Einzelbild herunterladen
 

Nummer 56*

Sonnabend/Sonntag, 7./8.Diär$ 1931

21. Jahrgang

Kasseler Abendzeitung

W?"??^Ebu6r 3n Kallen von Söberer Gewalt belteSt fein Ansvruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Verlag. SLriftleitung und Druckerei: Kölnische Stratze 10. Telephon: Sammelnummer 6800 Juristische Sprechstunde jeden Dienstag von 5 bis 7 Uhr Kölnische Stratze Nr. 10.

Hessische Abendzeitung

Anzeigenpreise: Geschäfts- und S-.milien-Anzeigen die 30 mm. Zeile 11 Pfennig. Klein« Anzeigen ans Kassel das Wort 7 A. Auswärtige Kleine Anzeigen die 30 mm breite Zeile 11 A. Anzeigen im Reklameteil die 78 mm breite Zeile 45 4. Onettgebübr LS A lbei Zustellung 85 AA. Für das Erscheinen von ««eigen tu bestimmten Ausgaben, an besonderen Platzen und für ielevhonisch erteilte Aufträge keine Gewähr. Rech, nungsbeträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichts,tand Kassel. Postscheckkonto Frankfurt a. M. 688L

Einzelpreis 20 Pfennig

Kasseler Neueste Nachrichten

Die ersten Gefangenen in Indien freigelaffen!

Neue Konferepren in Karachi und London? / Sonderwünsche zum Osthilfegesetz / Explosionsunglück in einem französischen Munitionslager

Schars Kampfansage der Extremen

lEtgene Drahtmeldung.)

Oie große Woche der Außenminister

Puna, 7. März.

Die erste Gruppe politischer Gesange- n: r, die sich keiner Gewalttat schuldig gemacht hi'^en und gemäß dem Abkommen zwischen Gandhi und deui Vizekönig auf freien Fuß gesetzt werden sollen, hat heute früh das Gefängnis Aerowada oer- laffeu. Es handelt sich um 65 Frauen. Sofort iuiIj ihrer Freilassung blieben sie zwei Minuten lang vor dem Gefängnis schweigend stehen, um da­durch Gandhi zu ehren. Sie entrollten dann ->ic Fahne des Allindischen Kongresses und entfernten sich in zwei von der Polizei zur Verfügung gestellten Lastwagen.

Die extrem-nationalistische Organi­sation in Brmbaq hat einen Feldzug gegendas Frvin-Gandhi-Abkommen eröffnet, das sie als eine Kapitulation bezeichnet.

Hinsichllich der weiteren Entwicklung rechnet der Daily Expreß" damit, daß in nicht allzuferner ?eit eine Englisch-indische Konferenz in In­dien abgehalten wird, die wahrscheinlich in Karachi stattfindet. Daran soll sich gegen Ende des wahres eine dritte Konferenz in London anschlie- ßeu, an der auch Gandhi teilnehmen würde. Das Kabinett hat, wie derNeuyork Ehronlcle" meldet erwogen, den Lordlanzler als Führer der britischen Abordnung nach Indien zu senden, doch ist eine Ent-» scheidung noch nicht gefallen.

Staatsbesuche...

Paris, 7. März.

Nach e--er imPetit Parisien" veröffentlichten Agenturmeldung aus Rom versichert man in italieni­schen Marinekreisen, daß wahrscheinlich demnächst die französische und die italienische Flotte einen Besuch in Spezia bezw. Toulon a u s t a u - sch en werden. Diese Flottenbesuche würden die Einigung in der Seeabrüstungsfrage besiegeln. Hier­auf würde ein Besuch des Präsidenten der französischen Republik in Rom und ein Besuch des Königs Victor Emanuel in Frankreich folgen.

Explosion im Munitionslager

Paris, 7. März.

Eine furchtbare Explosion ereignete sich in den späten Abendstunden des Freitag in dem Muni­tionslager in Chemilly-Sur-Vome in unmittel­barer Nähe von Auxerre. Zwei große Barracken von über 100 Meter Länge und 25 Meter Breite, in denen gefüllte Kartuschen alten Kalibers untergebracht waren, flogen plötzlich unter einem ungeheuren Ge­töse in die Luft. Mehrere tausend Tonnen Pulver sind explodiert.

