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Kummer 59*

Mittwoch, 11. März 1931

21. Jahrgang

Hessische Abendzeitung

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KaMer Neueste Nuchrichten

Oer Friede am Schwarzen Meer

Oie Verständigung zwischen Moskau und der Türkei / Vorläufig keine parteipolitische Festlegung des Landbundes / polnische Garnisonen im Korridor

Eine überlebte Streitfrage

Eigener Drahtbericht.

Nie"

ahrheit über Locarno

Eine Unterredung mit Sir Austen Chamberlain

Moskau, 11. März.

Zu den in diesen Fragen in Angora vom russischen Gesandten und vom türkischen Außenminister unter­zeichneten Zusatzprotokollen über die Flottenrüstungen im Schwarzen Meer schreibt dieJswestija", daß dadurch zwei Staaten im Kampf um den Frieden im Schwarzen Meer einen Erfolg erzielt hätten, dessen sich bisher kein anderer Staat rühmen könnte. Weder int Mittelmeer noch in einem anderen Meer sei ein solches Abkommen er­reicht worden, im Gegenteil, es herrscht? dort ein un­unterbrochenen» Wettstreit der Rüstungen. Die Regie­rungen Sowjetrußlands und der Türkei könnten mit Stolz ihre Friedenspolitik der Politik der übrigen Mächte gegenüberstellen, die jeden politische» Akt nur zu Kriegszwecken benützten.

Der positive Inhalt des erwähnten Abkommens ist, daß weder die Türkei noch die Sowjet­union ein Kampfschiff auf Stapel gegen oder bei einer fremden Macht bestellen werden, las zur Verstärkung der Flotte auf dem Schwarzen Meer oder auf benachbarten Meeren bestimmt ist, ohne vent Vertragspartner sechs Monate vorher eine Anzeige darüber zugehen zu lassen.

Dieses Abkommen bindet die Türkei vollständig, denn ihre Kampfschsffe können überhaupt nur für das Schwarze Meer oder seine Rachbarmeere bestimmt sein, während die Sowjetunion noch freie Hand ,ür die Ostsee und ihre asiatischen Häfen behält. Bei In Sowjetunion wird man sogar vielleicht damit rechnen müssen, daß Flottenkosten von den Marine st ationen des Schwarzen Mee­res nachdenen bei anbeten Küste t über­tragen werben könnten.

Die politische Bebeutung bes Abkommens liegt in bent freunbschaftlichen Verhältnis zwi­schen ber Türkei unb ber Sowjetunion, in d r libera­len Hanbhabung ber noch wesentlich in ber Hand ber Türkei liegenden Erlaubnis der Durchfayrung ber Dardanellen für russische Kriegsschiffe. Roch immer ist die Türkei mit ihrem letzten ©tüt' eur »päifchcit Landbesitzes Hüterin der Meerengen, die den Zutritt aus dem Schwarzen in das Aegäische Meer gestatten. Die Geschichte R. Alands war ja größtenteils 'ne Ge­schichte des Kampfes um die Benutzung dieser See- straße. Ihre Eroberung war ein Teil der russischen Kriegsziele im Welt'"'.ege. Im Laufe der Geschichte waren die Meerengen meist zwischen Rußlmd einer­seits und der eo.i den Westmächten, insbesondere England, unterstützten Türkei andererseits, streitig. Die Abkommen von 1841 und von 1856 ^Pariser Frieden nach dem Krimkrieg) sicherten der-k.-den Besitz der Dardanellen und auch der Frieden von Lau­sanne hat ihr diesen Besitz erhalten. Aber bie poli­tische Lage hat sich geändert. Die Türkei ist heute nicht mehr der Schützling der Westmächte, sie har sich selbständig gemacht. Ihr vielhundertjähriges Miß­trauen gegen den nordischen Nachbarn ist verschwun­den. Konstantinopel' und Petersburg standen sich,ast immer schlecht, Moskau und Angora stehen sich gut. Die Dardanellen haben ihre Bedeutung als Streitziel der europäischen Poli­tik ziemlich verloren.

