Ar. 12 z Gnundzwanzigster Zahrgang
Kasseler Neueste Nachrichten
Vonnerstag, 15. Fanvar 1931 # 2. Beilage
Oie Stolberg-Wernigerodische Bibliothek wird aufgelöst?
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nie Fürsllich-Stvlbergische Bibliochek itt Wernigerode, feie mit ihren 120 000 Bänden eine der größten und wertvollsten deutschen Büchersammlungen darstellt. Wogen wirtschafNuher Schwierigkeiten mutz die Sammlung ausgelöst werden, und es besteht wenig Ausilcht, daß die überaus kostbaren Handschriften Deutschland erhalten bleiben. (Siehe auch den Artikel im Feuilleton!)
Englands Leiterin eine Frau?
Weibliche Spionage im Weltkrieg
Kugeln aus Opium
Ick weiß nicht, wa^
richtendienst kannten ihrem Wahren Namen. Sie war es, die die englische Motte beim Skagerrak vor dem Untergang rettete. Es gelang ihr aus unbegreifliche Art, unmittelbar vor der Schlacht einen Blick in die Geheimakten der Marinelesiung in Kiel zu Wersen. Der deutsche Ausmarschplan für ein Treffen mit den Engländern wurde durch Minna Sterngrave dem Admiral Jellicoe mitgeteilt — seine Kenntnis rettet« die Engländer vor völliger Vernichtung-
Eine der gefährlichsten Spioninnen der Weltgeschichte war Niva Wiszniewsti, eine Polin, die von einer Wäscherin in Paris erzogen worden war. Sie verheiratete sich als siebzehnjähriges Mädchen mit einem ach ztgzührigen polnischen Aristokraten, dem Fürsten Wifzuiewsii. Nach dessen Tod brachte die schöne Witwe sein ganzes Vermögen in den Dpiel- Aen von Monte Carlo durch. Während des Weltkrieges spionierte sie mit großem Erfolg in Deutschland für die Entente. Nach dem Krieg gab sie in Paris eine Zeitschrift unter dem Titel »Emdes Diplomatägues" heraus. Sie beherrschte fließend zwölf Sprachen und war außerordentlich gebildet. Eine Skandalaffäre zwang sie jedoch, aus Frankreich zu verschwinden, Ihr Ziel war Amerika. Dort geriet sie auf die schiefe Mene. Sie lockte junge Männer an, ließ sie Lebensversicherungen abschlicßen und vergiftete siqßbann. Vor einiger Zeit tauchte sie tn Madrid auf und versuchte auf dieselbe Art. einen Kanadier umzubringen. Ws die Polizei sie verhaften wollte, war die Wtszntewfli spurlos verschwunden. Seitdem ist sie verschollen.
Gone Emma Stubert hat im WelÄrieg dem englischen Nachrichtendienst gleichfalls wichtige Dinge geleistet. Sie hielt sich während des Krieges in Lugano auf. Dorr verlisble sie sich m den Mann, Den sie ausfpionieren sollte. Sie erklärt aber dem Nachrichtendienst ehrlich daß sie ihre Austzabe nicht erfüllen forme. Nach dieser Erklärung verschwand sie spurlos. ____
London, 15. Januar.
Frauen haben sich von jeher in der Spionage be- ■ütigt. Ein prominenter Mitarbeiter des englischen Rachrichtertdienstes 'hält aber nicht sehr viel von ihnen, weniIsens nicht von ihrer Mehrzahl. Sein soeben erschienenes Buch bringt hierzu unbekanntes Material bei. „Geheim-Agentinnen", so behauptet der anonym gebliebene Autor, sind wenig zuverlässig, die ewige Nervenspannung verführt sie zu dem Genuß von Rauschgiften, der ihren Organismus in kürzester Zeit zerstört. Man kann ferner nie wissen, ob eine Spionin nicht durch die Liebe zu einem Mann, dem sie ein Geheimnis entreißen soll, zu einer ent- gegengesetzten Mtion gezwungen wird. Dennoch gibt es sehr tüchtig« weibliche Spione, die allerdings in der Minderheit bleiben. Der tüch.igsten eine war die Gräfin de Vinier alias Madame de Charerolles alias Minna Sterngrape; nicht einmal wir im Rach-
Harringer, dem Juwelier, und damals hetzte Mike die Blauen auf mich, indem er behauptete, ich halte den Manu nicdergeknallt. Wir waren nämlich wegen eines Mädels auseinandergekommen. Seine Bande verpfiff mich dann auch, als ich die Silversprings National Bank „löcherte".
