Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Abendzeitung

grWfnttttgBroeife: «öchentNS sechsmal nachmittags. AbonnementSvreiS: für den Monat 2.80 Jt bei freier In. ftellung ins Haus. In der Geichäklsitelle abgeboll 2,10 Jt. Durch die Pott monatlich 2.30 J< ausschließlich Zu- ftcllunasgcbühr. .In Kallen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. Verlag. Schristleitung und Druckerei: Kölnische Straße 10. Telephon: e-ammelnuuimer 6800 Juristische Sprechstunde leben Dienstag von b bis 7 Uhr Kölnische Straße Nr. 10.

HessischeAbendzeitung

«naeigenwMrtfe; Geschästs- und Su«»ien.Anxigen die 80 mm. Zeile 11 Pfennig Sleine Anzeigen a«S Kaflel das Won 7 A. Auswärtige Kleine Anzeigen die 30 mm breite Zeile 11 A. Anzeigen tw Reklametetl die 78 mm breite Zeile 4o A csfengebübr 2o A «bei Zustellung 85 4). Für das Erscheinen von Anzeigen tu bestimmten Ausgaben, an besonderen Platzen und für televhonisch erteilte Auftrage keine Gewähr. Rech­nungsbeträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichisuand Kassel. Postscheckkonto Frankfurt a. M. S88L

Kasseler Neueste NachMen

Nummer 62

Sonnabend Sonntag, 14./15.2)lät3 1931

21. Jahrgang

Oer Reichstag für das Genfer Zollabkommen

Für und wider die Ra ifizicrung / Italien, Deutschland und die Mandatsfrage / Oer spanische König reist nach London

zweiter Lesung angenommen on unserer Berliner Schrifileitung.

Oer Kampf des Handwerks

Zn

B

th. Berlin, 14. März.

Der Reichstag hat heute vormittag nach 1^ stündi­ger Debatte die stark umstrittene Vorlage der Genfer Handelskouvention in einfacher Abstimmung mit großer Stimmenmehrheit angenommen. Dieser Beschluß ist allerdings erst in zweiter Lesung gesoßt, die dritte Lesung wird am Montag stattfinden; es ist jedoch nicht zu bezweifeln, daß dabei das gleiche Ergebnis erzielt wird.

In der Debatte wurde die Vorlage vor allem von den Vertretern der Bayerischen Volkspartei, des Land­volkes und der Konservativen bekämpft, während die Redner der Deu 'chen Volkspartei und der Staatspar­tei dafür eintrateu.

Die Sozialdemokraten ergriffen heute nicht mehr das Wort, stimmten aber selbstverständlich für dieses Abkommen, so daß die Mehrheit sehr erheblich war.

Dann fuhr der Reichstag in der zweiten Lesung des Haushalts des Reichsarbeitsministers fort, wo noch eine große Zahl von Rednern gemeldet sind. Diese Debatte wird wahrscheinlich bis in die ersten Nachmittagsstunden geführt werden.

Reichtrai unO Reichs ag

th. Berlin, 14. März.

Wie zu erwarten war, hat der Reichsrat gestern durch Mehrheitsbeschluß Einspruch gegen die Wieder­herstellung des Eefrierfleischkontingents erhoben (siehe auch Seite 2!). Aus dem Einspruch des Reichs­rates dürften sich keinerlei politische Konflikte erge­ben. Andererseits kann man aber auch keine Schlüsse in der Hinsicht ziehen, daß der Reichsrat nun etwa auch andere, für die Reichsregierung unbequeme, Be- schlüsie des Reichstages durch seinen Einspruch hin­fällig machen könnte. Von derartigen Beschlüssen steht in nächster Zeit vor allem die Abstimmung über die Steueranträge der Sozialdemokraten bevor, über die gestern keine weiteren Verhandlungen mehr vom Kanzler geführt worden sind. Man hofft zwar, daß es gelingen wird, die Abstimmung über diese Anträge überhaupt zu vermeiden und vorher aus dem Jnterventionswege eine Verständigung mit den Sozialdemokraten zu finden. Trotzdem muß man mit der Möglichkeit rechnen, daß es zur Abstimmung kommt und daß diese Steueranträge (Tantiemensteuer und Einkommensteuerzuschläge) von einer Mehrheit des Reichstages angenommen werden. Es ist noch keineswegs sicher, daß dann eine Mehr­heit des Reichsrates zu finden ist, 'die so, wie es gestern in der Eefrierfleischfrage geschah, durch ihren Einspruch die S t e u e r b e s ch l L s s e des Reichs­tages wieder außer Kraft setzen könnte. Je­denfalls kann die Regierung nicht mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß sie auf diese Weise aus der Ver­legenheit, die ihr derartige Reichstagsbeschlüsse be­reiten, befreit würde.