Gandhi wird mißtrauisch

Loudon, 11. März.

Die Entscheidung der konservativen Partei, sich nicht aus der kommenden englisch-indi­schen Konferenz in Indien vertreten zu lassen, hat in Indien im allgemeine» einen sehr ungünsti­gen Eindruck gemacht.

Gandhi telegraphierte a» Lord Jrvin, ob der Vizekönig imstande sei, seine bisherigen Zusagen ein­zuhalten und im Hinblick auf die Stellungnahme der konservativen Partei die vereinbarte Regelung der indische» Frage» auch i» die Tat umzusetzen.

Seecki für

deutsch-italienische Zusammenarbeit

Rom, 11. März.

Sanoto Fascifta" veröffentlicht ein Interview ihres Berliner Korrespondenten mit G e n e r a l v o n S e e ck t, in vem dieser sagt, Deutschland müsse bei seiner Außenpolitik sein Augenmerk auf zwei Dinge richten: 1. müsse es eine vernünftige Revision der Kriegsentschädigungssrage anstreben; 2. eine tatsäch­liche und nicht eine scheinbare Abrüstung der Na­tionen zu erlangen suchen. Wenn die anderen euro­päischen Nationen ihre Rüstung'» rächt herabfetzten,

sähe sich Deutschland gezwungen, für sich ebenfalls das Recht, zu rüsten, zu verlangen.

Was die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien betreffe, fährt General von Seeckt fort, sei im gegenwärtigen Augenblick mit Rücksicht auf die Abrü­stungskonferenz eine Zusammenarbeit der deutschen mit der italienisch en Außen­politik nicht nur möglich, sondern wünschenswert. Beide Nationen hätten mehr als gemeinsame Inter­essen zu wahren, eine enge Zusammenarbeit sei daher für beide Länder von Nutzen.

Neue polnische Garnison im Korridor

Berlin, 11. März.

Nachdem Dirschau als ber Schlüssel bes polni­schen Korribors vor kurzem mit verstärkter polnischer Garnison belegt würbe, soll jetzt, wie bie Blätter melbcn, auch nach N e u st a b t (Westpreußen) polni­sches Militär gelegt werden, und zwar handelt es sich um ein Bataillon polnischer M a r i n e= Infanterie. Die polnische Militärbehörde ist be­reits mit einer Stadtverwaltung in Verhandlungen getreten. Als Kaserne für das Militär sollen Ge­bäude der früheren Provinzial-Heilanstalt benutzt tuerben, in denen sich gegenwärtig eine Emigranten- station befindet, bie demnächst nach Gisingen verlegt wirb.

Paris, 1L März.

Der dänische Journalist K. Bogholm, Vertreter der PariserOrdre", übermittelt seinem Blatte eine Unterredung mit dem ehemaligen engli­schen Außenminister Sir Austen Chamber­lain, worin der konservative Politiker zum ersten­mal eine genaue Gesamtdarstellung der diplomati­schen und politischen Ereignisse gibt, bie zum Lo­carnopakte führten. In einem Augenblicke, wo die Entscheidung darüber fällt, ob das politische System von Locarno entwicklungsfähig genug er­scheint, um der Neuordnung ber deutsch-französischen Verhältnisse als Grundlage dienen zu können, oder ob was wcchrscheinlicher scheint dazu andre, eu­ropäische Wege gesucht werden müssen, sind die Aeu- ßerungen Chamberlains ungemein wertvoll. Nach einem Rund gang durch die wundervolle Bibliothek des berühmten Politikers stellte der Journalist sofort die Kernfrage:

War es wirklich Streseman», der als Erster den Locarnogedanken hatte?"

