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Mittwoch. 11. FeLruar 1931

R fielet Neueste Nachrichten

Seite 3-2 Vellage

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arum wir noch nicht fernsehen

Sott man die ^Entwicklung bis zur Dolckommenheit^ abwarten?

von Dr. W. Lederer.

Dor einiger $eit hat ein großer Grammophon- Konzern mn einigem Retlame-Ausroand «rgetünorgt daß er Die HerfteLung von Fernseh-Apparaten in sein PrcdutlionAprogramm auinehmen würde. Das erste Rtabell ist sogar gezeigt worden: ein großer Schrairkapparat mit Radio-Mnrichwmg und Tonab­nehmer für Schallplatten, dessen anfgeklapp er Deckel ein Mattscheibe zeigt, aus der die serngesehe- nen Bilder erscheinen sollen. Die Photographien die der Konzern an die illustrierten Mütter der« sand.e, zeigten aus dieser Mattscheibe bereits eine ganze OPenrfzen«.

Das in Dingen des Fernsehens ohnehin unge­duldige Publikum mutz, wenn es solche Berichte sieht, natürlich annehmen, datz die Stunde des Fernsehens endgültig geschlagen habe: man tauf, sich eine dieser wunderschönen Universal-Schränle und sieht und hört eine Oper, ein Schauspiel, einen Tonfilm, ein Autorennen...

Und wenn man einem solchermaßen irre geführten Puhl Lum dann in irgend einer Äusst.rung einen tvirAichen (aber primitiven!) Fernseher zeigt oder ihm erzählt, datz es mit dem Fernsehen überhaupt noch seine Steil« habe, dann rümpft es die Nase und meint: hm, ja. die Amerikaner (Engländer, Fran­zosen nsw.) sind aber viel weiter, nur bei uns wird nichts geleistet I

Har sich der Grammophon-Konzern seine Erfin­dung aus der Rase gezogen? Hat er den schönen Universal--Schrank nur für den Phonographen, nur für Reklamezwecke gebaut, damit di« Käufer meinen eine Firma, die sogar fernsehen könne, würde auch gute Schallplatten machen? Die Antwort lautet: teils, teils! Die Firma macht zur Hälfte Rsklame, zur anderen Hälfte hat ste wirklich die Absicht, sich eimal mit dem Fernsehen zu beschäftigen.

Die Grammophon-Firmen verschwägern sich im­mer mehr mit der Radio-Industrie, fei-tdem es Ton­filme und elek irische Grammophone gibt. Und wenn sich eine Firma sichon mit Radio beschäftigt, dann ist zum Fernfehen out ein weiterer Schritt. Ste wird, wenn ste sich einmal dazu entfchlossen hat. aus dem Gebiete des Fernsehens jetzt schon so viel rote mög­lich leisten, um eines Tages sagen zu können: wir waren die ersten usw., wfto. Sie wird also auch einen oder mehrere Universalschränke bauen, nicht für den Käufer, der damit nichts ansangen kann, sondern nur so, aus Prestige-Gründen.

Diese .vollkommensten Fernseh-Geräte der Welt" arbeiten mit einem Trick. Die große Schwierigkeit, die das Fernsehen zu überwinden bat, besteht be- kanmMch in der mangelnden Helligkeit des Bildes und in der Notwendigkeit, eine sehr große Anzahl von Bildpunkten zu übertragen. Wenn man nun das Bild in acht Teile zerlegt, jeden Teil als ge­sondertes Bild betrachtet, gesondert in Punkte zer­legt, gesondert sendet und empfängt, fo daß sich aus der Mattscheibe deS Empfängers di« acht Teilbilder wieder zu einem Ganzen zusammensetzen dann ist natürlich der Hauptteil der Schwierigkeiten behoben Dann kann man achtmal mehr Punkte fetroen als ein Normal-Sender. Und dann ist auch das Ge­samtbild im Empfänger so groß, daß man auf Pro­jektion verzichten kann, wodurch die manzelnde Helligkeit wettgemacht wird.

Dieser Trick ist umständlich und kompliziert. Wenn man mit dem schönen Universal-Schrank ferm» sehen will, müssen acht verschiedene Sender aus acht verschiedene Wellen je ein Achtel des Bildes <ms- strahlen. Im Empfänger sind acht verschiedene Emp- sangsapparate vereint, acht komplette Fernseh-Appa­raturen. Jede muß für sich abgestimmt unv Dement werden. Und wenn man dann Glück hat. kann man wirklich sehen--

Es braucht nicht gesagt zu werden, daß diese Art des Fernsehens eine zwecklose Spielerei ist, die in der Praxis niemals Bedeutung haben kann. Wir werden uns allemal mit einem Sender, einer Welle, einem Empfänger begnügen müssen. Das ist auch schon reichlich genug, denn wir brauchen ja für die gleichzeitige Sendung von Sprache und Musik ohne­hin einen zweiten Sender, eine zweite Welle, cm« zweite Abstimmung.

Kehren wir also aus dem Reiche der Utopie ins Reich der Wirklichkeit zurück. Hier ist das Fern­

sehen eine, wie der Erfinder Dsnes von Mihaly lagt, .noch verhältnismäßig primitive Möglichkeit". Trotzdem gibt es auch hier Zwei Meinungen darüber ob diese primiftve Möglichkeit für die Etnsührung ausreiche, oder ob man die weitere Entwicklung ao° warten soll. Der männliche Dsnes von Mihalh, der sich über die Primitivität der Sache im Klaren ist, erklärt in einem Vortrag vor dem Allgemeinen Deutschen Fernseh-Verein:

.Man müsse angesichts dieser Sage fragen, bis zu welcher Grenze man die Entwicklung des Fern sehens vor dessen Einführung treiben folle. Das Publikum felbst sei nicht in der Lage, sich eine Mei­nung über das. was gegenwärtig auf dem Fernseh- gebiet geleistet werde, zu bilden, weil ihm hie all­gemeine Möglichkeit zu einer solchen Meinungsbil­dung fehle. Man könne deshalb nicht auf eine Ent- 'cheidung des Publikums warten. Man würde nie­mals hie Frage nach der. endgültigen Entwicklungs form des Fernsehens beantworten können, denn man wisse schstießlich auch nicht, oh das Radio oder Die Schallplatte endgültige Entwickln ngssorme n dar- stellen. Man habe sie aber trotzdem eingeführt. Der heutige Fernseh-Empfänger sei zwar leider noch 'chwach, aber er funktioniere auf alle Fälle. Als selbständige Unrethallungstnittel komm« er nicht in Frage, könne jedoch zur Erweiterung und Illustrie­rung des Rundfunkproaramms benutzt werden Er sei nun einmal da und ließe sich in den bestehenden Rahmen sogar in wirtschaftlicher Hinsicht einfügen. Das ideale Fernseh-Gerät, das Opern. Filme und Auw rennen in die Wohnung zaubere, bestehe ledig-

Kleine Nachrichten

. Wie die Hamburg-Amerika-Linte mitteilt, ist auf der Rückfahrt des Hapag-DampfersDeutschland" von Neuyork nach Hamburg, kurz nach dem Verlassen des Neuvorker Hafens ein amerikanischer Fahrgast, James Cooper, über Bord gesprungen und ertrun­ken. Das Schiff stoppte sofort, doch waren alle Ret­tungsversuche vergeblich. Bei dem Ertrunkenen soll es sich um einen amerikanischen Millionär handeln.

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Bei Erdarbeiten zur Verschönerung der Eilen­riede bei Hannover wurden an einer Stelle, die immer sumpfig war, sechs Menschenschädel und eine Menge dazugehöriger Knochen aufgefunden. Der grausige Fund wurde von der Polizei sofort beschlag­nahmt. Nach vorläufigen ärztlichen Feststellungen müssen die Knochen etwa 20 Jahre dort gelegen haben. Weil an dieser Stelle niemals ein Friedhof oder dergleichen gewesen ist, steht man vor einem Rätsel.

