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Kasseler Neueste Nachrichten

Montag, 2. März 1931 / 1. Beilage

Ein Volk trauert um seine Helden

Gedenkfeiern überall unter stärkster Beteiligung

Volkes Stimme... Wenn auch die Regierung ab­seits steht, ein Teil der öffentlichen Gebäude nicht ihre Flaggen Halbmast setze, bewiesen doch die zahllosen «eiern am gestrigen Tage, daß sich der von privater Initiative ins Leben gerufene Volkstrauertag für unsere Gefallenen des Weltkrieges in allen Bevölkerungs- schichten durchgesetzt hat.

Der große Stadthallensaal, in dem Pfarrer Siems, Gharlottenburg, der langjährige Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge" für die Ortsgruppe Kassel des Bundes die Gedenkrede hielt, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Regersche Präludium für Orgel aus op. 92 von der Meisterhand Studienrat Möllers gespielt, eröffnete die Feier. Die Vereinigten MännerchöreSingkränzchcn und Kasseler Männergesangverein unter der vorzüglichen Stab­führung von E. Bode brachten denTrauerchor" sReichhardt-Silcher) undWohin soll ich mich wen­den?" (Schubert) in inniger Weise zum Ausdruck. Und dann sprach Pfarrer Siems.

Remiiriscere heißt Gedenken.

Richt vergessen, das ist es, was der heutige Tag von uns will.

Zwar ist es eine Gnade von Gott, daß der Mensch mit der Zeit das Dunkle und Schwere vergessen kann, ja daß es in der Erinnerung lichter und schöner wird, daß bei uns allen die unendlich leidensvollen Jahre des furchtbaren Krieges zum Teil in Vergessenheit geraten sind. Aber gedenken und nicht vergessen sollen mir, was das deutsche Volk in jener Zeit an Großem ge- lerstet hat, gedenken an seine Tüchtigkeit, seine Technik, an seine Liebe und Treue zur Heimat. Nicht vergeßen deutsche Frau, die in Stellvertretung des fehlen­den Mannes überall in die Bresche sprang und oft Schwereres zu erdulden hatte, wie der Mann an der Front. Nicht vergesien, was die Abertausende von Kriegsbeschädigten an Schmerzen und Leiden aus­zuhalten halten, als sie für uns dort draußen bluteten. Nicht vergessen vor allem die 3 Millionen Toten, die fern der Htzimat ruhen.

Reminiscere! Das ist das Große dieses Trauertages, daß er vom Sterben zum Leben dringen will.

Sie sterben für uns, doch sie leben in unserer Er­innerung. Darum wollen wir als Trauer- und Ge­denktag nicht den Totensonntag im Herbst, wenn die Natur abstirbt, sondern einen Tag im Früh- ling, wenn sie zu neuem Leben erwacht. Aber war es denn nicht zwecklos dieses furchtbare Sterben? Ist nicht Deutschland elend und zerstückelt, trotz dieser Riesenopfer? Nein, wenn auch das Ziel, wofür sie starben, nicht erreicht ist, so sind uns unsere Toten doch zu einer Lebenskraft geworden die in unsere Herzen einziehen soll. Liebe und Glauben lehren sie uns. Aus Liebe zu unserrn deutschen Vaterland und im Glauben an unfern deutschen Gott sind sie in den Tod gegangen. Gott muß doch noch viel mit dem Deutschen Volke vorhaben, daß er es in eine so strenge Schule nimmt. Die Toten sind heute als Gäste unter uns, unbequeme Gäste mit ihrem ernsten Blick; sie stellen die Frage: Das taten wir für Euch, was tatet ihr für uns? Zu einem Dolksbund haben wir uns daher zusammengeschlossen, der in Treue und Pietät ihrer gedenken will, alle Deutschen umfassend.

Nicht vergessen! Reminiscere!

Erhebende Orgelklänge und die markigen Lieder Vaterland" undWo gen Himmel Eicken tagen mit ihrem Treuegelöbnis zum Vaterland beschlossen die ergreifende Feier.

Helden des Posthorns

Gedenkfeier der Oberpostdirektion Kassel.

