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Montag, 30. März 1931
21 Lahrgang
Hessische Abendzeitung
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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Curtius wird Briand antworten
Dienstag im Reichsrat / Eine Erklärung »es Reichsanßenminifler« in »er Wiener preffe / „Daily Herald» kritisiert Brtar.»s Senat««»«
stärker umstrittenen Orten abgehalten wurden, haben bei vielen tikmeinben größere Veränderungen in der parteimäßi^n Zusammensetzung ihrer Vertretungen gebracht. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen aus dem ganzen Lande haben die Sozialdemokraten 33 Mandate gewonnen und 23 verloren, die Hitler-Bewegung hat insgesamt 64 Mandite zu verzeichnen, deren Stimmen ausschließlich den bürgerlichen Parteien verloren gingen.
JnderStadtSalzburg verloren die Sozialdemokraten ein Mandat, die Großdeutschen drei Mandate, die Nationalsozialisten der Schultzgruppe zwei Mandate u. der Wirtschaft!. Städtebund ein Mandat. Dagegen haben die Nationalsozialisten (Hitler-Gruppes vier und der Beamten- und Heimatblock ein Mandat gewonnen. Die Wahlbeteiligung betrug 75 Prozent.
„Wir sind keine Friedensstörer"
(23 on unserer Berli
th. Berlin, 30. März.
Auf außenpolitischem Gebiete steht eine Entgegnung des Außenminister. Dr. Curtius auf den Ougrifs des französischen Außenministers B r i a n d gegen die deutsch-österreichische Zollunion bevor, den dieser am S o n n ab e n d in einer Rede von dem Senat unternal,m, bevor. Die Rede, mit der Briand seinen Vorstoß im französischen Senat gegen die Zollunion-Pläne geführt hat, ist in Berlin nicht unerwartet gekommen, denn man hatte auf Grund der bisherigen Aeußerungen in der französischen Oeffentlichkeit mit einer solchen Aktion rechnen müssen, obwohl eine rechttiche Grundlage für derartige Angriffe nicht gegeben ist. Am heutigen MoMag beabsichtigt der englische Außenminister Henderson, zum gleichen Thema zu sprechen, und man wird daher in Berlin zunächst abwarten, wie sich das englische Auswärtige Amt zu der österreichisch-deutschen Zoll- unw» einstellt. Dann wird der deutsche Außenminister antworten.
Da der Reichstag vertagt ist, besteht die Wahrscheinlichkeit, daß Dr. Curtius die für den morgigen Dienstag anberaumte öffentliche Vollsitzung des Reichsrates benutzen wird, um die erforderliche Antwort an Briand und Henderson zu erteile«. Etwas Endgültiges über Ort und Zeit der Rede ist jedoch noch nicht bestimmt. Man könnte auch an eine Einberufung des Auswärtigen Ausschuffes des Reichstages oder-an eine andere Form der öffentlichen Äußerung denke«.
* ' 7
Aus der erwähnten Senatsrede Briands sei folgendes hervorgehoben: Die Tatsache, die sich ereignet habe, könne, so sagte Briand, in keiner Weise das Prestige Frankreichs berühren. Das wolle aber nicht heißen, daß Frankreich ihr gegenüber unempfindlich bleiben könne. Frankreich sei stark genug, um sich Geltung zu verschaffen. Es könne sein Recht in einer richtigen Diskussion finden.
Am ernstesten in dieser Angelegenheit sei die A r t, in der dabei vorgegangen wurde. Sie ist nicht richtig. Sie ist beunruhigend. Sie widerspreche dem, was abgemacht wurde, und sie widerspreche den Bedingungen für eine europäische Zusammenarbeit. Sachlich gesprochen, bin ich, so sagte Briand weiter, nicht einmal sicher, ob es nicht in Frankreich Leute gibt, die eine gewiße geheime Bewunderung für diese Art hegen. Ich ziehe die Art Frankreichs vor. Ich finde, daß die freie Diskussion in Genf besser ist.