688 000 Wohlfahrts-Erwerbslose

Berlin, 14. März.

In den Städten mit über 25 000 Einwohnern (ürie zusammen 25 Millionen Einwohner zählen) wurden am 28. Februar insgesamt 688000Wohl- fahrtserwerbslosen laufend unterstützt. Von diesen standen 51 500 in Fürsorgearbeii. Gegenüber dem Vormonat (655 000) beträgt die Zunahme 5 v. H.

Außerdem mußten in den berichtenden Städten 109000 Unter st ützungsempfänger der Reichsanstalt in der gemeindlichen Wohlfahrt lausend zusätzlich betreut werden. Fast di« Hälfte dieser Zu- sotzempfänger sind Unterstützte der Krisenfürsorge.

Oer Konflikt in Thüringen

Weimar, 14. März.

In einer Verlautbarung der Fraktion der D e u t - feben Volkspartei wird erklärt, die Fraktion habe gestern erneut zur thüringischen Krise Stellung genommen. Da die Nationalsozialisten der Deutschen Volkspartei offiziell überhaupt keine Antwort erteilt, sondern lediglich in ihrem thüringischen Parteiblatt erklärt hätten, daß sie garnicht daran dächten, irgend­etwas zurückzunehmn, hätten sie die Koalition ge­brochen und sich außerhalb derselben gestellt, wie dies ihr Minister Dr. Frick bereits vor Monaten einmal getan habe, ohne allerdings damals für sich uno seine Partei die Konsequenzen zu ziehen. Damit sei die Deutsche Volkspartei von einer koalitions- mäßigen Bindung an die Nationalso­zialist en frei geworden. Sie wende mit ven anderen bürgerlichen Regierungsparteien weiter in

Fühlung darüber bleiben, ob und wie die Schwierig­keiten, an denen das Thüringer Land gerade jetzt stär­ker als je zu leiden habe, in den nächsten Wochen übertounoen werden können.

politische Sch eßereten

Berlin, 14. März.

An der Wrlhelmsaue wurden 3 Teilnehmer einer nationalsozialistischen Versammlung durch Schüsse verletzt und mußten nach dem Krankenhaus in der Pfalzburger Straße gebracht werden. Einer vorbei- kommenden Autostreife gelang es. vier mutmaßliche Töter festzunehmen.

An der Müller-Ecke Fennstraße wurde am Abend ein Passant von mehreren Männern überfallen und zu Boden geschlagen, wobei er sich leichte Verletzun­gen zuzog. Als er einen Schuß aus einer Schreck- schußpistole abgab. flüchteten die Täter.

*

Danzig. 14. März. Am gestrigen Freitag nachmit­tag wurde der 40 Fahre alte Zimmerer Otto Fels, der sich in Uniform des sozialdemokratischen Arbei­terschutzbundes befand, von drei Kommunisten und zwei Frauen gehänselt. Die Kommunisten entrissen ihn seinen Stock und brachten ihm damit vier schwere Kopfverletzungen bet Fels sank zu Boden, konnte sich aber später wieder aufraffen. Er zog dar­auf seine Pistole und gab mehrere Schüsse ab. Ein Kommunist erhielt einen Schuß in den rechten Oberschenkel und einen schweren Bauchschuß, an des­sen Folgen er bald darauf starb. Ein anderer Kom­munist erhielt einen Schuß in den linken Oberschenkel, der dritte flüchtete.

Paris, 14. März.

Der furchtbare Erdrutsch in den Savoyer Alpen hat auch am Freitag nichts von seiner Ge­fährlichkeit verloren. Immer noch ziehen die ungeheu­ren schwarzen Erbmassen dem Tale zu und begraben was sich ihnen in den Weg stellt, un.er sich. Am spa­ten Nachmittag des Freitag teilte sich die Lawine, die stellenweise eine Stärke von 15 Me­tern erreicht, in vier Arme und setzte ihren Abstieg fort. Am gefährlichsten ist der Arm, der sich gegen das Gendarmeriegebäude von Chatelard bewegt und es voraussichtlich beut" auch erreichen dürfte. Tie Gen­darmeriegebäude wurden bereits geräumt.

