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C 10. Feöruar 1931

Kasseler Tleueffe Tlachrlchien

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Die billige Flagge von Panama

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten

am Sonntag im

Sicher tvar es dieser Gedankengang, der vor eini- (Kt Zeit den Heidelberger Philologen Dr. Karl Schneider veranlaßte, in einer Eingabe an die Reichs­regierung ein Reichs-Sprachamt zu fordern, das für mustergültigen Sprachgebrauch bei den Aemtern und für Regelung in Zweifelsfällen sorgen solle. Kürzlich wurde nun der Oeffentlichkeit mitgeteilt, was über das Schicksal dieser Eingabe bekannt geworden ist: ein toeibli^r Ministerialrat im Reichsinnenminifte- rchm habe sie abschlägig beschieden.

Ein weiblicher Ministerialrat? Wer in Deutsch­land in kulturpolitischen Angelegenheiten etwas mit Reichsbehörden zu tun hat, kennt und schätzt diesen weiblichen Ministerialrat' sie war die erste Frau in diesem Amt als klugen und geschickten Förderer und Berater in geistigen Dingen. Von ihr erhalte ich die erste Antwort:

Ein Reich-Sprachamt? Jawohl, diese Eingabe ist auch durch meine Akten gegangen. Die Entschei-

Zu der Angelegenheit des Flaggenwechsels auf dem DampferVogtland' der Hamburger Reederei Vogemann berichten die Berliner Morgenblätter, daß die Mannschaft bis auf den ersten Ingenieur von Bord gegangen ist, indem sie zwar die Kündigung annahm, auf die Herabsetzung der Löhne aber nicht einging Die verdiente Heuer wurde ihr ausbezahlt. Eine zweite Mannschaft, die zusammengesucht wor­den War, ist zum Teil ebenfalls wieder fortgegangen.

Die flattert fetzt lustig und unbekümmert vo« den Masten der Reederei Vogemann im Hamburg. 'Vogesen' und -Vogtland', bisher deutsche Schiff« im Trampdicnsi nach Miltelamerika, segeln jetzt un­ter der Flagge von Panama--weil es billiger

ist!

Kasseler Konzerne

Klavier-Abend Helmut Klein.

Zum erstenmal in einem eigenen Klavierabend stellte sich der junge Pianist Helmut Klein seinen Mitbürgern vor und errang einen starken Erfolg. Es handelt sich bei Herrn Klein noch nicht um einen aus­gereiften Künstler, aber um ein ausgesprochenes Kla­

nen Vernunft'. Er ist aber nichts weniger als toiß- begierlg. Ein Buch, das ihm jemand zur Lektüre enrpfahl, wies er mit den Worten zurück:Ich tu mir nicht gern etwas in meinen Kopf hinein, was ich nicht unbedingt brauch.'

Wahrhaft Bewunderungswürdiges leistet Kleber im Erdulden von Krankheiten. Noch nie war ein Mensch kränker als er Hat jemand einen Leisten­bruch, so hat Kleber einen doppelten. Ist jemand an der Cholera gestorben, so hat Kleber die Cholera und lebt dabei nicht nur, sondern arbeitet sogar noch. Auf Anerkennung muß man freilich verzichten.'

Will man Kleber ein freundliches Gesicht aufsetzen, so muß man mit ihm über seinen Sohn svrechen. Den liebt er. Die Professoren seien ihm zwar auf­sässig und er komme deswegen in der Schule nicht sehr gut vorwärts, aber er sei fleißig und brav und solle auf jeden Fall studieren

Wie ich das möglich machen werde,' sagt Kle­ber und seine Miene verdüstert sich wieder,weiß ich freilich nicht . . . Meine einzige Hoffnung ist, daß ich einen Haupttreffer mache . . . Aber ich setze ja nicht,' sagt Kleber.

Er pflegt nicht lange bei diesen oder ähnlichen Erkenntnissen zu verweilen, sondern rettet sich aus ihrer gefährlichen Tiefe instinktiv auf die lichte Höhe eines dem Amtsvorsteher gewidmeten, groß und breit angelegten Fluches.

Dieses Mcderhclen der deutschen Flagge vom Mast deutscher Schiffe und ihre Ersetzung durch eine andere, ausländische Flagge, ist ein in der Schiff­

fahrtsgeschichte der Welt bisher fast einzig dastehen­der Vorgang. Hier und da ist ein Kaperkreuzer, ein Pirat oder ein Schmuaverschiff gelegen lich einmal unter falscher Fl sage gefahren, um die Meute der Verfolger irrezuführen. Das ist strafbar, nicht sehr schön _unib wird von den Seeämtern der an Seefahrt und Flagaenschutz interessierten Nationen streng ge­ahndet (wenn es herauslomnn, naiüvlich!)