Antwort:I a ! Ich hörte davon jum erstenmal in einem Bericht unseres Botschafters in Berlin, Lord d'Abernon, dsm der Vorschlag in ganz vertraulicher Weise gemacht worden war."Gingen dieser An­regung k^ine privaten Besprechungen zur Prüfling Der Lage vorher?*Ich wenigstens wußte davon nichts vor dem 21. Januar 1925. In der Folge ver- laiigte von mir der deutsche Botschafter, daß ich den

Der Weg des Lmdbunds

Spaltung vermieden / Heue Kampfbeschlüsse

th. Berlin, 11. Marz.

Die mit Spannung erwartete Borstauds- sitzung des Reichslandbundes hat gestern mit der Annahme einer Entschließung geendet, worin der Bundesvorstand das O st h i l s e g e s e tz und die Agrarvorlageu als unzureichend er­klärt, und worin er den innerhalb und außerhalb der Reichsregierungzutagegetretenen landwirtschaftlichen Kräften" den schärfsten Kampf ansagt. Schließ­lich lehnte der Bundesvorstand eine Einwirkung. auf die Parteien in den gegenwärtigen rein politischen Verhandlungen ab und überläßt die Verantwortung für die weitere Entwicklung ausschließlich dem Kabi­nett und dem Parlament.

Diese Entschließung bes Reichslandbunbes ist in politischen Kreisen Berlins selbstverständlich auf bas stärkste beachtet worden. In den dem Reichsernäh- rungsminifter Schiele nahestehenden Kreisen be­trachtet man es als ein Aktivnm, daß die Organisa­tion bes Reichslanbbundes sich trotz ber Absage, bie sie an bie positive Politik ber Regierung erteilt hat, sich bavon freigehalten habe, in bas Fahrwasser ber Rechtsopposition hinüberzugleiten. Im Reichslanb- bunb bestehen seit längerer Zeit Bestrebungen, bie oppositionelle Linie ber Nationalsozialisten unb ber Deutschnationalen auch innerhalb dieser Organisation zum Durchbruch zu bringen, aber in der gestrigen Sitzung ist dieser Versuch noch nicht gelungen. Aller­dings ist auch von der anderen Seite her, d. h. von dem mit dem Ernährungsminister Schiele sympathi­sierenden Flügel, kein entscheidender Vorstoß im Sinne einer Festlegung des Landbunoes auf die Re­gierungspolitik erfolgt. Das Gesamtbild geht also dahin, daß

der Landbund als Organisation sich sowohl von den Tendenzen eines Ueberganas in das radikale Fahr­wasser, wie auch von der Tendenz eines engeren Anschlusses an die Regierungspolitik sreigehalten hat.

Das dürfte vor allem daran liegen, daß innerhalb des Reichslandbundes eine starke neutrale Mitte besteht, bie sich gegen jede Festlegung auf eine bestimmte politische Tendenz zur Wehr setzt und die bei jedem derartigen Versuch eines der beiden Flügel, unbedingt mit dem anderen Flügel eine Mehrheit gegen einen derartigen Versuch gebildet ha­ben würde. Wenn also auch die Stellungnahme des Reichslandbundes im ganzen eine Absage an die Re­gierungspolitik bedeutet, so ist doch nicht zu verken­nen, daß gleichzeitig eine Absage an bie Versuche ge­geben mürbe, den Reichslandbund restlos auf die Linie Hugenberg und Hitler festzulegen Allerdings .st hervorzuheben, daß es nun in keiner Weise klar ist, wie sich der Reichslandbund die Durchdringung der agrarischen Gesetzesvorlage» d-rnkt. bte im Reichstag

nur mit sozialdemokratischer Unterstützung möglich sein würde. Die Gruppierung innerhalb des Reichs­landbundes entspricht im wesentlichen auch einer regionalen Einteilung, denn der Süden und Westen steht zum größten Teile auf der Seite bes Kabinetts, während der Norden und Osten der deut­schen Landwirtschaft sich in Opposition gegen Schiele befindet. Es ist möglich, daß

in etwa zehn Tagen eine neue Vertreterver­sammlung des Reichslandbundes stattfindet, von der man dann positivere Beschlüsse in der Richtung einer Unterstützung des Ministers Schiele erwarten würde. Ob es dabei zu einer Spaltung im Reichslandbund kommen wird, wie sie dieBosfische Zeitung" Voraussage» zu können glaubt, ist noch zu bezweifel».