Man hat erklärt, die französische Diplomatie habe keine Ahnung gehabt. Man wird bald erfahren, welche Schritte in Wirklichkeit unternommen wurden.
ner Schriftleilung.)
Selbst Länder, die ziemlich eng mit Deutschland verbunden sind, blieben in Ungewißheit. Frankreich aber hat 48 Stunden vor den aicheren Kenntnis gehabt und sofort habe ich unsere Vertreter in Wien und Berlin angewiesen, die Aufsasiung Frankreichs zum Ausdruck zu bringen.
Wir erklären: Was man unternommen hat, hat man rechtswidrig unternommen, und wir werden das, soweit wir die Möglichkeit dazu haben, nicht geschehen lassen. Das bedeutet aus alle Fälle einen Haltepunkt in der Entwicklung unserer Beziehungen zn Deutschland. Von deutscher Seite — das ist richtig — habe ich schon manche Enttäuschung erlebt. Wenn ich aus meinem Posten verbleibe, so werde ich die diplomatische Aktion fortsetzen, die ich mit dem Willen eingeleitet habe, bis zum letzten Ende zu gehen, das heißt, zu erreichen, daß die beiden in Frage kommenden Länder nicht auf ihrer Absicht beharren, die feierlich übernommenen Verpflichtungen zu verletzen.
Oie erste Abwehr
Wien, 30. März.
Die „Wiener Sonn- und Montagszestung" veröffentlicht ein Gespräch mit dem Reichsaußenminister Dr. Curtius über feine Auffassung der Rede Briands. Dr. Curtius kündigt — unsere obenstehende Meldung bestätigend — an, er werde in einer Rede am Dienstag feinen Staitdpunkt in ausführlicher Weife darlegen und auf Briands Rede antworten. Es heißt dann weiter:
Nichts hat uns ferner gelegen, als mit Heimlichkeiten und Ueberraschungen vorzugehen oder gar eine Brandfackel zur weiteren Beunruhigung der Völker zu entzünden. Wir haben aus unseren Absichten kein Geheimnis gemacht und sind niemals als Friedensstörer aufgetreten, sondern sind im Gegenteil stets bestrebt gewesen, die Friedenspolitik auch mit wirtschaftlichen Mitteln fortzusetzen.
Im übrigen ist es klar, daß wir die wirtschaftlich e Seite des Abkommens zu erörtern haben, denn Wirtschaft heiß! das Problem und nicht Politik. Von einer Verletzung der Protokolle und der Friedensverträge kan« keine Rede sein. Es liegt mir nichts ferner, als die Wiederzusammenarbeit zu stören. Ich bedauere es außerordentlich. daß Minister Briand sich geäußert hat, daß wir den Weg des Friedens verließen. Aber wir hoffen, daß es sich in kurzer Zeit Herausstellen wird, daß wir in Wahrheit keine Friedensstörer sind.
England rückt von Frankreich ab
Eigener Drahtbertcht.
Loudon, 30. März.
Das Arbeiterblatt „Daily Herald" sagt in einem Leitartikel: Anscheinend ist es notwendig geworden, Paris gegenüber mit der gleichen Deutlichkeit zu sprechen wie vorher Berlin gegenüber. Henderson hat vorgeschlagen, die Frage der Legalität der österreichisch-deutschen Zollunion Gens zu unterbreiten, aber Briand schlägt einen anderen Ton an. Er ist gegen die Union selbst. Er spricht von einer „ernsten Gefahr" und von „Wegen, die zu einem Kriege führen". Er sagt, Frankreich werde, soweit es an ihm liege, „etwas derartiges nicht zulasten". Der PrästoeAt des Auswärtigen Ausschuffes des französischen Senats spricht von 1914 und erklärt, daß „ein Versprechen der Zusammenarbeit" von Großbritannien erlangt werden müffe.
