Hummer 13*
Freitag, 16. Januar 1931
21. Jahrgang
Hessische Abendzeitung
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Kasseler Abendzeitung
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Kasseler Neueste Nachrichten
Siebzehn Außenminister in Genf
Auftakt zur Paneuropatagung / Wechsel in »er Wiener Gesandtschaft? / Kolosser aus »er Wirlschaslspartei ausgeschlossen
Rückzugsgefecht für alle
(Eigene Drahtmeldung.)
Genf, 16. Januar.
Am Freitag vormittag um 11 Uhr beginnt die europäische Konferenz, die sich auf der letzten Völker- bundsversamMunq in Gestalt eines „Studienkomitees für die europäische Union" konstituiert hat. Die Verhandlungen leitet der französische Außenminister Briand. Es nehmen daran die 27 europäischen Staaten. die dem Völkerbunde angehörcn, teil: Rußland und die Türkei sind nicht eingeladen: über ihre Teilnahme an den weiteren Arbeiten des Komitees wird vielleicht die jetzige Konferenz einen Beschluß fassen. Die überwiegende Mehrzahl der teilnehmenden Staaten hat ihre Außenminister entsandt. Insgesamt dürften 17 Außenminister anwesend sein.
Die Konferenz beginnt mit einer vertraulichen Sitzung, in der das Programm der Tagung erörtert wird. In der dann folgenden öffentlichen Sitzung wird der Präsident der Wirtschastskonserenz, die im November in Genf tagte, C o l i j n s Holland. einen Bericht über die Arbeiten dieser Konferenz erstatten. An diesen Bericht wird sich eine allgemeine Aussprache anschließen. Es ist weiter vorgesehen ein Bericht des Vorsitzenden des Finanzkomitees Suvich- Italien.
Hauptaufgabe der jetzigen Tagung ist die Festsetzung eines Arbcitsprogramms. Im ganzen gesehen werden diese Verhandlungen ein Rückzugsgefecht für alle sein. Auch Briand kann von dieser Aussprache nicht mehr erwarten, als daß sie sein Konzept nicht völlig zerschlägt.
Delegation verlas eine Erklärung, worin es heißt die mohammedanischen Mitglieder härten ihreZuslizn- mutigen zu einigen der Anempfehlungen der Ausschüsse gegeben unter der klarenVoraussotzung, daß der Stellung der mohammedanischen Gemeinschaft in der zukünftigen Verfassung Indiens wirksam geschützt wird.
Balbo-Geschwa-er in Rio-e Janeiro
Paris, 16. Januar.
Havas berichtet aus Rio de Janeiro über die Ankunft des italienischen Flugzeuggeschwaders im dortigen Hafen. Die letzte Etappe von Bahia nach Rio wurde mit einer Stundengeschwindigkcit von 192 Kilometer zurückgelegt. Den Flugzeugen waren die Kriegsschiffe entgegengeeilt, die während des Fluges von der Westküste Afrikas nach Natal auf hoher See Spalier gebildet hatten.
Sofort nach der Ankunft des Geschwaders begab sich der brasilianische Marineminister an Bord des Führer-Flugzeuges, wo er General B a l b o begrüßte Die umliegenden Schiffe feuerten Salutschüsse ab.
Das Ende eines Königstraums
London. 16. Januar.
Aufständische in Burma überfielen zwei Dörfer und brannten sie nieder, weil die Einnwhner der Dörfer »er Regierung treugeblieben waren. Viele
Dorfbewohner wurden getötet, die anderen flohen. Englische Militärpolizei hat die Verfolgung der Aufständischen ausgenommen.
Die Pundschah-Truppen wurden aus Rangoon zurückgezogen, nachdem die englischen Truppen schon vor einiger Zeit aus dem Aufstandsgebiet zurückgc- holt worden waren. Die Behörden glauben, daß die dortigen Polizeitruppen zur vollständigen Unterwerfung des Aufstandes genügen. Der Führer der Burma-Rebellen, der sich zum König von Burma machen wollte, ist von einer englischen Abteilung verhaftet worden.
politischer Zusammenstoß in Wernigerode
• Wernigerode, 16. Januar.
Hier kam es gestern abend zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und linksstehenden Elementen. Die Nationalsozialisten hatten nach dem Kurhaus eine Versammlung einberufen, in der der braunschweigische Landtagsabgeordnete Schneider über das Thema „Zusammenbruch und Kriegsgefahr" sprechen sollte. Politische Gegner, verstärkt durch Zuzug aus dem Lande, veranstalteten einen Demonstrationszug zum Kurhaus. Trotz polizeilicher Sicherungen Erzwangen sich die Demonstranten Etnlaß zum Saal, angeblich ohne Eintrittsgeld zu zahlen. Es kam zu einer wüsten Schlägerei; Polizei vertrieb die Eindringlinge mit Gummiknüppeln aus dem Saal. Auf beiden Seiten wurden mehrere Personen verletzt.
