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Staffelet? Neueste Nachrichten

Donnerstag, 19. März 1931

lieber den Stand der KirÄtenveriragsverhandlim-

Ein bürgerliches Genie / Aus dem Leben Benjamin Kranklins

man.

V.

Das brannfchweigische Staatsministerium bat den kommunistischen Antrag auf Zulassung eines Lolisbe­gehrens zwecks Auflösung des Braunschweignchen Landtages abgelehnt, weil die nach dem Gesetz erfor­derlichen Unterschriften nicht beigefügt waren

Der Antrag, von der Beibringung der 2000 lin- terschriften Abstand zu nehmen, weil durch die letzten Wahlen glaubhaft nachgewiesen sei, daß 2000 Wahl­berechtigte den Antrag unterstützen, finde hn Gesetz

Das Befinden Hermann MüllerS. Im Befinden Hermann Müllers, das gestern sehr ernst war, ist im Laufe der Nacht keine Aenderung etngetreten.

Ein neues Ftlmverbot

Berlin, 19. Mürz.

Die Berliner Film-Oberprüfstelle hat heute den von dem russischen Filmregisseur Granowsky inszenierten und von deutschen Schauspieler,r dar-, gestellten Film »Das Lied vom Leben" verboten. Die

Oerhalbe,/ArziamGcheidewege"

Abgebrochene Premiere im Kleine« Theater.

arbeit bemüht sind, die Not der Gegenwart zu über­winden. In dieser Zeit heißt es: Wer nicht für den Staat ist, der ist wider ihn, und wer wider den Staat ist, gegen den ist auch der Staat.

Oie Konferenz -er Polizeiminister

Berlin, 19. März. '

Die am Mittwoch unter dem Vorsitz des Reichs­innenministers Dr Wirth tagende Konferenz der P o li z e i m i n i ster der größeren Länder be­schäftigte sich wie amtlich gemeldet wird mit der innenpolitischen Lage unter besonderer Berücksichti­gung der antireligiösen Verhetzung und der poli­tischen radikalen Strömungen. Die sehr eingehende Aussprache ergab di« völlige Uebereinstimmung in der Auffassung, daß es notwendig sei, der ständig wachsenden Verhetzung und Ausschreitung in,poltti- scher und kultureller Hinsicht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegcnzuireten Die festgestellte einmütige Auffassung der Länderminifter wird die Grundlage einer baldigen Aussprache des Reichs- innenministers beim Reichskanzler bilden.

Die llnierfchristen fehlten!

Das Braunschweigische Ministerium lehnt den kom<« inunistischen Volksbegehren-Antrag ab.

Braunschweig, 19. März.

Pranger gestellt. Ein Opfer seiner Pflicht als Jour­nalist wuroe Ingenieur Arthur Kornhuber, »er Vertreter einiger deutscher Blätter, der in einer reichsdeutschen Zeitung zur Affäre Pergier schrieb, die tschechische Revolution erweise sich als eine Kette von moralischen und materiellen Delikten, da freite Politiker, die durch ein Jahrzehnt als nationale Hel- »eit gefeiert wurden, alle mehr oder minderButter auf dem Kopf" hätten. Kornhuber, ein gebürtiger Balte, wurde auf Grund des Schulgesetzes a l i l ü­ft i g e r Ausläude r sofort aus gewiesen, und bannt har der letzte reichsdeulsche Staatsbürger, der als unabhängiger Journalist für deutsche Zeitungen tätig war, das tschechosowakische Staatsgebiet ver­lassen., ,

Diese Maßnahme bildet nur ein Glied jener

Auslandspropaganda der PragerBurg",

die mit Erfolg daran arbeitet, sämtlichen Kanälen, die nach dem Ausland führen, einen offiziösen Eha-

Sturm in der Hamburger Bürgerschaft

Blutige Schlägereien / Polizei muß eingreifen / Senatserklärung zu den Bluttaten

Abstimmungen zum Zustizetat

Oie allgemeine Aussprache zum Kultus-Haushalt wird im Landtag fortgesetzt

Demut und als die Krone von allem: Menschenliebe. Jeden Morgen, wenn er aufsteht, fragt er sich:Was kann ich heute Gutes hmr Tie letzte Frage am Abend lautet:Was habe ich heute (Hutes getan?" Hat er gegen sich selbst gefehlt, gibt es einen Strich.

