Einzelpreis 20 Pfennig
v.niaeipre«» «tv Pfennig
Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
«meisrnvnNe: ®eWft8. unk Kcimllien-Anzelgin 6te 30 hm . Seife II Mennla. Klein« Anzeige« rmS Kassel das Wort 7 J, AuSwarttge Kleine Anzeigen ite 80 mm breite Zeile 1! / Anzeigen iw fReflameteil Me 78 mm breite Zeile 4a Ä. Cffertgebitbr 2o Ä «bei Zustellung 85 4). — Für das Erscheinen von Anzeige» in bestimmten Ausgaben, an besonderen Platzen und für televbonisch erteilte Auftrage keine Gewähr. Rech, nungsbetrage innerhalb von o Tage» zahlbar. Genchrsuand Kassel. — Postscheckkonto Frankfurt a. M. 6380.
Kasseler Abendzeitung
fienuns8ae6u6r. In Fallen von höherer Gewalt be itebt kein Ansvruch auf Lieferung der Zeitung oder aus Rückzahlung beS Bcjugsvreises Verlag. Lchrisileitung und Druckerei: Kölnische Strotze 10. — Televhon: Sammelnummer 6800. Juristische Svrechsrunöe leden Dienstag von 5 bis 7 Uhr Kölnische Strotze Nr. 10.
Nummer 44*
Sonnabend/Gonntag, 21./22. Febmar 1931
21. Jahrgang
Schweres Bergwerksunglück bei Eschweiler
örtliche Schlagwetterexplosion / Attentat gegen den albanischen König vor der Wiener Oper / Französische Zugeständnisse in der Flottenfrage?
14 Tote, 43 Vermißte
Eigener Drahtbertcht.
Methode Bülow
Aach««, 21. Februar.
Sonnabend morgen um 7.30 Uhr hat sich aus Grube Eschweiler - Reserve i« Nothberg aus der 600 Meter-Sohle in der dritten Abteilung des Südflügels eine örtliche Schlagwetter - Explosion ereignet. Betroffen find vier vor drei Revieren mit insgesamt 80 Man« Belegschaft. Nach den bisherigen Nachrichten ist der llnglücksherd begrenzt geblieben. Die Rettungsmannschaften aus den Nachbar- grubcn find sofort eingesetzt worden. Bisher find drei Tote und 4 Schwerverletzte geborgen. i
*
Köln, 21. Februar. Wie der Eschweiler Bergwerks- I verein zu der Schlagwetterexplosion auf Grube Reserve mitteilt, steht bis 10,35 Uhr fest, daß das Unglück 14 Tote und vier Verletzte als Opfer gefordert hat. Dreizehn Bergleute find noch ein geschlossen. Der Rest ist ausgefahren.
Französisch-italienische
Ilottenverständr'gung?
Paris, 21. Februar.
Dem Direktor des Foreign Office C r a i g i e soll «Sgelungen sein, die französische Regierung zu gewissen Zugeständnissen in der französtsch- ilalieuischen Flottenfrage zu bewegen. Frankreich soll sich zunächst einmal bereit erklärt haben, sein bis 1942 aufgestellten Flottenbauprogramm um 40 000 Tonnen zu verringern, wenn sich England damit einverstanden erllärt, daß eine Ueber- tragung der Unterseebootstonnage aus die Torpedobootstonnage durchgeführt werden wird.
Craigie, der behauptet, den Standpunkt Mussolinis genau zu kennen, hat versichert, daß auf dieser Grundlage auch eine französisch-italienische Verständigung möglich sei. Frankreich und Jtlttien würden ihre Programme bis zum Jahre 1936 (Ablauf des Londoner Dreimächte-Aükommens) abgleichen, so daß Frankreich von diesem Zeitpunkt an nur noch über 167 000 Tonne« mehr verfüge als Italien.
Erhöhung
des französischen Militärbudgets
Paris, 21. Februar.
Der von dem Abgeordneten Bouilloux-Lafont (radikale Linke) ausgearbeitete Bericht über das Budget des Kriegsministeriums für das nächste Finanzjahr ist in der Kammer verteilt worden. Nach diesem Bericht ergibt sich, daß die Militärausgaben Frankreichs einschließlich der Militärausgaben für die Kolonie sich auf 6459 Millionen Francs belaufen, was eine Erhöhung um76Millionen Francs gegenüber dem laufenden Finanzjahr gleichkommt.
