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At. 47 / Gnundzwanzigfier Jahrgang

Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch 25 Februar 1931 / 1. Beilage

Zu besichtigen: Ausstellungsräume Opernstraße 1113

OPEL-AUTOMOBIL-VERKAUF TH. VEYHL & COMP. 6. M. B. H KASSEL

Opernstraße 1113, Telefon 2973, 3972, 5372, 7159. Reparaturwerkstätten und Großgarage Schönfelderstraße 5-7. Telefon 3972

ständig anwesenden Eine Reihe Kasseler

sind eigene

trockener, kälter, mittags jedoch meist mild.

Monates Tauschnee/ Regen, Wind. Knapp

vor dem

Links: Der Raum des

klein, aber

Arztes

zweckentsprechend einge­richtet, um schnellste Hilfe leisten zu können.

Rechts: So steht der Hilfe» zug seit Jahr und Tag am Kopfgleis des Bahn« Steigs 5

tiven, fahrt friedlich an uns vorbei. Sie ist dazu be­stimmt, im Ernstfälle den Zug zu fahren und ihr Führer hat die Verpflichtung, für ständige Berert- schaft zu sorgen. Wir klettern in den besonders ge­kennzeichneten Arzt wag en. Es ist mollig warm, als wir die Tür aufmachen und in einem kleinen La­zarettabteil stehen. Federnd gehängte Betten rechts uns links zusammenlegbare Tragbahren unter der Decke, ein weißer Kasten mit der AufschriftGas­masken" in der Ecke. Alles ist peinlich sauber, wie eben fahrtbereit gemacht. Die nächste Tür führt ins Abteil des Arztes. Ein Heißwasserspeicher, ein kleiner Operationstisch, Hilfsgeräte, Schränkchen mit Ver­bandszeug u. Instrumenten, 4fache Deckenbeleuchtung über dem Operationstisch konzentriert. Ein paar Ver­ordnungen an. den Wänden unter anderem auch eine über die Mitnahme von Erfrischungen, rote es oben geschildert wurde. Ein Mannschafts- und ein Geräte wagen vervollständigen den Hilfszug. Sanitä­ter, Aufräumungs- und Aufgleisungsarbeiter müssen ja die Fahrt Mr Nnfallstelle mitmachen. Im Geräte­wagen ist alles Notwendige verstaut: Lampen, Schein­werfer, Aexte, Beile, Sägen, Hebewerkzeuge, Löfchge-

Die Stadtverordneten der NSDAP, beantragten den Magistrat zu ersuchen, seine Vertreter 'm Aus­sichtsrat der Großen Kasseler Straßenbahn dahm zu instruieren, daß der Wagenpark der Linien 2,3 und 13 der Großen Kasseler Straßenbahn erneuert wird: die Wagen sämtlich mit vollständig geschlossenen Platt­formen versehen werden, wie das bei drei Wagen der Linie 14 der Fall ist und wie es aus Rücksichten auf die Erhaltung der Gesundheit des den ganzen Tag auf der Plattform tätigen Personals, wie auch der <zahr. aaste erforderlich sei; ferner den berechtigten Besauver- den des Personals darüber, daß es auf einzelnen Li- nten wie z. B.' Linie 2, 5 und 6, keine genügenden Pausen hat, durch Einlegung von Pausen unter An- rechnuna auf die Arbeitszeit Rechnung getragen wird und daß die Löhne des Personals der bestehenden Teuerung angeglichen werden; unberechtigte llnter- sckiede in der Gehaltsstellung der aktiven Schaffner und der Wagenführer müßten beseitigt werden.

11.45 Uhr.

Ein Herr kommt atemlos. .Ah der Doktor! Bitte wir fahren sofort". Der Arzt klettert in den Wagen. Seine Blicke fliegen prüfend über die Ein­richtung über Schränke. Wandbrettchen er dreht am Wasserhahn: heißes Wasser dampft in die Schale.

11.50 Uhr.

.Strecke frei für den Kasseler Hilfszug!"

Alle fahrplanmäßigen Züge haben zurückzustehen. .Was ist denn passiert? .Ein Unglück?"