Der 20jährige Praktikant Gebring befand sich mit seinem gleichaltrigen Freund Fischer auf dem Heim­weg von einer Fafchingsunterhaltang in Auasburg, als sich ihnen ein unbekannter Mann zugefellte, der anscheinend betrunken war. Nach ein paar Scherz­worten sing der Fremde plötzlich mit den beiden Freunden Streit an und versetzte unvermittelt dem Gehring einen tödlichen Stich Der Täter flüchtete sofort. Durch die Kriminalpolizei konnte der ver­heiratete Händler Otto Schurr als Täter verhaftet werden. Schurr hat die Tat bereits eingestanden.

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Der Oberbürgermeister von Potsdam hat ein Er­mittelungsverfahren gegen den Hausinspektor und Lehrer Franz Szebel eingeleitet, der seit langen Jah­ren das Franksche Stift leitet. Szebel steht in dem Verdacht, sich an einigen Mädchen, die ihm vom Er­ziehungsheim Helenenhos anoertraut waren, vergan­gen zu haben. Der Verdacht gründet sich auf die eid­lichen Aussagen der Mädchen in einem Prozeß, den Szebel gegen eine Potsdamer Einwohnerin wegen übler Nachrede angestrengt hatte, der aber mit der Freisprechung der Beklagten endete.

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Nach mühsamer kriminalistischer Kleinarbeit ist es gelungen, den Mord an dem Berliner Droschkenbesstzer Fritz Ponick aufzuklären und den Täter zum Geständ­nis zu Bringen. Der Mörder ist der am 21. April

tut, ui Der Phantasie und nietr könne wissen, wann es in Wirklichkeit bestehen rDe."

Das heißt also: nehmt das Fernsehen so, wie es ist, wenn vhr es überhaupt haben wollt. Denn n.e» mcmd kann wissen, ob ihr das Fernsehen, das ihr euch vorstellt, jemals erleben werdet!

Der Meinung des .terrn Mihalv stehen die Mei­nungen anderer Techniker und auch der-hrenoen Herren der Reichspost entgegen. Die doch noch eine gewisse Vollkommenheit abwarten wollen. UnD es ist schwer, Dem einen oder Dem anderen Recht zu geben. Das Ganze ist eine Frage der Geduld. Wir erkennen in der Programmgestaltung des Rund- ftinks seit längerer Zeit eine Stagnation, sogar einen Rückschritt. Es besteht die Gefahr, daß das Publi­kum der ewigen Versuche mit unzulänglichen musst chen Behelfen überdrüssig wird. Dann mutz das Fernsehen als Rettung kommen.

Freilich, Herr Mihalv hat es gar zu eilig. Wir wollen wenigstens die prinzipiellsten Probleme des Fernsehens gelöst sehen. Das heißt: Bildüber- ragung und Projektton.

Die Versuche mit ultrakurzen Wellen müssen so­weit gediehen fein, daß die Frage: Rundfunkwelle oder ultrakurze Welle endgültig orEchftden ist. Tas wäre Punkt eins. Punkt zwei, die Frage Der Pro­jektion, alfo der ^bisher völlig unzulanglicyen) Bildgröße, muß auch noch gebärt werden. Diese Klärung besorgt, wie wir erfahren, gerade die Fir­ma des Herrn Mihaly, die Deutsche Fernseh-Gesell- Ichaft, die das .Lichtrelais" des Radiolechnckers Günter Machs erproben und entwickeln soll. Wenn er so weit ist, wenn wir das serngesehene Bild aus einem eigenen Wellengebiet empfangen und in ge­brauchsfähiger Größe darst'llen können dann sind wir freilich nut Mihalv einer Meinung. Dann möge man das Ferwohen einführen, auch wenn es noch nicht flgnz vollendet ist. Wir werden dann immerhin Großaufnahmen der Darsteller in SenDespielen, kleine Szenen, einfache Filme kurz, eine sehr wert­volle Bereicherung des Rundfunkprogranmis sehen können.

1908 geborene Händler Johannes Kablitz aus Steg­litz. Gestern abend gestand Kablitz, den Chauffeur Ponick aus Gewinnsucht hinterrücks ermordet zu haben.