Em verfrühter Gedanke
London, 16. Januar.
„Morningpost" läßt sich von ihrem Genfer Korrespondenten über die Paneuropafrage melden: Trotz der eindrucksvollen Ansammlung europäischer Außenminister in Genf scheint die Idee der Vereinigten Staaten von Europa von ihrer Verwirklichung so weit entfernt zu sein wie je. Der Korrespondent ist der Meinung, daß in Genf ebenso wie in England die Ansicht vorherrsche, eine unabhängige europäische Organisation zur Behandlung von Fragen, die der Völkerbund sachkundig und wirksam behandelt habe, und noch behandele, sei überflüssig und unerwünscht. Auch das internationale Arbeitsamt habe Zweifel und Sorgen. Sogar Dr. Venesch, auf den Briand bestimmt rechnete, habe kürzlich zugegeben, daß der Gedanke verfrüht sei.
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London, 16. Januar. Der Genfer Korrespondent der „Movningpost" meldet, in Völkerbundskrcisen werde den Besprechungen zwischen Henderson und Briand große Bedeutung beigemessen. Vor allem glaube man, daß Frankreich und Italien endlich zu einem wenn auch nicht völligen Einvernehmen in der Flottenfrage gelangt seien. Wahrscheinlich werde etwas darüber bei der Völkerbundsratssession verlauten und wenn der Fortschritt, wie man meine, nur gering sei, so herrsche doch die Ansicht vor. daß er die Festsetzung des Datums der allgemeinen Abrüstungskonferenz stark beeinflussen werde, lieber das Datum selbst bestände noch immer große Meinungsverschiedenheit In Genf glaube man, Großbritannien werde die wichtigste und vielleicht die entscheidende Rolle sowohl bei der Paneuropafrage als auch im Völkerbundsrat zu spielen haben.
Macdonalü wird poetisch
London, 16. Janura.
Die Delegierten der indischen Konferenz htelten im St. James-Palast unter dem Vorsitz des Premierministers eine Sitzung ab, um die Berichte der Unterausschüsse, mit denen sie sich seit vielen Wochen befaßt hatten, entgegenzunehmen. Der Lord- kanzler, fcc- bei Vorlegung des Berichts des Unterausschusses über die Frage der Föderativverfassung mit lautem Beifall empfangen wurde, erklärte mit Bezug auf den Verfaffungsentwurf u. a.: Eine kleine Pflanze ist soeben ans Licht gekommen. Tretet nicht darauf, gebt ihr Lebensmöglichkeit, nehmt sie mit nach Indien und verpflanzt sie in den gütigen Boden Indiens; ich fürchte nicht für ihre Zukunft. Indien wird sie zu einem großen Baum anwachsen sehen, unter dessen schützenden Zweigen die Söhne und Töchter Indiens die Ruhe und den Schutz finden werden, die sie so sehr brauchen.
Der Maharadscha von B h o p u l, der fetzt nach Indien zuruckkehrt, erklärte, er sei voller Hoffnungen für die Zukn-nft. Es sei auf der Konferenz gelungen, die Föderation zu einer praktischen Frage zu machen. Ihre Verwirklichung sei endgültig gesichert.
Der Vertreter der m o h a m m e d a n i f ch e n
Drewitz rechtfertig« sich!
(Von unserer Berliner Sch r istleitung.)
th. Berlin, 16. Januar.
Auf parteipolitischem Gebiet stehen jetzt die Vorgänge in der Wirtschaftspartei int Vordergrund, da das Parteigericht der Wirtschaftspartei gestern den Abgeordneten Colosser, obwohl dieser bereits am Tage vorher seinen freiwilligen Austritt ans der Partei erklärt hatte, doch noch formell ausgeschlossen hat. Dieser Schritt wird damit begründet, daß Colosser seine Austrittserklärung nicht an die richtige Stelle in der Wirtschaftspartei gerichtet hat, so daß das Schiedsgericht sie als nicht existierend annahm.
Colosser selbst hat sich in parlamentarischen Kreisen sehr scharf über diesen Vorgang ausgesprochen. Er sieht im übrigen der gerichtlichen Auseinandersetzung mit Drewitz entgegen und weist darauf hin, daß der Beschluß des Parteigerichtes nichts davon enthält, daß seine gegen Drewitz aufgestellten Behauptungen unrichtig seien. Vielmehr werde ihm nur zum Vorwurf gemacht, daß sein Verhalten und seine Veröffentlichungen in der Presse im allgemeinen parteischädigend gewesen seien.