Unter der Bevölkerung entstand große Beunruhi­gung, da die Gefahr bestand, daß weitere in unmit­telbarer Nähe gelegene Munitionslager, in denen sich fertige Geschosse befinden, ebenfalls von den Flam­men ergriffen würden. Die Ausmaße der Katastrophe wären in einem solchen Falle unabsehbar gewesen.

Aus allen umliegenden Ortschaften eilten sofort Feuerwehren herbei, denen es nach großen Anstren­gungen gelang, das Feuer auf seinen Herd zu be­schränken. Der Schaden beläuft sich auf m e h - re re Millionen Franken. Nach den letzten Meldungen soll die Gefahr vollständig beseitigt sei». Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen.

Das Eschweiler Llnglücksrevier

Zwei Tote und fürs Verletzte auf Grube Maria.

Eschweiler, 7. März.

Heute früh gegen 5 Uhr ereignete sich aus Grube Maria des Eschweiler Bergwerksverems in Maria- Herz ein schweres Grubenunglück. Eine Bauarbeiter­gruppe von sieben Mann war beim Abteufen des Sourmondschachres mit dem Einsetzen eines Ringes beschäftigt. Dabei schlug ein Arbeiter mit der Spitz­hacke in einem steckengebliebenen Sprengschutz. Der Schuß erplodierte und zwei Arbeiter wurden getötet. Die übrigen fünf wurden, zum Teil schwer verletzt, ins Krankenhaus geschafft.

Mehr Aktivität f

Berlin, 7. März.

Oberst a. D. von Oertzen beschäftigt sich in einem Artikel derE e r m a n i a mit dem Konventions­entwurf der Vorbereitenden Abrüstungskommisfion. Die Anwendung des Schemas des Vorbereitungsaus­schusses könne zu keiner Herabsetzung der europäischen Rüstungen führen, weil das Schema an dem wirk­lichen Rüstung^ >lde vorbeigehe und nur einige Symptome der rnüftung erfass«. Der Entwurf mutz, jo

schreibt Oberst von Oertzen, noch vor der Abrüstungs­konferenz durch einen anderen Entwurf ersetzt werden. Stillschweigen wäre ein großer Fehler.

Der öfseutlichen Kritik wäre ein anderer, besserer Entwurf zu unterbreiten.

Wir bekämpfen die Genfer Mißgeburt, weil sie die Ab­rüstungskonferenz non vornherein auf einen Holzweg führt. Wir bekämpfen den Abrüstungsentwurf, nicht, weil er für Deutschland besonders ungünstig wäre, sondern wir bekämpfen seine Unzulänglichkeit im In­teresse der gesamten europäischen Mlkerfamilie.

Oberst von Oertzen wendet sich gegen die Betrieb­samkeit der Länder, die in dem Genfer Schema den Stein der Weisen gefunden zu haben glauben und überall diese lleberzeugung verbreiten. Er

bedauert, datz bisher jede Gegenwirkung gegen diese Propaganda, auch von deutscher Seite aus, unterblieben ist.

Es erscheine geboten, datz Deutschland in bezug auf den Umfang seiner Rüstungen auf der Abrüstungskon­ferenz jedes vernünftige Entgegenkommen zeige. Un­möglich fei dagegen, daß Deutschland jemals seine Zu­stimmung dazu gebe, auch in Zukunft nach einer an­deren Methode behandelt zu werden als die anderen Länder. In der Frage der Aufrüstung mag es in Deutschland zweierlei Meinung geben, in der Frage der Deklassierung nicht. Einen Ausschluß aus der Reihe der gesitteten Nationen könnte. Deutschland nur damit verantworten, daß es den O r t verließe, wo man diesen Ausschluß verkündete, der dein Völ- kerbundsgedanken ins Gesicht schlüge.

th. Berlin, 7. März.

Der Fortgang der Etatsberatungen im Plenum des Reichstags ist jetzt dadurch etwas behindert, daß die verschiedenen Ausschüsse, insbesondere der Hauptausschuß des Reichstags, mit der Vorbe­reitung der einzelnen Haushaltstitel nicht schnell genug vorwärtsgekommen sind, so daß es dem Plenum alsbald an Veratungsstoff fehlen dürste. Deshalb wird das Plenum des Reichstags i n d e n er st en drei Tagen der nächsten Woche keine Sitzungen abhalten. Inzwischen werden die Ausschüsse vormittags und nachmittags arbeiten, um die zweite Lesung der noch ausstehenden Haus­haltskapitel aus dem Etat schleunigst zu ermöglichen.