Was ist paradox? Wenn ein Dampfkessel-Kon­trolleur durch eine explodierende Weißbierkruke ver­unglückt: fo geschah es in Berlin dem Mitglied eines Dampskesselüberwachungsvereins, der sich eine Wärm­flasche zubereitete, indem er eine der bekannten tö­nernen Weißbierkruken mit siedendem Wasser füllte und sie so stark verschloß, daß die sich bildenden Dämpfe die Flasche sprengten.

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Ein Triumph St. Bürokrat» ist aus der Tschecho- slowakei zu melden: dort hatte bei Brünn eine Frau als sie auf dem Heimwege über Land unvorschrifts­mäßigerweise einen Bahndamm überquerte, eine Anzahl Schwellen, die in verbrecherischer Absicht dort hingelegt waren, auf den Schienen liegen fehen, hatte geistesgegenwärtig alles getan, um eine Katastrophe zu verhindern und war daraufhin der Eisenbahn- direktion zur Belobigung und Belohnung eingegeben; die hochwohlweise Direktion aber entschied, daß diese Frau weder zu belobigen, noch zu belohnen, viel­mehr wegen unbefugten Ueberschreitens von Bahn­anlagen zu bestrafen sei.

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Die Klage des russischen Sängers Schaljapin gegen die Russische Handelsvertretung wegen unbe­rechtigter Veröffentlichung feiner in Rußland be­schlagnahmten Memoiren in französischer Sprache wurde vom Pariser Handelsgericht durch eine Ver­urteilung der Russischen Handelsvertretung und des französischen Verlegers zu je 10 000 Francs Schaden­ersatz und Konfiskation der französischen Ueber- setzung entschieden.

In Napier (Neuseeland) sind gestern die Leichen von 13 Opfern des E.dbebens gefunden worden. Nur fünf konnten identifiziert werden. Außerhalb von Hastings fand ein patrouillierender Schutzmann zwei junge Mädchen auf, die durch die Erlebnisse beim Erdbeben wahnsinnig geworden waren. Sie waren völlig ausgehungert und nicht in der Lage, etwas anderes als ihren Mann anzugeben. Sie haben in einem Hospital Aufnahme gefunden.

llnte fchlagunaen bei der Frankfurter Stadlsynode

Frankfurt a. M., 11. Februar.

Wie der Frankfur er Evanigelifche LanDesNrchen- rat bekannt gibt, hat der Kaufmann Friedrich Nagel als Vorsitzender des Kirchensteueraucfchusses der Dereftngten Evangelischen Stadfynode in Den Fahren 19251929 von Den durch se.n.' Hände ge­gangenen Bareingängen größere Beträge umter- chlagen und zur Stützung seines Geschäftes ver­wendet. Tie Unterschlagungen wurden durch falsche Uebertragung der Eingänge auf das Kirchens euer- w-st'checkftmto verdeckt. Der gesam e FehMtrag be­lauft sich auf 136 700 Mark Ter Schuldige ist ge. ständig. Strafanzeige ist erstattet.

Ausländer-Kolonien der Neichshauptstadt

Berlin, 11. Februar.

Die deutsche Reichshauptstadt rotrb in steigendem Maße von ausländischen Staatsangehörigen zum dauernden Wohnsitz gewählt. Während zu Beginn des Jahres 1930 insgesamt 132177 Ausländer als dauernd in Berlin wohnend, polizeilich gemeldet waren, stieg diese Zahl Anfang 1931 auf 136 336, fo daß sich binnen Jahresfrist eine Zunahme von über 4 000 Perfonen ergibt.

Der überwiegende Teil der Ausländer stammt aus den östlichen Staaten Europas. Weitaus am stärk­sten vertreten sind die Polen mit 30351 Dauergästen; an zweiter Stelle folgt die Kolonie der Oesterreicher, die in der Re-chshauptstadt mit 23 419 Angehörigen vertreten ist. Weiterhin fchließen sich an die Tsche- choflowakei und die Sowjetunion (U. d. S. S. R.) mit 18 221 bzw. 10 710 Personen. Zwischen diesen beiden Nationen steht mit 12 880 Vertretern die große Kolonie der Staatenlosen bzw. Der Personen unbe­kannter Staatsangehörigkeit, die in Berlin eine neue Heimat gefunden haben.

