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Hummer I*

Freitag, 9. Januar 1931

21. Jahrgang

Hessische Abendzeitung

Snzeimitvttls-: G-lchMZ- »nd K«mMen-An«,gen die 30 mm»Sette 11 Pfennig. Kleine Anzeige« anS Kassel das Sott 7 A, Aus wattige Kleine Anzeigen die 30 mm breite Zeile 11 A. Anzeigen im ReklameleU die 78 rnrn breite Zeile 4o A Ofi-ngebubr 25 A «bei Zustellung 85 4». - Bür das Erscheinen von Anzeigen in bestimmten Ausgaben, an besonderen Platzen und für lelevhonifch erteilte Auftrage keine Gewäbr. Re», nungsbetrage innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Geri-oioiranü Kassel. Postscheckkonw Frankfurt a. M. 638a

Kasseler Neueste NachMm

Kasseler Abendzeitung

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Gchkchtungsordnung geändert!

Neue Wege der Verbindlichkeitserklärung / Vor Beendigung des Lohnkonflikts im Nuhrbergbau / Eisenbahnunglück in polen

Unterzeichnung der Notverordnung

Eigener Drahlbertcht.

Berlin, 9. Januar.

Wie wir erfahren, hat der Reichspräsident heute vormittaa die Notverordnung bereits unterzeichnet, durch die die Schlich tungs vrdnung so abgeündert wird, daß die Ver- bindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen auch dann möglich ist, wenn sich nach dem bisherigen System eine Mehrheit nickst findet. Die Neuordnung führt nicht, wie man gestern angenommen hatte, den soge­nannten Einmann-Schiedsspruch wieder ein, sondern Legt fest, daß em Sonderschlichter auf Anord­nung des Reichsarbeitsministers zwei Unpartei­ische zu berufen hat, wenn eine Mehrheitsbildung mit HUfe der Parteien nicht möglich ist.

Die Neuordnung wird bereits bei der für morgen vormittag angesetzten weiteren Verhandlung im Ruhrkonfltkt angewandt werde», und zwar wird Professor Dr. B r a h m als Sonderschlichter be­stellt, sodaß er sofort die Unparteiischen hinzuziehen und ein Schiedsspruch gefällt werden kann, den der Reichsarbeitsminifter für verbindlich erNärt. Es ist. damit also sicher, daß der L ohnkonflikt im Ruhrbergbau bereits morgen mittag be­endet wird.

Diese Möglichkeit einer Aenderung der Schlich­tungsordnung war gestern in - der Ministerbe- sprechung erörtert werden. In dieser Minister- besprechutzg kam vor allem der Gedanke zum Aus­druck, daß die Größe -des jetzigen Lohnstreiies und die Gefahr des Weilergreifens auf andere Gebiete unbedingt ein Eingreifen erforderlich machen. Denn es bestand immerhin im Ruhrgebiet die Gefahr einer Aussperrung von erwa 300 000 Arbeitern. Die Aus­sichten für eine Lösung des Konfliktes durch die wei­teren Verhandlungen waren vor allem deshalb so ge­ring, weil der Zechenverband an der Forderung noch einem Lohnabbau von mindestens acht Prozent fest­hält. während die Gewerkschaften nicht über vier Pro­zent hinausgehen wollten.

Nach den des Kabinetts, das dann

zu den oben erwähnten Entschlüssen kam, hatte sich Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald nach Küstrin begeben, um dort m't dem auf der T'.--v-, Ostpreußen nach Oberschlesten befind­lichen Reichskanzler Fühlung zu nehmen.

Arbeite-ienflpflicht?

th Berlin, 9. Januar.

Die Frag« der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit aus Grund des neuen Planes des Finanzministers Dr. Dietrich wird am Montag in einer Unterredung zwischen dem Reichsarbeitsminister Dr. Steger­

wald und dem Vertreter der S p i tz e n v e r b ä n d e von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite erörtert werden. Es soll sich dabei jedoch lediglich um eine rein informatorische Unterredung handeln, in der in erster Linie auch die Anträge der Deutschnationalen und der Wirtschaftspartei zur Debatte stehen, die auf die gesetzliche Einführung der sogenannten Arbeits- d i e n st p f i ch t in Deutschland gerichtet sind.