Daß aber eine garnickt einmal so schlecht gehende Reederei freiwillig die Flagge ihres Landes streicht und die eines anderen, sie nichts und garnuhts an­gehenden Landes dafür setzt, das ist ein beispiel- coser Vorgang. Die Steuern, Löhne und sozialen Lasten sind hoch, gewiß. Mer unter diesen Lasten haben nichi nur die Herren Vogemann in Hamburg zn leiden, sondern alle Unternehmungen in Deutsch­land, die fremde Arbeitskräfte beschäftigen. Des­wegen kann doch nicht Plötzlich die Firma Krause und Müller in Berlin kommen, auf dem Dach ihres Hauses die Flagge des Freistaates Liberia aufziehen und behaupten: wir leben von heute 5,35 Wr an nicht mehr in Berlin, sondern in Mrngrovia in Li­beria und haben daher nur noch die landesübltchen. steuern und Abgaben zu zahlen. Man würde die Herren Krause und Müller sehr erfaunr awsehen --- und sie trotzdem zur Bezahlung ihrer Steuern und sozialen Abgaven zwingen...

Mr haben einmal etwas gehört von Hanseaten- aeist und Hanseatenstolz. Das muß lange her sein! Irgendwann einmal soll ein hamburgischer Hanse- a enführcr gesagt haben, als es der Hanse und seiner Va erstadt besonders schlecht erging:Jetzt gerade!' Auch das muß lange her sein. Denn sonst wüßten die Gelbrüder Vogemann in Hamburg noch etwas von diesen Dingen.

Die Gebrüder Vogemann Wiffen von diesen Din­gen garnichts. Aber: sie sind sagen sie selbst wenigstens nationale und treudeutsch denkende Manner. Sicherlich singen sie mit Begeisterung bei '«der passenden und unpassenden Geleaenheit: Deutschland. Deutschland über alles, und im Un­glück nun erst recht!' Mit besonderer Freude wer- ^en sie an allen Nationalfeiertagen die deutsche Handelsflagge hissen nur ihre Schiffe führen die Flagge von Panama, einen buntscheckigen Wini- den kaum die befahrenen Seeleute kennen. Es ist namlrch billiger: Man kann die Löhne um 25 Dozent berabsetzen, und statt 7000 Mark nur noch 1500 Mark Steuern bezahlen.

düng, die allerdings von anderer Stelle gefällt wor­den ist. dürfte wohl negativ ausgefallen sein. Es kann nicht Aufgabe der Regierung sein, durch ein Amt den andern Behörden oder gar der großen Oeffentlichkeit irgendwelche sprachlichen Vorschriften zu machen, so­weit sie nicht die Schreibweise betreffen; das aller­dings wird von uns aus sowieso erledigt, wenn von Fall zu Fall ein besonderer Grund dazu vorhanden ist; ich erinnere an die vor einiger Zeit durch die In­dustrie vorgebrachre Bitte, eine getrennte Schreib­weise fürWagen' undWaagen' amtlich festzu­setzen, da im Gebrauch der Mehrzahl ständig Irr­tümer unterlaufen sind. Wir kehrten also zur früher üblichen Schreibweise derWaage' zurück. Genau so war es bei dem WortMeltau', das vonMehltau' unterschieden werden mußte. Alle diese Fragen wer­den aber nicht vomgrünen Tisch' aus entschieden, sondern in Verbindung mit einer fachlich dazu be­rufenen Organisation: der Preußischen Akademie der Wissenschaften' oder demDeutschen Sprachverein' Andere Sprachprobleme, die zudem meist sogar Streitfragen unter den Gelehrten bilden, amtlich zu regeln dazu dürfen wir uns hier nicht befugt halten.'

Di« zweite Antwort erhalte ich vomDeutschen Sprachverein', der sich die Hut und Pflege der deut­schen Sprache vom Volke aus zur Aufgabe gestellt hat. Seine Verdeutschungsbücher schießen zwar ge­legentlich über das Ziel hinaus, indem sie mitunter unvermeidliche Fremdworte durch unschöne Neubil­dungen ersetzen, aber das Verdienst desDeutschen Sprachvereins' vor allem aus dem Gebiete der Pflege der Dialekte ist groß und unbestritten.

