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53 ' Gnundzwanzigster Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch 4. März 1931 '2. Beilage

3um Gedenken an die hewrnhasterr Verteidiger von Tsingtau

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Em deutsches Kriegerdenkmal für die Gefallenen von Tsingtau (China) wurde im Mittel­punkt des ehemals deutschen Besitzes Kiautschau errichtet. Bekanntlich haben sich die deutschen Truppen in Tsingtau vom Juli bis zum November 1914 gegen die Uebermacht der Japaner halten können.

Zeppelin ankert am Mast eines Kriegsschiffes

Um ein enges Zusammenwirken von Luftschiff und Kriegsflotte zu ermöglichen, ist das ameri­kanische KriegsschiffPatoka" mit einem Zeppelin-Ankermast versehen worden. Bei den dies­jährigen Flottenmanövern am Panamakanal wurde diese Einrichtung zum ersten Male praktisch erprobt.

Mord unter der (§rde

Ein amerikanischer Millionär in seiner »Höhlenwohnung" erschossen

Neuyork, 3, März.

Das Detektiv-Departement von Neuyork steht gegenwärtig vor einer Mordaufklärung, die zu den seltsamsten Fällen der Kriminalgeschichte überbaupt gehört. In seinem Hause auf der Grand Street wurde der Millionär John Ridley zusammen mit einem alten Diener erschossen aufgefunden. Die Tat mutz bereits vor Tagen erfolgt sein. Von den Mör­dern fehlt bisher jede Spur. Der Mord selbst ge­schah in einer sehr luxuriösen Höhlenwoünung, die sich Ridley unter dem Keller seines Hauses erbaut hatte und in der er völlig weltabgeschieden und men­schenscheu seinen Lebensabend verbrachte.

Der Aufstieg Ridleys ist ebenso ungewöhnlich wie sein Tod. Aus den bescheidensten Anfängen arbei­tete er sich zu einem der geschicktesten Spekulanten der Neuyorker Börse empor. Er begann als Lauf­bursche in einem großen Warenhaus, wurde Ver­käufer, Abteilungsleiter, Direktor. Ms er das nötige Geld zusammen batte, gründete er billige Warenhäu­ser in den ärmeren Stadtteilen Neuyorks, die große Gewinne abwarfen. PlMtastifche SpekulgMnez^ou der Börse mehrten sein Vermögen sof daß er nm 56 Jahren sich als vielfacher Millionär betrachten durfte. Trotz der geschäftlichen Erfolge wurde Ridley jedoch immer einsamer und menschenscheuer. Rach dem Tode seiner Frau zog er sich vollends von aller Be­schäftigung zurück. Er verkaufte seine Warenhäu­ser und behielt nur das Haus in der Grand Street und von allen früheren Bediensteten und Bekannten nur einen alten Diener in seiner Umgebung, der ihm mehr Freund als Diener war.

In seinem tiefen Menschenbaß verwirklichte Rid­ley nun einen phantastischen Plan. Unter seinem

14 Waggons deutsches papiergeld

Um das deutsche Kriegs-Papiergeld in Belgien.

A. S. Brüssel, 4. März.

Belgischen Blättermoldungen zufolge haben sich die belgischen Behörden nunmehr entschlossen, das aus dein Kriege stammende von Deutschland ausae- gebenc Papiergeld im Betrage von sieben Milliarden Franken, die bisher immer noch in den Kellern der belgischen Nationalbauk in Brüssel und in Antlver- pen lagerten und die der Gegenstand langwieriger diplomati" 8er Verhandlunccn zwischen Deutschland und Belgien waren, einstampfen zu lassen. Es soll sich um riesige Menaen Papier handeln, die 14 Eisen­bahnwaggons füllen und zusammen 140 Tonnen wiegen. Zunächst bestand die Absicht, das Parier zu verbrennen oder ein Schiff zu mieten, um die Geld­scheine inmitten des Ozeans zu versenken; doch kam man aus grundsätzli^en Erwägungen von diesen Plänen ab. Man hat jetzt die Lösung gefunden, daß eine große belgische Papierfabrik unter Aussig' von Vertretern des Finanzministeriums, der belgischen Nationalbank und der Reichsbank die Geldscheine einstampsen und zu neuem, reellem Papier verwan­deln soll.

