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Ä. 4 / Einundzwanzigster Zahrgang

Kasseler Treueste Nachrichten

Dünsiag. 6. Januar 1931 z 2. Beilage

Vom postfchreiber zum Postminister

Zum 100. Geburtstag -es Begründers -er Deutschen Reichspost

ncn des Erdballs, die als seine größte Tat bezeichnet werden kann. Aus seinem Gebiet blieb er führend. Er schuf u. a. Die Rohrpost uiuö war ver erste, der die Bcdeuiung oct neiicu Erfindung ves Fernspre­chers erkannte. Zwei Monate bevor Das Bell-Tele­phon in seiner Heimat Amerika zur VerwenDung gelangte, übergab Stephan, Der diese Erfindung

Noch heute nennt man Wohl den Briefträaer Siephansboien", ein Beweis dafür, wie das Wirken des Großmeisters uito eigentlichen Schöpfers des deutschen Postweiens Heinrich Stephan in das Be­wußtsein des Volkes gedrungen war.^Freilich vieles von dem, was dieser Mann nicht nur für sein Vater­land, Iandern für die ganze Welt geschaffen, ist unier- deffen verschüttet, doch in der Weltgeschichte des Post- uno Nachrichtenwesens wird sein Name fortleben als der eines Genies, das für dieses Gebiet eine beson­dere Begabung besaß.

Stephan war ein Selfmademan, der sich sein uni- verielles Wissen auf eigene Faust aneignete, und seine ^u'bahn die ihn vom Postschreiber zum Postmini­ster führte, ist ein echter Roman des Lebens. Daß in dem Lohn des Schneiders Stephan in Stolp, als er

I7 Zähren als Postschreiber in den preußischen Postdirnst aufgenommen wurde, bereits eine Ahnung sein^ kmiftigen Ausstieges bestand, zeigt seine Aeuße- ruag: Ein schlechter Kerl, der nicht denkt, General- Postmeister zu werden." Freilich leicht wurde ihm die Erreichung dieses Zieles nicht. Er war vor allem ein erstaunlicher Arbeiter, der sich durch nächtliche Stu­dien das ungeheure Wissen aneignete, das ihn später dazu befähigte, seine gtuitolegenben Werke zur Ge- schichte des Verkehrs und der Post zu schaffen.Weil ich beim Nachtarbeiten manchmal die Füße in kaltes -ibaper setzte, ist mir die Schleimhaut im Halse und auf der Brust, zerrissen," schrieb er damals beiläufig m einem Brief an den Vater."Der Brusthusten war so arg, daß ich fürchtete, es säße in der Lunge. Aber eine ärztliche Untersuchung har das nicht bestätigt."

Weil er sich nicht zu Spitzeldiensten in seiner Zeit derschwarzen Kabinette" hergeben wollte, war er aus dem Generalpostamt, in das man ihn seiner Be­fähigung wegen früh gebracht hatte, strafversetzt wor­den, und das Gehalt war so gering, daß er, den heu­tigen Werksstudenten vorauseilend, in einem Tanz- lokal mit seiner Geige aufspielte. Doch seine über­ragende Begabung ließ sich nicht verkennen, und so holte der damalige preußische Generalpostmeister Schmücken 1856 den vielversprechenden jungen Be­amten als seinen Gehilfen nach Berlin, und schon mit 27 Jahren war er Postrat.

Von nun an beginnt seine großartige Tätigkeit im Dienste und zum Nutzen der Weltpost.

Stephans erste Erfindung war die der Postkarte, deren Einführung er 1865 in einer Denkschrift befür­wortete. Aber damals war schon sein Freund Schmückert dahingegangen; sein Nachfolger suchte das aufstrebende Genie in jeder Weise zu behindern, und so war es die Oesterreichische Postverwaltung, die die Idee Stephans 1869 verwirklichte. Durch seine ge­schickten Verhandlungen hatte er damals, noch vor der Reichseinheit, bereits eine deutsche Posteinheit

zusammengebracht und 1867 schuf er als Schrittma­cher der deutschen Einheit als Einheitsporio die Sil­bergroschenmarke. Gewiß eine Großtat, die man da­mals ganz anders empfand als heutzutage, da die Zahl der verschiedenen Brieftaxen int deutschen Post­verkehr bet Stephans Eintritt noch etwa 2000 betra­gen hatte.