Die Ausschüsse des Reichsrats haben in den letzten Tagen intensiv gearbeitet und eine große Zahl von Anträgen zum Osthilfegesetz behandelt, die von den verschiedenen Länderregierungen einge­bracht worden sind. Daraus sind vor allem die An­träge der preußischen Regierung hervor­zuheben, die sich auf die Organisation der Ofthilfe er­strecken, und die eine Reihe von Aenderungen wün­schen, welche bei der Landwirtschaft bereits wieder lebhafte Kritik hervorgerufen haben Andere Abän- derungswünsche sind z. B. von der sächsischen Re­gierung eingebracht worden, die dahin strebt, die säch­sische Landwirtschaft östlich der Elbe in die Osthilfe einbezogen zu sehen. Eigentlich wollte der Reichsrat heute mittag das Osthiljegesetz verabschieden, aber da die Ausschüsse mit den schwierigen Arbeiten noch nicht fertig geworden find, so wird diese mit besonderer Spannung erwartete Vollsitzung des Reichs­rates erst am Montag stattfinden. Dann wird auch über den kürzlich vom Reichstag angenommenen Antrag auf Wiedereinführung eines Gefrierfleischkon­tingents zu entscheiden sein.

Aus -er Stelle getreten!

th. Berlin, 7. März.

Die Verhandlungen, die zwischen Vertretern der Regierung und der Parteien über das Marine- bauprogramm uns die sozialdmeokrati- schen Ausgleichsforderungen geführt wer­den, find gestern nur wenig gefördert worden. Der Kanzler hat sich gestern an diesen Besprechungen auch nicht mehr beteiligt, sondern es hat lödiglich eine Un­terredung des Arbeilsministers Dr. S t e g e r w a l d mit den Verttetern der Sozialdemokraten stattge­funden.

Dieser Umstand wird in parlamentarischen Kreisen als ein deutliches Zeichen dafür angesehen, daß die bekannten steuerpolitischen Forderungen der Sozialdemokraten, über die wir bereits

W. P. Was sich jetzt in der großen Politik abspielt, sind Vorgefechte, Patrouillenvorstöße, die ab und an von einem kurzen Wirkungsfeuer unterbrochen wer­den, das auf die gegnerischen Stellungen gelegt wird. Die Entscheidungen werden vorbereitet gefällt wer­den sie darin dürften die Propheten recht behalten nicht vor dem nächsten, vielleicht sogar erst im übernächsten Jahre. Wie dem auch setz die Vorberei­tungen sind so lebhaft im Gange, daß es doch wohl notwendig ist, das für diese Sonntagsbetrachtung vor­gesehene innenpolitische Thema noch einmal zu verta­gen und sich mit der Tätigkeit der Herren Außen­minister etwas eingehender zu beschäftigen. Fast ein halbes Dutzend von ihnen hat im Laufe dieser Woche bei der öffentlichen Meinung seine Karten abgegeben und vor der Vielumworbenen seine An­sichten und Pläne vorgetragen.

Briand, Curtius, Hymans die unent­wegten Optimisten unter uns haben aus den Reden dieser drei einenhoffnungsvollen Dreiklang" heraus­lesen wollen. Es gehört in der Tat schon eine ganze Portion Unentwegtheit dazu, um die Unterschiede in Melodie und Text, die, wie uns scheint, die Wiener, Pariser und Brüsseler Sendungen doch recht deutlich voneinander abhoben, einfach zu überhören. Schließ­lich sollten wir es ja auch inzwischen gelernt haben, daß selbst unter Begriffen wieFrieden" undAbrüstung" heute noch recht Verschie­denartiges verstanden wird. Wenn der deutsche Außenminister vomFrieden" spricht, dann denkt er an eine zukünftige Ordnung der Dinge, die den GrundsatzGleiches Recht und gleiche Sicherheit für alle" verwirklicht hat, und in konsequenter Wei-

