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einer rechtlichen uub wirtschaftlichen Grundlage für einen weiteren ütujhau der Handelsbeziehungen.
A« den Beziehungen zu Deutschland läßt sich eine ge Wille Zwiespältigkeit beobachten.
Einerseits wird in der Sowietpress, der Men dieser Beziehung betont und besonders die Bedeutung einer Erweiterung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit hervorgehoben. Andererseits fehl, es aber auch nicht an Angriffen gegen die deutsche Politik. gegen die . Wtederholt der Becktach, ausgesprochen worden ist.
daß auch sie sich leicht in das Schlepptau der von Frankreich geleiteten fowsetfeindlichen Politik nehmen lasten und der An isowjetfronl dienstbar gemacht werden könnte So wenig Grund auch vorliegt. an eine »Option für den Westen- durch Deutschland zu glauben, so hat doch besonders der Jahres- schluß in Moskau zu Betrachtungen dieser Art ge- sübn, die erkennen lasten, daß der wettere Kurs der deutschen Außenpolitik mit einem fast nervösen Interesse beobachtet wird.
Marschall Ioffres letzte Mrt
Barthou spricht in feiner Gedenkrede
Von „Deutschlands Ueberfaü ans Frankreich"
Paris, 8. Januar.
Gestern um 10 Ufir fetzte stch nach einer kirchlichen Trauerfeier in der Notre-Dame,Kathedrale der Trauerzug hin-er Ser Leiche »e« Marschalls Joffre in Bewegung. Bei dem kalten, aber schönen Welter waren vie Straßen, die der Zug passten,. von einer großen MenichenMeNge umsäumt, die «den auf einer Lafsette vorbeifahrenden Sarg des Marschalls ehrfürchtig grüßte Die Straßen'aternen IN der Rue de Rivoli brannten und waren schwarz mit Crepe umflort.
Der ungeheuer große Trauerzug erlitt mehrfach Stockungen, so daß er erst nach zwei Gtuwden vor dem Jnvalidendom ankam, wo der Sarg mir der Leiche des Marschalls aus einen Ka afalk gehoben wurde D-mn ergriff Krirgsmi nist er Barry o u das Wort zu der einzigen Rede bei der Trau- erfeier. Er führte an einer Stelle seiner Rede fol- senke» aus: Joffre fühlte, wie alle Franzosen, daß, wenn das Heer 1870/71 die Ehre des Landes gereitet halte, 6er Frwdensvertrag von Frankfurt die Sicherheit Frankreichs kompromittiert habe Die Grenzziehung habe auch nach feiner Austastung nicht eine Erniedrigung, aber eine Gefahr bedeutet. Aber daS Wort Revanche habe nicht zu den von Jofsre gebrauchten Begriffen gehört. Gr habe die große Wie, dergutmachung gewollt, an 6er auch Gambetta nicht gezweifelt habe. Festgestellt toeröen muß, daß Bartha» auch bei dieser Gelegenheit die falsche Behaup, jyita Ueberfaü Deutschlands auf Frankreich ... Nach der Rede Barthous wurde die Leiche des MarschallS Joffre in eine Ieitenkapelle im Jnvalidendom gebracht, wo sie vorläufig beigesetzt wurde.
polnische „Ltmetjuchungsmethoden"
Der Zwischenfall von Gollaffowitz vor Gericht.
Rybnik, 8- Januar, ...Vor dem Amtsgericht in Rybnik begann um 9,30 Uhr vormittags der Prozeß gegen acht Einwohner von Goüstowitz, di« angeklagt find, am Abend des LT 11, 1930 hei einer Schlägerei den Polizeiwacht» meister Schnapka erschlagen zu haben. Bekanntlich hat, ten sich in jener Nacht die Einwohner von Golaffowttz vo. dem Evangelischen Vereinshaus gesammelt, um hier Terrorakte oer Aufständischen ahzuwehren, die am gleichen Nachmittag, in einem Lastauto'«sm Sich rau kommend, i« die deutsche Privarschule eingedrungen Waren, und die deutschgestnnte Bevölkeung terrorisiert hatten, um sie zur Stimmabgabe für die Regierungs- list« zu zwingen. Die acht Angeklagten, die fast ohne Ausnahme einen geistig sehr bescheidenen Eindruck machten, wurden von fünf Polizisten aus Kattowitz hierhergebracht, was in dem kleinen Städtchen ein be« trächtltch-s Aufsehen erregte.