Der Parteiführer Drewitz selbst sprach gestern in Jena bei einer öffentlichen Kundgebung der Wirtschaftspartei. Bei dieser Gelegenheit äußerte er sich auch kurz über den in der Wirtschaftspartei herrschenden Konflikt. Die Meinungsverschiedenheiten in der Wirtschaftspartei, betonte er, seien bereits bei der Wahl des Reichstagspräsidenten aufgetreten. Seiner Meinung nach sollten Differenzen in der Führung innerhalb der Partei ausgetragen werden.
Die Gegenseite aber habe der Linkspresse Material gegen ih« in die Hände geliefert, das gewaltig ausgebauscht worden sei. An den Beschuldigungen sei auch nichtein Fünkchen wahr. Nur das Bestreben, die Beschlüsse der Parteiinstanzen abzuwarten, habe ihn bisher daran verhindert, die Sache der Skaatsanwaltschast zu übergeben. Nachdem aber das Ehrengericht einmütig Herrn Colosser ausgeschlossen habe, sei der Weg zur gerichtlichen Austragung srei. Wenn ich mir, schloß Drewitz seine persönlichen Ausführungen, irgendwelche Verfehlungen hätte zu Schulden kommen lassen, so würden Sie mich heute nicht an diesem Platz sehen. Drewitz wandte sich dann einer ausführlichen Besprechung der politischen Sage zu.
„Abbruch
der organisatorischen Beziehungen"
Die sächsische Wirtschaftspartei und die Reichspartei- Leitung.
Berlin, 16. Januar.
Die sSebsifche Wirtschaftspartei teilt, wie die »Deutsche Allgemeine Zeitung" aus Dresden berichtet, zu
ihrem Beschluß, durch den sie die Beziehungen zur Reichsiparteileltuna abgeb rechen hat, mit. daß dieser Schritt keineswegs einen Austritt aus der Wirtschaf ispartei oder die Vorbereitung dazu b e- d e u t e. Trotzdem könne sie nicht verhehlen, daß die organisatorischen Beziehungen Mr Reichs- Parteileitung in s ch r o f f st e r Weise abgebrochen seien, da die sächsische Wirtschaftspartei nicht nur keine Partetbeiträge mehr nach Berlin adführe, sondern auch an den Parteiausschußsitzungen nicht mehr teilnehmen wolle.
Oie Senkung der Markenartikel-Preise
th. Berlin, 16. Januar.
Der Reichskanzler hat zwar seine leichte Erkrankung überwunden und seine Amtsgeschäfte gestern wieder aufgenommen, aber Kabinettsfitzungen, öffentliche Besprechungen mit Parteiführern und ähnliche Konferenzen sind oorlänfig noch nicht angesetzt worden.
Für die nächste Woche erwartet man vor allem einen Fortschritt in der Preissenkuugs- aktion, da man eigentlich schon in dieser Woche die Herabsetzung der Preise für Markenartikel bekannt geben wollte, aber im Reichswirtschasts- minifterium mutz zunächst der umfangreiche Katalog der vielen Hunderte von Warengattungen ausgearbeitet werden, die auf dem Gebiete der Markenartikel und Arzneimittel von der Preissenkungsaktion et« fatzt werden sollen. Dieser Katalog wird selbstverständlich gleichzeitig mit der Preissenkung veröffentlicht werden.
Gesandtenwechsel in Wien?
Rieth statt Lerchenfeld.
Berlin, 16. Januar.
Wie den Blättern zufolge verlautet, soll im Rahmen des diplomatischen Revirements, das voraussichtlich nach der Rückkehr des Reichsaußenministers Dr. Curtius von Genf stattfinden wird, auch ein Wechsel bei der deutschen Gesandtschaft in Wien vorgenommen werden, und zwar soll der bisherige Botschaftsrat in Paris Rieth zum Gesandten in Wien ernannt werden. Der jetzige Gesandte Graf L e r - chenfeld werde die deutsche Vertretung in Luxemburg voraussichtlich übernehmen.
Schrift an der Wand
Von Dr. Paul Rohrbach.
„Eben zur selbigen Stunde gingen hervor Finger aus einer Menschenhand; die schrieben auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal, und der König ward gewahr der Hand, die da schrieb. Da wurden alle Weisen des Königs hereingebracht, aber sie konnten weder die Schrift lesen, noch die Deutung dem Könige anZeigen!"
