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Nummer 39*

Montag, 16. Februar 1931

21. Jahrgang

Kasseler Abendzeitung

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Kasseler Neueste NachMen

König Alfons kämpft um feine Krone

Oie spanische Regierung?- und Staatskrise / Agrarfragen vor dem Reichskabinett / Oie Taktik der Oeutfchnationalen / Millionenschäden in Neuseeland

Monarchistische Linksregierung?

Eigener Drahtbericht.

Madrid, 16. Februar.

Nachdem General Berenguer verdientermaßen das Opfer seiner schwankenden Politik geworden ist und mit seinem Kabinett zurückgetreten ist, liegt a u f den Schultern König Alfons XIII. unmittel­bar die schwere Last der Entscheidung über sein und seines Landes Schicksal. Auch über sein Schicksal denn von der Entscheidung, die er trifft, wird es abhängen, ob die Dynastie Habsburg- Bourbon auf dem spanischen Königsthron bleiben wird oder nicht.

Bei der nicht zu bezweifelnden Beliebtheit des Königs als Mensch darf man annehmen, daß es ihm jetzt in 12. Stunde noch möglich sein könnte, die be­gangenen Fehler wieder gutzumachen. Daß solche Fehler vorliegen, daß er unter Umständen per­sönliche Verantwortung für derartige Fehler würde zugeben müssen, ist kein Geheimnis. Sind doch die näheren Umstände, die zu dem Staatsstreich Primo de Riveras im September 1923 führten, niemals geklärt und ihre Klärung auf eine Weise verhindert worden, die nur dadurch begreiflich wurde, daß Prim» de Riveras sich verpflichtet fühlte, seinen Herrn und König persönlich zu schützen. Die Katastrophe von Monte Arruit im Jahre 1921, die schlimmste Kata­strophe des bösen spanischen Marokkoabenteuers, scheint tatsächlich durch eine persönliche Einmischung des Königs in den Oeberbefehl herbeigeführt worden zu sein. Andere haben dafür büßen müssen. Das Volk, das damals zehntausend Soldaten von den Riskabylen hingemordet sah, hat dieses Unglück nie vergessen, aber auch nicht begriffen, warum man ihm die Aufklärung für diese unbegreifliche Katastrophe vorenthalten hat.

Des Königs weitere und vielleicht schwerwiegende Fehler waren, die Politik des Generals Berenguer nicht entschiedener beein­flußt zu haben. Vor einem oder auch noch einem halben Jahre hätte Primo de Riveras Nachfolger die politische Entwicklung wahrscheinlich in aller Ruhe zu verfassungsmäßigen Zuständen und unter voller Integrität der königlichen Rechte zurückführen kön­nen. Jetzt ist er nicht zurückgetreten, sondern von der großen Mehrheit des Volkes verworfen worden, weil er ein Ziel vortäuschte, an dessen Erreichung ihm wie sich inzwischen herausgestellt hat nicht das ge­ringste gelegen war. Die Wirkungen dieser ewig schwankenden und die Wiederherstellung normaler Zustände immer wieder hinausschiebenden Politik haben sich schließlich mit so niederdrückender Härte auch in der spanischen Wirtschaft zu erken­nen gegeben, daß selbst weite Kreise, die alles andere als antimonarchistisch gesinnt waren, zu der Erkennt­nis gekommen sind, daß dieses System für Spanien verhängnisvoll werden müsse und daß seine Beseiti­gung schließlich auch um den Preis der Monarchie zu fordern sei.

Noch ist das Schicksal der Dynastie kei­neswegs besiegelt, aber zu retten scheint sie

Beuthen sOberschlcfienf, 16. Februar.

Die Tatsache, daß gewisse polnisch« Kreise sich nicht scheuen, auch die Kirch« zu national-politischen Zwecken zu mißbrauchen, erhellt ein von den Blätter« veröf­fentlichtes Schreiben des Pfarrers der Beuthener Kirche St. Marien an den polnischen Generalkonsul in Beuthen, Mal Homme.

