Montag. 2. Februar 1931
Kasseler Treueste Tkachrichieu
Lette I '
Blei 4- Mineralwasser --- Gold
Gn italienischer Sachverständiger über Tausends unlautere Manipulatioue«
München. 2. Februar.
3u Beginn der Sonnabend-Verhandlung im Münchener Tausend-Prozeß teilte her Vorsitzende urzt daß der Goldiüllfeoerhalter Tausends, den dieser hei seinen Versuchen in der Münze gehabt habe trotz eingehenden Na-chsuLens nicht mehr zu finden sei. Es wurde dann oer medizinisch? Sachverständige Professor Dr Brström aus München vernommen Er erklärte, daß die Untersuchungen auf etwaige geistige Erkrankungen bei Tausend negativ verlausen seien. Anhaltspunkte, die die Anwendung des § 51 rechr- fertigen würden hätten stch nicht ergeben Au stallend sei die Hartnäckigkeit, mit der Tausend an seinen Ideen festhalte Er habe ein ausgesprochene- Gel» tunqsbeoürfnis und habe stch vollkommen in die Rolle eines Ernnd-rs hineinaelebt. sodaß bet anderen überhaupt keine Zweifel auftauchten Tausend sei ein selbstbewußter fanatisch veranlagter Mensch von biperifdiem Einschlag, der aber für seine Vergehen strafrechtlich verantwortlich gemacht werden müsse
Außerordentlich interessant war die Vernehmung des italienischen Professors Sestinj aus Bergamo, dem Tausend Chthe 1928 feine Erpertmeme vorgetührt hat. Sestini hat Tausend für einen gut italienisch gesinnten Deutschen gehalten, der seine Erperimente beiden Nationen zugute kommen lassen wollte. Tanseno legte ein Bleiblättch-n in einen Swnelzttegel Tausend sagte er werde dem Blei ein Mineralwasser zugeben, und das Blei werde stch in Gold verwandeln Aeußerst temveramentvoll und heftig gestikulierend rief unter allgemeinem Gelächter b-r Zeuge aus: ..Das Bl-i bleib aber Blei, Blei. Blei!'
Der Zeuge fuhr dann fort er habe b»merkt. daß Tausend ein Metallstück versteckt hielt. Plötzlich sagte er. er müsse »in anderes Stück in die Schmek'masse geben Auf die Vorhaltunqen des Zeug-n öttnete Taufend die Hand, in der ein verstecktts Metallstück zum Vorschein kam. das kein reines Blei, sondern eine Legierung war. Der Zeuge liest stch ein Drittel des M-'alls geben: die übrigen zwei Drittel benutzte Ta"t»nd für feinen Verfuch. Das Ergebnis war ein Goldküg-lchen das der Zeuge dem Gericht »Oriente. Obwohl er selbst nur ein Drittel des Bl 's hatte, gelang es ibm. damit noch ein gröberes Stück Gold zu erzeugen DaS Gald sei also bereits in der Legierung vorhanden gewesen.
Der Zeuge k-m zu dem Ergebnis, daß stch Tausend bei se nen Versuchen unlauterer Manipulationen bedient habe Ans Fragen der Verteidigung, wer ibn beauftragt habe, das Tansendsche Verfahren zu Prüfen. berief stch Professor S°stini wi-derholt auf seine E'genfchaft als italienischer Swettsb-amter: er sei dunst fe’n Amtsgeheimnis an Stillschweigen gebunden Der Angeklagte .Tausend namve die ganze A"s- sage des Zeugen eine Lüge, was vom Vorsttzenden gerügt wurde.
Zeugen im Mönch-Prozeß
Berlin. 2. FÄrnar.