Endlich 1870 zum Generalpostdirektor ernannt, schuf er zunächst die mustergültige Organisierung der

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Fernsprecher getauft hat, in Deutschland dem öffent­lichen Verkehr und zwar am 12. November 1877. Zehn Jahre später wies Berlin die meisten Sprech­stellen in der Welt aus.

Sogar die Bedeutung der Luftschiffahrt Hai Ste­phan bereits vorausgeahnt, als er 1874 in seinem VortragWeltpost und Luftschiffahrt" erklärte, nur mit einer starken Kraftmaschine werde sich dieses Pro­blem lösen lassen. Dadurch wurde er zum Anreger

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Die im Stil der alten Reichspost herausgebrachte Stephan-Gedächtmskarte.

Feldpost ün deutsch-französischen Kriege und machte dann durch seine umfassenden Reformen die Deut­sche Reichspost zu einer Musteranstalt, die in der gan­zen Welt bewundert wurde. Jetzt konnte er auch seine Pläne zur Vereinheitlichung des internationalen Postwesens, die er feit 1860 verfolgte, Durchfuhren, und ihre Krönung war die Schöpfung des Weltpost­vereins, die erste universelle Vereinigung der Natio-

des Grasen Zeppelin, der öfters gestanden hat, daß der Wunsch, ein lenkbares Luftschisf zu schassen, in ihm durch den Vortrag Stephans wachgerufen wor­den sei. Später hat dann Stephan dem sonst allge­mein verspotteten Grafen bei seinen Arbeiten mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Als er starb, hin­terließ er sein Werk, die deutsche Reichspost, als ein Vorbild und Muster für die ganze Welt.

der Philippinen-Jitsel Leyte angerrichteten Lchaven werden auf eine halbe Million Dollar gefchatzi, die Schäden auf der Insel Lebu auf eine Viertel Million Dollar. Viele Fischerboote sind gesunken r.ie Mel­dungen über das Unglück erleiden große Verzöge­rungen, da durch den Taifun die telegraphifchen Ver­bindungen unterbrochen sind.

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An Bord des von Colombo nach dem Fernen Cften ausgelaufenen norwegischen Schiffes .Tregolo entstand eine Explosion. Das Schiff ist gefüllten- Vier Mann der Besatzung sollen ertrunken fern.

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Im Kaspischen Meere wurden 50 Fischer mit einer Anzahl Pferde auf einer Eisscholle fortgetrieben. Mehrere Dampfer und ein Flugzeug wurden zur Rettungsaktion ausgeboten.

Zabh" Zohnsons Anfall

Heute We-terslug nach Warschau.

Das Flugzeug der englischen Fliegerin Amy John­son, die bei Krasnoflelsk vor Warschau eine Notlan­dung machte, ist schwerer beschädigt als zuerst ange­nommen wurde. Der Propeller ist bei der Landung zerschlagen worden; das Fahrgestell und der Rumpf wurden stark mitgenommen. Mit dem Auto des eng­lischen Militärattaches hat sich ein Mechaniker des Warschauer Flugplatzes nach Krasnosielsk begeben, um das Flugzeug zu reparieren. Da Amy Johnson einen Ersatzpropeller im Flugzeug mit sich führte, konnte der Luftschraubenschaden schnell beseitigt wer­den, etwas schwieriger gestaltet sich dagegen die Repa­ratur des Rumpfes und des Fahrgestells Trotzdem wird angenommen, daß der Apparat morgen wieder lufttiichtig sein wird. Auf jeden Fall will Amy John­son ihren Flug im Laufe des heutigen Tages nach Warschau fortsetzen.

Die Notlandung Amy Johnsons vollzog sich auf einem schneebedeckten Acker, der nicht so eben war wie er sich von der Luft aus ansah. Bei der Landung rannte der Apparat mit einem Landerad in ein Loch. (Siehe auch das Interview unterer Mitarbeiters Rens Kraus mit Amy Johnson.)

Falsche Bilanzen

Zwei Oüffel-orfer Millionenschwin-ler festgenommen

Düsseldorf. 6. Januar.

