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Kasseler neueste Nachrichten
Dienstag, Z. März 1931
Berlin, 3. März.
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Weinberger: „Die geliebte Stimme"
Opern-Uraufführung in München.
Tiefstand der Krise erreicht?
Gtegerwald greift im Haushaltsausschuß erneut in die Debatte ein
Berlin, 3. März.
Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde am Montag die Aussprache über den Haushalt des R et chsarbeits Ministeriums fortgesetzt.
Der staatsparteiliche Abg. Schneider-Berlin bedauerte, daß sich im Gegensatz zur Lohnsenkung der Preisabbau nur in engen Grenzen bewege. Das Problem der Arbeitszeitverkürzung dürfe nicht so zaghaft angepackt werden. Auch gegen die moralischen Folgen der Arbeitslosigkeit seien Maßnahmen notwendig. Der Redner des Christlich-Sozialen Volks- dicnstes, Abg. Schmidt-Kassel, bezeichnete als ein weiteres MittÄ die Zurückdrängung der fremden Arbeiter. Die freiwillige Arbettsdienstpfltcht sei immerhin erwägenswert. Auch der Vertreter des Landvolks, Abg. D ö brich, war der Auffassung, daß angesichts der großen Arbeitslosigkeit nach Möglichkeit überhaupt keine ausländischen Arbeitskräfte in Deutschland beschäftigt werden sollten.
Dann nahm Reichsarbettominister Dr. -Stegerwald erneut das Wort, um auf die Ausführungen in der Aussprache einzugehen. Er stimmte dem sozialdemokratischen Abg. Großmann zu, daß neben der Hilfe für die Landwirtschaft auch die Wirkungen aus die Ausfuhr berücksichtigt werden müßten. Die landwirtschaftliche Hilfe könne nicht allein in einem hohen Zollschutz bestehen. Von der Arbeitszeitverkürzung sei Großes und Entscheidendes nicht zu erivarten, zumal nur noch gut die Hälfte der Arbeitnehmer voll beschäftigt sei. Bei allen Maßnahmen müsse immer wieder bedacht werden, daß cs sich nicht nur um die Behebung einer deut, scheu Krise bandele, sondern daß wir in eine große Weltwirtschaftskrise verstrickt seien. Seit Januar habe die Arbeitslosigkeit in geringerem Maße zugenommen als im vergangenen Jahr. Stärker auf die innere Krise hätten die Reichs- tagswahlcn eingewirkt. Große Kapitalien seien dem .Jnlandsmarkt entzogen worden, wodurch die Arbeits- losigkett um etwa 100000 vermehrt worden sei.
Um über die Krise Hinwegzukommen, stehe di« Reichsregierung nach der Vertagung des Reichstages vor großen und schweren Tagen. Einmal sei die Sanierung der Gemeinden notwendig, w«i-
5000 junge Schauspieler sind brotlos
Auch ein Beitrag zur Not des deutschen Theaters
Nochmals der Remarquefilm!
Innenpolitische Aussprache im Reichstag
Im R e i ch s t a g begann am Montag die z Beratung- des Haushalts des Reichst Ministeriums. f ' ' ' '*
_ ®,c Bayerrsche Staatsoper hat „Die geliebte Attmme von Jaromir Weinberger mit außergc- wohnlich großem Erfolg zur Uraufführung gebracht; das Publikum spendete Beifall durch viele Minuten
Berlin. 3. März.
In den Warteräumen der Bühnenvermittlungs« büros sitzen Tag für Tag ein paar hundert Menschen. Manche find schon über sechzig, viele im besten Alter.. aber die Mehrzahl, das find die Jungen zwischen fünf» «ndzwanzig und dreißig, die beinahe seit einem Jahr täglich wiederkommen und vergeblich auf eine Anstellung warten. Die Vermittlungsstellen der Bühnen- genossenschaft tun alles, was in ihrer Macht liegt, um diesen Menschen zu helfen — aber es gibt heute ia Deutschland kaum einen Platz mehr für den jungen Schauspieler.
Jemand erzählt: Es gibt eine Vereinigung junger Schauspieler, die in ihren ärmlichen möblierten Zimmern Aufführungen veranstalten, nur um der Illusion willen, einmal auf der Bühne zu stehen, nur um überhaupt einmal Theater spielen zu können...