Die Verhandlung im Mbrich-Prozetz wurde am Sonnabend zunächst eine Zeit lang nicht öffentlich geführt. Der wesentlichste Inhalt der nicht öffentlichen Verhandlung war die Rekonnruierung oer Tat im Gerichtssaal Hierbei wirkte besonders abstoßend die tzru'alität, mit der Stolpe seine Handlungen vorführte. Auch etnige Zeugen, die über sexuelle Fragen auSsagen sollten, wurden in nicht öffentlicher Sitzung vernommen. Eine Zeugin, die LieSchen Neumann mit Ulbrich bekanntgemacht haben soll, bestätigte, daß Ulbrich den „Kundinnen' für bekleidete Aufnahmen 25 Pfennig je Abzug abnahm, daß tr aber für Nackt- Aufnahmen umgekehrt oen Mädchen wenigstens das erste Mal 5 Mark zahlte. Dabei wurden auch Re-, klamekarten Ulbrichs vorgelegt, auf denen er eine Variets-Truppe „Ulbrichs lebender Marmor' anbot.
In öffentlicher Sitzung wurden Angehörige von Stolpe und Benzinger vernommen Benzinger wurde als guter Zunge geschitdert. Erne Lehrerin erzählte, Lieschen Neumann sei immer eine shmpathische und liebe Schülerin gewesen. Nie hahe sie etwas von Grausamkeit oder Lieblosigkeit bei ihr beobachtet, Sie habe sie auch im Gefängnis besucht und denselben Eindruck gehabt. Als ihr der Vorsitzende die Nacktaufnahmen vorlegte uno sie darauf hinwies, daß sie den Mann, der die Aufnahmen gemacht hat, mitet- mordei habe erklärte die Zeugin, daß sie auch aus Grund der neuen Unterlagen kein anderes Urteil ah- aeben könne
Der Prozeß wird am heutigen Montag fortgesetzt
Orr Muffolini-Pian für Groß-Rom
Der römische Bamneister Piacenttni hat Im Aus- trag des von Mussolini eingesetzten Komitees dem
Reise-Erlebnisse in Renseelsnb:
Es kostete uns fünf Reisen, und wir gelangten nicht ganz bis hinauf, aber das kam nur, weil wir zu früh daran waren und nicht ein halbes Jahr warten konnten; denn bann wird die Straße fertig fein, die die neuseeländische Regierung von der „Hermitage', dem Berg-Hotel am Füße des Mount Cook, auf den Tasman baut, und dann wird man In aller Be- guemlichkeit im Auw bis auf bai ewige Eis eines der größten Gletscher der Welt — nur in der Antarktis gibt es einen noch größeren — fahren können.
Das heißt, in „aller Bequemlichkeit' ist nicht wörtlich zunehmen. Ein Promenadenweg wird es Wohl nie werden, auch wenn eS nicht mehr über eben abge- sprengten stets und spitze Steintrümmer geht, wie bei unserer stahlt. Diese endete auf einem Sattel, der glücklicherweise Platz genug zum Wenden bot. Da ließen wir das Kühlwaffer aus und den Wagen stehen. „Wien, liebes Wäger!', sagten wir und nah- men leicht beklommenen Herzens Abschied. Mindestens zwei bis drei Tage würden wir auf dem Gletscher bleiben. Was inzwischen passierte, und ob und wie wir den Wagen wieder in Gang bekommen würden, war durchaus ungewiß! Aber ich hatte mich nun einmal auf das Abenteuer eingelassen, und so schritten wir hinter Alf, unserem norwegischen Führer, durch den tiefen Schnee bergan. Wie ein von seinem Herrn zurückgelassener Hund schien der Wagen uns wehmütig nachzuschauen.
Schuld an der Fahrt war Ralph, mein Sohn. Ich hatte ihm vor Antritt der Neuseeland-Reise leichtsinnigerweise versprochen, ihm einen Gletscher zu zeigen, und jetzt forderte er die Einlösung meines Versprechens. Für den Fünfjährigen war die Tour nur zu machen, indem wir mit dem Auto so weit fuhren. daß kein allzu langer Anstieg blieb, stur den Notfall vertraute ich auf Alf, der Bärenkräfte hätte. Aber wie brauchten nicht auf ihn als Träger zurück- zugreifen, denn Ralph hielt sich tapfer, bis wir oben an der Hütte ankamen, big wir in ziemlich tiefen Schnee gerieten.
