Leite 3-1. Beilage
Kasseler Neueste Nachrichten
Mittwoch, 25. Februar 1931
Inflation gelang Mellen mit ins
Besitzverteilung Neusiedlungen nur in seltenen Fällen praktisch werden können, vorzugsweise die West-Ostsiedlung in Betracht. Diese erstrebt die lleberführung des Bevölkerungs- überschusies im Westen und Süden in die Siedlungsgebiete des Ostens und Nordens. Der Siedlungslustige findet dort Bedingungen, unter denen er entweder von vornherein als selbständiger Bauer angesetzt werden oder — falls die eigenen Mittel Dafür
zunächst nicht hinreichen — dazu aufsteigen kann. Staat und Heimatprovinzen helfen dem einzelnen Siedlungsanwärter dazu. In Hessen-Nassau sind es die Bezirksverbände und die provinziellen Siedlungsgesellschaften, die in Gemeinschaft mit den Siedlerberatungsstellen in Frankfurt a. M., Untermainkai 13, und in Kassel, Jor- danstratze 1, Unterstützung bei der Verwertung hei- mallichen Besitzes (Grundstücken, künftige Erbanteile u_o.il) behilflich find. Auch die Kulturämter in der Provinz sind angewiesen, die Siedlungslustigen mit Rat und Tat zu unterstützen.
Der strebsame Siedler, der sich in den deutschen Siedlungsgebieten eine neue Existenz schafft, dient damit dem großen vaterländischen Gedanken, im deutschen Osten das deutsche Bauerntum zu stärken.
Der Stand des Siedlungswerks
preußische SiedlungSleistung und die Bedeutung der Siedlung für Hessen-Nassau
Tödlicher Unfall an der Kreissäge
Sn Frankenau.
Der 76jährige'Schmiedemeister Peter Schneider war an der Kreissäge beschäftigt, als ihm Mtzlich ein Stück Holz gegen di« Brust flog, durch das er so schwer verletzt wurde, daß er nach kurzer Zeit verschied
Tumult in Marburg
Die Polizei bewährt sich.
In einer von der NSDAP, einberufenen öffentlichen Versammlung in Ockershausen, rm Saale der Gastwirtschaft Ruppenberg, kam es zu schweren Zusammenstößen. Zahlreiche Gegner hatten sich aus Marburg dort eingefunden. Der Versammlungsleiter machte am Anfang darauf aufmerksam, man möge doch Ruhe bewahren sonst müsse man von dem Hausrerbt gebrauch machen. Die Unruhen wurden jedoch so groß daß die SA. begann, die Ruhestörer zu entfernen, wodurch sich eine wilde Schlägerei entspann, Die Versammlung wurde sofort von der Polizei die sehr stark vertreten war, aufgehoben. Stühle, Fenster und 4,ische sind fast alle zertrümmert worden. Unter dem schütze der Polizei marschierten die Nationalsozialisten den Zwetschenweg zum Südbahnhof, während ein Teil der Polizei die Straßen absperrte. Zn der Nähe des Cüd- bahnhofes kam es dann wieder zu Angriffen, worauf Steine auf die Polizei geworfen wurden und man die Polizei mit „Niederrufen" empfing. So mußte dre Polizei wiederum zur Räumung der Straßen schreiten.
' Nach Erlaß des RcichssiedlungsgeseZes (1919) war es wegen des Währungsverfalles zunächst nicht möglich, das für die Siedlung gesteckte Ziel zu erreichen. Gift nach Ueberwindung der Inflation gelang es in Preußen 1487 neue Siedlungsstellen mit insgesamt 14 453 ha. zu schaffen. Seither haben die Zahres- ergebnisse sich schnell gesteigert. 1930 brachte gut das Fünffach« von 1925, nämlich 7477 Stellen aus insgesamt 82316 ha., das bedeutet noch eine Steigerung um mehr als 50 v. H. gegenüber den Ergebnisien des Jahres 1929. Das von Geheimrat Sering s. Zt. aus- aeftellte Ziel erscheint damit nicht mehr als unerreichbar; im Jahre 1931 dürfte die von ihm geforderte Zahl von 10000 Stellen jährlich allein in den Siedlungsgebieten Preußen- schon erreicht werden.