Dieses Schreiben wendet sich energisch gegen einen Bericht der polnischen ZeitungKatolik Cod- z i e n n y " über eine heilige Messe in St. Marien am Dienstag den 27. Januar, in dem es hieß: Der Diens­tag-Gottesdienst war eine stille Manifestation der gan­zen polnischen Bevölkerung, die die Beuthener Erde als das herzteureErbeihrerVorsah- re« bewohnt. Möge der Dienstag-Gottesdienst beim Thron des Allerhöchsten für den polnisch:« Staatsprä­sidenten, Ignaz Mosciecki, die größte Gnad« Gottes erbitten, damit er seine Regierung über ganz Polen zur Ehre Gottes und zum Nutzen des Vaterlandes und des Volkes ausübt.

Der Pfarrer von St. Marien in Beuthen betont nun in dem eingangs erwähnten Schreiben a« Mal- bommc, daß dieser am 26. Jauner eine heilige Messe zum heiligen Ignatius bestellt habe, nicht aber, wie

im gegenwärtigen Augenblick nur dadurch, daß der König ohne jeden Hintergedanken und vorbehaltlos den Männern freien Weg gibt, die sich jetzt an die Spitze der Accion Republicana gestellt haben und die teilweise schon einmal unter glücklicheren Umstän­den seine Mitarbeiter waren.

Beratungen im königlichen Palais

Madrid, 16. Februar.

Bei den Beratungen, die der König am Sonntag mit den Führern der Politiker hatte, wurde vorge­schlagen, eine ausgesprochen monarchistisch ge­richtete Linksregierung zu bilden, in der die Konstitutionalisten unter Älvarez die Führung haben sollen. Die Entscheidung des Königs wird am heutigen Montag erwartet. Die Wiedereinführung der Diktatur gilt als wenig wahr­scheinlich.

Sämtliche Regimentskommandeure hiel­ten a«t Sonntag in Madrid eine Versammluno ab, in der beschlossen wurde, sich nicht in die politische Entwicklung einzumischen, vor allem aber etwaige Diktaturabsichten nicht zu unterstützen.

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lieber die Haltung verschiedener prominenter ira­nischer Politiker geben folgende Meldungen Aus­kunft:

Paris, 16. Februar. Ein Sonderberichterstatter desJournal" hat in Madrid den im Gefängnis be­findlichen republikanischen Führer Za- m o r r a interviewt. Er fragte Zamorra, was er

th. Berlin, 16. Februar.

Während der Reichstag mit Rücksicht auf den Fast­nachtsdienstag drei Tage Pause macht, da die Abge­ordneten aus dem Rheinlande und Süddeutschland unter keinen Umständen dazu zu bewegen wären, in diesen Tagen Sitzungen abzuhalten, und während in­folgedessen die Etat-Debatte erst am Dienstag fort­gesetzt werden kann, ist das Reichskabinett eifrig an der Arbeit, die Vorbereitung der gesetzgeberischen Ar­beiten weiter zu fördern.

Nachdem am Sonnabend der so lange umstrittene Entwurf der Osthilfe endgültig vom Kabinett ver­abschiedet und den gesetzgebenden Körperschaften zuge­leitet (siehe Seite 2!) worden ist, werden voraussicht­lich am morgigen Dienstag in einer weiteren Ka­binettssitzung Beschlüsse über die Agrar- vorlagen gefaßt werden, über deren Inhalt vor einiger Zeit das Wichtigste berichtet wurde. Es han­delt sich vor allem um die Frage der sogenannten landwirtschaftlichen Veredelungszölle, die der Reichsernährungsminister gefordert hat, die aber den Gegenstand lebhaftester Streitigkeiten zwischen der Landwirtschaft und der In­dustrie bilden. Es sind bereits mehrere scharfe

di« polnisch« Zeitung gemeldet habe, auf die Inten­tion des polnischen Staatspräsidenten. Die Annahme diefer Eiligen Messe habe et, der Pfarrer genehmigt, in der bestimmten Meinung, daß der Eeneralkonsul mit so heiligen Dingen keinen politischen Zweck ver­binde. Die zu mehr als 85 Prozent deutsch gesinnte Be­völkerung von Beuthen fei erklärungsweise über einen solchen Mißbrauch der Kirche zu einem na­tional-politisch en Zweck entrüstet. Der Pfar­rer sagt zum Schluß seines Schreibens, daß et in Zu­kunft mit aller Entschiedenheit eine Ausnutzung der Kirche zu solchen Zweckeu verhindern werde.

