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7fr. 50 / Sinundzwanzigffer Zahrgang

Kasseler Neueste Nachnchlen

Sonna-end/Sonnkag, 28 Februar/1. März 1931 /1. Beilage

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tin heraufgebracht wurde — an «rauche sorgenvolle Stunde, die der Meister unten am Durm stand, oder fünf wie ein Wiesel die ungefügen Treppen hinauf­eilen mußte, um das Aufwinden zu beobachten und dafür zu sorgen, daß sein Werk nicht durch Ungeschick zerstört wurde.

Hundert 8ahre sind seit diesem Tage verflossen. Hundert Jahre sind auch im Leben einer Uhr keine Kleinigkeit. Sie, die der Zeit getreueste Dienerin ist, hat wie alles Vergängliche unter ihr zu leiden. Ein recht schwer zu behandelnder Patient ist sie geworden und die Kasseler Uhrmacherfirma Kochenvörffer, die seit fast hundert Jahren das Schmerzenskind in Pflege hat, weiß ein Aedlein von ihren Tücken zu singen. Allerlei Ergänzungen sind ja im Lauf der Zeit hinzugekommen. Das Läutewerk und Der Stundenschlag sind heute elektrisch geworden und man­ches Stück mutzte schon ersetzt werden. Eigentlich wünschte sich die Gemeinde von St. Martin eine zu­verlässigere Uhr auf den Turm ihrer stolzen Kirche. An der Ungunst der Zeiten und der Summe von ei­nigen lausend Mark, die eine neue Uhr kosten würde, scheiterte das Vorhaben immer wieder.

Also muß das Werk des Meisters Dieterich seine Arbeit weiter verrichten. Es tut das mit der Be­harrlichkeit und Gleichmäßigkeit, die ihm sein Schöp­fer verlieh, mit dem guten Willen, der allen mechani­schen Werken innewohnt — und mit den Tücken, die solch ein lebloses und doch lobendes Ding für seinen Pfleger ersinnt.

Hoch über den Dächern Kassels kreist der Zeiger Wer dem Zifferblatt von St. Marlin. Im dämmeri­gen Uhrstülblein in luftiger Höhe knarrt es geheimnis­voll. Es schnurrt und rattert — metallischer Klang zittert durch den Raum — dann fällt ein Hobel, das Drahtseil straft sich: die Glocke von St. Martin schlägt eins .. , Das zweite Jahrhundert hat begonnen.

Ed. Schulz-Keffel.

100 Jahre Turmuhr von St. MM

im Lthrwerk

lieber zwei Meter groß ist das Perpendikel der Turmuhr

Wichte. Denn unter der Uhr gähnt die Tiefe des Turmes. Trotz der Flaschenzugubersetzung benötigen die mehrere Zentner schweren Steinplattengewichte säst die halbe Turmhöhe, um die Uhr durchschnittlich fünf Tag« lang in Gang zu halten. Jetzt sind sie im unteren Drittel angelangt — wie schwarze Säcke hän­gen sie in dem geheimnisvolle» Licht des Turmschach­tes und die dünnen Drahtseile leuchten wie Spinnen­fäden heraus. Dreimal so lang müßten sie sein, wenn sich der Uhrmacher das Prinzip des Flaschenzuges nicht zu eigen gemacht hätte. Denn eine gewaltige Kraft ist notwendig, das Riesenwerk in Gang zu halten.

Im Perpendikel hat der Meister, der tot Jahre 1831 die Uhr schuf, seinen Namen verewigt. „Verfer­tigt von Gbrh. Dieterich im ersten Jahre der Verzas- siuna 1831* lautet die Inschrift, di« seit nun hundert Jahren ruhelos mit dem Perpendikel in gleichmäßi­gem Takte schwingt. Sie erzichlt von manchem Sturm, der Wer Stadt und Land ging — er erinnert an die Schwierigkeiten, die damals entstanden, als das ge­wichtige Uhrwerk aus den alten Turm von St. Mar-