„Daily Herald" erklärt: Dies erfordert eine deutliche Sprache. Die Politik Englands ist, mit angemessenen Mitteln die Legalität des von Deutschland und Oesterreich geplanten Schrittes zu prüfen. Wenn et legal ist, dann ist die Angelegenheit, soweit England in Betracht kommt, erledigt. Es kann keine Rede davon sein, daß wir Deutschland und Oesterreich er- Nären würden, wir würden ihren Schritt nickst erlauben, wenn sie tatsächlich das Recht haben, ihn zu tun. Englands Konservalire wieder einig
London, 30. März.
Die Verhandlungen zwischen Baldwin und Lord veaverbrook haben zu einer Einigung geführt. Die Grundlage der Einigung ist eine Erklärung Baldwins, daß er bei den nächsten Parlaments sva^eu das Land um die Ermächtigung ersuchen
werde, die heimische Landwirtschaft gegenüber der Einfuhr ausländischer Lebensmittel durch entsprechende Maßnahmen zu fördern; nämlich durch Anwendung der sogenannten Quoten Methode gegenüber ausländischen Lebensmitteln, d. h. durch genaue Begrenzung der Mengen, die nach England eingeführt werden dürfen, oder durch Einfuhrverbote oder durch Zollabgaben ober endlich durch eine Kombination zweier oder aller drei genannten Mittel.
Bürgermeister a. D.
. Herriot von seinem Lyoner Posten zurückgetreten.
Paris, 30. März.
23ei der Sonnabend vormittag in Lyon vorgenommenen Zahl der Delegierten des Stadtrates, die mit anderen Delegierten des Generalrates die Nachwahl für den Senator des dortigen Bezirks, der gestorben ist, vorzunehmen haben, ist der seil Monaten latente Konflikt zwischen den 24 sozialistischen und den 23 radikalen Stadtratsmitgliedern offen zum Ausbruch gekommen. Die sozialistifchen Stadtratsmitglieder haben eine aus Sozialisten bestehende Liste vorgeschla- gen. die Radikalen eine Liste von 11 Kandidaten, wodurch das Stärkeverhälinis der Parteien gewahrt worden wäre. Die rechtsstehenden Stadtratsmitglieder sieben an der Zahl, stimmten für eine eigene Liste. Im ersten Wahlgang erhielt die sozialistische Liste die 24 sozialistischen Stimmen, während zur absoluten Mehrheit 26 Stimmen notwendig gewesen wären. Im zweiten Wahlgang wurde die sozialistische Liste gewählt. Daraufhin ist der Abgeordnete Herriot als Bürgermeister von Lyon zurückgetreten. Her- riot hatte das Bürgermeisteramt in Lyon bisher auf
grund einer Verständigung zwischen den radikalen und den sozialistischen Stadlratsmitgliedern innegehabt.
OusiricAffäre vor dem Staatsgerichtshof
Paris, 30. März.
Senatspräsidcnt Doumer teilte mit, daß der Senat am 2. April in besonderer Sitzung als Staatsgerichtshof zusammentreten werde, vor dem der ehemalige Iustizminister P s r e t und andere in die Oustric- Angelegenheit verwickelte Persönlichkeiten sich verantworten sollen.
Gemeindewahlen im Lande Salzburg
. Salzburg, 30. Mär».