Sm Berkaus der Verhandlung erklärte der Ange- e Oskar Sznmik, daß er vor dem Kattowitter Untersuchungsrichter nur deshalb ausgesagt habe, daß er auf Schnapka mit eingeschlagen habe, weil ihm der Untersuchungsrichter mit einer zehn« jährigen Gefängnisstrafe drohte. Auch Kurt Szymik sagt aus. daß er nur au» Angst davor, statt fünf zehn Jahre Gefängnis abfihen zu müffeit, behauptet habe, bei der Schlägerei beteiligt gewesen zu lein.
Der Angeklagte Waelawik gab unter lebhafter Bewegung im Zuhörerraum bekannt, daß et im Go- laflowitzer Haftlokal von der Polizei gezwungen worden fei, auf Kohlen zu knien. Äehnliche Angaben hatten am Vormittag auch die Angellagten Kuvla und Watut gemacht.
Kasseler Neueste Nachrichten
Donnerstag. 8. Fann« 1931’
Eireikhehe in Oberschlesien
Kommunistische Agitatoren am Derk Demonstrationen gegen ven Reichskanzler geplant
th. Berlin, 8. Januar.
Nachdem die kommunistische Streikhetze im Ruhr, gebiet vollkommen zulammengebrochen ist, ist ganz berrafchend ein neuer wilder Streik im obeeschlefischen Eruhengebiet ausgehro, chen, bet ebenfalls aus kammnniftisch« Agitation zurückgeht.
Wie die „Rote Fahne* hierzu schreibt, ist der poli, tische Sinn diese, wilden »treffe in Oberschleflen, der von den Gewerkschaften abgtlrhnt wird, darin zu erblicken, daß der Reichskanzler Brüning üe, kanntlich die Absicht hat, auf feiner großen Ostreise jetzt von Ostpreußen nach Ober-chlesien zu fahren. Wie da« kammunistitche Blatt schreibt, sind die oberschlefl- fchen Bergarbeiter über diese Reise empört und haben die Absicht ausgesprochen, den Kanzler mit Protestdemonstrationen zu empfangen und ihm zu zeigen, wo die Rot in Oberschlefien tat, sächlich vorhanden sei. Damit wird angespielt aus den tariflosen Zustand, der s«it Ende Oktober bei den Bergarbettern besteht und auf die Bestrebungen nach einem Lohnabbau, den die Kommunisten selbstverständlich bekämpfen.
Weshalb die Schlichtungs-
Verhandlungen fche'te^en
Berlin, 8. Januar.
Di« gestern erneut »ufgenommenen offiziellen Schlichtunisverhandlungen in dem Dohnkonflikt im Ruhrbergbau sind deshalb gescheitert, weil der Vorsitzende der Schlichtungskamener, Prof. Brahn, für feinen Vorschlag, 6er auf ein« Sprozentige Lohnsenkung hinauslief. weder die Stimmen der Arbeitgeber- noch die der Avbeltnehmervenreter gewinnen konnte. Die Arbeitgeber blieben bei 6er Forderung eines Sprozentigen Lohnabbaues, die Gewerkschaften wollten nur 4 Prozent zugestehen. .
Wenn der Schlichter beide Parteien für Freitag
oder Sonnabend zu neuen Verhandlungen einluft uw) dafür auch eine Zusage erhielt, so bedeutet dies, daß oer Versuch gemacht werden soll, eine Sonder- schlichtungskammer zu bestellen, die noch einmal den ganzen Konflikt von Änfastg an behandeln kann Nach unseren Informationen entspräche dieser Ausweg auch den Wünschen des Reichsarbeils- »ninisters Er ist jedenfalls entschlossen. den Konflikt noch vor dem 15. Januar, an dem die am 1. Januar ausgesprochenen Kündigungen in Kraft treten, zum Abschluß zu bringen. Möglicherweise Wirt) sich deshalb auch in dieser Woche noch das Reichskabinett mit dem Arbeitskonflikt beschäftigen.
Llebersail auf Arbeitswillige
in Duisburg,
Duisburg, ß. Januar.
Nm S^dtteil Laßkerfeld kam eS Mittwoch nach mittag zu schweren AuSschre'tnngen und veberfällen auf zwei arbeitswillige Bergleue. als diese nach Berndiguna ihrer Schicht ihre in der Catzler Straße gelegen« Wohnung aufsuchen wollten. Sic wurden von Streikenden ongcfallen zu Boden geschlagen und schwer mißhandelt, u. a. wurde auf die Uebcrfallcncn ein großer Lund gehetzt.