Mit siebenund,zwanzig Jahren beginnt Franklin fremde Sprachen zu studieren. Französisch, italie­nisch, spanisch, lateinisch. Er ist jetzt kein Wanoer­bursch mehr; er ist Buchdrucker, Buchhändler, Schrift­steller, Verleger, Gelehrter und Grohkaufmann. Er besitzt Geschäfte m den größten Hafenstädten Am-rt- kas. Er ist ein reicher und angesehener Mann. Vor­sitzender des Tugenvbundes. Gründer der philoso­phischen Gesellschaft, Mitglied der Repräsentanten- versammlung, Postmeister von Philadelphia und als der Krieg ausbricht: Obrist der Bürgergarde im Kampf gegen Franzosen und Indianer.

Ein Amerikaner; Welch ein Amerikaner!

1749 erfindet Franklin den Blitzableiter. Die Er­findung (bekrittelt, beGöttelt,Wird das Ding den Blitz nicht anzieben statt ihn abzuleiten?") macht ihn weltberühmt. Als er im Juli 1757 nach England kommt, um die Klagen seiner Landsleute gegen die Uebergriffe der englischen Gouverneure vorzubringen, wird er mit Auszeichnung empfangen. Franklin hat sich über Nacht in die Rolle des Diplomaten und Staatsnianns zu finden. Er entledigt sich seiner Aufgabe mit viel Geschick. Die Stempelakte wird zurückgenommen. Trotzdem toerbeit die Beziehungen zwischen Mutterland und Kolonie immer gespannter. Franklin tut sein äußerstes, um den drohenden Bruch zu verhindern: die Verhältnisse sind stärker als er. Wohl gibt es kluge und einsichtige Männer in Eng­land, die ein furchtbares Unheil Heraufziehen feben die Mehrzahl der herrschenden Lords hat für die Wilden" in Amerika nur Spott und Verachtung. Bei einem zweiten Besuch in England wird Franklin öffentlich beleidigt. Man sucht ihn durch persönliche Gunstbezeugungen gefügig zu machen, er weist sic lächelnd zurück. Als man ihm sagt, England könne und werde alle Seestädte seines Vaterlandes ver­brennen, antwortet er stolz:Mein Vermögen besteht hauptsächlich in Häusern unserer Seestädte, beliebt es euch, so macht ein Freudenfeuer daraus!"

Als Franklin nach Amerika zurückgekehrt, ist der Aufruhr bereits in vcüem Gange. Am 4. Juli 1776 sagen sich dreizehn Kolonien von England förmlich los und erklären sich für unabhängige Staaten. Ter Krieg beginnt, der England um dis schönste Perle in , feinen überseeischen Besitzungen bringen soll. Wäh-

Der Reichstag erledigte gestern die zweite Be­ratung des Postetats, der nur einen Aus­gabetitel .Gehalt des Ministers" und einen Ein- nalnnetitel .Uebcrschiiß der deutschen Reichspost" enthält. Reichspostminister Dr. Schätze! gab einen Neherblick über die Entwicklung des Postbeirjebes, die angesichts der Wirtschaftsdepresiion noch als recht günstig zu betrachten ist.

.In der Aussprache wurde von den Rednern der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Kommu­nisten darüber geklagt, daß der nalionalsozialiftischen Agitation innerhalb der Postbeamtenschaft nickst mit

Die Erforschung des Wel^enraums

. Die Ergebnisse von Einsteins Amerika-Reise.