Schon im Jahre 1926', erfahre ich hier,wurde in der Frankfurter Hauptversammlung des Vereins ein Gesetz zum Schutze der deutschen Sprache ge- fcrdert, das als Hauptbestimmung enthalten sollte: In allen öffentlichen Ankündigungen mutz ein gutes reines Deutsch angewendet werden'. Gleichzeitig wurde von der Frankfurter Ortsgruppe des Vereins die Einsetzung einesReichssprachwarts' verlangt, der eine dem Retchskunstwart entsprechende Stellung einnehmen und als Bevollmächtigter der Deutschen Akademie in München auch über die Reichsgrenzen hinaus heilsam wirken sollte Dieser Antrag wurde angenommen; aber die Reichsregierung war nicht dafür zu gewinnen . . .'

Die dritte Antwort: Professor Fritz Behrend von derDeutschen Kommission' der Preußischen Akademie der Wissenschaften.Ich möchte vor allem betonen', sagte der liebenswürdige Gelehrte,daß

Navigare necessc eft.. JGewiß, Seefahrt ist rootoenftea ---nur zu kostspielig darf sie nicht

sein! Und wenn doch ---hissen wir eben die

Flagge von Panama! Statt d«r schwarz-weitz-roten HanÄSlsffagge mit der schwurz-rot-owldenen Gösch wird eine andere, recht buntscheckige gesetzt, die kaum sehr all e, sehr befahrene Seebären kennen: die blau­rote Flvmoe von Panama mit den zwei Sternen.

Die Hamburger Reederei Vogemann hat kürzlich ihren auf der Heimfahrt von Mittelamerika befind­lichen DampferVogtland" durch Funkspruch ange­wiesen, die deutsche Flagge niederzuholen und dafür die Flagge von Panama zn setzen. Gleichzeitig wurde de» ßeiamion

dann auch unter der Flagge von Panama tm Ham­burger Hafen ein, und hier wurde der Besatzung er­öffnet, daß eine Verlängerung der Anttellungsver- träge nur bei Einwilligung in eine Kürzung der Heuer um 25 Prozent möglich sei. Der Dampfer stehe nicht mehr unter deutscher Flagge, und Panama kenne keine Seemannsgesetze. Man nimmt an. daß die deutschen Behörden Gelegenheit bekommen wer­den, sich mit dieser eigenartigen Angelegenheit noch eingehend zu beschäftigen. Bekanntlich haben nord­amerikanische Schiffahrtsgesellschaften oft das Gleiche gefan, wie jetzt die Reederei Vogemann, indem sie ihre Dampfer aus Ersparnisgründen unter der Flagge von Panama verkehren ließen.

Kunst und Wissenschaft

Bayreuther Festspiele 1931 gesichert. Die Durchfüh­rung der Bayreuther Festspiele 1931 ist völlig ge­sichert; schon jetzt sind etwa % aller verfügbaren Karten ausverkaust. Frau Wagner wird am 10. Fe­bruar nach Mailand fahren, um mit Toscanini, der fest zugesagt hat, daß erTannhäuser" undParsifal" dirigieren wird, weitere Einzeiverhandlunaen zu füh­ren. Wilhelm Furtwängler hat die musikalische Lei-

BeramwortliL für den volittschen Teil: Dr. Walter Pehnt: für das Feuilleton: German M. Bonau; für lokalen und Heimatteil: Dr. Hans Foachim G l a b e r: für Handel: Dr. Hans Langenberg: für Sportteil; Herben Speich: Photo-Redakteur: Eduard Schulz- Ke ff e l: für den Anzeigenteil: Konrad Wachsman». Berliner Schriftleitung: Dr. Walter Tbum. Ber­lin SW. 68. Druck und Vettaa: Kasseler Neueste Nachrichten ®. m. h, H Kassel. Kölnische Straße lil.

