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Nummer 70*
Dienstag, 24. März 1931
21 Jahrgang
Oie pariser presse auf dem Kriegspfad
Fast sämtliche Blätter fordern „energisches Vorgehen" gegen Deutschland und Oesterreich / Oer Reichsrat gegen die Steuerbeschlüffe des Reichstags?
Unhaltbare Argumente
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Reichsrat gegen Reichstag?
(Von unserer Berliner Cchrtftleitung.)
ich. Berlin, 24. März.
Die Berhaudluuge« des Reichstags Pud jetzt t# «in entscheidendes Stadium eingetreten. Die Debatte nimmt nur noch einen geringe» Raum em. mrd an ihre Stelle tritt eine Fülle von A b - jtimmunge». Lin Teil der gestrige» Abstimm»»- e« hat freilich den Beweis erbracht, daß es nicht gelangen ift, die feit Wochen erörterten Differenzen aus der Welt zu schaffen.
Vor allem sind (rote auf Seite 2 ausführlich be- tiditet wird) gestern vom Reichstag in zweiter und dritter Lesung die beiden Steueranträge der Sozialdemokraten angenommen worden, gegen die die bürgerlichen Mittelparteien seit Wochen scharf, aber vergeblich einen Abwehrkampf geführt haben. Diese Steuerbeschlüsse gehören zu der Gruppe der sozialdemokratischen Kompensationsforderungen, über die bekanntlich langwierige Verhandlungen geführt worden sind. Man hatte ursprünglich, besonders seitens der Deutschen Volkspartei, dem Kanzler ange- kündtgt, daß die eventuelle Annahme derartiger Forderungen für die bürgerlichen Mittelparteien das Signal zu parlamentarischen Konsequenzen sein würden, und man-hatte recht deutlich mit scharfen parlamentarischen Mitteln gedroht. Wenn jetzt derartige Mittel vorläufig noch nicht angewendet werden, so liegt dies daran, daß begründete Aussicht dafür besteht, im Reichsrat die gestern gefaßten Beschlüsse des Reichstags wieder zu Fall zu bringen.
Die Regierung, die in diesem Falle auf feiten der Mittelparteien steht, ist entschlossen, dem Reichsrat in diese» beiden Stenerfragen eine sogenannte Dop - pelvoklage zugehen zu lassen, indem sie die Ablehnung der gestern vom Reichstag gefaßten Beschlüsse fordert. Man rechnet in diesen Kreisen damit, daß sich im Reichsrat eine Mehrheit in diesem Sinne zusammenfinden wird, so daß auf diese Weise die beiden Steuererhöhungen, die der Reichstag gestern beschlossen hat, wieder außer Kraft gesetzt würden.
Besprechungen beim Kanzler
Im Laufe des gestrigen Tages haben zwei Besprechungen des Kanzlers mit Vertretern der bürgerlichen Mittelparteien stattgefunden, und zwar einmal mit dem Verhandlungsführer der Deutschen Volkspartei und ein zweites Mal mit den Vertretern derselben Gruppe, wobei aber gleichzeitig die Delegierten der Wirtschaftspartei, des Landvolkes, der Konservativen und der Volksnationalen anwesend waren. Es fehlten demnach lediglich die Staatspartei und die Christlich-Sozialen. Letztere aber hatten den konservativen Grafen Westarp gebeten, sie in grundsätzlichen Fragen bei dieser Besprechung zu vertreten. In dieser Konferenz standen vier Streitfragen zur Debatte:
L die oben erwähnten Steuerbeschlusse,
2. die Ermächtigung der Regierung zu ständigen Streichuuge» am Etat,
i 3. die Zollermächtiguug der Regierung mtd
4. die Frage der Vertagung, bzw. der früheren Wtedeteinberusuug des Reichstags.
