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Hummer 29*

Mittwoch, 4. Februar 1931

21. Jahrgang

Hessische Abendzeitung

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Kastel das SB ort 7 4. Auswärtige Kleine Anzeigen die 30 mm breite Zeile 11 4. Anzeigen im ReklameteU die 78 mm breit« Zeile 4S 4. Oil-ttgebübr 25 4 «bei Zustellung 85 4t. Für da» Erscheinen von Antigen in bestimmten Ausgaben, an besonderen Platzen und für telephonisch «teilte Aufträge keine Gewähr. Re», »ungsbetrage innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichrsnand Kassel. Postscheckkonto Frankfurt o. M 6380,

Kasseler Abendzeitung

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Kasseler Neueste Nachrichten

Schwere Verwüstungen auf Neuseeland

Immer noch Llngewißheit über die Zahl der Todesopfer / Napier und Hastings in Trümmern / Fünf Stunden war die Erde in Bewegung

Augenzeugen berichten

Eigener Drahtbericht.

London, 4. Februar.

Das Erdbeben in Rapier und anderen Orten der Nordinsel Neuseelands, über das wir bereits gestern berichtet haben, hat offenbar weit größere Schäden angerichtet, als nach den ersten Meldungen zu vermuten war. Die Angaben über die Zahl der Todesopfer gehen freilich, da die Telephon- und Telegraphenverbindungen aeftöri stnd, noch weit auseinander Rach Meldungen aus Wellington be­trägt die Zahl der aufgefundenen und namentlich sest-

rNORD-

-TASMANIA

/vB rNapier- /-Hastings -

-SÜD-INSEL-

Karte von Neuseeland.

gestellten Toten ungefähr 100, außerdem sind sechs noch nicht identifizierte und vier bis zur völligen Un­kenntlichkeit verstümmelte Leichen geborgen worden. Es werden aber noch viele Personen vermißt, sodaß sich die Verlustliste noch erhöhen dürfte. Allein in Rapier wird die Zahl der Toten auf 350 und die der Verletzten auf über 10 00 ge- schätzt.

Non Wellington aus. wo ebenfalls das Erdbeben stark verspürt wurde und wo die hohen Warenhäuser Risse erhielten sind vier Sonderzüge abgegan­gen. die Aerzte, Krankenpfleger, Medikamente. Nah­rungsmittel und Kleidungsstücke für die Verletzten an die Unglücksstelle bringen sollen. Ml den Son­derzügen ging auch eine Abteilung Polizei ab Man vermutet, daß sich unter den Trümmern der zerstörten Gebäude noch viele Lebende befinden. Di« Aufräumungsarbeiten dauern ununter­brochen an Gestern waren noch 26 Angestellte unter den Trümmern eines Warenhauses begraben.

Nach weiteren Meldungen aus Neuseeland stnd etwa 5 0 0 0 Menschen aus dem Erdbebengebiet nach dem Süden der Fnsel geflüchtet.

Wie nach einem riesigen Bombardement...

Wellington, 4. Februar.

Ei« Zeitungskorrespondent, der nach Napier durch- gelangen konnte, berichtet nähere Einzelheiten von der Katastrophe. Danach ist das berühmte Teante- Seminar für Maori-Knaben nnwiederherstellbar zerstört, aber die historische Holzkirche mitsamt ihrem Turm ist unbeschädigt geblieben.

Die Stadt Hastings bietet einen trostlosen Anblick.

Cs ist kaum möglich, auf den Straßen vorwärts zu kommen. Die Straße von Hastings nach Napier ist in einem unbeschreiblichen Zustand; an einigen Stellen ist Ne vollständig versunken. Die Verwüstungen in Rapier find womöglich noch größer als in Hastings. Die Marinepromenade bildet eine einzige Straße zusammengebrochener Häuser. lleberall trifft man obdachlose Familien. Alle Bankgebäude in Rapier find eingestürzt, das

ganze Eeschäktsviertel ist eingeäschert.

Die Berlagshäuser der beiden Zeitungen mit ihren modernen Maschinen find zu Ruinen geworden. Zm Hafen von Ahuriri, dem Seehasen von Napier, hat das brennende Oel der Tanks so gut wie alles zerstört. Besonders viele Opfer kostete der Einsturz des Da^s der technischen Schule, das auf die Schüler herabfiel. Die großen Tribünen des Renn­platzes wurden in aller Eile in Hilfskrankenhänser verwandelt. Das neue Städtische Theater ist ausgebrannt, ebenso die noch nicht sertiggestellte St. Paulskirche. Die Kathedrale ist unwiederherstell- bar beschädigt. Napier fieht wie eine Stadt aus, die ein riesiges Bombardement überstanden hat.