Aber Sie wollten ja was aperes wissen. Ob ich je zufrieden gewesen fei, bei diesem „Beruf"? Zufrieden nie. Kamps gegen zwei Fronten. Gegen die Bande, den „Boß", der nichts tat und uns alle Beute abnahm, und gegen die Polizei natürlich. Die Verbre- cherkönige im Film und Theater haben mir immer imponiert. Nur traf uh sie nie im Leben, eie waren immer ganz gemeine und brutale Kerle. Und das Zusammenhalten ist auch eine literarische Erfindung. Ich selber habe nie jemanden „verpfiffen". Vielleicht, weil ich keine Gelegenheit dazu hatte, Velber bin ich
Später, als ich Ein-
_________, ....... ... es mir fast ganz ab. Ich wurde nun aktiv, bekam einen Posten In einem Automateubüfett zugeschanzt und hatte nichts weiter zu tun, als bet vorher angekündigten Raubüberfällen erst dann um Hilfe zu rufen, wenn meine Freunde schon in Sicherheit waren und falsche Beschreibungen von ihnen zu geben. Dann kam ich drei Monate zu
Sind Verbrechen lobnenb?
„Ehrliche Arbeit bringt mehr Erfolg!"
und wurden freigehalten, wenn wir in die Bar an der Ecke der 79. Straße und der Haarlem-Avenue Dort lernte ich auch
kamen, wo die Bande sich traf.
„Drobs" kennen, die weißen — ~r—-
durchtränktem Weißbrot. Mike allein besaß sie und hatte uns alle so in der Hand. ‘ “!JLx * rum ich das Zeug haben mußte, zelgänger wurde, gewöhnte ich Ich wurde nun aktiv, bekam e"
John Pelkh ist heute 27 Jahre alt. Als er im Jahre 1928 zum ersten Male von der amerikanischen Polizei verhaftet wurde, warf ihm die Anklage vierzehnfachen Bankraub mit einer Gesamtschadensurnme von 128 000 Dollar und dreifachen Mord vor. Wenige Monate später floh er aus dem Madison County Gefängnis in Edmundsville, in das man ihn gesperrt hatte. BaA darauf wird er aber durch einen Zufall wieder sestgenommen und nun zum Tode verurteilt. Infolge eines Formfehlers wird er aber zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt und sitzt nun seine Strafe in einer Einzelzelle des Staatsgefängnisses von Neuyork ab. Unserem Mitarbeiter, der als Gefängnisarzt bei ihm eingeführt wurde, erzählte er folgende für das Verständnis der Verbrecherpsyche wertvolle Geschichte:
Ich war 12 ober 13 Jahre alt, als mich ein um zwei Jahre älterer Kollege aufforderte, mit feinen Freunden „Absammeln" zu gehen. Diese Tätigkeit bestand darin, daß wir jede Woche zu den jüdischen Mudlern gingen und einen Dollar einkassierten. Wenn sie ihn nicht hergeben wollten, drohten wir ihre Ladenschilder abzureißen. Das war eine gänzlich „gefahrlose" Arbeit, denn di« Geschäftsleute wußten natürlich, daß es sie mehr kostete als die paar Dollar, wenn sie sich an einen „Blauen" wendeten.
Mike, der Führer unserer Bande, verdiente mit diesen Erpressungen 40 Dollar die Woche. Und wir Buben bekamen bann und wann einen Halbdollar ab
zweimal eingegangen, weil andere nicht dicht hielten. Ich habe graue Haare mit meinen 27 Jahren und habe sie beim „Geschäft" gekriegt. Ich bereue nicht, was ich getan habe, ich bereue" nur, daß ich auf nichts Besseres gekommen bin. Ehrliche Arbeit bringt mehr Erfolg!
Einmal habe ich 80 000 Dollar erwischt. Der Kassierer war unser Mann. Das Geschäft war einsach. Wir waren durch das Geld die bestausgerüstete Bande. Koe L. konstruierte unsere Werkzeuge. Wir verloren sie, als wir fast schon am Tresor waren, als der Gang unter der Commerical Avenue einstürzte, den unsere Leute elf Tage lang gegraben hatten. Fast das ganze Geld war aus die Vorbereitungen draufgegangen. Der Rest ging für die Verteidigung auf, als zwei unserer Leute wegen des Mordes ^an Polizeileutnant Gregory vor der Jury standen. Sie kamen frei. Und vier Wochen später wurden sie vo» der Zelettibande niedergeknallt.