Wsm steht nicht vom Religionsunterricht her noch die Schilderung aus dem Buch Daniel vor Augen, wie der König und das Hofgesinde auf die unheimlichen Zeichen starren, die niemand zu lesen vermag, und wie der König ausruft: Wer diese Schrift lesen und mir sagen kann, was sie bedeutet, der soll der dritte Herr fein in meinem Königreich! Es hat schon mehr als einmal in der Geschichte solche Schriften gegeben. Auch heute wieder steht eine vor uns, nicht mehr an eine Wand im Königspalast geschrieben, sondern mitten ins Getriebe ©er Weltwirtschaft und W.eltpolitik. Viele scheu über sie weg und sagen, so wie alle Krisen bisher vorübergegangen sind, so würde auch diese, die sich über die ganze Erde ausgebreitet hat, die größte, die es seit Menschengedenken gab, früher oder später vorübergehen, wie sie gekommen ist.
Am eifrigsten wird diese Art Prophetie in Amerika getrieben, wo Prosperität das politische Credo ist, und wo jede Partei, unter deren Regiment es mit der Prosperität windig wird, ihr Urteil schon au der Wand sicht. Man lese aber nur einmal die Schilderungen aus deut verflossenen Herbst, von den Automobilfahrern, die ihre Urlaubsreife von Chicago oder St. Louis, wie üblich, nach Westen machten, und an jeder Kurve, an jedem Eingang zu einer Ortschaft, wo langsamer gesahkKn werden mufitej von arbeitslosen Wanderern um Mitnahme angeflehi wurden: nach Westen, wo es im Winter warm ist, wo man im Freien übernachten kamt! Wie ein endloses Heer sah man diese Gestalten auf den westwärts führenden Straßen, müde und verzweifelt, daherwandern; müde und verzweifelt stellen sie sich Aben© für Abend in den Großstädten, wenn der Arbeitsverkehr aufhört, an die Eingänge zu den Untergrundstraßen und warten, ohne ein Stück Brot im Magen, ohne einen Cent in der Tasche, auf die Erlaubnis der Wächter, für die Nacht sich auf den harten Zement der Laderampen legen zu dürfen, weil es dort warm ist.
In den amerikanischen demokratischen Zeitungen liest man den Spott über die Rechenkünste im Büro des republikanischen Präsidenten Hoover, mit denen aus 6 oder 7 Millionen Arbeitsloser nur 3 gemacht werden sollen. Amerika, das keine Sozialversicherung kennt, erlebt jetzt, trotz der 180 oder 300 Millionen Dollar für Arbeitsbeschaffung und trotz der privaten und städtischen Wohltätigkeit, schrecklichere Zustände unter den Arbeitslosen als irgen© ein eurvpäifches Kulturland. Tie Heimsuchung ist auch über das Land der Prosperitätsreligion gekommen. Wenn es aber jemals galt, so gilt es heute, daß Amerikaner und Europäer, Deutsche und Engländer, Chinesen und Brasilianer im selben Boot sitzen, in ihm demselben Verderben oöer derselben Bewahrung entgegengetragen werden.
Dies ist unsere Deutung für die Schrift an der Wand vor den Augen unserer Zeit. Es ist eine Illusion, zu glauben, die „Krise" werde „von selbst" vorübergehen, oder ein Volk könne sich aus ihr herausretten ohne die anderen. Amerika hat angejangen mit der „Rationali- J i e r u n g". Deutschland ist ihm gefolgt. Jetzt beraten Bankleute und Industrielle in England, wie sie das Geld auch für die englische Rationalisierung aufbringen und sichern sollen. Englische und französische Staatsmänner und Bankiers fitzen zusammen und machen einen Plan, ob der Eoldüberfluß Frankreichs den Rationalifierungsnöten in England nutzbar zu machen fei. Die Franzosen wären nicht abgeneigt, den englischen Geldbedarf zu stützen, aber sie fordern, dafür solle sich England, gemeinsam mit ihnen, allen deutschen Wünschen auf Revision der erdrückenden Tributlast widersetzen.
Es ist wie in der griechischen Mythe von Kronos, dem Sinnbild der Zeit, die ihre eigenen Kinder auf« frißt. So geht es am Ende auch mit der Rationalisierung. Man rationalisiert fo lange, bis zuletzt überall, wo Güter hergestellt werden, wo eine Stadt ober ein Land mit elektrischem Strom versorgt wird, wo ein Haus oder ein Jndustriewerk gebaut wird, wo man Bier braut, wo man den Acker pflügt, wo man die Straße ausbessert, kaum noch Menschen gesehen werden, sondern nur hebende, packende, bohrende, mischende, Erde aufbrechende, Felsen sprengende Maschinen. Das heißt bann Rationalisierung, Verbilligung ber Arbeit, ber Produktion. Und was wird aus den Menschen, die früher die Arbeit leisteten und ihr Beben davon hatten? Von der Rationalisierung sind sie außer Lohn l und Brot gesetzt, aber die Rationalisierung