Deutscher Musikererfolg in Rom. Musikdirektor Klem- verer von der Kroll-Oper errang am Sonntag im Augustea in Rom mit dem römischen philharmonischen Orchester einen außerordentlich starken Erfolg. So­wohl mit Strawinskys SuitePulcinella", als mit der Siebenten Sinfonie Bruckners, der seit Jahren in Rom nicht mehr gespielt worden ist, erntete der Dirigent lebhaften Beifall. In einem zweiten Konzert am 11. Februar wird Klemperer Werke von Beethoven, Brahms und Richard Strauß bringen. e

Geveimrat Leo Frobemus, bekannt durch seine Aussebeit erregenden Forschungen i« Afrika, über die er kürzlich in einer Vortragsreihe in Kassel berichtete, übernimmt die Lei. tung der Zeitschrift für Länder- und VölkerkundeDer Erd­ball" (Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde». Da die Zeitschrift auf die großen kulturmorphologtschen Pro­bleme Frobenius' eingestellt werden wird, dürfte man den Erdhall" als eine der interessantesten Zellschrifte» auf dem Gebiete der Kultur-, Länder- und Völkerkunde ansyrechen.

Bucherfolg einer jungen Schriststelleri«. DaS Eissling?- der Kriegszeit, den wir kürzlich im literarischen Teil gewür­digt haben, entwickelt sich zu einem Buchersolg. Bor einige» Tagen knapp acht Wochen nach Erscheinen konnte der Propyläen-Verlag bereits das 50. Tausend in Druck geben.

$at ba§ schimmern eines augenpaares $l£I bei jeder Wanderung geglimmt ^ard dein sanfter sang der sang des jahres Und alles kam well du es so bestimmt. y 7... Und, als hält' ein Zunder still geglommen. , E, n°chts im Bette plötzlich munter, J selig lächelnd tote cm satter Säugling.

A"s ist an diesen beiden Versen auffallend»

tm ersten die Hauptworte kleine AnsangS- vuchstaüen haben, ist für den Literarurkenner nickt weiter verwunderlich^ un- er weiß sofort: diese Zei- eino ftan.men bon Stefan George, und zwar 'aus ter Rina'^^°^"i,^°bich.e des ZyklusTiebcn- wobl dagegen ist manchem

woyi ein guter alter Bekannter die letzte Zeile 'st bmgeflügeltes Wort' geworden: Chri- ^"ttgenstern ist der Autor, und sein Gedicht er- man ers^vock^s^rfunsenen Art von Witzen, die man erst nach zwölf Stunden versteht .

an diesen beiden Versen ist aber die Meyrzahl der Leser hat es natürlich schon lange ge- ~ dre bei beiden Dichtern verschiedene Btl- dMlg des Partizipium Perfekt vonglimmen'.

l -UN solche überhaupt fraglich, dem Gut­dünken des Einzelnen unterworfen? Gibt es denn unumstößlichen Gesetze? Wer bestimmt r^entlich das Schicksal der deutschen Sprache?!

Das sind lediglich drei Fragen. Ueberlegen wir aber einmal, wie oft selbst Menschen mit Gymnasial- und Hochschulbildung bei der Anwendung eines Zeit- "es, eines Hauptwortes, bei der Stilisierung eines Satzes stutzen und nachdenken oder ohne zu zögern erwaz sagen, das einem anderen absolut fehlerhaft erscheint ---- dann können wir ohne Uebertreibung

sagen t hler warlen tausend Fragen aus Antwort. .. ? ,,k,urltch kann die ausgezeichnete deutsche Volks- und Mittelschule, deren sprachpädagogischer Qualität franscfifcOe gleichkommt. !?rr-£lc notwendigen technischen, das heißt granima- tikalischen und syntaktischen Grundlagen liefern r;L Lct£et .tu der Umgangssprache, im schrist- lichen Verkehr, ja selbst in der Literatur nicht genü- : wt? oft hören und lesen wir ^brauchen ohnezu',großer tote" stattgroßer als' tote oft vermissen totr die Unterscheidung zwischen ^derselbe undder gleiche' um nur die gröbsten £[eW*-r zu nennen. Und in dem oben angeführten Beispiel müssen wir dem geistvollen Autor derGal- genlteder' recht geben, denn es heißt natürlichge- Ltmumeu und Stefan George hat die dichterische Freihett allzusehr auf Die Grammatik ausgedehnt

Niemand kann gezwungen werden, gutes Deutsch zu jprechen und zu schreiben; was aber beim Einzel- «^N°^elegenheit ist, wird bei öffentlichen Behörden und Aemtern zur Pflicht. Sie haben die Uufgabe, in jeher Weise vorbildlich zu wirken, und so können ihnen auch Sprachvergewaltigungen nicht verziehen werden Wir sind viel zu nachsichtig! Mit GrEmatik und Syntax geht es ja im allgemeinen ^einigermaßen, aber was den Stil einer durch­schnittlichen deutschen Behörde betrifft, so sind die ständig in Witzblättern und Zeitungen veröffentlichten

tJeiVeibet "ur der unfreiwilligen Komik nach als Ausnahmeerscheinungen zu bewerten, während das Sttlmveau selbst durchaus typisch darin zutage tritt, sicherlich tst das noch ein Ueberbletbsei aus frwerizianischer und kurfürstlicher Zeit, wo eine Amtsperson bewußt in ihrer Sprech- und Schreib­weise vom verständlichen Umgangsdeutsch abwich.