Furchtbar war die Zeit, als ich als Einzelgänger durch die Union gejagt wurde. Wegen des Bankraubes in Detroit, der jetzt \5int Hallogan nachgewiesen wurde. Stundenlang könnte ich erzählen. Kommt nichts anderes dabei heraus, als ein ziemlich erbarm« I liches Leben. ..
Die Auguren.
„Wie gefällt Ihnen meine neue Operettenmusik?" fragte ein erfolgreicher Komponist Friedrich Holländer, den er bei Rmnpeltnayer getroffen hatte.
„Ein bißchen gesucht," grinste Holländer.
„Aber doch auch gefunden, meinte der Komponist. Ans einer Lpernkritik.
Die Künstlerin ist eine schlechte Darstellerin, eine schlechte Sängerin, aber eine gute Fünfzigerin.
(„Nebelspalier")
Aus aller Well
Für 300 000 Mark Juwelen gestohlen
Berlin. 15. Januar.
Zwei Amsterdamer Juwelenhändler, Vie vor einigen Tagen geschäftlich nach Berlin kamen, haben einen schweren Verlust erlitten. Vermutlich auf der Untergrundbahn wurde ihnen eine Brieftasche, in der sich Diamanten im Werte von 300’000 Mark befanden, gestohlen. Die Juweliere, die vor einigen Tagen in einem Hotel in der Friedrichstraße abgestiegen waren, hatten ihren kostbaren Schatz im Hoteltresor deponiert, und die Sterne wurden ihnen fedesmal auf Wunsch ausgehändigt, wenn die Holländer sie zu geschäftlichen Verhandlungen benötigten. Für Mittwoch harten die Juweliere mit einem Geschäftsfreund eine Zusammenkunft vereinbart und sich die Edelsteine herausgeben lassen. Der eine von ihnen, verwahrte den Schatz in der inneren Jackettasche und zog seinen Nkantel darüber. Die beiden bestiegen auf dem Bahnhof Friedrichstraße den Untergrundbahn,ng, der sie zum Wittenberg-Katz bringen sollte. Keppstein, der die Tasche trug, stellte erst aus der Straße fest, daß die Tasche mit den Juwelen verschwunden war. Es scheint also alles dafür zu sprechen, daß es einem geschickten Taschendieb gelang, dem Holländer den Brillantenschatz unbemerkt aus der Tasche zu stehlen.
Familientraaödie
Spandau, 15. Januar.
Eine furchtbare Familientragödie spielte sich in Spandau ab. Dort erschoß der 39jährige Kaufmann Walter Ohmke feinen bei ihm wohnenden jüngeren Bruder Hans int Bett und brachte sich dann selbst zwei Schüsse bei, an denen er bald darauf verstarb. Aus einem an die Frau des älteren Bruders gerichteten Schreiben, die während der Tat gerade Besorgungen machte, scheint hervorzugehen, daß die beiden Brüder aus wirtschaftlicher Notlage sich zum Freitod entschlossen hatten, da beide den Brief unterschrieben hatten. Die Kugelspuren im Zimmer lassen aber daraus schließen, daß den jüngeren Bruder sein Entschluß reute und daß es zwischen beiden zu einem Kampf gekommen fein mutz.
Ein Bruder Oiamonds verhaftet
Innsbruck, 15. Januar.
Der amerikanische Staatsangehörige John Diamond wurde in Steinach am Brenner festgenommen und der hiesigen Landespolizei übergeben, da er von den amerikanischen Behörden wegen einer beim Alkoholschrnuggel begangenen Gewalttat gesucht wird. Diamond, der vorgibt, der Bruder des amerikanischen Alkoholschmugglerkönigs zu fein, hat vor einigen Wochen Amerika verlassen und Frankreich, Deutschland und Oesterreich bereist. Von Wien aus hatte er sich nach Innsbruck begeben, um über den Brenner nach Italien zu reifen. Er gibt ohne weiteres zu, Alkoholschmuggler zu fein. Sollten die amerikanischen Behörden seine Auslieferung nicht fordern, so wird er über die österreichische Grenze abgeschoben werden.