Kür 200 Millionen Gebäudeschaden

im neuseeländischen Erdbebengebiet.

London, 16. Februar.

Eine Tagung von Architekten und Bauleuten aus Wellington (Neuseeland) schätzt den Erdbeben- schade« an Wohn- und Eeschäftsliäusern in Hastings und Napier auf ca. 200 Millionen Reichs- mark. In dieser Summe sei der Schad«« an Vorräten aller Art, Möbel, Maschine» usw. nicht enthalte».

über den Vorschlag Combos, eine Linksregierung zu bilden, denke. Zamorra antwortete, eine Links- regierung unter Alfons XIII. wäre eine Maskerade. Wenn man ein Kabinett der nationalen Einigung in Spanien zu bilden versuchen würde, würde er sich weigern, sich ihm anzuschließen. Der König, so schloß Zamorra, wolle eine Krise, bei der es sich um die Siaatssorm handele, wie eine ein­fach« Regierungskrise lösen.

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Paris, 16. Februar. Der in Paris ansässige spa­nische Politiker Santiago Alba, der ausgefordert worden ist, nach Madrid zurüzukehren, um die Bil­dung des Kabinetts zu übernehmen, hat gestern abend einem Vertreter der Agentur Havas mitgeteilt, er werde, heute eine Unterredung mit dem spanischen Botschafter in Paris Quino.nes de Leon, haben und dann der Press« Erklärungen übermitteln. In Beantwortung einer Frage betonte Santiago Alba, es sei dringend notwendig, den König auf die Aen- derungen aufmerksam zu machen, die in der traditionellen Politik der spanischen Monarchie vorgenommen werden müßten.

Arbeitersyndikate gegen Diktatur

Paris, 16. Februar.

Die spanische Arbeitervereinigung veranstaltete am Sonntag in Barcelona eine Kundge­bung, auf der beschlossen wurde, von der Regierung die Anerkennung der Syndikate, die Aufhebung des wäh­rend der Diktatur aufgestellten Strafgesetzbuches und die Befreiung sämtlicher politischer Gefangenen zu ver­langen.

Weiter wurde erklärt, daß eine Wiederherstellung der Diktatur auf den geschlossenen Widerstand der Ar- beitersyndikate fwßen würde. Falls das Verbot der Syndikate innerhalb 72 Stunden nicht aufgehoben würde, würde di« Organisation selbständig handeln.

Erklärungen und Gegenerklärungen der interessierten Verbände der Landwirtschaft und der Industrie über diese Frage veröffentlicht worden, und deshalb wird die Beschlußfassung über diesen Gegenstand voraussichtlich sehr schwierig werden.

Breitscheid gegen Blankovollmacht

ließet die weiteren Aussichten der parlamentari­schen Lage äußerte sich der Vorsitzende der sozialdemo­kratischen Reichstagsfraktion, Dr. Breitscheid, in sei­ner üblichen Zuschrift an dieWelt am Montag" heute unter anderem dahin, daß

di« Link« sich nicht dazu bewegen lassen werde, dem Kabinett eine Blankovoll­macht zu beliebigen Abstrichen am Reichsetat zu geben.