Wer kennt den Dienst der Feldpostboten? Wer weiß um das stille Heldentum jener Männer, bereit feldgrauer Rock das Posthorn schmückte, die Vermitt­ler waren zwischen den Kämpfern« da draußen und ihren bangenden Lieben daheim? So mancher von ihnen wurde Opfer unerbittlichen Schicksals; wurde, den schweren Postsack voll froher Botschaft und leidens­voller Trauerkunde durch die Stahlgewitter schleppend ein Opfer treuester Pflichterfüllung.

Ihrem Gedenken galt die Feierstunde, zu der die Oberpostdirektion ihre Beamten und deren Ange­hörige in die Halle im Gebäude an der Hohenzollern- straße geladen hatte. In weitem Halbrund saßen sie vor feierlichem Grün-Aufbau, alle, denen das mörde­rische Völkerringen Liebes geraubt, den Gatten, den Sohn, den Kollegen, den Kameraden. Die Fahne des Postbsamtenvereins grüßte treue Eefolgsmannen, das

Banner des Sängerchores raunte von eifrigen Sängern die neben ihrem schweren Dienst die deutsche Sanges­kunst liebten. Wie ein Schwur brausten die Klänge des Orchesters des Telegraphenamtes auf;Herr, mach uns frei!

Der Sängerchor der Reichspost sang die Toten­klage, dann stand Pfarrer Tauber vor dem ernsten Grün, sprach in eindringlichen Worten vom Sterben und betonte, daß die stillen Helden des großen Krieges zu den besten Söhnen der Mutter Deutschland zählten. Aber alles feiernde Gedenken wäre wertlos, ehrlos, wenn nicht mit ihm die Dankbarkeii der Tat verbun­den fei. Dem ritterlichen Streben der Gefallenen folgend, gelte es in ihrem Sinne ein neues, heileres Deutschland zu bauen. Denn nicht trauerndes Klagen sei der letzte Sinn des Todes, sondern Nackeifern in Hingabe, Dienst und Opfer. Wenn wir so in harter Friedensarbeit, in treuester Pflichterfüllung, Dienst an Volk und Vaterland verrichten, dann erfüllt sich auch in klarem Erkennen das Wort: Als die Sterben­den:Siehe! Wir leben!"

Dem Glauben an letzte Größe, gab der gemeinsam gesungene ChoralHarre, meine Seele treffenden Ausdruck, In einen Satz faßte Präsident Plein den Dank an Pfarrer Tauber, tief bewegt von Wort und Lied. Und in tiefer Bewegung lauschten alle dem Lied der SängerMorgenrot, Morgenrot...", faßten das Gedenken an den Opfertod der 200 vomAmt Kassel" zusammen bei den Klängen vom guten Kame­raden

Mo sonst der Strom des Verkehrs in raschen Schlä­gen pulst, da war gestern für eine Stunde feierliche Ruhe, andachtsvolle Stille, im Gedenken an Treue und Pflichterfüllung bis zum Letzten... -ee.

Einig im dankbaren Gedenken

Kirchditmolds Bürgerschaft ehrt ihre Helden.

Es ist etwas Eigenes um die Einigkeit. Aus aller Munde wird sie gepriesen, wird sie gefordert und doch ist sie heute so selten in deutschen Landen. Zu vieles, allzu vieles steht trennend im deutschen Volke und selbst das Gemeinsame wird kaum gemeinsam getra­gen, wie das Gedenken an jene Helden, die in opfer­freudiger Hingabe an Volk und Vaterland ihr Leben ließen für ihre Brüder, noch heute nickt Gemeingut aller Kreise geworden ist. Umso erfreulicher ist es, festzustellen, wenn sich die Bürgerschaft über alles Trennende hinweg die Hände reicht, ihrer gefallenen Söhne zu gedenken.

Kirchditmold war es, dessen Bürgerschaft einig ist in Dankbarkeit und Treue. Bor zwei Jahren schon gründete sie eine Arbeitsgemeinschaft aller Vereine, zu deren Aufgaben es gehört, dem Gedenken der ge­fallenen Brüder würdigen Ausdruck zu verleihen.