Der Berichterstatter vergleicht diese Ausgaben mit den Militärausgaben deS Jahres 1914, die sich ans 1435 Millionen Goldfrancs beliefen, und kommt aus Grund der Entwertung des Francs zu der Feststellung, daß die gegenwärtigen Militärausgaben Frankreichs um 25 Prozent geringer als vor dem Kriege seien, während die Militäraus-
Wien, 21. Februar.
Nach Schluß der gestrigen Vorstellung in der Staatsoper wurden vor dem Lperngebäude von zwei elegant gekleideten jungen Männern aus ein Auto, in dem sich der persönliche Adjutant des albanischen Königs Zogu, Major Llesch To- p o l l a j und der Hofminister L i b s h o v a befanden, mehrere Revolverschüffe abgegeben. Der Anschlag hat offenbar dem König selbst, der gleichfalls die Oper besucht hatte, und im Begriff stand, mit seinem Auto fortzufahren, gegolten. Der A d j u t a n t fiel f o f o r t 1 o t in den Sitz zurück, während der zweite Beamte, obwohl verletzt, einen Revolver ziehen und auf einen der Täter mehrere Schüsse abgeben konnte, ohne ihn jedoch zu treffen. Dieser Täter wurde vom Publikum sofort sestgenommen und der Polizei übergeben. Der zweite versuchte zu fliehen, wurde aber eingeholt und ebenfalls feftgenommen. Außer ihnen wurden noch zwei weitere Albanier verhaftet,
gaben der Vereinigten Staaten um 86 Prozent und die Japans um 48 Prozent gestiegen seien.
Der Berichterstatter erwähnt auch die Ausgaben für die deutsche Reichswehr, die sich auf mehr als drei Milliarden Francs beliefen, und in denen noch nicht einmal die Kosten für die Schutzpolizei, noch für die mit Kriegsgewehren ausgestatteten 20 000 Zollbeamten enthalten feien. Nach dem von Havas verbreiteten Auszuge aus dem Bericht wird aber nichts davon gesagt, daß das deutsche Heer kein Volksheer, sondern nur ein Berufsheer ist, das viel größere Ausgaben erfordert.
politische Zwischenfalls und kein Ende
Berlin, 21. Februar.
In einem Lokal in S i e m e n s st ad t fand gestern abend ein öffentlicher Sprechabend der Nationalsozialisten statt, der von Kommuni- st e n gestört wurde. Es kam zu einer Schlägerei. Polizei konnte jedoch die Streitenden bald voneinander trennen. Vier Kommunisten wurden zwangsge- stellt, einer von ihnen war im Besitz eines Dolches. Nach Beendigung des Sprechabends wurde ein 26- jähriger Nationalsozialist auf dem Heimweg von mehreren politischen Gegnern überfallen und durch zwei Messerstiche schwer verletzt. Die Täter sind unerkannt entkommen.
th Berlin, 21. Februar.
Nachdem gestern die Kabinettsberatungen über die Agrarvorlagen ausgesetzt werden mutzten, weil der Reichskanzler leicht erkrankt war, werden die Verhandlungen heute vormittag fortgesetzt werden, nachdem Dr. Brüning sich von diesem Anfall wieder erholt hat. Es ist allerdings nach wie vor sehr zweifelhaft, datz man heute zu einer endgültigen Beschlußfassung über die Agrarvorlage gelangen wird, da die Gegensätze innerhalb des Kabinetts über die heiß umstrittene Frage der Erhöhung des Butterzolls und der Holzzölle unvermindert fort- b e st e h e n. Man spricht davon, datz insbesondere der Reichsarbeitsminister Stegerwald in seinem Widerstand gegen die Vorschläge Schieles soweit gegangen sei, daß er mit seinem Rücktritt drohte.
Daran ist unbedingt soviel richtig, datz sowohl Stegerwald und Trendelenburg als auch bis zu einem gewissen Grage der Finanzminister Dr. Dietrich sich unter keinen Umständen mit den Vorschlägen des Ernährungsministers Schiele in ihrem vollen Umfange abfinden werden.