Oer Bigamist

Drei Frauen bitten für sein Leben.

Das Todesurteil gegen den Mörder und mehrfa­chen Bigamisten Artur Ro-use aus Lonoon ist jetzt an den englischen Appellations-Gerichtshof weirergeleilet worsen. Die Frage der Begnadigung soll bereits in dieser Woche entschieden Wersen. Rouse war zum Tode verurteilt worden, weil er einen fremden Men­schen in sein Auto gelockt, ihn dort getötet und nach­her verbrannt hatte, um dann selbst für den Toten gelten zu können.' Er hoffte auf viessm Wege das

Hause ließ er eine geräumige unterirdische Kammer erbauen, die sechs Meter unter der Erde lag und mit der Oberwelt nur durch einen sehr schmalen Gang und eine Wendeltreppe verbunden war. Die Wände der Kammer waren aus Metall und schall­dicht abgeschlossen. Kein Geräusch yon der Oberwelt drang in diese Tiefe. Im übrigen verzichtete Ridley nicht auf gewissen Lurus. Der Boden seines Tus- kulums war mit prallvollen Smyrnateppichen be­deckt, eine elektrische Lüftungsanlage sorgte für stets frische Luft. An den Tapeten hingen wertvolle Ge­mälde. Zeitungen oder gar Telefone waren in die­sem unterirdischen Raum verpönt. Nur alte Ro­mane wurden geduldet, über denen der Menschen­scheue stundenlang brütete. Die Bedienung erfolgte ausschließlich durch den alten Diener. Ridley selbst verließ fast nie die Kammer.

Durcb einen Bedienten, der alle vier Tage Lebens­mittel in die unterirdische Kammer hinunterzuk^»af- fen hatte, wurde vor wenigen Tagen das Verbrechen an Millionär und Diener entdeckt. Als sich niemand meldete und der Speiseträger bis- in- den .Caupt- räum selbst vorvrang, fand er dort den Millionär und seinen Gesährten erschossen auf dem Boden lie­gend. Ein Tresor an der Wand, in dem Ridley größere Geldsummen ausbewahrte, war gewaltsam erbrochen und verriet einen Raubmord, lieber die Person des Täters tappt die Polizei vorlausio noch völlig im Dunkel. 'Sie versucht gegenwärtig, alle Be­kannten Ridleys sestzustellen, die über das seltsame Leben des Einsamen unterrichtet waren. Auch in den Kreisen der - Arbeiter der unterirdischen Kam­mer werden Nachforschungen angestellt. Irgendein Verdacht hat sich bisher nicht ergeben.

nötige Geld zu erlangen, um seine Verpflichtungen gegen drei Frauen, mit denen er gleichzeitig die Ehe eingegangen'war, erfüllen zu können.

Trotz der fürchterlichen Tat hatte die Gerichtsver- hawdlung so viel positive Züge an dem Mörder zutage gefördert, daß jetzt von den verschiedensten Seiten das Appellationsgericht um Gnade angegangen wird. Am erstaunlichsten ist dabei das Verhalten der drei Frauen, die ihren Geliebten mit allen Mitteln noch im letzten Augenblick vor der Exekution, die eigentlich schon am Ende der vorigen Woche hätte stattfinden sollen, bewahren wollen. In einem gemeinsamen Gnadengesuch flehen sie sogar den König um sein Eingreifen an. Die erste Frau, deren Ehe die allein gültige war, schreibt:Was immer geschehen mag, ich werde immer an Artur glauben. Er gehört zu mir und ich zu ihm." Die zweite erklärt:Ich kann nicht glauben, daß er ein Mörder ist. Er war zu edel und fein, als daß er eines solchen Verbrechens fähig wäre. Ich werde immer an seine Unschuld glauben." Und die dritte versichert schließlich feierlich:Die Welt mag ihn verdammen. Ich aber liebte ihn als Weib zehn Jahre lang und werde ihn immer lieben. >>ch lasse nicht von ihm."