In der Umgegend von M o h a k a ist das Land zerwühlt.

Die Flüsse stauen sich. Das große Bassin im Ha­se» von Rapier, das unter dem Namen3 r o n Pot"

bekannt war, und wo Fischerboote und kleine Dam­pfer zu liegen pflegten, ist jetzt trockenes Land und längs der Wege ziehen sich Spalten in einer Länge bis zu 20 Metern hin.

Der Meeresboden hat sich um sechs Meter gehoben.

Ein Augenzeuge des Erdbebens in Hastings, das 30 Kilometer von Napier entfernt liegt, erzählt wei­ter, daß die ganze Stadt nach den Erdstößen in eine ungeheure Staubwolke eingehüllt war. Die Verwir­rung war unbeschreiblich, die Menschen waren vollkommen gelähmt und von allen Seiten ertönten Schreie und das Getöse des einstürzenden Mauerwerks.

Das Grand-Hotel stürzte wie ein Kartenhaus zusammen.

wobei die Front des Hauses quer über die Straße siel. An einer anderen Stelle der gleichen Straße wurden sechs Automobile völlig verschüttet.

Bei Wairoa stürzte ein Eisenbahntunnel zusammen, mehrere darin beschäftigte Arbeiter konn­ten aber durch einen ganz schmalen Spalt entkommen. Ein Farmer bei Gisborne berichtet, daß sich auf sei­nem Landgut zahlreiche Erdrisse gebildet haben,breit genug, daß c n Schaf hineinfallen kann."

Die Erdbebenaufzeichnungen in Wellington zeigen, daß das auf den Hauptstoß folgende Beben volle fünf Stunden anbielt,

doch waren die späteren Erschütterungen durchweg leichter. Das Zentrum des Bebens lag wahrscheinlich östlich von Napier, wo sich das Ozeanbett gehoben haben dürfte, wodurch das Verflachen d-s Hafens von Napier verursacht worden ist.

Flutwellen und Felsstürze

Wellington, 4. Februar.

Auf das Erdbeben folgten einige Flutwellen. Die Schisse im Hafen wurden nach allen Richtungen auseinander getrieben. Einige von ihnen retteten sich auf die hohe See. Das Erdbeben hat die ganze Küste

2. P. London, Anfang Februar.

London ist nicht nur die größte Stadt der Welt, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auch die am schnellsten wachsende aller Großstädte. Laut der letz­ten. im Jahre 1921 vorgenommenen Volkszählung, besaß London eine Bevölkerung von 7,5 Millionen. Heute wird die Bevölkerung von Groß-London vom Londoner Statistischen Amt auf etwa rund neun Millionen Menschen geschätzt. Und das Wachs­tum Londons geht noch immer in einer ständig an­steigenden Kurve weiter.

London liegt inmitten der lieblichen, grünen Grafschaften Surrey, Kent, Essex,' Hertfordshire, Middlesex und Buckinghamshire und all diese Land­schaften werden zur Zeit von der sich imm-er weiter und weiter ausbreitenden Welt­metropole förmlichaufgefressen". Je­der Engländer möchte gerne ein eigenes Häuschen haben, möglichst mit Garten, möglichst irgendwo drau­ßen im Grünen und möglichst in bequem erreichbarer Nachbarschaft von London. So erklärt sich dieses Aus-der-Erde-Tprießen von Dutzenden und Aber- dutzenden von Gartenstädten, die London schon nach allen Rtchtungen hin umgeben und die noch von sich aus immer neue und neue kleine Stadtkolonien aus­senden.

Einen anschaulichen Begriff von diesem rapiden Wachstinn Londons geben die statistischen Taten über die in den letzten 6 Jahren in Groß- London erbauten Häuser. Danach wurden in London gebaut: Im Jahre 1925: 30 519 Häuser: 1926: 42-224 Häuser; 1927: 49 616 Häuser; 1928: 44 128 Häuser; 1929 : 49 650 Häuser. Für das Jahr 1930 wird diese Zahl auf etwa 60000 geschätzt. Wo­bei zu bemerken ist, daß es sich hier lediglich um Kleinhäuser handelt und daß viele Tausende von Londoner Geschäftsbauten und von größeren Land­häusern hier nicht inbegriffen sind. Im Ganzen sind in Groß-Loitdon im Laufe der letzten sechs Jahre etwa 280'300 neue Häuser gebaut worden, die einen direkten Bevölkerungszuwachs von rund 1 Million Menschen mit sich gebracht haben. Jin Durchschnitt werden in London jede Woche etwa 1100 neue Häu­ser fer eingestellt. Und dieses berechtigt in der Tat zur Behaupiung. daß im Bereiche von Groß-London »jede Woche eine neue Stadt ans dem Boden schieße."

verändert. Viele Klippen sind ganz oder teilweise ins Meer gestürzt. Bluff-Hill, eine über den Hafen von Napier ragende Höhe, stürzte in die Bucht. Allent­halben fanden Erdrutsche statt.