In Bezug auf die beiden Sleuerfragen gab der Kanzler die Zusage, sich im Reichsrat mit aller Entschiedenheit für einen Einspruch einzusetzen. In Bezug auf die Ermächtigung der Regierung, selbständig Kürzungen am Etat vorzunehmen, hatte man es unter anderem mit den Schwierigkeiten zu tun, die noch am Sonnabend im Hauptausschuß des Reichstags durch Verw 'sing di; cs Antrages an den Unterausschuß entstanden waren. Dort Hai sich ergeben, daß der sozialdemokratische Abänderungsanrrag, den Sozialetat von derartigen Streichungen auszunchmen, wieder fallen gelassen worden ist. Dagegen hat man sich darauf geeinigt, daß gesetzlich gebundene Ausgaben (Beamtengehälter usw.) von diesen Streichungen ausgenommen sein sollen. Demgemäß würden von dieser Ermächtigung zur selbständigen Etatkürzung im wesentlichen die Fonds, die Ueberweisungen und andere ähnliche Ausgaben betroffen werden. Schließlich hat man sich in diesem Falle dahin verständigt, daß die Ermächtigung zur selbständigen Etatkürzung nur dem gegenwärtigen Kabi- nettBrüning, nicht aber im voraus irgend einer anderen künftigen Reichsregierung gegeben wer- pen soll.
Bei der Frage der Zollermächtigunghat man noch keine Lösung gefunden. Gestern abend hat noch eine Unterredung des Ernährnngs- miursters Schiele mit den interessierten politische» Gruppen über die Frage des soaewmnren Berbrau-
cherschutzes stattgefunden, wobei sozialdemokratische Anträge aus Einschränkung der Zollermächtigung eine Rolle spielten.
Man hat sich dabei unter anderem auch über die Frage ausgesprochen, ob bei dieser Zollermächtigung evtl, auch der Reichsrat eingeschaltet werden soll, und ob der Lebenshaltungsindex dabei eine Rolle spielen soll. Diese Verhandlungen sollen heute fortgesetzt'Werden. Gestern bereits hat aber das Landvolk in der Besprechung beim Kanzler starke Bedenken gegen einige sozialdemokratische Abänderungsanträge geltend gemacht.
Schließlich hat man über die Frage der Vertagung des Reichstages verhandelt. Man hat in dieser Hinsicht zwar noch keine endgültigen Feststellungen getroffen, aber man strebt jetzt doch dahin, die Ermächtigung zu einer vorzeitigen Einberufung des Reichstages während der geplanten langen Sommerpause nicht dem Reichstagspräsidenten allein, sondern dem gesamten Reichstagspräsidium und zwar im Einvernehmen mit der Reichsregierung zu übertragen.
Es ist anzunehmen, daß über die gestern noch nicht vollkome» gelösten Fragen in den nächsten Tagen noch Klarheit geschaffen wird. Allerdings bleibt »sch ein Unsicherheitsmoment insofern vorhanden, als man selbstverständlich nicht genau weiß, o b der Reichsrar in den oben erwähnten Steuerfragen wirklich Einspruch erheben wird. *'
Paris, 24. März.
Abgesehen vom sozialistischen „Populaire", der sich zum Verteidiger des deutsch-österreichischen Zollabkommens macht, setzt die gesamte französische Presse ihren Kampf fort und fordert die französische Regierung auf, energisch durchzugreife n, ehe es zu spät sei.
Selbst linksgerichtete Blätter wie das „Oeuvre erklären sich völlig mit der chauvinistischen Hetzpresse solidarisch. Pertinax will wissen, daß der Minister- rat am Montag beschlossen habe, nicht erst die Genfer Sitzung von zwei Monaten abzuwarten, sondern
sofort von Deutschland und Oesterreich die Wiederherstellung der Verträge und internationalen Abkommen zu verlangen,
die von den beiden Staaten ernstlich verletzt worden seien. Die französischen Vertreter in den interessierten
Ländern hätten angeblich Instruktionen erhalten. Das Blatt fügt hinzu, daß man sich in französischen Regierungskreisen vollkommen klar darüber sei, daß einer ersten Verletzung der europäischen Ordnung über kurz oder lang andere folgen würden. Als wirksamste Maßnahme schlägt Pertinax vor,
Deutschland und Oesterreich die französische» Kredite zu sperren,
die zum großen Teil ihre Industrien unterhalte».