Im Augenblick ha te sich eine große Menschenan- sammluna gebildet, und es kam zu großen Ausschreitungen. die ein Eingreifen der Polizei erforderlich machten. Einer der Ueberfaüenen trug so schwere Ber- 'etzungen davon, daß et dem Krankenhaus zugeführt werden mußte. Im Verlauf des Tumultes wurde •'us einem Jenster von Angehörigen eines der lieber, fallenen geschossen, wodurch einer der Angreifer durch einen Schul<rfchuß nick't unerheblich verletzt wurde; er wurde als Polizcigef-ingtner ins Diakonen-Kran- "enhaus elngelirfert. Die Polizei nahm zwei der Angreifer fest. Roch längere Zeit mußten Polizei- vatrouillen am Ort zurückbkeiben, um weiter« lieber- fälle zu verhindern.
Vie personal^olitik im statistischen Lanöesami
Neuer Untersuchungsausschuß an der Arbeit.
Berlin, 8. Januar.
Im Preußischen Landtag trat am Mitt- woch der aus deutschnasiona'en Antrag eingesetzte Untersuchungsausschuß zusammen, der prüfen soll, ob di, Personalpolitik im preußischen S t a- listischen LandeSamt nach varteivolitischen Gesichtspunkten gegen rechts orientiert ist.
Als erster Zeug« wurde der Präsident bei Statt* stischen Landesam.es Säens er. pernompien, Die wichtigsten Streitfragen, hi« den Ausschuß beschästi- aen, ergaben sich erst bei dem großen Aufbau im Statistischen Landesamt in den Jahren 1929 und 1930. Die Vorwürfe der Rechten wenden sich besonders afc - aen den vom damaligen Innenminister Severins gestellten Perfanalreferenten. Negierungsdirektor' Dr. Eassau, dessen Vernehmung für beute vorgesehen ist. In diesem Zittammenhana spielt ein Schreiben eine Rolle, das Minister Severino an den Abg. Heß vom Zentrum gerichtet bat und in dem «r mit* teilt, er kenne Herrn Dr. Cassou feit zehn Jahren und wünsche seine Anstellung im Statistischen tzan- desamt und feine Beschäftigung in der Personal- Tlbteilung. Ein Vertreter der Regierung erklärte dazu im Ausschuß, daß der Minister ein Ventil für die vielen Beschwerden über di» Personalabteilung schaffen wollte. Präsident Saenger war rcch's eingestellt. Cas'au dagegen Sozialdemokrat. Der Minister war der Meinung, daß da» Zusammenarbeiten dieser beiden Männer die beste Gewähr für eint objektiv« Per- sonalpolitik biet«.
Tatsächlich ergaben stch aber, wie aus den Aussagen des Präsidenten Saenger im Ausschuß hervor- ging, in der Folg« verschiedentlich Meinungsverschie- denheiten mit Dem neuen Personalreferenten. Sa enger wurde schließlich zum Minister Waentlg gebeten, der ihm eröffnete, patz er feine Versetzung in den Ruhestand für angezeig, halte, weil er sich den
Anregungen Cassou» gegenüber gänzlich ablehnend verhalten hätte. Allerdings habe er feit damals über die Pensionierung weiter nichts mehr gehört.
Der 18. Zauvar
7>as Programm für di, Reithsgründung,seiet.
vetki«, S. Januar.
Anläßlich der 60. Wiederkehr des Tages der Reichsgründung wird, wie bereit, angekündigt, di« Rsichsregierung am 18. Januar im Reichstag einen Festakt veranstalten, der, entsprechend unserer ge, genwärtigen Lage, einfach und würdig gestaltet werden soll. Die Feier, an der der Reichspräsident und die Reichsreaierung teilnehmen, beginnt um 11.15 Uhr. Di« Festrede wird Prof. D. Dr. Kahl halten, der vor tzg Fahren auch an der Ausrufung des Reiches im epL attfaal von Versailles teilgenomme» hatt Auch Reichskanzler Dr. Brüning wird eine kurze Ansprache halten.