Co standen nun am Sonntag Reminiscere, dem Trauertag des deutschen Volkes um seine stillen Helden zum dritten Male die Fahnen aller Kirchditmolder Vereine um den Al^ar des ehrwürdigen Gotteshauses dessen weite Halle und geräumige Galerie die ganze Bürgerschaft füllte. Der Kirchenchor gab dem Gottes­dienst durch angepaßte ckorifche Darbietungen das be­sondere Gepräge und Pfarrer Wörner fand in der Predigt mahnende Worte des (Siebentens.

Nach dem Gottesdienst fand am Ehrenmal der Ge­meinde auf dem überhöhten Platz des Friedhofes eine besondere Eedenkandacht statt, die in ihrer Schlichtheit von ergreifender Wirkung war. Einleitenden Klän­gen des Posaunenchores Kirchditmold folge ein Gruß- wort von Pfarrer Wörner an die toten Helden, bann legten Vertreter ber Bürgerschaft am Kreuz von Stein brei Kränze nieder, die wiederum sichtbarer Ausdruck der Einigkeit waren. Zu dem Kranz der Gemeinde mit schwarzer Schleife gesellten sich Kränze mit rot- weißer Schleife und den Reichsfarben. Tief senkten sich die Fahnen zum Gruß, im Wehen des Märzepw-ndes verklang das Lied vorn guten Kameraden... -ee.

3n Rothenditmold...

Eine eindrucksvolle Gedächtnisfeier veranstalteten die Vereine Rothenditmolds. Um 11% Uhr verfam- melten sich 11 Vereine mit ihren Fahnen in ber Philippistratze, um unter Glockengeläut zum Denk­mal für die Rothenditmolder Gefallenen zu marschie­ren; hier wurden sie von einer großen Anzahl Ge- I meindemitglieder erwartet.

Drei Rothenditmolder Gesangvereine:Harmo­nie, Männergefangverein undViktoria brachten

unter Stabführung von Lehrer Keßler den Chor Heilig, heilig, wirkungsvoll zu Gehör. Es folgte die Gedächtnisrede, die dieses Jahre der kaihonichc Geistliche, Pfarrer Wehner, übernommen hatte. Er ührte die Teilnehmer im Geiste an die Gräber unse­rer Rothenditmolder Gefallenen. Rach ber Kranz­niederlegung durch 6en Vorsitzenden des Krieger- und des Militärvereins, der in diesem Jahre die Vorar­beiten für die Feier geleistet batte und der Ansprache eines Herrn vom Volksbund für Kriegsgräberfnr- orge senkten sich die Fahnen, während die Kapelle das Lied vom guten Kameraden spielte.

Im geschlossenen Zuge, unter Vorantritt der Musik marschierten alle Teilnehmer zur Philipprstraße zu­rück nm hier den Zug auszulösen. Tie «eter verlief sehr eindrucksvoll und gab ein Bild von der Cm« mütigkeit und Geschlossenheit unserer Vorortqe- memde, welche das Andenken an ihre gesallenen Hel­den stets in Ehren halten wird.

Bettenhausen ebrt d e Gefallenen

Musikalische Abendandacht des gemischten Chores.

