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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Rümmer 36*

Donnerstag, 12. Februar 1931

21. Ighrgang

Immer wieder politische Zusammenstöße!

Zn Leipzig: 1 Toter und 4 Schwerverletzte / Oeutschnationale Erklärungen zur politischen Lage / Englischer Vorstoß in der Zollfrage?

Oie plane der Opposition

(Von unserer Berliner Schriftseitung.)

politischer Salon in Paris

(Von unserem Korrespondenten.) <

th. Berlin, 12. Februar.

Das Parlamentarische Leben steht noch im Zeichen t>es Auszugs der Rechts-Opposition. Die Regi«- rungs-arteien wollen in aller Ruhe abwarten, wann

Rechtsopposition wieder zurückkehren will. Sie werden inzwischen die sachlichen Arbeiten am Etat noch Möglichkeit förvcrn. Selbstverständlich wird es im Parlament nicht angenehm empfunden, daß Vie Rechts-Opposition fehlt, weil dadurch Vas parla­mentarische Ansehen im, allgemeinen noch weiter verliert. Außerdem ist zu beachten, Vaß durch das Fehlen der Rechts-Opposition die Ar­beitsgemeinschaft zwischen der Mitte und der S o z i a l v e in okratie zwangsläufig verstärkt wird. Diese Machtposition der SoziaLoemo- kraten könnte sich natürlich z. B. beim Reichswohretat auswirken, aber es besteht immerhin die Möglichkeit, auf Grund der kürzlich getroffenen Vereinbarung der Regierung die Ermächtigung zu erteilen, ihrerseits die notwendigen Abstriche am Etat ohne weiteres Befra­gen der Parteien vorzunehmen.

Auf legalem Wege...

' lieber die Vorgeschichte des Auszugs der Nationalsozialisten will derVorwärts" ei­nig« interessante Einzelheiten mitteilen können. Da­nach hat am Dienstag, unmittelbar vor der Plenar­sitzung des Reichstags, eine Fraktionssitzung der Na- tionalsozialisten stattgefunden, bei der unter Betonung propagandistischer Gesichtspunkte einstimmig beschlos­sen wurde, daß die Partei sich aus dem Reichstag zu­rückziehen solle. Hitler habe im allgemeinen seine Zustimmung gegeben. Nur habe er Bedenken dagegen geäußert, daß der Abgeordnete Stöhr sein Amt als Vizepräsident niedergelegt hat. Man erwäge jetzt bei den Nationalsozialisten, ob diese Sache nicht rückgän­gig gemacht werden könne.

Der Gedanke, ein sogenanntes R u m pf k a b i - nett nach Weimar einzuberusen, scheint voll­ständig aufgegeben zu sein. In der Frage, welche Richtung die Nationalsozialisten nun zu verfolgen gedenken, gibt die EssenerNationalzeitung" z. Zt. eines der bedeutendsten nationalsozialistischen Blät­ter, die Antwort, daß man zunächst den legalen Weg weiter verfolgen müsse.

Im Gegensatz zu den Nationalsozialisten, die über alle weiteren Pläne und Absichten nicht das Geringste an die Oeffentlichkeit gelangen lasten, haben die Deutschnationalen sehr umsangreiehe Erklä­rungen, über ihre Haltung herausgegeben.

Oie -eutscknationaleAbstinenz"

Das Verhalten der Deutschnationalen unterscheidet sich grundsätzlich von dein der Nationalsozialisten da­durch, daß die deutschnationale Fraktion entscheidend Wert darauf legt, nicht prinzipiell ansvem Reichstag auszuscheiden, sondern nur von Fall zu Fall sich von den Sitzungen zurückzuziehen. Die Deutschnationalen erklären durch eine Verösfeni- lichung ihrer Pressestelle, daß

die sogenannte Abstinenz nicht in der Form dnrch- geführt werden soll, daß die Fraktion dem Hause grundfätzlichkeit fern bleibt. Sie hält die Anwesenheit tm Hause für wichtiger als die bloße Tätigleit im Lande. Aber sie will nur dann eingreiscn, wenn eine Möglichkeit besteht, die Brüchigkeit der R eg i e r n n g sko al i t i o n aus die Pro bc zu stellen.'