Professor Einstein wird die Ergebnisse seiner ein­gehenden Aussprache mit den anterikanischen Astro­nomen und Physikern in einer Arbeit zusammen­fassen, die sich zugleich auch mit einer Reche von kos­mologischen Theorien, die, gestützt aus die Relati- vitäls-Theorle, von andern Forschern entwickelt wor­den sind, befassen wird. Die amerikanischen Forscher haben sich in letzter Zeit hauptsächlich mit den ent­ferntesten Objekten im Weltenraum, dem Spiral­nebel, beschäftigt, und besonders angeregt worden ist Professor Einstein von den Untersuchungen des amc- rtkanifchen Professor Hubble über die Struktur der Spiralnebel-Welten. Hubble glaubt, die Beobacv- 'tung gemacht zu haben, daß in diesen Spiralnebel­welten in den unermeßlichen Tiefen ' des Weltcn- rgnmes die Materie ungeführ gleichmäßig verteilt zu sein scheint.'Jm übrigen neigt die Spiral­nebel-Forschung zu der Annahme, daß an der Pc- ripherie des erkennbaren Weftenraums eine Flucht der Materie stattfindet. Professor Einstein bezeichnet dies als ein Auseinanderfliegen der Welt wie unter dem Truck einer permanenten kosmischen Explosion. Einstein hat einem Interviewer gegenüber seine Ueberzeugung dahingehend ausgesprochen, daß sich eine derartige Explosion durchaus mit der Relativi­täts-Theorie decken würde. Allerdings wird damit auch zur Gewißheit, daß im Weltenraum noch andere Naturgesetze vorhanden sein müssen, die die Wissen­schaft noch nicht kennt und als Grundlage ihrer Forschungen benutzen kann.

Rückkehr zum klassischen Drama. Die Abkehr von dem nach-naluralistischeri Zeitstück und der aktuellen Re­portage im Drama zum klassischen Stil macht sich be­sonders eindringlich auch bereits im Spielplan der Berliner Theater bemerkbar. Für das nächste Jahr werden auf den großen Berliner Theatern Goethe und Schiller. Kleist und Hebbel dominieren. Das Deutsche Künstler-Theater kündigt noch für diese Spielzeit .Minna von Barnhelm" mit Käthe Dorsch irt bet Hauptrolle an. Das Lessing-Theater wird in der nächsten Safton Goethes .Elavigo" bringen und die .Hermannschlacht" von Kleist. Das Staats­theater wird'einen Schiller-Zyklus borbereiten,

Kassel. 18, März 1931.

Um zehn Uhr, also zu einer Zeit, da normale Ko­mödien bereits heftig dem happy end zustreben, traf der Regisseur vor die Rampe und verkündete, man müsse die Aufführung der fünfaktigen Komödie von Shaw nach dem zweiten Akt abbrechen, da Herr Ka- puste von einer plötzlichen Heiserkeit befallen sei und auch ärztliche Hilfe für den. Augenblick nichts habe bessern können.

Filmprüfstelle hatte vor etwa acht Tagen den Film frelgegeben, ihr Leiter hatte jedoch gegen diese Ent­scheidung Einspruch erhoben, sodaß jetzt eine neue Prüfung durch die höhere Instanz notwendig ge­worden war Besonders umstritten waren in dein Fil,n die Bilder von Operationsszenen, dir einen Eingriff bei einer jungen Mutter zeigten. Bon den Herstellern des Films wurde geltend gemacht, daß diese Szenen teilte Bedenken erwecken könnten weil die Operation in dem Film für Mutter und Kind gut verlause und der Film selbst durchaus lebens­bejahend sei bis zu seinem Ende.

Die Oberprüfftelle erklärt jedoch in ihrer Begrün­dung, der erste Teil des Filmes, der die Trennung eines jungen Mädchens von seiner Familie zeige^ sei geeignet, den Begrisf der Familie verächtlich zu machen, der zweite Teil, in dem die Operation vor- komme, wirke verrohend. Aus diesen Gründen für die öffentliche Aufführung ver­boten, er darf mir in skrenggeschlossener Vorstellung Vpr^ AtzrMft .Meigt werden.

Bier Wochen Osterferien

Berlin. 19. März.

Der A eklest en rat des Preußischen Landtages beschloß am Mittwoch, daß die Oster­ferien des Landtages am Donnerstag, den 26. März beginnen und bis zum 27. April anhalten sollen. Bis zur Osterpause sollen noch erledigt werden der Kul­tushaushaft in dieser Woche und der Haushalt des Ministeriums des Innern in der nächsten Woche. Am Montag, dem 23. März soll das Berlin-Gesetz zur dritten Lesung gestellt werden; die Abstimmungen dazu sollen am 25. März vorgenomrncn werden.

Die Mitteilung überraschte. umsomehr, als Herr Kapuste bereits einen Akt lang gespielt hatte und man seine Heiserkeit er stellte den lungenkranken Mckler Dubedat dar als Spielabsicht ahnungslos hinge- nommen hatte. Tragische Ironie: ein Schauspieler, der in einem Consilium der berühmtesten Aerzte Eng­land, den Kranken zu spielen hat, erkrankt wirklich und läßt denArzt am Scheidewege" stehen, ohne ihn zu einer Entscheidung kommen zu lassen.