Die Gemeindewahlen im Lande Salzburg, die gestern nach einem ziemlich heftigen Wahlkampf in den
Das Drama der Arbeitslosigkeit
Bon Bruno Nettsten Haken-Hamburg
»nute Reltffee Haken ist »et deutschen Qefseutlich- keii durch feinen Roman „Der Kall Bund» h u u d", der sich mit dem Ardeitsloseuvroblem beschäs» tim, bekannt geworden. In den nachstebeuden Ausführungen schildert er die schweren Gefabren, die das Elend der Arbeitsloftgkeit für den einzelnen und für die Gemeinschaft beraufbeschwöri:
Wir kennen wenig Gcsneinsamkeitsgefühl in Deutschland. Jetzt erleben wir auf ven Arbeitsämtern in einer traurigen Zeit das traurige Gemein- samkeitsgefühl 6er Abseitsgestellten. Der Arbeitslose ist dem Arbeitslosen verbunden, nicht dem Arbeitenden. Alle, die heule arbeitslos werden, versammeln sich ohne weiteres, nicht nur aus materieller Not, sondern aus dem Gefühl her seelischen Ge- «neinschaft heraus, zu 6er dort stehenden Blasse der schon Arbeitslosen. Es gibt heule kaum mehr eine Scheu vor der Arbeitslosenunterstützung in Deutschland. Die fozialen, soziologischen, moralischen Unterscheidungen hoben sich heute auf in dem Augenblick, wo die Schranke „Arbeit" fällt. Eine breite Front stellt sich aus — gegenüber, ja: gegenüber dem anderen Volk. Aber niemals werden die Fäden ganz zerrissen werden können, die sich herüber und hinüber spannen. Alles, was jetzt auf 6er anderen Seite ist, Bitterkeit, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Auflehnung, dumpfe Auflehnung vorerst, kann übergreisen eines Tages aus diese Seite int Volk. Was wird dann?
Die Ziffern i>et fugendlichen Rechtsbrecher in Deutschland steigt erschreckend. Nur in dem einen Fahr 1929 stieg die Jugendkriminalität um 15 Prozent. Die schwereren Delikte der Jugendlichen nehmen int Verhältnis mehr zu als die leichten. Die schwersten Delikte jugendlicher Rechtsverbrecher werden von den ungelernten Arbeitern verübt, die am längsten arbeitslos sind und nur schwer oder kaum jemals wieder in Arbeit kommen. Die jugendlichen Verbrecher stammen in erster Linie aus Familien, deren Arbeitsverhältniffe durch die allgemeine Arbeitslosigkeit gleichfalls zerrüttet sind. Vätern geht der erzieherische Einfluß auf ihre Kinder verloren, um so schneller, wenn die Kinder selber arbeitslos sind und sich somit bereits der breiten Front aller anderen Arbeitslosen eingereiht haben, die sich bewußt oder noch unbewußt gegen alle bisherigen Bindungen stellen, weil ihnen viele Werte, gemessen an ihrer verzweifelten Lage, in dieser Zeit relativ zu werden beginnen. „Mein Vater? Ach der ist selber arbeitslos ...! Mein Mann? Ach, der ist arbeitslos — und jetzt sind wir auseinander ...! Meine Tochter? Die kommt nächtelang nicht nach Hause . . .!*
Weibliche Arbeitslose werden heute unmittelbar vor den Ausgängen 6er Arbeitsämtern von Männern angesprochen und ;um Mitgeh en veranlaßt. Heute, an vielleicht gerade diesem Tage, geht etwas endgültig kaputt in der Arbeitslosen X. A. (mögen wir irgendeineen Namen hier einsetzen!). Sie ist 22 Jahre alt, Konwristin, sei zwei Jahren arbeitslos, ohne Hoffnung, wieder Arbeit zu bekommen, sie steht allein, 6er Vater ist arbeitslos, die Mutter verdient nichts, sie wohnt schon aus einem fremden Zimmer, weil die Eltern Schlafburschen nehmen müssen. An diesem Tage geht etwas kaputt in ihr, eine Welt geht unter in ihr: zwei Jahre Arbeitslosigkeit hat es nur gebraucht, sie ist 22 Jahre alt — an diesem Tage geht sie mit irgendeinem Manne .. .
Die Polizei trifft bei Ueberholung zweifelhafter Hotels massenhaft Mädchen, bereit einziger Ausweis ihre Arbeitslosen-Stempelkarte ist. Die hamburgische Ge- fShrdetenpolizei stellte in 41 Streifen in drei Monaten 400 junge Mädchen und Frauen in den Parks, vor Lanzkasfees, ziellos auf den Straßen der inneren
Stadt, 6ie in Schußhast genommen werden mußten.