Gestern haben lediglich Ressortbesprechungen stattgefunden, in denen mit Vertretern der Land-
die an dem Attentat beteiligt fein sollen. Ihre Identität konnte noch nicht festgestellt werden. Es handelt sich zweifellos um albanische Emigranten.
Der Hofminister Libshova erhielt einen Steckschuß ins Bein und wurde, nachdem man ihn verbunden hatte, in ein Sanatorium gebracht.
König Zogu ging nach dem Attentat in das Operngebäude zurück und begab sich erst später in sein Hotel.
Vizekanzler Schober suchte noch spätabends den König im Hotel auf, um ihm das Bedauern der Regierung über das Attentat auszusprechen.
♦
Zu dem Mordanschlag auf König Zogu von Albanien wird noch bekannt, daß der verhaftete Attentäter der Artilleriehauptmann A g i s k a m i ist, der zweite Attentäter der Student G j e l o s s i, der ebenfalls albanischer Offizier gewesen sein soll.
W. ?. Ms vor einigen Tagen die Reichstagsmehr- heit die Regierung aufforderte, energisch aus die Einsetzung eines internationalen Untersuchungsausschusses zur Klärung der Kriegsschuldfrage hinzuwirken, ist von verschiedenen Seiten die Ansicht vertreten worden, Daß man diesen Antrag an einem wenn glücklich gewählten Zeitpunkt ei* ebracht habe. Sicherlich sind auch diese Krittler von der Notwendigkeit überzeugt, das Schuldig, das die Väter des Versailler Vertrages, Richter und Angeklagte zugleich, gegen das deutsche Volk ausgesprochen hatten, zu revidieren. Was ihre Bedenken weckte, dürfte neben allgemeinen taktischen Erwägungen vor allem der Gedanke an die bevorstehende Veröffentlichung des dritten Bandes der Bülow scheu M e mo i r e n gewesen sein, von dessen Darstellung der entscheidenden Vorgänge int Juli des Jahres 1914 durch die Vorabdrucke in der Presse bereits manches Unerfreuliche bekannt geworden war. Das Buch ist inzwischen der Oesfcntlichkeit übergeben worden, und die Frage, ob die Bü'lowschen Ausführungen die Thesen, die von der deutschen Kriegsschuldsorschung mit guten Gründen verfochten wurden, zu erschüttern vermögen, steht zur Debatte. Und die Antwort? Nach der Lektüre des dritten Bandes glauben wir, daß sie am besten in den Sätzen formuliert ist, in die der Berliner Hi- storiker Paul Herre fein Urteil über die beiden ersten Bände gefaßt hat: „Schon hat sich . . . die Gegenseite des Erzeugnisses hemmungsloser Rachgier zu erneuter Beschuldigung Deutschlands bemächtigt. Haven wir diese Offensive ernstlich zu fürchten? Nein. Ihre Wirkungen können nur ganz vorübergehender und lokaler Art sein, denn die neuen Angriffe sind als propagandistische Akttonen im Stile der Fälschung des Potsdamer Kronrats zu warten, für deren Durchschlagskraft heute doch im Schoß der Nationen die Voraussetzungen fehlen." Und gerade wenn man dieses Urteil unterschreibt, wird
Wirtschaft und Industrie über die Frage der sogenannten Selbsthilfe der Landwirtschaft, insbesondere über die Standardisierung und die Hebung des Absatzes der landwirtschaftlichen Produktion geführt worden sind.
In den Dispositwnen über die weiteren Arbeiten des Reichstages werden wahrscheinlich einige Aende- rungen eintreten. Der Stil des Ernährungs- ministers wird wah-tcheinlich zunächst zurückgestellt werden. Man wird voraussichtlich erst einmal den Etat des Innenministers behandeln.
Die Annahme, daß die Deutschnationalen zur Bearbeitung des Etats des Ernährungsministers wieder in das Plenum W Reichstages zurückkehren würden, scheint sich nicht zu bestätigen. Vielmehr hört man aus deutschnationalen Kreisen, daß die Fraktion möglicherweise während der gesamten zweiten Lesung des Etats dem Hause fern bleiben wird, und daß sie sich erst vor der dritten Lesung darüber schlüssig werden will, ob sie wieder an den Beratungen des Plenums teilnimmt.