Das britische KriegsschiffVeroniea" lag, wie gestern schon gemeldet, gerade vor Napier, als das Erdbeben stattfand. Der Kommandant beorderte die Mannschaft an Land und leitete die Rettungsarbeiten in der Stadt. Er hat einen Funkspruch nach Auckland gesandt, in dem es heißt:

,Zch bin soeben von einer Besichtigung Napiers zu­rückgekehrt. Fast alle Steingebäude sind zerstört und zahlreiche Teile der Stadt brennen noch lichterloh. Hunderte von Holzhäusern sind ebenfalls vernichtet worden. Man befürchtet, daß die Verlustliste sehr groß ist. Es ist jedoch noch nicht möglich, die Zahl der Opfer abzuschätzen. Die Wasserleitung der Stadt ist außer Betrieb und die Feuerwehr ist daher nicht imstande, der Brände Herr zu werden. Die Bevölkerung ist ruhig, aber durch die Größe der Katastrophe schwer erschüttert. Ich habe Lebensmit­teldepots organisiert, lasse die Straßen durch Polizei­streifen überwachen und habe Notlazarette errichtet. Obdachlose Frauen und Kinder werden an Bord der Veronica" genommen."

Außer Napier und Hastings wurden auch die

Warschau, 4. Februar.

Jnneiiminisier S k l a d k o w s k i wurde in der Senatssitzuüg am Dienstag von der OPPosit on heftig angegriffen. Den Anlaß hierzu bot die Aussprache über die Nachiragskredite. Hierbei kam die Reoe auch auf die Fälle der Mißhandlungen durch Polizeibe­amte. Im Vordergrund stand der im Sejm einge­brachte Antrag der Kommunisten, wegen der un­menschlichen Torturen, denen politische Gefangene im Unter suchungsgefäng-

Das Wachstum Londons geht hauptsächlich in zwei Richtungen vor sich: nach Nord-Osten und nach Süd- Westen. Im O st e n entstehen vorwiegend neue In­dustrie-Bezirke. So lebten beispielsweise in Rorth- East Acton vor fünf Jahren kaum 600 Menschen, wäh­rend heute dieselbe Gegend bereits eine Bevölkerung von über 25 000 Arbeitern und bereit Familien anf- weist. Im Westen und im Süden von London ent­stehen die eigentlichen Gartenstädte der middle claß Leute, lleberall stnd natürlich auch die Preise für Grund und Boden außerordentlich gestiegen. In Ge­genden, wo men noch vor kaum fünf Jahren für einen Hektar Land etwa 100 Pfund Sterling zahlte, verlangt und erhalt man heute oft weit über 1000 Pfund. Wie überhaupt dieses starke Wachstum Londons und die rege Bautätigkeit beweisen, daß die wirtschaftliche De­pression in England keineswegs so beängstigende For­men hat, wie dieses zur Zeit in anderen Ländern Europas leide»- der Fall ift

Tie Ausbreitung Londons in Süd-Westen geht auf die Nachbarstädte Reading, Maidstone und Chelms­ford zu. Fast die gesamte Grafschaft M i d d l e s e x ist bereits eine einzige Gartenstadt. Die nächsten Graf­schaften, die jetzt daran find, sind Hertfordshire, Buk- kinghamshire und Surrey. Tie weitere Entwicklung läßt sich schon jetzt klar übersehen. Und wenn es wahr sein sollte, daß in einer, hoffentlich nicht allzu nahen Zukunft die meisten europäischen Länder ihren länd­lichen Charakter fast gänzlich verlieren und sich in gigantische Gartenstädte verwandeln wer­den, so könnte man, auf Grund der gegenwärtigen Entwicklung Londons, fchon jetzt mit ziemlicher Sicher­heit Voraussagen, daß England diesen Zukunftszustand wahrscheinlich viel eher als irgend ein anderes Land Kontinental-Europas erreichen dürfte.

Die englische Wahlresormvorlage

in zweiter Lesung angenommen.

London, 4. Februar.

Das Unterhaus hat den konservativen Antrag iuf Verwerfung »er rvastlreformvorlage mit 295 gegen 230 Stimmen abgelehnt und die Vorlage in zweiter Lesung angenommen.