Sie will selbst von Fall zu Fall entscheiden, ob eine Möglichkeit zum Eingreifen gegeben ist und im übrigen will sie, wie in dieser Veröffentlichung be­stätigt wird, .den Herrschaften der Mitte und ihren marxistischen Freunden die nicht ganz reine Freude des Alleinseins gönnen".

Die Deutschnationalen kündigen ferner an, daß sie nicht mehr wie früher bereit sein werden, mit der Mitte gemeinsam irgendwelche Gesetze oder Anträge anzunehmen, bei denen es sich darum handelt, gegen die Sozialdemokraten zu stimmen.

Die Nationalsozialisten haben jetzt ^offi­ziell den Antrag eingebracht, die durch das Fern­bleiben der Fraktion ersparten Summen an Diäte n den Erwerbslosen zu überweisen. Der Reichstagspräsident erwidert, daß ihm von einem Verzicht der einzelnen Abgeordneten auf die £ täten nichts bekannt geworden sei. Auch könne, er nicht ntzer abgezogene Diäten verfügen, da diese o h n e weiteres von der Rcichskassc einbehal- t e n würden.

Die S t a a t s p a r t e i hat an den Präsidenten die Anfrage gerichtet, ob die Nationalsozialisten einen Urlaubsantrag gestellt hätten, denn die Ge schäftsordnung bestimme, daß die Mitglieder des Reichstages verpflichtet sind, sich an allen Arbeiten des Reichstages zu beteiligen. Der Aellestenrat

wird sich mit dieser Frage beschäftigen, um zu prü­fen, was mit den Mandaten der Nätionalsozia- listen zu geschehen hat, wenn diese dauernd von den Arbeiten des Reichstages fexnbleiben.

Man nimmt an, daß die D e u t s ch n a t i o n a l e n am nächsten Donnerstag wieder im Reichstag er­scheinen werden, da Montag bis Mittwoch sitzungs- frci bleibt. Wann die Nationalsozialisten wieder zu erscheinen gedenken, liegt noch vollkommen im Dunkel.

Neichsbannervertreter spricht in Versailles

Paris, 12. Februar.

Verschiedene links-republikanifche Gruppen veran­stalteten am Mittwoch in Versailles unter der Führung Des sozialistischen Abgeordnetn Ehabrun eine Kund­gebung gegen den Krieg, auf der auch ein Mitglied des Reichsbanners, Dr. Espe, vas Wort ergriff.

Der deutsche Vertreter versicherte zunächst, vaß die Republik allen Anstürmen von links und rechts ge­wachsen sei. Weiter schildert er die Not in Deutschland, die man auch im Auslande nicht übersehen dürfe, da sie eines Tages auch auf andere Länder übergreisen könne, Unerträglich für Deutfch- laird seien nicht nur die Ziffern vor .Repara­tionszahlungen, sondern auch die Dauer. Er legte sodann Protest gegen die Nachkriegs­änderungen der Grenze ein und verlangte ins­besondere eine Aeuderung der Ostgrenze. _

Leipzig, 12. Februar.

Zu schweren Zusammenstößen kam es gestern abend nach Schluß einer der drei nationalsozialisti­schen Kundgebungen zwischen K o m m u n i st e n und Nationalsozialisten. Als den Kom­munisten in einer der Versammlungen das Wort verweigert wurde, entstand eine Schlägerei, bei der drei junge Leute schwere Kopfver­letzungen davontrugen und dem Krankenhaus zu­geführt werden mußten.

Nach Wiederherstellung der Ruhe zogen die Na­tionalsozialisten in geschlossenem Zuge ab. Trotz des polizeiliche» Schutzes wurden sie plötzlich, wie mau vermutet, aus einem Fenster, beschessen. Zwei junge Leute wurde» schwer getroffen und mußten ebenfalls dem Krankenhaus zugeführt wer­den. Einer der beiden, ein 17jähriger Klempner, ist seinen Verletzungen erlegen.