Wo beginnt das Glück, wo hört es auf

Ein Mann namens John Mackah fuhr nach Ka­nada, zu Verwandten. Die See ging hoch, das Schiff fchwankte, Mackay stand an der Reeling, eine Kiste rutschte über Deck, sie durchschlug die Reeling und riß Mackay mit sich.

Mann über Bord!" Der Maschinentelegraph schrillt, die Schraube peitscht, rückwärtslaufend das Wasser, ein Boot wird hinabgelassen das alles aber dauert gute fünf Minuten, es ist wenig Hoff­nung vorhanden, den Mann bei biefem Seegang ret­ten zu können.

Mackay wird dennoch gerettet, Denn Mackay ist trägt eine Prothefe. Eine gute Prothese: aus Holz mit Kork bekleidet. Der Kork hat ihn über Wasser gehalten.

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Das ist Glück, schreibt ein begeisterter Reporter. Das ist das Glück im Uglück, wie es, im Märchen steht! Der Mann wäre nicht gerettet worden, hätte er seine Prothese nicht gehabt, hätte er fein Bein nicht verloren, wäre er nicht einunglücklicher In­valide" gewesen--

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Stimmt das wirklich? Bescheidene Anfrage-; wäre der Mann überhaupt ins Wasser gefallen, wenn er keine Prothese gehabt hätte, sondern ein gesundes Bein? Wo beginnt da das Glück? Wo hört es auf?

lieber den Zusammenstoß des ftanzösischen Ost- asiendampfersPorthos" mit einem japanischen Dampfer erfährt die United Preß, datz diePorthos" im Schneefturm mit dem japanischen Schiss .Likusui Marn", das sich unterwegs nach Shanghai befand, kollidierte. Der japanische Dampfer sank sofort. 69 Personen werden vermißt. Die -Porthos" wurde leicht beschädigt und lief den Hafen von Kobe an.

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Eine SchifffS vagödie hat sich auf dem norwegi­schen DampferHövaried", der gestern in Baltimore einlief, abgespielt. Auf der Fahrt wurde Der Ka­pitän plötzlich wahnsinnig, bedrohte die Besatzung und verwundete den ersten und den zweiten Offizier Schließlich aebamg es, ihn zu überwältigen und in Eifen zu legen. Der zweite Offizier hat Schußver- letzungen an der Brust batoongetragen, während der erste Offizier nur leicht verletzt wurde.

Alle oder neue Kunst? / Don Prof. Karl Hofer

Der bekannte Maler Hofer äutzert sich sehr frei­mütig zu einer Rundfrage des .Kunstblatt" iBerlaa I Hermann Reckendorf» über die Wertsteigerung mo­derner Kunstwerke im Februar-Heft der Zeitschrift:

Einen dokumentarifchen Beitrag für Ihre Rund­frage kann ich nicht leisten. Dazu sind die Kunsthänd­ler die sich mit zeitgenössischer Kunst befassen, wohl am geeignetsten. Doch wäre allerhand zu diesem Pro­blem zu sagen, und es wäre ein großes Verdienst des Kunstblattes, die Suggestwnalte Kunst" zu zer­stören. Denn der abscheuliche Unfug, der damit ge­trieben wird, nimmt Formen an, die Den Tod für die lebende Kunst bedeuten. Was also sollen Künstler und ein paar wenige noch nicht pervertierte Kunstschrift­steller unternehmen gegen einen täglich anwachsenden mächtigen Konzern von sogenanntenKunsthändlern", die ebenso gut mit alten Hosen handeln könnten. Wer aber sind die Handlanger und eifrigsten Förderer die­ses Unfugs? In erster Linie die Leiter der Museen aller Kunst. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen, sie haben studiert, wurden mit der Leitung eines Museums beauftragt und tun ihr Bestes, dieses Mu­seum im Sinne eines Briefmarkenalbums zu füllen. Würde Ihnen die Erkenntnis, daß ein weiteres Kom­plettieren dieser Sammlungen alter bemalter Lem wand heute gänzlich sinnlos ist, weil, von der Allge- meinheit des Volkes ganz abgesehen, auch die Mehr­zahl der Gebildeten keinerlei Interesse mehr daran hat, fo müßten diese Museumsleiter ihre eigene Existenz negieren und sich damit trösten, daß ihre Tätigkeit nur noch für ihren eigenen Nachwuchs und für die viel zu vielen Kunsthistoriker Sinn hat.