Knapp vor Sonnenuntergang erreichten wir die Kimme. Vor uns lag ausgebreitet das ungeheure dreißig Kilometer lange Eisfeld: Glitzernd, schimmernd, als hätte ein Märchen-Fürst, ein Gott oder ein Satan alle Schätze der Welt mit grandioser Geste in die riesige Mulde zwischen die zackige Bergwiese auSgeschüttet.
Um ein paar Stunden waren wir zu spät gekommen; denn kaum standen wir oben, als spitze Schatten unter den Gletscherzacken hervorwuchsen. Wie flinke Mäpfe husch'en sie über das Eisfeld, wuchsen, schossen vor, wie Schlangen, breiteten sich auS tote
Duce jetzt die Pläne für eas neu zu schaffende Groß- Rom vorgelegt, das im Jahre 1546 vollendet sein soll ui» für eine Einwohnerschaft von 2 Millionen Menschen, mehr als das Doppelte oer «etzigen Bevölkerung, berechnet tft. Die großen Schwierigkeit des Verkehrsproblems in der „ewigen Stadt' in oer die belebtesten Straßen im mittelalterlichen Teil liegen, wenden hervorgehoben, und es wird in diesem sogenannten Mussolini-Plan ein Softem von neuen Parallelstraßen vorgeschlagen, oie Oie Hauptoerkehrs- adern, besonders den Cprso Umberto, entlasten sollen. Damit yerbnnoen wird Oie Einrichtung von unterirdischen Wegen und Untergrundhahnen, die bisher in Rom unbekannt waren. Ein neuer Mittelpunkt soll in Oem Foro Jialico geschaffen toeroen, oas von der Piazza Venezia, dem Hauptquartier Mussolinis, nach dem Capitol führt. Im allgemeinen soll der Mit- telteil der Stadt möglichst unverändert bleiben und die neue Stadt ringsherum angelegt toeroen, wofür Drei Untergtunobahnen und drei neue Bahnhöfe vorgesehen sind. Zahlreiche neue Parks werden ent- stehen, und die alten Straßen, die aus Rom heraus- sühren, sollen beträchtlich erweitert und verlängert wenden, wobei große Plätze und Gärten für Verschönerung sorgen werden. Der Plan sucht zwar die ge- schichtltchen uno landschaftlich schönen Teile der alten Staot Rom nach Möglichkeit zu erhalten, empfiehlt aber sie Entfernung aller Denkmäler, die den Straßenverkehr hindern.
Wasser und fraßen all den glitzernden Schimmer in sich hinein. Dann fuhr es die Berghänge hinunter, wie ein kalte, graue Hand. Sie wischte über den Gletscher. Für eine Sekunde lag er in blauem Schimmer. aber dann war alles tot, grau, böse und feind- fchfl. Wir fröstelten in dem kalten Hauch, der uns antoehte und sahen wie in Sorge nach den fernen Gipfeln, an die sich ein Rest von Licht verzweifelt anzuklammern schien, das in diese letzten Augenblicke vor dem Untergang allen betörenden Glanz legte.
Als das letzte Leuchten erloschen, fiel mit Ralph ein, uno was ich doch für ein prachtvoller Vater fei, daß ich ihm bleien Anblick verschaffte. »Nun, was sagst Du fetzt?', meinte ich, um in väterlicher Eitelkeit und Verblendung seine Begeisterung einzuheimsen. Ader Ralph meinte nur verlegen: „Recht hübsch, aber ich habe mir einen Gletscher doch anders borge» stellt'
Ich muß sagen, ich war etwas enttäuscht. Dafür haue ich bte halsbrecherische Fahrt mit dem Auto riskiert und ihm den Rekord verschafft, als erstes Kind den Tasmau-Gletscher erstiegen zu haben. Ich suchte ihm klarzumachen, daß ein Gletscher eben so und nicht anders ausschoue, aber er erwiderte jetzt energisch: »Nein, ein Gletscher, das sind haushohe Eiszapfen!'
Ich wies ihn natürlich zurecht, aber am nächsten Tag sah ich, daß Ralph recht hatte Mern Norweger führte mich in die Eishöhlen und Grotten des Tas- man, und da hingen sie. weiß Gott, die haushohen Eiszapfen, blau schimmernd tote gefrorenes Licht.