unsere Arbeit rein wissenschaftlich und historisch ist. Von den Fachkommissionen der Akademie beschäftigt sich dieDeutsche Kcmmission' mit allen Fragen des deutschen Sprachgebrauchs; in diesem Sinne bearbei­ten wir auch die Aufgaben, di« uns das Reichs- innenministerium stellt. Unsere Hauptarbeit aber und ich darf sagen, daß hier em ungeheures natio­nales Werk im Entstehen begriffen ist gilt der Abfassung einer neuen Auflage des großenDeut­schen Wörterbuchs', das vor nunmehr hundert Jah­ren von Jakob und Wilhelm Grimm her- ausgegeben worden ist. In zwölf Jahren wird es druckfertig vorliegen! Seit 1910 arbeiten wir daran, und S'e können sich denken, welche Fülle von Ma­terial in diesen 32 Jahren gesammelt wird. Unsere Arbeit, so wissenschaftlich sie auch durchgeführt wird, ist eines der wichtigsten Kulturkapitel: die lebende Sprache unseres Volkes soll erfaßt werden, denn jede Sprache lebt und darf nicht als Bücherweisheit betrachtet werden; so richten wir unser besonderes Augenmerk auf die Dialekte. Diese Spezialarbeit wird im Lande selbst ausqeführt; das Wörterbuch der bayerischen Mundart z. B. ist in München im Entstehen, denn kein Dialekt darf aus dem Heimatboden entwurzelt und in rnberSf rachi- g«m Gebiet bearbeitet werden. Aus all dem ersehen sie, daß es. nicht unsere Aufgabe sein kann, die deutsche Sprache regulativ oder gar sozusagen gesetz­geberisch zu fixieren: übrigens haben der Staat Preu­ßen und auch das Reich, die unsere Arbeit auch in jeder Weise, oft mit großen Opfern, fördern, der­artige Maßnahmen, wie es die Einsetzung eines Reichs-Sprachamts darstellen würde, schon aus histo­rischen Gründen abgelehnt. Von Zeit zu Zeit taucht so ein Projekt immer wieder auf immerhin ein Zeichen dafür, daß weiten Volkskreisen das Schick­sal unserer Sprache nicht gleichgültig ist!'

*

Nach diesen drei Antworten zu urteilen, steht es um die Forderung des Dr. Schneider in Heidelberg nicht günstig. Wohl wird durch Verfügung des Reichsinnenministeriums in Schulen und Behörden hie und da ein einzelner Baustein der Sprache neu zurechtgemeitzelt, den Erfordernissen der Zeit ent­sprechend aber was für ein Gebäude aus diesen Steinen entsteht, kann nach wie vor nur dem Kön­nen, dem guten Willen, dem Geschmack des Baumei­sters überlassen werden. Wir alle sind solche Bau­meister, ob wir nun in Amt und Würden hochwich­tige Edikte zu verfassen haben oder als einfache All- tagsmenschen Geschäfts- und Liebesbriefe schreiben: in unserer Hand ruht letzten Endes das Schicksal der deutschen Sprache; wir wollen sie gut behandeln.

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I ger Casement hat einen Wert, nämlich 16 Mk. Sogar auch die Unterschriften des ersten Reichspräsidenten Ebert find bereits im Handel. Auf der Auktion werden zwei Bestallungsurkunden, die die Unter­schrift Eberts tragen, mit 10 Mk. angeboten. Wie aus Handelskreisen verlautet, sind in der Hauptsache In­teressenten für diese Autogramme amerikanische Sammler.