Berlin, 19. März.

Der P reuß -ische La n ä t a g erledigte am Mitt­woch die Abstimmungen zur zweiten Lesung oes -»usiiz-Haushalts, wobei zahlreiche Anträge angenom­men touroen, die u. a. verlangen die Ausschal­tung veralteter und entbehrlicher Be - j* t w m U ng e n angesichts der vorhandenen etwa 8000 Gesetze in Reich und Ländern, Reform des Disziplinarrechts für Richter, zeitgemäße Aenderung der Bestimmungen über, die Gerichtsferien und die Heraufsetzung »er Altersgrenze für Richter auf das 68. Lebensjahr. Mit 241 gegen 135 Stimmen wurde oer Ausichußauirag abgelehnt, Rechtsan! walte zur Vertretung vor den Arbeitsgerich­ten zuzulaffeu.

Auch die Haushalte des Landtags mt» Staatsrals wurden in zweiter Lesuna bestätigt, cdeuso die Berlin-Vorlage mit einer auf Wunsch dcx Regierungsparteien geänderten Fassung der Kompe» lenzen des Oberbürgermeisters. Tas neue Berlin- Gesetz soll am 31. Mär; inkraft treten und am 25, Mär; im Landtag zur Schlußabstimmung stehen, Der wiederholte Versuch, den Ztaatsvertrag mit der Volksbühne Berlin wegen Auflösung der Kroll-Oper zur Entscheidung zu bringen, fcbe-ti tertc abermals daran, daß die Oppositionsparteien das Haus beschlußunfähig machten und »ie Regierungsparteien nicht stark genug vertreten waren.

Im übrigen tounhe die allgemeine Absprache zum Kultus-HaiiShali fortgesetzt. Abg. Prelle (Dt. Br.) betonte »ie religiöse Gebundenheit »er Kultur; Dr. Bohner (3t. P.) vermißte die angesichts der großen Erwerbslosigkeit besoiwers dringliche Multur« pflege für die Erwachsenen. Der Kirche erwachse hier eine große Ausgabe, die sie nicht lösen könne, wenn etwa eie evangelische Kirche aus überspitztem Forma- liÄuus nicht zu einer Einigung mit »em repnblikani- schen Staat komme. Dr. R h o» e (W. P.) sprach von einer Verflachung der Bildung, der der Verlust der geistigen Vormachtstellung Deutschlands folgen werde. Frau W e l l m a n n (3o;.) »erlangte eie Körper-- fchaftsrecht» fürai.teie Fgoiso«ke-r-Ovaa,üs«risn. rau: Dr. Weltmann fDn.ft wünschte die politische Er- Ziehung »er Schuljugend so zu gestatten, » Me Fu­gend bereit sei, für deutsche Ehre immer einzutreten. Dr. Ltnneborn (Z.) betonte, daß seine Partei den von chr geführten Kampf 'tir den Staat, für »ie Verteidigung »er Rechte der Kirche und -für kon­fessionelle Erziehung weiterhin fortsetzen werde. Er bekämpfte u. a. auch »ie Bestrebungen aus Beseitigung »cs Abtreibungs-Paragraphen.

Postbeamte und Politik

Berlin, 19. März.

rcitb ber große Washington bis Streitkräfte im Innern organisiert, geht Franklin nach Paris, um die Hilfe der Franzosen anzurusen. Hier erlebt er seinen höchsten Triumph, der allem-, was er früher als Staatsmann und Gelehrter getan hat, die Krone aufsetzen soll. Am 20. Januar 1/82 unterzeichnet der sechsundsiebzigjährige. Franklin als amerikanischer Bevollmächtigter den Friedeysvertrag von Versailles, der seinem Vaterland die Unabhängigkeit sichert.

Ein Greis von 80 Jahren, kehrt Franklin in seine Heimat zurück. Seine Lebensauffassmig hat nck> be­währt. Er hat in seinem Leben Siege und Nieder­lagen gekostet. Das Wort D'MembertsEr entriß dem Himmel den Blitz, baS Szepter den Tyrannen!" hat ibn nicht hochmütig gemacht. Er ist noch immer der bescheiden; Bürger. Allen Werken per Mensch­lichkeit zugetan. Am 21, April 1790 senken sie sei­nen Leiv in die Gruft.