Das Sammeln alter Kunst hätte sich auf die wirk­lich protzen und starken Werke zu beschränken, auf die

I Werke, die heute noch lebendig sind und bleiben, statt dessen kauft man, ich wiederhole eine frühere Äuße­rung, für Unsummenantike Pfefferkuchen . Re- naifsaneebronzen, vier- und fünsklassige Italiener und ranzige Holländer". Würden die dafür veraus­gabten Summen von zehn Jahren zufammengelegt, fo könnte man dafür ein wirklich bedeutendes Werk kaufen. Auch diese Summen.wären der zeitgenössifchen Kunst entzogen, nichts Hetze sich aber dagegen einwen­den, im Gegenteil: durch Ablehnen minderwertiger und gleichgültiger aller Kunst durch die Museen aber wäre die unselige Illusion zerstört, daß jeder alte Schmarren gut und eine Kapitalanlage sei, die second Hand art Shop-Händler könnten bann nützlichere Dinge verkaufen, und die Bilderkäufer begännen viel­leicht einzufehen, daß ein gutes Bild eines lebenden Künstlers wahrscheinlich an Wert gewinnt schon des­halb. weil es zum zehnten Teil des Preises zu haben ist, als etwa für einen holländifchen Meister deS Oel- drucks verlangt wird, dessen völlige Wertlosigkeit in nicht allzulanger Zeit zutage tritt, denn jeder Rum­mel findet ein Ende, so auch dieser.

Run kommt aber die peinlichere Seit« all dieser Fragen. Leider ist das kaufende Publikum in den letz­ten Jahren hinsichtlich moderner Kunst durch eine unverantwortliche und snobistische Kunstkritik derart verwaist und abgeschreckt worden, daß es eine leichte Beute des Konzerns der Atthändler wurde und lieber ein falsches alles Bild mit einem echten Attest kauft wie das Werk eines Lebenden, von dem es gestern gehört hat, es fei etwas ganz Außergewöhnliches und das ihm heute als Minderwriigkeit eben von gestern bargestellt wirb. Wir haben in der Kritik ja mit eini- gen Ausnahmen nur den Kunstgeist, der immer nur

das Neueste, und den Kunstspießer, der wahllos alles trägt, dazu den unglückseligen Oberlehrerdrang zu albernen Zensuren, die den Unglücklichen, der diesen Gallimathiaz lieft, völlig verwirrt. Dazu kommt die Meinung einiger dieser Biedermänner, daß deutsche Kunst überhaupt nichts tauge, nicht international, ergo keine Kapitalanlage sei. Wir müssen aber fest­stellen. daß deutsche Kunst neben der französischen die einzige ist, die überhaupt als Gesamtheit in Betracht kommt, man weiß das noch nicht so recht in England, man wird es aber bald wissen, man ist schon auf dem Wege dazu, und die H-rrfch-'ften, die ibTe Bilder zeit- genöfsischer deutfcher Künstler in den Keller gehängt haben, können sie getrost eines Tages wieder hervor­holen."

Ein Europäer entdeckt Europa

Bon E. R. Äetlpflug*)

In bet Tat, dieser erste Anblick von Europa: der Umritz eines starken und herrischen Vorgebirges, sym­bolhaft aus lastender Nacht in die Glut anbrechenoen Tages tauchend, war eine Entdeckung, eine Neuent­deckung. Und was diesem Eindruck folgte, war darum ganz wirkungslos und wie nebensächlich; die Haupt­sache blieb, datz der Inhalt des ersten Blicks zu Europa gehörte, das Wo war gleichgültig.