Bisher ist eine Strecke von etwa zwei Kilometern von dem wandernden Berg zurückgelegt worden. Trotz aller Bemühungen und Anstrengungen, die seit 48 Stunden ununter­brochen gemacht werden, ist es nicht gelungen, die am meisten bedrohten Gebiete zu schützen. Auch die Hoff­nung, daß die gesprengte Brücke die Erbmassen in un­bewohnte Gebiete ableiten würde, hat sich nicht er­füllt. Die vier großen Lawinen haben jetzt ein Ans- maß von über 3 0 0 Metern Länge und fast lOOMeternBreite.

Furchtbare Szenen spielten sich bei der Rettung der Bewohner ab, die sich zum Teil weigern, ihren in harter Arbeit erworbenen Besitz zu verlassen.

Italienische Kritik

an der Mandatspol tik

Rom, 14. März.

Bei der außenpolitischen Aussprache in der ita - lienischen Kammer stand gestern oas Man­datsproblem im Vordergrund. Baragiola, der vor einem halben Jahre von einer zweijährigen wirt­schaftlichen Studienreise durch Zentralafrika zurückge- lehrt ist, erklärte, der imltenische Handel in Afrika sei geringer als der Güterabsatz Deutsch­lands, das in voller Erkenntnis des Kolonialpro- blcans nach Dem Verlust seiner afrikanischen Kolonien mit verdoppeltem Eifer an die wirtschaftliche Durchdringung des schwarzen Konti­nents herangingen.

Basile und Re David kritisierten die Politik der Manda arstaaten, die nicht immer in vollem Sink ang mit dem Mandatsbegriff und- den Mandatsbestim­mungen stehe. Basile stellte fest, daß Deutsch­land und Italien die einzigen Großmächte seien, die nicht über die politisch uno wirtschaftlich für sie notwendigen Ko-

W. P. Das Wort von dem goldenen Boden des Handwerks hat längst seine Gültigkeit verloren. Seit­dem im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts die großen zeitgestaltenden Kräfte, der moderne Kapi­talismus und die Technik, ihren siegreichen Vormarsch antraten, kämpft das deutsche Handwerk seinen schwe­ren Kampf um die Erhaltung seiner Lebensgrund- lagen. Den Kampf, der ihm schicere Wunden ge­schlagen, bei dem es manche Position eingebüßt hat. Aber trotz Wunden und Verluste: Das deutsche Hand­werk hat in diesem, m i t diesem tapferen Ringen seine Daseinsberechtigung erwiesen. Es lebt allen pessi­mistischen Propheten zum Trotz, die sein Ende mit dem gewaltigen Aufstieg der Industrie gekommen sahen. Es lebt, nicht weil es von den Früchten einer jahrhundertelangen stolzen Entwicklung, die bis in die Anfänge deutscher Geschichte zurückreichte, zehrte, son­dern, weil es sich über alle Widerstände und Hemm­nisse hinweg seine gesunde Kraft und seinen uner­schütterlichen Willen zur Selbstbehauptung bewahrte, und weil es überdies gelernt hat, die Tatsachen nüch­tern in Rechnung zu stellen. Dieser Wille zur Selbstbehauptung und dieses realpolitische Denken werden das deutsche Handwerk auch über die Zeiten der Not, von der es heute härter als mancher andere Stand angepackt wird, Hinwegführen.

Als im Jahre 1843 der Lehrer an der Gewerbe­schule in Kassel, Karl Georg Winkelblech, eine Studienreise durch Norwegen machte lernte er, so erzählt Ricarda Huch in ihrem neuen Buche über die 1848er Revolution, in einem Blaufarbenwerk einen deutschen Arbeiter kennen, der ihm in bewegten Worten die sozialen Mißstände, die in dieser Fabrik herrschten, schilderte. Dieser Bericht rüttelte das so­ziale Gewissen des kurhessischen Professors auf:Die

lanialgebiete verfügten. Re David ging besonders auf Oie englischen Pläne in Ostafrika und im Irak ein, di« eine so offene Verletzung der Man- oatsbestimmungen darstellen, daß sie eigentlich mit öem Widerruf des Mandats beantwortet werden müßten.