Die Nationalversammlung in Paris legt auf An­trag Mirabeaus für drei Tage Trauer, an.

Ernst Berg-Kassel

dem nötigen Nachdruck entgegenqetreten werde. Ms Beispiel wurde vor allem der Fall der Fernsprechauf- stchtsbeamtin Wehnelt in Berlin angesühri, die ein nächtliches Telephongespräch über eine Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten sofort dem nationalsozialistischen Führer Dr. Goebbels mftgeteilt uns damit das Postgeheimnis verletzt haben soll.

Minister Schätz el erwiderte, er habe in wieder­holten Perfügungen den Beamten eingefchärft, daß alle staatsfeindlichen Bestrebungen verboten seien, er werde auch rücksichtslos gegen alle Verstöße ein­schreiten, sobald die Beweise vorliegen. Im Falle Wehneft sei das Disziplinarverfahren im Gange, dessen Ausgang abgewartet werden müßte.

Zugleich mit der Bewilligung des Postetats wurde eine Ausschuhentschließung angenommen, die eine Verbilligung der Fernsprechgebühren für Wcnigispre- chcr fordert. Der Mniister Halle allerdings schon vorher erklärt, daß in der jetzigen schwierigen Zeit eine Gebührenverbilligung ausge­schlossen sei.

Hamburg, 19. März.

In der Hamburger Bürgerschaft ist es Mittwoch nachmittag schon vor Eröffnung der Sit­zung zu stürmischen Auftritten, di« in eine blutige» Schlägerei ansartelen, gekommen. Tic kommuni­stische Fraktion hatte einen Kranz mit roter Schleife und roten Tulpen auf den Pia« ihres erschossenen Fraktionsgenossen Henning niedcrgelegt. Zahlreiche kommunistische Abgeordnete stürzten sich aus die drei n a a o n als o z i al i st t- scheu Abgeordnete» und versuchte», sie gewalt­sam aus dem Saal zu entfernen. Die itationalfo$ia= listischen Abgeordnete» fehlen sich zur Wehr, wobei sie vo» de» deutschnatio»alen Abgeordnete« nnlerstülit wurden. Der nationalsozialistische Abgeoronetc Reinde erlitt bei dieser Schlägerei Verletzun­gen im Gesicht. -$tr turtionalsozialistifche Abgeord­nete Hennings«» wiirde aus den, Saal gezerrt. Po­lizei stellte die Ordnung wieder her. Rach Ausnah­me der Verhandlungen schloß der Präsident zehn Kommunisten auf die Tauer von einem Monat von den Sitzungen auS. Die Ausgeschlossenen mußlen zum Teil mit Gewalt durch die Polizei aus dem Saal entfernt werden.

Darauf gedachte der Präsident des erschossenen Abgeordneten Henning, wobei sich bas'Haus von den Plätzen erhob. Nach.ihm »ahm Dettalsprästdent Bürgermeister Roß ,das Wort zu eüjer SemUser^ kläruug, in der es u. a. heißt: Die beide» politischen Bluttaten, die Hamburg in bei, letzten Tagen erlebt hat unb die jeden mit Empörung erfüllen, beweisen den Grad ber Verhetzung, der durch zügellose Kamps- mcthoden erreicht wird. Wenn auch für beide Fälle die nationalsozialistische Partei die moralische Ver­antwortung trägt, so ist doch für die ganze politische Atmosphäre, die solche Taten ermöglicht, selbstver- ständlich die Maßlosigkeit kommunistischer Deinagogi«

Das Publikum, das sich zwei Akte lang über bie etwas bejahrte, aber boch heute noch sehr aktuelle Satire auf die Mediziner amüsiert hatte, ging nach­denklicher, als es gekommen war, nach Hause. Der Aufführung selbst, hi« noch ein wenig Eeneralproben- charaktrr hatte, kann bic Berschiebung der Premiere uur nüßen.L- V.

ratter zu geben und bie, nachdem »ie Prager Jour­nalisten nahezu unschädlich gemacht skn», nun Wien als Basis ihrer nächsten Aktion erwählt hat. Die schlechte Finanzlage mancher Wiener Plät­ter erleichiert das Eiuströmen srmeder Kapitalien und die Ausnahme von tschechischen Subventionen, wobei oft harmlose Mittelsmänner verwendet werden Hier wird offen zugestanden, daß Prag-eine Offensive in ber Richtung nach der Donau eröffnet habe, die auch von der Sozialidemokratie aus innerpolitischen Grün­den nicht ungern gesehen wir».