Ein Stockwerk unter d«m Zifferblatt, das mit sei­nem Durchmesser von zwei Metern weithin erkenn­bar ist, birgt ein Holzverschlaa im Treppenh r as des süolichen Turmes das alte Uhrwerk. Dunkel ist der Raum, als wir die Tür öffnen. Von irgendwoher dringt ein gebrochener Lichtstrahl — gespensierhafr hallt-aus dem Dunkel ein geheimnisvolles Zittern und Schnurren — ein Klappern von Metall — irgend­wo mutz ein Hebel fallen, mit Hui und Geheul schnurrt irgendeine Welle ab — ein Windzug streicht durch den Rc ---

. aum, als huschten Fledermäuse über un­sere Köpfe. Dann haken Zähne eines Rades inern- ander, ein Drahtseil, das aus dem Dämmern tritt, reißt einen Hobel herum — und aus der Höhe hallt die Stimme der Glocke. .Die Uhr schlägt zwölf.

Langsam gewöhnt sich das Auge an das Dunkel v°s Raumes Vor uns schwingt das große Perpendikel, weit über mannshoch, mit einem Pendelgewicht, oas so groß erscheint wie ein Autorad. Tick-tack, tick-iack, sagt di« Uhr, deren Werk frei im Raume vor uns stoht. Räder von gut einem halben Meter Durchmes­ser drehen sich langsam. Drei Winden von respek­tablen Ausmaßen tragen das Drahtseil für die Ge-

Hoch über den Dächern von Kassel leuchten die gol- denen Ziffern der Turmuhr von S t. M a r t i n. In glücklichen mtd schweren Tagen wanderten die beiden Zeiger ihren vorgeschriobenen Weg — Stunde auf z*; Stunde, Fahr um Jahr zerrann unter ihrem Kreis- xSlIl vpvJItrOutlu lauf . . . Jahrzehnte kamen und gingen. Die Kirche veränderte ihr Gesicht, die Stadl wuchs uiid nicht' jeder Bürger hört heut wie einst die Glock« v. St. Mar­tin. Hundert Jahre gingen ins Land. Seil hundert Jahren schwingt das Perpendikel im Uhrwerk aus dem Turm der Martinskirche . . .

Tiei in den l urm hinab hängen die zentnerschweren Gewichte

An den Glocken vorbei geht es zum Uhrstüblein des Südturms

fen wurden, oder bei Giftmorden kann der Ehemiker zur Lösung des Falles wirksam beitragen. Die Un­tersuchung des Vergifteten sucht zunächst flüchtige Stoffe als Unglücksursache nachzuweisen. Häufig sind Kohlenoxydvergiftungen. Kohlenoxyd entsteht leicht bei schadhaften Oefen und führt

mit einer Beimischung von einem Viertel Prozent in der Luft zum Tode.

Tas Blut des Vergifteten wird hell. Die roten Blut­körperchen verlieren durch Umbildung zu Kohlenoxyd­hämoglobin die Fähigkeit, aus der Atemluft den Sauerstoff zu bilden und dem Körper nutzbar zu machen. Der Nachweis des Kohlenoxyd geschieht durch das Spektroskop. Arsenik wjrd dadurch nachgewiesen, daß man Körperreste des Toten oder etwas vom Ma­geninhalt des lebenden Menschen in einen Wasserstoff­erzeuger tut. Arsen macht sich dann dadurch bemerk­bar, daß es Arsenwafferstoff bildet, bei dessen Verbren­nung es sich als Spiegel aus einer in die Flamme gehal­tenen Porzellanschale niederschlägt. Untersucht man Leichen, die schon lange in der Erde gelegen haben, auf Arsen, müssen auch das umgebende Holz und die Erde auf Arsen untersucht werden, da sie manchmal solches enthalten. Ferner mutz man prüfen, ob der Tote nicht etwa eine Arfenkur durchgemacht hatte, denn sonst kann man leicht irrtümlich Arsenvergiftung an­nehmen. Ein derartiger Irrtum kann einen Menschen leicht unter Anklage und Verurteilung wegen Mordes stellen. Der Gerichtschemiker mutz überhaupt mit der grötzten Sorgfalt zu Werke gehen, weil ja viel von fei­ner Ausfage abhängt. So find Morphium und Strych­nin in einer Leiche sehr schwer nachzuweisen, da die sich bei der Verwesung entwickelnden Leichengifte oft dieselbe chemische Reaktion haben. Man mutz nachein­ander alle Reaktionen anwenden, die es gibt, um Mor­phium oder Strychnin nachzuweisen. Fällt nur eine dieser Reaktionen negativ ans, darf man schon nicht mehr auf die betreffend« Vergiftung schließen.