Nach einer Mitteilung des Polizeipräsidiums wur­den in der Nacht zum Sonntag zwei hier wohnende Kaufleute wegen betrügerischen Bankrotts, Urkunden­fälschung und Betrugs in großem Umfange festge- nommen. Es handelt sich um den Kaufmann Ernst Bergmann und feinen Geschäftsführer Harry Roft- siepen. Beide haben durch ihre Machenschaften hie­sige und auswärtige Firmen in erheblichem Maße ge­schädigt.

Bergmann war alleiniger Inhaber der Exportfir- ma Bergmann und Co., Rottsiepen War Geschäfts­führer der Firma Bergmann, der eine zeitlang Sub­direktor eines Verstcherungskonzerns war, hat feine vielfältigen Geschäftsverbindungen bei der Führung seines Exportgeschäftes ausgenutzt. Er beschäftigte sich mit dem Vertrieb von Solinger Stahlwaren und richtete u. a. auch in Buenos Aires eine Filiale ein. Die Rentabilität der Firma war seinerzeit über je­den Zweifel erhaben. Vor einiger Zeit stellte jedoch die Firma ihre Zahlungen ein. Der Konkursverwal­ter stellte festz daß die Firma feit 1928 keine ord­nungsmäßigen Bücher mehr geführt und vollkommen

falfche Bilanzen ausgegeben hat. Bergmann hat sei­nen unbegrenzten Kredit bei hiesigen Banken und Firmen dazu benutzt, die Firmen und Banken um große Betrüge zu schädigen. Er täuschte Sicherheiten vor. die in Wirklichkeit nicht vorhanden waren. Als die Banken auf Angabe des Status drängten, legte er willkürliche Bilanzen vor. Für das Jahr 19-29 ve- ftanöen drei verschiedene Bilanzen, die für verschie­dene Banke« bestimmt waren.

Im ganzen hat Bergmann die Firmen um unge­fähr eine Million Mark gefchädigt. Rottsiepen hat im Einvernehmen mit Bergmann die falfcken Bilanzen aufgefteHt. Gegen beide hat das Amtsgericht Haft- besehlt erlassen.

Eine Trauung mii Hindernissen

Ein ergötzliches Geschichtchen wird dem Frankfur­ter G.-A. aus dem kleinen starkenburgischen Örtchen T. berichtet. Auf Sonnabend nachmittag war eine Trauung angesetzt. Zur vorgeschriebenen Zeit erschie­nen int Amtszimmer des Herrn Bürgermeisters Braut und Bräutigam sowie die notwendigen Zeugen und Familienangehörige. Nur die Hauptperson, der Herr Standesbeamte, fehlte. Der Landwirt X. ver­einigt in seiner Person Bürgermeister, Standesbe­amter, Polizeigewaltiger und noch manches mehr und hatte die Trauung vollkommen vergessen. Seine Frau erklärte mit der größten Seelenruhe:Mein Mter is schon heunt morje nach Daimnschstadt."

In der Kirche warteten bereits Pfarrer und Kü­ster, um dem Bund anschließend die kirchliche Weihe zu verleihen. Auf die Rückkehr des Herrn Bürger­meisters konnte nicht gewartet werden. Also wurde der Herr Beigeordnete als Vertreter bestellt. Dieser ließ seinen Acker im Stich, warf sich in den-Son n- lagsanzug und pumpte sich bei einem pknchbarn di« schwarze Krawatte. Mit zweieinhalbstündiger Ver­spätung konnte die Eheschließung vorgenommen wer­den. Aber die Sache hatte noch ein Nachspiel. Der Beigeordnete ist zwar Vertreter des Bürgermeisters, hat aber zur Vornahme von standesamtlichen Trau­ungen kein Recht. Die Trauung war daher ungültig und die junge Frau fiel vor Entsetzen beinahe in Ohnmacht, als sie erfuhr, daß sie nach dem Gesetzes­paragraphen mit ihrem Mann inwilder Ehe" lebt. Dem Herrn Bürgermeister blieb zum Gaudium der Gemeinde T. nichts anderes übrig, als die Zeremonie persönlich noch einmal nachzuholen.

Das von General Balbo befehligte italienische Fluflzeug»zefchwader ist gestern nacht 2 Uhr Green­wicher Zeit in Bolama (portugiesisch Guinea) nach Port Natal (Brasilien) gestartet und befindet sich jetzt über dem Atlantischen Ozean.