Dicht am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin gibt es ein Schauspielerheim, in dem für 70 Pfennige ein Mittagbrot verausgabt und gemütlicher Aufenthalt geboten wird, wo Bücher ausgeliehen werden usw. Von den Büchern, die es umsonst gibt, wird wett mehr Gebrauch gemacht als von dem Mittagessen...
Im Büro der Bühnengenossenschaft fitzt man einem älteren Herrn gegenüber, der seit vielen Jahren im Verband an führender Stelle tätig ist und der die Lage der Schauspieler genau kennt. Er berichtet sachlich beinahe trocken über die Not der Bühnenangehörigen:
Von 15 000 Schauspieler«, die es i« Deutschland gibt, sind mindestens 5000 dauernd beschäftigungs
los.
Die Statistik kann dabei noch nicht einmal sagen, ob chie „£ur$arbeit" oder die Erwerbslosigkeit im Bühnengewerbe überwiegt...
Am schlimmsten find die Jungen dran. Nicht bte eigentlichen Anfänger, die mit oen Kursen in der Bühnenschule gerade fertig geworden find — für sie gibt es oft noch eine Tätigkeit. Denn diese Schauspiel- Eleven erhalten ja noch keine »olle Gage. Nach zwei oder drei Jahren erst, wenn die Jungen die volle Gage echalten sollen, werden sie zumeist auf die Errahe gefetzt. Es hat sich im Bühnengewerbe geradezu ein«
• EUe» . eher Venn aktuell. Das deutsche Bewußtsein ^csterreichs ist nicht schwächer als in den Tagen des Umsturzes, va Grotzdeulschland via facti hätte gesckwf- len werden könne». Jmnicrhtn: wer so hellhöriq ist, wie phrafenlos nationales Gewissen cs vorschreibt, Mhlt das Gespenst der „Berschweizerung" ~cftcrm<$)5 umgehen. In den Herzen der Genera- uon, Vie nun heranwächst, wird das großdeutsche Schicksal entschieve». Entwickeln stch die Dinge im Sinne der Annäherung, der Angleichung des Zusammenwirkens, ist Vic österreichisch deutsche Schicksalsge- «neinschaft gesichert. Lassen wir die Dinge laufen, wie sie gerade laufen, kann es geschehen, daß irgendeines Tages, kaum daß man's merkt, eine Enrfrem- dung da ist, eine Verschiedenheit der Interessen, ein luftleerer Räum zwischen Passau unv Braunau, der unüberbrückbar wäre.
Haben wir eben geweint, daß Dr. Curkius' Wiener Besuch eine ^sachliche Aussprache zwischen vesreundeken Staatsmännern sein wird unv so, unter bewußtem Verzicht auf alle Fanfarenklänge weniger als eilte Demonstration, so ist er doch weit mehr al« elne Demonstration, wenn man die Dinge unter dem größeren Gesichtspunkt seelischer und ökonomischer Entwicklung betrachtet. Eurtius wird sich mit den österreichischen Staatsmännern, mit Bundeskanzler Dr. Ender und mit 6cm Vizekanzler und Außen- Minister Dr. Schober in jener Ruhe, die allein aus vem Bewußtsein tiefer Gemeinsamkeit erwächst, über all die Fragen aussprechen, die zu kleinen Enttäuschungen und Mißverständnissen Anlaß gegeben haben mochten. Wir bedauern sehr, daß nicht auch ein maßgebender Vertreter der Preutzenregierung an dieser Aussprache teilnimmt, nicht allein um darzutun, wie le-
Von den Sozialdemokraten ist eine Entschließung eingegangen, die verlangt, daß die Reichs-, Staatsund Eemeindebeamten, die zur Wahrnehmung ihres Reichstagsmandats beurlaubt sind, wieder zum" Dienst herangezogen werden, wenn fie — wie jefct die nationalsozialistischen und dentschnationalsn Abgeordneten — ihre Obliegenheiten als Abgeordnete nicht erfüllen.
Die Christlichsozialen haben einen Reichsschulgesetz- enttomf eingebracht, um durch seine Ausschußüberweisung diese Frage wieder in Fluß zu bringen. Don der Deutschen Volkspartei sind Anträge zur Reform der Reichsverfassung eingegangen.