Besteht Brandstiftungsverdacht,

so ist es während des Brandes leichter möglich als nachher, Benzin Spiritus und Petroleum, die oft ver­wandt werden, nachzuweifen. Auch Schmieröl läßt fich in den Brandresten leicht feststellen. Wenn man die Reste mit Aether auszieht, den Aether verdunstet, so bleibt das Schmieröl zurück. Wird dann ein Gesäß mit dem gleichen Oel gefunden, ist der Beweis sür Brandstiftung schon bedeutend erleichtert.

Urkundenfälschungen

bilden ein wichtiges Arbeitsgebiet für den Gerichts­chemiker. Wurde auf der Urkunde radiert, so verrät sich dies bei 60—100 facher Vergrößerung unter dem Mikroskop. Fälschungen verraten sich oft durch Ver­schiedenheit der verwandten Tinte. Stark verdünnte Salzsäure läßt verschiedene Tinten in verschiedenen Farben hervortreten. Wurde alte Schrift zwecks Ver­änderung überschrieben, so läßt sich dies leicht fest­stellen dadurch, daß man das Papier mit Paraffin durchtränkt und in der Durchsicht die alten Zeichen wiederfindet. Auch durchgepauste und dann nachgezo­gene Namensunterschrift auf Wechseln bieten kein Rät­sel; sie verraten sich als Fälschung oft schon dadurch, wenn auf verschiedenen datierten Urkunden der Name in genau den gleichen Zügen und in gleicher Größe steht, denn kein Mensch schreibt an einem Tage genau so wie am anderen. Auch Nahrungsmitteluntersuchun­gen bilden eine Hauptbeschäftigung des Gerichts­chemikers.

Der Gerichtschemiker hat heute ein wertvolles Hilfsmittel in der Quecksilberdampflampe oder Quarzlampe,

die Dr. Paulmann seinen Hörern vorführte. Das ultraviolette Licht dieser Lampe bringt Körper von gleicher Farbe zu andersfarbigem Leuchten, wenn es sich um chemisch verschiedene Dinge handelt. Bei Fälschungen leuchtet also die nachträglich verwandte Tinte anders als die ursprüngliche, ein roter Siegel­lack leuchtet anders als ein anderer roter Siegellack, der Leim an einem geöffneten und dann wieder zuge- klebten Briefe leuchtet anders auf als die ursprüngliche Briefgummierung. Banknoten betraten, ob sie ge­fälscht sind, Mehl, Zucker usw. lassen unter der Quarz­lampe evtl. Beimischungen erkennen.

Interessant und vielseitig ist die Arbeit d«s Ge­richtschemikers, dabei verantwortungsvoll und schwer, wie die Zuhörer Tr. Paulmanns Wohl erkannten, als sie ihm Beifall spendeten.

Oer Chemiker als Detektiv

Or. paulmann erzählt aus der Praxis des Gesichtschemikers

rgr. Der Kampf zwischen Gesellschaft und Verbre­chertum ist heute ein Kampf von Wissenschaft gegen Wissenschaft geworden, denn oft verfügen die Verbre­cher über die beste wissenschaftliche und technische Aus­rüstung, die dann wieder auf der Gegenseite Voraus­setzung für einen erfolgreichen Kampf fein mutz. Aber auch das einfachste Verbrechen gibt schon genug zu raten auf, und der moderne Kriminalist kommt heute nicht mehr ohne den Wissenschaftler ans. In fast allen Fällen, berichtete Stadtrat Dr. P a u l m a n n im Volksbildungsverein, wird der Gerichtschemiker vom Staatsanwalt zugezogen.

Oftmals handelt es fich um die Entdeckung eines Mörders, wobei die kleinsten Spuren wichtige An­haltspunkte geben.