Schießerei in Berlin

Berlin, 12. Februar.

Zn der Uhlandftraße wurde letzte Nacht der 28jäh- rige Chauffeur Weber bei einem politischen Zu­sammenstoß zwischen Kommunisten und National­sozialisten durch einen Brustschuß schwer verletzt, so daß er ins Achenbach-Krankenhaus geschafft wer­den mußte. Man vermutet, daß er der Kommunisti­schen Partei angehört. Das Ueberfallkommando ver­haftete vier Mitglieder der NSDAP. Auf der Straße wurden mehrere Patronenhülsen und in einem Gully eine Pistole gefunden.

Demonstrationszug

hinter Oemonstrationszug

Düffeldorf, 12. Februar.

Zum Empfang der nationalsozialisti­schen Reichstagsmitglieder hatten sich gestern abend gegen 6,30 Uhr einer Aufforderung der Düsseldorfer Ortsgruppe der NSDAP, folgend, etwa 5 000 Personen vor dem Hauptbabn- h o s eingefunden. Die Balmhofshalle selbst war von der Polizei gesperrt worden. In der Nähe des Bahnbossausgangs hatten ferner größere Trupps von K o m m u n i st e n Aufstellung genommen, die den Empfang zu stören versuchten und die Ordnung schaffenden Polizeibeamten mit lauten Tchmährufen bedachten.

Als sich die Nationalsozialisten zu einer Versamm­lung in der Tonhalle in Marsch gesetzt hatten, for­mierten sich die Kommunisten an der Hauptpost eben falls zu einem Demonstrationszug. der den National­sozialisten auf dem Fuß folgte und Schmäbrufe gegen die Nationelsozialiften und die Poltzei aus- ftiefe. Als die Zurufe immer heftiger wurden und

Serütiettber Marin:Hatten Sie Beziehungen zn rnftric in einem genügen voliitschen Salon?"

Zeuge Tardien:Ick verkehrte und weifte im Salon von Madame Abel F e r r n, zusammen mit Löon Blum, Paul-Boueour, Fraueois-Albert."

Reuaudel: .... . und mit mir!"

Tardien:Bielleickt ja. auch mii Ahnen." tParlamentartscker Untersuchungsausschuk im Ouftric - Skandal, Verhör Tardieus.t

Paris, Mitte Februar.

Wenn einst Bic Geschichte des Nachkriegsjahrzehnts 1920/1930 geschrieben wird, erfährt man vielleicht, welche politische und gesellschaftliche Rolle während dieser Zeit der Salon einer genialen Frau, Maha­rn e Abel Ferry, geborene Helene Ber­ger, gespielt hat; wie gewaltig der Einfluß ves Hau­ses in £>cr vornehmen Rue Bahard auf den Gang der Ereignisse war, lasten jetzt schon gewisse im Verlauf ves Oustrieskandals gemachten Enthüllungen zum Teil wenigstens erkennen.

Es ist eine Tatsache, daß die hervorragendsten Führer der dritten Republik Jungge­sellen geblieben sind: so Doumergue, Briand, Tar- oieu. Als man an den Präsiventen Doumergue ein­mal die Frage nach dem warum stellte, soll er geant­wortet haben:Sie wissen doch, daß Marianne sehr eifersüchtig ist." Im übrigen genügt es vem mittleren Franzosen, selber ein Pantoffelheld zu sein: er will nicht dazu noch von Pantoffelhelden regiert werden." Die Antwort ist klug, aber sicherlich nicht ganz zutref­fend. Denn weder Marianne noch der Durchschnitts­franzose machen sich in besagter Beziehung Vie gering­

em Polizeibeamter von einem Kommunisten hinterrücks durch zwei Messerstiche schwer ver­letzt wurde, griffen die auf Lastwagen begleitenden Pölizeibeamten ein und fchafften mit Gewalt eine größere Lücke zwischen beiden Zügen. Mehrere Kom­munistentrupps, die vor der Tonhalle zu demonstrie­ren versuchten, wurden von berittener Polizei ausein­ander gejagt.