Rundfunk
Mr bören em Freitag, den 27. Februar: Frankfurt-Sasse I:
7.15: Frühkcn^rt der Kammerbläser-Beretuiguns 6«
12.00: Schallplattenkonzert: Berbi-Opern-Szenen
14.00: Werbekonzert
15.20: Die heutige Dorfjugenö, Bortrag
15.50: Lebensstil der Jugend
16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters — MU, wirkender: Adolf Permann iBaritonl
16.10: Stunde des Buckes
18.85: Eine Viertelstunde «Deutsch
18.50: Vortrag von Dr. Carl Hagemann, Berlin: Dre >ae vanische Geisha
19.90: Aerztevortrag
19.45: Aus Freiburg: Russischer Volksliederabend mit Erläuterungen von Alexander Kresling — ,ftusfüb- rendcr: Chor des russische» Seminars an der Universität Freiburg
20.30: Renaissance, Barock, Rokoko. V. JIbenS: ®n9W«e 'Wpnfliiittitcc II* ,,9j?ttcbct6 > Jwöö'öif tll 5 »Itttw von William Shakespeare, für den Rundfunk bearbeitet von Dr. Carl Hagemann — Musikalische -.ei tuns: Emil Kahn — Spielleitung: Dr. Carl Hage mann „ ,
21.40: Neue Musik der Nationen
23.05—24.00: Tanzmusik auf Schallvlatten
Königswusterhausen: 20.40: Orgelwerke von Job Seb. Back, Prosi Fritz Heitmann lWergle-OrgeN. — 21.00: Von Köln: Simoniekonzert. K A i e n. 19.30. llebertragung auö der Staatsover Wien. — Uft.
Abendkonzert des Orchesters Adolf Panscher. London Regional: 19.40: Konzert des »auire-Oktetts.als Einlage Sovran-Soli. — 20.45: Edvard-Grieg-Konzert: Lieber für Sovran, Klavierstücke. — 22.00: Lrcheiterkonzert. -K R o m: 21.00: Bunte Unterhaltung.. — 21.35: „Easa mta , Operette bt 3 Akten von M. G. Pietri.
Erhebliche Mittel sind seit Festigung der Währung für die Si-^lung aufgewendet worden: In Preußen aus Reichskrediten 190150000 RM. und aus eigenen Mittel 272 600 000 RM. sowie durch Beteiligung an gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften 14 800 000 RM.
An der Leistung, welche die Gründung der obengenannten Anzahl von Neusiedlerstellen bedeutet, ist in erster Linie Ostpreußen beteiligt, daneben sind besonders Pommern und Schleswig-Holstein hervorgetreten.
Für die Provinz Hessen-Nassau kommt nach der hier bestehenden Besitzverteilung in erster Linie die Hebung landwirtschaftlicher Kleinbetriebe in Frage. 'Das gilt besonders für die Gebiete, in denen noch die Erbteilung herrscht. Dort wird unter Umständen das Ziel der Schaffung lebensfähiger Betriebe auch durch die Vereinigung von Zwergbetrieben zu erreichen gesucht werden müsien. Jrn Wege der Anliegerstedlung sind im Jahre 1930 insgesamt 617 hessen-nassaursche Kleinbauernstellen durch Zulegung von 392 Hektar vergrößert worden.
Für das Siedlungsbedürfnis unserer engeren Heimat kommt, da bei ver in Hessen-Nassau herrschenden
Erst um Mitternacht war alles wieder in Ruhe. Zahlreiche Verletzte waren auf beiden Seiten zu verzeichnen, welche sofortiger ärztlicher Hilfe überwiesen wurden. Ein Verletzter wurde sofort in die Klinik gebracht. Nur dem tatkräftigen Einschreiten der Polizei ist es zu verdanken, daß nicht größeres Unglück entstand.
Tot im Kanal gefunden
Seltsamer Tod einer Frau in Sinkershausen Kreis Biedenkopf.
Seit dem letzten Freitag wurde eine 36 Jahre alte Ehefrau vermißt. Da man annahm, daß sie ihr krankes Kind in einer Marburger Klinik besuchen wollte, wurden die Nachforschungen nach ihr sehr spät aufgenommen. Man fand schließlich die Frau in einer lleberführung eines Kanals, deren Deckel sie entfernt und wieder hinter sich aufgesetzt hatte. Der Tod war durch Herzschlag eingetreten. Man nimmt an, daß sie in einem Anfall geistiger Umnachtung sich das Leben genommen hat.
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