Dje Aussprach« wurde eingeleitet durch den Zentrumsabgeordneten Dr. Schreiber, der Schutz vor dem Kulturbolschewismus verlangte und mit scharfen Angriffen gegen die Deutschnationalen und Nationalsozialisten die Regierung aufforderte, mit größerer Rücksichtslosigkeit als bisher allen radikalen Bestrebungen entgegenzittreten, durch die die Bürgerkriegsgefahr heraufbeiiyworen werden könnte.
Der Sozialdemokrat Schreck, der eine bessere politische Schulung der Jugend forderte, wandte sich scharf gegen das Verbot des Remarquefilms und forderte die Regierung auf, bei einer Neuvorlegung diesen Film zuzulassen.
Der volksparteiliche Abgeordnete v. Kardorff betonte die Notwendigkeit, durch strenge Disziplinar- maßnahmen für einen besseren Ton im Reichstag zu sorgen. In der Frage des Filmverbots billigte er die Haltung des Mtnifters, Er trat bann für die Verfassungsreformanträge seiner Partei ein und bedauerte, daß durch die Erfordernis der Zweidrittelmehrheit Verfassungsänderungen im Deutschen Reichstag so schwierig gemacht worden seien.
Abg. P e tz 0 l d von der Wirtschaftspartei, der die Zulassung des Remaque-Films wenigstens für geschlossene Veranstaltungen forderte, verlangte energische Sickerung der Ruhe und Ordnung und eine tatkräftige Förderung der Schulungsmöglichkeiten im Kunsthandwerk.
Abg. D. Mumm vom «hristlichsozialen Volksdienst stimmte dem Zentrumsredner in seinen Ausführungen gegen Kulturbolschewismus und Bürgerkriegshetze zu. Er verlangte anderseits Verständnis
Um den Film »Im Westen nicht» Neues". Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat einen Antrag eingebracht, nach dem der Reichstag das Verbot des Films „Im Weste» nichts Neues" sachlich für nicht begründet halten und die Erwartung a»s- sprechen soll, daß die Reichsregierung alle Vorberci- tunoen trifft, um die Prüfung des Bildstreifens zu beschleunigen, wenn er durch den Hersteller erneut vorgelegt wird — Außerdem haben die Sozialdemokraten eine Ergänzung des Lichtspielgcsetzes dahin beantragt, daß Bildstreifen, gegen bereit unbeschränkte Vorführung Versagungsgründe vorliegen, zur Vorführung wenigstens vor bestimmten Perso- nentreifen oder unter beschränkenden Vorführungsbedingungen zugelaffen werden sollen.
Aenderung derReichs-erfaffung!
Die Reformanträge der Deutsche« Bolkspartei.
Berlin, 3. März.
Di« Deutsche Volkspartei hat, wie gestern schon angekündigt wurde, im Reichstag einen Gesetzentwurf zur Abänderung der Reichsverfassung eingebracht. Danach fall das Wahlalter von 20 «uf 25 Jahr« herausgefetzt werden. Ter Artikel 24 foH folgende Fassung erhalten: „Der Reichstag wird vom Reichspräsidenten berufe« und geschloffen. Die Berufung muff alljährlich, und zwar fpätestens auf den erste» Mittwoch des November «ach dem Sitze der Reichsregierung erfolgen".
Schließlich fall folgender Artikel 51 a eingeschaltet werden: „Der Reichspräsident ist zugleich Oberhaupt des Landes Preußen. Ihm stehen tn preußischen Angelegenheiten die Rechte zu, die sich durch stnngemätzc Anwendung der Borschriften der Artikel 24, 25, 44, 46, 49, 53, 55, 70, 72 bis 74 auf das Land Preußen ergeben. Das Nähere regelt ein preußisches Landesgesetz. Kommt ein solches Landesgesetz nicht innerhalb dreier Monate nach dem Inkrafttreten dieses Artikels zustande, so er- folat die Regelung durch ein Reichsgesetz".
