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Montag, 19. Januar 1931 / 2. Beilage

Kasseler Neueste Nachrichten

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Andere SMe - ganz andere Sillen / Was uns in fremden Ländern anfM

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Kopfnicken.

Man treibt Sport in jeder Form, Tennis und

Golf sind erschwinglich. Der abgehetzte Berufsmann

geht noch schnell vor dem Essen Criquet spielen. ------------ - - - - . ,

Am Strand ist ein Luftbad in noch so geschlosse- »um Hinunterspucken einladt nein Badeanzug verpönt. Man hat sich unmittelbar 41" "

vor dem Baden auszuziehen uns eilt aus dem Wasser in Sie Kabine, zieht sich an, und legt sich dann in

Von Patras aus, dem griechischen Hafen, kann man sich der Hauptstadt aus dem Schiffahrtsweg und über die Schienenstränge nähern. Die Schmalspur­bahn führt sogar einen Speisewagen mit sich, dessen Benutzung den Passagieren der 3. Klasse im allge­meinen nicht gestattet ist. lieber eine zugige Platt­form gelangt man zu ihm und wird satt, bevor man zu speisen beginnt. Ersprießlicher ist der Blick aufs peloponesische Land, aus die Korinthenstraucher, Die leeren Landstraßen, die das Meer begleiten. Klas­sische Orte gleiten vorüber, die heutzutage jämmer­lich modern geworden sind. Korinth, das ein trau­riges Dorf ist; Eleusis, wo es nach Rosenöl u. Ham- melfett riecht. Der Isthmus wird überquert, der Isthmus, der wie ein gedehnter Papierkorb liegt und

Der Nachtschnellzug ParisJrun, in dem sich der Prinz von Wales und sein Bruder befand, ist in der Nähe von Bordeaux entgleist, ohne daß Menschen­opfer dabei zu beklagen sind. Zwei Wagen stürzten um und versperrten beide Gleise. Der Zugverkehr wird vorläufig durch Umsteigen aufrechterhalten.

mangel fruchteten nicht. Ems-zwei-drei waren die Stiefel sauber; und der große Zeh, der so neugierig durchs Oberleder blinzelte, wurde ebenso rasch du^ch Wichse der Schuhfarbe angeglichen. Und mit unnach­ahmlicher Grandezza nahm der Athener 5 Lep.a (0,2 Pfg.) als Lohn in Empfang, wahrend er stolz lgg.e.

.Kyrie Kavalier!"

(Jetzt ist der Herr wieder Kavalier!")

Berlin, 19. Januar. Im Hause Lutherstratze 32 in Charlottenburg brach im Dachgeschoß ein Brand aus,

Der Prinz von Wales Hai sich auf eine Reise nach Südamerika begeben. Bekanntlich dienen die häufigen Reisen des beliebten englischen Thronfolgers haupt­sächlich dazu, die Handelsbeziehungen Englands mit allen Ländern zu stärken.

Dann hält der Zug in Athen.

Was uns in der Stadt des Perikles auffiel, war

-r« Sareh in der Grafschaft Lincoln stießen wiederum zwei englische Armeeflugzeuge in der Dämme runa zusammen, stürzten ab und wurden vollkommen zertrümmert. Zwei Offiziere und ein Sergeant kamen dabei ums Leben. Das ist der dritte schwere Unfall, den die englische Hcereslustfahrt in wenigen Tagen erlitt.

Großfeuer bei Siemens

Berlin, 19. Januar.

Jungen bei Ulbrich eindringen, von ihm Geld fordern und ihn niederschlagen, wenn et nichts herausrucken mochte. So, wie es geplant war, geschah es dann auch 28 Mark und 65 Pfennige das war die ganze Beute, die den jugendlichen Mördern in die Hande fiel

Mit Rücksicht auf Lieschen Neumann, die Mutter­freuden entgegensieht, findet die Gerichtsverhandlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts III bereits am 29. Januar statt. Den Vorsitz wird Landgetlchts- direktor Dr. Schmitz führen. Die beiden Verteidiger der Burschen, Reiwald und Sidney Mendel, wollen den Beweis dafür antreten, daß die Mordtat allein Lieschen Neumann zur Last fällt. Sie soll ihre bei­den Freunde zu dem furchtbaren Verbrechen veranlaßt haben. Der Verteidiger der Angeklagten, Iustizrat Davidsohn, wird seinerseits seine Mandantin zu ent­lasten suchen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es während der Verhandlung zu erregten Auseinander­setzungen kommen. Ob der Prozeß deshalb in zwei bis drei Tagen, wie beabsichtigt, abgerollt werden kann, ist zweifelhaft.

