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Auenbruggers Trommelei / »«««>>».,? M-i

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als ob es einen Schatten würfe durch die Brust hin­durch. Und wenn sich beispielsweise irgendwo in Ihrem Brustkasten Flüssigkeiten angesammelt haben, dann verrät mir das der Schall so gut, als wenn ich mich mit dem Mester davon überzeugen würde."

Auenbrugger läßt sich die Mühe nicht verdrießen, tatsächlich mit dem Mester nachzusehen, ob seine Ohren Richtiges erfahren haben. Man mutz fast glau­ben, datz der Schmerz über einen vergeblichen Kampf gegen Tod und Krankheit bei ihm sehr gemildert wird durch die Erwartung, was der Leichnam seinen Augen offenbaren wird. Auenbrugger macht sogar ein Paarmal folgenden Versuch: er spritzt in die Brusthöhle eines Kadavers Wasser ein und stellt fest: der dumpfe Schall reicht genau bis zur Wafferhöhe, darüber klingt es hohl,

Im Laufe der Jahre entfaltet sich seine primitive Klopskunst zu einem ganzen Wahrsage-System, nach dem sich ausgezeichnet prophezeien lätzt. Wenn er über dem Herzen an Stelle eines schwach gedämpften Tons den Schenkelton vernimmt, dann hat das Herz sich ganz bestimmt erweitert. Wenn das bei einer Lungenentzündung vorkommt, dann weiß er, daß der Patient die Nacht nicht überleben wird. Er kann aus seinem Zeichen auch die kritischen Tage vorherbestim- men, er kann den bösen Schenkelton in Menschen­lungen hören, die angeblich von der Schwindsucht auskuriert sind und deren unglückliche Besitzer den­noch abmagern, hinsiechen und den Arzt in Verzweif­lung bringen. So groß ist seines Zeichens Macht.

Ja, Auenbrugger Hai sogar das Heimweh aus der Brust herausgehört. Davon erzählt er folgendes:

.Wenn im Wachstum begriffene Jünglinge ge­waltsam zum Militärdienst fortgeriffen und gezwun­gen werden, jeder Hoffnung auf unversehrte Rückkehr in das ersehnte Vaterland zu entsagen, so befällt sie tiefe Traurigkeit, Schweigsamkeit und Mattigkeit, sie

werden einsam, grübelnd, seufzen und stöhnen, end­lich bemächtigt sich ihrer eine Unempfindlichkeit und Gleichgültigkeit gegen alles, was der Ernst des, Le­bens von ihnen fordert. Indes die Idee des eitlen Sehnens vorherrscht, geht der Körper, der auf einer Seite einen dumpfen Perkussionsschall gibt, der Ab­zehrung entgegen."

»Ich habe die Leichen vieler an dieser Krankheit Verstorbener eröffnet und stets die Lungen mit dem Rippenfell fest verwachsen gesunden, den Lappen aber aus der nicht tönenden Seite schwielig, verhärtet, mehr oder weniger eiterig".

Mindestens durch sieben Jahre also hat der Poldi Auenbrugger seine Beobachtungen gemacht, bevor er sich getraut, sie den Herren Kollegen vorzulegen. Er tut es auch nicht ohne viel Bedenken, weil er weiß, daß seit alter Zeit den Neueren Haß, Neid und Ver­leumdung bcschieden ist. Nachdem er sich aber ein- mal dazu entschlossen hat, macht er die Sache gründ­lich und sehr systematisch. Er teilt das Buch in 14 Beobachtungen uns diese wieder in 48 Paragraphen, zu welchen er Erläuterungen schreibt, die meistens das Wichtigste enthalten. So beginnt er:I. Beobach­tung: Vom natürlichen Schall der menschlichen Brust und wie er an verschiedenen Stellen wahrgenommen wird. 1. Die Brust eines gesunden Menschen gibt beim Anschlägen einen Schall. Erläuterung dazu: Ich verstehe unter dem Namen Thorax (Brust) jene Höhle des menschlichen Körpers, welche vom Hals und den Schlüsselbeinen beginnt und dort endigt, wo das Zwerchfell den Bogen der Rippen sich anschließt. Diese Höhle nach den Gesetzen der strengen Anatomie zu be­schreiben, hielt ich für überflüssig . . ."