Es handelt sich hierbei um die sinngemäße lieber- tragung aller Befugnisse, die dem Reichspräsidenten nn Reich« znstehen, auf Preußen, alfo um die Berufung des Prenß. Landtages, feine Schließung und Auflösung, das Ernennungsrecht für die prenß. Beamten, das Begnadigungsrecht, die Berufung des preußischen Kabinetts, die Ausfertigung der preußi, fchen Gesetze und den Volksentscheid.
für die Verzweiflungsstimmung der Arbeitslosen und soziale Hilfsbereitschaft.
Abg. Dr. Külz von der Staatspartei fordert« größere Aktivität bei der Arbeit für Reichsreform und Wahlreform. Er mißbilligte das Verbot des Remar- gue-Films und beantragte die Weiterbewilligung der Mittel für das Philharmonische Orchester in Berlin und für die Hochschule für Politik.
Die arbeitslosen Schauspieler, die sich irgendwo als Kellner oder in einem Tingeltangel ihr Brot suchen, ihrer Karriere als jene großen, , -herrschen. Um Schausvieler zu werben, dazu gehört heute für einen jungen Menschen, der sich aller Schwierigkeiten bewußt ist, nicht nur Mut Und Jbealismus, — sondern beinah: schon Tollkühnheit und Lebensverachtung. In einer Zeit solcher Wirtschaftsnot hat es die Kunst am schwersten, nach Brot zu gehen. _ Philipp Röfemarm,
”11,a. t enoerloren 23 Sitze und gewannen einen bäte öerloren ßin6en drei demokratische Man- Die Kreistage haben insgesamt 102 Sitze: da- i»n erretten bt« Nationalsozialisten 32 (vorher 2), bürgerliche Listen (Mittelstand, Beamte usw.) 21 (46), di« Sozialdemokraten 42 (53), die Kpm- munisten 7 (1). Di« Nationalsozialisten gewannen also 30 Sitze, die Kommunisten 6, die Sozialdemokraten verloren 11 Sitze, wahrend die Bürgerlichen 25 Sitze abgeben mußten. J
Von den 13 braunschweigischen Landstädten haben eine nationalsozialistische Mehrheit erhalten neun städte, und zwar Bad Harzburg, Blan- kenburg^Gandersheim, Helmstedt, Holzminden, König- lütter, Schöppenstedt, Seesen und Wolfenbuttel. In Swdtoldenborf ist bas Verhältnis gleich zu gleich. In Schöningen stehen sieben Bürgerliche acht Sozialbemo- kraten und Kommunisten gegenüber, unb in Eschershausen und Hasselfelde ist das Verhältnis fünf Linke zu vier Rechten. Von den sechs K r e iS t a g e n haßen drei eine bürgerliche Mehrheit erhalten unb zwar »raunfcbn>eig $elmftebt und Wolfenbüttel, eine Links- Mehrheit ergibt sich in den Kreistagen von Blankenburg, Gandersheim und Holzminden.
das Publikum spendete Beifall durch viele Minuten hindurch und rief immer wieder den Komponisten und die Darsteller vor den Vorhang, und es hat in diesem Falle zweifellos Geschmack bewiesen, handelt es, sich bei Weinberger, den Komponisten des „schwanda", doch um einen Musiker von Geblüt, der frei von Gesucht- und Geschraubtheit im Formalen, in voller Musikernaivität klar und durchsichtig sagt, was er zu sagen hat. Und das ist viel, war von Anfang und ist ohne Ende, kommt aus der Seele und Nicht von der Theorie her; seine Palette ist voller schöner Eben. sein Orchester klingt und seine Sän- ger singen Wohllaut. Und daß seine Musik leicht eingeht, beweist, daß er sich verständlich auszudrücken weiß Und er ist so sehr und ganz Musiker, daß er !'ch?'LA?tbuch wählte (nach dem R-man von Ro- bert Michel), das starker dramanscher Akzente «nt- behn, aber Stimmung, Landschaft, fast schon Musik m sich birgt: Rukeia, ein junges Madcden in der Herzegowina soll die Frau des weißen Beg (Bev) werden; da hört sie am Abend von weit her einen Mann singen, verliebt sich in seine schön« Stimme und weiß, daß »e gerne diesem Manne als Frau folgen wurde. Sie geht aus die Suche nach dieser Stimme und findet sie bei dem schwarzen Beg, auf dem der Fluch lastet, nicht heiraten zu dürfen, weil einer seiner Ahnen einmal eine Reliquie verkaufte; durch die Liebe Rukejas wird er von dem Fluch befreit, die beiden werden ein Paar. — Man sieht, ein musikalischer Vorwurf, frei von Banalilät, umsomehr als bei diesem Volk zwischen Orient und Occi- dent Musik, Gesang und Tanz Daseins-Elemente lind. Und Weinberger ist in die Landschafr seiner Oper gefahren, hat die Gesänge des Volkes studiert, hat reiche Ernte mit nach Hause gebracht und stellt nun dieses fertige, runde, in sich abgeschlossene Werk vor uns hin, lebendig wie das Leben selbst und frei von Lpernstaub. — Und es ist anzunehmen, daß auch diese Oper ihren Weg über die Bühnen der Welt machen wird, wie fein „Schwanda, der Dudelsackpfeifer", den ebenfalls München zuerst heraus- brachre, der von 120 deutsche« Opern und auch sonst m der Welt gespielt wird. — Ein großer Abend der Münchener Oper, den Hans Knappertsbusch leitete, unterstuyt von allen Mi^ wirkenden, den So'isten, in erster Linie Elisabeth Feuge und Fritz Krauß, dem prachtvoll singenden Chor, den Tänzern.