Schade, daß ich Ralph die nicht zeigen konnte, aber weiter über den Gletscher wollte ich die Kinder doch nicht mitnehmen, unb sie waren bekümmert in der Hülle zurückgeblieben, als ich mit Als auf Skiern aufbrach.
Ich hatte dem Tagesanbruch mit erheblicher Sorge entgegengesehen, benn das Wetter machte den Eindruck. als ob es für; vor dem Umschlagen stünde. Dann aber brach doch noch einmal em strahlender Tag an. Es lag guter Pulver-Schnee auf dem Gletscher. Wir fuhren in rascher Fahrt bis zu dem Hoch- stetter-EiSfall. Das ist ein gefrorener Wasserfall. Nein, es ist etwas noch viel Eindrucksvolleres. Ich kenne die Niagara-Fälle im Winter. Die sind ein imponierender Anblick, aber der Hochstetter-Eisfall wirkt, als seien seine ungeheuren Wassermengen im Augenblick des wirbelnden Tosens und Stürzens erstarrt. Das ist gefrorener Gischt und Schaum.
.Nicht zu nahe.', warnte Alf, .heute ist ein guter Tag für Lawinen!'
Spannend und humorvoll ist unser neuer Gesellschaftsroman ACHT TAGE SKANDAL mit dessen Abdruck wir morgen beginnen
.Lawinen?' Donnerwetter, das wäre was für meinen Film. Jetzt drängte ich erst recht.
Der Norweger ließ sich bestimmen, und wir ftch- ren bis dicht an die über Felsen überhängenden Eismassen heran. Ich hatte meine kleine Kamera mit, die für solche Fälle der handlichste Appara' ist. stellte ein, und dann warteten toll. Vorsichtigerweise hatten wir uns mit dem Rücken gegen den Eissall gestellt, um tm Notfall sofort die rettende Abfahrt den verschneiten Gletscher hinunter antreten zu können Es war keine überflüssige Vorsicht Wir warteten auch nicht lange, als oben in den Felsen ein Teil des Eises ’.ttS Rutschen kam. Ich weiß nicht, habe ich diesen ersten Anfang der Lawine auf die Platte bekommen, oder nur die weiße Wolle, bte plötzlich, alles verhüllend, auf uns zuraste. Jedenfalls ging alles irrsinnig schnell, und ich kam erst so richtig wieder zur Besinnung, als ich nach einer sausenden Abfahrt aus einem Schneehaufen herauskrabbelte, in dem ich gelandet war.
S
Ich war erhebltch müde, als wir am Mittag wieder in der Hütte ankamen. Ich wäre qem noch länger geblieben, aber M drängte zu sofortigem Ausbruch. Er wies auf den Himmel und meinte, ich hätte den letzten Tag tm Jahr erwischt, an dem man mit dem Auto auf den Tasman könnte.
Ich sah die abftünenben Kurven des noch nicht befestigten Weges vor mir, die ich den Wagen hinauf- nefteuert Wenn die erst in Nässe und Schnee liegen! Unb ich lief den andern vor zürn Wagen hinunter, um ihn rechtzeitig in Gang zu bringen.
Sie heutige Nummer umkutzt - Seiten
Beramworilich für den volittschen Teil: Dr. Walter Behnt: für. das Keutlleton: Verma» M Bona»; für lokalen und Heimatteil: Dr. Hans SoaLim ®J « 6 e t; für Handel: Dr. HanS Langenberg: für tsoorttetl: Herben Soeich: Pdow-lliedakteur: Eduard LLulr- K e f f e l: für den Anzeigenteil: Konrad Wachsman n. — Berliner Lchriftteüung: Dr. W a l t e r 5 b u m . 8er. ltn SW. 88. - Druck und Verlag: Stofftier Neueste Nachrichten ®. m. b H.. Kassel. Kölnische Strafet 1J.
Teuioburger Wald
Im Auto auf den Tasmau-Gletscher
Von Lolin Roß
Roman von E* Oppenheim / Copyright by Georg Müller Verlag, München
„Aber spreche ich denn nicht die ganze Zett davon?' protestierte er. „Ich will jetzt endlich Gewißheit haben.'