Kommunisten stören Arbeitsverteilung

Hamburg. 12. Februar.

Die gestern vormittag begonnenen Versuche der Kommunisten, die Ar beits Verteilung im Hafen zu stören, wurden am Nachmittag fortge­setzt. Die in den Verteilungsstellen versammelten Ar­beitsuchende» wurden gehindert, sich zur Arbeit an- nehmen zu lasse». Versuche, die Abfahrt der zur zweiten Schicht herausgehenden Arbeiter zu stören, wurden durch den Polizeischutz unterbunden. Die Ar­beit im Hafen nimmt ihre» Fortgang, da die über­wiegende Mehrzahl der Hafenarbeiter mit den Stö- rungsversachen iticht einverstanden ist.

England schneidet

die Zollfrage an

London, 12. Februar.

Der parlamentarische Korrespondent derTimes" meldet: In Verbindung mit den Verhandlungen über die Lchuldenregelnng sind von der englischen Regieruna Vorschläge zur Herabsetzung der eu ropäischen Zolltarife getnacht worden. Handels- Minister Graham beabsicksttgt, mit einer Gruppe von Ländern zu verhandeln. Dazu gehören Frank­reich, Deutschland, Polen, Italien, Belgien und Oesterreich. Seine Vorschläge beziehen sich auf be­stimmte Posi innen in den Handesvertragen dieser Länder, die von besoitderer Wichtigkeit für den Han­del Grotzbritanniens find.

Dazu ist zu sagen, daß sich im Augenblick kaum überblicken laßt, welche Gcgeickeisntngeit die englische Regieruna zu geben imstande ist. Sollte England lediglich Zusagen htnsichtlich der Beibehaltutrg des Freihandels-Systems machen, so würden diese kaum von besonderem Wert fein. Ob die Arbeiterpartei überhaupt imstande ist, Zusagen zu macken, die über die Zeit ihrer Amtsdauer hinaus geben, erschein, zum mindestens sehr fraglich. Nack Ansicht diplo­matisch?! Kreise wäre die Laste wesentlich anders, wenn ein derartiges Angebot von einer konservati- englischen Regierung gemacht wurde.

sten Illusionen, lieber denweiblichcn Einfluß am Quaiv'Orsay zum Beispiel existiert eine fürchterlicheEhronique scandaleuse", und die Bezie­hungen derEomedic Francaisc" zu einem Minister­präsidenten von gestern und morgen sind stadtbekannt. Weiß inan etwa,, welchen Anteil Fr au P oi n c a r c an dem märchenhaften Aufstieg ihres Herrn Gemahls hat?Ich werde Präsidentin der Republik sein!", pflegte sie als Keines Mädchen auf die entsprechende Frage zu antworten.

Die Bcrger-Levrault sind elsässischer Ab- staimmung und 'besorgten als Buchdruckergeschlecht von jeher die offiziellen Zivil- und Militärdrucksachen; trotzdem ihre Vaterstadt Straßburg 1871 von den Deutschen besetzt war, gelang es ihnen, der Regierung der Nationalen Verteidigung in Borveaux die Steuer­zettel ju übermitteln, so daß die Franzosen auch in diesem Schicksalsjahr vom Fiskus nicht verschont blte- bcn. Eine patriotische Tat, die ihren Weg sogar bis in die Schulbücher gefunden hat. Nach dem Frank­furter Frieden zogen sie nach Nancy, dann nach Pa­ris, wo das offizielle Verlagshaus noch heute weiier- besteht. Die junge Helene Berger, deren Großva­ter mütterlicherseits jener Alain-Targe war, der sich sterbend auf die Kammertribüne tragen ließ, um den General Boülanger des Hochverrats anzuklagen, träumte als achtzehnjähriges Mädchen bereits den ehrgeizigen Traum, die Führer der Republik in einem mondänen Salon zu vereinigen. Zu diesem Ende ver­mählte sie sich kurz vor dem Kriege mit dem Träger eines berühmten Namens: Abel Ferry, dem Neffen des großen Jules Ferry, der Frankreich die Laien- gesetze und ein unermeßliches Kolonialreich' gab. Als Offizier und Mitglied ves Armeeausschusses bereiste Abel Ferry die Front uns wurde durch ein verirrtes Geschoß getötet.