Zu alledem trägt die Jugend heute ein krampfhaft übertriebenes Söllbstbewußtsein zur Schau. Ihre Entwicklung ist in den tragischen zeitlichen und moralischen Aufenthalt der Arbeitslosigkeit eingegangen;, sie stehl still, äußerlich und innerlich, sie wird vom Massenschicksal gehemmt. Die heute 18- bis 22-Jähri- gen werden auch mit 40 Jahren das gleiche Niveau haben wie jetzt: In den Arbeitsämtern wird auch unsere nächste Generation a b g e st e m p e l t! Das ist ein trauriges Wortspiel, aber eine traurige Wahrest.
Und neben diesen jungen Menschen in Deutschland steht die andere Generation, deren Zukunft gleichfalls abgebrochen ist. Ihre kleinen Kinder wachsen in den Wartehallen der Arbeitsämter aus, noch Ungeborenen wird das Elend, die Häßlichkeit, die Verzweiflung des neuen Untermenschen eingepflanzt. Der Wille zur Gestaltung von Zukunft und Schicksal für diese Kleinen, diese Ungeborenen, für sich selbst wandelt sich in das Hindämmern einer grenzenlosen Gleichgültigkeit. Es ist die Gleichgültigkeit, die aus dem Gefühl der eigenen Wertlosigkeit gegenüber der Wertmessung des Arbeitsmarktes herrührt oder aus dem Gefühl, das ausschließlich die Behörde, den Staat, die Gesellschaft für das Schicksal verantwortlich machen will. Es ist ein Baruch da, ein Sprung, dumpf und stumm wächst das Gefühl der Auflehnung gegen das Bestehende.
Man registriert vielleicht nur das allzu Augenfällige: Wir alle registrieren es sentimental, daß die Zahl der S e l b st m o r d e in Deutschland erschreckend hoch ist. Man stellt mit trauerndem Pathos fest, daß Deutschland 1928 39 Selbstmorde aus je 10 000 Einwohner hatte, die Vereinigten Staaten nur 13,3, ganz Europa nur 15,9; auch dies eine deutsche Zahl und eine deutsche Statistik. Wie sieht sie in diesem Jahre aus?
UeberaH zwischen den dumpfen Schichten im Volk leben Bewußtere, Planende, abgesunkene Intelligenz, die sich neuen Lebensraum schaffen will, gleich um welchen Preis. Im Sommersemester 1930 gab es 137 000 deutsche Studierende. 137 000 Deutsche wollen Doktor werden; sie haben schon Jahre einer verschleierten Arbeitslosigkeit Himer sich — was ist das Studium heute anderes —, sie sehen jetzt, daß sie noch längere Arbeitslosigkeit vor sich haben, weil das Volk, der Staat, die Wirtschaft sie nicht braucht und nicht in den Arbeitsgang einreiht. Persönliche Erbitterung über das eigene Schicksal wandelt sich in die unpersönlichere Erbitterung gegen alles Bestehende, gegen den Staat, gegen die besitzenden, d. h. jetzt arbeitenden Schichten. Die Erbitterung teilt sich anderen mit.
Berufen, diese Gefahren für jene Kreise selbst und für uns alle zn bekämpfen, ist eine Schar von Menschen in Deutschland, welche den Dienst an der großen Front der Arbeitslosen tun muß: das Personal der Arbeits- und Wohlfahrtsämter. Ihre Funktionen greifen heute weit über die verwaltungstechnischen Maßnabmen hinaus. Es handelt sich nicht nur darum, den tüchtigen Mann einer Verwaltung mit den gewiß unerläßlichen organisatorischen Aufgaben „in Sachen der Arbeitslosigkeit" zu betrauen, sondern eine menschliche und volkliche Verantwortung zu teilen. Eine Masse Verzweifelnder, Verbitterter, Gleichgültiger oder sich Empörender ist nicht nur durch eine Organisation in den Grenzen geregelten Lebensablaufes und in den Grenzen des Staates zu halten. Den Menschlichkeiten der Masse bat sich die Menschlichkeit der einzelnen zu stellen: hier, in den Arbeitsämtern, liegt heute die Ver-