. Dr. Berberich, ,
Sieger und Besiegte
Di« MandatSverfchiebung in Braunschweig.
Braunschweig, 3. März.
Di« Kommunalwahlen haben für die Stadtverordnetenversammlungen der Städte und die Kreistage der sechs Verwaltungsbezirke infolge der Entwicklung der letzten drei Jahre — die letzten Kommunalwahlen waren im Februar 1928 — beträchtliche Verschiebungen in den Mandolen erbracht.
Die Stadtverordnetenversammlungen einschließlich der Hauptstadt zählen 208 Sitze. Davon entfallen aus „die Nationalsozialisten 47 gegen vorher 2, außerdem sind 6 Stahlhelmmandate" vorhanden. Auf die verschiedenen Listen bürgerlichen Gepräges (Einheitsliste, Mittelstand, Beamte, Landbund usw.) entfallen 62 Sitze, vorher 105, auf die Sozialdemokraten 72, vorher 94, auf die Komm. 21, vorher 4.
Die Nationalsozialisten gewannen somit 45 Mandate, wozu noch bi« sechs Stahlhelmmanbat« gerechnet werben dürfen. Die Kommunisten gewannen 17 Sitze, die bürgerlichen Listen verloren 44 Sitze und gewannen einen Sitz, die Sozial-
zuriick. Da» Publikum habe seinem Gesckmack in den letzten Jahren immer in der Richtung Ausdruck gegeben, daß es Stars verlangt, Star-Vorstellungen besucht hat. Eine große Reihe von Ersahrungen widerlegen in gewissem Umfange diese Behauptung. Trotzdem ist ein Körnchen Wahrheit daran... Angesichts der ungeheuren Not der arbeitslosen und minderbeschäftigten Schauspieler wäre es dringend wünschenswert, daß die Oeffentlichkeit endlich mit dem Starkult aufhört unb bem Theater gegenüber wieder jene Einstellung gewinnt, die in früheren Jahrzehnten die deutsche Bühnenkunst in so reichem Maße befruchtet hat
Es wirb oft gefragt, was denn nun eigentlich für die arbeitslosen Schauspieler, namentlich für die Jungen, geschehen könne. Bisher war die Lage nicht hoffnungslos. Seit der Inflationszeit hat der Staat bet Bühnengenossenschaft weit mehr als eine Million Mark zur Verfügung gestellt, die in der Hauptfachs für Zwecke der produktiven Erwerbsloien-Fürsorge verwandt wurden. Noch im letzten Jahre hat die deutsche Bühnengenossenschaft eine erhebliche Anzahl von Tourneen, Nachmittags-Ausführungen, Nachtvorstellungen in großen Kinotheatern etc. veranstaltet, die es ihr ermöglichten, einen großen Teil der arbeitslosen Schauspieler wieder auf die Bühne zu bringen unb ihnen so neben der materiellen auch die ideelle Last der Arbeitslosigkeit zu erleichtern.