Das Journal" fordert zum schnellsten Handeln auf. Der „Petit Par i f i e n* meint, der Wiener Vertrag widerspreche auch dem Geiste des Völkerbundes, und der europäischen Vereinigung. Das „Oeuvre" macht den Botschaftern Frankreichs in Berlin und Wien den Vorwurf, von den gehtt».-» Verhandlungen, die den Abkommen voranginz-n, nichts bemerkt zu haben.
Leon Blum wendet sich im „Popittaire" scharf gegen das Geschrei der Hetzpreffe
und erklärt, daß nichts im Augenblick erlaube, die Angelegenheit tragisch zu nehmen, denn es handele sich ja erst um die Vorbereitung dieses Abkommens. Außerdem stehe noch nicht fest, ob dieses Abko......en
tatsächlich dem Friedensvertrag von St. Germain und dem Abkommen vom Jahre 1922 zuwiderlaufe. Deutschland und Oesterreich hätten ausdrücklich betont, daß sie nicht die Absicht hätten, über ein Zollabkommen hinauszugehen. Sie hätten es übrigens allen anderen Staaten anheimgestellt, sich ihnen anzuschließen. (Was zur Abwehr der Pariser Hetze zu sagen ist, wird von unserer Beniner Schriftleitue-g in dem Attike» .haltlose Argumente" ausgesührt. D. Red.)
*
Die deutsche» Vertreter in Paris, London, Rom und Ps-g habe« die Richtlinie» der
Dr. Th. .Das Echo, welches die Meldungen über irie bevorstehende Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich Hervorgerufe» haben, ergibt in großen Linien folgendes Bild: Im Inlande hat sich eine weitgehende Einheitsfront herausgestellt, die einen derartigen Vertrag gutheißt. Erhebliche Bedenken bestehen freilich beim Reichslandbund (siehe weiter unten!), und auch in sozialdemokratischen Kreisen werden gewisse Einwände gemacht. Das Ausland dagegen hat sich in seiner Stellungnahme zu diesem Zollunionsplane im wesentlichen nach den verschiedenen materiellen Interessen orientiert, die in den einzelnen Staaten durch eine Zollunion zwischen Wien und Berlin berührt werden, und wo politische Momente bei der Kritik dieser Verhandlungen herangezogen werden, ist deutlich zu erkennen, daß es sich überall um das Bemühen handelt, durch derartige zumeist unhaltbare Darlegungen Schwierigkeiten hervorzurufen, weil man besonders in Prag und zum Teil in Paris wirtschaftliche Nachteile befürchtet. Man stellt also dort die angeblich politi che Beweisführung lediglich in den Dienst der Wirtschaftsinteressen.
Die Regierungen in Berlin und Wien haben sich von Anfang an sorgfältig bemüht, einen rein wirtschaftlichen Vertrag zustande zu bringen, der nicht nur keine politischen Bindungen enthält, sondern auch um alle die Wippen peinlich herumgeht, die angesichts der durch die Friedensverträge geschaffenen Ausnahmezustände selbst bei einem solchen Ver
deutsch-österreichischen Wirtschaftsvereinbarungen den Regierung offiziell zur Kenntnis gebracht.
„phantastische Besorgnisse"
London, 24. März.
Der der Regierung nahestehende „Daily Herold" sagt in einem Leitartikel, daß die österreichische und die deutsche Regierung mit der Veröffentlichung der beabsichtigten Zolleinheit eine Bombe in das diplomatische Europa geworfen hätten. Man verstehe den Wunsch nach einem engeren Zusammenschluß der vielen Deutschen, die in Oesterreich lebten und der großen Massen im Deutschen Reiche selbst und habe in England völlige Sympathie dafür.