In den Kreisen der Mittelparteien hat sich angesichts dieser Sachlage der Wunsch geltend gemacht, eine Abkürzung der Etatsdebatte herbeizusühren. Di« Befchlüsse, die der Reichstag zum Etat fassen wird, stehen ohnehin ziemlich fest. Infolgedessen könnte man erheblich Zeit sparen, und die Abgeordneten der Regierungsparteien möchten offenbar diese Zett benutzen, um in der gleichen Weife, wie es gegenwärtig die Abgeordneten der Rechtsopposttion tun, im Lande draußen mit ihrer Wählerschaft Fühlung zu nehmen. Man ist sich auch in Regicrungskreisen allmählich klar geworden, datz angesichts der jetzigen Situation, an der die Rechts-Opposition das Kampffeld vom Reichstag nach draußen verlegt hat, eine starke Propaganda der Regierung und der Regierungsparteien notwendig geworden ist.
Stinkbomben im Kino
Berlin, 21. Februar.
Zm Lichtspieltheater Colosseum, Schönhauser Allee, Ecke Kleinstraße, läuft zur Zeit, wie in anderen Theatern, „Das Flötenkonzert von Sanssouci". Gegen Abend sammelten sich gestern viele, meist jugendliche Personen vor dem Theater an. Gegen 7% Uhr war die Menschenmenge aus etwa 2000 Köpfe angewachsen. Die Polizei mutzte wiederholt gegen die Menge vorgehen, da sie versuchte, in das Kino einzudringen. Gegen den Eingang des Theaters wurden Eier geworfen, und man hörte Rieder-Ruse auf den Film. Im Kino selbst herrschte bis gegen 9 Uhr abends Ruhe. Dann setzten auch da Störungen ein. Die Vorführung wurde durch Zwischenrufe unterbrochen, und schließlich warfen einige Personen Stinkbombe«.
man den neuen Vorstoß des Reichstages in der Kriegsschubdsrage begrüßen müssen, weil er Zeugnis ablegt von 6em guten Gewissen des deutschen Volles, das durch nichts erschüttert werden kann.
♦
Memoiren enthalten niemals die hundertprozentig« Wahrheit; unbedingt zuverlässig sind sie nur in der Hinsicht, daß sie den Charakter des Memo- irenschreibers schonungslos enthüllen. Diese allgemeinen Bemerkungen auf den Fall Bülow angewendet wird man allerdings mit der Gräfin Somssich sagen müssen, daß der Fürst außerordentlich klug und vorsichtig gehandelt hat, indem er seine Denkwürdigkeiten nicht schon zu Lebzeiten der Oeffentlichkeit unterbreitete. Die Situation, in die er, der „große" Diplomat und Psychologe, sich sonst hineinoperiert hätte, wäre außerordentlich peinlich gewesen. Bülow hat seine Memoiren, wie man mit Recht behauptet hat, „in suam glomm" geschrieben, und da dieser „e ig'ene Ruhm" offenbar seiner eigenen Ueberzeugung nach es nötig hatte, auf Neuglanz aufpoliert zu werden, hat er sich dieser Aufgabe mit Hingebung und Raffiniertheit gewidmet. Mit einer Raf- fineffe, die freilich, wie alles, was nach Absicht schmeckt, abstoßend wirkt.