II..........................................................................HIHIHOT

Oie Ltnglücksene der englischen Militärflieger

Bis in die tiefsten Nachtstunden sind die «riseur- löden geöffnet.

Schuhputzer machen sich hier und dort und über­all breit. Und das hat seinen Grund: Der südliche Staub, von dem eigentlich nut die Straßen im Park- und Gesandtschastsviertel frei sind, legt sich immer wieder, immer wieder auf Kleider, Lunge, Schuhe. Derlei verträgt die Eitelkeit der Griechen > dieses wahrhaft antike Schönheitsgefühl nicht. Und deshalb hat der griechische Reichsverband der Schuhputzer die größte Mitgliederzahl.

Die Ueberzahl der Brillenträger sallt auf. Gegen das grelle Sonnenlicht sollen die grünlichen Glaser schützen. Indessen verleihen sie ihren Besitzern etwa» eulenhaftes. (Homer: Glaukopis Athene!)

Reich und arm, jung und alt spielen mit Bern­steinketten, Holzkugeln und anderen orientalischen Vorgängern des christlichen Rosenkranzes. Wegen der Konzentration. , , , ,.

Automobil, dies deutsche Wort, das halb griechi­scher, halb lateinischer Herkunft ist, heißt folgerichtig auf neugriechisch: Autokinetou; und das Postamt nennt sich stolz: Tachydromeion; auf deutsch: Schnell- Läuferei. Die Berechtigung dieser Bezeichnung ist ""'Sonderbar'sind die griechischen Geldscheine. Ein weiser Minister der Finanzen ist auf die x.scee ge­kommen, den Banknoten ent Viertel des aufgedruck­ten Wertes dadurch zu nehmen, daß er den Scheinen ein Viertel von staatswegen abschmpseln Uetz, so gilt ein Hundert-Drachmen-Schein nur 73 Drachmen, eine 50-Drachmen-Note lediglich 37,5 Drachmen und- sofort. Auf diese Weise hat Hellas die Klippen der Inflation umschifft. Und nicht nur das Land, auch die Wechsler haben Nutzen.

Von Athen zum einstigen Alkibiades-Hafen Pha- leron führt eine breite Automobilstraße, die em ret» (ter Bürger seiner Vaterstadt zum Geschetck gemacht hat Klug ist die Stadt: Die öffentliche Benutzung dieses Geschenkes wird von der Entrichtung eines Wegzolles abhängig gemacht.

Phaleron ist reizend.

Ratternd und schnaufend fährt der Omnibus an der Küste entlang und hält vor einer der tausend Kaphenias. Vier Pfähle und ein Strohdach so sehen die Kaffeesiedereien aus. Und wo das Meer aus der brüchigen Stifte tischgroße Stücke herausge­rissen hat, da Helsen die Unternehmer nach. Runden die natürlichen Höhlungen, stellen einen, Tisch hinein, geben zwei Stühle dazu; das Separüe ist fertig. An schönen Frühlingsabenden hocken die Liebespaare tn den kleinen Logen, geschützt vor indiskreten Augen, und vertiefen sich in den Anblick des Meeres und der sinkenden Sonne.

Die Schuhputzer aber sind das wichtigste.

Staubige Stiefel beleidigen sie. Die Ehren des Standes, die Ehre der Stadt steht auf dem spiel. In diesem Zusammenhang sei ein Begebnis be- liebtet;

Von Eleusis her. auf der Landstraße, pilgerte em vagabundierender Reise-Enthusiast gen Athen. Vor den Toren schon überfiel ihn ein Schuhputzer und nöügte ihn zur Reinigung. Alle Hinweise auf Geld-

voller Rüstung in den Sand.