Gesehes-Kuriosa

b." Berlin.

Im Reichsgesundheitsamt liegt ein Entwurf zum neuen Arzneimittel-lÄsetz. Das Gesetz ist wahrschein­lich notwendig, sonst hätte man es nicht entworfen. Aber es soll Einzelheiten enthalten, Sie sebr merk­würdig unv sehr komisch sind und ergötzliche Per­spektiven eröffnen.

Willst du zu in Beispiel zum Zwecke einer äußer­lichen Einreibung eine Mischung von zwei Teilen Terpentin und einem Teil Salmiakgeist haben, so darfst du nicht deinen Drogisten, wie du es bisher tatest, ersuchen, die diese Mischung in ein Fläschchen zusammen zu schütten. Du wirst dir vielmehr die zwei Teile Terpentin, den einen Teil Salmiak in ie ein gesondertes Fläschchen in einem dritten Fläsch­chen vereinen.

Das Verfahren ist umständlich, aber das neue Ge­setz will es so haben. Das Gesetz behauptet, Terpen­tin und Salmiak seien, jedes für sich, Drogen, also dürfe der Drogist sie feilhalten. Vereint seien sie aber ein Arzneimittel, also dürfe der Drogist sie nicht feilhalten und der Kunde sie nicht beim Dro­gisten kaufen, weil beide sich in diesem Falle strafbar machen. Niemand kann aber den Kunden hindern, sich das Arzneimittel nach getätigtem Einkauf selber herzustellen.

Aehulich liegen die Dinge, wenn dein von Krämp­fen geschüttelter Bauch nach einer wohltuenden Mi­schung von Sennesblätter- und Psefserminz-Tee ver­langt. Der Drogist darf dir die Mischung nicht ver­abfolgen. denn die Mischung ist ein Arzneimittel. Da­für wird er dir jede Sorte einzeln verkaufen, denn einzeln ist sie kein Arzneimittel. Und dann wirst du dir beide in eine Tüte schütten.

Und so weiter und so weiter.

Du mußt wissen, daß das Leben noch viel zu leicht ist und daß wir noch viel zu wenig Sorgen haben. Dem muß abgeholsen werden. . .

Kleine Lbronjk

Das Berliner Schwurgericht verurteilte heute den beschäftigungslosen angeblichen Reisenden Schlawe, der am 18. Januar in Lankwitz einen Raubiibersall auf zwei Frauen verübt und dabei eine von ihnen nieder­geschossen hatte, wegen -amuberischer Erpressung in Tateinheit mit versuchtem Totschlag zu acht Jahren drei Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.

In dem bekannten Weinort Thörnich an der Mo­sel ereignete sich ein Bergrutsch, bei dem sich viele hundert Kubikmeter Boden loslösten und lawinen­artig ins Tal stürzten. Sie rissen Weinstöcke und Mauern mit sich. Der Schaden ist beträchtlich.

Neubrandenburg in Mecklenburg-Strelitz, die Stadt Fritz Reuters, feiert vom 7. bis 9. März die 300jährige Wiederkehr der Erstürmung und Zerstö­rung durch die Kaiserlichen Tillys. Man mutz die Feste feiern, wie sie fallen.

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Die Dresdener Polizei hat einen großen Schwin­del mit Altbesitz-Anleihe aufgedeckt, der von Holland aus verübt worden ist. Größere Poften Staats- und Provinzanleihen wurden in Deutschland aufgekauft und wegen der höheren Aufwertung in Altbesitz umfrisiert". Der Hauptbeteiligte hat damit über eine halbe Million verdient.

Die Statistiker behaupten, daß die Großstadtfami- lien sehr bald, gewöhnlich schon in der dritten Ge­neration aussterben. Ein K :ndiges Gegenbeispiel ist der französische Kolititer Andre Tardieu, dessen sämtliche 'Ahnen, schon seit 342 Jahren Pariser Bür­ger gewesen sind.