Die Klausel in dem Vertrag von St. Germain, die den politischen Anschluß verbiete, sei eine der größten Torheiten derjenigen, die den Frieden im Jahre 1919 gemacht hätten. Die nervösen Besorgnisse Frankreichs seien phantastisch. Dr. Curtius und Dr. Schober würden aber angesichts der entsteheiwen Unruhe gut beraten sein, wenn sie noch ein wenig warteten. Man habe nämlich durch die pliMiche und geheimnisvolle Weise, in der das Abkommen abgeschlossen sei, Verdacht erregt.
Oer Prager Handelsminister fordert
die Schaffung der „wirtschaftlichen Kleinen Entente"
Prag, 24. März.
Der Zentralrat der Prager Kaufmannschaft veranstaltete am Abend des 23. März ein Bankett, auf dem der Handelsminister Dr. Matouschek das Wort ergriff. Seine Rede ist deswegen hervorzuheben, weil sie die erste Stellungnahme einer tschechoslowakischen amtlichen Persönlichkeit zu dem deutsch- österreichischen Abkommen bedeutet
Der Handelsminister erklärte, über die deutsch- österreichische Zollunion könne sich die Regierung nicht äußern, solange die Ansichten der großen Mächte nicht bekannt seien.
Der Minister führt« weiter aus, die deutsch-öfter- rcichischen Vereinbarungen bewiesen, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse stärker feien a l s diePoli- t i k. Wir müßten, so schloß er, daraus die Lehre ziehen, daß auch wir neue Wege betrete» müssen. Unsere Verträge mit Jugoslawien und Rumänien werden sich sicherlich derart gestalten lassen, daß wir auch mit diesen beiden ©taa'en über Vorzugszölle und Kontingente zu einer Verständigung kommen. Wir müssen uns in erster Reihe an unsere nächsten Freunde halten; aus der politischen Kleine» Entente müsse die wirtschaftliche Kleine Entente entstehe». Es muß mit der Notwendigkeit von Kontingenten und mit der daraus folgenden Notwendigkeit der Schaffung von Exporwrganisattone» gerechnet werde«.
trag eventuell auch auf politischem Gebiete entstehen könnten. Infolgedessen wird diese Zollunion tatsächlich ein von anderen Verträgen dieser Art abweichendes Instrument werden, ein Vertrag „fui generis". Er stellt sich als ein reiner Wirtschaftsvertrag dar, der immer nur dort eine politische Färbung annimmt, wo es notwendig ist, politischen Bindungen gerecht zu werden, die nun einmal von Versailles, St. Germain und Genf her bestehen. Diese Bindungen lassen sich mit einem Wort dahin zusammenfassen, daß die Selbständigkeit Oesterreichs in keiner Weise berührt werden dar;. Der Versailler Vertrag bestimmt in Artikel 80, daß Deutschland die Unabhängigkeit Oesterreichs anerkennt und sich verpflichtet, sie unbedingt zu achten. Diese Unabhängigkeit wird außerdem als unabänderlich bezeichnet, es sei denn, daß der Rat des Völkerbundes einer Abänderung zustimmt. In ähnlicher Weise ist die Unabhängigkeit Oesterreichs im Vertrag von St. Germain verankert, und schließlich kommt als dritte politische Bindung das Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1922 in Betracht, welches unterzeichnet wurden als die österreichische Regierung damals ihre Völkerbundsanleihe bekam. In diesem Protokoll verpflichtete sich die österreichische Regierung, sich jeder Handlung und jeder wirtschaftlichen und finanziellen Verpflichtung zu enthalten, die ihre Unabhängigkeit gefährden könnte. Ausdrücklich wurde darin jedoch den Oefterreichern die Frecheit auf dem Gebiet von Zolltarifen oder wirtschaftlichen bezw. finanziellen Abkommen zugesprochen, aber mit der Einschränkung, daß Oesterreich anderen Staaten keine Sonderbehand- Iitng zuteil werden lassen dürfe, durch welche diese Unabhängigkeit bedroht werden könnt«.