In manchen Kinos darf man rauchen. Nach jeder Vorstellung wirdGod save the Sing" gespielt und aufgestanden. Kaffeehäuser sür abendliche Au;ent- halte gibts nicht; sondern nur Clubs, oder die großen Lyonshäuser, die nie geschlossen werden. Sonniags ists zum Sterben langweilig. Das wußten wir. Das I muß so fein. Dann tritt eben das Week-End in Kraft.

Das ist London, gesehen mit den Augen des land­fremden Durchreisenden.

Otto Distler:

pariser Lust

Zunächst etwas architektonisches: Noch heute fällt I an den Neubauten auf, daß alle Fenster lang bis aus den Boden der Zimmer gebaut und mit niedrigem Gittersims versehen sind. Das sieht zierlich aus und macht den Eindruck unbeengten Wohnens.

Die Heiterkeit des Klimas hat Paris zur Stadt der Maler gemacht.

Auf den Boulevards sind lange Reihen von Bil- derstäuden aufgestellt, Pastelle, Zeichnungen und Blu- menbiföer in Oel werden da von den Malern selbst zum Kauf geboten. Geuiewerke werden aus diesen Märkten selten entdeckt. L

Sonntags, wenn der Arbeiter Muße hat, _ Md viele Läden in Paris geöffnet, auch nachts findet man in der ganzen Stadt offene Läden für alles. I Meistens ist es nicht nötig, daß der Käufer einer Gebrauchsware einen Laden betritt, um etwas.aus­zusuchen, alle Geschäfte, selbst die ganz großen Wa­renhäuser, haben lange, sehr breite Tische auf die Straße gestellt. Dort wird alles ausgesucht und ge= lauft. Eine Kleinigkeit fällt fast bei jedem Einkauf, den man macht, auf, es ist die Papierschere, die zum Handwerk jeder Verkäuferin gehört. Wird ein Pa- ketchen für Käufer gepackt, so wird das Papier so ge­nau zurecht geschnitten, daß es für den Gegenstand paffen muß. Ein sehr französischer Zug. Eine Nu­ance der Geduld, des Sinnes für erakte Bedienung. Eraktheit spricht auch aus der Einrichtung der Num rnernblocks, die an den Pfeilern der Straßenbahn­haltestellen angebracht sind. Es ist eine Art Abreiß­kalender für Billetts, dessen sich die Fahrgäste vor Antritt derReise" bedienen. Nach der Nummer dieser Billetts werden die Fahrgäste in die stark be- ] setzten Straßenbahnwagen eingelassen. Auf diese Weise ist das Problem des Kampfes um den besten Platz gelost. Alles geht hübsch nach der Reihe. Ist der Wagen besetzt, müssen alle warten, die eine höhere Nummer gezogen haben. .

Ebenso praktisch übrigens wie diese Einrichtung ist die Regelung aller Theaterkassen von Pans. Kauft man an der Kaffe eine Karte, so bekommt man einen Bon, auf dem der Kauf eines Billetts zu einem be­stimmten Preis quittiert, aber kein bestimmter Platz aufgedruckt ist. Erst eine Stunde vor Beginn der Vorstellung nimmt ein Sekretär des Theaters an ee­nem Tisch vor dem Eingang zum Theaterraum Platz, uns denen, die das Theater betreten, stempelt er auf tbr Billett Platz und Nummer des Sitzplatzes in der Reihenfolge ihrer Ankunft. Zufpäckommende können also niemals Sitzplätze in der Mitte einer Reihe be­kommen Eine Störung anderer Zuschauer ist un­möglich In den Kinos findet diese Art der Karten­abgabe allerdings.nicht statt. Aber in jedem Kino ©arf geraucht weisen, was ebenso zur Annehmlichkeit des Publikums gebärt wie die Möglichkeit, auch in den erkluftvsten Theatern Hut und Mantel mit aus den Platz zu nehmen. Der Pariser liebt absolut nicht das Gedränge und scheinbar nicht einmal das Gedränge von Kleidungsstücken untereinander, denn in keinem Pariser Restaurant oder Cafe findet man Kleiderständer zum Aushängen,von Hut uns Mantel. Dafür befinden sich an den Waiisen hrnwr den lan­gen Bänken, die für alle französischen Lokale charak­teristisch sinü, lange Barren aus Holz »der die man seine Sarberobe legt. Man ißt von Holzt.schen; und es fällt auf, daß beim Essen ledern Gast ein frisches Tischtuch serviert wird, für das man 10 Pfg. ~eil)- mitz Benutzungsgebühr bezahlen muß.