Die agrarisch eingestellteDeutsche Tageszei­tung" erklärt heute zu der gestern gefaßten Ent­schließung des Reichslandbundes, daß bte Voraus­setzungen eines parteipolitischen oder eines macht- politischen Einsatzes der deutschen Landwirtschaft nicht gegeben seien, und daß die berufsständige Inter­essenvertretung der Landwirtschaft ihren Äraftein = satz anderswo als auf dem Gebiete der Parteipolitik suchen müsse. Diese Auffassung hindere freilich den Landbund nicht an seiner Auf­gabe, den Parteien sowohl wie der Regierung die Ver­antwortung vor Augen zu führen, die sich aus ihrem Tun und Lassen namentlich auf wirtschaftspolitischem Gebiet ber deutschen Landwirtschaft gegenüber ergebe.

Vom Regierungsstandpunkte aus sagt dieGer­mania" zu der gestrigen Entschließung, daß die Opposition sich offenkundig gegen die Reichsregierung und gegen die Agrarpolitik des Ministers Schiele richte, aber interessanter als die Entschließung dürs­ten die Auseinandersetzungen gewesen sein, die vor­ausgegangen seien. Der Landbund werde sich jeden­falls nicht als geschlossene Organisation in die Front von Hitler und Hugenberg einreihen lassen.

Sparmaßnahmen in Preußen?

Berlin, 11. März.

Nach einer Meldung des Berliner Lokal-Anzeigers beschäftigte sich gestern nachmittag eine Sitzung des preußischen Kabinetts mit «dem im preußischen Haus­halt entstandenen Fehlbetrag, der sich auf 20 Millionen R M. belaufen soll.

Wie bas Blatt behauptet, ist geplant, den Ausgleich durch Sparmaßnahmen zu schaffen, utto zwar sollen die Reisegelder und die Unterhaltungs­zuschüsse gekürzt sowie die Notstandsbei- hilfen für die Beamten beseitigt wer­den. Auch andere Sparmaßnahmen sind erwogen worden. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt, da noch kommissarische Verhandlungen ftattfinben sollen. ....

Vorschlag ganz vertraulich betrachtete, undihn beson» ders ber französischen Regierung nicht mitteilte. Ich antwortete natürlich, diese Forderung sei unannehm­bar, untsomehr, als zu gleicher Zeit der deutsche Bot­schafter in Paris am Quai d'Orsay sich in derselben Weise äußern «nutzte. Die britische Regierung war es, die als erste die ziemlich unbestimmten Vor­schläge Stresemanns in einem sachli- chen und ausführlichen Plane zusam­men f a ß t e. Auf iber Ratsversammlung in Rom könnte ich mich nur in ziemlich schleierhaften Worten ausbrücken: Ich hatte bie Führerschaft am Foreign Office noch nicht lange inne und benötigte immerhin einige Monate, um bie großen Linien ber konservati­ven Außenpolitik festzulegen. Ganz anders gestaltete sich jodoch die Lage bei ber nächsten Ratssitzung int März 1925. Ich wußte, was ich wollte, unb hatte im Unterhaus bewiesen, daß eine Politikder Iso­lierung nicht mehr «nöglich sei und wir ber fest­ländischen Politik eine großen Einfluß gestatten müß­ten. Bei meiner Durchreise nach Genf unterhielt ich mich mit bem französischen Ministerpräsidenten Her­ri o t und teilte tixn mit, es sei uns unmöglich, sei­nem Lande ein englisch-französisches Bündnis anzu­bieten. Wir konnten in ber Tat bie unzähligen Ver­pflichtungen des Genfer Protokolls nicht übernehmen, wodurch wir bie Grenzen der ganzen Welk! hätte» garantieren müssen; doch war es uns möglich, Mittel und Wege zu studieren, die den Frieden garantieren sollten. So war ich ber Ansicht, daß ber deutsche Vorschlag eine Grundlage zu Besprechungen barstell­te; denn er bot eine freimütige Garantie Deutschlanbs für die West grenzen und schloß bie Möglichkeit eines Krieges im Osten aus. Die britische Regierung bemühte sich also um eine Formel, wodurch die Gebanken des deutschen Vor­schlags verwirklicht werden könnten. Diesen Vor­schlag teilten wir ber französischen Regierung mit, unb ein wenig später kam Brianb »ach London, wo wir einen endgültigen Wortlaut ausarbeiteten.