Jetzt aber sind die Mittel vollständig erschöpft, niemand weiß, was in Zukunft geschehen soll. Im Vorjahre sind 1300 Schauspieler, beinahe zehn Prozent aller beschäftigten Kräfte, arbeitslos geworden; in den ersten Monaten dieses Jahres sind beinahe ebensoviel neu dazugekommen. Und die Theater bauen immer weiter ab. Es ist fraglich, wie lange die letzten Wohlfahrts-Einrichtungen des Verbandes noch echalten werden können...
Die Not der arbeitslosen Schauspieler gehört sicherlich zum schlimmsten Teil der beruflicken Arbeitslosigkeit in Deutschland. Hinter dem Glanz bet etarnamen verbirgt sich das Elend der ganzen Bcrussgruppe, — aber man weiß allzuwenig davon in der Oefsent- lichkett. ,
Art Lehrlingszucht herausgebildet, zum Schaden bet Jungen, zum Schaden aller Schauspieler. Denn di« Tatsache, baß für ben Anfänger zunächst ein Engagement an irgendeiner Bühne verhältnismäßig leicht möglich ist, unterstützt ben „Drang zur Bühne", besten romantische Triebkraft heute vielleicht stärker wirkt als je.
Noch immer hat bas Dasein eines Schauspielers nach außen hm eine glänzenbe, verführerische Seite. Die Namen unb Gagen her Stars bezaubern, bie Romantik bes Schauspielerberufs lockt — bet Außenstehende hat keinen Begriff davon, wieviele junge Menschen sich heute zu den Schauspielschulen drängen. Dort wirb ihnen gesagt: „Geht wieder nach Haus, ihr Jungen. Für mittelmäßige, selbst für gute Begabungen ist heute kein Platz mehr auf der deutschen Bühne". Man erzählt diese« jungen Menschen, deren Elter« meist noch unerfahrener find als sie selbst, von dem traurigen hossnungslosen Dasein, bas ein großer Teil der -deutschen Bühnenangehörigen heute führt. Sie antworten: „Dann werden wir eben einmal eine Zeitlang als Schauspieler arbeitslos fein...“ — Wissen die Außenstehenden denn, was Arbeitslosigkeit bei einem jungen Schauspieler bedeutet? Abgesehen davon, daß es kaum staatliche Unterstützungen gibt — ein Schauspieler, namentlich ein junger Mensch, der längere Zeit nickt auf der Bühne gestaffden hat, muß noch einmal vollständig von vorn anfangen! Deshalb gilt es jetzt vor allem, vor weiterem Zulauf, der bisher eher zu- als abgenommen hat, zu warnen.
Ein zweites kann die Oeffentlichkeit tun, nm namentlich dem jungen, begabten Schauspieler zu helfen. Zweifellos ist bie Personalpolitik, bie in ben letzten Jahren von ben Bühnendirektoren betrieben worben ist, außerordentlich ungünstig und sicherlich verkehrt gewesen.
Das Beharre« beim Star, der oft beobachtet« offenkundige Verzicht auf ein gutes Ensemble zugunsten weniger Bühnengrößen, bte Unlust bet Theaterbirektoren, neue Entdeckungen z« machen, mitten sich namentlich für ben jungen Schauspieler unheilvoll ans.
Die Direktoren führen diese Politik, zum Teil nicht mit Unrecht, aus bas Verhalten bei Oeffentlichkeit
...........Dieser Haushalt bietet immer ben Anlaß zu einer großen innenpolitischen Aussprache, Diesmal ist der Beratungsstoff noch erweitert worben durch eine ganze Reihe von Anträgen von großer politischer Bedeutung. Verbunden mit der zweiten Beratung des Jnnen-Etats ist auch bie erste Beratung bes Gesetzentwurfs der die Strafbestimmungen für die mißbräuchliche Führung von Schußwaffen auch ausdehnen will auf H i e b-, Stich- und S10 ß- w a f f e n mit der Tendenz, bie Anwendung solcher Waffen bei politischen Kundgebungen mit besonderer Strenge zu ahnden.
bendig der Will« ist, das nationale Unglück eines gewissen historischen, heute aber längst sinnlos geworde-- nen preußisch-österreichischen Antagonismus zu über» winden.