Ta Vizekanzler Schober gegen Mitte April zu einem kurzen Besuch in Prag eunresfen soll, befürch­tet die tchechische Diplomatie, ,r könnte bei vieser Ge­legenheit zu verstehen geben, »atz die publizistische Unterwühlung Oesterreichs durst, tschechoslowa»-che Faktoren eine schwere Belastung »er bisher immerhin erträglichen Beziehungen bedeutet, zumal Wien jede birefte oder indirekte Einmischung »erPrager Burg" in die inneren Perhällnisse Oesterreichs selbstverständ­lich «uit ber größten Entschiedenheit ablehnen müsse.

mitverantwortlich. Verantwortlich für die Bluttaten 7. ----- ... ....

sind allein diejenigen, die nicht, burch ehrliche. Mit- f keine Stütze unb sei bahcr unzulässig.

gen, bei denen bekanntlich nur noch die Frage der Ge- talnnifl der Bestimmungen über die politische Klau- el strittig geblieben ist, erfahren wir, daß die preu- lische Staätsregierung bett KEchen ihre Stellung­nahme für die weiteren Verhandlungen übermittelt- hat; Sämtliche evangelischen Kirchen haben soeben ihrerseits übereinstimmend dazu Stellung genommen. Es ist damit zu rechnen, daß die noch erforderlichen Verhandlungen in allernächster Zeit stattfindcn.

Erweiterung der Osthilfe?

Berlin, 19. März.

Der O st a u s s ch u ß des Reichstages führte am Mittwoch bie Bera.ung der drei Osthilfegesetze zu, ende. Es hat sich nun noch der Haushaüungsausichuß mit der Materie zu besasseu, was aber voraussichtlich erst am Freitag ber Fall sein wird.

Beim Osihilfegesetz kam es Im Ausschuß zu in­teressanten Abstimmungen. Zunächst wurde ei» An­trag Setnmcr (Staatsp.) und Freybe fW.-P.) an­genommen, wonach das ganze Stettiner Wirtschafts- gebiet in die allgemeine,, Osthtlfemaßnahmen e t » b e- zoaen Werten soll, Die Sozialdemokraten sahen in dieser Entscheidung eine unberechtigte Verwässerung der Osthilfe und fti turnten nunmehr auch füj alle ftdrigen Anträge aiZ Ausdehümtg de« Gevioles siir die aügemeinen Hitssmaßnahmeu, sodaß -mit de» -Btiinmcu der Sozialdemokraten der Geltungsbereich mrf ga nzP ommer u, ganz Niederschiefieu, auf alle östlich der Oder gelegenen Gebiete Brandenburgs, auf die an bk Tschechoslowakei grenzenden Bezirke Sachsens und Bayerns ausaedebnt wurde. Dix Re* gicrung ist natürlich mit diesen Beschlüssen nicht ein­verstanden.

Das Siedlungsgesetz wurde mit einem Zu­satz angenommen, wonach zur Siedlung geeigneten Arbeitern und Angestellten, die die notwendigen Eigenmittel nicht oufbrhigen können, das sonst vom Siedler aufzubringende Eigenkapital als Zuschuß ge­währt, im übrigen eine Barabfindung gezahlt werden kann.

Beim Jndustriebankgesetz wurde trotz eingehender Gegenargmuentatton seitens der Rcichs- regierung der Beschluß des Retchsrats auch vom Aus­schuß angenommen, wonach die Bank für die Kredit, gewährung zur Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung und des Absatzes landwirtschaftlicher Er­zeugnisse der Genehmigung der Reichsregierung und des Reichsrates bedarf. Di« Mitgliederzahl des Auf­sichtsrates wurde auf 33 erhöht.