Eine Art Radio-Schienen für Flieger, die im Nebel über den Kanal fliegen müssen, ist von der französischen Küste aus eingerichtet worden. Zwei Sender senden zwischen Calais und Dover ständig Morsezeichen F und L. Fliegt der Flieger zwischen beiden Strahlen, so hört er ein Brummen im Kops­hörer, toeiebt er aber nach einer Richtung ab, so hört er F oder L und weiß dann sofort, welchen Kurs er fliegen muß.

Sämtliche Ausi'-btsräte einer der größten eng­lischen Textilgesellschaften, der Bradford Dyers Asso­ciation, haben auf ihre Tantieme in Höhe von je 40000 Mark verzichtet, weil das vergangene Jahr das schlechteste seit Gründung der Gesellschaft ge­wesen sei.

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Auf einem See in Westschweden brach ein Auto mit sechs Passagieren an einer Stelle ein, an der kürzlich Eisblöcke ausgesägt worden waren. Vier Personen, darunter drei kleine Kinder, ertranlen, der Chauffeur und ein Knabe konnten sich retten.

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Ein Brand, der um Mitternacht in einem alten Theatergebäude von Mexiko-City ausbrach, hat 14 Personen das Leben gekostet, während bei der furcht­baren Panik, die unter den Zuschauern entstand, 20 Personen verletzt wurden.

Aus aller Wett

Zweimal zum Tode verurteilt

, * Rudolstadt, 4. März.

Der Landwirt und Maurer Berthold Koppe aus Zwabitz bei Kahla wurde vom Rudolstädter Schwur­gericht wegen Doppelmordes zweimal zum Tode ver­urteilt. Koppe hatte im Jahre 1917 feine Haushäl­terin, mit der er enge Beziehungen unterhalten hatte, in die Saale gestoßen und ertränkt. Im April 1930 hatte er feine zweite Frau vorsätzlich und mit lieber« legung getötet und die Leiche im Räucherofen seines .Anwesens in Zwabitz verbrannt.

Das polar-Lt-Boot

I Die Vorbereitungen für die Nautilus Fahrt.

C 8. Neuyork, 4. März.

Im Laufe dieser Woche sollen an der amerikani­schen Küste bei New Londcn im Staate Connecticut die Versuchsfahrten mit dem neu ausgerüsteten UnterseebootNautilus", das früher der Marine oer Vereinigten Staaten angehörte, beginnen, mit dem Sir Hubert Wilkins im Sommer seine abenteuerliche Fahrt unter der Eisdecke der Arktis von Spitzbergen nach Kanada machen will. Wenn die Versuchsfahr­ten zufriedenstellend verlaufen, will Wilkins im Mai die Fahrt nach London antreten Die Fahrt soll über die Azoren gehen, und man hofft, sie in zwei Wochen zu bewerkstelligen. In London sollen die eigens angefertigten wissenschaftlichen Instrumente für die Expedition an Bord genommen werden und vcn dort aus soll die Fahrt nach Spitzbergen weiter­gehen. Es ist beabsichtigt, Ansang Juli von der Ädventsbai auf Spitzbergen aufzubrechen. Sir Hu­bert Wilkins hofft, die 2100 Meilen nach der Bering­straße unter der Eisdecke in sechs Wochen zurückzu- legen.

Sir Hubert und Lady Wilkins.

An der phantastischen Fahrt des UnterseebootsNau­tilus" zum Nordpol nimmt nun auch Lady Wilkins (die Schauspielerin Bennett) teil, die ihren Gatten, den sie erst vor kurzem heiratete, bei dem gefahrvollen Untern-hmen nicht verlasien will.

...ojflallerlei Sotten MchWe gibtj, aber nur einen Kathreiner / Den echten- dm mit dem Bilde »es Pfarrers Kneipp... Der iöehnlt mnchfs/