Eine bittere Beobachtung: in Paris muß man sich an die strenge Zeiteinteilung der Gaststätten gewöh­nen. Es ist unmöglich, nach 2 Uhr mittags ein Mit­tagessen zu bekommen. Die Stunden der Abend­mahlzeit sind ebenfalls begrenzt. Nach zehn Uhr sind die bürgerlichen Restaurants geschlossen. Soupieren kann man aber während der ganzen Nacht in beson­deren Lokalen. , ,

Einzigartig sind die altertümlichen Gasthäuser, in denen Holzklötze im offenen Kamin lodern, über denen Masthühner an einer Stange gedreht werden, unter ihnen ist eine Blechrinne angebracht, in der sich der Saft fängt.

Die Nacht ist in Paris weniger lebendig als man glauben mag, der Rummel ist auf wenige Straßen und Plätze beschränkt. Tagsüber freilich sind an vie­len Orten der großen Stadt dauernde Festplätze in Betrieb, mit Karussells, Lufrschaukelu, Straßenbil- lards und Kotteriebuben. . , ,.

Das Bild von Paris ist nicht vollständig ohne di« in allen Vierteln umherziehenden Straßensänger mit Guitarre und Violine; sie singen neue Chansons. Volkslieder und verkaufen für 5 Pfennige den Text, der bann von ben Passanten mitgesungen wird.

Es paßt ganz zu der leichten frohen Lust von Paris, daß auch die Bettler nicht mit Elendsmwnen auftreten, sondern mit einfachen individuellen Er­klärungen. Es ist überraschend, von einer steinalten Bettlerin zu Horen:Monsieur, die Bosheit der Menschen ist groß, das macht es mir schwer,, zu leben". Und nachdem man ihr in Geberlaune fua, Francs geschenkt hat, kann man erleben, daß sie einen umarmt und ausruft; »Oh. mein Herr, welche Gute! ich werde mir morgen ein neues Kleid kaufen bann werde ich angenehmer aussehen..."

J. R. George:

Achen, die Stadt der Schuhputzer

Lieschen Neumann vor den Richtern

Der Berliner Lthrmachermord findet seine Sühne

Berlin, 19. Januar.

In der Frühe des 24. Oktobers 1930 wurde in dem Uhrenlaben auf der Drontheimerstraße 5 in Berlin der Uhrmacher Friedrich Ulbrich ermordet aufgefun- ben. Die Polizei, sofort herbeigerufen, tat alles mög­liche um bes Mörders habhaft zu roerben. Zunächst bliei alles Suchen erfolglos. Man fand nur beim Durchforschen des Ladens eine Reihe von Aktphoto- epbien junger Mädchen. Die Polizei, bei Ulbrich n nicht mehr ganz unbekannt war, suchte nun bie Mädchen, bie auf diesen Lichtbildern dargestellt waren aufzufinden. Vielleicht konnten sie einen Anhaltspunkt über ben seltsamen Tod bes Uhrmachers geben.

Wenige Tage nach der Entdeckung der scheußlichen Morbtat konnten die Mörder dingfest gemacht wer­den. Drei junge, durch die Großstadt verdorbene Menschen, hatten sich zusammengetan, um den Uhr­macher Ulbrich zu ermorden: Lieschen Neumann, ein 16jähriges Mädchen der Kutscher Stolpe und der Schlosser Benziger, beide nicht vicl über 20 Jahre alt. Stolpe, derBräutigam" bet Lieschen Neumann, hatte bavon gehört, baß bet Uhrmacher Aktaufnahmen seiner Freundin herstellte und benutzte die Kenntnis dieser Vorgänge zu Erpressungen. Et erhielt wieder­holt von Ulbrich Geld und Schmuckgegenstanbe, die et zu Gelb machte. Um weitere Geldsummen von dem eingeschüchterten Uhrmacher zu erpressen, verabredete Stolpe mit seinem Freunde Benziger und seiner Freundin Lieschen Reumann einen teuflischen Plan. Die geistige Urheberin dieses Planes wat wohl Lies­chen Neumann. Während das Mädchen sich in dem Laben bes Uhrmachers aushielt, sollten die derben