Man hat bekanntlich allgemein damit gerechnet, daß in das Haushaltsprogramm eine Bestimmung ausgenommen wird, wonach die Reichsregierung die Berechtigung erhält, im Bedarfsfälle nach eigenem Ermessen Streichungen an den verschiedenen Etat­kapiteln vorzunehmen. Dabei hat man bei der Rech­ten vor allem die Befürchtung gehabt, daß unter Um­ständen der Reichswehretat gekürzt werden könne, während die Linke befürchtet, daß Streichungen am Sozialetat vorgenommen werden könnten. Jedenfalls würde eine derartige Ermächtigung dem Kanzler die Möglichkeit geben, eventuelle Meinungsverschieden­heiten zwischen den einzelnen Parteien auszuschalten, die sich bei den Streichungen an verschiedenen Etat­kapiteln selbstverständlich ergeben müssen. Wenn nun die Sozialdemokraten eine derartige allgemeine Er­mächtigung nicht geben wollen, so ist natürlich

mit neuen Erschwerungen zu rechnen. Trotzdem hält es bet Abgeordnete Dr. Breitscheid nach wie vot für möglich, daß man übet alle diese Schwierigkeiten hiuwegkommen und daß sich der Reichstag dann auf mehrere Monate vertagen wird.

In dieser Pause wird dann eine Reihe von Gesetz­entwürfen vorbereitet werden müssen, die das Parla­ment im Herbst beschäftigen würden, und die in erster Linie sozialpolitischer Natur (mit besonderer Berück­sichtigung des Arbeitslosenproblernsj sein würden.

Oie deut^chnationals Methode

lieber die weitere Haltung der deutschnationalen Fraktion hat deren Vorfitzenoer, der Abgeordnete Obersohren, gestern in einer Rede m K-el er­klärt, di« Deutschnationalen wollten nicht für alle Zei­ten dem Parlamente fern bleiben, aber sie würden ihre Arbeitsmethode ändern. Man müsse jetzt auf kleine Vorteile verzichten, denn es gehe um bas Ganze. Di« Mehrheit des Volkes stehe auf feiten der nationalen Opposition und deshalb müsse man die Reichslagsauflösuug verlangen.

Ab Sexta wird gesiebt!

Also, es hilft nichts! Die Finanznot des Staates verlangt Notmaßnahmen auch auf dem Schulgebiet. Da man an dem Grundbau der Volks- und Mittel­schule in keinem Fall mehr sparen kann, muß die h ö- here Schule daran glauben. Sie kostet im Ver­hältnis schon Geld genug. Da der Zustrom aber nicht nachläßt, sondern sich sortdauerno verstärkt, stehe den Unfug des Berechtigungswesens!mutz irgend­wie die Flut der Zudrängenüen gestoppt werden, weil der Staat einfach kein Geld dafür hat und auch Wirt­schaft, Industrie und Handel das Uebermaß qualifi­zierter Kräfte nicht mehr aufnehmen können.

In seiner letzten Rede vor dem Hauptausschuß des Preußischen Landtages hat Kultusminister Dr. Grimme, vorläufig nur kurz, die Wege, die einge­schlagen werden sollen, skizziert. Neben der Hinaus- fchiebung der dienstlichen Entlastung für ältere Lehrer und der Herabsetzung der Wochenstunden für die Schüler beabsichtigt man vor allem eine schärfere Auslese, als bisher. Die Aufnahmeprüfungen bei dem Uebergang von der Grundschule in die mitt­leren und höheren Schulen fallen fort. Dafür wird grundsätzlich allen neu in die unterste Klasse der hö­heren Schulen eintretenden Schülern gegenüber der Vorbehalt der Bewährung gemacht. Wer in dem ersten halben Jahr den höheren Anforderun­gen nicht genügt, muß ausscheiden und in ein niedri­geres Schulsystem zurücktreten- Die Einzelheiten wer­den in Kürze in einem Ministerialerlaß bekanntge- geben.