Welch seltsamer Mann er doch war! Wollte man! sein Wesen auf eine kurze Formel bringen, fo müßte man fagen: Ein bürgerliches Genie. Oder umge­kehrt: Eft, genialer Burger. Ein Mann ber Mäßig­keit, Ordnung und Svarfamkeit, der den Blitzableiter erfand und mit Washington und ein paar anderen Großen die Unabhängigkeit der amerikanischen Staa­ten erkämpfte. Getviß war nie ein Gelehrter, ein Staatsmann unb Erfinder vom Geiste des Dämoni- fchen weiter entfernt als Benjamin Franklin; »ewiß hat nie ein Handwerker, Unternehmer und Geschäfis- ntann seinem Vaterland mit größerer Hingabe und größerem Erfolg gedient als der ehrsame Bürger von Phtladetphia.

In bescheidenen Perbältnissen, Sohn eines Sei- sottsieders, wurde Benjamin Franklin 170« in Bo­ston geboren. Der Baler ein frommer Mann: die Familie rechtschaffen, fleißig, kleinbürgerlich. Ben­jamin Franklin hat in der Schuleur Lesen und Schreiben gelernt; seine Abendstunden waren ange­füllt mit physikalischen Tingeu. die ihn leidenschaft­lich anzogen, und mit Bücherlesen.Diese vorherr­schende Neigung seines Sohnes", heißt es in einem vor hundert Jahren erschienenen Tugendbüchlein über Franklin,veranlaßte den verständigen Vater, seinen Benjamin, statt Messerschmied, wozu er ihn früher bestimmt hatte, Buchdrucker werden zu lassen."

Benjamin Franklin wird Buchdrucker. Er kommt zu seinen, Bruder in die Lehre, überwirf, sich mit ihm und geht nach Philadelphia. Hier arbeitet und hungert er sich in sie Höhe. Er steht bald davor, sich ein eigenes Geschäft gründen zu können. Er ver- lobt sich mit Miß Read. Der Wunsch, sich feine Druckerei in London selbst ;n befolgen, führt ibn «ach London. Als er zurückkommt, hckt Miß Read einen andern geheiratet. Franklin atbl sich selbst die Schuld und als Miß Read im Jahre 1730 Witwe wird, hält er zum Zweite» Male um ihre Hand an. Jetzt bekommt er sw

Prosaisch wie im Leben ist dieser Mann auch in ber Liede. Er ist einfach aber großzügig, fest aber gütig, itr/ng aber gerecht. eSine Ehe wird akück- iich aur> ohne romantisches Beiwerk, Ter Pierund- zwauzigjährige schreibt Tugenbbücher unv unterwirft sich selbst tugendhaften Uedungen. Er trainiert Tu­gend, würden wir heute sagen Seine erste Tugend heißt: Mäßigkeit, die zweite (seltsam "enugi: Schwei­gen. Dann folgen Ordnung und Reinlichkeit, Ent- schwssenheit, Sparsamkeit, Fleiß. Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, Mäßigung, Gemütsruhe, Keuschheit,

Oie Schullasten der Gemeinden

Berlin, 19. März.

Die Landesschulkaffenbeiträeg ber Gemeinden sind Vom preußischen Uitterrichtsmiiiister von 350 auf 341 Mark herabgesetzt worben, bi h. um 2% Prozent; obwohl bie Senkung der .Gehälter unb Pensionen, bie vom 1, Februar 6 Prozent beträgt, eine Herab­setzung aus 329 Mark gerechtfertigt hätte. Die Her­absetzung um nur 2/. Prozent wird damit begrün­det, daß die der Lanbesschutlasse zustehcndcn An-, teile an den Ueberweisungssteuern zurückgcgangen seien und baß ber Betrtebsmittelfonbs der Kasse neuerdings von 33 auf 40 Millionen habe erhöht werden müssen. Der preußische Stäbtetag hat gegen diese Maßnahmen des UnterrichiSministe-. riüms Vorstellungen erhoben. Er hat! geltend gemacht, daß in einer Zeit, wo die Gemein­den ihre Etats kaum mehr in Ordnung halten lönn-l MndeMtzMch« niM,Mr<« nepc Mehrbelästufigen ber..-Gemettidep,erWk. Mr-- beu dürfe- \" ...", c L !

Oer Stand der Kirchenveriragsfrage

Berliu, 19, März.

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