Was alles in diesem Wort Europa liegt ober liegen kann, ist schwierig zu verstehen für ben, der sich nie­mals sehr weit und auf sehr lange von ihm entfernt bat, und so wenig man jemandem die Tropensonne begreiflich machen kann, der sie nicht selbst brennen ge­spürt hat, so wenig weiß man, was Europa ist. wenn man nicht selbst .Draußen" war und dann gesund und

) fleifoflug, der Autor des Im Volksverband der Bü­cherfreunde ertcheinenden Reisewerkes ,.Än«den Rändern dreier Erdteile", versteht es meisterhaft, den Pirlsschsag de, gtremdiändikchen abznsaukcken aus Sem Rbntmnus des Ukl­äglichen. Vorliegender Teriabdruck ist diesem literarisch wie wissenschaftlich bemerkenswerten Werke entnommen

wohlbehalten heimkommt. Ich habe steifleinene Eng- lander in durchaus gesetztem Aller, die jahrelang tn Indien gewesen waren, sich bei einer Landung in Southampton wie Kinder benehmen sehen. Man muh auch die Spanier gehört haben, wenn sie bei der Ein­fahrt in die heimtschen Häfen plötzlich, sehr tief und guttural, das WortEspaöa" heroorstoßen, ganz ver­halten und ganz von innen glühend, ober bas zärtliche, last weinendela bouce France" der Franzosen beim Anblick von Le Havre ober Bordeaux. Man mutz allein in einem fremden, halb barbarischen Erdteil gestanden haben, bann erst begreift man ganz, was Europa uns tn der Welt bebeutet.

Man hat Europa, von braunen gesehen, oft lächer­lich gefunben mit seinen ewigen nationalen Gegen­sätzen unb UebErheblichkeiten, bie brüben in bem gro­ßen Schmelztopf Amerika samt ber Rassenunter- schieden einfach verschwinden. Es war einem auch manchmal zu dumpf, zu uftfrisch, zu skeptisch oder zu ästhetisiert und zu wenig unbedenklich--, und doch,

es ist und bleibt, trotz aller Jugend des großen Ame- rtka, trotz aller Weisheiten des alten Asiens, die man hebt und bewundert--- es bleibt: Pol unseres

kreisenden Daseins, Schöpfer und Inbegriff aller Dtnge, die uns überkommen sind unb die uns das Le­ben lebenswert erscheinen lassen, ja, ber Sinn un­seres Daseins überhaupt!!--

_ Hebet junge Künstlet und tote Rnttftbänbler foridjt int Feoruarheit vonÄunft und Künstler" (Verlag Bruno La, strer, Berlins aus chraktifcher Erfahrung Lr. Grete Ring. Wie so mancher Auftav der Zeitschrift wird auch die­ser wobr »um Ausgangspunkt einer fruchtbaren Diskussion »erben Gelegentlich bei Ausstellung in Mannheim und «arte schreibt der Herausgeber Karl Scheffler einen reich illustrierten, aufschlußreichen Aufiatz über Oskar Kokoschka. SemerkenSwerr ist auch ein illustrierter Aufsatz von Hans Ackitein über den. lungen Münchener Maler Josef Lcharl. Das Gebiet der hlstoruchen Kunst bearbeitet Erhard Göpels Aufiatz über den «animier Hofstede de Groot, der Abbildun- ien seltener holländischer Bilder und Zeichnungen enthält und eine Arbeit B. C. Habichts über das Ltundenbuch der 'lohan. Programmatisch ist ein Beitrag H. Beenkens über te Vermischung von Kunstgeschichte und Erpertise. aufae- eigt an einem besonderen Fall. Sonst ist das Heft wieder :eich an Notizen, Berichten. Buchanzeigen, polemischen R--rungen und Abbildungen unvnbli'i-rt-»r Onnfrm.rfe.

...halb Bohnenkaffee,halb Kathreiner, das fihmedst wundervoll, und-Ls[paren ffhönes Geld dabei..