Oas französischeBudget angenommen!

Paris, 14. März.

Die Kammer hat nach der Ablehnung des Antra­ges Leon Blum die Budgetberatung be­endet und den gesamten Budgetentwurf für das nächste Finanzjahr mit 460 gegen 120 Stimmen a n - genommen. Die endgültigen Zahlen des Budgets sind folgende: Einnahmen 50 753 630 435 Frank, Aus­gaben 50 742 181 650 Frank. Es ergibt sich also ein Einnahmeüberfchutz von 11548 785 Frank.

König Alfons nach London abgereist

Paris, 14. März.

Der König von Spanien bat am Freitag abend Madrid verlassen, um sich über Paris nach London zu begeben, wo er seiner erkrankten Schwiegermutter, der Prinzessin von Battenberg, einen Besuch abftatten will.

In Paris wird der König wahrscheinlich Gelegen­heit haben, mit dem Führer der spanischen Liberalen San Diego Alba Rücksprache zu nehmen.

E einen Dsrgesetzien

riedergeschossen!

Hamburg, 14. März. Als der Polizeioberwachtmei­ster Friedrich Pohl gestern von dem Regierungsrat L a s s a 11 q in einer Dienststrafsache wegen national­sozialistischer Betätigung vetnommen wurde, zog er seinen Dienftrevolver und gab auf den Regie tungerat einen Schutz a6, der diesen schwer verletzte. Pohl wurde feftgenommen. Regierungsrat Lassally befindet sich außer Lebensgefahr.

Bei dem Täter handelt es sich um den 28 Jahre alten Polizeioberwachtmeister Pohl, Sohn eines Arztes aus her Lüneburger Heide, der nach Bestehen seiner Einjährigenprüfung in Polizeidienste getreten war. Seit kurzem war es feinen Vorgesetzten ausge­fallen, daß sich her Oberwachtmeister Pohl natio­nalsozialistisch betätigte, worauf sofort ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet wurde, in dessen Verlauf er von Regierungsrat Lassally vernom­men wurde. Ob Oberwachtmeister Pohl Mitglied der Nationalsozialistischen Partei ist, oder nicht, steht bis her nicht fest.

Schönheit der nordischen Landschaft bewegte ihn mm in anderer Weise als vorher: Ein solches Paradies umfaßte solches Menschenelend. War das die Folge von Naturgesetzen, oder war es Schuld bei Menschen? Die Ursache dieses Elends und womöglich Mittel zur Heilung herauszufinden, stellte er sich in dieser Stunde zur Lebensaufgabe." Weshalb diese geschicht- liche Reminiszenz? Well uns hier die heimische Ge­schichte ein Beispiel für die ersten Kämpfe, die das deutsche Handwerk im vorigen Jahrhundert um feine Existenz führte, geliefert hat. Winkelblech glaubte nämlich, die Mittel zur Ueberwindung der sozialen und wirtschaftlichen Gefahren in der Bildung von Korporationen, in denen Arbeitgeber und Arbeitneh­mer zusammengefaßt werden sollten, und in der Er­neuerung des Zunftwesens gefunden zu haben. So wurde er zum Führer der Handwerker in ihrem Kampf gegen die verhaßte Gewerbefreiheit, und im Juni des Jahres 1848 erschien der Kasseler Professor als Vertreter der kurhesstschen Handwerker auf dem Hamburger Handwerkerkongreß. Ein bleibender Er­folg ist Winkelblech freilich versagt geblieben. Der Kampf zerbrach seine Kräfte, und die Zeit schritt schließlich auch über den Widerstand, den bas beutsche Handwerk dem Gedanken der Gewerbefreiheit ent­gegensetzte, hinweg.