Im Anschluß an di« Feier «ird der Reichspräsident di« Front der vor dem Reichstage ausgestellten Chrenkompagni« abschreiten und sich sodann zu der Retchsgriindungsf.ler des Kyffhämer-Bundes nach dem Sportpalast begeben. Bor dem Festakt im Reichstag, wird Hindenburg an dem Festgottesdienst im Dom teilnehmen.
Klage gegen Mücke
Berlin, g. Januar.
Die Bundesleitung des Deutschen Lffizierbundss hat gegen den Kavitänleutnanr a. D. v. Mücke «-iraf- antrag gestellt. In feiner Versammlung im Berliner Sportpalast batte Mucke erklärt, der Ehrenrat der Dresdener Ortsgruppe des Offiziersbundes habe festgestellt, daß di, Borwürf, gegen Mücke unzutreffend seien, er habe aber trotzdem nichts gegen die Verleumder unternommen; das sei bezeichnend für di, Ehrauffassungen im Lfiiziersbund. Dadurch fühlt sich der Offiziersbund beleidigt.
Ser Kanzlers Mastirensahrt
Alleustein, 8. Januar.
Der Reichskanzler Weil» am Mittwoch in Masure,t, dem Wald- und seenreichen Südgebieie Ostpreußens. In den Haup:städt«n des Gebiete» Men- nein uno Lvck. nahm er e.wa» längeren Aufenihaltt
Die Besprechung, di« Dr. Bkümng in den Nach- - Mittagsstunden tm Rathaus von Lvck mit ost- preußischen Wirtschastspertretern hatte, sand ihren Abschluß mir Der Dringenden Bitte eines Arbeiter- . Vertreters, der schrecklichen Not Der Grenzgebiete ab» zuhelfen, indem für sie erhöhte Arbeiismöglichkeite» geschasst würben.
Der Kanzler erklärt, in seiner Antwort, in einer Zeit allgemeiner wirtschasllicher Depression fei es bei allem guten Willen eer berufenen Stellen schwer, auf alle berechtigten Wünsche gleich hilfreich einzugreifen, Auch mit beschränkten Mitteln lasse sich aber noch manches erreichen, was bisher unterblieben sei. Besonders müsse etwas geschehen, damit nicht wieder Gelder, die vom Reich an die Zentralen in den Provinzen mit einem Zinssatz von 5 Prozent gegeben wurden, von diesen zu einem Satz bis zu 14 Prozent weitergegeben würden.
Unter den Gästen, die den Reichskanzler auf feiner Reife von Lvck nach Al len st «in begleiteten, befanden stch auch einig, deutsche Siedler, die bis Johannisburg mttfufire«. Der Reichskanzler und der RetchSmmister Lrevtranus nahmen Gelegenheit, sich mit ihnen eingehend zu unterhalten, sich ihre Note barlegen zu lassen und Abhilsemöglichkeiten zu erörtern.
Abends 7 Uhr traf der Kanzler in Deutsch-Eylail ein. RetchsbankprSstdent Dr. Luther traf am Mitt, woch mlttaa in Allenstcin mit dem Reichskanzler zu* lammen. Auf der Fahrt batte Dr. Luther einen Unfall. Sein Auto wurde dabei schwer beschädigt; er selbst bljeb unverletzt. *
Insterburg, 8. Januar. Während der Anwesenheit des Reichskanzlers kam es hier zu blutigen Uekvrfällen von Kommunisten aus Nationalsozialisten und auch auf unbeteiligte Straßenpaffanten, wobei u. a drei Nationalfozialisten durch Dolchstiche schwer verletzt wurden.
Vie Trauerfeier des VerUner Reichsbanners
Berlin, 8 Januar. *
Die Trauerfeier für den in der Silvesternacht tu schossenen Reichsbannermann Willy Schneider, dl« am Mittwoch im Saalbau Friedrichshain in 8er* lin stattfand, vollzog sich unter starkem Andrang bet Berliner Bevölkerung, Der Tote «ar tm offenen Sarge im Gartensaat ausg.bahrt. Eine Ehrenwach» des Reichsbanners hielt am Sara, di« Wacht, Unter denen, die an dem Toten in lautlosem Zuge vor* beidefilierten, befand sich auch Polizeipräsident Erzes Inski tn Begleitung mehrerer Polizeioisi- zierc.