„Das weiß ich. Aber ich muß mir erst über mich selbst klar sein. Dränge mich also nicht. Es ist doch riesig nett, wie wir es fetzt haben, findest du nicht auch?'
„Noch lange nicht so nett, als es sein könnte', klagte er. .Ich habe dich noch nicht einmal küssen dürfen — nicht einen einzigen Kuß!'
„Wenn ich mich überhaupt von dir küssen lasse,' versprach sie ihm, „darfst du das so lange und so oft du willst.'
„Schon meinetwegen hoffte ich. daß e8 bald soweit wäre.'
.^sch bin auch n'cht besser dran als du. Aber wenn du nicht zufrieden bist, weshalb fhrteft du nicht ein bißchen mit den anderen jungen Mädchen; es sind doch so viele da.'
„Du weißt genau daß ich das nicht könnte. — sozusagen vor deiner Nase', antwortete er gekränkt.
„Dann laß uns wrnünftia reden; erzähle mir von Afrika — und wie du dein Geld verdient hast '
„Das kann dich ja gar nicht interessieren; durch Geschäfte halt.'
„Lanbesspekulation?'
.Tsia. so etwas Aehnliches'. ertoiberte er unklar. „Dein Vater weiß schon, daß ich es ehrlich erworben habe.'
Diese Bemerkung hatte sie etwas verletzt.
„Daran bähe ich keinen Augenblick gezweifelt. Wirklich nicht. M>-r von der Art deiner Arbeit hätte ich etwas wissen wollen, denn schließlich muß man heutzutage schon einen Hellen Kopf haben, um aüf einen grünen Zweig zu kommen.'
Harold stotterte ewiae zerfahrene Erklärungen, bis sie ihn unterbrach Als sie an diesem Abend vor dem Ess n In b»r Halle au? ihren ^Mer wartete, kam General Breckenf'eln vorbe, ein älterer Verehrer, der ihr viel ritterliche Aufmerksamke'ten bezeugt batte, trat zu ihr heran und nahm -«eben ihr Vlatz Er blickte umher ob sie ung-stört wären Dann begann er: „Miß Foa-> sch b-n fo alt. daß ich Ihr Vater fein könnte '
„Woll-n Sie bam’t tagen daß ich für etwas aus- ges^otten werd m foff?' fragte sie lachend.
Er tchü"elte den Kopf.
Ich will gan, otten zu Ihnen lein. Ich habe Sie die ganze letzte Woche in der Begleitung eines jungen Yvonnes o-tehen betten Nam-n ich nicht kenne.
„Shin und?' fmate sie. n-« gier'a gemacht.
Der General hustete: „In Monte Carlo macht man
leicht Bekanntschaften — so im Raftno — im Klub — fast überall — Bei uns Männern ist das nicht so gefährlich was aber unsere Damen betrifft, ba liegt die Sache schon anders. Dars ich fortfahrens'
.Ich bitte darum.'
„Ich werde mich also mit Mut wappnen! Ich glaube nicht, daß der junge Mann — nach den Orten, die er nachts aufsucht, zu urteilen — bte richtige Gesellschaft für Sie ist Ich will Ihnen sagen, wo ich ihn zum erstenmal sah. Es war in einem kleinen Cafs- Restaurant, dessen Besitzer ich sehr gut kenne, weil er im Metropole länger als Kellner tätig war. Ihr Freund wurde aus dem kleinen Restaurant an die Lust gesetzt, weil er seine Rechnung nicht begleichen konnte. Der Besitzer, den ich. wie gesagt, gut kenne, gab mir die Versicherung daß dies schon der zweite Prellversuch des jungen Mannes fei, und daß er keine Rücksicht mehr auf ihn nehmen wolle.'
„Das muß aber ein Irrtum fein, denn Mr. Rodes hat sehr.viel Geld '
„Ach. wirftich'. bemerfte er trocken. „Ich habe aber gesehen tote Ihr Freund Är Channav. der gerade vorüberkam. die Zeche bezahlte, und daß man den jungen Mann beinahe zwischen zwei Gendarmen ab« geführt hätte.