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Im Herzen der Philippinen wütet« ein schwerer Taifun, dem 82 Personen zum Opfer gefallen fein sollen. Etwa 50 Menschen werden vermißt. Die auf

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Amy Johnson auf dem Flugplatz Berlin-Tempelhos vor ihrem Weiterflug nach Warschau.

Elly Beinhorn in Basel gelandet.

Basel, 6. Januar. Die 22jährige Fliegerin Elly Beinhorn, die gestern früh uni 10.20 Uhr in Stuttgart zu ihrem Afrikaflug nach Lyon gestartet ist, mußte wegen des schlechten Wetters bei Bessingen im Schwarzwald landen. Die geriet bald nach ihrem Start in dichtes Schneetreiben und Nebel, so daß sie sich zu einer Landung auf einem Felde entschließen mußte. Nach zweistündigem Aufenthalt erhob sie sich mit ihrem Klemmflugzeug vom völlig verschneiten Felde und nach kurzem Weiterfluge landete die Flie­gerin in Basel. Sie wird heute, falls das Wetter günstig ist, ihren Weiterflug nach Lyon antreten.

In stiller Trauer,

Helene Pfeil, geb. Emmert.

Kassel (Herkulesstr. 39,1.), den 4. Januar 1931.

Die Trauerfeier zur Einäscherung findet Donners­tag, den 8. lanuar, um 13 Uhr in der Friedhofs» kapelle KarolinenstraBe statt.

Statt besonderer Anzeige.

Mein lieber, guter Mann, mein treuer Lebens» kamerad während 36jähriger Ehe, der praktische Arzt i. R.

Dr. med.

August Pfeil ist an den Folgen eines erneuten Schlaganfalles heute sanft entschlafen.

Kassel (Wolfsanger Straße 3), den 5. Januar 193L

Die Beerdigung findet Donnerstag mittag 1.45 Uhr von der Fr.edhofskapelle Karolinenstraße aus statt.

Montag früh 5 Uhr ist unsere liebe, gute Mutter. Groß» mutter, Schwiegermutter, Tante, Schwägerin und Godel Witwe Katharina Kifiner geb. Aschenbrenner

im Alter von 67 Jahren sanft entschlafen.

In tiefstem Schmerz: Familie Kißner Familie Mosebach.

Familie Gustav Guse.

Kassel. Mittelgasse 7.

von innen her durch

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie Kranzspenden beim Hinscheiden unserer lieben Entschla­fenen sagen wir Allen unseren herz­lichen Dank. Insbesondere danken wir Herrn Pfarrer Ruetz üi seine trost­reichen Worte, sowie dem Kasseler Sportverein »Pfeil 09.

Gestern abend 10 Uhr entschlief sanft nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder und Großvater

Statt Karten

Für die Beweise herzlicher Teil­nahme beim Heimgänge unseres lieben Verstorbenen, des

Bierverlegers Fritz Ahrens

sagen wir Allen auf diesen Wege um reren herzlichsten Dank.

Familien Damm u. Wagner.

Kassel, Wetzlar, der 5. Januar 1931.

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Johannes Kimpel

In tiefem Schmerz i Wwe. Etje Kimpel, geb. Rohlfs. Kassel (Wilhelmshöher Allee 141), den 6. Januar 1931.

Die Beerdigung findet Freitag, nachmittags 2.45 Uhr, von der Friedhofskapelle Wehlheiden aus statt.

Von Beüeidsbesuchen bittet man Abstand zu nehmen.

Kassel (Pferdemarkt 28). den 5. Januar 1931.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Januar, nach

mittags 3.15 Uhr, von der Friedhofskapelle Karoiinenstraße

aus statt.

Du warst so gut, Starbst viel zu früh,

Wer dich gekannt Vei gißt dich nie.

Sonnabend, den 3. Januar 1931, früh 7 Uhr, starb plStzlich und unei wartet nach kurzem, aber schwerem Leiden mein

lieber, guter, treusorgende'- Mann, unser lieber, guter Vater. Schwiegervater, Großvater, Sohn, Bruder und Schwager

Fuhrunternehmer

Konrad Hilgenberg

in kaum vollendetem 55. Lebensjahr.

In tiefem Schmerz: