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Freitag. 23. Januar 1931

rr fielet Neueste Nachrichten

Sin Bandit wird schwach

Tragikomödie im Schönheitsinstitut

Neuyork. im Januar.

In seinem jüngsten WerkElisabeth von England' schildert Ferdinand Bruckner eine Szene, die ihrer Wirkung stets sicher ist Der jugendliche Gras Esser und Liebhaber der Königin überrascht die Regeniin bei ihrer Morgentoilette. Was er da zu sehen be­kommt, veranlaßt ihn sofort, Reißaus zu nehmen und die Liehschaft zu beenden. Der Unglückliche harte seine königliche Geliebte nur in großer Aufmachung te sehen. Das belauschteLevee" zeigte ihm ihr wah­res Gesicht.

Diese Szene erinnert an einen Vorfall, der sich vor kurzem in Amerika abgespielt hat und viel be­lacht wurhe. Wie man weiß, ist das Banditentum in den Vereinigten Staaten in höchster Blüte, und so war es an und für sich nichts Außergewöhnliches, daß ein zünftiges Mitglied der Unterwelt auf den Ge­danken kam, einem wegen seiner vornehmen Kund­schaft und seiner angeblich großen Erfolge berühm­ten Schönheitsinstitut einenBesuch" abzustatle» Der Banditenstreich wurde gut vorbereitet, die Chan­cen waren also für den Einbrecher nicht ungünstig. Nur mit einem hatte der Bandit nicht gerechnet und an diesem einen scheiterte er. Wie man sehen wird,

kann man ihm wegen seinerNachlässigkeit" keine be­sonderen Vorwürfe machen, denn auch gewieftere Verbrecher wären vermutlich dieser Tücke, man muß hier sagen: der Subjekte zum Opfer gefallen. Unser Bandit betrat also keck und siegesbewußt den Laden des Institutes, eilte auf die Kasse zu und hielt der Angestellten seinen Revolver vor die Nase. Hätte er ihr den Mund zugehalien, wäre die Sache für ihn nicht so schimpflich ausgelaufen. So aber konnte sie um Hilfe rufen. Und es geschah das Fürchterliche, das auch die geriflene Verbrecherkombination nicht m Rechnung hatte stellen können: sämtliche Türen des Schönheitssalons spien Frauen von höchst sonderba­rem Aussehen aus. Tie Gesichter der einen waren schlammverdeckt, die anderen hatten krustenartige Ge­bilde auf den Mangen und Nasen, andere hatten höchst erschreckliche Auswüchse an ihren Haarfrisuren, eiserne Rollen, endlose Schnüre, die anderen trugen wieder höchst beachtliche Wattcpolster um ihre Hüften es sah also atturai so aus, als ob die Hölle eine Flut von Furien losgelasien hätte.

Der Anblick war so fürchterlich und das Geschrei dieser Unwesen so entsetzlich, daß der sonst kaltblü­tige Verbrecher seine Kaltblütigkeit verlor, ins Git­tern geriet, den Revolver fallen ließ und, beide Hände vor die Augen gepreßt, genau so wie der Graf Essex im Bruckner'schen Schauspiel. Reißaus nahm. Die Geschichte war ihm so an die Nerven gegangen, daß er einem Instinkt nach Hilfe nachgebend in die wil­lig ausgestreckten Arme zweier Polizisten lief.

Amerikanische Romanze

e. Neuyork.

A. C. Lauster war in den Krieg gezogen, hatte tapfer gekämpft und war dabei, als einige Deutsche gesangen wurde. Da trat einer der Gefangenen auf ihn zu.Kamerad", sagte er in reinem englisch,ich habe seit zwei Wcchen nichts geraucht und sterbe vor Sehnsucht nach einer Zigarette. Kannst du mir eine geben?

Gewiß", erwiderte A. C. Sanfter, -aber wenn du so lange nichts geraucht hast, Kamerad, wird dir die Zigarette nichts nützen. Da nimm eine Zi­garre., die hält länger vor". Und als er die Freude in des Deutschen Augen sah, gab er ihm gleich eine ganze Schachtel Zigarren.

Kamerad", sagte der Deutsche,du hast mir die größte Freude bereitet, die man mir bereiten konnte, sie ist mir mehr wert, als alles, was ich besitze, da hast du meine goldene Uhr dafür nimm sie zum Andenken, weil du einem Kameraden geholfen hast". Und A. C. Lauster nahm die Mr und war gerührt.

Vor zwei Monaten fuhr A. C. Lauster in Ge- sihäf.en nach Deutschland. Und wie er in Hamburg über die Straße gmg, begegnete ihm der Deutsche und ,agte: -Kamerad .hast du meine Mr noch?"Aes" erwiderte A. C. Sanfter,ich habe sie nrdj und halte sie in Ehren". 'Daraufhin gingen sie ihres Weges.

Dies erzählt eine Neuyorker Zeitung. Und sie

Seite 3-8. Beilage

vergißt nicht, die Großmut des amerikanischen Sol­daten noch einmal zu rühmtzn, die den armen deut­schen Gefangenen Zigarren und Lebensmittel schenk­ten. Und sie vergißt nur, zu sagen, daß diese Ge­schenke recht oft sehr, sehr gute Tauschgeschäfte wäre»

.Konnten Sie die Nummer des Auws noch erken­nen. das Sie angefahren hat?"

Nein, es ging zu rasend. Ich sah nur noch, daß die Frau, die drin saß, einen blauen Elockenhut, un­echte Perlen Schwedenhandschuhe, einen Astrachan­mantel, fleischfarbene Strümpfe und Krokodilleder­schuhe trug. (London Mail")

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