Oer Ozeanflug des Do X
z Lissabon, 15. Januar.
In Ergänzung der Meldung-Wer die Startbereitschaft des Do X am 25. Januar wird noch berichtet, daß der Flug zunächst über Madeira, die Kanarischen und Kap Vertuschen Inseln nach Natal und von dort nach Rio de Janeiro führen werde. Alsdann sind Flüge nach Para, Trinidad, den Antillen und Havanna sowie überhaupt im Golf von Mexiko bis zum Beginn der guten Jahreszeit vorgesehen, zu der der Weiterflug nach Neuyork möglich fein wird. Im Rumpfe des Apparates sind zwei neue Benzintanks für 6000 Liter Brennstoff angebracht worden, wodurch das Gewicht des Flugfchiffes auf 88 Tonnen steigt.
Das größte Trockendock Europas im Sau
In Bremerhafen wird das Dock II gegen toärtig auf eine Länge von 335 Metern erweitert, Schiffe bis zu 75 000 Tonnen werden darin Platz finden. Links: Ein Riese im Trockendock, Lloyddampser „Columbus. Unten: Das neue Riesend ock n während der Bauarbeiten.
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Kleine Cbronil
Beim Schichtwechsel in der Berlin-Erfurter Maschinenfabrik Henry Pels in Erfurt, in der ein Teil der Belegschaft streikt, kam es zu Zusammenstößen zwischen Streikpostcn und Arbeitswilligen, von denen einer lebensgefährlich verletzt wurde. Polizei griff ein und mußte schließlich von der Schußwaffe Gebrauch machen. Ein 28jähriger Arbeiter wurde getötet, ein anderer schwer verletzt.
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Dor der großen Strafkammer Magdeburg begann die Berufungs-Verhandlung gegen den Ingenieur Wurmbach und den Prokuristen Seeger, die als Geschäftsführer der von der Stadt Burg bei Magdeburg gegründeten Phönix-E. m. b. H. der Stadt Burg eine Million Mark Schaden zugefügt haben. Zn erster Instanz war Wurmbach wegen Betrugs und Untreue zu zehn Monaten Gefängnis, Seeger zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden Die Berufungsverhandlung soll drei Wochen dauern.
Bon den seinerzeit mit dem Tuberkulose-Schutzmittel geimpften Lübecker Kindern ist jetzt wiederum ein zehneinhalb Monate alter Säugling gestorben, so daß sich die Zahl der Todesopfer auf 75 erhöht.
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Die Schwiegertochter des Dichters Adalbert von Chamiffo, Frau Ida von Ehamipo de Boncourt, ist. 91 Jahre alt, in Naumburg gestorben. Der Dichter ist schon 1838 gestorben.
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Ein chinesischer Dampfer wurde zwischen Shanghai und Futschau von Seeräubern angegriffen und nach der Honghai-Bucht geführt. Die Piraten gingen an Land, nahmen drei weibliche Passagiere und einen Handelsagenten als Gefangene mit und raubten einen beträchtlichen Teil der Ladung.
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NIVEA
KINDERSEIFE
dürfen Sie für die empfindliche Haut Ihres Kindes nur die milde
und bis zum IQ Jahre
verwenden. Nivea-Kinderseife wird nach ärztlicher Vorschrift hergestellt; schonend dringt der reiche Schaum in die Hautcuren ein und macht sie frei für eine öOPfg. gesunde u kräftige Hautatmung.
rauhen Tagen, beim Wintersport
zu RM oM, 0.36, o.GO und tJO # Tuben ans reinem Zinn tu RM 030 und o.ao
Und zwar vorher einreiben, bevor Sie in die rauhe Luft hinausgehen. Nivea- Creme dringt vollkommen in die Haut ein, ohne einen Glanz zu hinterlassen. Sie kräftigt und belebt die Haut und macht sie widerstandsfähig gegen Wind und Welter. Reiben Sie auch allabendlich vor dem Schlafengehen Gesicht und Hände gründlich mit Nivea-Creme ein. Mit Freuden können Sie dann immer wieder feststellen, wie weich und geschmeidig Ihre Haut sich anfühlt, und wie gesund, wie jugendlich Sie aussehen. Ersetzen können Sie Nivea-Creme nicht, denn es gibt keine andere Hautcreme, die Eucerit enthalt