Die Regierung siebt bekanntlich auf dem Stand­punkt, daß die Arbeitsdienstpflicht eine Erleichterung des Arbeitsmarktes nicht bringen würde. Sie wird also von sich aus keine Initiative zur Durchführung dieses Gedankens ergreifen. Immerhin soll diese An­regung mit den beteiligten Kreisen noch einmal durch­gesprochen werden.

Gregor Straffer verunglückt!

Oberstaufen i. Allgäu, 9. Januar.

Der nationa^oziaiistische Reichstagsaibg. Gregor Straster ist bei einer Skitour aus den Hohenkapf ver­unglückt. Bei der Abfahrt kam er zu Fall und zog sich eine Verletzung der Wirbel'äule zu. Er wurde in das Krankenhaus nach Obersiansen gebracht.

Streit um den Nemirquefilm

in Wien. Seitz gegen ein Verbot.

Wien, 9. Januar.

"Der Innenminister Winkler hat an den Bür­germeister von Wien Seitz ein Schreiben gerichtet. in dem er mit Rücksicht aus die gewaltigen Kosten, die die polizeilichen Vorkehrungen bei einer Fortsetzung der Aufführung des Films »IM Westen nichts Neues" noch verursachen würden, und unter Hinweis daraus, daß der Kulturwert des Films wohl in keinem VerhMnis zu den Schädi- eungen wirtschaftlicher Natur stecht, den Bürger meister dringend ersucht, unverweilt die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen damit die weitere Vor- 'ührung des Films unterbleibt.

Um Mitternacht wurde dann hie Antwort des Bürgermei^ers und Landeshauptmann von Wien auf den Brief des Innenministers Win'ler veröffent­licht In diesem Antwortschreiben lohnt es Bürger­meister Seitz ab. ein Verbot der Aufführung des Films .Im Westen nichts Neues" zu erlassen und verwahrt sich entschieden dagegen, daß die gestrigen Abendvorstellungen im Schwedenkino von der Polizei hne seinen Auftrag als Landeshauptmann verboten wurden.

Ein Franzose zur Korri-orsrage

,Eine Herausforderung -es gesunden Menschenverstandes''

Paris, 9. Januar.

Jack Kayser, der im Auftrage der radikalsoziali­stischenRepublique" eine Rundreise durch ganz Deutschland gemacht hat, berichtet jetzt über seine E i n- drücke in OstPreu ßen. Insbesondere an der deutsch-polnischen Grenze sei es, so schreibt er,

vergebliche Mühe zu hassen, daß Deutschland jemals den Gedanken aufgeben könnte, Ostpreußen wieder mit dem Mutterlande zu vereinigen. Man brauche nur einen Blick auf die Karte zu werfen, um auch die schärfsten Gegner einer Grenzregulierung zu überzeugen. Der Korridor, der Oberschlesten vorn übrigen Deutschland trenne, sei eine Heraus forderungdesgesundenMenschenver- st a n d e s.

Die polnische Grenze ziehe sich in 20 Km Entfer­nung der Weichsel entlang und ste habe die dort woh­nende deutsche Bevölkerung in ihrer Grundlage er­schüttert. Der Damm, den Deutschland errichtet habe, um den jährlichen Ueberschwemmungen des Flusses Einhalt zu gebieten, sei an fünf Stellen von der Grenze durchschnitten und er habe feststellen können, daß die Teile des Dammes, die zu Deutschland gehör­ten, in einem vorbildlichen Zustande seien, während Polen den Tamm vollkommen vernachlässige. Damit.jedoch nicht genua, habe man z. B. Bischofs­werder von feuern Bahnhof getrennt und mit einem Schlage die ganze Wirtschaftslage erschüttert. Bischofs­werder, vor 15 Jahren noch eine blühende Stadt, liege heute in Agonie. Ebenso berichtet Kayser über die Zerstörung der M n n st e r w e r d e r Weichst!