„Mr Channav kannte ihn? Und zahlte seine Rechnung ?' wiederholte Catherine atemlos.
„Ich habe Ihnen die reine Wahrheit aelagt, liebe Frenndin' ertoiber’e der General ernst „Kredit wird in Monte Carlo leicht gewährt. Niemand braucht. Wenn er mal vorübergehend knapp an Barmitteln ist. zu den kleinen Budiken In den Bergen zu gehen und dor« Zechprellereien zu verüben . . . Doch hier kommt ja Ihr Vater und meine Frau. Sie sind mir aber nicht böse — nein?' fügte er hinzu, während er anf- ''ian,Pöfe nicht*, flüsterte sie ibm „Nur verstehe ich das aö"8 einfach nicht daS tft alles '
Caiberine stellte ihrem Vater während deS DinerS eine recht unerwar'ete Frage: „Vater — hast du eine Ahnung, wie Harold zu feinem Gelbe kam?'
Martin Foga hustete. Nicht, daß er darauf unvorbereitet gewesen wäre Nur erschwerte ihm der unge- wöbnl'che Augenblick b»t Fragestellung die Antwort.
„Nicht genau, mein Kind*, fernte er ausweichend.
„Vater, du sprichst nicht die Wahrheit. Die Sache ist mir lehr wichtig Kannst du das nicht verstehen? Du muhe mir alles faaen Was du weißt!'
Ausflüchte Waren nutzlos und Martin Fogg konnte nicht lügen: „Es handelt sich hier um eine alte
Schuld, die auf sein väterliches Vermögen zurückve- zahlt wurde.'
Mit einem Schlage Wurde Catherine die Sache klar.
„Vater,* rief sie aus, „nun verstehe ich den Sinn des Ganzen. Harolds Vater War jener Eric Rodes, der sich geweigert, den Verttag zu unterzeichnen und nach dessen Erben Mr. Channav forschen ließ.'
„Hat keinen Zweck. lange zu leugnen*, gab Fogg zu. ,^sch habe alles erfüllt, was ich versprochen hatte.'
„Wem versprochen', verlangte sie zu wissen. „Warum Wurde m r nicht gleich die Wahrheit mitgeteilt?*
Martin Fogg wurde es etwas unbehaglich. Vor dem Funkeln in den Augen feiner Tochter fühlte er sich Wie ein schuldiger Schuljunge.
„Es war ein törichter Einfall. liebes Kind Chan- nah War bekannt, daß zwischen dir und dem jungen Mann ein gewisses Uebereinlommen bestand. Er traf ibn ganz zufällig. hörte, daß nur die (dürft «he Lösung der Geldfrage eine Verlobung ermöglichen könne, also überredete er mich, dich — bis du deine Gefühle für Harold geklärt habest — in dem Glauben zu belassen, daß die sechshunberttausenb —'
„So danke schön!' unterbrach sie ihn mft Tränen in den Augen.
„Ich ftnde eS direkt abscheulich von euch beiden!'
„Unsere Beweggründe . , .' wollte ihr Vater beruhigend fortfahren.
.Ich hasse alle Beweggründe!' unterbrach sie ihn noch etamal tief empört.
*
Die Saison in Cannes War inzwischen vorgeschritten. Aber noch saßen genug Gäste an kleinen Tischen unter buntgestreiften Schirmen vor dem Kasino Catherine und ihr Vater beobachteten das Kommen und G»ben der Gäste.
„Wenn du Mr. Channav Wirklich sehen Willst,' schlug er vor „bann solltest du ihn entweder verständigen ober ihn in seinem Hotel aufsuchen. Auf jedeit Fall ist es zwecklos, ihm böse zu fein Soviel ich begreifen kann, hat er dir doch kein Unrecht zugefügt.'
„Woher Weißt du das?' fragte sie ernst. . Angenommen, ich hätte mich während der letzten Woche bis über die Obren in Harold verliebt und müßte nun entdecken, daß et mich betrogen bat?*
„Dafür kannst du ober doch Channav nicht verantwortlich machen?* protest'erte er. „Gewiß, er selbst bat dir nichts mitgeteilt, weil er natürlich voranssetzte, daß der junoe Mann das tun Würde.'