Die Oper im Wohnraum. Einen merkwürdigen Bei­trag zur Hausmusikpflege liefert die Tatsache, daß einzelne fanatische Musikliebhaber in Berlin die Oper in Den Bereich Der Hausmusik einbezogen haben und regelrechte Lpernaüfführungen im Wohn­zimmer veranstalten. Abgesehen von einzelnenPri- vatstudtos' gibt es im Berliner Westen ein revel- rechtes Miniatur-Opernhaus in der Wohnung, des sen Besitzer, ein ehemaliger Opernkapellmeister, auf einer kleinen Bühne in echten Kostümen spielen läßt zur Begleitung eines Klaviers, während die Zuhörer im verdunkelten Nebenraum Platz nehmen. Sogar Wagner wird gegeben. Etn anderer Liebhaber Ber­lins spielt denParsifal" aus der Bühne eines Marionettentheaters, wobei die Pupven in einem echten Gralstempel nach Bayreuther Muster die er­gänzenden Bewegungen zu der aus einem Grammo­phon erklingenden Originalmuju ausruoren.

tung vonTristan und Isolde" schon für dieses Jahr übernommen, während Karl Elmendorff die Ausfüh­rung desRing" leiten wird.

Berliner Ausstellung: Leo von König. Die zu Ehren des 60. Geburtstages Leo von Königs am Sonnabend eröffnete Ausstellung gibt in ihrer Zusammensetzung eine umfassende Ueberstcht über die künstlerische Ent­wicklung des bekannten Malers. Vor allem die Por­träts Gerhart Hauptmanns, von Seeckts, Eugen d'Al- berts und Meier-Gräfes lassen erkennen, daß von Kö­nig auf ausgesprochene Farbigkeit verzichtet und sich damit begnügt, ins Neutrale spielende, aufs Har­monischste angepaßte Tone zu verwenden Sein streng zeichnerischer Aufbau des Bildnisses, der durch starke Betonung der Umrisse noch mehr hervorgehoben wird, holt aus der Persönlichkeit das Wesentliche heraus, ohne jedoch die Vereinfachung zu weit zu treiben.

Autogramme aus der Kriegszeit. Auf einet im März von der Firma I. A. Stargardt (Berlin) zur Verstei­gerung gelangenden Autographen-Sammlung werden erstmalig auch in größerem Umfange Autogramme be­kannter Heerführer und politischer Persönlichkeiten aus dem Weltkrieg zur Auktion kommen. Auch auf diesem Gebiet sind inzwischen differenzierte Markt­preise für solche Autogramme entstanden. So wird eine Feldpostkarte des Feldfliegers Immelmann mit 24 Mk. angesetzt, während eine Karte Boelckes mit 16 Mk. genannt wird. Auch die Heerführer haben ver­schiedene Preise. Die Namensunterschrift des Gene­ralobersten von Kluck steht mit 16 Mk. im Angebot, die Ludendorffs mit 15 Mk. und die des Generalfeld­marschalls von Mackensen mit 12 Mk. Eine Porträt- Postkarte Stresemanns notiert 24 Mk., dagegen wird eine Porträt-Postkarte aus dem Felde des Reichsprä­sidenten von Hindenburg mit 75 Mk. bewertet. Auch die Postkarte des irischen Freiheitskämpfers Sir Ro-

viertalent, das in guter Schule war (Pembaur-Mün- chen) und das zweifellos zu schönster Blüte gelangen wird. Die Technik steht schon auf beachtlicher Stufe. Am meisten imponierte der ungewöhnlich starke Aus­druckswille und ein feines Differenzierungsvermögen. Den stärksten Eindruck des Abends vermittelte mir der Vortrag der Schubertschen ^-Dur-Sonate. Hier zeigt Klein, daß er ein fein empfindender Musiker ist, der trotz des Kontaktes mit dem heutigen Schaffen (den er später bewies) das Gefühl für Romantik nicht verlernt hat; im Gegenteil, gerade in feiner Liebe zur Melodie scheint das Talent Kleins zu wurzeln. Die zum Abschluß gebotene U-Moll-Sonate von Liszt liegt auf der Grenze dessen, was der junge Künstler sich jetzt zumuten darf. Zwischen diesen beiden Pfeilerwerken stand eine Reihe kleinerer Stücke. Von Den beiden Ehopinschen Sachen gefiel mir die mit viel Wärme und Grazie dargebotene Barcarole am besten. Gut gelan­gen auch Die entzückenden Träume am Kamin von Reger, während sechs kleine Stücke von Alf Juergen- sohn (ein bissel Erstaufführung ist allweil dabei) mehr durch den ausgezeichneten Vortrag Kleins, als durch ihren musikalischen Wert zu interessieren vermochten.

Der Murhardsaal war außerordentlich gut besucht. Man dankte dem jungen hoffnungsvollen Künstler durch schone Blumen und herzlichen Beifall. Dr. P.

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