Der heikelste Abschnitt der Vorbesprechungen.

Nun begann ber heikelste Abschnitt ber Vorlocarner Besprechungen. Es gab wohl einen englisch-französi­schen Text, aber bie beutschc Regierung hatte bavon keineKenntnis. Ich schlug also eine Kon­ferenz in Lonbon vor, an ber bie Sachverständigen der verschiedenen Länder teilnehmen sollten. Deutsch­land nahm meinen Gedanken ohne Begeisterung auf, und ich mußte in feinen Augen verschiedene Gründe geltend machen, deren hauptsächlicher bie Unkenntnis bes von Brianb unb mir festgelegten Textes war. Wenn ihr bis Locarno wartet, um unfern Text zu erfahren, werbet chr ohne Zweifel verlange», nach Berlin zurück zu reifen, um mit eurer Regierung Rückfprache zu nehmen. Wir müssen bann bie volle Verantwortung für bie Ausarbeitung bes Pakts übernehmen; außerbent bürfen mit uns nicht tren­nen, ohne ben Erfolg nuferer Verhandlungen sicher- gestellt zu haben." Die deutsche Regierung ließ sich von meinen Gründen überzeugen, und Herr Gaus kam nach Lonbon. Der erste Vorfchlag wurde ein wenig abgeänbert, unb als Ergebnis der Londoner Vorkonferenz bestand nun ein Text, ber alle» betei­ligten Mächten bekannt war."

Gestaltete» sich hie Verhandlungen in Locarno schwierig?

Es gab Schwierigkeiten. Vor allem mutzte bie Atmofphäre geschaffen werden. Ich erinnere mich, baß ich in einem heiklen Augenblick zum deut- fchen Reichskanzler sagte:Nun, Herr Kanzler, es ist jetzt angezeigt, eine Zigarre zu rauchen." Ich war bemüht, bie biplomatischen Besprechungen durch freie Unterhaltung zu ersetzen unb tat mein Möglichstes, bie Vertreter bes Reichs bavon zu überzeugen, baß es hier keine Abgeorbnete erster oder zweiter Klaffe gab, baß wir alle gleichberechtigt seien. Den beut« scheu Vertretern gegenüber spielte ich mit ausgebeck- ten Karten, unb ich glaube, sie haben meine Hand- lungsweise sehr anerkannt. Es tauchte die Frage auf: Wer foll bie Verhanblungen leiten? Die Deutfcken lehnten einen verbündeten Vorsitzenden ab unb schlugen eine abwechselnde Präsidentschaft vor. Ich weigerte mich, und wir gelangten z» folgender Methode: Ich sollte Vorsitzender fein unb zum Schluß unserer Arbeiten erklären, wir hätten nun keinen Präsidenten mehr nötig. Kleinigkeiten, bie unwich­tig erscheinen mögen: unb dock» bin ich davon über­zeugt. daß ihnen zum großen Teil das Gelingen zu- go'chricben werden muß.

Welches war das schwierigste Problem?

Ohne Zweifel der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Ehe ich nach Locarno ging, fürchtete ich die Frage der deutschen O st g r e n z e u. Sie erwies sich im Verlaufe ber Besprechungen als