berichtet haben, voraussichtlich keine Aussicht aus Einigung eröffnen. Dagegen wendet man sich jetzt vor allem in diesen Unterredungen dem f o - zialpolitische« Teil der Ausgleichswünfche der SPD. zu, bei denen eine Einigung anscheinend leich­ter möglich ist, als bei den von den bürgerlichen Mit­telparteien abgelehnten Steueranträgen der SPD. In diesen Fragen wird jedoch ebenfalls erst in der nächsten oder übernächsten Woche eine endgültige Ent­scheidung zu erwarten fein, da alle diese letzten Be­schlüsse über Kompensationssorderungen, Marinebau­programm, Etat- und Osthilfegesetze, sowie Agrar- maßnahmen voraussichtlich in einem untrennbaren Zusammenhang mit einander stehen, so daß die Ent­scheidung über diesen Gesamtkomplex nur in einem einzigen Zuge gesunden werden wird.

Proteste gegen die Gesrierfleischeinfuhr

Berlin, 7. März.

Nachdem im Bayerischen Landtag von fast allen Parteien gegen die Gefrierfleischeinfuhr protestiert worden ist, erklärte Staatsminister Dr. Stützt, einer Meldung desBerliner Lokal-Anzeigers" zu­folge, datz die bayerische Regierung von sich aus be­reits beschlossen habe, im Sinne des Bayerischen Landtages ihren Bevollmächtigten beim Reichsrat zu beauftragen, gegen die Zulassung von Gefrierfleisch, wie sie vom Reichstag beschlossen worden sei, zu pro­te st i e r e n.

Im sächsischen Landtag Hai die Reichs- Partei des deutschen Mittelstandes, wie das genannte Blatt aus Dresden berichtet, den sächsischen Mini­sterpräsidenten in einem Schreiben ersucht, die säch­sischen Reichsratsbevollmächtigten ebenfalls zu ver­anlassen. gegen die Einfuhr der 50000 Tonnen Ge­frierfleisch zu stimmen.

Kölner Episkopat

gegen Nationalsozialismus

DieKölnische Volkszeitung" veröffentlicht in ihrer heutigen Morgenausgabe eine vom Erzbischof in Köln und sämtlichen Bischöfen der Kölner Kirchen- Provinz unterzeichnete Erklärung, die sich gegen den Nationalsozialismus wendet.

In der Erklärung heißt es u. a., daß die Unter­zeichner im Bewußtsein ihre Pflicht ihre Diözesanen auf die mit der nationalsozialistischen Bewegung für katholisches Denken und Leben entstandene Gefahr aufmerksam machen, mahnend ihre Stimme erheben und mit tiefem Ernst vor dem Nationalsozialismus warnen, solange und soweit er eine kulturpolitische Auffassung kundgebe, die mit der katholischen Lehre nicht vereinbar sei.

terführung dieses Gedankens muß für ihn der Be­griffAbrüstung" ganz etwas anderes bedeuten als das, was in dem Konventionsentwurf der Vorberei­tenden Abrüstungskommission an unzureichenden Maß­nahmen produziert ist. Aristide Briand aber glaubt an diese Rezepte, und man tut ihm auch kein Unrecht, wenn man behauptet, datz sich sein Friedensideal ihm selbst vielleicht unbewußt heute den im Ver­sailler Vertrag verwirklichten Gedanken weitgehend angepaßt hat. Gewiß wird es ihm nicht sympathisch gewesen sein, die tolle Attacke, die sein Kollege aus dem Kriegsministerium kürzlich geritten hat, verteidi­gen zu müssen, und er hat sich denn auch in manchen Punkten erfreulicherweise von Herrn Maginot distan­ziert. Aber immerhin: Er hat ihn verteidigt, und er hat ein politischer Rastelli dabei beispielsweise sogar das Kunststück fertig gebracht, das von Maginot zur Landesverteidigung eingeführte militärische System" als einen Beitrag zum Werk der Abrüstung zu charakterisieren.