Auch wenn man grundsätzlich einer schärferen Aus­lese zustimmt, wird man die ernsten Folgen dieses Erlasses für Schüler und Eltern nicht verschleiern dürfen. Er wird manchem Vater und mancher Mul­ler Kummer und schlaflose Nächte bereiten. Man wird auch alles versuchen, um durch häusliche Mitarbeit und Nachhilfestunden dem Versagen der kleinen Sex­taner vorzubeugen. Aber trotz aller Bedenken psycho­logischer und pädagogischer Art wird man ihm doch zustimmen müssen, da es sich letzten Endes hier nicht nur um eine bloße Sparmaßnahme, sondern um eilte Umstellung unseres gesamten Bil­dungswesens handelt, das gegenwärtig an ei« »er Bildungsinflation zu ersticken droht.

Wir haben heute in Deutschland eine geradezu un­sinnige UeberBewertung des höheren Schulwesens. Abiturienten und sogar Akademi­ker müssen mit Stellungen vorlieb nehmen, für di« man früher kaum das Einjährige verlangte. Und trotz aller Abmahnungen und geradezu katastrophalen Sta­tistiken noch immer, besonders in bürgerlichen Kreisen, der Wunfch:Weil ich studierte, soll mein Sohn auch studieren. Wohin das führt, ergibt sich deutlich aus einer Bremer Statistik. Von 7090 Schülern, die dort in die höhere Schule eintraten, sind 2800 wieder aus- geschieden, ohne auch nur ein Teilziel erreicht zu ha­ben. So kann das wirklich nicht weitergehen!

Freilich, wenn man nun schärfer sieben will, gehört das eine unbedingt dazu, daß nicht nur die Eltern, sondern auch die Führer unseres Berufslebens einen Abbau in der bisher geübten Praxis des Berechtigungsunwesens vornehmen. Es gibt eine große Anzahl von Berufen, für die Mit- telschnle und Fachschule weit bessere Bewerber liefern, als die höhere Schule. Latein nnd Griechisch ober eie höhere Mathematik besagen über die praktischen Fä­higkeiten junger Menschen gar nichts. Neben das bisherige Alleinziel der höheren Wissenschaftlichen Reife muß gleichberechtigt das durchaus 'andersarti­ge Ziel der mittleren Reife treten, das für die Breite unseres Volkslebens von vielfach größerer Bedeutung ist, als. das erstere. In Besprechungen im Reichs­innenministerium haben sich in diesem Sommer füh­rende Wirtschaftskreise bereits zu diesen Gedanken bekannt. Hoffentlich folgt die Praxis des Anstel­lungsverfahrens rasch und entschieden dieser theore­tischen Einsicht. Auch sonst ist eine rege öffentlich« Diskussion dieser Fragen ein Gebot der Stunde. Rur wenn di« Eltern die grundsätzliche Notwendigkeit der verschärften Auslese verstehen und bejahen, ist eine Umlenkung unserer Schüler auf Bildungsziele zu erwarten, die ihrer persönlichen Befähigung besser entsprechen, als das verzweifelte Büffeln über ferner­liegenden Gvmnafialauf gaben.

Bis sich Eltern uns Schüler in die verschärfte Aus­lese eingelebt haben, gilt allerdings noch eines, auf das besonders Frau Dr. Bäumer unlängst warmher­zig hingewiesen hat. Zunächst besteht eie Gefahr, daß der neue Versuch noch mehr sinnlose Schülertrazödien zur Folge hat, als sie schon bisher den Weg der Bil- dungs- uns Berufsauslese decken. Deshalb keine allzu radikalen Uebergänge und Rücksichts­losigkeiten! Irgendein Korrektiv gegenüber pädagogischen Fehlurteilen ist mit der verschärften Auslese zu verbinden, vielleicht die Möglichkeit einer letzten Prüsungsinstanz, di« sich auf Wunsch der El­tern mit den kleinen Sextanern beschäftigt, denen man das Tor der höheren Schule vor der Nase zuge­schlagen hat. Wird eine solche vermittelnde und aus- gleichenoe Instanz eingeschaltet, dann ist sozial und

polen mißbraucht die Kirche

(Eigene Drahtmeldung.)

Neues Kampfobjekt: Agrarvorlagen

(Von unserer Berliner Schristleitung.)