der gewaltige Dimensionen annahm. Bevor die Feuerwehr zur Stelle war, verbrannte eine Frau m ihrer im vierten Stock gelegenen Wohnung bei leben­digem Leibe. Eine andere Frau konnte noch im letzten Augenblick von Hausbewohnern den Flammen ent­rissen werden. Vermutlich ist das Feuer durch ein umgeworfenes brennendes Talglicht entstanden. ~ie Tote ist eine 64jährige Näherin, die gelähmt war und infolge ihrer Hilflosigkeit elend im Bett verbrennen mußte. Die schwerverletzte Gerettete ist eine 59^>ahre alte Wohnungsinhaberin. Sie wurde ourch bie Feuer­wehr ins Krankenhaus transportiert.

Oe chbruch

Schwere Sturmschäden im Unterelbe- und Oste-Gebiet, Stabe, 19. Januar.

Aus dem Unterelbe- und vor allem aus dem Unteroste Gebiet liegen Meldungen über zahlreiche Sturmschäden vor. Bei Brobergen ist der Lste-Teich gebrochen. Die Niederung bildet einen großen See. An vielen Stellen ist das Wasser in bie Häuser em» gedrungen. In einzelnen Fällen mußten Familien auf den Boden flüchten und das Vieh mit in ben Oberstock hinaufnehmen. In Stäbe uttb auf Staut» fanb sind bie Schäben an sich nicht so groß, boch ist Krautsanb feit drei Tagen ohne elektrisches Licht. Bet Wechtern wurde ein Bäckergeselle auf feinem Fahr­rad vom Sturm gegen ein Auto geschlendert und er­litt dabei schwere Verletzungen. Bei Bülkau wurde eine Molkerei abgedeckt.

Zn Königsberg wird der Schnee verbrannt

Königsberg, 19. Januar.

Zur Beseitigung der Schneemassen aus ben Stra­ßen hat bie Stadt Königsberg drei Maschinen ange- schafft, in denen der Schnee gewissermaßen verbrannt wird. Der Schnee wird in einen großen fahrbaren, durch Koksfeuer erhitzten Bottich geschaufelt, in dem er schmilzt und zum Ablaufen in bie Kanalisation ge­leitet wird. Das Koksfeuer wird ständig von einem Windmotor angefacht. Die drei Maschinen leisten so­viel wie 30 Gespanne und haben sich infolge ihrer schnellen und Arbeitskräfte ersparenden Arbeitsweise sehr bewährt.

Auf Eisschollen abgetrieben

Königsberg, 19. Januar.

Am Sonnabend ging eine ganze Anzahl von Fischern mit Pferdeschlitten auf das Eis der Kun- schen Nehrung zum Fischfang. Durch den Plötzlich auftretenben starken Weststurm wurde das Eis zer­rissen und in großen Schollen abgetrieben. Aus Pill- loppen waren 25 Mann in Gefahr, aus Nidden be­fanden sich fünf Schlitten auf dem Eis. Drei von ihnen wurden in der Richtung auf Pillkoppen abge­trieben. Ans Rossitten befanden sich 30 Mann auf dem Eise, die ebenfalls das Land nicht erreichen konnten. Es war sehr schwierig, die am Rande eingefrorenen Boote loszubekommen, um das Rettungswerk in An­griff zu nehmen. Ein Mann aus Rossitten ist bereits gerettet worden. Ein anderer treibt noch. Der Rest versuchte, aus der entgegengesetzten Seite des Hasses bas Land zu erreichen, was auch schließlich gelang.

Abflug des Do X erst am 3. Februar

Lissabon, 19. Januar.