Fünfzehn Minuten nachdem die Sirene über den Kasseler Hauptbahnhof heulte, rollt der Hilfszug am Tannenwäldchen vorbei. Mit 75 Stundenkilometern schnaubt Lok 3 auf die Strecke hinaus.

Links oben: Rangier-Lok 3 ist ständig fahrbereit. Rechts: Ein Blick in den Gerätewagen des Hilfezugs.

Unten: Federnd aufge­hängte Betten im Arzt» wagen.

trotzdem einmal ein Unglücksfall ereignet, ist es oberste Pflicht, für schnellste Hilfe zu sorgen. Ohne Zeitverlust den Verunglückten Rettung zu brin­gen, die Strecke wieder frei zu machen und die Sto­rungen zu beseitigen. In allen großen Bahnhöfen steht deshalb Tag und Nacht ein Hilfs zug^zahrt- bereit, der innerhalb fünfzehn Minuten dte ^Station vollausaerüstet verlassen kann. Der Kasseler Htlzszuq führt 'Gott sei Dank, ein Dasein im Verborgenen. In den letzten dreizehn Jahren ist er nicht ein ein» zlges Mal in Aktion getreten, nur die alljährlich zweimal stattftndenden Probe-Alarme sahen ihn aus offener Strecke.

Auf dem mittleren Kopfgleis des Bahnsteigs a stehen die drei oder vier Wagen. Dampf zerslattert über ihnen. Sie sind an die Vorheizungsanlagen an­geschlossen. Tag unv Rächt gut durchwärmt. Jeder­zeit abfahrtbereit. Lok 3, eine der Rangier-Lokomo-

Safeth first Sicherheit über alles! ist auch das Losungswort der Reichsbahn. ' Hat sich aber

astronomischen Frühlingsbeginn warmer, Früh- lingswetter, aber nicht von langer Dauer. Scho« um den 25. herum wieder Verschlechterung. Die letzte« Monatstage Temperaturrückgang, unfreundlich.

5 11.35 Uhr.

' Lok 3 rangiert eben den Wolfhager Zug in den Bahnsteig des Kasseler Hauptbahnhofs. Die Bremsen quietschen, dann schnauft die große Rangierlokomo­tive wieder ins Gewirr der Geleise hinaus. _ Da dringt ein fremder Ton durch den alltäglichen Lärm. Eine Sirene heult schneidend, durchdringend. Lot 3 hält an. Dampf stiebt aus allen Ventilen, eine schwarze Rauchwolke jagt sekundenlang aus dem Schornstein das Geklapper stellender Weichen er­tönt, die das Befehlsstellwerk, das draußen wie em lauerndes Tier auf hohen Stelzenbeinen über dea gleißenden Schienensträngen hockt, bedient.

Im Maschinenhaus heult die gleiche Sirene. Männer verlassen ihren Arbeitsplatz. Sanitäter greifen zur Mütze, verstauen blitzschnell ihre Aus­rüstung.

In der Bahnhofswirtschaft erscheint ein Beamter. Hastig fordert er seltsame Dinge: ein Pfund Zucker, ein Pfund Schokolade zwei halbe Flaschen Cog- nak, ackt Flaschen Selters, eine Flasche franzostsche« Rotwein und einen Eimer E i s.

i 11.40 Uhr.

' Durch die Sperre rennt bet Beamte mit seiner kostbaren Last. Am Kopf des Bahnsteigs schnaubt Lok 3. Sanitäter, Arbeiter, Bahnbeamte besteigen eben einen kurzen Zug, vor den sich die Rangierloko­motive gesetzt hat. Der nette Lokführer prüft die Ma­schine. Der Kollege vom Rangierdienst hat seine In­struktionen prompt eifüttt. Trotz dauernden Dienstes jst die Maschine fertig für große Fahrt.

Wohin gehen wir am DimnerStag?

Staatstheater:Dolpone", 19.30 Uhr.

Kleines Theater:sttt das nicht nett von Colette? , X Uhr Stadtpark: Kaffee-Konzert, 16 Uhr.