„Damals könnt et Harold noch nicht', erwiderte sie trocken. „Es war auf jeden Fall eine nr^er» trächtige Verschwörung.'
Plötzlich leuchtete ihr Gesicht auf. Channav kam, scheinbar etwas aelanatoetft, von der Hakenseite her» angeschlendert. Als er Ca'herine bemerkte, ging er sofort auf sie zu. Sie dankte kaum.
„Nehmen Sie dort Platz' sagte sie, auf einen Stuhl weifend.
i Chattttay fügte sich schweigen;
ehen wird?'
Harold Rodes?* fragte
Schluß
„Barmherziger Gott!' seufzte Martin Fogg, 'T er den Kellner heranrief. i
„Der befindet sich entweder auf dem Rückwege nach England ober er tröstet sich bei einer kleinen Tänzerin. Wie es in Wahrheit steht, war mir vom ersten Augenblick seiner Ankunft bekannt. Sie aber hätten dies schon vorher wissen müssen.'
Channav beugte sich auf seinem Platz vor.
„Ja, ich bitte mir zu verzeihen', sagte er. „SSte sind Ihre Bedingungen?*
„Sind S'e bereit, heute nachmittag mit uns tm Auto nach Monte Carlo zurückzufahren.'
„Mit Freuden!' beteuerte er eifrig.
„Wollen Sie mir verfvrechen, dort Wteber tote früher mit mir auf die Terrasse zu gehen und mit aeue Dinge zu sagen?''
,Hch verspreche Ihnen zu sagen, was ich vom ersten Augenblick an empfunden habe, als ich Die auf meinem Boot in Blicklev sitzen sah . . .'
„Und wenn Sie dies alles schön brav getas haben,' sagte sie mit leicht verschleierter Stimme, „dann laben Sie mich zum Tee zu 'ich ein?*
„Catherine!' — rief er aus.
Sie winkte ihrem Vater, der gewissenhaft noch im Hintergrund blieb.
„Du darfst wiederkommen,' rief sie ihm lachend zu. „unb lasse jetzt die Cocktails bringen. Mr. Channav und ich —*
„Gilbert', unterbrach er sie sanft.
„Vater,' sagte sie, ,ch)ir werden heute kaum noch einen Cocktail zu sehen bekommen, wenn du dich nicht selbst mal danach umtust. Sollte der Wink aber noch nicht deutlich genug fein — ich möchte mit Mr. Channav zwei Minuten ungestött reden.'
Martin Fogg, dieser wohlerzogene Vater, entfernte sich sofort wiederspruchslos.
„Nun?' fragte Catherine.
„Haben Sie irgendwelche Nachricht für mich, erkundigte er sich.
e habe Ihnen etwas zu sagen', antwortete sie tt, „oder vielmehr, ich möchte Sie zuerst etwas fragen. Also, Wo ist oie Fürstin?'
„Welche Fürstin?'
„Fürstin Variabinski. Ich sah Sie beide auf dem Bahnhof in den gleichen Wagen steigen.
„Wir reisten nicht einmal im gleichen Abteil, versicherte er sie. „Sie fuhr gleich bis Paris, während ich hier ausstleg. Auf dem Bahnhof haben wir uns ganz zufällig getroffen.'
Catherine schwieg einige Augenblicke, ehe sie fort» fuhr. „Zweite Frage: Sagen -sie mir ganz genau, weshalb Sie auf und davon gingen und mich mit Harold Rodes und seinen sechshunderttausend Mark allein ließen?'
„Weil Harold Rodes dem Alter nach der richtige Mann für Sie ist. Sie selbst waren sich über Ihre Gefühle aber nicht ganz klar. . darum mußte ich Ihrer Entscheidung freien Spielraum lassen.'
„So ist das. Jetzt hören Sie mich mal an. Wollen Sie, daß Ihnen per, ehen wird?'
Aber was geschieht mit Harold Rodes?* fragte