Städte Waipukurau, Danevirke. Woodville und Gisborne schwer mitgenommen.

Beunruhigung in London

London, 4. Februar.

Das schwere Erdbebenunglück in Neuseeland hat, da sehr viele Menschenleben zu beklagen sind, starke Besorgnisse in England hervorgerufen. Nachdem gestern die ersten Nachrichten von dem Un­glück eingetroffen waren, sammelte sich eine große Zahl von Menschen vor dem Büro der Regierung von Neuseeland an, um Auskunft über Verwandte und Freunde zu erhalten. Es lagen jedoch keine Einzel- melbungen vor, sodaß sich die Menge allmählich wie­der zerstreute.

Der Versicherungsmarkt in London wurde von dem Unglück verhältnismäßig wenig betrof­fen. Die meisten Versicherungen gegen Erdbeben sind in Neuseeland selbst abgeschlossen worden. Es haben natürlich Rückversicherungen in London stattge­funden. jedoch nicht in sehr großem Umfange. Die städtischen Anleihepapiere von Napier und anderen von dem Unglück betroffenen Städten haben natür­lich einen starken Rückgang erlitten.

ni s in Luck (Wolhynien) ausgesetzt sein wollen.

Skladkowski erklärte, die Beschuldigungen ent­sprächen im allgemeinen nicht den Tatsachen. Im Falle Luck müßte er jedoch zugeben bSfc dort nicht alles in Ordnung gewesen (!) fei. Aus die­sem Grunde habe er sämtliche in Betracht kommende Polizeibeamte hinausgeworfen.

Der Senat lehnte den ukrainischen Antrag, der dje Bestrafung der Schuldigen und Entschädigung für d e mißhandelten Opfer fordert, mit den Stimmen des Regierungsblocks ab.

Erneute Waffenrazzia in Berlin

Berlin, 4. Februar

Ein Verkehrslokal der Nationalsozialisten in der Hebbelstraße wurde in der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr nach Waffen durchsucht. Dabei wurden 22 Per­sonen zwangsgestellt, von denen 21 wieder entlassen werden konnten. Waffen wurden nicht gefunden.

Kaas und Feder

Berlin. 4. Februar.

Zn der vor einigen Tagen durch die Presse gegan­genen Nachricht, her nationalsozialistische Reichstags­abgeordnete Dr. Feder habe in einer national­sozialistischen Versammlung in Oldenburg mitgeteilt, der Vor^ende der Zentrumspartei, Prälat Kaas, habe ihm auf eine schriftliche Anfrage über seine Rede in Staffel schriftlich geantwortet, wird von Zentrumsseit- jetzt Stellung genommen, indem die .Germania" schreibt:

Der Abgeordnete Feder hatte sich in einem Bries an den Prälaten Kaas gewandt und ibn auf Grund eines Berichtes im .Vorwärts" über seine Kasseler Rede befragt. Er wollte eine Aufklärung darüber haben, ob der Vorsitzende der Zentrumspartei sich wörtlich so geäußert habe wie der Bericht des .Vor­wärts" lautete, wobei er den Anschein erwecke, als spreche er im Namen seiner Fraktion «was sich später als ein Irrtum herausstellte) Die Form dieses Schreibens war so, daß Prälat Kaas von vorn her­ein eine Beantwortung ablehnte.

Der Abgeordnete Gerig hat austraggemäß diesen Bries an die NationalsozialiMche Fraktion, z. H. des Vizepräsidenten Stöhr, zurückgegeben und dabei bemerkt, daß der Federscke Brief schon wegen feiner Form nicht beantwortet werden könne und wurde. Wenn es Herrn Feder darauf ankäme, die Wahrheit zu erfahren, über das, was Prälat Kaas wort- und sinngemäß in Kassel gesagt hat, so stände ihm dieser selbstverständlich rote jedem anderen zur Verfügung. Von politischen Gesprächen oder Unterhaltungen war weder damals die Rede, stoch kann heute die Rede davon fehl.

Weiter heißt es in den Ausführungen der Ger­mania: Falls Herr Feder an Prälaten Kaas heran­tritt. wird eine etwaige Rücksprache sich lediglich aus tatsächliche Mitteilungen beschränken können und in keiner Welse ein Hiniibe rivielen anf koalttions-- politische Fragen gestatten, für die alle Voraus­setzungen fehlen.

polnischeSulfur"

(Eigene Drahtmeldung.)

Jede Woche ein neuer Stadtteil"

Londons rasendes Wachstum / Rund 9 Millionen Menschen wohnen in der Metropole