Palast-Theater: Greta Garbo in ihrent toten Mivh-Ton- ttlmAnna Cbristie". ___

Capitol-Tbeater.1914",Dte lebten Tagt vor bent Seit« brand". .

Usa-Tbeater:Der Mann, der setnen Mörder sucht-.

Stadtdallen-Reftauraut: Kaffee-Konzert.

Hesseulaud-Perle: Kabarett / Tanz, 16 anb 20 Ubr.

Garnisoukir-de:Wider das Ovmm der Religion , « Mr.

Hesstsckes Landesmusru«:Materialtstuche und tdealiftrsche Geschichtsausfassung", 20 Uta.

Gvau«. BereiuSbaus (ar. Saal): FilmvorführungBilan­zen und Tiere als Helfer des kranken Menschen, 20 Uhr

Landesbibliothek IKriedrichsvlab): Oeisentlichtr Sorttat überGemütskrankheitert", 20 Uhr.

(«mm. Bereinshans: Wafchvorführungert, 15.90 und 17.86.

Heute, Mittwoch.

Heffenland-Perle: Kinderkostümfeft mit Brämiiernng. Garnisonkirche:Christentum und Volkstum". 20 Uhr. Evang. Bereinshans: Waichvorsuhrungen, la.30 unö 17.30. Bürgersäle. Experirnental-Bortrag mit Filmvonührung, 20 Uhr.

flclsflt. .

Genau so präzis wie diese technische ist auch die Organisation des Hilfspersonals. Die besonders aus- gewählten Leute arbeiten im Maschinenhaus und sind auf Sirenenruf ebenso wie die ständig anwesenden Sanitäter sofort zur Stelle. Eine Reihe Kasseler Aerzte ist zur Hilfeleistung verpflichiet und wtrd bet Eintreffen der ersten Zuganforderung sofort benach- rickuigt Alles ist getan, um eie knappe Zett von lo Minuten einzuhalten. Tie Hilfe mutz schnell kommen. Vorgesehen ist nutzer diesem auch noch ein Hü,s- Nachzuq, aus einigen Personenwagen 2. Klasse be­stehend, uns ein Wagen mit Drehgestellen, der aus Ansorverung ebenfalls sofort fahr: deren ist. Für Un­fälle bei denen keinerlei Menschenleben ge,ahrdet sind, kann auch der Gerätewagen allem an die Unwll- stelle beordert werden, der innerhalb dreißig Tctnuten feen Bahnhof verlässt. . ..

Wenn auch niemand, unfe am allerwenigsten feie Reichsbahn, wünscht, featz dieser Hilfszug i«nal3 tn Aktion zu treten braucht, wird der Reisende von sei­nem Vorhandensein doch mit gewisser Erleichterung Kenntnis nehmen. Soweit sich der Hilfsdienst bet Eisenbahnunfällen überhaupt vorher oraantfteren läßt, ist es hier geschchen. Und feoch hofft jetier, feap feiefe Organisation niemals ihre Funktion im ^Ernst­fall unter Beweis die Sicherheit!

Achtung! Strecke frei für den Kasseler Hilfözug!

Oie Organisation des Hilfsdienstes bei Eisenbahn-Llnfällen / Ein Gang durch den Hilfszug im Kasseler Hauptbahnhof.

rate, Autogene Schweißanlagen, Böcke und Klö^e. Alles sauber geordnet und baudlich bereitgestellt. och Mannschaftsabteil ein großer, runder Cfeit und ein Gasbrenner. Alles sieht aus, als fei es eben zurecht-

®te wird das Märzwetter? Schäfflers Wetter- Vorhersage stellt dem März 1931 folgende Prognose: Zu Beginn des Monats nicht ungünstig. Aber dal» tritt ein Umschwung ein zu veränderlichem un­freundlichen Wetter, mit Regen, Tauschuee und heftigen Winden. Um den 10. wieder Lesser trockener, kälter, mittags fedoch meist mild. Mitte des

stellen mutz. lieber alle- . . .

Ed. Schulz=Keffet.

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