Die Kugel im Körper des Opfers läßt mit Sicher­heit die Waffe feststellen,

aus der sie abgeschossen wurde, denn die Züge im Lauf der Schußwaffe hinterlassen auf der Kugel Spuren, die bei jeder Waffe wieder anders verlaufen. Auch auf dem Boden der abgefchossenen Patrone findet fich der Eindruck des Schlagbolzens, der die Patrone zur Explosion brachte, als ein wichtiger Beweis. Die Pho­tographie dieses Eindrucks läßt alle mikroskopischen Feinheiten des Bolzens zutage gretcn, die bei keiner Waffe gleich sind. Ist nun einmal die Waffe festgestellt, ist es gewöhnlich leicht, den Täter zu finden. Auch

Blutflecke geben ein wichtiges Beweismittel.

Noch vor 30 Jahren wurden die Flecken einfach mit Kochsalzlösung ansgeweichl, wonach unter dein Mikro­

skop die ausgequollenen Blnckörperchen die für Men­schenblut charakteristische Form zeigten, wenn es sich um Menschenblut handelte. Dieses Verfahren war aber höchst unsicher. Heute hat man ein viel empfind­licheres Verfahren.

Ein jedes Tier hat eine bestimmte Art von Eiweitz- körpern im Blut, Und jedes andere Blut bedeutet für es ein Gift, das beim Einspritzen ein Gegengift her- vorruft. Man hat nun Kaninchen mit Menschenbild geimpft, werden nun die Blufflecken auf der Mord­waffe mit Kochsalzlösung ausgewaschen und der Lösung Blut von mit Menschenblut geimpften Kanin­chen zugesetzt, so bildet das auf Abwehr des Men- fchenblutes eingestellte Kaninchenblut einen Nieder­schlag, wenn der zu untersuchende Flecken wirklich von Menschenblut herrührt. Hat man festgestellt, daß es sich um Menschenblut handelt, dann mutz man unter­suchen, zu welcher Blutgruppe das Blut gehört. Einen sicheren Beweis für die Täterschaft eines Menschen er­hält man so nicht, man kann nur feftfteflen, daß An­gehörige dieser oder jener Blutgruppe als Täter nicht in Frage kommen.

Auch bei Unglücksfällen, die durch Gift hervorgeru-

Der Kavalier. In der Kronprinzenstraße fiel aus geringfügiger Ursache ein betrunkener junger Mann über ein Dienstmädchen her und mißhandelte es mit Hieben und Fußtritte derartig, daß das Mädchen bewußtlos liegen blieb. Mit einer Auskugelung des rechten Armes und ausgerenktem Unterkiefer, nicht gerechnet die anderen Fleischwunden, wurde die Aermste in das Krankenhaus transportiert.

Wettervoraussage bis Sonntag abend:

Veränderlich, doch überwiegend stark bewölkt, wiederholte, teilweise kräftige Niederschläge bei auf­frischenden Westwinden wieder etwas kälter.

bis Montag abend:

Fortdauer des sehr unbeständigen Wetters mit wiederholten Niederschlägen.

Zuckerkranke ”,,h.*K

Broschüre B zu lesen. Kostenlose Zusendung durch Fr- Löw« Walldorf / Hessen 900.

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ie ein Spinnengewebe so kompliziert vielverzweigt u em Zentral-Eindruck-Schmierung

Aus ca. 150 Einzelteilen besteht dieses Schmiersystem. Bis in die äußersten Enden des Chassis führen vielfach verzweigte feine Kanäle, deren zahlreiche Verbindungs- und Abdichtungsstellen für den Fahrer schwer kontrollierbare Störungsquellen bergen.

ist das Brennabor-Schmiersystem. Nur nodi 6 Sdunierstellen finden sich am ganzen Chassis bequem zugänglich und [«derzeit auch von einem Laien kontrollierbar. Es ist daher be» greiflich, daß wir an der einfodten, stets sicher funktionierenden Fettpressenschmierung fest» Gehalten haben. Die Zentral-Schmier-Systeme müssen mit Recht als überhob gelten.

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Platzvertreter: Gebr. Fingerhut, Kassel-Wilhelmshöhe, Wilhelmshöher Allee 247. / Tel. 1020.