brücke durch die Polen. Die Zerstörung habe nicht etwa gleich nach dem Kriege in der allgemeinen Er­regung stattgefunden, sondern man hätte die Brücke in den Jahren 1928/29 kaltblütig systematisch zerstört. Der Zugang zum Korridor, den man Deutschland gege­ben habe sei illusorisch, denn der Uebergang sei nur denjenigen gestattet, die mit allen notwendigen Papie­ren ausgerüstet seien und auch nur zu bestimmten Tagesstunden.

Die Schlußfolgerung, die Kayser aus seinem Besuche zieht, geht dahin, daß man die jetzige polnische Grenze durch eine gerechtere Grenzlinie ersetzen müffe, wenn man sich nicht der Auffaffung verschließen wolle, daß die Frage der Grenzregnlierung weniger wichtig sei. da ja doch das ganze Problem des Korridors endlich einmal gelöst werden müffe.

Eisenbahnunglück in polen

- Ter Lokomotivführer soll betrunken gewesen sein.

Warschau, 9. Januar.

A:« der Eisenbahnstrecke Osiki-Wojtkowice bei

>ina ereignete sich in der Nacht zum Freitag infolge Trunkenheit d:s Lokomotivführers eine furcht­bare Katastrophe. Der Lokomotivführer eures Per- 'onenzuges, der von Wojtkrwice nach Ofrki fuhr, übersah das ungefähr 3 Kilometer von der Bahu- siation auf Halt stehende Signal. Der Zug prallte mit höchster Wucht auf beit Güterzug, der eben , 'v < im, -,e f-jfM! v « »he sämtliche Wage«

des Personenzuges entgleisten und stürzten den stei-- len Abhang des Bahndamms hinab.

Bis jetzt wurden 60 Verwundete geborgen Ob auch Tote zu beklagen sind, läßt sich int Augen­blick noch nicht seststellen. Der Lokomotivführer des 'ntgileistm Zuges wurde seftgenommen.

Ole deutsche Delegation für Genf

Berlin, 9. Januar.

Die deutsche Delegation für die Tagung des Europaausschusses, der drei Tage vor der eigent­lichen Ratstagung, nämlich am 16. Januar seine Ar­beiten aufnehmen wird, setzt sich, wie dieVossische Zeitung" berichtet, außer Reichsaußenminister Dr. Curtius, aus den Ministerialdirektoren Gauß und Ritter vom Auswärtigen Amt. Ministerial­direktor T o s s e vom Reichswirtschaftsmin sterium Geheimrat von Weizäcker und Legationsrat Wörmann zusammen.

Die Delegation wird, wie bereits gemeldet, am 14. Januar nach Genf abreisen.

Brian- winkt ab...

Keine Erörterung der politischen Fragen aus der Europakonferenz.

Genf, 9. Januar.

Die dänische Regierung hat heute bcm | Völkerbundssekretariat eine Note übersandt, in der

sie in Erwiderung der bekannten Umfrage des Gene­ralsekretärs einige Anregungen für die Tagung der Europakonsereuz gibt. Der Inhalt der dänischen Note ist im einzelnen noch nicht bekannt, es heißt ober, daß den Vorschlägen Dänemarks u. U noch eine besondere Bedeutung zukommen könne. Es soll näm­lich wie verlautet, u. a. In der Note ein Vorschlag en'halten sein .der aus eine Prüfung der politi­schen Seite des Problems der europäischen Union hinausläuft.