Ein Thema war aus der Diskussion ausgeschaltet, neue, nicht minder wichtigere tauchten in immer grö­ßerer Zahl auf, je weiter die Industrialisierung und Kapitalisierung in Deutschland fortschritten. Es ist unmöglich, die einzelnen Etappen des Kampfes, den bas deutsche Handwerk in bejt vergangenen Jahr­zehnten zu bestehen hatte, an dieser Stelle zu schil­dern. Aber auch in der jüngsten Zeit hat es an Widerständen und Schwierigkeiten, die die Entwick­lung des Handwerkes hemmten, wahrhaftig nicht ge­fehlt, und darüber muß allerdings in diesem Zusam­menhänge einiges gesagt werden: Der Weltkrieg hat vielleicht keinen Stand härter als den Hand­werkerstand getroffen. Die Werkstätten wurden leer; der Meister, die Gesellen und schließlich auch die Lehr­linge wurden vom Amboß . und von bet Hobelbank, vom Schneibertisch ober vom hohen Gerüst zu rauhe­rem Hanbwerk abberufen. Aber wo bet Mann fehlte, sprang bte Frau in bte Bresche. Sie legte sich bie Werkschürze um unb war in vorbildlicher Treue un­ermüdlich am Schaffen. Riesengroße Sorgen drangen an ihr Herz; bte Kriegswirtschaft erschwerte bte Be­schaffung von Materialien unb Handwerksgerät. Aber bie Handwerkerfrauen hielten durch unb retteten so ihren Männern bie Grundlage, auf der diese nach Beendigung des Krieges neu aufbauen konnten. Und diese Jahre des Neuaufbaues, diese ersten Nachkriegs­jahre, diese Jahre der Inflation unb bet Gelb­not waten nicht minder schwer als die Ktiegszeift Nicht allein materielle Nöte waten es, die dasHanb- werkethetz bamals bewegten. Fragen bet Stan« besoertretung, wie sie sich bet bet Nettotbmmg bes beutschen Staatswesens von selbst ergaben, er», heischten eine zufriedenstellende Lösung. Angriffe auf bie Stanbesehre galt es zutückzuweisen. Der Abwehrkampf gegen bie Eingriffe bet öffentlichen Hanb in bas Wirtschaftsleben wurde aufgenommen, bie Frage bet Kreditversorgung wurde erörtert, all die großen Probleme der Ausbildung des Nachwuchses und bet Hebung bet Handwerkskultut tauchten auf. Viele btefer Fragen ftnb heute noch un­beantwortet, aber bas beutsche Handwerk ringt um ihre Lösung, denn Handwerkerart ist es niemals ge­wesen, zu verzagen und die Hände in müder Resigna­tion in den Schoß zu legen.

Unb eins hat sich deutlich erwiesen: Das Hand­werk ist ein Faktor, der aus dem deutschen Wirtschaftsleben nicht fortgedacht wer­den kann. Die Ansicht, daß die handwerklich« Arbeit durch die Produkte bet Industrie völlig ersetzt wer­ben könne, hat sich als Jrrtum erwiesen. Die In­dustrie wird unb muß, ihren eigenen wirtschaftlichen Gesetzen getreu, immer auf die Massenfabrikation ausgehen: hier ist ihre Domäne. In her Erzeugung von Massenwaten kann das Handwerk sichet nicht mit dem industriellen Bruder konkurrieren. Kann unb will es auch nicht! Mit Recht hat man gesagt, baß sich bet deutsche Handwerker besten Schlages immer ein Stück Künstlertums erhalten habe Die Betäti­gung dieses künstlerischen Könnens oder, wo dieses sich nicht entfalten kann, doch zumindest bas inbioi» buelle Gestalten bet Wate, bas Arbeiten, bas bem Geschmack unb bem Bedürfnisse des einzelnen Käu­fers angepaßt ist, charakterisiert bte hanbwerkliche Ar­beit. Die Industrie schafft, so hat man richtig for­muliert, in Serien, bas Hanbwerk in Einzelsiiicken. Das Feld, bas die individuell schaffende Arbeit zu bestellen hat, ist unb bleibt weit unb er­giebig: Heute gibt es in Deutschland 1,3 Millionen Handwerksbetriebe, unb in diesen Betrieben ist fast ein Fünftel aller Erwerbstätigen beschäftigt. Unb neben biese aufschlußreichen Zahlen wird man einige andere setzen müssen, die erkennen lassen, wie sich die­ses Handwerk, das seine Esisten'grunblage so tapfer verteidigte, geschickt und energisch den RotwenbigÄ

Oer wandernde Berg

Oie Erdrutsch-Gefahr in Savoyen noch nicht beseitigt