Die Besucher der Bettenhäuser Kirche erlebten eine mit erlesenem Geschmack zusammengestellte Vortrags­folge des Chorleiters Willi Dallmann, die in ihrer Zweiteilung Trauer und Zuversicht zum Ausdruck brachte. Werke von I. S. Bach, Luowig öyuyr, Franz Schubert, C. M. von Weber, F. Mendelsfohn- Bartholdv, Mar Bruch, Max Gulbin und neben Reu- schöpfungen des Dirigenten, volkstümliche Lieder ver­tieften in einer erfreulichen Zusammenstellung den Abend. Erstaunlich was der rührige Chorleiter alles aus dem kleinen Klangkörper herauszuyolen im­stande war und wie er mutvoll selbst schwierigste Kompositionen bewältigte. Aus jeden Fall jedoch liegt seine Stärke auf dem Gebiete des Volkstüm­lichen, wie es das alte Volkslied: Es ist ein Schnit­ter, heißt der Tod mit feinem zarten polyphonen Ueberschneidungen am besten bewies. Als einen Sopran von einer erfreulichen Ergiebigkeit lernte man bei dieser Gelegenheit, die noch wenig bekannte Mie Engelmohr kennen, die vor allem in Bachs:Komm süßer Tod durch eine strahlende Mittellage überraschte und mit glockenhellen Ober- tönen die schwierige Arie ans dem Oratorium von Mendelssohn-Barth, bewältigte. Eine entwicklungs- sähige Stimme, die in ihrer Natürlichkeit des Vor­trags eine seltene Innigkeit mit guter Aussprache .verband. Daß selbst auf einer kleinen Orgel beste Wirkungen erzielt werden können, bewies Dirigent Dallmann in feinen Orgelfoli. In feinen bei­den Neuschöpfungen:Totenklage für Sopran und Orgel undTrauerfantasie sis-moll bewies Dall­mann ein gutes Einfühlungsvermögen in Verbin­dung mit einem gereiften Können. Besonders die Totenklage in ihrer herben strengen Linie und der guten Behandlung weiter, tonlicher Spannungen konnte gefallen und erfuhr durch den Dirigenten (Orgel) und den Sopran eine gute Wiedergabe. Ein Lied der Gemeinde leitete den Abend stimmungsvoll ein und leitete über zum Präludium im e-moll von Bach, das getragen und schwer lastend registriert, der Feier des würdigen musikalischen Auftakt gab. Ein­drucksvoll gab sich im ersten Teil des Abends das .Adagio für Orgel und dasHeilig für Chor aus dem OratoriumDie letzten Dinge von Spohr. Orgelklang beschloß den ergreifenden und wertvollen Abend.

Gedenkfeiern in Wilhelmshöhe

Im Stadtteil Wilhelmshöhe fanden zwei Ge­denkfeiern statt. Nachdem im Vormittagsgottesdienst ber Gefallenen gedacht worden war, veranstalteten am Nachmittag auf dem Friedhof am Rammelsberg die Vereine des Stadtteiles Wilhelmshöhe eine Ge­denkfeier. Eingefunden hatten sich mit ihren Fah­nen Kriegerverein, Liederverein und Schützenverein Kassel-Wilhelmshöhe, ber Christliche Jungmänner- Verein unb eine Abordnung der Sanitätskolonne. Die Gedenkrede wurde von Pfarrer Dr. Heutzner gehalten. Gesangvorträge des Kirchenchors und des Liedervereins Kassel-Wilhelmshöhe umrahmten die zu Herzen gehenden Worte des Herrn Pfarrer Dr. Heutzner.

Im Zuge begaben sich bann sämtliche Vereine mit der großen Menge der übrigen Teilnehmer zu dem vom Kriegerverein aus dem Friedhof errichteten Ehrenmal. Dort fand durch den Vorsitzenden des Kriegervereins eine Kranzniederlegung statt. Unter

den gedämpften Klängen des Liedes:Ick butt einen Kameraden senkten sich die Fahnen und im An- chlutz wurde eine dreimalige Ehrensalve abgegeben.

Am Abend fand eine Gedächtnisfeier in der Cbri- tuskirche statt, bei ber Metropolitan Dr. Dithmar die Gedenkrebe hielt.

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Tie Perse r". Viel stärker, trotz gesenkter g ah­nen und ernster Kundgebungen, bat der V o l k s t r an e r- t a g im gestrigen Programm aller deuncken eenoer Aus­druck gesunden. Man kann alle gestern stattgetundenen Senilungen unter dem Wort zusammeniassen:Tem Ge­dächtnis der im Weltkriege gefallenen Brüder! ,.a.ie Perser" des Aischnlos, von einem Griechen acht Fabre nach dem historischen Ereignis tüt das siegreiche Griechenland geschrieben, wurden umjubelt und sind doch alles an­dere als ein siegeslied. sondern ein Drama voller Mitge­fühl für den Unterlegenen. -2400 Sabre liegen zwilchen uns und der Zeit des Aischvlos ... Sind wir reifer ge­worden? Stileber halte wiederum die besten Strafte her­angezogen: Ebert, Engel, Pfeil, Rewaldt usw. Nur ein­mal bei der Erscheinung des Dareios wurden die Stimmen schwer verständlich, die sich sonst klar und vla- stisch abboben. Die übrigen Sendungen des Tages tru­gen durchweg den Ebarakter des Volkstrauertages und waren trotzdem abwechslungsreich. Wir hörten außer von Sran Hurt und Stuttgart ernste Munk von Berlin, Ham­burg, Üasiel, Mannheim, Mainz und München. Dies alles über den Ortssender! E. K. B.