Soweit sich die Stimmung des Völkerbundsekre- lariats beurteilen läßt, scheint man aber dort vor­läufig keine große Neigung für eine Behandlung der politischen Fragen zu haben, und es heißt, daß auch B r i a n d die Gelegenheit, die sich ihm durch die dänische Anregung u. U. bieten könnte, kaum be­nutzen werde, um zu seiner alten Idee jetzt schon zu­rückzukehren. Die französische Regierung hat sich aus den Antworten verschiedener Regierungen aus ihr Mai-Memorandum überzeugt, daß, wenn das Stu- dienkomltee sich aus das politische Gebiet begeben würde, dann das Problem nicht einseitig nach den Wünschen Frankreichs, sondern in seiner Totalität angefaßt (!!) werden müffe.

3« den Weflnrarken deutscher Kultur

(Von unserem Korrespondenten.) 1

Luxemburg im Januar.

Luxemburg, Lützelburg, Kleine Burg sagen­umwoben steigt es aus der Vergangenheit auf. Ein uralt mächtiges Geschlecht, von dem Atdennergrasen Siegfried und der Wassernixe Melusine, die darob eine menschlich fühlende Seele bekam, gegründet; ein Geschlecht, das dem Deutschen Reiche vier Kaiser gab. das auf Thronen und Schlachtfeldern, einen unerhör­ten Glanz entfaltete. Um die Burg dieses berühm­ten Geschlechts wuchs eine Stadt gleichen Namens, in reizvollster Lage auf nahezu unzugänglichen Fel­sen, durch Na ur und Festungskunst zu einemGi­braltar" des Nordens" gemacht, bis 1867 deutsche Bundesfestung mit preußischer Garnison, wurde sie nach dem Londoner Kongresse und der ewigen Neu- tralitätserllärung des Landes geschleift, ohne daß dadurch der romanischen Schönheit dieser schon von Goethe besungenen Stadt irgendwelchen Abbruch ge­schehen wäre.

Es gibt in Europa keinen zweiten Landstrich, wo auf so engem Raum das heutige Großherzogtum Luxemburg umfaßt noch 2585 Quadratkilometer Flä­chenraum. wenig mehr als Anhalt ein gleich ge­waltiges, geschichtliches Geschehen erfolgte: Kreuz­weg der Kulturen und der großen Polin- schen Machtgruppen stießen hier von altersher Nord und Süd, West und Ost in hartem Kampfe zu­sammen. Ungebrochen jedoch blieb der deutsche Charakter des kleinen Landes und feiner Bewohner; und als überall sonst noch die arme deutsche Sprache Magddienste leisten mußte, schwuren die Vertreter des luremburgischen Adels in Brüssel der spanischen Infantin Isabella zur allgemeinen Verblüffung auf Deutsch den Treueid. Luxemburg ist in sprachlicher Beziehung ein sogenanntesReliktgebiet"; jenseits der Mosel an der äußersten Grenze deutschen Sprach- gebietes gelegen, schlief es durch Jahrhunderte hin­durch einen wahren Dornröschensch'as, indem^sein moselfränkischer Dialekt durch keine der großen Strö­mungen, die das Leben von Sprache und Mundart in stetem Fluß hallen, berührt wurde. So findet man in diesem derben, urwüchsigen und bodenstän­digenLetzeburger Deitsch" eine Unmenge ur­alter Sprachsormen, Die das Entzücken eines jeden Philologen Hervorrufen müssen; Sprachgui aus der ingwäonifch-westgermanlfchen Zeit, ehe sich derNürn­berger Keil" einschob, allemannisch und niederdeutsch absprengend; Wörter und Wendungen, die man in Basel, andere, die man in Diethmarschen hören kann, sodaß schließlich der Eindruck eines bunten Gemischs entsteht, während es in Wirklichkeit die ursprüngliche, treulich gewahrte westgermanische Spracheinheit ist. Dieses Moselfränkisch, das vom Staaisminister bis zum Betteljungen herab jeder Luremburger spricht, hört sich unbeholfen, primitiv und schleppend an, weil ihm die ausgebildeten Formen und Flexionen feh­len; es wimmelt von uralten Doppellauten und son- sttaen Uebcrreften längst entschwundener Zeitalter, sodaß es als Schriftsprache nicht zu gebrauchen ist trotzdem eine blühende Dialektliteratur Lyrik und Charakterposse besteht.

Noch dem Gesagten mag der Fremde, der zum erstemnal das Ländchen besucht, nicht wenig erstaunt sein, in allen Ecken und Enden ncchez-u ausschließlich

französische Inschriften zu finden: die Ge- ck-äfts- und Kaffeehäuser, die Banken- und offent» lichen Geb"'de, die Straßenschilder, die Bekannt- ^-dnntite.tWr Behörden und der Eisenbahnen, über- U nur französisch, genau wie in Lyon oder Borde- anr. Die Verwaltungen verkehren untereinander in der gleichen Sprache, ebenso die Abgeordneten im Parlament, die Advokaten vor Gericht; die deutsche U e b e r s e tz u n g ist nur dann beigegeben, wenn sich der Text an das Verständnis des Volkes wen­det, denn trotz der offiziellen Zweisprachigkeit Französisch wird in der VoASschule, deren Grund- u.ad Hilfsfprache deutsch ist, vom 2. Jahre an gelehrt verstehen die breiten Massen doch nur ausschließ­lich den sch. Deutsch ist die Sprache der Kirche und der Zeitungen, deutsch ist auch das Schrifttum. Daß trotzdem der französische Firnis so stark werden konnte, mag folgen'-en Ursachen zuzuschreiben sein: Dem Grenzcharakter des Landes überhaupt, der wiederholten politischen Herrschaft Frankreichs (Ludwig XIV., die Revolution, Navoleon), die wie überall ein französierendes Großbürgertum im Ete- " Tete bitte, und letzten Endes die großzügige, franzö- vsche Propaganda, die durch Versammlungen, Konferenzen, Flugschriften, Ferienwerke und ganz besonders durch die mächtigeAlliance Franeaife" unausgesetzt ftattfinbet: unterhält diese von Paris 'ns durch Geheimfonds unterstützte Vereinigung ja 'ogar in LureMbura eine eigene Tageszeitung, die zwar kein halbes Tausend Leser zählt, immerhin av»r nicht ohne Eins tu« ist.

Ueberhaupt ist die politische Lage des klei­nen Landes seit dem Kriegsende unklar genug. Der Zollverein mit Deutschland wurde 1918 aus Befehl der Entente nach fast achtzigjährigem Bestände gekün­digt; in gebeim n Abmachungen war das Eratzherzog- tum französischerseits mit Eupen und Malmedy zu­sammen Belgien zugesprochen worden. Heber die in London 1867 ausgesprochene Neutralität Luxem­burgs ging man kurzerhand hinweg, indem man Deutschland (und nachher auch Oesterreich) durch den Artikel 42 des Versailler V.rtrags zwang, aus alle seine Recht: als Earantiemacht zu vernichten. Der Einzige, der dabei nicht befragt wurde, war Luxem­burg selber. Doch die kleine, stolze, ihre Freiheit über alles setzende Nation blieb die Antwort nicht schuldig. Sie appellierte an England, ließ den Ver­sailler V rtrag durch ihren höchsten Gerichtshof als für Luxemburg unverbindlich erklären und setzte ihre Aufnahme in den Völkerbund durch, was ihre Aner­kennung als souveräner Staat zur Folge hatte. Aber Frankreich und Belgien gaben das Spiel noch nicht verloren. Während letzteres den Z o l l a n s ch l u ß erzwang dem durch Volksbefragung ausgesprochenen Willen des Landes entgegen. forderten beide in Genf, Luxemburg müsse seine Neutralität ausgeben und durch Einführung einer entsprechenden Armee (es besitzt bloß 250 Freiwillige und ein Maschinenge­wehr) die militärischen Vorschriften des Paktes er­füllen. Heber den Sinn dieser unerhörten Forderung war niemand im Zweifel: es handelte sich in der lot darum, das berühmteluxemburger Loch" in strategischer Beziehung zu stopfen und das kleiuß