Die Formulierung des Genfer Protokolls ist in diesem Punkte reichlich verwickelt, spricht aber deutlich zugunsten der neuen Zollunion.
Oesterreichs Selbständigkeit darf nicht berührt werden. Das geschieht durch de» neuen Vertrag in keiner Weise; denn jeder Staat wird auch künftig seine selbständige Zollpolitik führen, obgleich darüber von Fall zu Fall ein Einvernehmen Mischen Berlin und Wien hergestellt werden soll. Es wird auch kein gemeinsames Zollparlament eingerichtet, von dem die beide» Regierungen abhängig wären. Oesterreich barf seine Freiheit auf dem Gebiete der Zölle und der Wirtschaftspolitik ausnutzen. Das geschieht in diesem Vertrage. Eine Sonderbehandlung anderer Staaten oder die Gewährung ausschließlicher Vorteile an einen anderen Staat ist den Oesterrei- cher» nur dann verboten, wenn durch solche Maßnahme» die österreichische Unabhängigkeit bedroht wird. Nun gewährt zwar Oesterreich an Deutschland in dieser Zollunion gewisse Sondervorteile, aber nicht „ausschließlich", denn allen anderen Staaten wird freigestellt, einen ähnlichen Vertrag abzuschließen. Außerdem aber wird durch diese Vorteile, die Deutschland gewährt werden, die österreichische Unabhängigkeit in keiner Weise bedroht. Die ausländische Kritik geht also unbedingt in die Irre, wenn sie die Friedensberträge oder das Genfer Protokoll gegen die Zollunion ausspielen will. Möglicherweise wird diese Frage von einer der betniligten Mächte vor dem Völkerbundsrat oder vor das Haager Schiedsgericht gebracht werden, aber in Berlin und Wien ist man, wie sich aus dem Vorstehenden ergibt, selbstverständlich bei der Formulierung der Richtlinien vorsichtig genug gewesen, Angriffspunkte zu vermeiden.
Ein anderer Einwand, der besonders von den I t a I i e.n e i n geltend gemacht wurde, ist die Rücksicht auf die Völkerbundsanleihe, die durch die österreichischen Zolleinnahmen garantiert wird. Eine Verminderung dieser Einnahmen könnte also Anlaß zu einem Einspruch der Gläubiger geben.
Die österreichischen Zolleinnahmen werden aber durch die Union keine Verminderung, sondern voraussichtlich eine Steigerung erfahre»,
denn die österreichischen Zölle liegen heute in den allermeisten Positionen unter den deutschen Zöllen und werden demgemäß bei Hrer Angleichung eine wesentliche Erhöhung erfahren. Dadurch wird der Wegfall der Binnenzölle zwischen Deutschland und Oesterreich zum mindesten ausgeglichen, abgesehen dcwon, daß Oesterreich künftig seinen Anteil an den Zolleinnahmen des gesamten österreichisch-deutschen Zollgebiets haben wird.
Dieser Einwand führt von selbst von der politischen zur wirtschaftlichen Seite des Problems, und hier ist als voraussichtliches Hauptergebnis der Union eine Stärkung der Wirtschaftskraft der beiden Partner vorauszusehen.
Der Hinweis auf die wirtschaftlichen Vorteile dieser Zollunion wird insbesondere auch gegenüber Italien angebracht sein, denn auch der italienisch-deutsche Warenaustausch wird sich beleben, wenn die österreichisch- , italienische Grenze künftig gleichzeitig zur deutsch-ata-
Die Torheit von E>t. Germain
Ruhige Beurteilung der deutschen und österreichischen Pläne in London