Man kann sich denken, daß er die Perkussion ge­nauer schildert, als es in irgendeinem Lehrbuch von heute steht. Was die von ihm erwähnten Krankheiten betrifft, so beschreibt er sie nach seinen Erfahrungen größtenteils recht gewissenhaft, verweist aber stets auf seinen hochberühmten Lehrer Freiherr van Swie- ten, in dessen Kommentarien die eigentliche Darstel­lung nachzulesen sei.

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Wir bringen heute einen weiteren Abschnitt «ns Miete BuchMänner gegen Tod und Teufel", das Episoden ans dem Leben grober Aerrte erzählt.

Er war ein Gastwirtsfohn aus Graz, der Poldi Auenbrugger, und brachte es zum Sekundärarzt an dem spanischen Spital in Wien, nachdem er fleißig bei dem gestrengen Herrn Van Swieten Medizin stu­diert hatte. Wann und wie er aus feinen außer­ordentlichen Einfall kam, hat er nicht herichtet, doch niag es um fein dreißigstes Lebensjahr gewefen, daß er sich nachdenklich mit ausgestreckten Fingerspitzen auf den Schenkel klopfte, auf die Brust und wieder auf den Schenkel, auf den Bauch und wieder aus die Brust wodurch sich denn ein etwaiger Zuschauer hätte veranlaßt sehen können, mit ebenso ausgereck­ten Fingerspitzen auf feinen Hirnkasten zu klopfen. Vermutlich hätte dieser Zuschauer kaum Bescheid be­kommen über Sinn und Absicht einer solchen Trom- nielci, denn was dem Leopold damals ausgegangen war, behielt er vorerst noch einige Jahre lang bei sich.

Den Kranken, die ihm in die Hände kamen, spielte er freilich fein fonderbares Spielchen immer öfter vor. und zwar auf ihrem eignen Leib. Das tat nicht Weh, erregte aber meistens einiges Erstaunen und womöglich Aengstlichkeit. Ob und tote er sich in sol- chem Fall verteidigte, ist wiederum der Nachwelt un­bekannt geblieben. Wenn seine ärztliche Autorität nicht von vornherein jeden Einspruch seiner Patien­ten überhaupt vereitelt hat, so mag er dem einen und dem andern doch erklärt haben:Mein Ohr ist so fein, daß ich aus dem Schall der leichten Finger- sckläge hören kann, ob in Ihrer Brust der Teufel sitzt oder die Genesung!" Und in sebr guter Stimmung ha, er Wohl auch einem Wissensdurstigen verraten: Die hohle Lunge klingt ganz anders als das feste Fleisch. Sogar die Größe Ihres Herzens kann ich durch mein Klopfen recht genau bestimmen, gerade so,

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Nachdem er alle 48 Paragraphen säuberlich aufge­setzt und mit zehnmal längeren Erläuterungen^ ver­sehen, schreibt Auenbrugger (er ist gerade 38 Jahre alt) ein kleines Vorwort, in dem folge-des zu lese« steht:

Ich lege dir, günstiger Leser, ein neues von mir erfundenes Zeichen vor zur Entdeckung der Brust- krankheilep. Es besteht dies im Anschlägen an de» menschlichen Brustkorb, aus dessen verschiedenen Wi­derhall der Töne sich ein Urteil über den inneren Zustand der Höhle gewinnen läßt. Weder der Anreiz zur Tchriftstellerei noch der Ucberschwang der Spe­kulationen, sondern die siebenjährige Beobachtung war der Grund, das über diesen Gegenstand Entdeckte einzuteilen, zu ordnen und herauszugeben. Ich schrieb dasjenige nieder, was ich nach dem Zeugnis meinet Sinne unter Mühen und.Anstrengungen immer wie­derum tn Erfahrung gebracht habe, ohne darin je-> mals der verführerischen Eigenliebe einen Platz ein­zuräumen. _

Schließlich war es nicht mein Bestreben, durch eine besondere Schreibart glänzen zu wollen und wählte einen Stil, schlicht und verständlich. Lebewohl!

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