Al« gegen Abend di, Trauerfeler im Saalbau Friedrichshain begann, nahm vor dem Sarge ein, Ehrenkamergdschast des Reichsbanners Schwarz-Rot* Gold Aufstellung und daneben ein Ehrenkommando der Berliner Schutzpolizei' in Uniform mit einem Kranz mit Schleife. Die Feier wurde eingeleitet durch Chorgesang der Frledrich-Heger-Ctzors, Es folgten Ansprachen de, Vorsitzenden des Berliner wauvor» stands des RÄchsbanrisrs, MinistekprWent g. $), Stelling, svwi, von Vertretern der Sozialdemo» tjflUtoen MMct und des ?.kn,ralverbanves der Angestellten. Abermaliger Chorgesana schloß die Feier.
Eine große Menschenmenge begleitet, mit breit# nenden Fackeln den Zug nach dem Krematorium in der Cenchtsftraße. Im Krematorium selbst sprach der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Kuttner und als Perireler des Reichs-anner-PundcSvolftau- dt» der BundeSschatzmeist-r Crohn.
StaatSsekrwät a. D- Kempkes gestorben. Staats- sskrelär a, D. Kemples ist. wie wir in einem Teil nni'eror gestrigen Auslage bereits gemeldet fiacen am Diens-sg abend In seiner Wvhnnng in Plii-Schöne- berg einem Serz'ch'ag erlogen. Der $erfarbeite, der Zu den «meften Mitarbeitern Stresemanns störte, war la-.,-sLhriger Relchkge'chiiftsfllchrer der D»ut'ch?n DolkSvartei. Er gehörte der vslsassuaggcbenden Na iona'versaMMÜrng und dem Reichstag von 1920 Li» 1930 an. In Pen neuen Reichstag war er nicht wiedergewlWt worden. Im Herst 1925 war Kempke» unter Stresemann, kurze Zeit Staatssekretär bet Reichskanzlei. Der Verstorbene stanid Im 60. Lebens* labt.
Frauen im Orient / Von Erna p nner
Jrn heutigen NachkriegSeuropa herrscht ohne Zweifel ein Ueberfchuß an reizvollen Frauen. Diesem Angebot stehl von Seilen der Männer staltstisch eine geringe Rnchsrage gegenüber BSrsenmätzig gesprochen ist der Mann Heid und die Frau Brief in Europa.
Im Orient ist di« Lag, umgekehrt. In Bagdad kommen zum Beispiel in der englischen Kolonie auf 200 Herren etwa SO Damen der Gesellschaft. In Diesem Höllenklims. 36 Autostunden von Damaskus wüstenwär's. ist wie mir nicht nur Die Frau eines hohen englischen Offiziers dort versicherte. ,the most wpnderful place" in der Welt für eine Ladv. Für solche zahlenmäßige Chancen des Flirts nimmt man eben a4e8 in Kauf, auch die Notwendigkeit, infolge der Hitze und des alles wie mit Schimmel überziehenden gelben Wüstensandes mindesten» dreimal im Lag dl, weißen Waschkleider zu wechseln, da» sinv »inundzwanttg Kleider in der Woche und öierunb» achtzig tm Monat. WaS bedeutet der sichere Erfolg einer weder jungen noch reizvollen Frau gegen die total# Einrichtung, um vier Uör morgens auf»«« iehen. um bis zehn, wenn die groß# Hitz, kommt, bereit» geritten. Tennis gespielt und den Haushalt versorgt zu haben, oder ab Mai nachts auf dem Dach unter dem Moskitonetz zu schlafen? Die Damen sind bett sehr im Gegensatz zu ihren Gatten entzück, von Bagdad und verlieren sichtlich an Sicherheit und äußerem Srtolg, je mehr sie sich auf dem Schiff bei ihrer zweijährigen Urlaubsreise Europa nähern. Sie kaufen dafür gleich in Venedig für bie nächsten zwei Jahre in,1’ ogbab“ achtzig Wafchkleiber auf Vorrat. Di« Abendkleiber folgen in Paris. Die Verkäufer verlieren ob diefxr Massenkäufe bie Fassung.
Die eingeborenen Tarnen bes nahen Orien's, b |. bie reichen christlichen Syrierinnen unbbie Jübin- iten, bie in bet internationalen Gescllfchafi „recu“ find, haben gegen die erfolgreiche Europäerin hort eb.e schwierige Position. Sie Emanzipation bat sie wohl mit Zitronensaft und Hungern auf eint europäische Linie trainiert. Der enorme Reichtum kleidet sie nach der neuesten Mode von Paris Sie fahren im Packard oder Rolls Royce. Ste sind sogar schon etwa» sportlich. Sie haben schließlich selbst einen mit raffinierten Mitteln hergestellten weißen Ge- sichtsteint. Aber sie riskieren ungern im Schwimmbad das verräterische Braun ihrer übrigen Haut- Sarbe »u »eigen. Denn .Blond" und .Hell" ist ttumpf im Orient.
. Trotz all dieser Anpasiungen an das europäische
Ideal und trotz all dem märchenhaften Reichtum sind europäische Heiraten für sie noch fetten. Im übrigen verlangt die Tradition bes Orients bei einer Heira: zwischen Eingeborenen unberührteste Jungfräulichkeit. Daher muß bieses Kapital sehr gehütet werben, was für bie Europäer dies« Flirt» «twaS anftrensenb macht.
Die Hochzeitszeremonten der reichen Jüdinnen in Kairo gehen meistens im Hotel vor sich. Gele, gentlich naam ich en einem Fest, das ein junges Paar am Abend nach per Hochzell im Mena Honfe feinen jungen Freunden gab. teil. ES unterschied sich zunächst in der sichtlichen Sangeweile ht nicht» von europäischen Beranf'a'lungen dieser Art. Erst gegen Morgen- offenbar unter Einwirkung unheimlicher Mengen von Sekt, äußerte sich ein lustiges Geschirrzerschkagen. Die Brau« erschien um vier Uhr frijh im Badeanzug im Ballsaal und führte ihre Gäste mit der Jazzkapelle ,u dem Schwimmbassin, wo unter der verblassenden Mondsichel tm Wasserspiegel die Tbttsrenvyramide und die Stern« einer modernen jüdischen Hochzeit zusahen.
Kunst mtfr Gistenfchast
Uraufführungen in Darmstadt. Das Hessische Landes- thea.er in Darmstadt t@eneralintenbant Carl Ebert) bringt am 13. Januar 1931 Josef Sells Mormonen- Komödie „Die sünsundzwanzigste Frau" sJnfzeni«- rung: Renato Mordo; Bühnenbild: Lothar Schenck von Trapp) und am 31. Januar 1931 Ernst Penzoldts Komödie »er Unsterblichkeit „Die Portugalesische Schlacht" (Jnszemerung: Carl Ebert; BühnenbiL): Wilhelm Reinking) zur Uraufführung.
Oporn'est in Wien. Wiener Staatsoper bereitet für den 22. Januar em Opernfest in Gestalt einer geschlossenen Aufführung von Richard Heubergers „Opernball" vor, dem Meisterwerk de» feinsinnigen Wiener Tondichters. Musikschriftstellers und Pädagogen Im Hauptakt d:» „Opernball", her in der Parifer Grand« Ov^ra Ipielt. wird die Buhn« riesenhaft erweitert fein, zwei Kapellen werden auf der Bühne selbst Platz finden, und das aroß« Ballettchor der Wiener Oper wird ein tolles Maskeutreiben dar-
Welch ein Gegensatz zu den zionistischen Jüdinnen in Palästina, die eurol'Mnüde tn den Kwuzahs tn einem merkwürdigen Kommunismus leben, deren Kleider Mgemeingut sind, und di, direkt nach der Geburt ihre Kinder zu gemeinsamer Erziehung ab* geben müssen, damit sie, selbst uilgestört den harten Dienst der Urbarmachung pes Bodens leisten können! Unter den mohammedanischen Frauen trägt bie einfache Aegypterin noch di» Messingrolle auf der Nas«. während die Türkin in allen Schichten am europäisier esten ist. Rur bie Mama» »eigen noch di« von dem HaremSleben keineswegs abgezehrten kolof. feien Formen. Di« jetzige Generation ist aber schon sichtlich schlank. Die Proportionen der Glieder fiftb allerdings noch nicht barmonifch. Die Brust, der Eton-Kops, selbst di» Hüsten gehen. Di« Bein« aber .gehen" ni(fit Aber bai wird di» nächst, Generation erreichen. Di, jetzige reist bereits mit Tennisschlägern von der Türket nach Zypern.