Seine ebenso schöne wie geistreiche Witwe eröffnete noch während der Versailler Verhandlungen in ihr ein Hause zwischen den Champs-Elises" und demHose ver Königin" einen politischen Salon, in dem sich bald ohne Unterschied der Partei alles, was Namen, Rang und Talent besaß, zu ausgesuchten Essen und raffi­niertem Geplauder einfand. Wenige Jahre später schongab es kein politisches Ereignis von einiger Be­deutung, das nicht in der Rue Bayard vorbereitet worden wäre soweit dies Menschen überhaupt in Vie Hand gegeben ist. Ta die herrsckenve Richtung ausgesprochen links war, wurden hier die Grundlagen zum radikal-sozialistischen Kartell gelegt, das im Mai 1924 den bekannten Wahlsieg errang. Sozusagen eine Spezialität des Hauses Ferry bilde­ten die M i n i st e r st ü r z e, Vie auf den Tag und Vie Stunde genau prophezeit wurden. Der einzige, der daran nicht glauben wollte, war der jeweilige Mini­sterpräsident selber. Mit 6 cm Franken stürz und dem wirtschaftlichen Chaos wuchs die Bedeutung ver finanziellen Probleme; Helenes Bruder Rene Berger war in Vas gewjaltig aufstrebende Bankgeschäst^O u - st ri c eingetreten, und als eines Tages Albert ,zavre, ein Neffe desVäterchen Combes" und Eickel ves berühmten Unterhändlers bei Bismarck, den Vor­schlag ntachte, der Herrin des Hauses denoriginell­sten und genialsten Bankier von Paris" vorzustellen, willigte Frau Abel mit Freuden ein: So kam der Parvenü Austric in den vornehmen Salon der Rue Bayarv.

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Von nun an vermischte sich die Finanz noch viel enger mit der Politik, trat zu ihr sozusagen in ein persönliches Verhältnis. Das Doppelgestirn Oustric- Eualino erstrahlte in immer stärkerem Glanze, und von Blum bis Tardien bewunderten alle politischen Führer den Hexenmeister aus Toulouse, der wertlosen Papieren blutvolles Leben einzuhauchen verstand. Die Hausherrin selber verband sich mit ihm fester und fester, und als Oustric 1929 seine junge Gattin verloren hatte, bat er um Helenens Hand . . Bereits sprach man in eingeweihten Kreisen von einer sensationellen Ver­bindung, da zwang ein hartnäckiges Leiden Frau Ferry selber zu einer längeren Kur in der Schweiz. Getreulich bestieg Oustric, der als ein sehr sentimen­taler, fast träumerisch veranlagter Mensch geschildert wird, an jedem Freitag den Baseler Expreßzug, um das Wochenende bei der Geliebten zu verbringen mas ihn jedoch nicht hinderte, am tomnienben Mon­tag die kühnsten Börfenmanöver aus-ufiihreii.

Wenige Monate später machten sich die ersten drohenden Anzeichen des Sturmes bemerkbar; aus des Bankiers Hilferufe eilte die junge Frau nach Paris, warf ihren ganzen Einfluß in die Wagschale und erreichte, daß die B a n k o o n F r a n k r c i ch auf sogenannteKavallerie" s Papiere zweifelhafter Güte) den bekannten 200 -Millionenkredit bewtl- ligte. Oustric atmete auf; aber seine Gegner, tw erster Linie der mächtigeCrödii Lyonnais", bereitete* sich zu neuen Angriffen vor. Es gab nun eines

politische Leidenschaften

Eigener Drahtbericht.