Was den Eleichklang der deutschen und franzöfischen Politik stört, läßt sich am einfachsten mit dem Wort Versailles" kennzeichnen. Für Frankreich ist das Friedensdiktat ein unerschütterliches Dogma, an dem es festhalt, weil ihm dadurch seine heutige Macht­stellung gewährleistet wird, und nur in einem Punkte weicht es von diesem Dogma ab: In jenem einen Punkte nämlich, der uns nach den Hundetteu von Verpflichtungen und Belastungen ein Recht das Recht, auf Grund der deutschen Abrüstung allge­meine Abrüstung verlangen zu können c; .aumt! Deutschland aber muß von Versailles wegstreben zu einer gerechteren, freieren Gestaltung der politischen Verhältnisse Europas. Um seiner selbst mitten und um des europäischen Friedens willen, den nichts so sehr gefährdet wie das in Versailles verewigte Un­recht! Und so gern wir anerkennen, daß Aristide Bri­and in der Auseinandersetzung mit seinem ewige« Kontrahenten Franklin-Bouillon mutig für den Ge­danken einer deutsch-französischen Annäherung ringe-, treten ist, so angenehm mir von seinen Ausführungen zur Kriegsschuldfrage, aus denen man wenigstens ein gewisses Verständnis für die deutsche Auffassung heraushüren konnte, berührt find über die G r u n d, Voraussetzungen einer deutsch - franzö­sischen Zusammenarbeit scheint fich auch Frankreichs Außenminister keine richtige Vorstellung zu machen, und es ist bezeichnend, daß dreihundert nationalistische Abgeordnete für die BliandscheVer­ständigungspolitik" stimmten.

Vierundzwanzig Stunden nach der Briandrede im Palais Bourbon hat Reichsaußenminister Dr. Eur- tius in Wien einmal mehr diese Forderungen, die Deutschland an Frankreich und Europa hat, in der vorsichtigen Art, die sein Tun und Reden charakteri­siert, formuliert. Er hat von der Wirtschaftswidrig­keit der Reparationen gesprochen, er hat sich Herrn Maginot ins Stammbuch! gegen die Verquickung der Abrüstungsfrage mit der Kriegsschuldlüge gewen­det, er hat die unerschütterliche Freundschaft Oester­reichs und Deutschlands, der beiden Staaten, die ein Volk umschließen, gefeiert, und er hat schließlich, auch darin mit seinem Wiener Amtsbruder völlig einig, den Sinn der deutschen Friedenspolittk, die nichts weiter als Gleichberechtigung und gleiche Sicherheit für alle Völker verlangt, erläutert Und wir stellen zwei Tatsachen einander gegenüber: In Paris verkündet Aristide Briand den aufhorchen- den Kammermitgliedern, daß die Anjchlußbewe- g u n g im Abflauen begriffen fei, und daß damit (roer will, kann daraus eine Drohung herauslesen!) die Kriegsgefahr, zu der sich dieseGefahr des Anschlusses" hätte auswachsen können, beseitigt sei. In Wie« aber erweist sich zu gleicher Zeit bei dem Besuch des Reichsaußenministers eindrucksvoll die lebendige Kraft des Anschlußgedankens, dem Frankreich, das in Mit­teleuropa ebenso wie in allen anderen Teilen des Kon­tinents keine neue Bewegungen wünscht und den ftatus quo auf jeden Fall erhalten will, aus durchsichtigen Gründen sein baldiges Ende voraussagt Gleichklang der deutschen und französischen Politik, hoffnungs­voller Eleichklang? Auch diese Gegenüberstellung fühtt doch wohl zu anderen Schlüssen.

Aber nicht nur von einem Zweiklang, sondern so­gar von einem Dreiklang war die Rede: Der dritte Außenminister, der in dieser Woche die öffentliche Meinung um Audienz bat, war Paul Hymans, bel­gischer Liberaler, sattelfester Parlamentarier, Vertre­ter Belgiens auf der Versailler Friedenskonferenz und einer der gewandtesten Tänzer auf dem Genfer Par­kett. Hymans war schon einmal vor Jahren Außen­minister, und als er damals, im Herbst 1920, von sei­nem Poften zurücktrat, geschah das, weil sich das Ka­binett dem Transport französischer, für Polen be­stimmter Waffen durch Belgien widersetzte. Das Thema der Rede, die Hymans am Mittwoch hielt, steht mit den Dingen, die einst feinen Rücktritt ver-

Das Osthilfegesetz im Reichsrai

preußische und sächsische Abänderungswünsche / Vollsitzung erst Montag