E» ist wohl unaufhaltsam, daß auch im Orient durch di» allgemeine Anpassung an Europa di« S anbattfragen sich ausgleichen werden. Tann Wirtz auch hier die männerreiche Oase rstr die europäische Frau versinken, wie Lausend und eine Nach, im Orient versank.
stellen. Auch die Dresdener Staatsover bereitet eine festliche Ausführung des gleichen Werkes Vor,
Eine neue Oper Arnold Schönbergs. Arnold Schönberg arbeitet zurzeit an b»r Komposition einer abendfüllenden Oper, zu der er selbst den Tert geschrieben hat. Das Werk wird den Titel führen „Aron und Moses".
Eine Andree-Ausfteklung. Die Ausstellung der geretteten Ueberreste der Andree'schen Expedition, die jetzt in Stockholm eröffne worden ist, findet beim Publikum das größte Interesse. Sie zeigt in acht großen Räumen 550 Gegenstände und gibt eine lebendige Anschauung Von den ungeheuren Schwierigkeiten, die Andree und feine Heiden Gefährten zu überwinden hatten, ols st» ein« fo groß» Menge von AuS- rüstungSgegenstänb-u in ihrem Ballon mitführten. Man ft fit das große Lktnwanbbogt, drei Schlitten, Nahrungsmittel und den wofilauSgestatleten Med'zin- toften, bie gefunden wurden. Besondere Beachtung findet Andr»e» wollen« Jacke, in die das berühmte Notizbuch gew'ckelt war. fov!« der PrimuSosen, b«r noch vortrefflich Instand ist. Bon den mehr ali »o
photographischen Negativen, die nach 33 Jahren »och entwickelt werden tonnten, werden Abbildungen mit einer Art Salerno Mag ca gezeigt
Die Fortschritte der mediziuischrn Wissenschaft i« Jahre lt3O. Eine Reitze wichtiger med.zinifcher Fortschritte können zu den Errungenschaften des eben abgeschlossenen Jahres rechnen. So konnte bie Radiotechnik in den Dttnft der Heiltund, gestellt werden und aus einem der hauptsächlichen Gebiete der Medizin. tn der Behandlung des Krebses durch Radio einen wesentlichen Schlitt zur Vervollkommnung erbringen. Auch die Kinemalograpfile der inneren Organe oes menschlichen Körpers verdankt« dem letzt«» Jahr einen weiteren Fortschritt, an den zugleich noch eine andere neu« Heilmethode angeschlossen «erden konnte, die Bestrahlung der inneren Organe mit ultravloletlen Strahlen. Ein» Zusammenarbeit von Röntgenklno und Tonstlm konnie ein» genaue Kontrolle der Arb;ir des menschlichen Herzens ermöglichen, Reich an Fgrtschritten sind auch die Errunpen- schaften in der Arznei- und Medikamentenkunde, und die Eniwicklungsansätze, die bie wissenschaftliche Forschung im alten Jahre machen konnte, werden im kommenden ihren Ausbau erfahren.
Moissi-Anekdot».
Molkst hatte den Fedj-a geMelt. 6htre!8erib wl» immer. Al» er nach der Vorstellung da, Theater verl.etz. noble sich ihm ein hkÄches, blonres Mäd- chcm. Es grüßte ihn verlegen, flüsterte e was von .großer Bewunderung" und ersucht« den Künstler mit niedergeschlagenen Augen und errötenden Wangen um sein Autogramm. MoiA lüchcl:e geschmeichelt. zog seinen Füllseberhal.er hervor und schrieb im Schein der Laterne ein paar Worte. Als Moissi zwei Tag« später i-n bentfclifcen Theater aufgetreien war, wiederhol e sich, diesmal allerdings vor hem KürnftlerauSgana, derselbe Boryang. Ein blondes, hübsches Mädchen, das liobenswürtzig u-nd bescheiden um ein Autogramm des Meisterz bat.
MoW besah sich die junge Dame genauer. Sie itzm ihm nicht unbekannt vor. .Mein liebes, cnäüiges FräÄe.n". sagt« er mit seinem bekannten licheirswür- t'fdten Lächeln, »wenn ich mich nicht schr irre, falte ich ischc« vorgestent hie Ehre. Ihnen mein Auio* grantnt überreichen Zu dürfen".
Die blonde llitÄuld erschrak sehr. »Ser sie stammelte: .Meister, ich hält« Ihre ter erchrlfl so ferne "och einmal gcb'bt. Ich k nn st« nämlich gegen du» Autogramm von Harrh Liedcke austouschea".
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