Oie Not der alten Handwerker

Unter ber Ungunst ber wirtschaftlichen Verhältnisse hat bas Handwerk schwer gelitten. Das geht auch aus dem Umftanöe hervor, daß im Regierungsbezirk Kassel über 1000 alte Handwerksmeister, die sich vor Jahren schon, eine ganze Anzahl sogar schon vor Bern Kriege, zur wohlverdienten Ruhe gesetzt hatten, die Arbeit als Handwerksmeister wieder aufnehmen muß­ten, mm überhaupt leben zu können. In den meisten Fällen w-ivd die Tatsache, daß diese alten Meister wie­der zur Arbeit greifen mußten, damit begründet, daß der Hausbesitz infolge der übermäßigen Belastung mit Realsteuern so gut wie nichts mehr abwirft, so daß sie unter allen Umständen gezwungen find, sich an ihrem Lebensabend noch durch ihrer Hände Arbeit etwas hinzuzuverdienen.

Eine Feststellung hat nun ergeben, daß diese alten Meister, obschon sie von morgen» bis abends tätig sind, doch in allen Fällen nur ein Einkommen errei­chen, das unter 1500 RM jährlich bleibt, so daß sie zur Zahlung einer Gewerbesteuer nicht herangezogen werden können. Diesen Umstand wird man berücksich­tigen müssen, wenn man die weitere statistische Fest­stellung würdigt, daß in einzelnen Bezirken

in Knrheffen-Walbeck ein volles Drittel unb mehr ber selbständigen Handwerksbetriebe keine Ge­werbesteuer bezalsten tönuen,

also auch unter der Grenze von 1500 RM jährlich lie­gen, so Kreis Hersfeld, wo von 965 Handwerksbetrie­ben ebenfalls fast ein Drittel keine Gewerbesteuer be­zahlen kann. Auch im Bezirk Marburg-Stadt unb Marburg-Land, Kirchhain unb Frankenberg (Eder) liegen die wirtschaftlichen Verhältnisse für das selb­ständige Handwerk recht ungünstig, denn auch hier ist fast ein volles Drittel aller selbständigen Handwerks­betriebe von der Gewerbesteuer befreit. 18>- Prozent der gesamten rund 25 500 selbständigen Handwerksbe­triebe in Kurhessen unb Walbeck sind betroffen.

Diese Feststellungen sind leider sehr betrübliche, denn sie zeigen einwandfrei, baß sich bie wirtschaftliche Lage des Kleinhandwerks in den letzten Jahren sehr verschlechtert hat, da noch vor zwei Jahren nicht ein­mal ganz 10 Prozent der selbständigen Handwerksbe­triebe von ber Zahlung der Gewerbesteuer befreit waren, während es am Ende des Jahres 1930 bereits 18% Prozent waren. Es ist damit zu rechnen, daß in diesem Jahre gegen 25 Prozent aller Handwerksbes triebe in Kurhessen unb Walbeck nicht das Einkommen haben werden, das notwendig ist, um zur Gewerbe­steuerzahlung herangezogen zu werden.

Ins Leben zurückgekehrt.. In ber Habichtswal- derstraße versuchte eine Witwe sich unb ihre beiden Kinder von 9 unb 12 Jahren mit Leuchtgas zu vergif­ten. Durch die ausströmenden Gase wurden die Nach­barn darauf aufmerksam gemacht und drangen mit Unterstützung eines Polizeibeamten in die Wohnung ein. Die Mutter und die beiden Kinder lagen be­wußtlos in ber Küche. Alle brei erlangten jedoch bald nach Deffnen der Fenster und Türen das Bewußtsein wieder. Auf Anordnung eines Arztes wurde die Frau dem Karlshospital zugeführt, während die Kinder bei Nachbarn untergebracht wurden.

Wettervoraussage bis Dienstag abend:

Vielfach noch nachts Frost, dann jedoch schnelle Be­wölkungszunahme und Einsetzen neuer Niederschläge, bei aus Süd drehenden Winden, Temperaturen wie­der ansteigend.

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