1. November 1885 bei dem Postamt in Allendorf a. d. Werra in den Dienst und ist seit dem 1. April 1897 bei dem Postamt 1 in Kassel beschäftigt. Er ist einer der beliebtesten und bekanntesten Geld­briefträger Kassels.

« der 2reihigen Form wird immer beliebter. In der be- » währten Stammqualität xl LJ hostet er heute-wr

Wie ein Fremder unsere Stadt sieht / Eindrücke, die zu denken geben. Was sagt das Verkehrsamt dazu?

und reinigen sie so mühelos ohne Seife. Freundlich« Worte fliegen zu uns herüber .. .

Wir stehen auf dein Hauptplatz Kassels, einem s großen, langgestreckten viereckigen freien Platz, über den die Staubwolken fegen. Ein Denkmal steht in seiner Mitte, ob es für einen Fürsten gesetzt oder vielleicht ein Kriegs-Erinnerungsdenkmal ist, könnend wir aus der Entfernung nicht sehen. Auf dem durchs besondere Schilder (ähnlich wie bei uns) gezeichneten

UZ

A

Kassel

i

Kassel, Untere Königstraße 66