Ist allein die Tatsache von Eurtius' Wiener Aufenthalt ein pfvchplogifcher Gewinn, so muß die Ministerreisr auch wirtschaftlich gewinn- reich gestaltet weiden. Bei dem nach jahrelangen Mühseligkeiten zustandegekommenen österreichisch- deutschen Hansel svertrag sind gewisse „R c st p u n k t e" unerteöigt geblieben. Diese zu erledigen, wird den an der Reise Beteiligten, zu Venen ja auch Ministerialbirekior Dr. Ritter vom Auswärtigen Amt, Deutschlands erster handelspolitischer Sachverständiger, gehört, gewiß nichi allzu schwer sallcn. Darüber hinaus geht es um das viel größere Ziel der österreichisch-deutschen Zollunion. Die Han- delSvenragsvethandlungen haben sich ja deshalb un- »ier wieder so schwierig gestaltet, weil beide beteiligten Staaten nach den Grundsätzen der Meistbegünstigten einer ganzen Reihe unbeteiligter, mehr ober minder freund-nachbarlicher Staaten, die uittereman- Verausgehandeltcn Konzessionen ebenfalls hätten einräumen müssen. Tas noiwendige agrarpolitische Enr- gegenkommen Oesterreichs gegenüber wäre also -ndi- rekt Holland uno Finnland, Dänemark und vielleicht sogar Polen zugute gekommen. So gehr es natürlich nicht. Aber anders gehr cs: Durch Schaffung der Zollunion, die kein Pariser Porortsverrraa verbieten kann und die überdies den modernen, endlich auch in Genf sich durchsetzenden Grundsätzen vom Rachbar- recht entspricht. Auch diese Zollunion wird Herr Dr. Eurttus natürlich nicht von seinem breitägigen Aufenthalt nach Hause bringen. Aber wesentlicher ist, daß sie nun endlich in den Bereich praktischer Möglichkeiten gerückt wird. Für die Zollunion gilt, wie für ben großdeuffchen Gedanken überhaupt, das unvergängliche Wort: Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um cs zu besitzen!
ter feien größere wirtschaftliche Transaktionen erforderlich. Feriier müsse man der Frage bei Arbeitsstreckung ernsthaft ins Auge sehen. Endlich müßten noch eilte Reihe von kleineren Maßnaymen im Benehmen mit dem Gutachterausschuß zur Arbeits- losenfrage ztisammenwirken. Die Preissenkung habe sich tatsächlich itoch nicht genügend auS - gewirlt. Der Minister betonte ausdrücklich, daß er diese Tatsache auch bei der Lohnpolitik in Rechnung stellen müsse, wenn nicht eine Preissenkung im größeren Ausmaße komme. Zum Schluß gab der Minister der Auffassung Ausdruck, daß wir gegenwärtig den Tiefstand der Krise erreicht hätten und im Jahre 1932 mit größeren Erleichterungen rechnen könnten.
Der Zentrumsabgeordnete Er sing wünschte eine klare Feststellung, daß weitere Lohnkürzungen nicht mehr in Frage kommen, ferner eine Regelung zur Frage der Doppelverdiener, daß nicht zwei Beamte oder Angestellte aus ein und derselben Familie in der Verwaltung beschäftigt werden bii> fen. Diese letztere Frage war in bet weiteren Aussprache lebhaft umstritten.
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Christlich-sozialer Volke dienst
für Volksbegehren
Abg. Schmidt-Kassel 3. Vorsitzender.
Berlin, 3. März.
Rcichsvorfland und Vertretertagung des Christlich- Sozialen Volksdienstes beschäftigten sich mit der Stellungnahme der Partei zum Volksbegehren auf Auflösung des Preußischen Landtags. Es wurde beschlossen, das Volksbegehren zu unterstützen. Der Volks- dtenst lehnt es aber ab, irgend welche Bindungen für die Propaganda einzugehen, er wird vielmehr die Propaganda für das Volksbegehren selbst in einer ihm geeignet erscheinenden Weise durchführen.
Zum ersten Vorsitzenden deS Christlich-Sozialen Volksdienstes wurde ReichStagsabgeordneter S t m p - fendörfer gewählt. Weitere Vorsitzende sind der frühere Abg. H ü l s e r und bet Abg. Schmid l-Kaffcl.