Die Wiederherstellungsarbeiten am verbrannten Flügel des Riesenslugzeuges Do X sino beendet. Nach Erklärungen des Direktors des Hauses Dornier, Her- narb, wird das Flugzeug am 3. Februar nach^ den CaPverdischen Inseln unb Natal mit nur zwei Flug­gästen, bem Abmiral Cago Cotinho unb dem italie­nischen Major Brenta, abfliegen. Das Flugzeug nimmt Post für Amerika an Bord.

In den Siemens-Werken in Lichtenberg brach Sonntag nachmittag Feuer aus. Die Rettung der mechanischen Werkstätten, in denen das Feuer aus- brach, gelang nicht. Zahlreiche Sauerstoff-tflmchen gingen mit ungeheurem Getöse in die Luft, und durch den starken Luftdruck muttem mehrere Mauern einge­drückt. Infolge des hek^chenden Sturmes grif en bie Flammen auch auf bas Vordergebäude über, deff Dachstuhl bald in Hellen Flammen stand. Acht Zuge der Berliner Feuerwehr und eine Reihe von Wehren aus den benachbarten Vororten waren zur Stelle. Gegen 21 Uhr war bie Gewalt des Feuers gebrochen.

Wir beschließen heute unsere in der Sonntags­ausgabe begonnene Serie aktueller Reifeartikel.

T. v. d. Goltz:

Londoner Impressionen

Auf iber Bahnstrecke SouthamptonLondon wird man nicht mehr als drei Kornfelder zählen. Dagegen Höri man int Kupee eifrig Darüber diskutieren, ob das Pferd dort Drüben auf der Weide nächstes Jahr auf Sem Rennplatz besser laufen wird, als vor zwei Jahren. In seiner Erregung spuckt der Herr auf dem Mittelplatz geräuschlos gut gezielt zum Fenster hin­aus. Das fällt uns auf, stört aber nicht, denn es ist neuartig, also interessant.

Die Namen der Stationen sind prinzipiell nicht zu finden. Selbst im Speisewagen sitzt man noch stan­desgemäß, also 1. und 3. Klasse getrennt, unb mixt sich bas völlig geschmacklos gekochte Essen zurecht.

Auf dem Bahnhof in London holt man sich ohne jeglichen Gepäckschein den großen Koffer aus dem Ge­päckwagen; Taris fahren auf den Bahnsteig (übrigens Vehikel, die bet uns schon im Museum gelandet wä­ren) uub dann gehis hinein in das Straßengewirr. Der Verkehr ist größer, als man sich hat sagen lassen, und der Lärm, den er hervorruft, kleiner, als man sich vorstellen kann. Die Fußgänger sind gut erzogen und gehen va, wocroß Here" (Hier kreuzen!) steht. Untergrundbahn-Eingänge befinden sich nur in Häu­sern und stören niemals den Verkehr. Bettler moti­vieren ihren Berus durch große knallbunte Zeichnun­gen auf dem Steinplatten-Pflaster

Man wohnt in kleinen, zum Teil ziemlich schlich­ten Häusern.Flats" (Etagenwohnungen) sind ge­meinhin zu teuer. In diesen Häuschen nun findet man neben erstaunlich praktischen Möbeln frisch pro­duzierten großmütterlichen Kitsch

viel, unb bleibe schlank", heißt bie Parole, was die Mahlzeiten anbetrifft. Es werben unwahr­scheinliche Ouantitäten am Tage verzehrt. Wenn man die Mahlzeiten mit unseren vergleicht, dann wäre die abendliche Hauptmahlzeit eigentlich überflüssig.

Man ißt von Tellern, bie auf kleinen Deckchen stehen, unb biefe wiederum liegen auf dem polierten Tisch. Tee gibt's immerfort. Nach dem Essen suchen die Füße der Herren regelmäßig einen Ruhepunkt, der höher liegt als der eigene Kops. Aber zur 287. Aufführung einer Operette erscheint ein Herr im zweiten Rang im Smoking. Man wird nicht ganz flug über diese Gepflogenheiten Im Fahrstuhl reißt der Gentleman den Hut vom Kopf, wenn eine Dame gleichzeitig aufwärts schwebt. Beim Gruß auf der Straße aber begnügt man sich mit gönnerhaftem