Die drei Bände, die die polittschen Erinnerungen des Fürsten enthalten, liegen jetzt abgeschlossen vor, und man erkennt nun in aller Deutlichkeit die Methoden, nach denen dieses Panegyrikon gearbeitet ist. Um jeden Preis soll die Vorstellung geweckt werden, daß Bülows verantwortliche Tätigkeit, wie es in dem Einleimngskapi- tel des neuen Bandes heißt, „während eines bewegten, bisweilen stürmisch bewegten Jahrzehnts" Deutschland vor Schaden 'bewahrt, seinen Wohlstand gefördert und seine Machtstellung erweitert und befestigt habe. Ungewollt oder, was wahrscheinlicher ist, gewollt, wird in die Bülowschen Maßnahmen, die zur Marokko-, zur FlotteNhgu- oder zur bosnischen Frage getroffen wurden, nachträglich soviel politische Voraussicht hineingedeutet, wie diese Maßnahmen in Wirklichkeit niemals bewiesen haben. Verschwiegen aber wird alles, was die Bilanz der Bülowschen Politik belasten könnte, und das ist immerhin nicht wenig, denn schließlich hat sich doch während der Bülowschen Kanzlerschaft der Zusammenschluß der Feindbundmächte vollzogen, und nicht zuletzt hat gerade Bülow während der bosnischen Krise, wie Herre mit Recht betont, „Oesterreichs vor- stotzende Politik auf dem Balkan" gefördert. Ein« Politik, die er sich selbst als Verdienst, seinen Nachfolgern aber als Todsünde anrechnet! Aus diese Nachfolger überhaupt, auf B e t h m a n n, die lang« „Unzulänglichkeit" u. aus Jagow türmt Bülow alle Schuld. Sein schlechtes Gewissen, die Furcht um feinen Ruhm treibt ihn dazu, und man spürt geradezu in manchen Aeutzerungen dieses neuen Bandes, etwa in den Darlegungen über die Daily Telegraph- Asfäre oder in dem Schreiben an Belhmann nach der Rückkehr aus Rom, daß und wie stark ihn das Gefühl der Unvollkommenheit der eigenen Tätigkeit quält. Er braucht diese Schuldigen, um sich selbst von allen Mißerfolgen freizusprechen, und mit Leidenschaft setzt er das „Gemetzel" unter seinen Gegnern, das er in den ersten «beiden Bänden begonnen hatte, fort.
„Die Leiter der deutschen Politik im Sommer 1914, das kann nicht oft genug wiederholt werden, waren keine wüsten Raufbolde, keine tückischen Brandstifter. Sie waren Stümper". Mit diesem Satze, der in vielen, nicht minder taktlosen Variationen wiederkehri, ist Bülows Urteil über die deutsche Politik im Juli und August 1914 am deutlichsten ausgesprochen. Den Vorwurf, daß die deutschen Staatsmänner den Krieg gewollt hätten, wird also auch der unentwegteste, ausländische Anhänger des Versailler Tchuldpara- gtapheu nicht aus den Memoiren des Fürsten her- leiten können. Im Gegenteil führt Bülow zahlreiche Zeugnisse an, die erkennen lassen, wie wenig die verantwortlichen Berliner Stellen an Krieg und Eroberungen dachten. Nach dem Kriegsausbruch sucht Bülow seinen Nachfolger Bethmann-Hollwge im Reichskanzlerpalais auf: „Wir schwiegen beide. Dann frug ich ihn: „Nun sagen Sie mir bloß, wie ist dies alles gekommen?" Bethmann hob seine langen Arme gen Himmel, dann antwortete er mit dumpfer Stimme. „Ia wer das wüßte!" Bei den Diskussionen über die Schuldfrage habe ich bisweilen bedauert, daß nicht eine Momentaufnahme des deutschen Kriegskanzlers vom Sommer 1914 gemacht wurde, in dem er so zu mir sprach Ein solches Bild würde den besten Beweis dafür liefern, daß dieser unglückselige Mann den Krieg nicht gewollt hat." Beweiskräftiger noch als diese in Bülowscher Manier feuilletonistisch ausgeschmückte Schilderung ist der Hinweis auf die Tatsache, daß Bethmann trotz Delbrücks Anraten rechtzeitige Getreidankäufe in Holland und sonstige wirtschaftliche Kriegsvorbereitungen mit der gleichen Sorglosigkeit ablehnte, mit der der Kaiser in einem Augenblick, in dem die Situation schon kritisch zu werden begann, den Kriegsminister ohne militärische Aufträge entließ und ihm nur einen „vergnügten Sommer" wünschte. Und Moltke schließlich beklagt sich in einem Brief an den Fürsten bitter über die unzulängliche Vorbereitung des Krieges: „Wir wollten ihn (den Krieg) ntcht haben, wir wollten ihn nicht borbereiten, wir wollten ihn nur verhindern". Auch diese Klage spricht von allem anderen als vonKrieas- lust und Kriegsbereitschaft . . .
Was Bülow also hei seinen Nachfolgern in Zwei»
Attentat auf König Zogu
Dor der Wiener Oper / Oer Adjutant erschossen
Abkürzung der Etatsdebatie?
Agrarfragen bereiten dem Kabinett immer noch Gorgen